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Kampagne oder berechtigte Kritik? Warum es Streit um Kandidatin Ferda Ataman gibt

von Fremdeninfo 7 Juli 2022
von Fremdeninfo

Kampagne oder berechtigte Kritik? Warum es Streit um Kandidatin Ferda Ataman gibt

Von

dtj-online

–

07.07.2022

 
 
 
 
=“Bundestag – Abstimmung über Antidiskriminierungsbeauftragte“ width
Archivfoto: Ferda Ataman in der Bundespressekonferenz. Sie wird künftig wohl die Antidiskriminierungsstelle des Bundes leiten. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wird mit einer neuen Chefin besetzt. Was eher langweilig klingt, ist zum Politikum geworden. Die Ampel-Kandidatin für das Amt wird von Kritikern seit Wochen attackiert. Ihre Befürworter sehen eine Kampagne.

Der Bundestag stimmt an diesem Donnerstag über die Neubesetzung der Leitung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ab. Das Bundeskabinett hatte dafür im Juni die Journalistin Ferda Ataman vorgeschlagen. Die Personalie wird seit Wochen von Oppositionspolitikern aus Union und AfD, aber auch einzelnen Vertretern der Regierungspartei FDP kritisiert. Sie sprechen Ataman die Eignung ab und bezeichnen sie unter anderem als „linke Aktivistin“, die für „spaltende Identitätspolitik“ stehe. Auch im Netz wird Ataman attackiert. SPD-Chefin Saskia Esken spricht von einer „verleumderischen Kampagne“. Die Mehrheit für Ataman steht aber wohl.

Ferda Ataman hatte unter anderem mit einer „Spiegel“-Kolumne 2020 für Diskussionen gesorgt, als sie die Bezeichnung „Kartoffel“ für Deutsche ohne Migrationshintergrund verteidigte. Kritisiert wurde auch die Löschung früherer Tweets, die als polemisch interpretiert werden könnten. Private Tweets habe sie aus Neutralitätsgründen von ihrem Account gelöscht, hatte Ataman im Juni dazu gesagt.

Steht Ataman für spaltende Identitätspolitik?

In der FDP äußerte sich vor allem die ehemalige Generalsekretärin Linda Teuteberg immer wieder kritisch über die Kandidatin. Zuletzt in der „Neuen Zürcher Zeitung“: Ataman stehe in besonderer Weise „für spaltende Identitätspolitik, Diffamierung Andersdenkender und eine fehlende Bereitschaft zur Differenzierung“. Identitätspolitik teile Menschen in unentrinnbare Gruppenzugehörigkeiten ein, so dass sich ständig nur Opfer und Privilegierte gegenüberstünden, sagte Teuteberg.

Die notwendige Mehrheit der Ampel-Parteien für die Kandidatin steht aber aller Voraussicht nach, obwohl sich auch einzelne andere Freidemokraten kritisch geäußert hatten. Die FDP würde eine Koalitionskrise provozieren, würde sie der Personalie nicht zustimmen. Schließlich hatte das Bundeskabinett, in dem auch FDP-Chef und Vizekanzler Christian Lindner und weitere FDP-Minister vertreten sind, den gemeinsamen Personalvorschlag gemacht. Ausgegangen war er vom grün-geführten Bundesfamilienministerium, bei dem die Antidiskriminierungsstelle angesiedelt ist.

Kandidatin bringt notwendige Erfahrung mit

Bei einer Probeabstimmung in der Fraktion am Dienstag gab es nach dpa-Informationen zwei Enthaltungen und nur wenige Nein-Stimmen. FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte der „Bild“-Zeitung, obwohl er „nicht in allen Punkten“ mit Ataman übereinstimme und die Kartoffel-Äußerung für „inakzeptabel“ halte, müsse eine liberale Demokratie „unterschiedliche Meinungen“ aushalten. Zudem habe sie im Gespräch mit der FDP-Fraktion die Kartoffel-Aussage als Fehler bezeichnet.

Ataman hatte vor einigen Jahren auch schon den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Antidiskriminierungsstelle geleitet. Damit bringe sie nachweislich die notwendige Erfahrung für die Position mit, „und darauf kommt es an“, sagte der FDP-Fraktionschef.

AfD, CDU und FDP auf einer Linie

Union und AfD bekräftigten vor der Wahl noch einmal ihre Bedenken. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), sagte am Mittwoch, der Personalvorschlag sei das Gegenteil von Zusammenführung und spalte. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß twitterte: „Gerade in diesem Bereich brauchen wir mehr Gemeinsamkeit und keine linken Spalter!“ Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Bernd Baumann, sagte, es solle eine Frau zur Antidiskriminierungsbeauftragten gewählt werden, die „durchweg Deutsche diskriminiert“. In Kommentaren im Netz und auch verschiedenen Medien war Ähnliches zu lesen.

Vertreter von SPD und Grünen wiesen die Angriffe zurück. „Die wunderbare Ferda Ataman soll die Antidiskriminierungsstelle leiten – Anlass für eine verleumderische Kampagne, die in Drohungen gegen ihre Familie mündet“, schrieb SPD-Chefin Esken bei Twitter und sprach von haltlosen Vorwürfen. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Agnieszka Brugger schrieb, sie habe Ataman „als klug, sehr empathisch, freundlich, dialogorientiert, reflektiert“ erlebt. „Was manche über sie schreiben, passt überhaupt nicht zur Person, die mir begegnet ist.“

Was wird sie machen?

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät Betroffene auf Basis des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bei der Durchsetzung ihrer Rechte, wenn sie beispielsweise aus rassistischen, ethnischen, geschlechtlichen oder religiösen Gründen diskriminiert werden oder wurden. Das können zum Beispiel Diskriminierungen wegen des Nachnamens bei der Wohnungssuche sein oder auch bei der Jobsuche wegen des Alters.

Die Stelle holt auch Stellungnahmen der Gegenseite ein und vermittelt gütliche Einigungen. Zudem gibt sie Studien in Auftrag, erstellt Leitfäden, Broschüren oder Ratgeber und macht mit Öffentlichkeitsarbeit auf Diskriminierungsthemen aufmerksam.

dpa/dtj

 

7 Juli 2022 0 Kommentare
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Neues Bleiberecht für Ausländer in Deutschland

von Fremdeninfo 7 Juli 2022
von Fremdeninfo
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Deutschland

Neues Bleiberecht für Ausländer in Deutschland

Die Bundesregierung will die Hürden für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für langjährig in Deutschland nur geduldete Ausländer senken. Das Bundeskabinett verabschiedete einen entsprechenden Gesetzentwurf.

Eine junge Frau mit einem Duldungspapier ( Symbolbild)

Die Regierungskoalition aus SPD, Grünen und FDP hat damit die erste Stufe ihrer Migrationsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzentwurf zum sogenannten Chancen-Aufenthaltsrecht von Bundesinnenministerin Nancy Faeser soll Tausenden seit Jahren in Deutschland lebenden Ausländern ohne gesicherten Aufenthaltstitel eine langfristige Bleibeperspektive eröffnen. Damit soll die bisher gängige Praxis der „Kettenduldung“ beendet werden.

Bleiberecht für gut integrierte Geduldete

Die geplante Regelung soll für Menschen gelten, die zum Stichtag 1. Januar 2022 seit mindestens fünf Jahren in Deutschland gelebt haben und sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen. Innerhalb eines Jahres können die Menschen die übrigen Voraussetzungen für ein Bleiberecht erfüllen. Könne dann nachgewiesen werden, dass ausreichend Deutschkenntnisse vorhanden seien und der Lebensunterhalt bestritten werden könne, dürften die Menschen dauerhaft bleiben. Zum 31. Dezember 2021 hielten sich den Angaben zufolge in Deutschland etwa 242.000 geduldete Ausländer auf, davon rund 136.000 seit mehr als fünf Jahren.

Straftäter und Personen, die nachweislich falsche Angaben über ihre Identität gemacht haben, erhalten diese Möglichkeit nicht. Straffällig gewordene Geduldete sollen zudem konsequenter abgeschoben werden.

Verzicht auf Sprachkenntnisse bei Familiennachzug

Weitere Regelungen des Gesetzentwurfs beziehen sich auf die Fachkräftezuwanderung, die die Bundesregierung fördern will, weil solche Kräfte derzeit in vielen Branchen fehlen. Ausländische Fachkräfte sollen künftig Ehepartnerinnen und -partner sowie minderjährige Kinder nach Deutschland holen können, ohne dass diese zuvor Deutsch-Kenntnisse nachweisen müssen – dies war bislang eine hohe Hürde für den Familiennachzug. Auch Asylsuchenden soll die Integration erleichtert werden: Sie sollen künftig von Anfang an Zugang zu Integrationskursen und beruflichen Sprachkursen bekommen.

Deutschland Bundesministerin für Inneres und Heimat Nancy Faeser

Bundesinnenministerin Nancy Faeser

Noch vor Jahresende will die Koalition ein zweites Migrationspaket auf den Weg bringen. SPD, Grüne und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag unter anderem Erleichterungen bei der Einbürgerung für Menschen aus der sogenannten Gastarbeiter-Generation sowie die Einführung einer „Chancenkarte auf Basis eines Punktesystems“ für die Arbeitsmigration vereinbart.

„Der Bundesregierung geht es darum, mit einer aktiven und ordnenden Politik einen Neuanfang in der Migrations- und Integrationspolitik zu gestalten, der einem modernen Einwanderungsland gerecht wird“, erklärte ein Sprecher. Das Gesetz muss vom Bundestag beschlossen werden, die Zustimmung des Bundesrats ist nicht erforderlich.

Die Union kritisierte das geplante neue Aufenthaltsrecht. Damit belohne die Bundesregierung „Personen, die nicht verfolgt oder schutzbedürftig sind, ausreisen müssten und sich trotzdem beharrlich weigern“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), dem „Handelsblatt“.

qu/sti (dpa, afp ,rtr, epd)

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Handel, aber auch Gewalt gegen Frauen und Migration: Draghi zu Gast in Ankara

von Fremdeninfo 6 Juli 2022
von Fremdeninfo

Handel, aber auch Gewalt gegen Frauen und Migration: Draghi zu Gast in Ankara

Von

dtj-online

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06.07.2022

 
 
 
 

 

 

 

Ankara: Mario Draghi (M.), Ministerpräsident von Italien, wird durch Recep Tayyip Erdoğan (l.), Präsident der Türkei, mit militärischen Ehren vor einem gemeinsamen Treffen im Präsidentenpalast begrüßt. Foto: Uncredited/AP/dpa

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan die Rückkehr zur Istanbul-Konvention gegen die Gewalt gegen Frauen nahe gelegt.

„In unserem Gespräch haben wir auch die Wichtigkeit des Respekts der Menschenrechte besprochen“, sagte der parteilose Regierungschef bei seinem Besuch in Ankara am Dienstag. Er habe Erdoğan ermutigt, in die Istanbul-Konvention zurückzukehren, erklärte der 74-Jährige weiter. Die Türkei war großem inländischen und internationalem Protest zum Trotz 2021 aus dem Abkommen des Europarates ausgetreten.

Die Istanbul-Konvention war 2011 vom Europarat ausgearbeitet worden. Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen und dazu einen Rechtsrahmen zu schaffen.

Erdoğan hatte argumentiert, die Istanbul-Konvention widerspreche sozialen und familiären Werten der Türkei. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge haben sich die Rechte von Frauen und Mädchen in dem Land seitdem deutlich verschlechtert. Laut der Organisation „Wir werden Frauenmorde stoppen“ sind in diesem Jahr von Januar bis Ende Juni 167 Frauen von Männern in der Türkei getötet worden.

Draghi: Grenze bei Migration erreicht

Die beiden sprachen auch über weitere, beide Länder betreffende Themen. Italiens Regierungschef sieht die Grenze etwa bei der Aufnahme von Migranten in seinem Land als erreicht an. „Auch wir haben Limits, und jetzt sind wir da angekommen“, sagte er. Man müsse auch verstehen, dass ein Land nicht unbegrenzt offen sein könne. Der frühere Chef der Europäischen Zentralbank betonte, der Umgang mit Migranten müsse menschlich, angemessen und effektiv sein. Italien versuche, Migranten in seinen Gewässern zu retten.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums erreichten in diesem Jahr Stand Dienstag fast 29.400 Bootsmigranten die Küsten Italiens. Im selben Vorjahreszeitraum waren es etwas mehr als 21.700. Die Zahlen stiegen seit dem Frühjahr deutlich an.

„Freund und Partner“

Die Türkei hat sich in einem 2016 mit der EU geschlossenen Abkommen bereit erklärt, gegen unerlaubte Migration in die EU vorzugehen und illegal auf die Ägäis-Inseln gelangte Migranten zurückzunehmen. In der Türkei hat sich die Stimmung gegen die rund 3,7 syrischen Geflüchteten zuletzt verschlechtert. Erdoğan hatte etwa angekündigt, eine Million Syrer nach Nordsyrien umsiedeln zu wollen. Zugleich werde sich die Türkei aber stets für die Menschen aus dem Nachbarland einsetzen.

Draghi reiste am Dienstag mit einer Delegation mehrerer Minister in die Türkei, um dort verschiedene Abkommen zu Verteidigung und Handel zu unterzeichnen. Es war nach 2012 das dritte Treffen dieser Art. Die Türkei sei ein „Freund und Partner“, erklärte Draghi.

dpa/dtj

6 Juli 2022 0 Kommentare
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Türkische Inflation höher als bei der historisch schwersten Krise 2001

von Fremdeninfo 6 Juli 2022
von Fremdeninfo

Türkische Inflation höher als bei der historisch schwersten Krise 2001

Von

dtj-online

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05.07..2022

„Weizenernte in der Türkei“ widthKırıkkale: Ein Landwirt erntet Weizen auf seinem Feld. Die Preise für Lebensmittel sind in den letzten Monaten in der Türkei enorm gestiegen. Foto: Mustafa Kaya/XinHua/dpa

Die Inflation in der Türkei steigt weiter. Im Juni erhöhten sich die Lebenshaltungskosten gegenüber dem Vorjahresmonat auf 78,62 Prozent.

Besonders Transport und Lebensmittel verteuerten sich auf Jahresbasis deutlich. Somit wurde auch die Inflationsrate bei der historischen Krise 2001 von 73 Prozent überschritten. Auch die Herstellerkosten stiegen weiter: Auf Jahressicht erhöhten sich die Preise, die Produzenten für ihre Güter erhalten, laut Statistikamt im Juni um rund 138 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Anstieg von rund 6,8 Prozent. Die Erzeugerpreise fließen in der Regel zeitverzögert und teilweise in die Verbraucherpreise mit ein.

Die Opposition wirft der Regierung vor, die Inflationszahlen zu schönen und geht von einer deutlich höheren Rate aus. Die in Istanbul ansässige Inflations-Forschungsgruppe Enag bezifferte die Teuerung für Juni im Jahresvergleich sogar auf 175,55 Prozent. Gegen den Geschäftsführer der Gruppe läuft ein Verfahren.

Verstärkt Erdoğans Haltung die Krise?

Die Inflationsrate in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für erheblichen Preisauftrieb, da in die Türkei importierte Güter dadurch verteuert werden. Auch steigen die Preise vieler Rohstoffe, nicht zuletzt wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Die türkische Notenbank stemmt sich nach Meinung vieler Ökonomen zudem nicht entschlossen genug gegen die hohe Teuerung. Vielmehr haben die Währungshüter ihre Geldpolitik seit vergangenen Sommer gelockert. Nach gängiger ökonomischer Lehre kann eine Erhöhung der Zinsen der Inflation entgegenwirken. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan argumentiert hingegen, dass hohe Zinsen Inflation verursachen. Die Notenbank folgt Erdoğans Linie und verzichtet bislang auf Zinserhöhungen. Sie hält den Leitzins seit Januar bei 14 Prozent.

dpa/dtj

6 Juli 2022 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Vierjähriger an Kontrollpunkt in der Türkei erschossen

von Fremdeninfo 5 Juli 2022
von Fremdeninfo

 

Vierjähriger an Kontrollpunkt in der Türkei erschossen

Vierjähriger an Kontrollpunkt in der Türkei erschossen

Von

dtj-online

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05.07.2022

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Der Vater des getöteten Kindes sitzt vor dem abgedeckten Leichnam. Foto: Erdal Akildiz/Twitter

Sicherheitskräfte schießen in der Osttürkei auf ein Fahrzeug mit Migranten. Dabei stirbt ein kleiner afghanischer Junge. Menschenrechtler sind empört und fordern eine Untersuchung.

Türkische Sicherheitskräfte haben im Osten des Landes einen Kleinbus mit Migranten beschossen und dabei einen vierjährigen afghanischen Jungen getötet. Das Kind sei bei dem Beschuss in einem Dorf der Provinz Van am Herzen getroffen worden, sagte der Vorsitzende des Menschenrechtsvereins Van, Mehmet Karataş, der Deutschen Presse-Agentur am Montag unter Berufung auf Augenzeugen. Zwölf Menschen seien verletzt worden, darunter die Mutter.

Das Gouverneursamt der Provinz bestätigte ohne Angabe von Alter und Nationalität, dass ein Migrant getötet und zwölf weitere verletzt wurden. Die Gendarmerie habe auf die Reifen eines verdächtigen Fahrzeugs geschossen, nachdem der Fahrer die Aufforderung, sofort anzuhalten, ignoriert habe. Dabei seien Migranten von Querschlägern getroffen worden.

Beschuss trotz harmloser Migranten?

Der IHD-Vorsitzende Karataş dagegen sagte, zwei Gendarmen hätten das Fahrzeug, „intensiv beschossen“, obwohl es unterwegs in eine Sackgasse gewesen sei. Die Fensterscheiben des Wagens seien dabei zerborsten. Das sei eine „Pflichtverletzung und eine Verletzung des Rechts auf Leben“, kritisierte er. Migranten, darunter Frauen und Kinder, seien in eine Scheune und in die Berge geflohen, weil die Gendarmen weiter auf ihre Füße geschossen hätten. Karataş forderte eine unabhängige Untersuchung.

Nach Angaben des Gouverneursamt befanden sich in dem Fahrzeug 40 irreguläre Migranten. Der Fahrer und ein mutmaßlicher Schleuser seien flüchtig. Die Berichte ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Route über den Iran

Die türkische Provinz Van grenzt an den Iran. Von dort kommen immer wieder Migranten vor allem aus Afghanistan in die Türkei. Viele zieht es nach Westen – etwa in die Millionenmetropole Istanbul, um dort Arbeit zu finden oder weiter nach Europa. Schmuggler bringen Migranten, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben, in Kleinbussen aus den Ostprovinzen in Richtung Westtürkei und versuchen dabei, Kontrollpunkte zu umgehen.

In der Türkei leben nach offiziellen Angaben zurzeit mehr als 3,7 Millionen Geflüchtete aus Syrien, hinzu kommen Schätzungen zufolge bis zu eine halbe Million Afghanen. Angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise hat sich die Stimmung gegen Syrer und Afghanen zuletzt weiter verschärft

5 Juli 2022 0 Kommentare
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So bekam ein arabischer Clan viel Geld vom Jobcenter

von Fremdeninfo 5 Juli 2022
von Fremdeninfo

So bekam ein arabischer Clan viel Geld vom Jobcenter

Im Prozess gegen Angehörige des Al-Zein-Clans ist deutlich geworden, wie leicht die Großfamilie an Geld vom Jobcenter gekommen ist. Obwohl sie in Leverkusen in einer Villa mit 300 Quadratmetern Wohnfläche residierte und über erhebliches Vermögen verfügte, soll die Großfamilie Sozialleistungen in Höhe von fast einer halben Million Euro bezogen haben. Kaum ausgefüllte Formulare, unvollständige Adressen und abweichende Unterschriften verursachten bei der Behörde keine Zweifel.

Die Familie war komplett unauffällig. Vor den Hinweisen der Polizei hatten wir keinen Grund, von Leistungsbetrug auszugehen“, sagte der Teamleiter für Rückforderungen des Jobcenters Leverkusen am Dienstag als Zeuge am Düsseldorfer Landgericht.

Unterschiedliche Handschriften in einem Formular seien kein Grund zum Zweifel, oft würden etwa Caritas-Mitarbeiter beim Ausfüllen helfen. „Entscheidend ist für uns, dass der Antrag unterschrieben ist. Wer ihn ausgefüllt hat, ist uns gleich“, sagte er.

Nach Hinweisen von Verteidigern, dass sich auch die Unterschriften im Fall einer Antragstellerin überhaupt nicht ähnelten, sagte der Zeuge: „Wir prüfen nicht, ob sich die Unterschrift geändert hat.“

Auf Nachhaken der Anwälte, dass so ja völlig unklar sei, ob die Angeklagte oder jemand anders den Antrag auf Sozialhilfe gestellt hat, sagte der Jobcenter-Mitarbeiter: „Selbst wenn sie den Antrag nicht gestellt hätte: Der Leistungsbezug war ihr bekannt, sie hat ja Leistungen bekommen.“

Wenn ein bereits bekannter Antragsteller sämtliche Fragen zu Einkommen und Vermögen unbeantwortet ließ, sei die Behörde davon ausgegangen, dass er über kein Einkommen und Vermögen verfügte, sagte der Jobcenter-Mitarbeiter. „Wir sind eine Sozialbehörde. Die Leute, die zu uns kommen, haben oft Probleme mit dem Ausfüllen von Formularen. Wir legen vieles niedrigschwellig zugunsten des Antragstellers aus. Da steht die Sicherung des Lebensunterhaltes für Bedürftige im Vordergrund.“

5 Juli 2022 0 Kommentare
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“ZUSAMMEN FÜR EINE DEMOKRATISCHE TÜRKEI“

von Fremdeninfo 5 Juli 2022
von Fremdeninfo

 

  Von: Turgut Yüksel / MdL

“ZUSAMMEN FÜR EINE DEMOKRATISCHE TÜRKEI“

TURGUT YÜKSEL UND UDO BULLMANN BEIM MALTEPE-FORUM, ISTANBUL

D er SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel, MdL gehört zu den regelmäßigen Gästen beim Maltepe-Forum, das der Bürgermeister des namensgebenden Istanbuler Stadtbezirks, Ali Kilic, zusammen mit der sozialdemokratischen Schwesterpartei CHP seit Jahren durchführt. Gemeinsam mit dem Europaabgeordneten Udo Bullmann, MdEP, reiste er zu der Konferenz, zu der auch der Parteichef der CHP, Kemal Kilicdaroglu, sowie

der Präsident Albaniens, Ilir Meta, geladen waren. „Spannende Diskussionsrunden“, resümiert Turgut Yüksel, „bei denen eines klar geworden ist: Wir unterstützen unsere Freundinnen und Freunde in der Türkei, weil sie ebenso wie wir eine europäische, eine demokratische Türkei brauchen. Nie war ein Machtwechsel so nah wie jetzt.“ Das unter Führung der CHP gebildete Bündnis aus sechs Oppositionsparteien führt in den Umfragen deutlich vor Erdogans AKP.

Hoffnung keimt nach guten Ergebnissen in wichtigen Kommunen für die anstehenden Parlamentswahlen auf.

Im Europäischen Parlament weiß man, wie weit Erdogans Unterdrückung von Freiheit und Demokratie, seine willkürlichen Scheinprozesse und die Verfolgung der Menschenrechtsaktivisten und kurdischen Oppositionellen die Türkei von Europa entfernt haben. Und dennoch sieht Udo Bullmann in der aktuellen Situation „ein Momentum, das wir nicht verpassen dürfen“. Heute leidet die breite Mehrheit der türkischen Bevölkerung unter dem Niedergang der Wirtschaft und einer rasenden Inflation. „Was einer gedeihlichen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zentral im Wege steht, ist Erdogans autokratisches Regime“, bekräftigt Udo Bullmann. „Es gibt jenseits der AKP eine Türkei der freien aufgeklärten Gesellschaft mit europäischen Werten. Viele Millionen Menschen in der Türkei träumen von einem Leben in Freiheit und Demokratie. Sie setzen sich dafür ein, dass die Einhaltung der Grundrechte, Meinungsfreiheit und ein Ausbau der Demokratie sowie eine Lösung der Kurdenfrage endlich Realität werden. Wir dürfen sie nicht allein lassen“, ist die Botschaft der beiden hessischen Abgeordneten. Sie werben für eine stärkere Unterstützung der Schwesterparteien CHP und HDP. „Wenn sie gewinnen, gewinnen wir alle. Diese Chance dürfen wir nicht auslassen.“ Udo Bullmann Ali Kılıç Kemal Kılıçdaroğlu SPD Hessen CHP Frankfurt

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Türkei sperrt Webseite der Deutschen Welle

von Fremdeninfo 5 Juli 2022
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Türkei sperrt Webseite der Deutschen Welle

Von

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–

02.07.2022

 

 
Aydın Üstünel, Anchorman der Deutschen Welle, verkündet die Sperre. Foto: Screenshot/Youtube

Die Sperrung der Internetseite der „Deutschen Welle“ in der Türkei sorgt für Empörung. Ankara gibt als Grund eine fehlende Lizenz an. Kritiker vermuten andere Motive.

Die Türkei hat die Internetseiten der Deutschen Welle (DW) und des US-Auslandssenders Voice of America (VOA) gesperrt und so die Sorge um die Pressefreiheit im Land weiter verstärkt. Die DW-Webseiten sind in der Türkei blockiert, wie der deutsche Auslandssender selbst mitteilte. Die Sender-Aktivitäten in den sozialen Medien waren demnach nicht von der Sperre betroffen.

Erst vor einiger Zeit hatte Russland das Moskauer Büro der Deutschen Welle geschlossen und Internetangebote blockiert. Die Türkei hatte schon länger mit einem solchen Schritt gedroht, nun setzte die Rundfunk-Aufsichtsbehörde RTÜK die Sperrung per Gerichtsbeschluss durch.

Präsidenten-Wahlen rücken näher

Sie begründete dies damit, dass die Deutsche Welle nicht die erforderliche Zulassung habe. Kritiker werten den Schritt als politisch motiviert und befürchten ein Jahr vor den nächsten Wahlen eine weitere Aushöhlung der Pressefreiheit in der Türkei. Die Sperrung könnte auch die Beziehungen von Berlin und Washington zu Ankara belasten.

Gerade erst wurde ein diplomatischer Streit zwischen dem Westen und der Türkei um einen NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands beigelegt. Die Bundesregierung äußerte sich am Freitag zurückhaltend und teilte mit, man habe die Meldung über die Sperrung „mit Bedauern zur Kenntnis genommen“.

Lizenzierung und Zensur

Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte: „Unsere Sorge um die Lage der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei besteht fort.“ Die deutsche Medienstaatsministerin Claudia Roth teilte zur Sperrung mit: „Das ist eine schlechte Nachricht für die ohnehin schon eingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei.“

Die Kontrollbehörde hatte von ausländischen Sendern vor Monaten verlangt, eine Lizenz für Internetseiten-Angebote zu beantragen. Die DW ging nach eigenen Angaben darauf nicht ein, „weil eine Lizenzierung die Zensur von redaktionellen Inhalten durch die türkische Regierung ermöglicht hätte“.

Zugriff auf Information zunehmend schwieriger

Intendant Peter Limbourg sagte, beispielsweise seien lizenzierte Medien zur Löschung von Online-Inhalten verpflichtet, die die RTÜK für unangemessen erachte. „Das ist für einen unabhängigen Medienanbieter schlicht inakzeptabel.“ Die Deutsche Welle kündigte an, juristisch gegen die Sperre vorzugehen.

Die Rundfunkbehörde verteidigte die Sperrung als vereinbar mit türkischem Recht. Sobald eine Lizenz beantragt werde, könne ein Gericht die Blockade auch wieder aufheben. Dabei stützt sich die islamisch-konservative Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf eine seit 2019 geltende Regelung.

Starke Regulierung türkischer Medien

Damit wurde eine weitreichende Kontrolle von Internet-Plattformen eingeführt, die Filme, Videos oder Radioinhalte verbreiten. Nach DW-Angaben stößt das eigene Angebot in der Türkei auf steigendes Interesse. Über die Webseite und Social-Media-Kanäle auf YouTube, Twitter, Facebook und Instagram erreichte das Programm nach DW-Angaben monatlich rund 35 Millionen Zugriffe im ersten Halbjahr 2022, sieben Mal so viele wie 2018 im gleichen Zeitraum.

Türkische Medien stehen zum Großteil unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung. Auch Inhalte im Internet unterliegen starker Regulierung. Im Parlament wird zurzeit ein Gesetzesentwurf diskutiert, der die Verbreitung von angeblichen Falschinformationen im Internet unter Strafe stellen soll.

„Pure Willkür der Erdoğan-Autokratie“

Die Deutsche Welle zeichne sich seit Jahren durch unabhängige journalistische Berichterstattung über „die permanenten Einschränkungen der Demokratie in der Türkei“ aus, sagte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, der dpa. Dies solle nun knapp ein Jahr vor Präsidentschafts- und Parlamentswahlen offenbar unterdrückt werden.

Die Wahlen in der Türkei stehen regulär im Juni 2023 an. Erdogan hofft auf eine Wiederwahl. Auch der Vorsitzende des Deutschen-Journalistenverbands DJV, Frank Überall, wertete den Schritt als politisch motiviert. „Die Sperre der Deutschen Welle ist durch nichts anderes zu rechtfertigen als durch pure Willkür der Erdoğan-Autokratie.“

dpa/dtj

 
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Das Massaker von Sivas-Madımak

von Fremdeninfo 3 Juli 2022
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Das Massaker von Sivas-Madımak

Von Cumali Yagmur
 
 
 

  in der    Stadt  Sivas wurde am 2. Juli vor 29 Jahren ein Anschlag auf die größte religiöse Minderheit in der Türkei, die Aleviten, verübt. Die Aleviten machen etwa ein Viertel der türkischen Gesamtbevölkerung aus. Sivas ist seit Jahrhunderten mit der alevitischen Tradition verbunden und stand gleichzeitig auch immer für das friedliche Miteinander von Aleviten und Sunniten. Als dort dann 1993 im Hotel Madımak (sprich: Mademak) ein alevitisches Kulturfestival stattfand, an dem auch Sunniten teilnahmen, kam es zu einem Massaker.

Am 2. Juli 1993 kam es in der anatolischen Stadt Sivas zu einem Attentat, bei dem es viele Verletzte und 35 Tote gab. Im Grunde ist ein Hotel angezündet worden, weil sich dort überwiegend Aleviten befanden. „Das war eine ganz klare Ansage, dass man keine Aleviten in der Stadt haben will – und das in Sivas. Das war regelrecht ein Massenmord“, erinnert sich heute Sevval Büryani zurück. Die Alevitin hat die Ereignisse aus nächster Nähe verfolgt und kann sich noch heute an jeden Augenblick erinnern. „Während einige Attentäter mehrere Brandsätze gegen das Hotel schleuderten, das aus Holz gebaut war, versperrte eine wütende Menschenmenge, die sich vor dem Hotel versammelt hatte, vielen der Eingeschlossenen in dem brennenden Hotel den Weg ins Freie“, schildert Cemil Kozalak den Tathergang präzise. Kozalak war an jenem Tag vor Ort. „Das war nicht nur von einem Mob geplant, da steckte eine Systematik drin, die sich nicht zufällig ereignet hat!“, ist Kozalak überzeugt.

Dabei nahmen die Brandstifter in Kauf, dass auch Sunniten, also Vertreter der religiösen Mehrheit in der Türkei, unter den Opfern waren. Denn für die Täter hatten die Sunniten, die mit Aleviten eine gemeinsame Veranstaltung besuchten, diese Strafe verdient. Sevval Büryani kennt die Argumentation der Attentäter, auch von kürzlichen Gesprächen: „Wie können diese Sunniten mit den Aleviten, oder mit diesem Ketzer Aziz Nesin zusammen sein und eine gemeinsame Veranstaltung machen? Der Koran sagt, setze dich nicht mit denjenigen an einen Tisch, die Alkohol trinken und die Gebote des Glaubens nicht befolgen.“ Leute, die mit Aleviten, Reformorientierten, Liberalen, dialogbereiten Menschen Gespräche führen, Freundschaften schließen und gemeinsame Sache machen, sind demnach genauso unwertes Leben – eine Argumentation, die heute auf die Terrormiliz IS hindeuten würde.

In der damaligen politisch und religiös aufgeheizten Stimmung wurden Aleviten von vielen als Ungläubige, also als Nicht-Muslime bezeichnet. Sie wurden verachtet, weil man ihnen sogar vorwarf, vom rechten Glauben abgefallen zu sein. Die Gemeinschaft der Aleviten besteht zwar aus einer Reihe von unterschiedlichen Richtungen, aber die Zahl derer, die sich eindeutig als Teil der islamischen Gemeinschaft sehen, ist überwältigend hoch. Diese bekennen sich zu einem einzigen Gott und zum Propheten Muhammad. Einzig zur Rechtsnachfolge Muhammads haben sie eine andere Meinung als die Sunniten. Sie sind überzeugt, dass dessen Schwiegersohn Ali direkter Nachfolger hätte sein müssen.

Nach dem Anschlag von Sivas war die türkische Gesellschaft damals im Ausnahmezustand. In breiten Teilen der Bevölkerung löste der Vorfall eine Welle der Beileidsbekundung aus. In der „Europäischen Sivas Union“ haben sich Sunniten und Aleviten zusammengeschlossen, um zur Verständigung zwischen diesen beiden Religionsgruppen beizutragen. Der Präsident dieser Union ist Rüştü Elmas, er stammt selbst aus Sivas und ist Sunnit. „In keiner Religion kann es akzeptiert werden, dass unschuldige Menschen getötet werden. Das ist eine Tragödie. Auch ich habe mich als ein Sivasstämmiger und Sunnit schuldig gefühlt und sehr geschämt.“ Für Elmas ist klar, dass die Stadt Sivas damals ganz bewusst als Anschlagort ausgesucht wurde. „Leider passieren solche Vorfälle aus politischen Gründen. Es ist keinesfalls ein Krieg der Sivas-Bevölkerung, sondern das haben politisch-interessierte Leute nach Sivas getragen. Weil in Sivas traditionell seit Jahrhunderte Aleviten und Sunniten friedlich zusammenleben.“

An der Stelle des abgebrannten Hotels Madımak steht heute ein Museum. Hier treffen sich jährlich Sunniten und Aleviten und gedenken gemeinsam der schrecklichen Tat von damals. Inzwischen ist das Verhältnis zwischen den beiden Religionsgruppen in der Türkei insgesamt entspannter geworden. Dennoch leben die Aleviten in der Türkei heute stellenweise unter Beobachtung. Nach wie vor werden ihre Gebetshäuser mit den Moscheen rechtlich nicht auf die gleiche Ebene gestellt. In diesem Sinne gibt es keine Verschlechterung, aber auch keine wirkliche Verbesserung der Zustände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gegenleistung? Biden unterstützt Modernisierung der türkischen F-16-Flotte

von Fremdeninfo 2 Juli 2022
von Fremdeninfo

Gegenleistung? Biden unterstützt Modernisierung der türkischen F-16-Flotte

Von

dtj-online

–

01.07.2022

 
 
 
 
Madrid: Joe Biden (r.), Präsident der USA, traf sich während des NATO-Gipfels mit Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei. Foto: Susan Walsh/AP/dpa

US-Präsident Joe Biden unterstützt die vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan angestrebte Modernisierung der Flotte an F-16-Kampfjets.

Biden sagte am Donnerstag zum Abschluss des NATO-Gipfels in Madrid, es handele sich dabei aber nicht um eine Gegenleistung dafür, dass Erdoğan vor dem Gipfel seine Blockade zum NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens aufgegeben hatte. Er habe schon früher gesagt, dass die USA dem NATO-Partner Türkei F-16-Jets verkaufen beziehungsweise diese modernisieren sollten. „Es ist nicht in unserem Interesse, das nicht zu tun.“ Dafür benötige er aber die Zustimmung des Kongresses. „Und ich denke, wir können sie bekommen.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte in Madrid, er hoffe auf Bidens „aufrichtige Bemühungen“ beim Thema F-16. Die Türkei werde bald erneut Delegierte in die USA schicken, um weitere Schritte zu besprechen. Die beiden Präsidenten waren in Madrid zusammengekommen.

Weiterhin von der F-35-Entwicklung ausgeschlossen

Um den Verkauf von US-Kampfflugzeugen an die Türkei gibt es seit langem Diskussionen: Eigentlich war das Land Teil eines Programms zur Entwicklung des US-Kampfjets F-35 und sollte diesen auch beziehen. Nachdem die Regierung in Ankara 2017 aber das russische Raketenabwehrsystem S-400 erworben hatte, schloss die US-Regierung die Türkei aus dem Programm aus. In Washington wurde befürchtet, dass Russland über das empfindliche Radar des S-400-Waffensystems an Daten über die Tarnkappenfähigkeiten der F-35-Jets gelangen könnte.

Ende vergangenen Jahres verkündete Erdoğan, die USA hätten der Türkei Jets vom Typ F-16 statt F-35 angeboten. Nach Angaben aus dem türkischen Verteidigungsministerium hat Ankara 40 neue F-16 und 79 Upgrade-Kits für die bereits eingesetzten F-16-Jets gefordert. In Washington war ein möglicher Deal bisher aber politisch umstritten. Auch zwischen Athen und Ankara kam es deswegen zu einem Zerwürfnis.

dpa/dtj

 
2 Juli 2022 0 Kommentare
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