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4 Februar 2026 0 Kommentare
Rassismus

Muslimin, Frau, Boxtrainerin: „Ich kämpfe gegen alle Vorurteile“

von Fremdeninfo 8 Januar 2022
von Fremdeninfo

Muslimin, Frau, Boxtrainerin: „Ich kämpfe gegen alle Vorurteile“

Von

dtj-online

–

07.01.2022

 
 
 
 

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Boxtrainerin Doha Taha Beydoun trainiert mit einer ihrer Boxerinnen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Doha Taha Beydoun ist eine junge Frau mit libanesischen Wurzeln. Als Boxtrainerin kämpft sie nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb. Sie setzt sich für Gleichheit und gegen Diskriminierung ein – und muss gegen Widerstände kämpfen.

Sie ist erst 20 Jahre alt. Verheiratet. Im vierten Monat schwanger. Muslimin und Boxtrainerin. Ihre Eltern sind aus dem Libanon nach Deutschland ausgewandert, als sie ein Baby war. Doha Taha Beydoun wirke auf einige „merkwürdig“, da ihre Nationalität, Religion und Sportart nicht zusammenpassen würden.

Andere sehen sie als Vorbild, wie sie selbst sagt. „Ich kämpfe gegen alle Vorurteile“, sagt sie auch. Die junge Frau gibt sich selbstbewusst. Seit fünf Jahren trainiert Taha Beydoun selbst als Boxerin. Schon während ihrer Schulzeit war sie sportlich aktiv, aber zurückhaltend.

Boxtraining für Frauen

„Ich war nicht sehr selbstbewusst, war sehr schüchtern, ich hab mich auch nie getraut, etwas zu sagen in der Schule“, erzählt sie. Ihr sei es deshalb wichtig gewesen, beim Sport nur unter Mädchen zu sein, um sich selbst offener und lockerer fühlen zu können. Mit diesen Voraussetzungen recherchierte sie und stieß auf den Berliner Verein „Boxgirls“.

Die „Boxgirls“ wurden 2005 gegründet und hatte sich das Ziel gesetzt, Mädchen und Frauen dabei zu unterstützen, sich selbstständig und mutig in ihren Kiezen und Gemeinden einzusetzen. Dadurch sollen Orte der Chancengleichheit und Inklusion geschaffen werden. Der Verein bietet dafür regelmäßiges Boxtraining an – eine Sportart, die noch immer sehr von Männern dominiert sei.

Sportverein lebt Vielfalt

Außerdem gehen die Trainerinnen aber auch in Schulen, geben Workshops und sind in verschiedenen Projekten engagiert. Seit drei Jahren ist Taha Beydoun auch als Boxtrainerin tätig, sowohl bei den Boxgirls als auch beim Verein „Seitenwechsel“. „Seitenwechsel“ ist ein Sportverein für Frauen unterschiedlicher sexueller Orientierung, Trans- oder Intersexuelle.

Hier trainiert sie Frauen ab etwa 25 und ist somit die Jüngste. Der Schwerpunkt bei den Boxgirls hingegen liegt im Mädchen-Jugendbereich. Diese Mischung sei eine besondere Herausforderung, wenn sie etwa viermal in der Woche in der Halle steht.

 

„Es braucht viel Zeit, Geduld und Kraft, aber es ist sehr schön, wenn man sieht, wie sich die Kinder weiterentwickeln im Positiven“, sagt sie bezüglich der Mädchen bei den Boxgirls. Neben dem bloßen Training stecke viel soziale Arbeit drin, weil auch Gespräche geführt werden wie zum Beispiel zum Thema Prävention von Mobbing oder Selbstförderung.

Fehlende Akzeptanz und Diskriminierung

Dieses Selbstbewusstsein, das sie den Kindern beibringt, hatte ihr selbst lange Zeit gefehlt. „Wenn ich irgendwo neu bin, komme ich immer mit Hintergedanken, also wie werde ich aufgenommen, wie werde ich akzeptiert in der Uni und so weiter.“ Fehlende Akzeptanz oder Diskriminierung haben auch einige Teilnehmerinnen bei Seitenwechsel erlebt, weil sie anders sind.

Das Training unter Taha Beydoun bietet einen geschützten Raum, weil auch sie, umhüllt mit einem Kopftuch, anders sei. „Früher ist es mir oft passiert, dass ich angefeindet wurde, in der Tram, U-Bahn, im öffentlichen Verkehr mit Blicken, schlechten Aussagen oder lauten Beschimpfungen“, erzählt sie. Ihre Gruppen bezeichnet sie deshalb auch gerne als Selbsthilfegruppen, weil die Erfahrungen sie miteinander verbinden würden.

Keine Ausgrenzung

„Ich fühle mich hier sehr wohl aufgehoben“, sagt Annett, eine der Teilnehmerinnen. Seit knapp sechs Jahren ist sie schon dabei, boxte zuvor in einem gemischten Fitnessstudio und findet das Training ausschließlich unter Frauen sogar härter. Hier gehe es mehr um Kondition, Ausdauer und auch mehr Miteinander.

Die Trainingseinheiten werden angepasst. Annett fühlt sich in einer Art „Safe Space“. „Es ist mir wichtig, dass man nicht jemanden ausgrenzt“, sagt Taha Beydoun. Den Kampf gegen Diskriminierung hat sie sich zur Aufgabe gemacht.

„Für mich bedeutet es, dass egal welcher Mensch hier reingeht, ich ihn so akzeptiere, wie er ist – egal, welche Hautfarbe man hat, welcher Nationalität oder Religion man angehört“, sagt die 20-Jährige. „Das alles steht im Hintergrund und man sollte den Menschen so sehen, wie er ist und akzeptieren.“

dpa/dtj

8 Januar 2022 0 Kommentare
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Religion

„Auf Worte müssen eigene Taten folgen“

von Fremdeninfo 8 Januar 2022
von Fremdeninfo

„Auf Worte müssen eigene Taten folgen“

Von

Stefan Kreitewolf

–

08.01.2022

 
 
 

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Drei Frauen, drei Religionen, ein Thema: Rebecca Rogowski, Maike Schöfer, Kübra Dalkılıç diskutieren in ihrem Podcast „331“, den das House of One produziert, die großen Themen unserer Zeit und sprechen über Alltägliches. Im DTJ-Online-Interview erklären sie, warum man ihnen zuhören sollte.

Frau Dalkılıç, Frau Rogowski, Frau Schöfer, Sie machen gemeinsam einen Podcast. Warum sollte ich ihn mir anhören?

Rogowski: In unserem Podcast treffen sich theoretisches Wissen mit gelebter Erfahrung. Er ist unterhaltsam, ohne flach zu sein. Er ist informativ, ohne hochgradig kompliziert zu sein. Und wir haben keine Angst, einander zu widersprechen oder schwierige Themen zu behandeln.

Schöfer: Mit Neugier, Witz und Respekt sprechen, fragen und diskutieren wir miteinander – von komplexen Glaubensthemen bis hin zu alltäglichen Banalitäten.

Dalkılıç: Das Gespräch soll so locker und natürlich wie möglich sein, als ob wir uns in der U-Bahn oder bei einem Kaffee unterhalten würden.

Eine Ihrer Podcast-Folgen trägt den Titel „Einfach mal miteinander reden“. Worüber genau sollten wir miteinander reden und warum bringt uns das weiter?

Dalkılıç: Wir Menschen sprechen zu sehr übereinander statt miteinander und genau das wollen wir mit unserem Podcast anders machen.

Schöfer: Wir wollen Menschen zeigen, dass das Miteinander-Reden der erste Schritt für ein gesellschaftliches Miteinander ist.

Rogowski: Natürlich lässt sich nicht alles mit Reden beseitigen, aber ein nachhaltiges Zusammenleben kann nur zustande kommen, wenn die Kommunikation stimmt. Wir leben oft aneinander vorbei, haben Vorurteile und Berührungsängste.

„Motor für mein Engagement“

Welche Rolle spielt Religion in Ihren Alltagen?

Schöfer: In meinem Alltag spielt mein christlicher Glaube eine große Rolle. Mein Denken, Hoffen und Handeln ist davon durchzogen. Doch viele alltägliche Rituale musste ich erst erlernen – ich wurde nämlich nicht religiös erzogen.

Dalkılıç: Meine Religion ist Teil meiner Identität, die kann ich nicht ablegen. Sie beeinflusst meine Gedanken, meine Entscheidungen, meine Handlungen und meine Beziehungen, sowohl zu meinen Mitmenschen als auch zur Natur.

Rogowski: Für mich ist das Judentum viel mehr als eine Religion. Es ist Geschichte, Philosophie, Brauchtum. Es ist der Ursprung und Motor für mein Engagement. Und es hilft mir anzuerkennen, dass ich von jedem Menschen etwas lernen kann.

Das öffentliche Bild von Religionen ist geprägt von Vorurteilen und Klischees. Wie kommen wir in der Debatte um die vermeintlich richtige Weltanschauung zurück zu einer gelassenen Sachlichkeit?

Rogowski: Meiner Meinung nach hat das viel damit zu tun, dass Extremistinnen oder Extremisten oft am lautesten sind, auch wenn sie nicht zwangsläufig die Mehrheit bilden. Wir sollten trotzdem immer offen füreinander sein. Wenn diese Einstellung vorhanden ist, dann können wir auf Augenhöhe diskutieren – wie in unserem Podcast.

Schöfer: Ich denke, dass wir mit unserem Podcast sehr gut zeigen können, dass es nicht die eine richtige Weltanschauung gibt, sondern dass alle ihre Berechtigung haben. In jeder Religion liegt auch eine Wahrheit.

Dalkılıç: Wichtig ist es, offen für andere Meinungen zu sein. Vorurteile entstehen, weil wir Menschen nur wenige Berührungspunkte haben. Das gegenseitige Kennenlernen kann dem entgegenwirken.

„Irgendwann muss ich Verantwortung übernehmen“

Woher kommt der gegenseitige Hass? Und was können wir als Gesellschaft dagegen tun?

Rogowski: Persönlich versuche ich den Hass nicht zu sehr in mein Leben zu lassen. Im Endeffekt kann ich aber nur mein eigenes Handeln kontrollieren. Also versuche ich, stets respektvoll und neugierig zu bleiben und mich so zu verhalten, wie ich es mir von anderen wünsche. Im Talmud steht: „Für mich ist die Welt erschaffen worden, daher bin ich mit verantwortlich.“ Für mich heißt das, ich kann immer versuchen, die Schuld bei Anderen zu suchen, zu analysieren, was alles falsch läuft, aber irgendwann muss ich Verantwortung übernehmen und auf Worte müssen eigene Taten folgen.

Dalkılıç: Jede und jeder einzelne ist gefragt. Wenn wir etwas in unserer Gesellschaft ändern wollen, muss jede und jeder bei sich selbst anfangen. Nur wenn alle zuerst auf sich selbst schauen und versuchen, etwas bei sich zu ändern, werden wir eine friedvollere Gesellschaft sein.

Zurück zu Ihrem Podcast: Wen wollen Sie mit ihrem interreligiösen Trialog erreichen?

Schöfer: Wir wollen vor allem junge Menschen erreichen. In einfacher Sprache wollen wir komplexe Glaubensthemen zugänglich und verständlich machen – und zeigen, dass interreligiöser Dialog auf allen Ebenen stattfinden muss. In unserem Fall: mit drei jungen Frauen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kübra Dalkılıç, Rebecca Rogowski und Maike Schöfer machen einen Podcast fürs House of One. In „331 – 3 Frauen, 3 Religionen, 1 Thema“ berichten sie von ihren Religionen und sprechen über ihren Alltag und ihr Leben als Jüdin, als Christin und als Muslimin.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. 

 

 

 
 
 
 

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8 Januar 2022 0 Kommentare
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Archive

Deutschland schiebt 18 Gefährder ab – auch in die Türkei

von Fremdeninfo 6 Januar 2022
von Fremdeninfo

Deutschland schiebt 18 Gefährder ab – auch in die Türkei

Von

dtj-online

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27.12.2021

 
 
 
 

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Archivfoto: Polizeibeamte begleiten einen Afghanen auf dem Flughafen Leipzig-Halle in ein Charterflugzeug. Foto: Michael Kappeler/dpa

Von Januar bis Mitte Dezember sind in diesem Jahr insgesamt 18 islamistische Gefährder aus Deutschland abgeschoben worden. Vier davon wurden in die Türkei gebracht.

Hinzu kamen fünf sogenannte relevante Personen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess hervorgeht, wurden fünf der Gefährder nach Russland gebracht, vier in die Türkei und zwei nach Bosnien-Herzegowina.

Als Gefährder bezeichnet man im Bereich der politisch motivierten Kriminalität Menschen, denen die Polizei schwere Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zutraut. Zum Kreis der „relevanten Personen“ zählt, wer in der Szene als „Führungsperson“, als „Akteur“ oder als Logistiker und Unterstützer agiert.

Türkische Staatsbürger auf Platz drei

Jeweils ein Gefährder wurde den Angaben zufolge in diesem Jahr nach Algerien, Kuwait, Pakistan, Somalia, Tadschikistan, in den Irak und in den Iran abgeschoben. Die Abschiebungen, die der Gefahrenabwehr dienen sollen, wurden 2021 nicht nur durch Reisebeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie erschwert. Ein weiterer Faktor ist wohl, dass es aufgrund der Lage nach der Machtübernahme durch die Taliban im Sommer keine Rückführungen nach Afghanistan mehr gibt. Abschiebungen nach Syrien finden seit Jahren nicht mehr statt. Im Jahr 2019 waren insgesamt 32 Gefährder und relevante Personen abgeschoben worden.

Wie aus einer früheren Antwort der Bundesregierung hervorgeht, sind die meisten Menschen, die der Verfassungsschutz aktuell dem islamistisch-terroristischen Personenpotenzial zurechnet, deutsche Staatsbürger (940). Die zweitgrößte Gruppe (280 Personen) sind Syrer, gefolgt von türkischen Staatsbürgern (120 Personen), Menschen aus Russland (90 Personen) und Irakern (60 Personen).

dpa/dtj

 

 

 
 
 
 
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6 Januar 2022 0 Kommentare
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Religion

Studie zum Muslimischen Mobbing an Berliner Schulen: Weggucken hat noch nie geholfen

von Fremdeninfo 6 Januar 2022
von Fremdeninfo

Studie zum Muslimischen Mobbing an Berliner Schulen: Weggucken hat noch nie geholfen

Neukölln rät, eine „Anlauf- und Dokumentationsstelle für konfrontative Religionsbekundungen einzurichten. Noch gibt es dafür kein Geld. Ein Kommentar.

Wissen, was los ist – damit muss jede Auseinandersetzung beginnen. Das jedenfalls hat sich die politische Spitze von Berlin-Neukölln gesagt, die schon immer etwas anders war, wenn es um das Benennen von Problemen geht. Deshalb hat sie eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit religiöser Toleranz, oder besser: Intoleranz an Schulen befasst.

Nun liegt die Bestandsaufnahme vor – und sie entspricht so ziemlich genau dem, was erwartet worden war: Junge Mädchen, die sich nicht „züchtig“ kleiden, werden eingeschüchtert, Aleviten, die nicht fasten, ausgegrenzt, Andersgläubige gemobbt. So weit, so bekannt. Aber was heißt schon „bekannt?“.

Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel spricht von „Hilferufen“, die aus Schulen kommen. Der Sozialdemokrat Hikel war es, der zusammen mit dem langjährigen CDU-Stadtrat Falko Liecke entschieden hat, dass es nicht reicht, „Hilferufe“ zur Kenntnis zu nehmen. Sondern dass es eine Bestandsaufnahme brauche, die auf Basis von Interviews versucht werden sollte. Dabei kam heraus, dass – auch in Neukölln – nicht jede Schule Probleme mit religiösem Mobbing hat. Vielmehr gibt es große Abstufungen bei den Zumutungen, denen liberale Muslime und nichtmuslimische Schülerinnen und Schüler ausgesetzt sind. Nicht selten hat das auch damit zu tun, welche Moschee sich in der Nähe der jeweiligen Schule befindet. Und es zeigte sich, dass es weniger um einzelne spektakuläre Ausfälle von Fanatikern geht, die die Atmosphäre verderben, sondern mehr um die „Alltagskultur“, wie es der Leiter der Studie ausdrückt. Es geht also um das subtile, alltägliche Unterlaufen dessen, was Freiheit im Umgang, bei Kleidung, beim Essen ausmacht.

Die gleiche Debatte – sie wurde 2010 geführt

Die gleiche Debatte – sie wurde 2010 geführt

Es gab schon mal einen Versuch, diese Unfreiheit zu thematisieren. Im Jahr 2010 war es die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Lehrkräften und ihren Schilderungen von muslimischen Einschüchterungsversuchen an Berliner Schulen ein Forum bot. Damals tauchte der Begriff „Deutschenfeindlichkeit“ auf, dessen Missverständlichkeit von rechten Kräften genutzt wurde, um die Diskussion in ihrem Sinne zu drehen. Am Ende verpuffte die leidenschaftliche Debatte ergebnislos (mehr dazu im damaligen GEW-Themenschwerpunkt HIER zum Herunterladen.) .

Das darf diesmal nicht passieren, denn der Schaden, den alle Seiten davontragen, wenn die Schulen mit diesem Dilemma alleingelassen werden, wird größer vom Wegschauen. Die Politik hätte durch die Finanzierung einer Anlaufstelle die Möglichkeit, das Problem anzugehen. Und zwar richtig.

6 Januar 2022 0 Kommentare
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Information

Türkische Mafia, Osmanen Germania: Solinger Taner Ay nach Peker-Enthüllungen in Erklärungsnot

von Fremdeninfo 1 Januar 2022
von Fremdeninfo

 

Türkische Mafia, Osmanen Germania: Solinger Taner Ay nach Peker-Enthüllungen in Erklärungsnot

Von

dtj-online

–

08.07.2021

 
 
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https://i1.wp.com/dtj-onli>
Wie aus einem Gangsterfilm: Der Solinger Taner Ay mit seinen Gefolgsleuten. Foto: Instagram

Sedat Peker sprach in einem seiner letzten Videos von den „Brüdern in Deutschland“. Diese seien gute Leute, die der Mafia-Leader schätze, und denen er über den AKP-Politiker Metin Külünk Geld vermittelt habe. Die Hintergründe.

Kurz nach dieser Enthüllung brach in türkischen Medien und Social-Media-Kanälen ein Shitstorm los. Dieser richtete sich nicht nur gegen Metin Külünk. Auch einzelne Vereine und Personen aus Deutschland wurden thematisiert. Darunter die mittlerweile verbotenen Osmanen Germania und ein gewisser Taner Ay aus dem nordrhein-westfälischen Solingen.

Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Der Gründer der Osmanen Germania, Selçuk Can Şahin, veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Videobotschaft, in Form zweier Videoaufnahmen. Beide teilte der Solinger Geschäftsmann Taner Ay auf seinem persönlichen Feed. Offenbar nicht ohne Grund.

Finanzierte Peker die Osmanen Germania?

Der Deutsch-Türke steht unter Verdacht, eng mit den Osmanen Germania verbunden zu sein. Ein Video Şahins richtete sich an die deutsche Öffentlichkeit. Es ist acht Minuten lang. Er erklärt darin: „Mein Name ist Selçuk Can Şahin. Der Gründer von den Osmanen Germania. Ich möchte mich gerne zu den neuesten Vorfällen in den Medien äußern, die so nicht stimmen.„

Anlass für die Videos sind Behauptungen des flüchtigen Mafia-Paten Sedat Peker, der mit seinen mittlerweile ins Stocken geratenen Enthüllungen die Türkei auf Trab hält. Ohne weitere Namen zu nennen, gab Peker an, über Külünk Geld an eine Gruppierung in Deutschland übermittelt zu haben. Schon bald wurde spekuliert, dass es sich dabei um die Osmanen Germania handeln könnte.

Hawala-artige Deals

Zwar beteuert Şahin, nie Geld von Peker bekommen zu haben. Doch dass er Geld von Külünk erhielt, sei korrekt. In sozialen Medien und von Seiten oppositioneller Journalisten in der Türkei wurde daraufhin der Solinger Ay verdächtigt, der Mittelsmann bei diesen Hawala-artigen Deals zu sein.

In Şahins Video heißt es indes weiter: „Und dann gibt es noch Namen wie Çetin Ay, den ich persönlich nicht kenne, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Erst durch die Medien habe ich erfahren, dass er unser Berater sein soll. Die Osmanen Germania hatten Herrn Çetin dabei noch nie als Berater und kennen ihn gar nicht. Und seinen Sohn Taner Ay genauso wenig.“

Şahin widerspricht sich auf Türkisch

Mit diesen Worten nimmt Şahin also einen ihm angeblich unbekannten Mann in Schutz. Im zweiten Video spricht der deutsch-türkische Rocker in seiner Muttersprache: Es fällt auf, dass der Anführer der Osmanen Germania der türkischen Sprache eher auf umgangssprachlichem Niveau mächtig zu sein scheint.

Auf Türkisch hält er sich vergleichsweise kurz und spricht nur zwei Minuten lang. Allerdings sind es zwei Minuten zu viel, weil er sich widerspricht: Diesmal meint Şahin dem Geschäftsmann Taner Ay auf einer Veranstaltung der UETD (mittlerweile UID) in Köln begegnet zu sein. Bei dem Termin seien auch Fotos entstanden.

„Welt“: „Taner A. war führendes Mitglied der Osmanen Germania“

Darüber hinaus teilte Şahin mit, dass er die Herren Çetin und Taner Ay nicht persönlich kenne. Diese seien aber keinesfalls Mitglieder der Osmanen Germania und auch nie gewesen. Warum der Rocker den in Bedrängnis geratenen Taner Ay per Video in Schutz nimmt, wirft Fragen auf.

Solinger Taner Ay und Osmanen Germania
Der Solinger Taner Ay und Osmanen-Germania-Vertreter auf einer UETD-Veranstaltung in Köln.

Bereits 2019 schrieb Lennart Pfahler in der „Welt“ über Taner Ay und seine vermeintlichen Beziehungen zu den Osmanen Germania. Der Redaktion würden Belege vorliegen, wonach Ay gar „ein führendes Mitglied“ der mittlerweile verbotenen Gruppierung gewesen sei.

Enge Beziehungen zum türkischen Außenminister

Der selbe Taner Ay platziert in seinem Instagram-Feed gern Fotos mit hochrangigen türkischen Regierungsmitgliedern sowie Bürokraten. Seine Beziehungen zu diesen Politikern würden so weit reichen, dass er bei der G20-Außenministerkonferenz in Bonn im Februar 2017 als Teil der türkischen Delegation unterwegs gewesen sei, behauptet er.

Wer sein Instagram-Profil durchforstet, wird unschwer erkennen, dass er ein besonderes Verhältnis zum türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu pflegt. Aus den Foto geht hervor, dass sie sich privat treffen, etwa zum Golf spielen. Offenbar ließ es sich der türkische Außenminister auch nicht nehmen, den Solinger Ay auf seinem Familienanwesen im Bergischen zu besuchen – quasi auf einen „Çay“ in Solingen.

Taner Ay u. Mevlüt Çavuşoğlu Golf
Der Solinger Taner Ay und der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu beim
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Ay und Çavuşoğlu beim privaten Treffen.
Solinger Taner Ay und Mevlüt Çavuşoğlu
Ay postet auch Instagram-Stories mit Çavuşoğlu.

Eine Erklärung, warum Taner Ay nun ins Visier der Öffentlichkeit geraten ist, könnte ein Foto mit dem derzeit in der Kritik stehenden türkischen Innenminister Süleyman Soylu sein. Peker führt nämlich einen rhetorischen Krieg gegen Soylu und greift ihn über fragwürdige Personen aus dessen Umfeld an.

Selfies mit politischen Größen?

Neben Soylu postete Ay in seinem Feed auch ein Foto mit dem Chef des türkischen Geheimdienstes Hakan Fidan sowie dem Verteidigungsminister Hulusi Akar. Im Vergleich zu Çavuşoğlu und Soylu sehen beide aber eher desinteressiert aus. Es scheint so, als hätte Ay auf einer Veranstaltung die Chance genutzt, sich Selfies mit den politischen Größen zu besorgen.

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Ay mit dem umstrittenen türkischen Innenminister Süleyman Soylu.

In seiner Instagram-Bubble gibt Ay gerne den türkischen Geschäftsmann mit exklusiven Verbindungen in die Politik und eigenen Gefolgsleuten. Nicht fehlen dürfen: teure Autos und Designer-Klamotten. Wenn Ay aus seinem Anwesen tritt, stehen seine Butler scheinbar bereit, um ihm die Türen für seine Luxusfahrzeuge aufzuhalten.

Den Bildern zufolge fährt der Solinger in der Türkei bevorzugt italienische Sportwagen, in Deutschland steht ihm eine Porsche-Flotte bereit. Auf dem Dach eines Porsche Panameras hatte er ein Blaulicht montiert, um den damaligen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım vor einem Hotel in Düsseldorf abzuholen und ihn zu eskortieren.

Pflegt Ay Kontakte zur türkischen Mafia?

Nachdem Peker in einem Video von den „Freunden in Deutschland“ sprach, ranken sich weitere Mythen in den sozialen Medien um Taner Ay. Er sei gar der Anführer der Osmanen Germania, heißt es im Netz. Und sein Vater Çetin Ay fungiere als Ehrenbotschafter der Türkischen Republik Nordzypern in Düsseldorf. Zumindest den Titel Nordzyperns scheint er nun verloren zu haben.

Taner Ay posiert mit schweren Waffen
Ay posiert gern mit schweren Waffen …
Taner Ay posiert in der Waffenfabrik
… und in einer Waffenfabrik.

Mit seinen Videos auf Instagram erinnert Taner Ay an die türkische Kultserie „Tal der Wölfe“ (hier geht es zum betreffenden Video). Darin spielt „Polat Alemdar“, ein nationalstolzer Mafiosi, die Hauptrolle. Er agiert verdeckt und eigeninitiativ für den Staat. Dieses Klischee inszeniert Taner Ay via Social Media.

Hinzu kommt: Ay posiert gern mit schweren Waffen und Personen aus dem Umfeld der türkischen Mafia. Darauf lassen seine Fotos mit Alperen Göktuğ Yılmaz deuten. Ein Blick auf dessen Account lässt aufhorchen. Denn dieser junge Mann hat ebenfalls einen Hang zum Posen mit türkischen Bürokraten, Politikern und der Mafia. So stellt er sich an die Seite von Alaattin Çakıcı und Mehmet Ali Ağca. Beide Figuren sind vorbestrafte gefährliche Schwergewichte der türkischen Unterwelt.

Alperen Göktuğ Yılmaz, Vater Yılmaz, Solinger Taner Ay
Von links: Alperen Göktuğ Yılmaz, Vater Yılmaz und der Solinger Ay.
Alperen Göktuğ Yılmaz, Taner Ay
Alperen Göktuğ Yılmaz und Taner Ay.
Alperen Göktuğ Yılmaz und Mafia Anführer Alaattin Çakıcı
Alperen Göktuğ Yılmaz mit Mafiapate Alaattin Çakıcı.
Alperen Göktuğ Yılmaz mir Papst Attentäter Mehmet Ali Ağca>
Alperen Göktuğ Yılmaz mit dem Papst-Attentäter Mehmet Ali Ağca.

Wie eng Taner Ay mit der türkischen Mafia oder den Osmanen Germania tatsächlich verbunden ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Auch, ob Ay aufgrund der jüngsten Enthüllungen ins Visier deutscher Sicherheitsbehörden geraten ist, bleibt unbeantwortet

1 Januar 2022 0 Kommentare
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Information

Verkehrsunfall: Solinger Millionär Taner Ay offenbar tot

von Fremdeninfo 1 Januar 2022
von Fremdeninfo

Verkehrsunfall: Solinger Millionär Taner Ay offenbar tot

Von

dtj-online

–

30.12.2021

 
 
 
Auf diesem Foto sind neben Taner Ay (Mitte, blauer Anzug) sein Vater Çetin Ay (3. von links), Zafer Sırakaya (ganz links), Mehdi Eker (neben Taner Ay, 3. von rechts) und Bülent Güven (ganz rechts) zu sehen. Quelle: Instagram

Der Solinger Deutsch-Türke Taner Ay ist diversen Medienberichten zufolge tot. Er soll bei einem Autounfall auf der Fahrt von der Türkei nach Deutschland verstorben sein. Ereignet habe sich das Ganze in der Nähe von Sofia. In diesem Jahr sorgte der Solinger Geschäftsmann für Schlagzeilen, nachdem er mit den 2018 verbotenen Osmanen Germania in Verbindung gebracht wurde.

Zunächst kursierten in privaten Instagram-Accounts einige wenige Stories und Postings, wonach Taner Ay ums Leben gekommen sein soll. Doch nach und nach erschienen auf regionalen Nachrichtenportalen aus der Türkei Meldungen, in denen die Rede davon ist, dass der Solinger Unternehmer bei einem Verkehrsunfall verunglückt sei. Nun herrscht wohl traurige Gewissheit. Es tauchte ein Foto vom Unfall auf.

Darauf zu sehen: ein zerstörter weißer Porsche mit dem Kennzeichen SG-AY-911, das Fahrzeug von Ay. Seine Einträge auf Instagram zeigten den Unternehmer kurz zuvor in dem Sportwagen. Medienberichten zufolge reiste er damit gerade nach Deutschland. Genaue Hintergründe zum Unfall sind nicht bekannt. Er soll auf der Strecke in der Nähe der bulgarischen Hauptstadt Sofia die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren haben. Ein Mitfahrer, laut Medien sein Personenschützer in der Türkei, habe den schweren Unfall verletzt überlebt.

Insta-Story wenige Stunden vor dem tödlichen Unfall

Via Instagram postete Taner Ay wenige Stunden vor seinem tödlichen Unfall ein Video als Story. Darin sah man den Deutsch-Türken bei einer wohltätigen Aktion. Er fütterte streunende Hunde. In einem weiteren Posting sah man den weißen Porsche von Ay an einer Tankstelle in Bulgarien. Instagram war für ihn eine wichtige Plattform für sein Image, das er offensiv nach außen verkörperte. Ein sehr luxuriöses Leben mit Referenz-Fotos und Selfies mit Mitgliedern der türkischen Regierung und Bürokratie sowie internationalen Geschäftspartnern.

Auch Bilder mit schweren Waffen und Personen aus der türkischen Unterwelt schmückten regelmäßig seinen Account, das noch abrufbar ist und dem über 1,1 Millionen User folgen. Was lange Jahre unter dem Radar unbemerkt blieb, wurde dem jungen Deutsch-Türken im Sommer 2020 zum Verhängnis. Als der türkische Mafia-Pate Sedat Peker aus dem Exil in Dubai davon sprach, dass er den Osmanen Germania in Deutschland habe Geld zukommen lassen, wurde Ays Name in Mitleidenschaft gezogen.

Deutsch-Türke wurde bekannt als mutmaßlicher Anführer von Osmanen Germania

Sowohl in der Türkei als auch in Deutschland kursierten Fotos, die Taner Ay in direkter Verbindung mit Führungsmitgliedern der mittlerweile verbotenen Osmanen Germania zeigten. Diverse Medien berichteten, dass Ay Anführer der Osmanen Germania sei und die Gelder von Sedat Peker an die gewaltbereiten Rocker verteilt habe. Dabei hatte Peker dies nicht explizit gesagt. Es war vielmehr die Rede von Metin Külünk. Doch die Verstrickungen zwischen Külünk, der Union Internationaler Demokraten, kurz UID (ehemals UETD), und Ay sowie seinem Vater Çetin Ay rückten den erfolgreichen Unternehmer in den Fokus. Die Fotos von Ay auf Instagram, die ihn im Dunstkreis der Mafia zeigten, befeuerten diese Spekulationen weiter.

Ay war seinem Vater Çetin Ay zuletzt zur Last gefallen. In dessen Firma ESI-Group wird er als General Manager Turkey aufgeführt. Nach den Spekulationen um Ays personelle Verstrickungen mit dubiosen Gruppierungen hatte Çetin Ay seinen lukrativen Titel des Ehrenbotschafters der Türkischen Republik Nordzypern in Düsseldorf abgeben müssen.

Neuestes Projekt von Taner Ay: Süper-Lig-Aufstieg mit Kırşehirspor

Ungeachtet dessen verfolgte Taner Ay bis zuletzt ambitionierte Ziele. Er wollte in Kırşehir, der Geburtsstadt seiner Eltern, Vereinspräsident der örtlichen Fußballmannschaft werden und den Verein in die Süper Lig führen. Seine Kandidatur gab er im Sommer bekannt. Auch das verkündete der wohlhabende Ay seinerzeit via Instagram.

Insbesondere einige Fans von Kırşehirspor trauern in den Sozialen Medien nun um ihren einstigen Präsidentschaftskandidaten, der ihnen versprochen hatte, mit seiner Herzensmannschaft in die erste Liga der Türkei aufzusteigen. Vermutlich eines von vielen Versprechen, die Ay nun leider nicht mehr einlösen wird können.

 
1 Januar 2022 0 Kommentare
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Information

Wir brauchen eine Aufbruchstimmung“

von Fremdeninfo 30 Dezember 2021
von Fremdeninfo
 
 
Donnerstag, 30. Dezember 2021 Hannover

„Wir brauchen eine Aufbruchstimmung“

Thomas Schremmer ist neuer Personalratschef in Hannovers Rathaus / Mit der HAZ spricht er über die
Corona-Belastung in den Ämtern und über Lust und Frust bei der Arbeit in der Stadtverwaltung

 Galerie öffnen

Foto: Katrin Kutter

Interview.

Herr Schremmer, Sie sind seit Kurzem neuer Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Stadt Hannover und vertreten die Interessen von mehr als 11 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie viele von ihnen haben Sie schon kennengelernt?

Da ich schon seit 20 Jahren dem Personalrat angehöre und seit 32 Jahren Angestellter der Stadt Hannover bin, habe ich mehr Personen kennengelernt, als mir jetzt ad hoc einfallen. Als Vorsitzender des Gesamtpersonalrats habe ich aber eine neue Rolle und komme mit vielen neuen Menschen ins Gespräch.

Durch die Abteilungen tingeln, Hände schütteln – das dürfte angesichts der vierten Corona-Welle immer schwieriger werden.

In der Tat. Aber ich habe schon das Bedürfnis, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen persönlich kennenzulernen.

Bleiben wir beim Thema Corona. Die Stadt achtet jetzt auf die Einhaltung der 3G-Regel in Bürgerämtern. In Ratssitzungen gilt 2G, in städtischen Bädern 2G plus, in den Büros der Stadtmitarbeiter vermutlich 3G und Maskenpflicht. Blicken Sie noch durch?

Wir haben mittlerweile mehrere sehr umfangreiche Dienstanweisungen, die auch noch jeweils angepasst werden müssen. Also ehrlich gesagt: Einfache und klare Regelungen mit längeren Halbwertszeiten wären mir lieber. Aktuell ist es ein wenig zu viel des Guten.

Wie halten Sie es verwaltungsintern mit Impfungen? Rufen Sie als Personalrat aktiv zum Impfen auf?

Durchaus. Wir werben für das Impfen. Zudem bietet unser betriebsärztlicher Dienst sowohl Booster- als auch Erstimpfungen an. Das wird auch sehr gut angenommen.

Und wie hoch liegt die Impfquote bei den Stadtbeschäftigten?

Genaue Zahlen habe ich nicht, aber die Verwaltung dürfte ein Abbild der Gesellschaft sein. Ich schätze die Impfquote auf 70 bis 75 Prozent, möglicherweise liegt sie auch höher.

Die ersten Corona-Wellen und die Lockdowns im vergangenen Jahr haben die Stadtverwaltung kalt erwischt. Ämter mussten schließen, ein Bearbeitungsstau entstand, der noch immer mühsam abgearbeitet wird. Sind die Behörden nun besser vorbereitet?

Ja, die Corona-Krise hat uns in gewisser Weise einen Schub gegeben. Arbeiten im Homeoffice ist in vielen Bereichen keine Hürde mehr, die Beschäftigten kommunizieren in Videokonferenzen und auch digital sind wir stärker geworden.

Dennoch scheint es in Sachen Digitalisierung noch viel Luft nach oben zu geben. Wird in den Ämtern nicht viel zu viel Papier hin- und hergeschoben? Im neuen Verwaltungszentrum am Schützenplatz gibt es beispielsweise noch eine Rohrpost.

Grundsätzlich halte ich es für richtig, möglichst viele Arbeitsschritte zu digitalisieren. Aber das heißt ja nicht, dass der Computer die Arbeit selbstständig erledigt. Es braucht immer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Prozesse steuern. Helfen würde aber ein vollständiges Dokumenten-Managementsystem, das den Gang zum Aktenschrank erübrigt.

Als Arbeitnehmervertreter sehen Sie Digitalisierung also nicht als Werk des Teufels, das Arbeitsplätze kostet?

Nein, da haben wir ganz andere Probleme.

Zum Beispiel den Fachkräftemangel in der Verwaltung. 700 Stellen sind derzeit unbesetzt. Ist die Stadt als Arbeitgeberin so unattraktiv?

Nein, eigentlich nicht. Im Grunde bieten wir alles, was sich junge Menschen vom Arbeitgeber wünschen: Eine sinnvolle Tätigkeit, Gestaltungsspielraum, einen sicheren Arbeitsplatz, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auch neue Arbeitsformen.

Aber zu wenig Geld.

Auch nicht in allen Bereichen, aber Sie haben Recht, zum Beispiel bei technischen Berufen sind die Gehälter in der Privatwirtschaft deutlich höher. Wir müssen flexibler werden bei der Einstufung von Beschäftigten in unser Tarifgefüge. Da sollten wir den zur Verfügung stehenden Ermessensspielraum nutzen. Zudem wünsche ich mir auch vom Arbeitgeberverband mehr Entgegenkommen.

Je mehr Stellen unbesetzt bleiben, desto höher wird die Arbeitsbelastung für die Belegschaft. Wie groß ist der Frust in den Ämtern?

Die gesundheitliche Belastung wird immer höher. Manche älteren Kolleginnen und Kollegen empfinden es als Erlösung, wenn sie in den Ruhestand gehen. Das darf nicht so bleiben. Wir brauchen wieder eine Aufbruchstimmung mit besseren Arbeitsbedingungen. Für die Menschen in Hannover zu arbeiten, ist doch an sich schon etwas Befriedigendes. Eigentlich sollten sich ältere Kolleginnen und Kollegen also mit einem weinenden Auge in ihren Ruhestand verabschieden. Für einen solchen neuen Geist in der Verwaltung will ich mich mit aller Kraft einsetzen.

Die von Ihnen angesprochene Leidenschaft haben wir bei jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pop-up-Bürgeramts im Ihmezentrum erlebt. Dort bekommen Kunden tagesaktuelle Termine, um Ausweise zu beantragen, und sind am Ende hoch zufrieden. Ein Vorbild?

Ja. Aber das funktioniert nur, wenn die Arbeit nicht überhand nimmt. Ich plädiere dafür, in bestimmten sensiblen Bereichen, etwa Jugendamt und Kitas, mehr Leute einzustellen, als es der Stellenplan vorgibt. Die Arbeit verteilt sich auf mehr Schultern, die Kolleginnen und Kollegen sind motivierter und engagierter.

Da dürfte der Kämmerer anderer Ansicht sein. Die Personalkosten sind schon jetzt hoch – und die Stadtfinanzen wegen der Corona-Krise ohnehin desaströs.

Einspruch. Aufgrund der vielen offenen Stellen unterschreiten wir den Ansatz für Personalausgaben in diesem Jahr erneut um 18 Millionen Euro. Hier wäre also durchaus Spielraum.

Müssen Sie nicht fürchten, dass eher Stellen abgebaut werden? Der Kämmerer hat eine umfassende Aufgabenkritik angekündigt und will dadurch verwaltungsintern 40 Millionen Euro einsparen.

Ich sehe eine Aufgabenkritik sehr skeptisch. Allein der Begriff ist irreführend: Wollen wir ernsthaft die Dienstleistung für die Bürger „kritisieren“ und nicht die fehlende Finanzierung?

Tatsächlich geht es darum zu prüfen, von welchen Aufgaben sich die Stadt trennen möchte.

Ja genau. Aber dann müssen wir uns auch darüber unterhalten, was das für die Stadt und ihre Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet. Welche Konsequenzen hat es, wenn wir Bäder schließen und Kulturstätten aufgeben? Wissen Sie, wir haben schon 2003 eine solche Aufgabenkritik vorgenommen und die Auswirkungen aufgelistet. Das Ganze hat nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt, weil es politisch natürlich alles andere als beliebt ist.

Dennoch lässt sich die desolate Haushaltslage nicht wegdiskutieren. Irgendwo muss die Stadtverwaltung doch sparen.

Mir geht es eher darum, die Einnahmeseite zu stärken. Letztlich sind Land und Bund in der Pflicht, die Kommunen finanziell so auszustatten, dass sie über die Runden kommen. Stattdessen werden den Städten und Gemeinden immer neue Aufgaben auferlegt. Ich erwarte von der Rathausspitze, dass sie sich bei der neuen Bundesregierung für eine bessere Gemeindefinanzierung einsetzt.

Herr Onay saß ja bei den Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien mit am Tisch. Schauen wir mal, ob sich etwas ändert. Herr Schremmer, wir beobachten einen Gesinnungswandel beim Personalrat.

Wie meinen Sie das?

Naja, der neue Haustarifvertrag für die Stadt Hannover lässt erstmals zu, dass Aufträge auch an Externe vergeben werden dürfen und die Stadt nicht alles selbst erledigen muss. Damit hat sich Verdi zunächst sehr schwer getan. Hat sich in den Köpfen der Personalräte wirklich etwas verändert?

Von Gesinnungswandel würde ich nicht sprechen. Wir waren schon immer innovativ, denken Sie nur an die Transformation der alten Ordnungsämter. Wir als Personalrat haben damals gesagt, dass es so nicht weitergehen könne und die Ämter kundenfreundlicher werden müssten. Daraus entstanden die Bürgerämter mit ihren bedarfsgerechteren Öffnungszeiten. Und neu ist die Vergabe von Aufträgen an externe Firmen auch nicht. Die Reinigung der öffentlichen Gebäude haben wir schon immer teilweise an Unternehmen vergeben.

Die Rathausaffäre um illegale Zulagen für Spitzenbeamte hat die Stadtverwaltung verunsichert. Das ist jetzt ein paar Jahre her. Drückt die Affäre immer noch auf die Stimmung?

Ja schon. Die Verunsicherung sitzt tief und führt dazu, dass die Kolleginnen und Kollegen große Angst haben, Fehler zu machen. Darunter leidet der Mut, nach gründlicher Prüfung der Fakten eigene Entscheidungen zu treffen.

Onay hatte angekündigt eine Whistleblower-Stelle zu schaffen, damit Stadtbeschäftigte einen Ansprechpartner haben, wenn sie den Eindruck bekommen, ihre Vorgesetzten verstoßen gegen Recht und Gesetz. Gibt es die Stelle jetzt?

Das wird vorbereitet als eine Art Pilotprojekt.

Herr Schremmer, muss man inzwischen eigentlich ein grünes Parteibuch haben, um bei der Stadtverwaltung Karriere machen zu können?

Nein. Allein die eigenen Fähigkeiten sind ausschlaggebend, um einen Posten zu bekommen. Wissen Sie, wir bei der Stadt stellen Leute nicht nach Gutdünken ein. Wir haben moderne Auswahlverfahren, um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten herauszufiltern. Das läuft ähnlich wie in Unternehmen. Manche Stellenbewerber sind dann schon überrascht.

Sie waren ein paar Jahre Mitglied der Grünen-Landtagsfraktion zusammen mit Belit Onay. Jetzt ist Onay Ihr Chef. Sind die gemeinsamen politischen Jahre ein Vorteil oder eher hinderlich?

Ein Vorteil, denn ich kenne Belit Onay gut. Aber ich habe zugleich einen Heimvorteil, weil ich die Stadtverwaltung sehr viel länger kenne als er.

Von Andreas Schinkel

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30 Dezember 2021 0 Kommentare
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„Ich bin eine Kämpferin für ein modernes Einwanderungsland

von Fremdeninfo 30 Dezember 2021
von Fremdeninfo
 
Donnerstag, 30. Dezember 2021 Politik HAZ

„Ich bin eine Kämpferin für ein modernes Einwanderungsland“

Reem Alabali-Radovan (SPD) ist die neue Integrationsbeauftragte
der Bundesregierung – Sie setzt auf schnellere Einbürgerungen

„Wir müssen unsere Demokratie mit aller Kraft verteidigen“: Reem Alabali-Radovan (SPD) sieht als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung die größte Gefahr von rechts.Foto: Britta Pedersen/dpa

Frau Alabali-Radovan, Sie sind die erste Integrationsbeauftragte, die im Ausland geboren wurde, die eine eigene Fluchtgeschichte hat. Sehen Sie sich daher als Vertreterin der Geflüchteten und Neueinwanderer?

Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen ihnen und der Bundesregierung, als Kämpferin für ein modernes Einwanderungsland. Ich könnte gar nicht alle Communitys vertreten, sie sind divers und haben ganz unterschiedlichen Positionen. Mir ist wichtig, mit allen im Austausch zu sein.

Sie und ihre Familie haben viele dieser Hürden erlebt. Ihre Eltern haben in Moskau studiert, kamen 1996 mit zwei russischen Ingenieursabschlüssen nach Deutschland. Die Abschlüsse wurden nicht anerkannt. Hat sich hier bereits genug verändert?

Es hat sich verbessert, aber die Anerkennung dauert oft immer noch zu lange. Das werden wir mit der Bundesregierung anpacken. Meine Eltern hätten jetzt zwar die Möglichkeit, ihre Abschlüsse nachzuholen. Aber das kommt für sie zu spät, sie mussten quasi von vorne anfangen.

Der Bundestag ist diverser als jemals zuvor. Das Kabinett ist nicht ganz so vielfältig. Nur Cem Özdemir und Sie haben einen Migrationshintergrund.

Nicht zu vergessen die Staatssekretärinnen und -sekretäre Cansel Kiziltepe im Bauministerium oder Mahmut Özdemir im Bundesinnenministerium und weitere. Wir gehen gute Schritte voran zu mehr Diversität. Das ist aber noch weiter ausbaufähig. Im öffentlichen Dienst gehen wir das mit dem Partizipationsgesetz an. Gerade in der Verwaltung gibt es großen Nachholbedarf.

Der Koalitionsvertrag verspricht schnellere Einbürgerung – und schnellere Abschiebungen. Welche neuen Möglichkeiten gibt es für Migranten, welcher Druck wird aufgebaut?

Olaf Scholz hat in seiner Regierungserklärung ganz klar gesagt: Wir sind ein Einwanderungsland. Endlich bringen wir die längst überfälligen Maßnahmen auf den Weg, damit wir auch Integrationsland werden: die Möglichkeit der mehrfachen Staatsangehörigkeit oder die schnellere Einbürgerung. Jede und jeder soll die Chance haben, ihre Potenziale voll und ganz einzubringen. Wir werden Integrationskurse von Anfang an für alle ermöglichen und die Zugänge zu Ausbildung und Beruf stärken. Und wir ermöglichen endlich, dass Geduldete die Möglichkeit haben, aus einer unsicheren Bleibeperspektive herauszukommen, wenn sie gut integriert sind, studieren oder arbeiten. Natürlich müssen Menschen auch zurückgeführt werden, wenn Gerichte das abschließend entschieden haben. Auch das gehört zu unserem Rechtsstaat.

„Besondere Integrationsleistungen“ sollen bei der Einbürgerung, aber auch beim Bleiberecht für Geduldete honoriert werden – was heißt das?

Das werden wir in den kommenden Monaten klar definieren. Ich stelle mir vor, dass Ausländerbehörden die Möglichkeit bekommen, Fälle individuell zu prüfen. Integrationsleistung kann ganz unterschiedlich sein. Es gibt Menschen, die sich mit der deutschen Sprache schwertun, aber ehrenamtlich sehr engagiert sind und eine wichtige Rolle spielen in der Gemeinschaft vor Ort. Es muss die Möglichkeit geben, genauer hinzuschauen. Dafür müssen die Behörden genug Personal haben, dafür muss auch die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Es gibt im Osten einen größeren Anteil an AfD-Wählern und mehr rassistische Übergriffe. Was können Sie da tun?

Ich stehe mit meiner Politik klar gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus – überall. Diese Themen begleiten mich schon mein ganzes Leben. Wir werden nun endlich das Demokratiefördergesetz auf den Weg bringen. Es geht in vielen Projekten vor Ort um Teilhabe in der Gesellschaft. Ich werde mich dafür einsetzen, dass bei unserer Demokratiearbeit noch mehr die Menschen eingebunden werden, auch die, die davon direkt betroffen sind.

Der Kampf gegen Rechtsextremismus steht für die Bundesregierung im Vordergrund. Gerät die Gefahr dschihadistischen Terrors aus dem Blick?

Nein. Aber es ist ein sehr wichtiges Zeichen, dass sowohl Bundesinnenministerin Nancy Faeser als auch Bundeskanzler Olaf Scholz klargemacht haben: die größte Gefahr für unser Land kommt von rechts. Vielen, die davon nicht direkt betroffen sind, ist das gar nicht so klar. Aber wir sehen auch an den Corona-Demonstrationen, die in den vergangenen Wochen zugenommen haben, dass Rechtsextremisten die aktuelle Lage ausnutzen. Denen geht es nicht um das Wohl der Menschen, denen geht es um Hass, Hetze und die Spaltung unserer Gesellschaft. Das betrifft uns alle. Wir müssen unsere Demokratie mit aller Kraft verteidigen. Das heißt sicher nicht, dass andere Maßnahmen dabei aus dem Blick geraten. Als Integrationsbeauftragte fördere ich auch Projekte gegen Islamismus. Da sehe ich eine weitere Schnittstelle zur Bundesinnenministerin.

Von Alisha Mendgen
und Jan Sternberg

30 Dezember 2021 0 Kommentare
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Özdemir fordert „Ende der Ramschpreise“: Wie teuer sollten Lebensmittel sein?

von Fremdeninfo 30 Dezember 2021
von Fremdeninfo

 

Özdemir fordert „Ende der Ramschpreise“: Wie teuer sollten Lebensmittel sein?

Von

dtj-online

–

30.12.2021

 

 
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Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir plant strengere Vorgaben für Fertigprodukte, damit sich die Menschen gesünder ernähren. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Lebensmittelpreise sind in diesem Jahr kräftig gestiegen. Dennoch kritisiert die Bundesregierung Ramschpreise und die Bauern wollen mehr Geld. Wie teuer ist teuer genug?

Beim Einkaufen ist es nicht zu übersehen: Die Preise für Lebensmitteln steigen derzeit stark. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen sie im November um satte 4,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Nicht zuletzt Fleisch und Molkereiprodukte verteuerten sich kräftig.

„Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) der „Bild am Sonntag“. Er wolle, dass die Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel genauso wertschätzten wie ihre Autos.

„Motoröl wichtiger statt Salatöl“?

„Manchmal habe ich das Gefühl, ein gutes Motoröl ist uns wichtiger als ein gutes Salatöl“, kritisierte der Minister. Lebensmittel dürften zwar kein Luxusgut werden. „Doch der Preis muss die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken“, sagte Özdemir. Wie teuer sollten Lebensmittel eigentlich sein?

Fest steht: Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke sind in einigen europäischen Ländern deutlich teurer als in Deutschland. In der Schweiz müssen die Menschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für Lebensmittel fast 60 Prozent mehr zahlen, in Norwegen 45 Prozent und in Irland 14 Prozent mehr.

Einkauf in anderen Ländern billiger

In anderen Ländern wie Frankreich (4 Prozent), Österreich (3 Prozent) oder Italien (1 Prozent) bewegen sich die Preise dagegen auf einem ähnlichen Niveau wie in der Bundesrepublik. Und in Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und vor allem in vielen Länder Osteuropas ist der Einkauf sogar deutlich billiger.

Bei der Suche nach dem „richtigen“ Preis hilft das allerdings kaum weiter. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland ist die Bereitschaft, für gutes Essen etwas mehr auszugeben, zuletzt gestiegen. „In der Corona-Zeit waren die Menschen bereit, höhere Preise für Nahrungsmittel zu zahlen und haben höhere Qualität nachgefragt“, sagte der Handelsexperte Robert Kecskes vom Marktforschungsunternehmen GfK.

Mehr Geld in der Kasse

Ein Grund dafür sei sicher, dass durch Corona-bedingt ausgefallene Gastronomie-, Kino- und Konzertbesuche mehr Geld in der Kasse gewesen sei. Ob der Trend nach der Pandemie anhalte, müsse sich noch erweisen.

Zuletzt wurde Kecskes zufolge in Deutschland auf jeden Fall weniger, aber dafür höherwertiges Fleisch gekauft. Allerdings schränkte der Branchenkenner auch ein: „Damit sind wir noch lange nicht bei Preisen die adäquat sind, weil die Menschen jahrzehntelang auf supergünstige Fleischpreise sozialisiert worden sind.“

Dem würde Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied wohl uneingeschränkt zustimmen. Er sagte der „Bild“-Zeitung (Dienstag): „Unsere hochwertigen Lebensmittel haben einen höheren Preis verdient.“ Hierzu müssten alle beitragen, von der verarbeitenden Industrie über den Handel bis zu den Verbrauchern.

Die Realität an der Kasse

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnte unterdessen vor Mindestpreisen. Ein solcher Eingriff in die Freiheit des Handels sei unverhältnismäßig und „wahrscheinlich auch verfassungswidrig“. Allerdings ist auf den guten Willen der Verbraucher allein nicht unbedingt Verlass.

„Dass sich das Problem allein durch die Einsicht der Verbraucher lösen lässt, ist kaum zu erwarten“, meint der Marketing-Experte Ulrich Enneking von der Hochschule Osnabrück. Der Professor verweist auf einen Feldversuch, in dem er vor Ausbruch der Pandemie die Ausgabenbereitschaft der Kunden in der Realität testete.

Billigangebote bevorzugt

In 18 Supermärkten und Discountläden hatten Verbraucher dabei zwei Monate lang bei Bratwurst, Minutensteak und Gulasch aus Schweinefleisch die Wahl zwischen einer Billig-Variante ohne Tierwohl-Anspruch, teurem Bio-Fleisch und einem Tierwohl-Produkt im mittleren Preissegment.

Das Ergebnis: Fast drei Viertel der Kunden bevorzugten das Billigangebot. Daran änderten auch große Hinweisschilder, die auf das Tierwohlangebot hinwiesen, nichts. Für Enneking steht deshalb fest: „Es geht nicht ohne politische Maßnahmen – ob das ökonomische Anreize sind oder einfach Verbote.“

Die wahren Kosten der Lebensmittel

Eigentlich müssten Fleisch, Milch und Käse nach einer Studie des Wirtschaftsinformatikers Tobias Gaugler viel mehr kosten, als heute üblicherweise verlangt wird. „Umweltschäden finden aktuell keinen Eingang in den Lebensmittelpreis. Stattdessen fallen sie der Allgemeinheit und künftigen Generationen zur Last“, bemängelte der am Lehrstuhl für Nachhaltigkeitswissenschaft der Universität Greifswald tätige Wissenschaftler.

Würden in den Preisen die Folgen der bei der Produktion entstehenden Treibhausgase, die Folgen der Überdüngung, der Energiebedarf und andere Effekte berücksichtigt, müsste der Studie zufolge Hackfleisch fast drei Mal so teuer seien; Milch und Gouda müssten fast doppelt so viel kosten.

30 Dezember 2021 0 Kommentare
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Zwei Verletzte nach Angriff auf HDP-Büro in Istanbul

von Fremdeninfo 30 Dezember 2021
von Fremdeninfo

Zwei Verletzte nach Angriff auf HDP-Büro in Istanbul

Von

dtj-online

–

29.12.2021

 
 
 
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HDP-Unterstützer protestieren nach dem Angriff in Bahçelievler. Foto: SYKP Istanbul

In Istanbul hat ein Bewaffneter ein Büro der prokurdischen HDP angegriffen. Dabei sind zwei Mitglieder der Partei verletzt worden. Der Angreifer wurde festgenommen.

Der mit zwei Pistolen und einem Messer bewaffnete Angreifer habe unter dem Vorwand, der Partei beitreten zu wollen, gegen Mittag das HDP-Büro im Istanbuler Stadtteil Bahçelievler betreten, sagte der Sprecher der Partei in Istanbul, Cüneyt Karabey, am Dienstag der dpa.

Nach dem ergebnislosen Versuch, seine Waffe abzufeuern, habe er ein Parteimitglied mit seinem Messer verletzt und sei daraufhin geflohen. Ein weiterer Mann sei leicht verletzt worden, als der Angreifer heißen Tee über ihn gegossen habe. Die Polizei habe den mutmaßlichen Täter später in einer nahe gelegenen Bäckerei entdeckt, in der er sich verstecken wollte.

Angriffe häufen sich

Bereits im Juni wurde eine Mitarbeiterin der Partei bei einem Angriff auf ein HDP-Büro in der westtürkischen Stadt Izmir getötet (DTJ-Online berichtete). Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder soll am Mittwoch mit hohen Sicherheitsvorkehrungen und unter großem medialen Interesse beginnen.

 

Die HDP ist die drittstärkste Kraft im türkischen Parlament. Die türkische Regierung geht immer wieder gegen die Partei vor. Sie wirft der HDP unter anderem Verbindungen zu der PKK vor. Die HDP weist diese Vorwürfe zurück. Tausende Parteimitglieder sitzen im Gefängnis.

dpa/dtj

30 Dezember 2021 0 Kommentare
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