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Wer ist Osman Kavala? Millionenerbe, Kulturmäzen – und ein Gegner Erdogans

von Fremdeninfo 25 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Wer ist Osman Kavala? Millionenerbe, Kulturmäzen – und ein Gegner Erdogans

Mit Kunst und Kultur lasse sich die Polarisierung in der türkischen Politik überwinden, hofft Osman Kavala. Sein Engagement brachte ihn ins Gefängnis.

Susanne Güsten Der Spiegel 

Sitzt in der Türkei in Untersuchungshaft: Osman Kavala.Foto: Anadolu Culture Center / AFP

„Ich stehe für kulturelle Vielfalt und dafür, gemeinsame Werte zu fördern“, so stellte sich der Millionenerbe und Kulturmäzen Osman Kavala einmal im Interview vor. Mit seiner Stiftung „Anadolu Kültür“ setzte Kavala sich für den Erhalt der Kulturen von Anatolien – von den Armeniern über die Kurden bis zu den Jesiden – ein, die er vor dem Vergessen und der Zerstörung bewahren wollte. Die kulturelle Zusammenarbeit mit Europa und der Dialog mit Armenien sind weitere Schwerpunkte seiner Stiftung, die ihre Arbeit auch seit seiner Inhaftierung fortsetzt.

Das Leitmotiv der kulturellen Vielfalt und Verständigung prägte den Lebensweg des Unternehmersohns von Anfang an. Bei einem Auslandsaufenthalt der Familie 1957 in Paris geboren, ist Osman Kavala der Enkel eines muslimischen Tabakbauern aus Griechenland, der beim Bevölkerungsaustausch von 1923 vertrieben wurde und nach der Umsiedlung in die Türkei den Namen seiner griechischen Heimatstadt Kavala annahm.

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Schon immer habe er sich deshalb für die Griechen interessiert und ihre Freundschaft gesucht, erzählte Osman Kavala im Interview, obgleich die Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland in seiner Jugend von der Zypernkrise und Gebietsstreitigkeiten in der Ägäis geprägt waren.

Mit Mitte 20 gründete er zusammen mit den Schriftstellern Yasar Kemal und Aziz Nesin, dem Archäologen Ekrem Akurgal und dem griechischen Komponisten Mikis Theodorakis den „Türkisch-Griechischen Freundschaftsverein“ – in den 1980er-Jahren eine bahnbrechende Initiative, die zur politischen Entspannung zwischen Athen und Ankara beitrug.

Kavala war damals gerade aus New York zurückgekehrt, wo er studierte, bis sein Vater Mehmet starb und er mit 24 Jahren an die Spitze des Familienunternehmens berufen wurde. Die breit gefächerten Geschäftsfelder des Unternehmens reduzierte er auf Immobilien, Bergbau und digitale Karten, um seine Zeit der Kulturförderung zu widmen. Die Kultur halte er für ein geeigneteres Mittel zur Völkerverständigung als die Politik, begründete Kavala diese Entscheidung.

[Lesen Sie hier bei T+: Staatskidnapper aus Ankara – Erdogans langer Arm]

„In der Türkei haben wir ernste Probleme mit politischer Betätigung, denn wir haben keine Tradition rationaler öffentlicher Debatte“, sagte er im Interview. „Die türkische Politik ist von Polarisierung geprägt: Wenn man eine politische Aussage trifft, hören andere gar nicht erst zu, weil sie einen längst abgestempelt haben.“ Mit Kunst und Kultur lasse sich die Polarisierung vielleicht überwinden, hoffte er.

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Kavala war ursprünglich wegen des Vorwurfs festgenommen worden, die regierungskritischen Gezi-Proteste in Istanbul im Jahr 2013 finanziert und organisiert zu haben. Im Februar vergangenen Jahres sprach ein Gericht ihn von diesem Vorwurf frei. Er wurde daraufhin nach zweieinhalb Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, jedoch wenige Stunden später erneut festgenommen – diesmal im Zusammenhang mit dem Putschversuch gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2016 und Spionagevorwürfen. Im Januar dieses Jahres hob ein Berufungsgericht den ersten Freispruch auf. Bei einer Verurteilung wegen der Spionagevorwürfe droht Kavala lebenslange Haft. Kavalas nächste Gerichtsverhandlung ist für den 26. November angesetzt.

Kavalas Partner Aziz Nesin kannte sich mit Gefängnissen gut aus. Er wurde wegen diverser Vorwürfe von willfährigen Richtern verurteilt. Allerdings war er intelligent genug, seine Satire so zu schreiben, dass seine Peiniger darin sich selbst erkannten.

Als Kind hatte ich erlebt, dass die Stadt abgeriegelt wurde, weil „die Kommunisten“ die Regierung stürzen wollten. In einem Buch beschreibt Nesin selber den Tag so, dass ihm und Freunden befohlen wurde, eine Satirezeitschrift nicht zu veröffentlichen. Als sie sich nicht daran hielten, wurden sie von einem Mob massiv bedroht. Sie saßen zitternd in der Redaktion und hofften, dass die Polizei sie verhaften möge, damit sie heil da raus kommen. Dem Volk wurde die Story als Umsturzversuch von Kommunisten verkauft.

Der Putschversuch, weswegen Kavala vor Gerich soll, war so meschugge angelegt, dass ich mich gleich fragte, ob die Nachrichten stimmen könnten. Wer startet einen Putsch ausgerechnet in Istanbul am Freitag-Nachmittag? Da wollen alle Leute nach Hause und sämtliche Straßen stehen voll Autos. Durch den Verkehr kann man nicht einmal mit einem Bergepanzer. Alle Militärputsche fangen gegen 3 Uhr nachts an. Da schlafen selbst die Wachsoldaten am Kaserneneingang im Stehen. Der größte Teil der Polizei ist zu Hause. Und ziemlich breit (oder besser zu?). 

Bei diesem „Putsch“ hingegen haben z.B. die Kadetten der Militärakademie  eine Polizeistation besetzen wollen. Und wurden mit Maschinengewehren beschossen. Sehr merkwürdig. Seit wann hat die Polizei Militärwaffen?

Der angebliche Drahtzieher des Putsches sitzt in Pennsylvania. Tausende seiner Anhänger beim Militär und bei den Behörden wurden am nächsten Morgen verhaftet. Wo hatte Erdogan bloß die Namen her? Doch nicht direkt von seinem Freund Fetö?

Seltsam alles. Lieber nichts glauben. 

 

25 Oktober 2021 0 Kommentare
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Erdoğan’ın diplomatik gerilimi tırmandırması, Washington ile Ankara arasındaki kopan ilişkide yeni bir düşüşe işaret ediyor

von Fremdeninfo 24 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Erdoğan’ın diplomatik gerilimi tırmandırması, Washington ile Ankara arasındaki kopan ilişkide yeni bir düşüşe işaret ediyor.

Von Hubert Wetzel, Washington

 Donald Trump döneminde bile, bir silah anlaşması ciddi bir memnuniyetsizliğe neden oldu.

Tarihi olan bir skandal Ocak ayında, ABD Başkanı Joe Biden göreve başlamadan kısa bir süre önce, önde gelen

 Demokratik düşünce kuruluşu „Türk-Amerikan İlişkilerinde Sorunlar“ konulu bir rapor yayınladı.

Amerikan İlerleme Merkezi gazetesi, Ankara ve Washington’un -insan haklarından silahlanma politikasına ve bölgesel çatışmalara kadar- üzerinde anlaşmazlığa düştüğü pek çok konuyu açıkladı ki, bunların gerçekten iki NATO müttefikinden gelip gelmediği konusunda kesinlikle şüpheler olabilir.

iki savaşan devlet.

Mevcut ayaklanma, bir insan hakları davasıyla, sivil haklar aktivisti Osman Kavala’nın Türk yargısı tarafından hapsedilmesiyle ateşlendi.

 ABD’nin Ankara Büyükelçisi David Satterfield, diğer batılı büyükelçilerle birlikte bir mektupla serbest bırakılmasını talep etmişti. Şüphesiz Türkiye’nin iç işlerine bir müdahaleydi.

Türkiye Cumhurbaşkanı Recep Tayyip Erdoğan, ABD temsilcisi de dahil olmak üzere on büyükelçiyi istenmeyen ilan edeceğini açıkladı.

Bu tırmanış, çatışmaya yeni bir boyut katıyor. Ancak Ankara ile Washington arasındaki ilişkilerin düşük bir noktaya doğru gittiği uzun süredir öngörülebilirdi.

Biden’ın selefi Donald Trump’ın yönetiminde zaten gerilimler olmuştu.

Türkiye Cumhurbaşkanı Recep Tayyip Erdoğan’ın Amerikan Patriot füzeleri yerine Rus S-400 hava savunma sistemini satın alma kararı ABD’de büyük öfkeye neden olmuştu.

Bir yandan, siyasi olarak NATO’nun incinmesi için güçlü bir tekme oldu. Öte yandan, Amerikan silah endüstrisi büyük bir siparişi kaçırdı.

Üçüncüsü, Pentagon, S-400 sistemini bir NATO ülkesinin hava savunmasına entegre ederek Rusya’nın Amerikan savaş uçaklarının radar imzaları hakkında bilgi edinebileceğinden korkuyordu – bu bilgi bir çatışma durumunda Batılı pilotların hayatlarını tehlikeye atacak bilgi.

. Ancak ABD protestolarının hiçbir faydası olmadı ve Erdoğan satın almayı durdurmadı.

Buna karşılık ABD, Ankara’ya yaptırımlar uyguladı ve Türkiye’yi en modern batı savaş uçağı olan F-35’i inşa etme programından çıkardı.

Ankara başlangıçta bu jetlerden 100 adede kadarını ABD’li Lockheed Martin şirketinden satın almak istedi ve şimdiden 1,4 milyar doları peşin ödemişti. Erdoğan şimdi bu parayla eski Amerikan F-16 savaş uçaklarını teslim ettirmek istiyor.

 Ankara’nın Orta Doğu’daki birçok bölgesel çatışmadaki rolü de defalarca ABD ile tartışmalara yol açtı. İki hükümetin kimi düşman olarak gördüğü ve kimi müttefik olarak gördüğü her zaman uyumlu değildi. Örneğin Suriye’de „İslam Devleti“ne karşı savaşan Kürt gruplar, Washington’un bakış açısına göre özgürlük savaşçıları, Türkiye’nin bakış açısına göre teröristlerdi. Washington’daki hükümet değişikliğinden sonra bile ilişkiler gevşemedi, aksine Biden yönetimi, Türkiye’deki insan hakları ihlallerini eleştirmeye Trump yönetiminden daha meyilli. Göreve başladıktan kısa bir süre sonra, Nisan 2021’de, yeni ABD başkanı, Birinci Dünya Savaşı sırasında Osmanlı İmparatorluğu’ndaki Ermenilerin toplu katliamını resmen „soykırım“ olarak adlandırarak Türk meslektaşını kızdırdı.

Türkiye, o dönemde Hıristiyan Ermenilere zulmedildiğini ve çok sayıda öldüğünü kabul etmiştir.

Ancak Ankara hiçbir zaman planlı bir soykırıma kendini adamadı ve ABD bu terimden her zaman kaçındı. Biden’ın bunu kullanması Erdoğan için bir provokasyondu.

 Bu nedenle, Osman Kavala davası akut hale geldiğinde hem Washington hem de Ankara’da iyi niyet deposu büyük ölçüde boştu. Erdoğan, ABD büyükelçisini ülkeden sınır dışı ederse, bu fiilen ilişkilerdeki son kopuş olur.

 

24 Oktober 2021 0 Kommentare
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USA und Türkei: Eklat mit Vorgeschichte

von Fremdeninfo 24 Oktober 2021
von Fremdeninfo

USA und Türkei: Eklat mit Vorgeschichte

 
 
Von Hubert Wetzel, Washington
 

| Erdoğans diplomatische Eskalation ist ein neuer Tiefpunkt im zerrütteten Verhältnis zwischen Washington und Ankara. Bereits unter Donald Trump sorgte ein Rüstungsdeal für erhebliche Missstimmung.

© Patrick Semansky/AP Im November 2019 noch Seite an Seite im Weißen Haus: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (links) und der damalige US-Präsident Donald Trump.

Eklat mit Vorgeschichte

Im Januar, kurz vor dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden, veröffentlichte die führende Denkfabrik der Demokraten einen Bericht zu den „Streitpunkten im türkisch-amerikanischen Verhältnis“. Das Papier des Center for American Progress beschrieb so viele Themen, bei denen Ankara und Washington über Kreuz lagen – von den Menschenrechten über die Rüstungspolitik bis zu den regionalen Konflikten -, dass man durchaus Zweifel bekommen konnte, ob da tatsächlich von zwei Nato-Verbündeten die Rede war oder von zwei verfeindeten Staaten.

Die aktuellen Verwerfungen entzündeten sich an einem Menschenrechtsfall, der Inhaftierung des Bürgerrechtlers Osman Kavala durch die türkische Justiz. Der US-Botschafter in Ankara, David Satterfield, hatte zusammen mit anderen westlichen Botschaftern in einem Brief dessen Freilassung gefordert. Das war zweifellos eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei.

Am Samstag nun kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan an, zehn Botschafter zu unerwünschten Personen zu erklären, auch den Vertreter der USA. Diese Eskalation bedeutet eine neue Dimension im Konflikt. Doch dass die Beziehungen zwischen Ankara und Washington auf einen Tiefpunkt zusteuern, war seit Langem absehbar.

Schon unter Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatte es Spannungen gegeben. Die Entscheidung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, statt amerikanischer Patriot-Raketen das russische Luftabwehrsystem S-400 zu kaufen, hatte in den USA zu erheblicher Verärgerung geführt. Zum einen war es in politischer Hinsicht ein kräftiger Tritt gegen das Schienbein der Nato. Zum anderen entging der amerikanischen Rüstungsindustrie ein Großauftrag. Und drittens befürchtete das Pentagon, dass Russland dadurch, dass das S-400-System in die Luftabwehr eines Nato-Landes eingebunden war, Kenntnisse über die Radarsignaturen amerikanischer Kampfflugzeuge erlangen könnte – Wissen mithin, das im Falle eines Konflikts das Leben westlicher Piloten gefährden würde.

Doch die Proteste der USA nützten nichts, Erdoğan stoppte den Kauf nicht. Als Reaktion darauf verhängten die USA Sanktionen gegen Ankara und warfen die Türkei aus dem Programm zum Bau der F-35, des modernsten westlichen Kampfflugzeugs. Ankara hatte ursprünglich bis zu 100 dieser Jets des US-Konzerns Lockheed Martin kaufen wollen und bereits 1,4 Milliarden Dollar angezahlt. Erdoğan will für dieses Geld nun ältere amerikanische Kampfflugzeuge vom Typ F-16 geliefert bekommen.

Ankaras Rolle in den vielen Regionalkonflikten im Nahen Osten hat ebenfalls immer wieder zu Streit mit den USA geführt. Wen die beiden Regierungen jeweils als Feind und wen als Verbündeten betrachteten, war nicht immer deckungsgleich. Kurdische Gruppen zum Beispiel, die in Syrien gegen den „Islamischen Staat“ kämpften, waren aus Washingtoner Sicht Freiheitskämpfer, aus türkischer Sicht hingegen Terroristen.

Auch nach dem Regierungswechsel in Washington entspannte sich das Verhältnis nicht, im Gegenteil: Die Biden-Regierung ist eher als die Trump-Regierung geneigt, Menschenrechtsverletzungen in der Türkei zu kritisieren. Nur kurz nach seinem Amtsantritt, im April 2021, verärgerte der neue US-Präsident seinen türkischen Kollegen zudem dadurch, dass er den Massenmord an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs offiziell als „Völkermord“ bezeichnete.

Die Türkei hat zwar eingeräumt, dass die christlichen Armenier damals verfolgt wurden und in großer Zahl umkamen. Aber Ankara hat sich nie zu einem geplanten Genozid bekannt, und die USA haben diesen Begriff auch stets vermieden. Dass Biden ihn benutzte, war für Erdoğan eine Provokation.

Das Reservoir guten Willens war daher sowohl in Washington als auch in Ankara weitgehend leer, als nun der Fall Osman Kavala akut wurde. Sollte Erdoğan nun tatsächlich den US-Botschafter des Landes verweisen lassen, wäre das de facto der endgültige Bruch in den Beziehungen.

 
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Diplomatische Krise: Erdogan erklärt deutschen Botschafter zu unerwünschter Person

von Fremdeninfo 23 Oktober 2021
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Diplomatische Krise: Erdogan erklärt deutschen Botschafter zu unerwünschter Person

 

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Die Türkei hat die Botschafter Deutschlands, der USA und mehrerer anderer Staaten zu unerwünschten Personen erklärt. Er habe das Außenministerium dazu angewiesen, erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag in Eskisehir. „Ich habe unserem Außenminister den Befehl gegeben. Ich sagte, kümmern Sie sich darum, diese zehn Botschafter so schnell wie möglich zur „Persona non grata“ zu erklären“, sagte Erdogan.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. © AFP Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Zuvor hatte Erdogan den Botschaftern bereits wegen einer Forderung zur Freilassung des Kulturförderers Osman Kavala indirekt mit der Ausweisung gedroht. Es war zunächst unklar, ob Erdogans neueste Aussagen nun unmittelbar zu einer Ausweisung der Diplomaten von insgesamt zehn Ländern führen würden.

Neun weitere Länder betroffen

„Wir können nicht den Luxus haben, sie in unserem Land willkommen zu heißen“, hatte Erdogan am Donnerstag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge mit Blick auf die Diplomaten erkklärt. „Steht euch zu, der Türkei so eine Lektion zu erteilen? Wer seid ihr schon?“ Deutschland oder die USA ließen „Ganoven, Mörder und Terroristen“ auch nicht einfach frei.

Die Botschaften von Deutschland und neun weiteren Ländern in Ankara hatten am Montag einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie mit Verweis auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) die Freilassung des 2017 verhafteten Kavala forderten. Das türkische Außenministerium lud daraufhin die betreffenden Botschafter vor. Unter den einbestellten Diplomaten waren auch die der USA, Frankreichs und der Niederlande.

Der EGMR hatte 2019 bereits Kavalas Freilassung gefordert. Die Türkei ignoriert das Urteil bislang, obwohl sie als Mitglied des Europarats eigentlich zur Umsetzung verpflichtet ist. Kavala und mehr als 50 weiteren Angeklagten wird in einem Prozess ein Umsturzversuch im Zusammenhang mit den regierungskritischen Gezi-Protesten in Istanbul 2013 vorgeworfen. Kavala wird zudem der „politischen und militärischen Spionage“ im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 beschuldigt. (dpa)

23 Oktober 2021 0 Kommentare
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Weitere Rückschritte“: EU-Kommission stellt Türkei desaströses Zeugnis aus

von Fremdeninfo 23 Oktober 2021
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Weitere Rückschritte“: EU-Kommission stellt Türkei desaströses Zeugnis aus

Von

dtj-online

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20.10.2021

 
 
 
 
Flaggen der Europäischen Union wehen im Wind vor dem Berlaymont-Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa

„Weitere Rückschritte in vielen Bereichen“: Mit Worten wie diesen bewertet die EU-Kommission die jüngsten Entwicklungen in der Türkei. Den Geldhahn will sie dem Land aber weiter nicht zudrehen. Die Details.

Mit ihrem neuen Türkei-Bericht kritisiert die EU-Kommission die Staatsführung des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan scharf. Im Bereich der Demokratie habe es zuletzt weitere Rückschritte gegeben, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Bewertung der Entwicklung des weiter als EU-Beitrittskandidat geführten Landes.

Auch Bedenken der EU hinsichtlich der weiteren Verschlechterung der Rechtsstaatlichkeit, der Grundrechte und der Unabhängigkeit der Justiz seien nicht angesprochen worden. Konkret bemängelt die EU-Kommission, dass im Zuge des Putschversuches im Jahr 2016 eingeführte Sonderbefugnisse für staatliche Behörden noch immer gültig seien und eine starken Einfluss auf Demokratie und Grundrechte hätten.

Positive Entwicklung nur in wenigen Bereichen

Zudem wirft die Behörde der Türkei unter anderem anhaltenden Druck auf die Zivilgesellschaft und auf Bürgermeister von Oppositionsparteien vor. Positive Entwicklungen gibt es laut dem Bericht in nur sehr wenigen Bereichen und in begrenztem Umfang.

Zu den aufgeführten Beispielen zählen Fortschritte im Kampf gegen Organisierte Kriminalität und ein verbesserter Schutz der östlichen Landgrenze. Die Türkei wies die Kritik der EU-Kommission energisch zurück und warf ihr Doppelmoral vor. Der Türkei-Bericht enthalte „haltlose Behauptungen“ und „unfaire Kritik“, die man nicht akzeptiere, teilte das Außenministerium in Ankara mit.

EU-Beitrittsverhandlungen liegen auf Eis

Er ignoriere zudem die Verantwortung der EU gegenüber dem Beitrittskandidaten Türkei. Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei liegen bereits seit mehreren Jahren wegen der aus Brüsseler Perspektive unbefriedigenden Entwicklungen in dem Land auf Eis.

Als ein Grund dafür, dass die Gespräche noch nicht endgültig beendet wurden, gilt die Bedeutung des Landes für den Kampf gegen illegale Migration nach Westeuropa. Es wird deswegen auch in Zukunft von EU-Finanzhilfen profitieren können.

Balkanstaaten schneiden besser ab

Neben den Entwicklungen in der Türkei bewertete die EU-Kommission auch die Lage im Kosovo sowie in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien. Die einen EU-Beitritt anstrebenden Balkanstaaten bekamen überwiegend ein deutliches besseres Zeugnis ausgestellt – auch wenn sie weiter vor riesigen Reformherausforderungen stehen.

Der EU-Erweiterungsprozess sei „eine geostrategische Investition in Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wirtschaftswachstum auf dem europäischen Kontinent“, kommentierte der zuständige EU-Kommissar Olivér Várhelyi zur Vorstellung der Berichte im Straßburger Europaparlament. Gleichzeitig orientiere er sich aber auch an den Reformanstrengungen der EU-Beitrittsaspiranten.

dpa/dtj

dtj-online

 
 
23 Oktober 2021 0 Kommentare
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Religion

Islam: Gebetsruf in Köln: Warum Bedenken angebracht sind

von Fremdeninfo 22 Oktober 2021
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Islam: Gebetsruf in Köln: Warum Bedenken angebracht sind

 
 
Kommentar von Tomas Avenarius
vor 16 Std.
 

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In der Millionenstadt am Rhein darf der Muezzin freitags die Muslime zum Gebet rufen. Das ist ein Signal der Gleichberechtigung, unbestreitbar. Doch Vorbehalte bleiben.

Die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld gehört zum Verband Ditib, welcher der türkischen Religionsbehörde Diyanet untersteht. © Rainer Jensen/dpa Die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld gehört zum Verband Ditib, welcher der türkischen Religionsbehörde Diyanet untersteht.

Gebetsruf in Köln: Warum Bedenken angebracht sind

Wenn die Deutschen gar keinen Ausweg sehen, bemühen sie die Hausordnung. In der Debatte über ein Ja oder Nein zum islamischen Gebetsruf ist dies die Lärmschutzverordnung. Ihre Vorschriften sollen nun zu einem toleranten Miteinander der Religionen verhelfen und zugleich einem freihändig unterstellten Expansionsdrang der Muslime Grenzen setzen.

Also darf in Köln, einer Stadt mit zwölf Prozent muslimischer Bevölkerung, einmal in der Woche der Adhan erklingen. Am Freitag zwischen zwölf und 15 Uhr, für drei, vier Minuten: „Gott ist groß und Mohammed ist sein Prophet“, heißt es in dem Ruf, der die Gläubigen zum Gebet auffordert und sie darin erinnert, dass es nur den einen Gott gibt. Jedenfalls, solange die Lärmschutzvorgaben beachtet werden.

So weit, so fromm, so tolerant. Nur: Die Nachfrage der Kölner Moscheen-Gemeinden ist überschaubar. Bisher hat keine das Angebot von Oberbürgermeisterin Henriette Reker angenommen. Offenbar ist der von einem ebenso unbedarften wie selbstgefälligen Kulturromantizismus geprägte Wunsch, die eigene Toleranz laut hörbar zu machen, stärker als der Wunsch der Betroffenen, diese Toleranz zu erfahren.

In vielen deutschen Städten ertönt der Gebetsruf


Video: Köln: Muslimischer Gebetsruf erklingt ab sofort über den Dächern der Stadt (SAT.1)

/iframe-player.html?integrationId=a97joioyqjb7ywnir&playlistId=v-cewl05rmgy7l-faat&playlistIndex=0&origin=glomex-player&pageUrl=https%3A%2F%2Fwww.msn.com%2Fde-de%2Fnachrichten%2Fnationales%2Fislam-gebetsruf-in-k%25c3%25b6ln-warum-bedenken-angebracht-sind%2Far-AAPMB3x%3Fli%3DBBqg6Q9″ frameborder=“0″>Video Player von: Glomex (DatenschutzrichtlinienDer Gebetsruf ist nicht neu in Deutschland. Er ertönt in einigen Dutzend Städten seit Langem, im nordrhein-westfälischen Düren sogar dreimal täglich. Das christliche Abendland, so es überhaupt noch existiert, geht deshalb nicht gleich unter. Es gibt starke Argumente für ein Ja zum Adhan: Die Religionsfreiheit, die Gleichstellung der muslimischen Minderheit, die Stärkung des Miteinanders der Bürger, von denen die einen Christen, die anderen Muslime und wieder andere gar nichts oder sonst etwas sind.

Es gibt aber berechtigte Vorbehalte. 900 Moscheen in Deutschland gehören zum Ditib, einem Verband, der von der türkischen Regierung gesteuert wird, der Religionsbehörde Diyanet untersteht. Der Diyanet-Chef steht gern mit dem Krummsäbel auf der Kanzel, empfängt den Taliban-Außenminister. Präsident Recep Tayyip Erdoğan selbst hat einmal ein Gedicht zitiert: „Minarette sind Bajonette, Kuppeln Helme, … die Gläubigen Soldaten.“ Erdoğan steht nicht für den toleranten Islam. Er steht für den Machtanspruch einer politisierten Religion, die von Islamisten missbraucht wird wie eine weltliche Ideologie.

Der Islamismus ist seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch

Religionen sind wie Knetmasse. Man kann ihr Erscheinungsbild – und damit ihr Wirkungspotenzial – verformen. Der politische Islam mag wenig über diese Religion als solche aussagen. Aber eines ist unbestreitbar: Der Islamismus ist seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Und das, obwohl er schon oft totgesagt wurde.

Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan wird von Islamisten als von der Kraft des Glaubens gesegneter Triumph gepriesen. Die Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee, die Aufstände während des Arabischen Frühlings ebenso. Das mag mit Glauben und Denken der meisten Muslime in Deutschland wenig zu tun haben. Aber für einen Islamisten ist der Adhan die tägliche Bestätigung des politischen Auftrags.

Dem Miteinander der Kulturen und Religionen tut Kölns Bürgermeisterin keinen Gefallen. Sie spielt denen in die Hände, die antimuslimische Ressentiments als politisches Instrument nutzen: Das sind die vor angeblicher Islamophobie warnenden Islamisten selbst, aber auch die Hassprediger der AfD und der anderen Rechten.

22 Oktober 2021 0 Kommentare
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43 Länder verurteilen China wegen Menschenrechtslage im Land

von Fremdeninfo 22 Oktober 2021
von Fremdeninfo

43 Länder verurteilen China wegen Menschenrechtslage im Land

Von

dtj-online

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22.10.2021

 
 

 
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Nicolas de Rivière, Ständiger Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen, verlas die Erklärung in New York. Foto: UN-Foto/Laura Jarriel

„Folter, Zwangssterilisation, sexuelle Gewalt“: Neben der Türkei und Deutschland haben mehr als 40 weitere Nationen Menschenrechtsverletzungen Chinas an den Uiguren in der Region Xinjiang verurteilt. Die Details.

„Es gibt allgemeine und systematische Menschenrechtsverletzungen, Folter, Zwangssterilisation, sexuelle Gewalt“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die am Donnerstag vom französischen UN-Botschafter Nicolas De Rivière verlesen wurde. Peking müsse Beobachtern der Vereinten Nationen ungehinderten Zugang zu den betroffenen Gebieten gewähren.

Die Stellungnahme wurde am Donnerstag von 43 Ländern in einem Menschenrechtsausschuss der UN-Vollversammlung unterstützt. In Xinjiang sind nach Schätzungen von Menschenrechtlern etwa eine Million Angehörige muslimischer Minderheiten inhaftiert.

Separatismus und Terrorismus?

Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor. Kritiker sprechen von Umerziehungslagern, in denen Uiguren mit teils brutalen Mitteln auf die Linie der kommunistischen Partei gebracht werden sollen. Peking nennt sie Berufsbildungseinrichtungen, die von den Insassen freiwillig besucht würden.

Neben einer Reihe von europäischen Staaten gehören auch die USA, Kanada, Japan, die Türkei, Liberia und Eswatini zu den Unterzeichnern der Erklärung. Diplomatenangaben zufolge hatte China zuvor immensen Druck auf einzelne Staaten ausgeübt, sich nicht anzuschließen.

Ärmere Länder unter Druck

Unter anderem sei ärmeren Ländern, die durch eine UN-Mission unterstützt werden, mit Konsequenzen bezüglich des Engagements gedroht worden. Erst vergangene Woche war die UN-Mission im Karibikstaat Haiti nach schwierigen Verhandlungen verlängert worden.

China deutete zunächst an, ein Veto einlegen zu wollen. Anders als bei einer ähnlichen Erklärung im vergangenen Jahr mit 39 Unterzeichnern unterstützte Haiti das Dokument vom Donnerstag nicht.

dpa/dtj

dtj-online
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22 Oktober 2021 0 Kommentare
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Rassismus

Deutschland: Welle an Antisemitismus und Islamhass seit Corona

von Fremdeninfo 22 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Deutschland: Welle an Antisemitismus und Islamhass seit Corona

Von

dtj-online

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Archivfoto: Besucher:innen am Tag der offenen Moschee in der Ditib-Zentralmoschee in Köln. Foto: Eman Helal/dpa

Die Corona-Pandemie hat einer Untersuchung zufolge zu einer neuen Welle an Antisemitismus und Islamfeindlichkeit geführt.

Der Hass habe sich insbesondere auf Social-Media-Plattformen ausgebreitet, existierende antijüdische und antimuslimische Narrative neu verpackt und Minderheiten für die Pandemie verantwortlich gemacht, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Denkfabrik IFFSE (Institute for the Freedom of Faith & Security in Europe Foundation).

Die Untersuchung hält fest, dass soziale Plattformen zu Beginn der Pandemie von der Welle an Online-Rassismus überwältigt waren. Trotz einiger Bemühungen, den Schaden zu reduzieren, hätten die Unternehmen nicht effektiv genug gehandelt. Verschwörungserzählungen hätten im Netz neues Publikum gefunden.

Nicht nur online

Zugleich habe sich der Online-Hass auch offline gezeigt – insbesondere auf Demos gegen Lockdowns oder das Impfen. Vor allem in Deutschland hätten Glaubensgemeinschaften eine erhöhte wahrgenommene Bedrohung unter Juden und Muslimen festgestellt. Sie hätten wegen des Online-Hasses mehr Angst, das Judentum oder den Islam öffentlich auszuleben.

Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, nennt das IFFSE Empfehlungen – für soziale Netzwerke, für Regierungen und für die Zivilgesellschaft. So sollten antisemitische und islamophobe Inhalte auf Facebook gekennzeichnet werden wie Covid-Fake-News. Zudem sollten die Plattformen enger zusammenarbeiten.

Gesetze werden gebraucht

Regierungen sollten zügig an Gesetzen arbeiten, die die Netzwerke regulieren, und bei Verstößen angemessene Strafen verhängen. Damit die Gesellschaft weniger anfällig für Falschinformationen und rassistische Verschwörungen ist, solle staatsbürgerliche Bildung gefördert werden.

Die EU-Kommission hatte Anfang Oktober eine „Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens“ in der EU vorgelegt. Darin wurde unter anderem darauf verwiesen, dass antisemitische Inhalte auf bestimmten deutschsprachigen Kanälen etwa auf Facebook oder Telegram seit Beginn der Corona-Krise rund 13-mal häufiger vorkommen als vorher.

dpa/dtj

 

22 Oktober 2021 0 Kommentare
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Terrorunterstützung? Kölner Sängerin in der Türkei verurteilt

von Fremdeninfo 22 Oktober 2021
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Terrorunterstützung? Kölner Sängerin in der Türkei verurteilt

Von

dtj-online

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20.10.2021

 
 
 

 

 
Hozan Cane, Sängerin aus Köln, am Flughafen Köln-Bonn. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Kölner Sängerin Hozan Cane ist in Abwesenheit in der Türkei zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Terrorunterstützung verurteilt worden. Cane will in Berufung gehen.

Ein Gericht im westtürkischen Edirne habe die 58-Jährige am Montag zu drei Jahren, einem Monat und 15 Tagen Haft wegen Unterstützung der PKK verurteilt, sagte ihre Anwältin Newroz Akalan der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Die PKK gilt in der Türkei, Deutschland und den USA als Terrororganisation.

Akalan kündigte Berufung an. Hozan Cane (Künstlername) ist inzwischen zurück in Deutschland und nahm nicht an der Verhandlung teil. Die Anklage stützte sich unter anderem auf Inhalte von Facebook- und Twitter-Profilen. Cane war kurz vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Juni 2018 in Edirne festgenommen worden und saß mehr als zwei Jahre im Gefängnis. Danach galt für sie eine Ausreisesperre, die im Juli aufgehoben wurde (DTJ-Online berichtete).

Zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt

Die Sängerin war schon einmal im November 2018 zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt worden. Ihr wurde vorgeworfen, PKK-Mitglied zu sein. Ein Berufungsgericht hob das Urteil wegen Mangel an Beweisen jedoch auf, der Fall wurde vergangenes Jahr mit dem Vorwurf der PKK-Unterstützung neu aufgerollt. Cane hat kurdische Wurzeln und besitzt nur die deutsche Staatsbürgerschaft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Abschiedsbesuch bei Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Samstag betont, sie habe auch die Strafverfolgung deutscher Staatsbürger in der Türkei angesprochen. Merkel merkte dabei an, dass man unterschiedliche Vorstellungen vom Terrorismusbegriff habe.

dpa/dtj

 

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22 Oktober 2021 0 Kommentare
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Auf Wiedersehen? Merkels Abschiedsbesuch bei Erdoğan

von Fremdeninfo 18 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Auf Wiedersehen? Merkels Abschiedsbesuch bei Erdoğan

Von

dtj-online/ Dpa

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17.10.2021

 
 
 
 

 
=“Bundeskanzlerin Merkel trifft Erdogan“ width=“696″ height=“463″>
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhalten sich zu Beginn ihres Treffens am Bosporus in Istanbul. Foto: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa

Inhaftierte Deutsche, die Flüchtlingskrise und Nazi-Vergleiche: Die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara waren nicht immer einfach. Bei Angela Merkels Abschiedsbesuch beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan betonen beide die engen Beziehungen. Streitpunkte bleiben.

Trotz aller Differenzen hoffen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan auch unter einer neuen Bundesregierung auf eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Merkel sprach sich am Samstag bei ihrem Abschiedsbesuch für eine Fortsetzung des Flüchtlingsabkommens mit der EU aus.

Das Abkommen hatte die scheidende Bundeskanzlerin vor rund fünf Jahren mit ausgehandelt. Es sei wichtig, dass die EU die Türkei weiter „bei der Bekämpfung der illegalen Migration“ unterstütze und diese auch in Zukunft gewährleistet werde, sagte Merkel.

„Freundin“ und „teure Kanzlerin“

„Wir merken, dass wir geostrategisch voneinander abhängen, ob wir gleich agieren oder nicht“, sagte sie. Sie rate und denke, dass auch eine zukünftige Bundesregierung die Beziehungen zur Türkei in ihrer gesamten Komplexität erkenne. Man müsse miteinander reden, betonte sie und dann auch Kritik etwa bei Menschenrechtsfragen anbringen.

Erdoğan würdigte die „Freundin“ und „teure Kanzlerin“ als erfahrene Politikerin, die immer einen „vernünftigen und lösungsorientierten Ansatz“ gepflegt habe. Er hoffe, die konstruktive Zusammenarbeit auch mit einer neuen Bundesregierung weiter fortführen zu können.

16 Jahre, zwölf Türkei-Besuche

Es ist nach 16 Jahren der zwölfte Türkei-Besuch Merkels als Kanzlerin und voraussichtlich das letzte Treffen in der Funktion mit Erdoğan. Die gleichaltrigen Staatschefs (beide Jahrgang 1954) kennen sich gut. Erdoğan leitet seit 2003 die Geschicke der türkischen Politik. Zuerst war er Ministerpräsident – ein Amt das er inzwischen abgeschafft hat – später Staatspräsident. Merkel wurde 2005 Kanzlerin.

Die Stimmung schien am Samstag gelassen. Erdoğan machte Scherze darüber, dass sich Merkel manchmal bei ihm über ihre Regierungskoalition beschwert habe und betonte den Vorteil des türkischen Präsidialsystems. Merkel stellte daraufhin klar, dass sie nichts gegen Koalitionen habe und merkte an: „Wir haben keine Absicht, ein Präsidialsystem einzuführen und trotzdem wollen wir gute Beziehungen mit der Türkei.“

Streitpunkte bestehen weiterhin

Vergessen schienen Episoden der deutsch-türkischen Beziehungen, wie etwa im Jahr 2017 als Erdoğan auch Merkel persönlich mit Nazi-Vergleichen attackierte. Damals war das Verhältnis unter anderem wegen der Inhaftierung von Deutschen, wie dem Journalisten Deniz Yücel, auf einem Tiefpunkt.

Die gute Stimmung in Istanbul konnte aber nicht über die vielen Streitpunkte hinwegtäuschen, mit denen sich auch die zukünftige Bundesregierung auseinandersetzen muss. Die Strafverfolgung von deutschen Staatsbürgern und türkischen Oppositionellen ist noch nicht vom Tisch.

Merkel: „Kritisch im Bereiche der Menschenrechte“

Erst am Dienstag wurde ein kurdischstämmiger Deutscher in der Türkei zu mehr als zwei Jahren Haft wegen Terrorpropaganda verurteilt (DTJ-Online berichtete). Der Kulturförderer Osman Kavala und der prominente Oppositionspolitiker Selahattin Demirtaş sind seit Jahren inhaftiert, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte deren Freilassung angeordnet hat.

Merkel erklärte, sie habe mit Erdoğan über das Thema Inhaftierungen gesprochen und sagte: „Ich bin kritisch über Entwicklungen, die sich im Bereich der Menschenrechte ergeben haben und vielleicht auch im Bereich der individuellen Freiheiten.“ Erdoğan wiederum verwies auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Merkel würdigt Türkei bei Flüchtlingen

Merkel begrüßte, dass die Türkei das Pariser Klimabkommen ratifiziert hat und würdigte die Arbeit der Türkei beim Thema Flüchtlinge. Das Land leiste „Außergewöhnliches“, sagte Merkel. Die Türkei hat rund 3,7 Millionen Geflüchtete aus Syrien sowie Hunderttausende Migranten aus anderen Ländern, etwa aus Afghanistan aufgenommen.

Die Kanzlerin ist Mitarchitektin des sogenannten Flüchtlingspakts zwischen Türkei und EU. Dieser sieht vor, dass die Türkei gegen unerlaubte Migration in die EU vorgeht und Griechenland illegal auf die Ägäis-Inseln gelangte Migranten zurück in die Türkei schicken kann.

Macht sich Europa erpressbar?

Im Gegenzug übernimmt die EU für jeden zurückgeschickten Syrer einen syrischen Geflüchteten aus der Türkei und unterstützt das Land finanziell bei der Versorgung der Flüchtlinge. Die EU hat der Türkei weitere drei Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Beim Thema Migration spielt Ankara daher eine wichtige Rolle für Deutschland und die EU.

Kritiker sind aber der Meinung, dass sich Europa dadurch erpressbar gemacht hat. Erdogan hat in den letzten Wochen immer wieder deutlich gemacht, dass sein Land keine Geflüchtete mehr aufnehmen werde. Er schottet sein Land weiter ab und lässt etwa an der Grenze zum Iran eine Mauer bauen. Am Samstag betonte er aber, man sei weiterhin „Gastgeber“ für Flüchtlinge „und das wird auch so bleiben.“

dpa/dtj

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18 Oktober 2021 0 Kommentare
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