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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Religion

Wegen ihres Kopftuchs: Muslimisches Mädchen darf kein Praktikum machen

von Fremdeninfo 10 November 2022
von Fremdeninfo

 

Wegen ihres Kopftuchs: Muslimisches Mädchen darf kein Praktikum machen

Von

Stefan Kreitewolf

–

10.11.2022

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Brandenburg, Teltow: Durch das Fenster in der Tür öffnet sich der Blick in ein Zimmer in einem Krankenhaus (Symbolfoto). Quelle: dpa

Aufruhr im Ruhrgebiet: Das evangelische Krankenhaus in Herne verweigerte einer muslimischen Schülerin ein Praktikum – wegen ihres Kopftuchs. 

Mit 14 Jahren pendeln viele Jugendliche zwischen Schule, Computer und Sportverein. Um die Zukunft machen sich Wenige Gedanken. Nicht so Beyza. Bereits in jungen Jahren verfolgt sie einen Plan: Sie will Ärztin werden. Um ihren Traum zu verwirklichen, bewirbt sie sich beim evangelischen Krankenhaus Herne (EvK).

Doch aus ihrem Engagement wird nichts. Sie hat keine Chance auf einen Praktikumsplatz – wegen ihres Kopftuchs. So erzählt es die Jugendliche. Im Bewerbungsgespräch sei ihr klargemacht worden, dass im EvK keine Verschleierung geduldet werde. Ein klarer Fall von strukturellem Rassismus. So formuliert es auch Beyza.

„Ich habe gute Noten, ich bin auch eine gute Schülerin“

Die 14-Jährige kann die Absage nicht nachvollziehen. Dem WDR sagte sie fassungslos: „Ich habe gute Noten, ich bin auch eine gute Schülerin. Und dann so eine Absage zu bekommen […], das ist einfach nur erbärmlich.“

Das Krankenhaus weist indes alle Vorwürfe zurück. Mit dem Tragen des Kopftuches verstoße das Mädchen gegen die Loyalitäts- und Neutralitätspflichten des EvK. Schließlich gehe mit ihrer Kleidung ein klares Religionsbekenntnis einher. Und das widerspreche den Pflichten der Mitarbeitenden. Nicht zum ersten Mal verweigert ein christliches Krankenhaus einer Bewerberin einen Arbeits- oder Praktikumsplatz.

Verstoß gegen Grundrechte

Klar ist: Das Vorgehen des EvK verletzt die grundlegenden Rechte des Mädchens. Im Grundgesetz wird schließlich die Berufs- und Ausbildungsfreiheit aller Bürger:innen festgeschrieben. Auch für Beyza sollten diese Rechte uneingeschränkt gelten – Kopftuch hin oder her.

10 November 2022 0 Kommentare
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Religion

Polizeieinsatz gegen Vertreter alevitischer Gemeinden

von Fremdeninfo 9 November 2022
von Fremdeninfo

Alevitische Gemerinde Deutschland

Almanya Alevi Birlikler Federasyonu

Stolbergerstr.317

50933 Köln

 

 

                    
                       PRESSEMITTEILUNG             9.11.2022

 

Polizeieinsatz gegen Vertreter alevitischer Gemeinden

 

Heute, am 08. November 2022, trafen sich hochrangige Vertreter*innen alevitischer Gemeinden der
Türkei und Ländern Europas in Ankara, um vor dem türkischen Parlament die Ungleichbehandlung
der türkischen Regierung gegenüber Alevit*innen zur Sprache zu bringen.
Der friedlichen Delegation von Alevit*innen, demokratischen Oppositionspolitiker*innen und NGO–
Verterter*innen wurde mit polizeilicher Gewalt entgegnet. Die vornehmsten Menschenrechte
Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und die Versammlungsfreiheit wurden heute wieder einmal durch
die türkische Regierung missachtet.
Vertreter alevitischer Gemeinden wurden durch den polizeilichen Einsatz massiv verletzt.
Knochenbrüche und innere Verletzungen müssen derzeit im Krankenhaus stationär behandelt
werden.
Wir verurteilen die staatlichen Repressalien gegen unsere
alevitischen Interessenvertreter aufs Schärfste!
Hintergrund der Zusammenkunft alevitischer Vertreter*innen ist das bevorstehende
Gesetzgebungsverfahren der AKP–Regierung.
Mit einem „Sackgesetz“ (Torba Yasası) will die AKP–Regierung in einem gebündelten und
undifferenzierten Verfahren, verschiedene Gesetze in einem Zuge abstimmen bzw. erlassen. Dabei
will die AKP–Regierung Regelungen zur alevitischen Glaubensausübung per Gesetz festlegen;
diese jedoch in realitätsferner, inhaltsleerer und bloß folkloristischer Darstellung des Alevitentums.
Alevit*innen werden sich nicht „einsacken“ lassen!
Staatlichen Strukturen obliegt es nicht, Praktiken einer Religionsgemeinschaft zu definieren. Erst recht
nicht der AKP–Regierung, die alevitische Interessenvertreter kriminalisiert und fortlaufend haltlosen
Vorwürfen aussetzt.
Das Gesetzesvorhaben der AKP–Regierung ist keine Anerkennung,
sondern eine regelrechte Aberkennung des Alevitentums insgesamt!
Freiheits– und Gleichheitsrechte sind von unschätzbarem Wert, die wir vor dem Hintergrund unserer
eigenen Geschichte verteidigen werden – immer und überall!
Alevitische Gemeinde Deutschland K.d.ö.R.
Für weitere Informationen: info@aab

9 November 2022 0 Kommentare
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Information

Gute Nachricht für Familien: Kindergeld steigt stärker als gedach

von Fremdeninfo 9 November 2022
von Fremdeninfo

 

Gute Nachricht für Familien: Kindergeld steigt stärker als gedacht

Von

dtj-online

–

09.11.2022

 

 

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ILLUSTRATION: Die Schatten von zwei Erwachsenen und einem Kind fallen in den Morgenstunden auf den Asphalt. Foto: Peter Kneffel/dpa

Die hohen Preise belasten viele Familien stark. Die Ampel-Koalition will sie nun noch stärker entlasten als bisher gedacht – über ein höheres Kindergeld.

Familien können sich im kommenden Jahr auf mehr Kindergeld einstellen als bisher geplant. Die Ampel-Fraktionen beschlossen am Mittwoch im Bundestags-Finanzausschuss, die staatliche Unterstützung zum 1. Januar auf einheitlich 250 Euro monatlich zu erhöhen. Auch die oppositionelle Union stimmte den Informationen der Deutschen Presse-Agentur zufolge zu. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Familien deutlich stärker zu entlasten und das Kindergeld nochmals zu erhöhen“, betonte Familienministerin Lisa Paus (Grüne). Der Bundestag soll bereits am Donnerstag über die neuen Sätze abstimmen.

Ursprünglich sollte es 237 Euro geben

Gestiegene Preise für Lebensmittel, Miete und Energie verlangten einkommensschwachen Familien gerade viel ab, erklärte Paus. Sie müssten für ihren Lebensunterhalt mehr ausgeben als Haushalte ohne Kinder und litten daher stärker unter der Inflation. Nun senden die Koalition ihnen die Botschaft: „Wir lassen euch nicht allein!“

Für die ersten beiden Kinder soll es monatlich künftig jeweils 31 Euro mehr geben als bisher (219). Für das dritte Kind ist ein Plus von 25 Euro vorgesehen (bisher 225). Der Satz für das vierte Kind soll unverändert bleiben, er liegt auch jetzt schon bei 250 Euro im Monat. Bisher war zwar auch schon geplant, das Kindergeld wegen der hohen Inflation und der Energiekrise anzuheben. Doch war nur eine Erhöhung auf 237 Euro für die ersten drei Kinder vorgesehen.

„Größte Erhöhung des Kindergelds in der Geschichte der Bundesrepublik“

„Die Ampel legt bei der Entlastung von Familien noch eine Schippe drauf“, sagte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich. Besonders für Familien mit kleinen und mittleren Einkommen bedeute das eine wichtige zusätzliche Unterstützung. FDP-Fraktionsvize Christoph Meyer erklärte: „Das ist die größte Erhöhung des Kindergelds in der Geschichte der Bundesrepublik.“ Es sei der Ampel-Koalition ein besonderes Anliegen gewesen, dass gerade Familien mit Kindern am Monatsende real mehr Geld im Portemonnaie bleibe, betonte FDP-Fraktionschef Christian Dürr.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Dröge, betonte, die Erhöhung gehe noch einmal deutlich über den bisher vereinbarten Satz hinaus. „Das ist ein wichtiger Schutz vor Kinderarmut“, betonte sie. Gerade Familien würden von den hohen Preisen für Energie und Lebensmittel hart getroffen.

Demnächst Kindergrundsicherung statt Kindergeld

Perspektivisch soll das Kindergeld in Deutschland von einer Kindergrundsicherung abgelöst werden, die diverse Familienleistungen bündeln würde. „Die Entscheidung heute ist dazu ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch.

Mit der Kindergrundsicherung soll es einen einkommensunabhängigen Garantiebetrag für alle Kinder und Jugendlichen geben. Familien mit einem geringen Einkommen sollen einen Zusatzbetrag erhalten. Paus will, dass 2025 das erste Geld aus dieser Grundsicherung ausbezahlt wird. Über die Höhe ist bisher nichts bekannt.

dpa/dtj

9 November 2022 0 Kommentare
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Kultur

Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar nimmt Georg-Büchner-Preis entgegen

von Fremdeninfo 8 November 2022
von Fremdeninfo
0

Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar nimmt Georg-Büchner-Preis entgegen

Von

 dpa/ dtj-online

–

07.11.2022

„Verleihung Georg-Büchner-Preis an Schriftstellerin Özdamar“
Darmstadt: Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar erhält den Georg-Büchner-Preis im Staatstheater Darmstadt. Foto: Helmut Fricke/dpa

Die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar hat am Wochenende in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis 2022 entgegengenommen.

Die in der Türkei geborene Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin widmete ihre Dankesrede Georg Büchner, den sie für sich als eine Vorbild- und Bruderfigur darstellte. „Jeder hat im Himmel einen persönlichen Himmel, in dem nicht nur die Sterne, sondern auch die Menschen, die uns sehr berührt haben, ständig leuchten. Einer davon ist mein Bruder Georg Büchner“, sagte Özdamar bei der Verleihung.

„Meine große Sehnsucht, mein Bewusstsein zu erweitern, zu lesen, zu lernen, hatte mit Büchner zu tun“, sagte Özdamar über den Schriftsteller, mit dessen Werken sie als Schauspielschülerin Ende der Sechzigerjahre in Istanbul in Berührung gekommen sei.

Hybrides Leben, hybride Sprache

Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung zählt zu den wichtigsten literarischen Preisen im deutschsprachigen Raum. Özdamar ist die zwölfte Frau, die ausgezeichnet wird. Sie folgt als Preisträgerin dem österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz.

Die Literaturkritikerin Marie Schmidt hob in ihrer Laudatio den Facettenreichtum von Özdamars Sprache hervor. „Ich kenne in der Literatur deutscher Sprache kein vergleichbares Hybrid aus Dichtung, Prosa und Drama wie dieses, ihr Werk“, sagte sie im Staatstheater Darmstadt.

Özdamar lebt in der Türkei und in Berlin. Zu ihren bekanntesten Büchern gehört der Roman „Das Leben ist eine Karawanserei: hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus“. Für einen Auszug daraus erhielt sie 1991 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Ihr jüngstes Werk „Ein von Schatten begrenzter Raum“ erschien 2021 und war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Roth lobt Özdamar als „sprachmächtige, meisterhafte Erzählerin“

„Mit Emine Sevgi Özdamar zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt“, hatte die Jury die diesjährige Entscheidung begründet. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) lobte Özdamar als „sprachmächtige, meisterhafte Erzählerin“, die die deutsche Literatur um neue, andere und überraschende Perspektiven bereichert habe.

Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen „durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten“ und „an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“, heißt es in der Satzung. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner, Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb und Clemens J. Setz. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner („Woyzeck“). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

dpa/dtj

8 November 2022 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Immer weniger Abschiebungen: Radikale Gefährder bleiben in Deutschland

von Fremdeninfo 8 November 2022
von Fremdeninfo

 

Immer weniger Abschiebungen: Radikale Gefährder bleiben in Deutschland

Von

dtj-online

–

07.11.2022

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Symbolfoto: Ein Flugzeug startet am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Foto: Christophe Gateau/dpa

Den deutschen Behörden gelingt es immer weniger, ausreisepflichtige islamistische Gefährder außer Landes zu bringen.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres insgesamt 17 Menschen abgeschoben, die dem islamistischen Spektrum zugerechnet werden und deren Fälle im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum von Bund und Länder besprochen worden waren.

Fünf von ihnen waren sogenannte Gefährder. Zwei der Abgeschobenen wurden von der Polizei als relevante Personen eingestuft. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 hatten die Länder mit Unterstützung des Bundes 22 Gefährder und 6 weitere Islamisten, die als relevante Personen galten, abgeschoben – meist in ihre Herkunftsländer.

„Gefährder“ nennt die Polizei Menschen, denen sie schwere, politisch motivierte Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zutraut. Zum Kreis der „relevanten Personen“ zählt, wer der Szene als „Führungsperson“, „Akteur“ oder als Logistiker und Unterstützer angehört.

Keine Rückführungen nach Afghanistan

Neben der Blockade- und Verzögerungstaktik mancher Herkunftsländer gibt es auch praktische, rechtliche und politische Probleme. Für Syrien gilt aufgrund der Situation im Land ein Abschiebestopp. Seit der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 gibt es keine Rückführungen nach Afghanistan mehr.

Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar und seinen Folgen ist mit Russland nun mit Blick auf die Abschiebung von Gefährdern noch ein weiterer Staat hinzugekommen, wo es Probleme gibt. Im vergangenen Jahr waren die meisten islamistischen Gefährder in die Türkei und nach Russland abgeschoben worden – in letztgenanntes Land vor allem Tschetschenen.

Eine Abschiebung in die Türkei

Jeweils einen der fünf Gefährder, die aus Deutschland zwischen Anfang Januar und Ende September dieses Jahres zurückgeführt wurden, brachte man nach Marokko, Tunesien, in die Türkei und in den Libanon. Einen weiteren schickten die Behörden zurück nach Italien, das nach den sogenannten Dublin-Regeln für seinen Asylfall zuständig ist. Ende September hielten sich laut Bundesregierung 317 islamistische Gefährder in Deutschland auf, darunter waren 132 Gefährder ohne deutsche Staatsbürgerschaft.

Die AfD sieht die Verantwortung für die geringe Zahl von Gefährder-Abschiebungen bei Bundesinnenministerin Nancy Faeser. „Die groß angekündigte Abschiebeoffensive von Innenministerin Faeser bleibt aus“, kritisierte der Innenpolitiker Martin Hess.

dpa/dtj

8 November 2022 0 Kommentare
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Archive

Peter Feldmann: Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt

von Fremdeninfo 6 November 2022
von Fremdeninfo

Peter Feldmann: Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt

Michael Brächer

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Frankfurt haben ihrem Oberbürgermeister die Macht entzogen. Der SPD-Politiker Peter Feldmann hatte mit versuchter Vorteilnahme und sexistischen Äußerungen für Empörung gesorgt.

 

 

Peter Feldmann: Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt © Boris Roessler / dpa

Frankfurts umstrittener Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist bei einem Bürgerentscheid aus dem Amt gewählt worden. Das geht aus den ersten vorläufigen Ergebnissen der Abstimmung am Sonntag hervor.

Nach Auszählung fast aller Stimmbezirke votierten mehr als 95 Prozent für die Abwahl von Feldmann. Zugleich wurde die zweite Bedingung erfüllt, wonach mindestens 30 Prozent aller Stimmberechtigten für die Abwahl stimmen mussten. Das entspricht 152.455 Ja-Stimmen, kurz vor Ende der Auszählung lag diese Zahl bei mehr als 196.000. Gut eine halbe Million Frankfurterinnen und Frankfurter waren aufgerufen, über die Zukunft des SPD-Politikers abzustimmen.

DER SPIEGEL fasst die wichtigsten News des Tages für Sie zusammen: Was heute wirklich wichtig war – und was es bedeutet. Ihr tägliches Newsletter-Update um 18 Uhr. Jetzt kostenfrei abonnieren.

Feldmann räumte am Abend die Niederlage ein. Er habe festgestellt, dass das Quorum für seine Abwahl erreicht sei, sagte er. »Das heißt, dass ich damit dann am Freitag kein Oberbürgermeister mehr sein werde.« An diesem Tag soll das Endergebnis der Abstimmung offiziell festgestellt werden.

Seit Mitte Oktober wird Feldmann wegen Korruptionsverdachts der Prozess gemacht. Dabei geht es um seine engen Beziehungen zur Arbeiterwohlfahrt (Awo). Laut Medienberichten erhielt Feldmanns Frau als Leiterin einer türkisch-deutschen Kita, die von der Awo betrieben wird, mehr Gehalt als üblich und dazu einen Dienstwagen. Feldmann bestreitet alle Vorwürfe.

Zudem verspielte der 64-Jährige durch diverse Ausrutscher Sympathien, etwa als er bei der Europapokalfeier der Eintracht die Trophäe an sich riss. Zudem wurde ein Video bekannt, das eine sexistische Äußerung des OB im Flugzeug nach Sevilla zeigt.

In der Stadtpolitik forderten zahlreiche Parteien, darunter auch die SPD, seinen Rücktritt. Doch »Pattex-Peter«, wie er mal von der Presse genannt wurde, lehnte ab.

Vor Gericht las sein Anwalt kürzlich eine Erklärung vor, in der es auch um die Beziehung zu seiner Frau ging, von der er sich nun scheiden lässt. Für den Passus über seine damalige Ansicht, das gemeinsame Kind solle besser abgetrieben werden, entschuldigte sich Feldmann später bei der kleinen Tochter. Zum Gerichtstermin am vergangenen Montag war er wegen eines laut Attest »psychischen Ausnahmezustands« nicht erschienen.

Feldmann galt schon länger als umstritten, das Klima zwischen Römer-Fraktionen und der Spitze der Stadt war mehr als nur eingetrübt. Er reiße Themen an sich, wenn sie politische Vorteile versprächen, lautete ein Kritikpunkt. Als »Sonnenkönig« bezeichnete die Opposition den Politologen und Sozialbetriebswirt – der sich lange erfolgreich in Szene setzte.

Geboren in Niedersachsen, wuchs er im sozial benachteiligten Frankfurter Stadtteil Bonames auf. Vor einer leitenden Tätigkeit bei der Awo war er als Dozent und für andere Sozialverbände tätig. Mit 16 Jahren trat er in die SPD ein, 1989 wurde er Stadtverordneter und blieb es bis zu seiner OB-Wahl. Zu Feldmanns Themen, die er erfolgreich vorantrieb, gehörten bezahlbares Wohnen und mehr Leistungen für Familien.

Peter Feldmann: Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt

Michael Brächer

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Frankfurt haben ihrem Oberbürgermeister die Macht entzogen. Der SPD-Politiker Peter Feldmann hatte mit versuchter Vorteilnahme und sexistischen Äußerungen für Empörung gesorgt.

Frankfurts umstrittener Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist bei einem Bürgerentscheid aus dem Amt gewählt worden. Das geht aus den ersten vorläufigen Ergebnissen der Abstimmung am Sonntag hervor.

Nach Auszählung fast aller Stimmbezirke votierten mehr als 95 Prozent für die Abwahl von Feldmann. Zugleich wurde die zweite Bedingung erfüllt, wonach mindestens 30 Prozent aller Stimmberechtigten für die Abwahl stimmen mussten. Das entspricht 152.455 Ja-Stimmen, kurz vor Ende der Auszählung lag diese Zahl bei mehr als 196.000. Gut eine halbe Million Frankfurterinnen und Frankfurter waren aufgerufen, über die Zukunft des SPD-Politikers abzustimmen.

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Feldmann räumte am Abend die Niederlage ein. Er habe festgestellt, dass das Quorum für seine Abwahl erreicht sei, sagte er. »Das heißt, dass ich damit dann am Freitag kein Oberbürgermeister mehr sein werde.« An diesem Tag soll das Endergebnis der Abstimmung offiziell festgestellt werden.

Seit Mitte Oktober wird Feldmann wegen Korruptionsverdachts der Prozess gemacht. Dabei geht es um seine engen Beziehungen zur Arbeiterwohlfahrt (Awo). Laut Medienberichten erhielt Feldmanns Frau als Leiterin einer türkisch-deutschen Kita, die von der Awo betrieben wird, mehr Gehalt als üblich und dazu einen Dienstwagen. Feldmann bestreitet alle Vorwürfe.

Zudem verspielte der 64-Jährige durch diverse Ausrutscher Sympathien, etwa als er bei der Europapokalfeier der Eintracht die Trophäe an sich riss. Zudem wurde ein Video bekannt, das eine sexistische Äußerung des OB im Flugzeug nach Sevilla zeigt.

In der Stadtpolitik forderten zahlreiche Parteien, darunter auch die SPD, seinen Rücktritt. Doch »Pattex-Peter«, wie er mal von der Presse genannt wurde, lehnte ab.

Vor Gericht las sein Anwalt kürzlich eine Erklärung vor, in der es auch um die Beziehung zu seiner Frau ging, von der er sich nun scheiden lässt. Für den Passus über seine damalige Ansicht, das gemeinsame Kind solle besser abgetrieben werden, entschuldigte sich Feldmann später bei der kleinen Tochter. Zum Gerichtstermin am vergangenen Montag war er wegen eines laut Attest »psychischen Ausnahmezustands« nicht erschienen.

Feldmann galt schon länger als umstritten, das Klima zwischen Römer-Fraktionen und der Spitze der Stadt war mehr als nur eingetrübt. Er reiße Themen an sich, wenn sie politische Vorteile versprächen, lautete ein Kritikpunkt. Als »Sonnenkönig« bezeichnete die Opposition den Politologen und Sozialbetriebswirt – der sich lange erfolgreich in Szene setzte.

Geboren in Niedersachsen, wuchs er im sozial benachteiligten Frankfurter Stadtteil Bonames auf. Vor einer leitenden Tätigkeit bei der Awo war er als Dozent und für andere Sozialverbände tätig. Mit 16 Jahren trat er in die SPD ein, 1989 wurde er Stadtverordneter und blieb es bis zu seiner OB-Wahl. Zu Feldmanns Themen, die er erfolgreich vorantrieb, gehörten bezahlbares Wohnen und mehr Leistungen für Familien.

6 November 2022 0 Kommentare
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Archive

Inflation steigt auf 85,5 Prozent – Erdoğan will den Leitzins weiter senken

von Fremdeninfo 6 November 2022
von Fremdeninfo

 

Inflation steigt auf 85,5 Prozent – Erdoğan will den Leitzins weiter senken

Von

 dpa/ dtj-online

–

h-Gipfel – Treffen von Putin und Erdogan“
Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei, während eines bilateralen Treffens in Kasachstan. Foto: Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Die galoppierende Inflation in der Türkei hat weiter an Tempo zugelegt. Präsident Erdoğan stellt weitere Zinssenkungen in Aussicht. Was das für das Land bedeutet.

Im Oktober lagen die Verbraucherpreise 85,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag in Ankara mitteilte. Die unabhängige Expertengruppe ENAG kommt sogar auf 186,27 Prozent. Im Vormonat hatte die Teuerung 83,4 Prozent betragen.

Zum Vergleich: Deutschland hatte im Oktober einen Anstieg der Verbraucherpreise um 10,4 Prozent erlebt. Präsident Erdoğan will seine nicht bewährte Wirtschaftspolitik fortsetzen. „Mit dem Präsidialsystem ist Stabilität in die Türkei gekommen. Wir setzen unseren Weg mit einer gesunden Wirtschaft fort. Wir werden die Zinssätze auf einstellige Werte senken“, sagte er am Vorabend.

Erzeugerpreise doppelt so hoch

Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise in der Türkei im Oktober um 3,5 Prozent. Seit etwa einem Jahr geht es mit den Verbraucherpreisen in dem Land stark nach oben. Ende 2021 hatte die Teuerung nur bei etwa 20 Prozent gelegen. Wie stark der Preisdruck derzeit ist, zeigen vor allem die Erzeugerpreise, die im Oktober um 157,7 Prozent im Jahresvergleich gestiegen sind.

Die Erzeugerpreise erfassen die Preise auf Herstellerebene, indem sie die Verkaufspreise der Produzenten abbilden. Die Jahresrate der Erzeugerpreise ist mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Herstellerpreise beeinflussen die Lebenshaltungskosten der Verbraucher mittelbar und mit Zeitverzug.

Steigende Preise für Energie und Rohstoffe

In der Türkei wird die hohe Inflation durch mehrere Faktoren getrieben. Seit längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für Preisauftrieb, da sie in die Türkei importierte Güter verteuert. Hinzu kommen anhaltende Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Zudem steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine.

Im Gegensatz zu vielen anderen Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank nicht mit Zinsanhebungen gegen die galoppierende Teuerung. Vielmehr hat sie ihren Leitzins zuletzt mehrfach verringert.

dtj/dpa

6 November 2022 0 Kommentare
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Kultur

Mit Zeynep Avcı: Deutscher Popmusiker Oerding singt im neuen Album auf Türkisch

von Fremdeninfo 6 November 2022
von Fremdeninfo

 

Mit Zeynep Avcı: Deutscher Popmusiker Oerding singt im neuen Album auf Türkisch

Von Dpa /dti

 

 

Archivfoto: Johannes Oerding, Popsänger und Songwriter, steht bei einem Konzert auf der Bühne. Foto: Christian Charisius/dpa

Nach seinem ersten Nummer-Eins-Album will Johannes Oerding nachlegen. Auf „Plan A“ spricht der Sänger seinen Vater an – und singt über eine Beziehung, die er sonst gern privat hält.

Das erste Date in einer verrauchten Kneipe oder ein längst überfälliges Gespräch mit seinem Vater: Auf seinem neuen Album stimmt Popmusiker Johannes Oerding erneut persönliche Töne an, gibt aber dennoch Neues preis. „Plan A“ erscheint an diesem Freitag.

Es ist bereits das siebte Studioalbum des Münsteraners, der schon lange in Hamburg wohnt. Der Vorgänger „Konturen“ kam 2019 auf Platz eins der Charts. Das war Oerding, der gerne Hüte trägt und auch durch TV-Shows wie „Sing meinen Song“ und „The Voice of Germany“ bekannt ist, vorher noch nie gelungen.

 

                                                                  

 „Lust, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben“

„Ich habe schon Lust, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben“, sagt der 40-Jährige („An guten Tagen“) der Deutschen Presse-Agentur. „Aber in erster Linie will ich ein gutes Album abliefern, von dem die Leute sagen: „Das kann man sich von vorne bis hinten gut anhören, da gibt es keine Totalausfälle“.“

„Plan A“ ist in diesen ganz kleinen Momenten besonders stark, die sehr viel mehr preisgeben über den Sänger als Floskeln über Liebe und Eifersucht. Im Duett mit der früheren „Voice“-Kandidatin Zeynep Avcı wagt sich der 40-Jährige dann noch auf neues Terrain: Er singt in dem bilingualen Duett ein paar Zeilen auf Türkisch.

dpa/dtj

 
6 November 2022 0 Kommentare
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Information

Bürgergeld: Ampelkoalition gibt beim Bürgergeld nach

von Fremdeninfo 4 November 2022
von Fremdeninfo

Bürgergeld: Ampelkoalition gibt beim Bürgergeld nach

Tilman Steffen – 
 Um die CDU-regierten Länder zur Zustimmung zu bewegen, modifiziert die Ampel den Plan fürs Bürgergeld. Heiz- oder Wohnkosten sollen nicht mehr unbegrenzt gezahlt werden.

Die Ampelkoalition hat den Gesetzentwurf für das Bürgergeld abgeändert. Damit wollen SPD, Grüne und FDP erreichen, dass die Bundesländer mit CDU-Regierungsbeteiligungen das Gesetz nicht im Bundesrat zu Fall bringen. Insbesondere die bisher vorgesehene volle Übernahme von Heizkosten wurde angepasst. Ebenso die Übernahme der Mietkosten – Bürgergeldempfänger sollen nicht ohne weiteres in teurere oder gar überteuerte Wohnungen umziehen können.  

Das Bürgergeld soll Hartz IV und die bisherige Grundsicherung ablösen. Ab Januar 2023 sollten Bürgerinnen und Bürger ohne oder mit nur geringem Einkommen bis zu 502 Euro monatlich erhalten können, etwa 50 Euro mehr als der Hartz-IV-Satz.    

In den ersten zwei Jahren sollten die Sozialbehörden auch darauf verzichten zu prüfen, ob die Kosten für Wohnung oder Heizung angemessen sind und ob die Antragsteller Vermögen haben, was sie erst aufbrauchen könnten. Bis zu 60.000 Euro Vermögen soll man behalten dürfen, in Mehrpersonenhaushalten entsprechend mehr. Bisher ist es so: Menschen, die schon länger Hartz IV beziehen, mussten zunächst Erspartes aufbrauchen. Wer aber während der Corona-Pandemie Grundsicherung beantragte, durfte Vermögen behalten. Auch die Wohnungsgröße wurde nicht geprüft. Das wollte die Koalition nun für alle künftigen Bürgergeldbezieher festschreiben.

Union fordert mehr Mitwirkungspflichten

CDU und CSU, aber auch der Landkreistag hatten die Pläne kritisiert. Ihr Argument: Das Bürgergeld fordere Arbeitslose nicht stark genug. Arbeiten zu gehen lohne sich nicht mehr, der gebotene Abstand zwischen Sozialleistung und Arbeitslohn sei zu gering. Leistungsbeziehende müssten stärker zur Mitwirkung verpflichtet werden, hieß es, die Karenzzeit von zwei Jahren sei zu lang und das Schonvermögen zu hoch. Ähnlich argumentierte die AfD.   

Mehrere unions-mitregierte Länder schrieben in einem ZEIT ONLINE vorliegenden Papier, nur Personen „mit einer messbaren Lebensleistung“ sollten Bürgergeld erhalten. Auch solle die Bezugsdauer für bestimmte Personengruppen kürzer sein. Wer schon in der Corona-Zeit Grundsicherung erhalten hat, solle nicht weitere zwei Jahre Schonzeit bei Vermögen und Wohnungskosten erhalten. Der Vermögensfreibetrag solle wie bisher bei 10.000 Euro liegen. Heizkosten dürften auch während der Zwei-Jahre-Schonzeit nicht in voller Höhe übernommen werden, um „verschwenderischen Umgang mit Heizenergie“ zu verhindern und „höhere Akzeptanz für die privilegierenden Regelungen in der breiten Bevölkerung zu erreichen“. Wohnen in „überdurchschnittlich teuren Wohnungen“ während der Karenzzeit sei nicht akzeptabel. 

Die Kritik kommt von den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, deren Stimmen im Bundesrat für das Gesetz entscheidend sein könnten.                   

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Der Landkreistag kritisierte, das neue Bürgergeld schütze Menschen, die keinen Schutz bräuchten. Gerade im Sektor der Geringverdiener werde Leistungsbezug dadurch auf Dauer attraktiv, auch wegen der damit verbundenen Vorteile wie etwa dem Sozialticket oder der Kita-Kostenbefreiuung, schrieb der Landkreistag in einer Stellungnahme für den Bundestag. Die Zahl der Empfänger werde sich deutlich steigern, auch weil in den ersten sechs Monaten die Antragsteller keinerlei Mitwirkungspflicht haben sollen. Migration werde sich verstärken, prognostizierte der Landkreistag. 

 

Bürgergeldbezieher sollen vor Umzug Zustimmung einholen

Vor allem beim Thema Heiz- und Wohnkosten kam die Koalition den Kritikern der Union entgegen. Vor Abschluss eines Mietvertrages müssen Bürgergeldbeziehende die Zustimmung der Behörde einholen, heißt es in einem ZEIT ONLINE vorliegenden Änderungsantrag für die finale Abstimmung im Bundestag am Donnerstag. So will man vermeiden, dass Bezieher in der Schonzeit in teurere Wohnungen umziehen. Darüber hinaus sollen die Heizkosten während der Karenzzeit nicht mehr in der anfallenden Höhe übernommen, sondern auf Angemessenheit geprüft werden. So will man „verschwenderische Heizverhalten“ unterbinden. 

Die Fachpolitiker modifizierten ihre Pläne, obwohl sie davon eigentlich überzeugt sind. „Wir verstetigen ja nur die während Corona eingeführte Rechtslage“, sagte der Obmann der SPD-Fraktion im Ausschuss für Arbeit und Soziales im Bundestag, Martin Rosemann, ZEIT ONLINE hinsichtlich der Karenzzeit oder des Schonvermögens. Die Kritik des Landkreistags, das Bürgergeld verführe zum bequemen Einrichten in sozialen Vergünstigungen, wies er zurück: „Über Sozialticket oder kostenlose Kitas entscheiden die Kommunen“, sagte er. „Das Problem schafft nicht der Bund.“ 

Auch die Karenzzeit von zwei Jahren verteidigten Ampel-Politiker grundsätzlich. „Die Karenzzeit wurde implementiert insbesondere zugunsten von Selbstständigen, weil die ihr Vermögen für ihre Erwerbstätigkeit und als Alterssicherung brauchen“, sagte der Grünen-Obmann im Arbeitsausschuss, Wolfgang Strengmann-Kuhn, ZEIT ONLINE. „Hinzu kommt, dass die Jobcenter dadurch stark entlastet werden.“

 

FDP verweist auf Wohngeld

Mit Blick auf die Kritik, wonach sich Arbeiten nicht mehr lohne, wenn bürgergeldbeziehende Familien mehr Geld hätten als arbeitende Menschen, verwies der FDP-Obmann Jens Beeck auf die geplante Ausweitung des Wohngelds: Wer trotz zu wenig Geld für die Miete habe, könne Wohngeld beantragen.

Die Koalition will die Zahl der Wohngeldberechtigten von etwa 600.000 auf bis zu zwei Millionen deutlich ausweiten. Zur Prognose des Landkreistages, dass die Übernahme auch höherer Wohnkosten die Mieten allgemein hochtreiben könnte, sagte Beeck, der Wohnungsmarkt sei „regional angespannt. Dass es zu einer merkbaren Verschärfung komme, „halte ich für weit hergeholt“.

Kritik hatte auch der Wegfall einiger bisheriger Sanktionen ausgelöst, die künftig allgemein milder ausfallen sollen. So darf Beziehenden das Geld laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nur um maximal 30 Prozent gekürzt werden.

 

Streit um Sanktionen

„Wir gehen von den 98 Prozent Leistungsempfängern aus, die kooperieren wollen“, sagte der Grüne Strengmann-Kuhn ZEIT ONLINE. Der Bedarf an Sanktionen sei gar nicht so hoch. Die Unions-Länder verlangen hier jedoch, dass „beharrliche Verweigerer“ auch stärker sanktioniert werden.   

Dass der Regelsatz für das Bürgergeld erhöht wird, ist unter allen Bundestagsfraktionen Konsens. Unterschiede gibt es bei der Höhe. So fordert die Linke 200 Euro mehr.     

Die Spannungen zwischen den Lagern werden jedoch verstärkt durch einen Streit um die Einladung des Rechnungshofes in die Anhörung des Arbeitsausschusses am Montag. Der Rechnungshof hatte den Bürgergeld-Plan als unverhältnismäßig kritisiert. Die AfD beantragte daraufhin, den Rechnungshof zur Anhörung einzuladen, um die Kritik den Abgeordneten direkt vorzutragen.

Die Union sprang darauf auf und beschwerte sich bei Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Die Koalition entgegnete, Bundesbehörden dürften nur in besonderen Ausnahmefällen eingeladen werden. Bisher steht der Rechnungshof nicht auf der Liste der eingeladenen Sachverständigen. 

 
 
 
 

 

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Rassismus

Ost-Länder wollen Kräfte gegen Rechts bündeln

von Fremdeninfo 4 November 2022
von Fremdeninfo

Ost-Länder wollen Kräfte gegen Rechts bündeln

 
 
 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Unterwanderung von Demos: Im Kampf gegen rechtsextremistische Umtriebe wollen die ostdeutschen Bundesländer ein Expertennetzwerk knüpfen und sich noch stärker austauschen. «Wir müssen das Problem Rechtsextremismus nicht fokussiert auf Versammlungslagen betrachten, sondern wir müssen das Problem noch einmal an der Wurzel packen», sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) am Freitag nach Beratungen mit seinen ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen in Erfurt.

Sachsen will ein großes Expertentreffen ins Leben rufen, kündigte der sächsische Innenminister Armin Schuster (CDU) an. Den Aktivitäten der Extremisten dürfe keinen Quadratzentimeter Raum gegeben werden, sagte er. Als Gast der sogenannten Sicherheitskooperationssitzung nahm erstmals auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) teil.

Demonstrationen

Maier und Schuster betonten mit Blick auf die montäglichen Proteste in vielen ostdeutschen Städten, dass das Versammlungsrecht ein hohes Gut sei. «Gerade in der Krise gehört der Protest zu einer lebendigen Demokratie», sagte Maier. Aber teils seien die Demos unterwandert von rechtsextremistischen Strukturen. «Die Herausforderung besteht darin, wie wir es gewährleisten, dass diese Tausenden von Menschen, die friedlich demonstrieren, nicht in ihrem Anliegen missbraucht werden von Extremisten», betonte Schuster.

Rechtsextremismus

Hier wollen die Ost-Länder noch stärker erfolgreiche Strategien austauschen. Schuster etwa lobte Thüringens Erfolge im Kampf gegen Rechtsrockkonzerte, die es dort zeitweise zuhauf und in riesigen Dimensionen gegeben hatte. Maier hatte dafür unter anderem eine Taskforce in seinem Innenministerium eingerichtet, die die Versammlungsbehörden, in der Regel also die Landkreise, beriet. Auflagen wie Alkoholverbote und strengere Kontrollen verdarben Neonazis dann teilweise den Spaß.

Schuster sagte, er sei überzeugt, dass es die Chance gebe, Aktivitäten von Rechtsextremisten zu verhindern. Ihm schwebt eine gemeinsame Strategie für Ostdeutschland vor. «Wir wollen einen intensiven Expertenerfahrungsaustausch.» Angestrebt sei ein 360-Grad-Blick auf das Thema Rechtsextremismus. «Wir kriegen euch», sagte Schuster an die Rechtsextremisten adressiert. «Wir wollen nicht weiter attraktiv bleiben für euch.»

Migration

Die Ost-Innenressortchefs sprachen auch über die große Anzahl an Flüchtlingen, die derzeit nach Deutschland kommen. Der SPD-Politiker Maier betonte: «Selbstverständlich werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um Menschen, die nach Deutschland flüchten, auch unterzubringen.» Allerdings forderten die Ost-Minister finanzielle Unterstützung vom Bund – auch für das kommende Jahr.

Schuster sagte, man halte es für wahrscheinlich, dass man im Winter noch einmal «eine ziemlich starke Fluchtbewegung meistern» müsse – vor allem von Ukrainern. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass man das auch tue. Die Kommunen kämen dann aber an ihre Limits. Man erwarte von der Bundesregierung entscheidende Schritte, dass die «irreguläre Migration nicht-ukrainischer Staatsangehöriger deutlicher begrenzt und unterbunden wird». Es gehe darum, dass Schengen-Grenzen nicht «zigfach überschritten werden», sagte Schuster. «Es geht darum, Druck auf Serbien auszuüben und die Frage zu stellen: Warum ist die Außengrenze nicht sicher?»

Zu den Anschlägen gegen Flüchtlingsunterkünften sagte Schuster, in Sachsen seien alle Unterkünfte nun in ein stärkeres Schutzkonzept einbezogen. «Im Moment läuft bei uns noch einmal eine komplette Evaluierung der Sicherheitskonzepte, auch des Umsetzungsgrads.»

Bevölkerungsschutz

In diesem Sommer waren vor allem ostdeutsche Bundesländer von schweren Waldbränden betroffen – etwa das Elbsandsteingebirge in Sachsen oder der Harz in Sachsen-Anhalt. Die ostdeutschen Innenminister betonten, sich noch besser auf solche Ereignisse vorbereiten zu wollen – und forderten zugleich mehr Geld vom Bund. Sie verwiesen auf eine Verständigung der Innenministerkonferenz in Würzburg, wonach den kommenden Jahren mindestens zehn Milliarden Euro zusätzlich für den Bevölkerungsschutz benötigt würden.


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