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4 Februar 2026 0 Kommentare
Allgemein

Schulstreik in Hannover: 1.700 Jugendliche demonstrieren gegen die neue Wehrpflicht

von Fremdeninfo 5 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von: C umali  Yagmur/Hannover

Während sich die Politik in Deutschland auf eine kritische Abstimmung vorbereitet, die die Zukunft der Sicherheitspolitik prägen wird, verließen Schüler an hunderten Schulen im ganzen Land den Unterricht und gingen auf die Straße.

Auch in Hannover gingen Schüler auf die Straße und protestierten gegen die Wehrpflicht.

Das Bündnis „Hannover gegen Wehrpflicht“ rief zu einem „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ auf. Etwa 1.700 Jugendliche folgten diesem Aufruf und demonstrierten in der Innenstadt.

Am Tag, an dem der Bundestag die Modernisierung des Wehrdienstes billigte, versammelten sich rund 1.700 Jugendliche vor dem Hauptbahnhof Hannover – direkt neben dem Weihnachtsdorf – und protestierten gegen das neue Gesetz. Kurz nach 14:00 Uhr setzten sich die Streikenden in Bewegung und zogen etwa eine Stunde lang durch die Hannoveraner Innenstadt. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich.

Die Redner Jonathan und Laurenz hätten eigentlich heute Mittag in der Schule sein müssen. Die beiden 17-Jährigen besuchen die zwölfte Klasse des Gymnasiums Limmer. Doch der Streik war ihnen wichtiger. „Ich bin Jahrgang 2008, das betrifft mich direkt“, sagt Laurenz. „Ich sehe es nicht ein, für Dinge zu sterben, hinter denen ich nicht stehe.“ Der Jugendliche hält einen Flyer zur Beratung für Kriegsdienstverweigerer in der Hand. „Ich werde zum nächsten Termin gehen“, sagt er.

Das Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ hatte an etwa 20 Schulen in Hannover um Unterstützung für den Schulstreik geworben. Hannover ist einer von dutzenden Orten im ganzen Land, an denen „Schulstreiks gegen die Wehrpflicht“ angekündigt wurden. Dennis Schlichting vom Hannoveraner Ableger sagt, der Protest richte sich auch gegen die „geplanten ersten Schritte“ des neuen Gesetzes.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, unten rechts) gibt bei der namentlichen Abstimmung im Bundestag über das neue Wehrdienstgesetz seine Stimmkarte ab.

Die Modernisierung des Wehrdienstes sieht vor allem eine Verstärkung der Bundeswehr durch Freiwillige vor. Der Wehrdienst soll mindestens sechs Monate dauern und mit mindestens 2.600 Euro brutto monatlich vergütet werden. Ab dem 1. Januar ist es für 18-jährige Männer verpflichtend, in einem Fragebogen anzugeben, ob sie den Wehrdienst leisten wollen und ob sie sich dafür geeignet halten. Frauen können den Fragebogen ausfüllen, müssen aber nicht. Zudem wird die Musterung für junge Männer wieder verpflichtend.

Wenn sich auf diesem Weg jedoch nicht genügend Freiwillige finden, kann der Bundestag eine „bedarfsorientierte Wehrpflicht“ beschließen. Schlichting sagt: „Wir gehen davon aus, dass die Freiwilligkeit nicht ausreichen wird und eine Verpflichtung kommen wird.“

Auch Studenten schlossen sich dem Demonstration an, um Solidarität zu zeigen.

Die Protestform in Anlehnung an die Klimabewegung wurde bewusst gewählt. Bündnissprecher Schlichting sagt: „Was ist schon ein Tag Schule gegen ein halbes Jahr Zwangsdienst?“ Auch wenn der Streik in Hannover erst gegen Mittag begann, gingen Jugendliche in anderen Städten teils deutlich früher auf die Straße, in Göttingen beispielsweise schon vor 11 Uhr. Schlichting sagt: „Das war erst der Anfang.“ Für Anfang März sei der nächste bundesweite Streik geplant.

Während des Demonstration wurden Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität“ und Grüße an das palästinensische Volk laut.

Der  Demonstration  verlief sehr ruhig und alle gingen ohne Zwischenfälle nach Hause.

5 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Schweige nicht zu den Geschehnissen in der AABF, mach dich nicht mitschuldig!

von Fremdeninfo 5 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von: Hüseyin Şenol


Die Erklärungen der weiblichen Führungskräfte, der Vereine und des Disziplinarausschusses in der AABF sind keine Dinge, zu denen man schweigen sollte, sondern Stimmen, die gehört werden müssen. Für institutionelle Gerechtigkeit und gesellschaftliche Gleichheit darf man vor dieser Stimme nicht die Ohren verschließen, sondern muss ihr Kraft verleihen.


In alevitischen Institutionen gibt es seit Jahren einen Kampf, vor allem für Geschlechtergerechtigkeit und Gleichheit im Allgemeinen. Jeder Moment, in dem dieser Kampf sichtbar gemacht wird, ist gleichzeitig von historischer Bedeutung für Demokratisierung und Rechenschaftspflicht. Wenn heute in der Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland (AABF) 9 weibliche Führungskräfte, 57 Vereine und der zentrale Disziplinarausschuss eine Erklärung abgeben, dann ist dies kein Schweigen mehr, sondern eine offene, öffentliche und kollektive Haltung.

Die Geschehnisse können weder als eine „innere Angelegenheit“ abgetan noch als Polemik trivialisiert werden. Es liegt eine sehr klare Realität vor: Der Prozess, der innerhalb der Institution stattfindet, hat selbst Nachrichtenwert. Die geteilten Artikel, Interviews und Nachrichten sind keine Polemik, sondern die Wahrheit selbst.

Man darf es nicht ignorieren, man muss antworten

Wenn es eine abweichende Meinung zu den Erklärungen der Frauen, der Führungskader und der Vereinsvertreter gibt, kann diese natürlich geäußert werden. Aber das kann nicht bedeuten, ihr Schweigen zu fordern oder es mit Stille zu übergehen. Wenn es eine Diskussion gibt, ist Transparenz erforderlich. Gerade wenn diejenigen, die ins Abseits gedrängt wurden, selbst Gegenstand der Nachricht sind, ist die Aussage „diese Angelegenheit sollte nicht öffentlich sein“ eine Flucht vor der Realität.

Leider aktivieren einige linke, sozialistische Institutionen und Individuen bei jeder Kritik ein auswendig gelerntes Klischee: „Solche Vorstöße dienen dem Feind.“ Dabei ist das wahre Dienen am Feind, angesichts von Ungerechtigkeit zu schweigen und bei Unterdrückung still zu bleiben. Eine gesellschaftsorientierte Linie und eine freiheitliche Haltung erfordern dies.

Dieser Ansatz ist weder mit Ethik noch mit sozialistischen Prinzipien vereinbar. Gruppenzwang („Mahalle baskısı“) auszuüben, den Kritiker zum Feind zu erklären und Fehler mit dem Reflex „einer von uns“ zu vertuschen, ist eine Haltung, die der sozialistischen Demokratie offen feindlich gegenübersteht. Erinnern wir uns: Sozialist zu sein ist keine Frage der Zugehörigkeit, sondern der Verantwortung.

Jeder Bereich ist politisch und keine Institution oder Einzelperson ist frei von Kritik. Das schließt sozialistische Institutionen ebenso ein wie Glaubensinstitutionen. Daher lautet mein Aufruf insbesondere an die „sozialistischen“ Freunde: Anstatt Kritik aus Interessenkalkül zu meiden, sollten sie sich dem Alevitentum und den Entwicklungen innerhalb dieser Institution nähern und dabei die Angst vor „Mitgliederverlust“ hinter sich lassen. Sich der Kritik zu entziehen, bedeutet, sich an der Ungerechtigkeit zu beteiligen.

Man muss Gewissen und linken Verstand besitzen.

Der Disziplinarausschuss hat die Justiz eingeschaltet

Der zentrale Disziplinarausschuss der Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland (AABF) hat in seiner öffentlichen Erklärung einen wichtigen Wendepunkt bekannt gegeben. Der Ausschuss erklärte, dass Informationsanfragen bezüglich der Erdbebenhilfen für die Türkei 2023 und der Ausgaben für die Madımak-Dokumentation unbeantwortet blieben und die institutionellen Kontrollprozesse systematisch behindert wurden. Aus diesen Gründen habe man den Prozess vor Gericht gebracht. In der Erklärung wurde zudem betont, dass der AABF-Vorstand seine „Rechenschaftspflicht systematisch verletzt“ habe und dass Strafanzeige gegen die Verantwortlichen erstattet wurde.

Diese Situation ist nun nicht mehr nur ein internes Verwaltungsproblem, sondern ist zu einem juristischen Prozess geworden, der eine öffentliche Verantwortung trägt. Dass die Forderung nach institutioneller Transparenz auch vom Disziplinarausschuss übernommen wurde, hat diese Diskussion von einer persönlichen in eine strukturelle Angelegenheit verwandelt.

Gerechtigkeitsaufruf von weiblichen Führungskräften

Nur wenige Tage nach der Erklärung des Disziplinarausschusses wandten sich diesmal weibliche Führungskräfte, die seit vielen Jahren in der AABF tätig sind, unter dem Titel „Aufruf zur Gerechtigkeit gegen die Gesetzlosigkeit und den Druck in der AABF“ an die Öffentlichkeit. In der Erklärung wurde sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Institution den Interessen einer kleinen Gruppe ausgeliefert sei. Darüber hinaus wurde betont, dass Praktiken wie Beleidigung, Ausgrenzung, Druck und Einschüchterung gegenüber oppositionellen Frauen, die an der Diskussion teilnehmen, zur Normalität geworden seien.

Die Frauen sagten offen: „Ihr habt geglaubt, die AABF sei euer Privateigentum.“ Dieser Satz ist nicht nur eine Reaktion; er offenbart die Tiefe der institutionellen Krise in der AABF und das Ausmaß, das die zentralisierte Willkür erreicht hat.

Eines der markantesten Beispiele dieses Prozesses ereignete sich auf der Generalversammlung in Frankfurt. Die Delegierte Özlem Kılıç Mirwald äußerte in ihrer öffentlichen Erklärung Folgendes:

„Der physische Angriff, den ich auf der Generalversammlung in Frankfurt erlitten habe, und die Verhinderung meines Rederechts sind ein Versuch, Kritik zum Schweigen zu bringen; diese Haltung ist eine offene Verletzung der Meinungsfreiheit und demokratischer Werte.“

Diese Erklärung zeigt, dass sich die Geschehnisse nicht auf Meinungsverschiedenheiten beschränken, sondern sich in Form von direkter physischer Intervention und institutionellem Mobbing manifestieren. Zudem sind diese Eingriffe als individuelles Beispiel für die systematische Ausgrenzung von Frauen in das öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Nach diesen Entwicklungen sollte sorgfältig notiert werden, dass ein Name, der zu den Gründungsmitgliedern der AABF gehört und derzeit das Amt des Ehrenvorsitzenden innehat, offene Kritik an dem Prozess und den öffentlich gewordenen Entwicklungen geübt hat – allerdings in die falsche Richtung. Diese Kritik, die sich insbesondere gegen die Medien richtet, die den Stimmen der weiblichen Führungskräfte, des Disziplinarausschusses und Dutzender Vereine Gehör verschaffen, muss als Versuch gelesen werden, das institutionelle Schweigen wiederherzustellen. Dabei ist der Titel „Ehrenvorsitzender“ nicht dazu da, die Arbeit der Vergangenheit zu heiligen, sondern um angesichts heutiger Ungerechtigkeit mehr Verantwortung zu übernehmen.

Diese Erklärung, kombiniert mit dem Vorstoß des Disziplinarausschusses, deutet darauf hin, dass es sich nicht um individuelle Beschwerden handelt, sondern um eine strukturelle Fäulnis. Zu dieser Stimme nun zu schweigen, ist nicht mehr nur eine Wahl, sondern eine Flucht vor der Verantwortung.

An diesem Punkt muss gefragt werden: Hieß es nicht, die Aussage der Frau sei essenziell?

Warum wird dieses Prinzip, das in alevitischen Institutionen, linken Kreisen und der demokratischen Öffentlichkeit oft geäußert wird, ausgesetzt, sobald es um oppositionelle Frauen geht? Ist es nicht Prinzipienlosigkeit, diese Aussagen zu ignorieren in einer Phase, in der Frauen offen erklären, dass sie Druck, Beleidigung und Ausgrenzung ausgesetzt sind? Ist Solidarität nur auf bestimmte Frauen beschränkt?

Die Stimme der Frauen zu hören, bedeutet nicht, Partei zu ergreifen, sondern gerecht zu sein. Und diese Gerechtigkeit beginnt erst damit, dass man die Aussagen als Grundlage nimmt.

Medien anzugreifen kann nicht über soziale Medien fortgesetzt werden

Den Stimmen der weiblichen Führungskräfte, der Vereinsvertreter und des AABF-Disziplinarausschusses, die heute Erklärungen abgeben, Raum zu geben, ist echte journalistische Arbeit. Diejenigen, die davor die Ohren verschließen und diejenigen angreifen, die mutig gegen Ungerechtigkeit vorgehen sowie die Medienorgane, die diese Stimme furchtlos auf ihren Seiten verbreiten, befinden sich in einem schweren Irrtum.

Zudem bleiben diese Angriffe nicht auf individuelle Reaktionen beschränkt; sie werden auch in den sozialen Medien systematisch fortgesetzt. In einer solchen Situation kann die Aussage „das ist unsere interne Angelegenheit, das soll nicht nach außen getragen werden“ keine Verteidigung mehr sein. Es darf nicht vergessen werden, dass auch soziale Medien ein öffentlicher Raum sind. Menschen äußern hier ihre Ansichten, und die Medien berichten über diese öffentlich zugänglichen Ansichten. Wenn Erklärungen direkt über soziale Medien abgegeben werden, ist der Vorwurf an die Medien „warum habt ihr darüber berichtet“ unangebracht und grundlos.

Dagegen verstoßen Diskurse wie „Die AABF sollte intern diskutieren, die Angelegenheit sollte nicht von außen angeheizt werden“ oder „solche Kritik spaltet die alevitische demokratische Bewegung“, die uns selbst in einigen Kreisen oft begegnen, gegen das grundlegendste Prinzip demokratischer Legitimität: die öffentliche Kontrolle. Auch wenn sie auf den ersten Blick gut gemeint erscheinen mögen. Denn Probleme in einer Institution, die öffentlich arbeitet und Tausende von Menschen vertritt, sind nicht nur eine „interne Angelegenheit“, sondern Themen, die die gesamte Gesellschaft betreffen und Verantwortung erfordern. Linker Verstand erfordert nicht Schweigen, sondern verantwortungsvolles und mutiges Sprechen. Solche Diskurse sind oft die politische Tarnung für Sorge und Feigheit…

Zudem sollte man nicht über die Kritiker sprechen, sondern über die Gründe der Kritik. Der Versuch, berechtigte Kritik mit Verallgemeinerungen wie „auf das Spiel der AKP hereinfallen“ zum Schweigen zu bringen, ist nicht das Produkt einer freiheitlichen und fortschrittlichen Linie, sondern von Reflexen, die in Krisenzeiten Schweigen erzwingen.

Es gibt auch unglückliche Erklärungen gegen die Berichterstattung in Zeitungen und sozialen Medien wie: „Die AABF sollte ihre internen Probleme durch interne Diskussionen lösen. Einmischungen von außen sind nicht objektiv.“ Was diese Freunde vergessen, oder besser gesagt nicht sehen wollen, ist die Situation: Es ist keine „Einmischung von außen“, sondern der Schrei von Hunderten, ja Tausenden von innen. Solche Diskurse dienen, besonders wenn sie dazu benutzt werden, das Schweigen gegenüber offenen Erklärungen und öffentlich gewordenen Entwicklungen zu legitimieren, im Wesentlichen dazu, die Meinungsfreiheit und die demokratische Rechenschaftspflicht zu unterdrücken.

Wir geben den Pluralismus nicht auf

Natürlich gab es Reaktionen darauf, dass wir diesen Entwicklungen auf unseren Seiten Platz eingeräumt haben. Das ist natürlich. Aber die Zahl derer, die uns mit ihren Artikeln, Kommentaren, Direktnachrichten und Erklärungen unterstützen, ist nicht zu unterschätzen. Um es offen zu sagen: Wir können ruhigen Gewissens sagen, dass die Zahl dieser Unterstützungsbekundungen die Reaktionen gegen unser ethisches Presseverständnis um ein Vielfaches übersteigt.

Insbesondere das Schweigen der „alevitischen Medien“ und der „sozialistischen Medien und des Umfelds“ setzt sich auch bei dieser Entwicklung fort. Die Zeitung Avrupa Demokrat, bei der ich einer der Autoren bin, ist eines der wenigen, vielleicht nur drei oder vier Medienorgane, die diesen Prozess mutig verfolgen. Avrupa Demokrat, das auch den Erklärungen des AABF-Vorstands und der Mitgliedsvereine Platz einräumt, wird auch weiterhin die Stimme der Oppositionellen hörbar machen. Denn das erfordert die Presseethik. Pluralismus und Kritik sind die Grundlage unserer öffentlichen Verantwortung.

Selbst dieses Bild ist an sich schon ein Indikator. Die Menschen stellen sich auf die Seite des Gerechten, des Offenen, der Wahrheit. Dieses Eintreten muss als eine gemeinsame Stimme gegen diejenigen verstanden werden, die das Wort der Oppositionellen, insbesondere der Frauen, unterdrücken wollen.

Das ist keine persönliche Angelegenheit. Das ist eine historische und gesellschaftliche Prüfung. Und bei dieser Prüfung gilt es nicht zu schweigen, sondern zu sprechen.


Hüseyin Şenol – 05.12.2025
Tags: AABF (Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland), Alevitentum, AABK (Konföderation der Alevitischen Gemeinden in Europa), Avrupa Demokrat, Religion, Hüseyin Şenol, Medien, Polemik, sozialistische Demokratie, Diskussion

5 Dezember 2025 0 Kommentare
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Politik

Das Urteil im Fall Fatih Altaylı: Der Bankrott des Schweigens

von Can Taylan Tapar 4 Dezember 2025
von Can Taylan Tapar

Die Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten gegen Fatih Altaylı ist weit mehr als nur ein weiterer Beleg für die Politisierung der Justiz. Sie ist ein „Laborfall“, der das neue „Vollstreckungs-Engineering“ des Regimes offenbart. Wir haben es hier nicht mit einem impulsiven, im Zorn gefällten Urteil zu tun, sondern mit einer millimetergenau kalkulierten, bürokratischen Operation. Ihr Ziel: den Weg zum Obersten Gerichtshof (Yargıtay) zu versperren und den Berufungsprozess faktisch in eine unbefristete Haft umzuwandeln.

Dieses Urteil zeigt unmissverständlich, dass sich die Regierung nicht mehr damit begnügt, oppositionelle Stimmen einfach nur zum Schweigen zu bringen. Vielmehr werden sie in technischen Details ertränkt und das juristische Verfahren selbst wird zu einem Folterinstrument umfunktioniert. Vor uns liegt kein Rechtsfall, sondern eine vom Regime entworfene Konstruktionsakte.

Ein Erfolg des juristischen „Engineerings“: Die Falle der Fünf-Jahres-Grenze

Während die Öffentlichkeit noch über die Höhe der Strafe diskutiert, verstehen wir die technische Perfidie hinter dem Urteil erst durch die Enthüllungen des Rechtsanwalts Akın Atalay. Es geht nicht darum, wie lange Altaylı tatsächlich einsitzen muss, sondern darum, wie verhindert wurde, den Fall vor die höchste Instanz zu bringen.

Akın Atalay dechiffriert diese „juristische Feinarbeit“ wie folgt:

„Was dem Journalisten Fatih Altaylı (und stellvertretend durch ihn allen Journalisten) mit dem heutigen Urteil des 26. Istanbuler Schwurgerichts gesagt wird, bedeutet im Klartext: Es wurde eine Haftstrafe von 4 Jahren und 2 Monaten sowie die Fortdauer der Untersuchungshaft beschlossen. Das Ziel dabei ist, dass bis zu einer möglichen Entscheidung des Berufungsgerichts (İstinaf) die Strafe bereits verbüßt ist – und zwar so, dass kein Recht auf Revision beim Obersten Gerichtshof (Yargıtay) besteht. (…)

Ein Ratschlag an alle Angeklagten, die wegen solcher Delikte vor Gericht stehen: Tun Sie alles, um eine Strafe von mehr als fünf Jahren zu erhalten, anstatt weniger! Nur so haben Sie die Chance, Ihren Fall vor den Obersten Gerichtshof zu bringen, und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, am Ende ein gesetzes- und rechtskonformes Ergebnis zu erzielen.“

Diese Analyse ist der Beweis dafür, dass die Justiz ihre Funktion als Kontrollmechanismus verloren hat und zu einem „Lieferservice“ für Bestrafungen im Sinne der Regierung verkommen ist. Die „Unter-fünf-Jahre“-Grenze ist eine Falle, die dem Angeklagten das Recht auf eine umfassende juristische Verteidigung entzieht und die Ungewissheit des Berufungsprozesses in einen direkten Strafvollzug verwandelt. Das Recht nutzt seine eigenen Lücken als Waffe.

Das Ende der Konsensproduktion, der Beginn des „Spielzeug-Friedens“

Diese technische Belagerung innerhalb der Justiz zeigt zudem, auf welch morschem Fundament die politischen Debatten über „Normalisierung“ oder einen „neuen Prozess“ stehen. Das Theater der „Entspannung“, das inszeniert wird, um den Zusammenbruch der wirtschaftlichen Infrastruktur zu verschleiern, steht nicht im Widerspruch zum härter werdenden Knüppel der Justiz; im Gegenteil, sie ergänzen einander.

Der Journalist Ozan Gündoğdu fasst diese Situation treffend zusammen, indem er auf die Entleerung des Begriffs „Frieden“ hinweist. Er erinnert daran, dass dort, wo kein Recht herrscht, der von der Macht angebotene „Frieden“ kein Gesellschaftsvertrag, sondern ein Gnadenakt ist:

„Frieden ist ein Vertrag. Die Grundlage dieses Vertrags ist das Recht. Wenn man das Recht zerstört, bleibt auch für den Friedensvertrag keine Grundlage mehr. (…)

Frieden kann fortan nur noch ein Spielzeug sein, das die Macht uns gnädigerweise überlässt. Ein Spielzeug, das sie uns jederzeit wegnehmen und jederzeit wiedergeben kann! Denn wir haben keine rechtliche Garantie. Ohne diese Garantie herrscht Willkür – und genau das ist der Fall. Zu hoffen, dass dieser Frieden durch Demokratie gekrönt wird, gleicht den Träumen eines Kindes, das vertieft mit seinem Spielzeug spielt.“

Gündoğdus Feststellung legt die Funktion der Überbau-Institutionen (Justiz und Politik) offen: Ein Regime der Unsicherheit. In einer Ordnung, in der das Kapitalakkumulationsmodell stockt und die Ressourcenverteilung willkürlich erfolgt, werden auch die Bürgerrechte der Willkür unterworfen. Ohne rechtliche Absicherung ist selbst die Freiheit des populärsten Journalisten nur ein „Spielzeug“, das je nach politischem Bedarf des Augenblicks zurückgefordert werden kann.

Wolf und Lamm: Der Bankrott der Schweige-Strategie

Ist es also möglich, diesem Würgegriff durch „Schweigen“ oder „Unauffälligkeit“ zu entkommen? Der Fall Fatih Altaylı markiert auch das Ende jener Strategie, die von der weißen Mittelschicht und der säkularen Opposition oft angewandt wird: „Kopf einziehen, bis der Sturm vorüber ist“.

Rechtsanwalt Osman Ertürk Özel weist auf die psychologische und taktische Dimension des Prozesses hin und betont die „Unersättlichkeit“ des Regimes:

„Ich hatte Herrn Fatih Altaylı wenige Tage vor seiner ersten Verhandlung besucht. (…) Letztlich wurde in der ersten Sitzung keine Haftentlassung beschlossen, und direkt danach unterbrach Herr Altaylı seine Sendungen – eine nur allzu menschliche Reaktion. (…)

Doch wir haben gesehen, dass selbst das Schweigen von Herrn Altaylı diesen Leuten nicht mehr genügt. Wenn der Wolf sich in den Kopf gesetzt hat, das Lamm zu fressen, dann frisst er es. Ich betrachte dieses rechtswidrige Urteil als einen Wendepunkt. Selbst wenn man schweigt: In diesen Leuten brennt ein Groll, der nicht mehr abkühlt. Das war früher nicht so; wer ‚seine Lektion gelernt‘ hatte, konnte gehen. Jetzt ist klar: Man wird nicht mehr gehen können.“

Özels Metapher des „nicht abkühlenden Grolls“ zeigt, dass die Angelegenheit längst keine rationale Verwaltungsstrategie mehr ist, sondern zu einer revanchistischen Vernichtungspolitik mutiert ist. Altaylı schwieg, zog sich zurück, signalisierte, dass er „seine Lektion gelernt“ habe – doch es reichte nicht. Denn das System verlangt nicht mehr nur Gehorsam, sondern absolute Unterwerfung und symbolische Opfer.

Anstatt eines Fazits

Das Urteil gegen Fatih Altaylı ist ein Meilenstein, der zeigt, dass das Recht in der Türkei nur noch aus einer technischen Prozedur besteht, die jedoch selbst in ihren Details zugunsten der Macht manipuliert wird. Die technische Falle, auf die Akın Atalay hinweist, die von Ozan Gündoğdu betonte Unsicherheit und die von Osman Ertürk Özel unterstrichene Nutzlosigkeit des Schweigens deuten auf eine einzige Wahrheit hin:

Solange das bestehende Regime seine Krise nicht überwinden kann, wird es die Justiz weiterhin als Knüppel, den Frieden als Spielzeug und das Schweigen als Schwäche betrachten. Diese Erschütterungen im Überbau sind das Geräusch des tiefen Risses im Fundament. Und wie es scheint, spielt es keine Rolle mehr, wie still das Lamm hält, wenn der Wolf erst einmal beschlossen hat, es zu fressen.

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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FrauenPolitik

Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche

von Fremdeninfo 4 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Angesichts anhaltender Vorwürfe über Repressionen, antidemokratische Praktiken und Gewalt gegen Frauen innerhalb der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) haben sich langjährige Funktionärinnen mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort gemeldet. In dem Statement wird betont, dass die Unterzeichnerinnen die jüngsten Entwicklungen aus nächster Nähe beobachtet hätten. Die Institution sei den Interessen einer kleinen Gruppe ausgeliefert worden, während Belästigung, Beleidigung und Einschüchterung von Frauen systematische Züge angenommen hätten. Nachfolgend der volle Wortlaut der Erklärung:

Aufruf zur Gerechtigkeit gegen Gesetzlosigkeit und Unterdrückung in der AABF

Wir sind Mitglieder (Canlar), die seit Jahren in den Institutionen der AABF dienen und sich für den alevitischen Weg (Yol) einsetzen.

Wir befanden uns inmitten der negativen Entwicklungen in der AABF und wurden direkte Zeugen, wie schlecht dieser Prozess gesteuert wurde.

Mit Sorge haben wir beobachtet, wie unsere Institution den Interessen einer kleinen Profitgruppe ausgeliefert wurde und wie die Struktur, für die wir uns jahrelang engagiert haben, zu einem Machtinstrument in den Händen weniger Einzelpersonen verkommen ist.

Ihr habt Angst und Gewalt so sehr verinnerlicht, dass wir dies während der Generalversammlung am 18.10.2025 [Anm. d. Red.: Datum gemäß Originaltext] am eigenen Leib erfahren mussten.

Ego, Gier und die Sucht nach Posten haben ein solches Ausmaß angenommen, dass ihr Beleidigungen, Belästigungen, Einschüchterungen und die Unterdrückung von uns Frauen als Normalität betrachtet habt.

Ihr habt euch jedes antidemokratische und unrechtmäßige Mittel als Recht herausgenommen.

Es ist ein schmerzhafter Widerspruch, dass der Vorsitzende Hüseyin Mat, der einst rief „Aleviten gehen nicht vor Gericht“, gemeinsam mit Generalsekretär Ufuk Çakır und der Vorsitzenden des Beirats, der Juristin Esma Çakır, einen Anwalt engagiert hat, um einen 75-jährigen alevitischen Ältesten (Mahmut Erdoğan), der diese Missstände kritisierte, vor den Kadi zu zerren.

Derselbe ältere Herr hatte gefragt, warum 54.000 Euro an Erdbebenhilfen an eine private Bäckerei überwiesen wurden. Diese Frage wurde auch in Zeitungen wie Aydınlık, Odatv und Akit thematisiert. Doch gegen diese Medien habt ihr euch nicht getraut, rechtliche Schritte einzuleiten.

Obwohl Özlem Akgül offiziell immer noch die Vorsitzende des Bundes der Alevitischen Frauen in Deutschland (AAKB) ist, habt ihr verfahrenswidrig zunächst Özlem Kara und anschließend Özgür Demir als Vorsitzende eingesetzt. Obwohl die AAKB eine autonome Institution mit eigener Satzung ist und ihr wusstet, dass dies weder mit den Abläufen noch mit dem Recht vereinbar ist, habt ihr diese Praxis durchgesetzt, weil es euch opportun erschien. Damit habt ihr die unrechtmäßige Nutzung von Delegiertenrechten ermöglicht und den Boden dafür bereitet, dass die entsprechenden Personen weiterhin für Ämter kandidieren können.

Der Vorsitzende des AABF-Glaubensrates, Hasan Ali İçlek Dede, erklärte vor einiger Zeit noch: „Der Semah ist kein Schauspiel.“ Doch erst am vergangenen Wochenende teilte er Aufnahmen des von ihm geleiteten Cem-Gottesdienstes auf Facebook.

Anderen erlegt ihr Verbote auf, doch wenn es um euch selbst geht, haltet ihr dasselbe Verhalten für legitim; mehr noch, ihr betrachtet dies als Führungskompetenz. Doch das ist keine Führung – das ist der Missbrauch eines Amtes für persönliche Interessen.

Ihr habt diejenigen angegriffen, die Fragen stellten und Rechenschaft forderten. Ihr habt uns herabgewürdigt und beleidigt. Ihr dachtet, die AABF sei euer Privateigentum.

Wir jedoch werden angesichts dieser Ungerechtigkeit nicht schweigen.

Wir halten es für richtig und unterstützen es ausdrücklich, dass gegen die wenigen Personen, die für diese unserer Institution schadenden Praktiken verantwortlich sind, Strafanzeige bei der deutschen Justiz erstattet wird.

Denn wir glauben daran, dass die Läuterung in alevitischen Institutionen aus den alevitischen Institutionen selbst heraus beginnen muss.

Aus diesem Grund teilen wir der Öffentlichkeit respektvoll mit, dass wir die Einleitung des Verfahrens durch den Disziplinarrat der AABF als einen segensreichen und historischen Wendepunkt für die alevitische Bewegung betrachten.

Unser heute begonnener Kampf um Recht wird unsere Zukunft auf ein solideres Fundament stellen. Wir sind weiterhin die Sprache und der Atem derer, die nicht gehört werden. Und das werden wir auch bleiben.

Die Unterzeichnerinnen:

  • Özlem Mirwald – 2. Vorsitzende des Aufsichtsrats der AABF (15. Amtsperiode)

  • Yeter Eroğlu – Schriftführerin des Glaubensrats der AABF Rheinland-Pfalz und Mitglied des Glaubensrats im Cemhaus Mainz

  • Dilek Şirin – 2. Vorsitzende des Disziplinarrats der AABF

  • Semiha Turan – Vorsitzende des Alevitischen Kulturzentrums Bremen

  • Nurten Yalnız – Ehemalige 2. Vorsitzende der Landesvertretung NRW und alevitische Kızılbaş-Geistliche (Yol Önderi)

  • Filiz Eser – Vorstandsmitglied des Landesverbands NRW und Mitglied des Kultur- und Kunstausschusses im Cemhaus Neuss (Kaarster Str.)

  • Elif Duman – Ana, 2. Vorsitzende des Regionalvorstands Nord der AABF

  • Güllü Temiz – Vorstandsmitglied des Regionalverbands Nord

  • Nurşen Yılmaz – Ko-Vorsitzende des Kultur- und Solidaritätsvereins der Dörfer Becekli und Göktepe

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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InformationPolitik

Ein erschütternder Brief erreicht unsere Redaktion: „Ihsan, dessen Entwicklung im Mutterleib stoppte, wurde nun die Mutter genommen“

von Fremdeninfo 4 Dezember 2025
von Fremdeninfo

FREMDEN INFO / EXKLUSIV

Ein weiteres Schreiben, das uns erreicht hat, legt die verheerenden sozialen und psychologischen Kollateralschäden der aktuellen Rechtspraxis in der Türkei offen. Kağan Can, ein ehemaliger Lehrer, der per Notstandsdekret (KHK) aus dem öffentlichen Dienst entfernt wurde, berichtet in seinem Brief, dass sein zu 100 Prozent pflegebedürftiger Sohn İhsan durch die Verhaftung seiner Ehefrau Venhar Erkurt Can faktisch verwaist ist.

Der Vater schildert nicht nur die juristische Odyssee der Familie, sondern auch das Schicksal des 8,5-jährigen İhsan. Nachstehend veröffentlichen wir den vollständigen Inhalt des Briefes, der die Hilflosigkeit eines Vaters und seinen Kampf um Gerechtigkeit dokumentiert:

„Die Entwicklung meines Sohnes stoppte im Mutterleib durch den erlittenen Kummer“

„Ich bin Kağan Can. Vor dem 15. Juli 2016 waren meine Frau und ich als Lehrer in Tunceli tätig. Damals hatten wir zwei Kinder. Als ich im Jahr 2017 verhaftet wurde, war meine Frau im achten Monat mit unserem dritten Kind schwanger. Aufgrund des enormen Stresses und der psychischen Belastung in jener Zeit stoppte die Entwicklung des Babys im Mutterleib in der 32. Woche. Ich erfuhr erst zwei Wochen später von der Geburt meines Kindes. Meine Frau wurde festgenommen, als sie sich noch im Wochenbett befand – gerade einmal eine Woche nach der Entbindung, mit dem Neugeborenen (İhsan) auf dem Arm und zwei weiteren Kindern an ihrer Seite.

Nach einer langen Polizeihaft von 14 Tagen wurde ich zu 10 Jahren Haft verurteilt. Obwohl ich meine Strafe verbüßt hatte, wurde meine Entlassung zweimal willkürlich um jeweils drei Monate hinausgezögert, und auch von der Regelung zur Bewährungshilfe konnte ich nicht vollumfänglich profitieren. Erst vor einem Jahr wurde ich aus der Haft entlassen.“

„Unser pflegebedürftiges Kind ist nun auf sich allein gestellt“

„Wir haben drei Kinder: Unsere Tochter geht in die 8. Klasse, unser Sohn in die 5. Klasse, und dann ist da unser Sohn İhsan, der aufgrund der damaligen Erlebnisse seh- und geistig behindert zur Welt kam. Während meiner Inhaftierung führte meine Frau Venhar Erkurt Can den Überlebenskampf allein. Sie kümmerte sich nicht nur um die Kinder, sondern pflegte auch ihre gelähmte und an Alzheimer erkrankte Mutter bis zu deren Tod vor vier Monaten ganz allein.

Bedauerlicherweise wurde vor einem Monat nun auch meine Frau, die zuvor auf freiem Fuß angeklagt war, vom 2. Schwurgericht in Tunceli verhaftet. Diese Entscheidung fiel trotz der schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen unseres Sohnes İhsan.“

„Er ist 8,5 Jahre alt, muss aber immer noch gewickelt werden“

„Ich bin persönlich nach Tunceli gereist, um mit dem Richter zu sprechen und unsere Notlage zu schildern. Ich habe auf die Situation unseres Sohnes hingewiesen und beantragt, meine Frau notfalls unter Auflagen oder im Hausarrest freizulassen. Doch in der Verhandlung am 2. Dezember wurde sie zu 7 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt und ihre weitere Inhaftierung angeordnet.

Unser Sohn İhsan ist vollständig auf seine Mutter angewiesen. Sie kümmerte sich um alles, von der Nahrungsaufnahme bis hin zum Toilettengang. Obwohl er 8,5 Jahre alt ist, müssen wir ihn immer noch wickeln. Ich arbeite in der Industrie, um unseren Lebensunterhalt zu sichern; ich habe keine andere Wahl. Meine Tochter bereitet sich auf die LGS-Prüfung (Gymnasialaufnahmeprüfung) vor, versucht aber gleichzeitig, die Mutterrolle für ihre Geschwister zu übernehmen. Es ist offensichtlich, dass wir dieser Belastung nicht standhalten können.“

„Wir fordern zumindest eine Haftverschonung“

„Wir haben diesem Land nichts als gedient. Dennoch sind wir und unsere Kinder einer Behandlung ausgesetzt, die weder menschlich noch mit dem Gewissen vereinbar ist. Wir fordern, dass meine Frau zumindest bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens auf freien Fuß gesetzt wird, damit dieses Leid zumindest ein wenig gelindert wird.“


Fremden Info stellt die Frage: Wie soll ein Kind, das mit einem vorgeburtlichen Trauma und schweren Behinderungen ins Leben startete und nicht einmal seine physiologischen Grundbedürfnisse selbstständig verrichten kann, ohne seine Mutter überleben? Wir appellieren an die Verantwortlichen der Justiz und das öffentliche Gewissen, den Hilferuf der Familie Can nicht zu ignorieren.

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

20 Jahre nach dem „Ehrenmord“ an seiner Mutter – Sohn äußert sich erstmals öffentlich

von Fremdeninfo 4 Dezember 2025
von Fremdeninfo
Fall Hatun Sürücü

Autorenprofilbild von Celine Babachan
Von Celine BabachanRedakteurin Nachrichten/Wel

Zwanzig Jahre nach dem „Ehrenmord“ an seiner Mutter tritt Can Sürücü erstmals selbst in die Öffentlichkeit. In Videos auf YouTube und TikTok spricht er ausführlich über seine Kindheit, den Verlust – und die überwältigende Resonanz auf seine Geschichte.

„Ich bin Can Sürücü.“ Der Mann, der das sagt, steht im Bärenpark in Berlin-Tempelhof. „Ich zeige euch meine Gegend, wo ich mit meiner Mutter gelebt habe“, sagt er in die Kamera. Zum ersten Mal erzählt der heute 26-Jährige auf YouTube seine Geschichte. Er ist der Sohn von Hatun Aynur Sürücü, die 2005 von ihrem jüngsten Bruder erschossen wurde.

Es war jener sogenannte „Ehrenmord“-Fall, der vor nunmehr 20 Jahren ganz Deutschland erschütterte – und zum Symbol für patriarchale Gewalt, Zwangsehen und das Versagen von Behörden wie Familien wurde. Die Geschichte seiner Mutter ist dokumentiert, vielfach erzählt, politisch aufgeladen. Hatun Sürücü, 1982 in Berlin geboren, wächst in einer türkisch-kurdischen Familie auf. Mit 16 wird sie gezwungen, ihren Cousin in Istanbul zu heiraten. Sie wird schwanger, verlässt ihn, kehrt nach Berlin zurück, bringt ihren Sohn Can zur Welt und beginnt eine Lehre. Sie legt das Kopftuch ab und nennt sich fortan „Aynur“ – auf Deutsch: Mondschein.

Am 7. Februar 2005 erschießt ihr jüngster Bruder Ayhan sie an einer Bushaltestelle in Tempelhof mit drei Schüssen in den Kopf. Das Berliner Landgericht verurteilt ihn später zu neun Jahren und drei Monaten Jugendstrafe. Für die Richter steht fest: Hatun Sürücü wurde wegen ihres „westlichen Lebensstils“ getötet – weil sie „ihr Leben lebte, so wie sie es für richtig hielt“.

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  • Blumen und Kränze liegen am Sonntag (07.02.2010) in Berlin neben einem Gedenkstein für die am 07.02.2005 ermordete Hatun Sürücü. Zahlreiche Menschen hatten anlässlich des 5. Todestages der Deutsch-Türkin, die an einer Bushaltestelle von ihrem damals 19-jährigen Bruder mit drei Kopfschüssen getötet worden war, ihre Anteilnahme bekundet. Foto: Soeren Stache dpa/lbn +++ dpa-Bildfunk +++
    Ressort:Kriminalität20. Jahrestag

    Zwangsverheiratet, verteufelt, ermordet – Der Fall Hatun Sürücu

Im Zentrum der öffentlichen Debatte standen damals Täter, Familie, Kulturkonflikt – wo Can aufwuchs, was aus ihm wurde, war bislang kaum bekannt. Nun meldet er sich selbst zu Wort, auf YouTube. Kein Kleinkind ist mehr zu sehen, sondern ein junger Mann, der seine Geschichte erstmals selbst und in eigener Regie erzählt.

In zwei YouTube-Videos mit dem Titel „Mein Name ist Can Sürücü, Teil 1“ und „Teil 2“ führt Can, der sich online „Cemo“ nennt, die Zuschauer durch seine frühere Wohngegend in Berlin-Tempelhof und nach Kreuzberg. Er zeigt die Orte seiner Kindheit, die Gedenkorte für seine Mutter und spricht über die Folgen der Gewalt, die seine Familie zerstört hat – aber auch über Unterstützung, öffentliche Aufmerksamkeit und seine Pläne, anderen Menschen Kraft zu geben.

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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Archive

30 Jahre TGD: Ein Rückblick auf drei Jahrzehnte Engagement und der Blick nach vorn

von Cumali Yağmur 4 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

von: Cumali Yagmur

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), die wir vor 30 Jahren in Hamburg gegründet haben, feiert heute ihren Gründungstag und lässt dabei die wunderbare Begeisterung in unseren Herzen neu aufleben.

Wer hat in diesen 30 Jahren nicht Mühe in diesen Kampf investiert und ihn wie ein eigenes Kind großgezogen… Ich gedenke voller Respekt der Verdienste von Ertekin Özcan und unseren anderen Weggefährten, die heute nicht mehr unter uns sind, und sage: Mögen die Sterne ihre Begleiter sein.

Unsere damaligen Feststellungen zeigten, dass die Einwanderer dauerhaft in Deutschland bleiben würden und eine neue Form der Organisierung notwendig war. Die TGD hat in ihrem 30-jährigen Kampf vieles in Bezug auf die Probleme der Einwanderer umgesetzt. Doch in diesem langwierigen Kampf stehen wir immer noch vor vielen ungelösten Problemen. Ich bin überzeugt, dass diejenigen, die von nun an die Führung übernehmen, diesen Kampf erfolgreich fortführen werden.

Die TGD hat Einwanderer nicht als ein „Problem“ in der Gesellschaft betrachtet, in der sie leben, sondern als Leidtragende von Problemen, die aus der Gesellschaft selbst herrühren, und ist diese Themen angegangen. In diesem Prozess hat sie ständig neue Vorschläge unterbreitet und Lösungswege erarbeitet.

Es ist eine historische Tatsache, dass heute in Deutschland 25 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte eine Minderheit darstellen. Mittlerweile lebt die 5. Generation von Einwanderern in der deutschen Gesellschaft. Trotzdem betrachtet die Mehrheitsgesellschaft uns nicht als gleichberechtigte Individuen. Ab diesem Punkt müssen Einwanderer, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, ein Bewusstsein und einen Gedanken für eine „neue Minderheit“ entwickeln.

Im Lichte dieses Gedankens wird die TGD ihren Kampf entschlossen fortsetzen und dabei alle Einwanderer mit einbeziehen.

Es tut mir leid, dass ich bei der 30-Jahr-Feier nicht unter euch sein kann. Ich wünsche euch von ganzem Herzen viel Erfolg.

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

„Ich schäme mich“: NSU-Terroristin Zschäpe zeigt Einsicht in ihre Schuld

von Fremdeninfo 4 Dezember 2025
von Fremdeninfo

 T-Tagesspiegel

Eine mutmaßliche Vertraute der NSU-Terroristin Beate Zschäpe steht derzeit in Dresden vor Gericht. Zschäpe selbst äußert sich als Zeugin – auch zu ihrer SchuldDie NSU-Terroristin Beate

Die verurteilte NSU-Terroristin Beate Zschäpe hat im Prozess gegen eine mutmaßliche Vertraute Einsicht in ihre Schuld gezeigt. „Ich schäme mich“, sagte die 50-Jährige bei ihrer mehrstündigen Zeugenaussage vor dem Oberlandesgericht Dresden. Sie habe ihre Verurteilung von 2018 inzwischen in vollem Umfang angenommen, das habe aber eine Weile gedauert.

Erst im Prozess habe sie angefangen, ihre Schuld einzusehen, sagte Zschäpe. Die Banküberfälle ihres Trios habe sie als weniger schlimm betrachtet. Die Auswirkungen ihrer Taten auf Zeugen habe sie erst durch die Aussagen bei Gericht verstanden. Ein Zeuge habe etwa nicht mehr arbeiten können. „Natürlich macht das was mit einem“, sagte Zschäpe. Zu Opfern und Angehörigen habe sie keinen Kontakt aufgenommen. „Ich würde das als übergriffig empfinden“, sagte Zschäpe.

Angeklagte soll NSU unterstützt haben

Der Prozess in Dresden richtet sich gegen Susann E.. Ihr wirft die Bundesanwaltschaft vor, die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) unterstützt zu haben. Susann E. soll etwa Zschäpe ihre Krankenkassenkarte und ihre Personalien zur Verfügung gestellt haben.

Zudem war sie laut Anklage an der Abholung eines Wohnmobils beteiligt, das der NSU am 4. November 2011 beim letzten Raubüberfall in Eisenach verwendete. Seit spätestens Anfang 2007 soll E. von den rassistisch motivierten Morden des NSU gewusst haben. Ihr Ehemann André E. wurde 2018 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.Zschäpe ist zu der Verhandlung als Zeugin geladen. Sie wurde vom OLG München 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt und ist aktuell in der JVA Chemnitz inhaftiert. Drei Justizbeamtinnen führten sie in Handschellen in den Verhandlungssaal des OLG in Dresden.

NSU verübte Morde in ganz Deutschland

Die Neonazi-Terrorzelle NSU bestand aus Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Ab dem Jahr 2000 verübte das Trio jahrelang unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin.

Mundlos und Böhnhardt verletzten zudem Dutzende Menschen bei zwei Bombenanschlägen in Köln. Die beiden Männer töteten sich 2011 in Eisenach, um ihrer Festnahme zu entgehen. Erst dann flog der NSU auf. (dpa)

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Innenminister beraten über AfD-Verbotsverfahren

von Fremdeninfo 4 Dezember 2025
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Von: dts-Nachrichtenagentuer

Bremen (dts Nachrichtenagentur) – Die Innenminister von Thüringen und Niedersachsen, Georg Maier und Daniela Behrens (beide SPD), wollen mit ihren Amtskollegen bei der gemeinsamen Innenministerkonferenz in Bremen über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren beraten. Das sagten die beiden Ressortchefs dem „Handelsblatt“ (Donnerstagsausgabe). „Die SPD-Innenminister werden das Thema sicherlich beim Kamingespräch ansprechen“, sagte Maier. Behrens sagte: „Unser Rechtsstaat muss auch im politischen Raum im Umgang mit dieser Partei seine Wehrhaftigkeit zeigen.“

Das für Donnerstagnachmittag angesetzte Kamingespräch ist eine informelle Runde der Minister, bei der die heikelsten Themen besprochen werden. Anlass ist die Neugründung der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) am vergangenen Wochenende in Gießen. Diese habe sicherlich nicht zu einer Deradikalisierung der Partei beigetragen, sagte Maier. Das neue Führungspersonal verkörpere vielmehr „eine weitere Annäherung an das rechtsextremistische Vorfeld der AfD“.

Maier drängt zur Eile – auch, weil das Verwaltungsgericht Köln wohl „zeitnah“ eine Entscheidung zur Einstufung der AfD als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz treffen werde. „Wir müssen darauf vorbereitet sein“, sagte der SPD-Politiker. „Nichtstun ist keine Option.“

Behrens forderte von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), dass er das AfD-Gutachten des Verfassungsschutzes sowie die noch ausstehende Gerichtsentscheidung „extrem sorgfältig und vor allem ergebnisoffen prüft, um festzustellen, ob sich daraus tragfähige juristische Grundlagen für ein mögliches Verbotsverfahren ableiten lassen“. Ein solches Verfahren dürfe nur eingeleitet werden, wenn es rechtlich so belastbar sei, dass es vor Gericht Bestand habe. „Andernfalls sehe ich die erhebliche Gefahr, dass es den gegenteiligen Effekt erzielt und der AfD unbeabsichtigt, aber dafür umso nachhaltiger in die Hände spielt“, sagte Behrens.

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4 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Türkische Gefängnisse zu 140 Prozent ausgelastet – Häftlingszahl erreicht historischen Höchststand

von Fremdeninfo 3 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von : dtj-online

 Die Zahl der Strafgefangenen in der Türkei hat im November einen neuen Höchststand erreicht: 428.267 Menschen sitzen derzeit in Haft – rund 40 Prozent mehr, als das System offiziell aufnehmen kann. Neue Daten zeigen eine anhaltende Überbelegung, die eng mit politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre verknüpft ist.

Die Zahl der in der Türkei in Strafhaft befindlichen Personen hat Anfang November 428.267 erreicht. Dies überschreitet die offizielle Kapazität um 40 Prozent, erläuterte das Stockholm Center for Freedom* unter Berufung auf Daten der Vereinigung „Zivilgesellschaft im Strafrechtssystem“ (CISST).

Den von der 2006 gegründeten Hilfsorganisation vorgelegten Daten zufolge liegt die Kapazität der 402 in der Türkei bestehenden Haftanstalten bei insgesamt 304.886. Allein im Oktober dieses Jahres seien fast 8.000 neue Strafgefangene dazugekommen.

Zahl der Gefangenen seit 2003 fast verfünffacht

Allein 4.682 davon sind Insassen von sogenannten Jugendbesserungszentren und den Abteilungen für Heranwachsende in Gefängnissen für Erwachsene. Auch 194 junge Frauen sind inhaftiert. Insgesamt 822 Kinder unter 6 Jahren leben gemeinsam mit ihren Müttern in Haftanstalten. Bereits im Jahr 2023 hatte der Europarat einen Bericht vorgelegt, dem zufolge die Türkei europaweit das Land mit den am Abstand meisten Gefängnisinsassen sei.

In der Zeit zwischen 2005 und 2023 ist die Zahl der Strafgefangenen in der Türkei um 439 Prozent gestiegen – auch dieser Zuwachs übersteigt alle anderen Länder in Europa. Die Führung in Ankara investiert weiter in die Expansion der Gefängnis-Infrastruktur. Allein in den kommenden drei Monaten ist die Eröffnung von sechs weiteren Gefängnissen geplant. Im nächsten Jahr sollen es neun sein, 2027 fünf und weitere zwei im Jahr 2028. Dann würde die Türkei über 424 Haftanstalten verfügen.

Systematische Verfolgung der Gülen-Bewegung als wesentlicher Faktor

Die größte Zunahme der Zahl an Gefängnisinsassen vollzog sich in den Jahren nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016. Dieses nahm die Führung um Präsident Recep Tayyip Erdoğan zum Anlass, die bereits seit Anfang 2014 geführte Verfolgung der Gülen-Bewegung enorm zu forcieren.

Bereits Ende 2013 hatte die AKP-Führung das Netzwerk zum „Parallelstaat“ erklärt. Anlass waren Korruptionsermittlungen im Dezember 2013, die auch die Regierung und das familiäre Umfeld des damaligen Premierministers Erdoğan betrafen.

Unter dem Vorwand, eine vermeintliche Verschwörung gegen die Regierung der Türkei niederzuschlagen, führte Erdoğan erste breit angelegte politische Säuberungen im Beamtenapparat durch. Im Mai 2016 erklärte die Führung in Ankara die Gülen-Bewegung zur „Terrororganisation FETÖ“. Nach dem Putschversuch im Juli machte Erdoğan das zivilgesellschaftliche Netzwerk für diesen verantwortlich.

Die Gülen-Bewegung weist die Vorwürfe kategorisch zurück, schließt allerdings nicht aus, das auch einzelne Beteiligte Verbindungen zur Bewegung gehabt haben könnten. Personen, die als Beteiligte am Putschversuch präsentiert wurden, waren häufig Militärkader, deren Karriere in der Armee auf Zeiten zurückreicht, in der religiöse Bürger keine Aussichten auf eine solche hatten. Kein anderes Land in Europa geht von der Existenz einer „FETÖ“ aus oder betrachtet die Gülen-Bewegung als Sicherheitsrisiko.

* Das Stockholm Center for Freedom (SCF) ist eine 2017 gegründete gemeinnützige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Stockholm, Schweden. Es sieht seine Mission darin, Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu fördern — mit besonderem Fokus auf die Lage in der Türkei. Die Organisation wird der Gülen-Bewegung zugerechnet.

Die Zahl der Strafgefangenen in der Türkei hat im November einen neuen Höchststand erreicht: 428.267 Menschen sitzen derzeit in Haft – rund 40 Prozent mehr, als das System offiziell aufnehmen kann. Neue Daten zeigen eine anhaltende Überbelegung, die eng mit politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre verknüpft ist.

Die Zahl der in der Türkei in Strafhaft befindlichen Personen hat Anfang November 428.267 erreicht. Dies überschreitet die offizielle Kapazität um 40 Prozent, erläuterte das Stockholm Center for Freedom* unter Berufung auf Daten der Vereinigung „Zivilgesellschaft im Strafrechtssystem“ (CISST).

Den von der 2006 gegründeten Hilfsorganisation vorgelegten Daten zufolge liegt die Kapazität der 402 in der Türkei bestehenden Haftanstalten bei insgesamt 304.886. Allein im Oktober dieses Jahres seien fast 8.000 neue Strafgefangene dazugekommen.

Zahl der Gefangenen seit 2003 fast verfünffacht

Allein 4.682 davon sind Insassen von sogenannten Jugendbesserungszentren und den Abteilungen für Heranwachsende in Gefängnissen für Erwachsene. Auch 194 junge Frauen sind inhaftiert. Insgesamt 822 Kinder unter 6 Jahren leben gemeinsam mit ihren Müttern in Haftanstalten. Bereits im Jahr 2023 hatte der Europarat einen Bericht vorgelegt, dem zufolge die Türkei europaweit das Land mit den am Abstand meisten Gefängnisinsassen sei.

In der Zeit zwischen 2005 und 2023 ist die Zahl der Strafgefangenen in der Türkei um 439 Prozent gestiegen – auch dieser Zuwachs übersteigt alle anderen Länder in Europa. Die Führung in Ankara investiert weiter in die Expansion der Gefängnis-Infrastruktur. Allein in den kommenden drei Monaten ist die Eröffnung von sechs weiteren Gefängnissen geplant. Im nächsten Jahr sollen es neun sein, 2027 fünf und weitere zwei im Jahr 2028. Dann würde die Türkei über 424 Haftanstalten verfügen.

Systematische Verfolgung der Gülen-Bewegung als wesentlicher Faktor

Die größte Zunahme der Zahl an Gefängnisinsassen vollzog sich in den Jahren nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016. Dieses nahm die Führung um Präsident Recep Tayyip Erdoğan zum Anlass, die bereits seit Anfang 2014 geführte Verfolgung der Gülen-Bewegung enorm zu forcieren.

Bereits Ende 2013 hatte die AKP-Führung das Netzwerk zum „Parallelstaat“ erklärt. Anlass waren Korruptionsermittlungen im Dezember 2013, die auch die Regierung und das familiäre Umfeld des damaligen Premierministers Erdoğan betrafen.

Unter dem Vorwand, eine vermeintliche Verschwörung gegen die Regierung der Türkei niederzuschlagen, führte Erdoğan erste breit angelegte politische Säuberungen im Beamtenapparat durch. Im Mai 2016 erklärte die Führung in Ankara die Gülen-Bewegung zur „Terrororganisation FETÖ“. Nach dem Putschversuch im Juli machte Erdoğan das zivilgesellschaftliche Netzwerk für diesen verantwortlich.

Die Gülen-Bewegung weist die Vorwürfe kategorisch zurück, schließt allerdings nicht aus, das auch einzelne Beteiligte Verbindungen zur Bewegung gehabt haben könnten. Personen, die als Beteiligte am Putschversuch präsentiert wurden, waren häufig Militärkader, deren Karriere in der Armee auf Zeiten zurückreicht, in der religiöse Bürger keine Aussichten auf eine solche hatten. Kein anderes Land in Europa geht von der Existenz einer „FETÖ“ aus oder betrachtet die Gülen-Bewegung als Sicherheitsrisiko.

* Das Stockholm Center for Freedom (SCF) ist eine 2017 gegründete gemeinnützige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Stockholm, Schweden. Es sieht seine Mission darin, Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte zu fördern — mit besonderem Fokus auf die Lage in der Türkei. Die Organisation wird der Gülen-Bewegung zugerechnet.

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