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Religion

espaltenes Frankreich: Michel Houellebecq und Michel Onfray attackieren den Islam

von Fremdeninfo 4 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Gespaltenes Frankreich: Michel Houellebecq und Michel Onfray attackieren den Islam

Das Gespräch zwischen Schriftsteller und Philosoph hat nun auch ein juristisches Nachspiel.

Von Gregor Dotzauer

 

Die Quittung kam zum Jahresende. Während der 45-seitige Dialog, den der Schriftsteller Michel Houellebecq und der Philosoph Michel Onfray Ende November in der dritten Sondernummer der Zeitschrift „Front Populaire“ mit der Titelfrage „Fin de l’Occident?“ (Das Ende des Abendlandes?) veröffentlichten, in den Medien über Wochen dankbar zerpflückt wurde, griff Chems-Edinne Hafiz, der Rektor der Großen Moschee von Paris, zu härteren Mitteln. Er reichte bei der Staatsanwaltschaft Klage gegen Houellebecq wegen „Aufstachelung zum Hass gegen Muslime“ ein.

Das Destillat eines sechsstündigen Gesprächs streift mit mal mehr, mal weniger satirischer Schärfe viele Themen. Neben dem von Renaud Camus populär gemachten Verschwörungstheorem vom antiokzidentalen „Großen Austausch“ der Bevölkerung enthält es wüste Visionen von einer nationalen Rebellion: „Wenn ganze Territorien unter islamistischer Kontrolle sein werden, denke ich, dass es Widerstandsakte geben wird. Es wird Attentate und Schießereien in Moscheen geben, in von Muslimen besuchten Cafés, kurz: umgekehrte Bataclans.“ Kein Wunder, dass Houellebecq auch Sympathien für Putins antiliberales Russland bekundet.

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Pünktlich zu Beginn des neuen Jahres setzte sich Onfray, der „Front Populaire“ 2020 gründete, in einem Interview mit Alexandre Devecchio für das Online-Debattenportal „FigaroVox“ zur Wehr. Er sieht die inkriminierten Zitate verkürzt wiedergegeben, Verallgemeinerungen um der Zuspitzung willen gerechtfertigt und eine Meinungsfreiheit bedroht, die von Gerichten nicht in inquisitorische Zeiten zurückgeführt werden dürfe.

Ewiger Provokateur

Weder Onfrays noch Houellebecqs Position sind neu. Sie stehen für Onfrays Entwicklung vom linkslibertären Nietzscheaner, der einst die staatsunabhängige Université populaire de Caen aufbaute, zum rechtsnationalen Unterstützer eines souveränen Frankreich – und für Houellebecqs ewige Provokationslust.

Vom Proto-Katholiken, der Anfang der 1990er Jahre in einer Wohngemeinschaft mit dem späteren christlich-fundamentalistischen Philosophen Fabrice Hadjadj die Zeitschrift „Magnificat“ abonniert hatte, wandelte er sich über den Konsumkritiker und Linkenfresser bis zum Trump-Apologeten.

Dabei spielt wohl auch ein Stück Ringen mit der eigenen Lüsternheit eine Rolle: Selbsthass eines Hedonisten, der mit dem Asketentum kokettiert. Houellebecqs Romane, allen voran „Unterwerfung“, wissen davon weitaus ambivalenter zu erzählen, als seine Äußerungen als öffentlicher Intellektueller es tun.

Hetze mit Strafe

Schillernd wird die Affäre im spezifisch französischen Kontext. Hafiz, ein angesehener frankoalgerischer Anwalt mit zahlreichen Ämtern im Dienst eines liberalen Islam, sieht seine Klage durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 20. Dezember beflügelt.

Éric Zemmour, der gescheiterte Präsidentschaftskandidat der rechtsextremen „Reconquête“, muss für seine Hetze gegen „Invasoren“ und „Dschihadisten“ eine Geldstrafe zahlen. Hafiz, der sich soeben noch einmal in „La Croix“ erklärte, hat allerdings schon einen Prozess gegen Houellebecq verloren, der den Islam einmal als „dümmste aller Religionen“ bezeichnete. Auch gegen Mohammed-Karikaturen des Satireblatts „Charlie Hebdo“ kam er nicht durch.

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Zugleich lebt unter Franzosen die Erinnerung an zahlreiche islamistische Attentate fort. Die Erstürmung der „Charlie Hebdo“-Redaktion und das Bataclan-Blutbad 2015 haben sich ebenso eingebrannt wie die Enthauptung des Lehrers Samuel Paty auf offener Straße 2020. Zudem ist das Land von der hitzigen Debatte über den „Islamo-Gauchisme“, das angebliche oder tatsächliche Bündnis von extremer Linker und Islamismus, tief gespalten.

Wo die einen nichts als Islamophobie sehen, herrscht für die anderen blinde Nachsicht gegenüber einer finsteren Parallelgesellschaft. Die Publizistin Anne-Sophie Chazaud sieht in Hafiz‘ Klage jedenfalls schon eine neue Welle der Gewalt angelegt.

4 Januar 2023 0 Kommentare
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Information

Türkei: Schwache Lira lässt türkisches Handelsdefizit explodieren

von Fremdeninfo 2 Januar 2023
von Fremdeninfo

Türkei: Schwache Lira lässt türkisches Handelsdefizit explodieren

Artikel von Lutz Reiche

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan setzt auf Wachstum durch Exporte. Die kletterten 2022 zwar auf Rekordniveau, doch machte die schwache türkische Lira dem Präsidenten einen dicken Strich durch die Rechnung.

Das türkische Defizit in der Handelsbilanz hat sich 2022 trotz eines Exportrekords mehr als verdoppelt. Die Einfuhren übertrafen die Ausfuhren um mehr als 110 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium am Montag mitteilte. Das ist ein Anstieg von gut 138 Prozent im Vergleich zu 2021. Nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdoğan (68) wuchsen die türkischen Exporte im abgelaufenen Jahr um 12,9 Prozent und erreichten mit 254,2 Milliarden Dollar einen neuen Höchstwert. Allerdings legten die Importe noch deutlich stärker zu, und zwar um 34,3 Prozent auf mehr als 364 Milliarden Dollar.

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Ein Grund dafür dürfte die seit langem schwächelnde Landeswährung Lira sein. Diese hat 2021 um mehr als 40 Prozent zum Dollar abgewertet, 2022 dann um weitere 30 Prozent. Dadurch werden Importe – auf die das rohstoffarme Land angewiesen ist – merklich teurer. Zugleich werden aber auch türkische Waren auf den Weltmärkten preislich wettbewerbsfähiger.

Schwache Lira: Doppelte Belastung für Unternehmen

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 70 Prozent der türkischen Importe in Dollar abgerechnet und fast die Hälfte der Importe in Euro. Der Euro erholte sich zwar zuletzt wieder etwas, doch lasten ein starker Dollar und ein zugleich schwächerer Euro doppelt auf türkischen Exportunternehmen. Denn Unternehmen müssen mehr Geld für Dollar-Importe ausgeben, während ein großer Teil der Exporte in den Euro-Raum wegen der relativen Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar nicht genug einspielt.

Ein Grund für die drastische Abwertung der Lira ist die hohe Inflation. Die Teuerungsrate erreichte im November 84,4 Prozent – nach 85,5 Prozent im Oktober. Dennoch hat die türkische Zentralbank ihren Leitzins im abgelaufenen Jahr auf 9,0 Prozent gesenkt. Bei Ökonomen sorgt der Kurs der Notenbank für Kopfschütteln. Die große Mehrheit der Experten empfiehlt, die starke Teuerung mit höheren Zinsen zu bekämpfen, wie das etwa die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) versuchen. Argentinien, wo die Inflationsrate ebenfalls bei mehr als 80 Prozent liegt, hat den Leitzins auf mittlerweile 75 Prozent festgesetzt.

Höhere Zinsen könnten die Lira wieder attraktiver machen für Investoren und damit die Inflation im Zaum halten. Trotz der starken Teuerung setzte Erdogan aber auf Zinssenkungen durch die Notenbank. „Solange Euer Bruder in dieser Position ist, werden die Zinsen mit jedem Tag, jeder Woche, jeden Monat fallen“, sagte der Präsident vor einigen Wochen. Er will mit günstigen Krediten die Produktion und die Exporte anschieben, was wiederum für mehr Beschäftigung sorgen soll.

2 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

Verfassungsschutz warnt vor russischen Agenten und türkischen Wahlen  

von Fremdeninfo 2 Januar 2023
von Fremdeninfo
  • Verfassungsschutz warnt vor russischen Agenten und türkischen Wahlen

    Von

    dtj-online

    02.01.2023

    Verfassungsschutzpräsident Haldenwang“
    Archivfoto: Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), aufgenommen bei einem Interview mit der dpa. Foto: Michael Kappeler/dpa

    Die Enttarnung eines mutmaßlichen russischen Agenten beim BND hat die Sicherheitsbehörden schockiert. Dass Deutschland für Russland ein wichtiges Ziel ist, war vorher bekannt. Der Verfassungsschutz versucht, das Einsickern neuer Spione zu verhindern. Außerdem sind die Wahlen in der Türkei ein Thema.

    Das Interesse russischer Geheimdienste an Deutschland nimmt nach Einschätzung des Verfassungsschutzes weiter zu, je länger der Krieg in der Ukraine andauert. Zu den Staaten, deren Nachrichtendienste in Deutschland erhebliche Aktivitäten entfalten, zählt Verfassungsschutz-Chef Thomas Haldenwang auch China und den Iran. „Das Aufklärungsinteresse Russlands hier in Deutschland ist nicht nur ungebrochen, sondern nimmt auch zu, je weiter sich die Auswirkungen des Krieges fortsetzen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

    „Wie real die Gefahr russischer Spionage ist, zeigt auch der aktuelle Fall“, sagte Haldenwang mit Blick auf den kurz vor Weihnachten festgenommenen mutmaßlichen Doppelagenten beim Bundesnachrichtendienst (BND). Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wolle er sich, ebenso wie BND-Chef Bruno Kahl, nicht zu Einzelheiten äußern. Der Festgenommene steht im Verdacht, geheime Informationen an einen russischen Nachrichtendienst gegeben zu haben.

    Haldenwang sagte, er erwarte, dass Moskau versuchen werde, die Aufklärungsmöglichkeiten, die durch die Ausweisung von 40 Agenten verloren gegangen seien, zu kompensieren: entweder durch mehr „reisende Agenten“ oder durch andere Tarnungen. Um eine solche Tarnung handelte es sich nach Einschätzung der Behörden beispielsweise bei einem mutmaßlichen russischen Spion, der seit Oktober in Norwegen in Untersuchungshaft sitzt. Er hatte sich als brasilianischer Forscher ausgegeben.

    40 russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen

    Als Reaktion auf den Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar hatten europäische Staaten russische Agenten ausgewiesen. Die Bundesregierung erklärte Anfang April 40 Angehörige der russischen Botschaft in Berlin zu unerwünschten Personen.

    „Wir unternehmen große Anstrengungen um zu verhindern, dass weitere Personen, die möglicherweise russischen Diensten zuzurechnen sind, hier nach Deutschland kommen“, sagte Haldenwang der dpa. Die Bundesregierung habe dafür auch die Visaregeln verschärft. Ebenfalls zu erwarten sei eine massive Zunahme russischer Cyberangriffe sowie sogenannter Einflussnahmeoperationen. Darunter versteht man etwa Desinformationskampagnen sowie andere Methoden, die darauf abzielen, die öffentliche Meinung, den Ausgang von Wahlen oder politische Entscheidungen im Zielland zu beeinflussen.

    Insgesamt fühlt sich der Inlandsgeheimdienst für die aktuellen Herausforderungen jedoch ausreichend gewappnet. „Ich möchte Behauptungen, wir hätten in der Vergangenheit zu wenig in dem Bereich Spionageabwehr getan, entschieden entgegentreten“, sagte der Verfassungsschutzpräsident. Vielmehr habe sich das Bundesamt schon länger auf die erhöhte Spionageaktivität russischer, aber auch anderer Dienste eingestellt. Der Bereich sei „personell deutlich verstärkt“ und organisatorisch umgestaltet worden, unter anderem durch eine stärkere Verzahnung mit der Cyberabwehr.

    Chinesen wollen mehr politischen Einfluss

    China, das sich früher eher auf Wirtschaftsspionage fokussiert habe, bemühe sich seit einigen Jahren ebenfalls verstärkt um die Aufklärung der deutschen Politik. Die Risiken, die sich aus den intensiven Wirtschaftsbeziehungen zu China ergäben, seien lange zu wenig beachtet worden, kritisierte der Behördenchef. Zudem sei bekannt, „dass China weltweit seine wirtschaftliche Macht bereits zur Umsetzung politischer Ziele einsetzt“. Haldenwang sagte: „Es bedarf einer gesamteuropäischen Lösung, diesen Trend jedenfalls für die europäischen Staaten umzukehren.“ Der Verfassungsschutz weise Wirtschaft, Öffentlichkeit und Politik bereits verstärkt auf mögliche chinesische Ausspäh- und Einflussnahmeversuche hin.

    „Ein weiteres großes Problem ist die Einflussnahme auf die eigene Community“, sagte der Verfassungsschutzpräsident. China habe großes Interesse daran, die chinesisch-stämmige Diaspora in Deutschland zu kontrollieren. Ein Großteil der 40.000 chinesischen Studierenden sei „sehr eng an die Botschaft und die Konsulate angebunden“. Das gelte auch für Forscher. Wo China in die deutsche Wirtschaft investiere, werde chinesisches Personal eingesetzt – darunter auch Mitglieder der Kommunistischen Partei. Diese seien in Parteizellen organisiert und verpflichtet, an staatliche chinesische Stellen zu berichten.

    Auch Iran hat verstärktes „Ausforschungsinteresse“

    Regimekritische Menschen mit iranischen Wurzeln mahnte Haldenwang zur Vorsicht, falls sie Reisen in den Iran beabsichtigen oder dort Angehörige haben. Schon seit einigen Jahren sei festzustellen, dass staatliche iranische Stellen hier ein „Ausforschungsinteresse“ hätten. „Diese Personen werden identifiziert und müssen bei eventuellen Reisen in den Iran auch mit erheblichen Konsequenzen rechnen“, warnte Haldenwang. Wenn es noch Verwandte oder Freunde im Iran gebe, könne sich die Repression auch gegen solche Menschen aus dem engeren Umfeld richten. „So etwas ist schon passiert, und gerade jetzt in der aktuellen Situation, in der im Iran massive Proteste stattfinden, sehen wir Entsprechendes auch in Deutschland.“

    Verstärkt habe sich auch die vom Iran betriebene „Ausforschung von jüdischen Einrichtungen oder von Zielen, die mit dem Staat Israel in Verbindung zu bringen sind“. Haldenwang sagte: „Wir müssen davon ausgehen, dass dies geschieht, um zu einem bestimmten Zeitpunkt Maßnahmen gegen diese Ziele vornehmen zu können.“

    Türkische Politiker wollen auftreten

    Nicht auszuschließen ist laut Verfassungsschutz zudem, dass die in diesem Jahr geplanten Wahlen in der Türkei Auswirkungen in Deutschland haben werden. „Türkische innenpolitische Konflikte werden hier ausgetragen: Auf der einen Seite sind Regierungstreue, zu denen auch türkische Nationalisten und Rechtsextremisten zählen, auf der anderen Seite demokratische oppositionelle Kräfte, aber auch Anhänger extremistischer und terroristischer Organisationen wie der PKK“, sagte Haldenwang.

    Oppositionelle Journalisten würden ausgespäht und eingeschüchtert. Wahlkampfauftritte von Politikern aus Nicht-EU-Staaten drei Monate vor dem Wahltermin sind zwar seit 2017 untersagt. Der Verfassungsschutz habe allerdings schon „erste Wahlkampfflyer einzelner Beteiligter“ für die anstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Deutschland wahrgenommen.

    dpa/dtj

2 Januar 2023 0 Kommentare
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Information

Mit Syrien und der Türkei: Hochrangiges Treffen in Moskau

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Mit Syrien und der Türkei: Hochrangiges Treffen in Moskau

Von

dtj-online

–

29.12.2022

 
>
Verteidigungsminister Hulusi Akar (M.) und MIT-Chef Hakan Fidan (r.) kommen in Moskau an. Foto: MSB

Nach Jahren der diplomatischen Eiszeit zwischen der Türkei und Syrien haben sich die Verteidigungsminister beider Länder in Moskau getroffen.

An den Gesprächen hätten auch der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie die Geheimdienstchefs aller drei Länder teilgenommen, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara am Mittwoch mit.

Nach Angaben des türkischen und russischen Verteidigungsministeriums wurden bei den trilateralen Verhandlungen Wege für eine Lösung im Bürgerkriegsland Syrien besprochen. Es sei zudem um das Thema Flüchtlinge und die gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen extremistische Gruppierungen gegangen. Die Beteiligten hätten den konstruktiven Charakter des Dialogs hervorgehoben und wollten die Gespräche für eine Stabilisierung der Lage in Syrien und in der Region insgesamt fortsetzen, hieß es.

Bald Treffen mit Assad?

Russland unterstützt im syrischen Bürgerkrieg den Präsidenten Baschar al-Assad, die Türkei steht dagegen auf der Seite von Rebellen. Unter dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hatte die Türkei die diplomatischen Beziehungen zu Damaskus aufgekündigt, zuletzt aber den Willen zur Wiederannäherung geäußert. Vor knapp zwei Wochen hatte Erdoğan auch ein Treffen mit al-Assad ins Spiel gebracht, den er in der Vergangenheit als „Mörder“ bezeichnet hatte.

Nach mehr als elf Jahren Bürgerkrieg in Syrien kontrollieren Assads Regierungstruppen wieder rund zwei Drittel des Landes. Der Machthaber wird neben Russland auch vom Iran unterstützt.

Die Türkei hält Gebiete im Norden Syriens besetzt. Sie geht derzeit mit einer Luftoffensive in weitgehend von der syrischen YPG kontrollierten Gebieten vor.

dpa/dtj

1 Januar 2023 0 Kommentare
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Politik

Menschenrechtsanwalt Albayrak: „Erdoğan wird alles tun, um die Wahlen zu gewinnen“

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Menschenrechtsanwalt Albayrak: „Erdoğan wird alles tun, um die Wahlen zu gewinnen“

Von

Stefan Kreitewolf

–

30.12.2022

 
Oğuzhan Albayrak kämpft mit seinem Verein „Human Rights Defenders“ e.V. für die Einhaltung universeller Menschenrechte in der Türkei. Foto: Oğuzhan Albayrak

Aus dem Exil kämpft Oğuzhan Albayrak mit seinem Verein „Human Rights Defenders“ für die Einhaltung universeller Menschenrechte in der Türkei. Im Gespräch mit DTJ-Online erklärt er, warum das nicht aussichtslos ist – und was er sich von Deutschland wünscht.

Herr Albayrak, welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Lage der Menschenrechte weltweit?

Leider sehen wir einen Trend, der zunimmt. Freiheiten, die wir hier in Deutschland als selbstverständlich wahrnehmen, sind zunehmend bedroht. Wir sehen auch, dass Diktatoren und Autokraten sich zusammentun, sich gegenseitig unterstützen und manchmal auch die gleichen Methoden zur Unterdrückung der eigenen Bevölkerung nutzen. So werden zum Beispiel staatliche Überwachungssysteme in China von der Türkei oder in Kasachstan wie im „Copy-Paste-Verfahren“ importiert. Umso wichtiger ist es, eine Front gegen diesen anti-liberalen Trend zu bilden.

Mit Ihrem Verein „Human Rights Defenders“ e.V. (HRD) setzen Sie sich für Verfolgte und Unterdrückte ein. Haben Sie einen Schwerpunkt?

Im Rahmen unserer Möglichkeiten verfolgen wir Menschenrechtsverletzungen weltweit und unterstützen auch andere Organisationen oder Bewegungen, die sich für Freiheiten und Demokratie in Iran, Irak, Russland, Kasachstan oder in China engagieren. Aber unser Fokus ist auf die Türkei gerichtet.

„Anti-Terror-Gesetz führte zu wahren Verhaftungswellen“

Warum?

In der Türkei gibt es viel zu tun. Seit mehr als zehn Jahren werden dort Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abgeschafft. Die Jahresberichte des „World Justice Project“ sprechen da ebenso eine einheitliche Sprache wie das Ranking von „Reporter ohne Grenzen“. Hinzu kommt: Die Mehrheit unserer Mitglieder sind entweder aus politischen Gründen aus der Türkei geflüchtet oder können deswegen nicht mehr in die Türkei einreisen.

Den Fall des türkischen Lehrers Gökhan Açıkkollu, der nach dem Putsch vom Juli 2016 in Polizeigewahrsam gefoltert und umgebracht wurde, haben Sie gemeinsam mit Ihrer Organisation vor den UN-Menschenrechts-Ausschuss gebracht (DTJ-Online berichtete). Er beweist: Besonders in der Türkei sind Oppositionelle und Andersdenkende radikalen Repressalien ausgesetzt. Wie schätzen Sie die Lage im Land ein?

Es ist ja leider nicht so, dass die Türkei vor 2016 ein Rechtsstaat gewesen wäre. Was wir aber nach dem Putschversuch im Juli 2016 sehen, ist, dass die türkische Regierung und der Staat all ihre Kräfte und Instrumente nutzen, um Oppositionelle oder Andersdenkende zu unterdrücken. Das türkische Anti-Terror-Gesetz beinhaltet eine sehr weite Definition von „Terror“ und lässt sehr viel Raum für Interpretationen. Das führte zu wahren Verhaftungswellen: Laut einer Statistik wurden zwischen 2015 und 2021 mehr als 2,2 Millionen Personen in der Türkei wegen Terrorverdachts vor Gericht gestellt. Leider ist kein Ende dieser Willkür zu sehen.

„Folter ist in der Türkei alltäglich“

Noch einmal zu Gökhan Açıkkollu: Was bedeutet es Ihnen, mit Ihrer Organisation einen solchen Fall auf die Agenda der Vereinten Nationen gehievt und damit öffentlich gemacht zu haben?

Obwohl die Türkei fast alle internationalen Abkommen, die ein absolutes Verbot von Folter vorsehen, unterschrieben hat, ist Folter in der Türkei alltäglich. In den vergangenen sechs Jahren reichten insgesamt 4.182 Personen Beschwerden darüber ein, dass sie oder ihre Angehörigen Opfer von Folter geworden sind. Nach dem Bericht der türkischen Menschenrechtsstiftung war 2021 der jüngste Beschwerdeführer fünf Jahre alt. Die Hauptursache für dieses Ausmaß an Folter ist eine Kultur der Straflosigkeit. Insbesondere die AKP-Regierung neigt dazu, Folter mit dem „Kampf gegen den Terrorismus“, einem „Ausnahmezustand“ oder wegen der „nationalen Sicherheit“ zu legitimieren. Unser Ziel ist es, gegen dieses Verbrechen zu kämpfen, es öffentlich zu machen und präventiv dagegen zu arbeiten. Gökhan Açıkkollu ist dabei leider nur ein Fall von vielen.

Weil Ankara erfolgreich zwischen Russland und der Ukraine vermittelte und als Garantiemacht für das Getreide-Abkommen einsprang, haben westliche Staats- und Regierungschefs ihre Kritik an Präsident Recep Tayyip Erdoğan reduziert. Ist das gerechtfertigt?

Erdoğan ist in Russlands Angriffskrieg bislang der geostrategische Gewinner. Das Getreide-Abkommen, die Vermittlungsversuche Ankaras, aber auch der Verkauf von Drohnen an die Ukraine stärken die Position der Türkei. Der Krieg in der Ukraine ist aber auch ein Verteidigungskampf gegen Diktatur, Willkür und Unterdrückung. Es ist ein Kampf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Diese Werte sind unser entscheidender Trumpf nicht nur gegen Putin, sondern auch gegen andere populistische Autokraten – zu denen nicht zuletzt auch Präsident Erdoğan zählt. Deswegen ist es wichtig, dass die Bundesregierung, bei ihren Gesprächen in und über die Türkei, ihre Aufmerksamkeit der anhaltenden Verschlechterung der Rechtsstaatlichkeit in der Türkei widmet. Da wünsche ich mir ein deutlicheres und mutigeres Vorgehen.

„Erdoğan ist immer für eine Überraschung gut“

Im Jahr vor der Präsidentschaftswahl scheint sich die Lage von Woche zu Woche weiter anzuspannen. Was erwarten Sie für die heiße Phase des Wahlkampfes 2023? 

Erdoğan ist immer für eine Überraschung gut – vor allem vor den Wahlen. Und die Wahlen 2023 sind für ihn existenziell. Er wird alles tun, um die Wahlen zu gewinnen. Das Urteil gegen den populären Bürgermeister von Istanbul Ekrem İmamoğlu zeigt das. Außerdem wird Erdoğan versuchen, einen Keil zwischen die Parteien des „Sechser-Tischs“ zu treiben. Der Zusammenschluss muss nun endlich in den Angriffsmodus schalten.

Aktuell greift das türkische Militär Ziele im kurdischen Nordosten Syriens an. Haben Sie Informationen zur Lage der Menschenrechte vor Ort?

Ich verfolge den Konflikt in Nordosten Syriens mit großer Sorge. Berichte, dass es auch zivile Opfer gibt, sind natürlich erschütternd und nicht akzeptabel. Die Türkei beruft sich zwar auf ihr Selbstverteidigungsrecht, aber die letzten Militäroperationen waren nicht mit dem Völkerrecht vereinbar.

Wie geht es für Sie und Ihre Organisation weiter? Für wen oder was setzen Sie sich aktuell ein?

Als HRD werden wir unsere Projekte weiterführen. Wir haben einen vollen Kalender für 2023. Wir werden Folteropfer aus der Türkei weiter unterstützen und die erforderlichen Rechtswege einleiten. Zudem planen wir die Veröffentlichung von mindestens vier Türkei-Berichten.

Zur Person: Oğuzhan Albayrak ist Direktor beim „Human Rights Defenders“ e. V. (HRD). Seine Karriere startete er als Diplomat im Auswärtigen Amt der Türkei. Nach Stationen in Kuwait und Aserbaidschan wurde er aufgrund seiner politischen Ansichten aus dem Staatsdienst entlassen. Mittlerweile lebt und arbeitet er im Berliner Exi

1 Januar 2023 0 Kommentare
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Politik

Kılıçdaroğlu: Menschen haben genug von Erdoğan

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Kılıçdaroğlu: Menschen haben genug von Erdoğan

Von

dtj-online

–

31.12.2022

„Türkischer Oppositionsführer Kilicdaroglu“
Kemal Kılıçdaroğlu, Vorsitzender der Cumhuriyet Halk Partisi (CHP, Republikanische Volkspartei), aufgenommen während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur in seinem Büro in der CHP-Parteizentrale. Foto: Bradley Secker/dpa

Die in den letzten Jahren enttäuschende Opposition in der Türkei hat große Pläne für 2023: Bei den Wahlen im Juni will sie Präsident Erdoğan nach 20 Jahren ablösen. Dessen Partei zeigt sich davon unbeeindruckt.

Die türkische Opposition gibt sich trotz zunehmenden politischen Drucks zuversichtlich, dass sie Präsident Recep Tayyip Erdoğan im neuen Jahr nach 20 Jahren an der Macht ablösen wird. Die Menschen hätten genug von Erdoğan. „Sie sagen, es reicht. Du bist müde geworden, zieh dich zurück. Es wird eine neue Ära beginnen“, sagte der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kılıçdaroğlu.

Die Menschen in der Türkei sehnten sich nach Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Die Parlaments- und Präsidentenwahlen in der Türkei finden im Juni 2023 statt, könnten aber vorgezogen werden. Ein Sechser-Bündnis, darunter die CHP und die nationalkonservative İyi-Partei, will einen gemeinsamen Kandidaten gegen den amtierenden Staatschef aufstellen.

Unzufriedenheit im Land wegen Inflation

Ihr Ziel ist, das derzeitige Präsidialsystem abzuschaffen, unter dem Erdoğan seit 2018 weitreichende Befugnisse hat. Zudem steht die Justiz in vielen Teilen unter Kontrolle der Regierung, wie etwa die EU-Kommission bemängelt. Der ehemalige Erdoğan-Vertraute und Politiker der Iyi-Partei, Turhan Çömez, verwies auf die allgemeine Unzufriedenheit im Land angesichts der Inflation von mehr als 80 Prozent.

Erdoğan habe zwar alle staatlichen Institutionen und die Justiz in seinen Händen, aber er habe an Popularität verloren, sagte Çömez der dpa. „Die Menschen haben ihre Hände zu Fäusten geballt und bereiten sich darauf vor, Erdoğan an der Wahlurne eine Lektion zu erteilen.“

Metropoll-Chef: „Erdoğan kann gegen einen schwachen Kandidaten gewinnen“

Die Regierungspartei AKP zeigt sich vom Selbstbewusstsein der Opposition dagegen unbeeindruckt. Zwar sei die Wirtschaft ein wichtiges Thema bei den anstehenden Wahlen, die Menschen vertrauten aber nach wie vor dem Präsidenten, hieß es aus AKP-Kreisen.

Auch Umfragen wiesen darauf hin, dass die Wähler der Opposition nicht zutrauten, die wirtschaftliche Situation zu verbessern, sagte Özer Sencar, Chef des Umfrageinstituts Metropoll. Er warne Erdoğan-Gegner daher vor zu großem Optimismus. „Erdoğan kann gegen einen schwachen Kandidaten gewinnen“, so Sencar.

Agiert Justiz auf Befehl und Zuruf?

Ein möglicher Kandidat, der als besonders aussichtsreich gilt – der Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu – war Mitte Dezember mit einem Politikverbot belegt worden. Wenn dieses rechtskräftig wird, dürfte er nicht zur Wahl antreten.

Beobachter werten den Schritt als politisch motiviert, mit dem Ziel, einen Gegner Erdoğans ins politische Aus zu manövrieren. Erdoğan hatte zurückgewiesen, Einfluss auf das Urteil genommen zu haben. Kılıçdaroğlu, der auch als Kandidat gehandelt wird, sagte mit Blick auf die Wahl, er traue weder Erdoğan noch der Wahlbehörde.

Die Justiz agiere „auf Befehl“ des Präsidentenpalastes, kritisierte er. Die Opposition bereite sich daher vor und bilde Tausende Wahlhelfer aus. Weder ein Wahlsieg Erdoğans noch einer der Opposition gilt Umfragen zufolge derzeit als sicher. Bei den vergangenen Wahlen in der Türkei 2018 waren auch rund 1,4 Millionen Türken in Deutschland wahlberechtigt. Mehrheitlich stimmten diese für die AKP.

dpa/dtj

1 Januar 2023 0 Kommentare
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Kultur

Mehmed II. gegen Vlad III.: Zweite Netflix-Staffel über Osmanisches Reich erschienen

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Mehmed II. gegen Vlad III.: Zweite Netflix-Staffel über Osmanisches Reich erschienen

Von

Murat Gökmen

–

01.01.2023

https://dtj-onl“Mehmed vs Vlad Netflix“
Sultan Mehmed II. (l.), der als Eroberer Konstantinopels seinen Beinamen „Fatih“ erwarb, kämpft gegen Vlad III., der einst mit ihm zusammen am osmanischen Hof aufwuchs und später rebellierte. Foto: Screenshot/Netflix

Im Rahmen der Netflix-Themenserie „Der Aufstieg von Weltreichen“ war bereits 2020 die erste Staffel zum Osmanischen Reich erschienen. Damals ging es um die Eroberung von Konstantinopel. Seit Donnerstag können sich Geschichtsinteressierte nun die zweite Staffel anschauen. Sie dürfte aber durchaus ein größeres Publikum ansprechen. Eine Rezension.

„Unsere Vorfahren ritten (ihre Pferde) 600 Jahre lang auf drei Kontinenten“, heißt es im Türkischen gerne, wenn über das osmanische Erbe gesprochen wird. Damit wird einerseits der Stolz auf die Vorfahren ausgedrückt, andererseits auch die Bewunderung über die Stärke des einstigen Weltreichs. Doch sieht man sich den Satz genauer an, bedarf er einer kleinen Korrektur.

Dass das Reich 600 Jahre lang existierte, entspricht den Tatsachen. Genauer gesagt bestand es sogar 623 Jahre fort, wenn man seine Entstehung auf das Jahr 1299 datiert. Ebenfalls richtig ist, dass sich der Herrschaftsbereich der Osmanen auf drei Kontinente erstreckte. Allerdings nicht von Anfang an bis zum Ende, wie der eingangs erwähnte Satz suggeriert, sondern zunächst auf (Klein-)Asien, dann ab Mitte des 14. Jahrhunderts auf (Südost-)Europa, später dann ab dem 16. Jahrhundert auch auf (Nord-)Afrika. Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 16. und 17. Jahrhundert galt der osmanische Sultan als mächtigster Herrscher der Welt. Zwar verloren er und seine Nachfolger danach nach und nach Gebiete, doch im Kern blieb der Einfluss des Reiches bis zu seinem Ende auf drei Kontinenten bestehen.

Zum Weltreich bzw. Imperium wurde das Reich, wie bereits die erste Netflix-Staffel zeigt, mit der Eroberung Konstantinopels, das heute Istanbul heißt. Der Sultan, dem dies gelang, hörte auf den Namen Mehmed. Er war der zweite mit diesem Namen im Hause Osman, sein Vorgänger war sein Großvater, der vor seiner Geburt verstarb. Um Mehmed II., der mit der Einnahme der damaligen Weltstadt den Lauf der Geschichte entscheidend veränderte und prägte, geht es nun auch in der zweiten Staffel, die seit Donnerstag auf Netflix zu sehen ist.

Wie Brüder aufgewachsen, zu Feinden geworden

Der historische Stoff, der behandelt wird, ist besonders und gibt viel her. Eine gute Wahl von Netflix, die beiden historischen Persönlichkeiten Mehmed II. und Vlad, die beide im 15. Jahrhundert lebten, aufzugreifen und sie als Gegenspieler zu präsentieren, auch wenn der Sultan der deutlich mächtigere der beiden ist.

Vlad war der Sohn des osmanischen Vasallen in der Walachei, Vlad II. Dieser entschied sich laut Netflix-Darstellung nach Druck Sultan Murads II., als Zeichen seiner Treue seine beiden Söhne als Faustpfand am Hof Murads zu lassen. Neben Vlad ist das noch Radu. Sie wachsen gemeinsam mit dem späteren Mehmed II. auf, der der Sohn von Murad ist. Die Söhne von Vlad werden am osmanischen Hof als dessen potentieller Nachfolger aufgezogen. Und tatsächlich wird Vlad später Fürst, sogenannter Woiwode, der Walachei. Als solcher ist er zwar autonom, aber tributpflichtig gegenüber dem Osmanischen Reich. Er muss eine jährliche Abgabe zahlen und im Falle eines Kriegszugs des Sultans Soldaten zur Verfügung stellen. Seine Weigerung und Provokationen führen dazu, dass Mehmed II. schließlich gegen den aufmüpfigen Fürsten zu Felde zieht.

In den Folgen werden mehrere Szenerien eingespielt, die Mehmed und Vlad, die beide etwa gleich alt gewesen sein müssen, in ihrer Kindheit zeigen, wie sie miteinander spielen, kämpfen, wetteifern. Sie nennen sich gegenseitig immer wieder „mein Bruder“, wobei deutlich wird, dass sich Vlad nicht als Osmane und erst recht nicht als Teil der osmanischen Familie versteht. Radu hingegen, der jünger als Vlad ist, kann sich schon eher mit seinem neuen Umfeld identifizieren. Als Nebendarsteller taucht er in der Staffel in nahezu allen sechs Folgen auf.

Schauspieler-Wahl gut bis mittelmäßig

Während Mehmed wie in der ersten Staffel von Cem Yiğit Üzümoğlu verkörpert wird, übernimmt der Rumäne Daniel Nuță die Rolle von Vlad. Und das macht er recht gut. Seine feindselige Einstellung gegenüber den Osmanen im Allgemeinen und Mehmed im Besonderen wird in jeder Folge gut sichtbar. Auch seine Grausamkeit – sein Beiname lautete „der Pfähler“ – kommt oft genug zum Ausdruck.

Üzümoğlu hingegen ist eine eher mittelmäßige Wahl. Zwar schafft er es, das (taktische) Genie von Mehmed II. widerzuspiegeln, doch gelingt es ihm nicht ganz, den wohl bedeutendsten osmanischen Sultan gut zu spielen. Treffen die beiden aufeinander, wirkt es manchmal, als sei Vlad der überlegene. Historisch betrachtet war das sicherlich nicht so.

Vlad und Mehmed II. überleben die Schlacht, Vlad verliert aber seine Macht

Die Macher der Staffel orientieren sich weitestgehend an den verfügbaren Quellen und lassen auch regelmäßig Historiker und Experten zu Worte kommen. Hin und wieder lassen sie aber auch ihrer Fantasie freien Lauf, um zu zeigen, wie es gewesen sein könnte. Anders wäre es aber auch nicht möglich, solches Filmmaterial zu produzieren. Kameraführung und Musikauswahl tragen zur Dramaturgie bei und sind durchaus in der Lage, das Publikum zu fesseln. Vor allem gelingt das in der nächtlichen und entscheidenden Schlacht im osmanischen Hauptlager, die zu großen Verlusten auf osmanischer Seite geführt haben soll, am Ende aber dank der Überlegenheit der Janitscharen, der schier unüberwindbaren Elite-Einheit des Sultans, zu dessen Gunsten ausging.

Unser Fazit, ohne allzu viel verraten zu wollen: Trotz leichter Abstriche eine gelungene Produktion über die Auseinandersetzung zwischen „David und Goliath“, die durchaus Lust auf mehr bzw. eine weitere Staffel macht.

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Flüchtlinge

Flüchtlinge in NRW: Wie viele Menschen suchen Schutz bei uns?

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

Flüchtlinge in NRW: Wie viele Menschen suchen Schutz bei uns?

Artikel von Sandra Liermann

 Es gab ständig Fliegeralarm, der Flughafen wurde bombardiert, das Internet ist zusammengebrochen. Es herrschten Angst und Panik“, erinnert sich Bogdan Tereschenk an die letzten Tage in seiner Heimatstadt Dnipro. Der 16-jährige Ukrainer lebt seit einigen Monaten in Sankt Augustin.

So wie mehr als 200.000 weitere Menschen ist Bogdan vor dem Krieg in der Ukraine geflohen und in Nordrhein-Westfalen gelandet. Doch nicht nur aus der Ukraine kommen Flüchtlinge nach NRW. In Russland machen sich junge Männer auf den Weg, um einer Einberufung zu entgehen, in Syrien herrscht nach wie vor Bürgerkrieg und auch viele Türken sind wohl wieder auf dem Weg, um der Inflation, die mehr als 80 Prozent beträgt, zu entfliehen.

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Zahl der Flüchtlinge weltweit deutlich gestiegen

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie zurzeit, schreibt das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR): weltweit rund 103 Millionen. Die Zahl umfasst Flüchtlinge, Asylsuchende, Binnenvertriebene und andere schutzbedürftige Menschen. 

Als Flüchtling im juristischen Sinne gelten nur Personen, die sich nach der Genfer Flüchtlingskonvention aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Ethnie, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung außerhalb des Landes befinden, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen. Auf Menschen, die vor Krieg oder Kriegsfolgen fliehen, bezieht sich die Genfer Flüchtlingskonvention nicht explizit. Das UNHCR vertritt jedoch den Standpunkt, auch diese Menschen als Flüchtlinge anzusehen.

Mehr als eine Million Menschen auf der Flucht sind 2022 nach Deutschland gekommen, der Großteil von ihnen aus der Ukraine. Ihre genaue Zahl kann nur geschätzt werden, da sie hierzulande kein Asylverfahren durchlaufen müssen, oft bei Verwandten oder Bekannten unterkommen und sich nicht immer registrieren lassen. In Nordrhein-Westfalen sind etwas mehr als 2000 Geflüchtete aus der Ukraine in Landeseinrichtungen untergebracht, Schätzungen gehen insgesamt jedoch von mehr als 200.000 Ukrainerinnen und Ukrainern aus, die in NRW untergekommen sind.

40 Prozent mehr Asylanträge als vor einem Jahr

Auch aus anderen Ländern haben in diesem Jahr wieder mehr Menschen Schutz in Deutschland gesucht, verglichen mit Ukrainerinnen und Ukrainern sind das aber nicht viele: Bis Ende Oktober gingen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 160.000 Erstanträge auf Asyl ein – dennoch fast 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Antragssteller kamen aus Syrien, gefolgt von Menschen aus Afghanistan und der Türkei. Mehr als 30.000 Anträge wurden in Nordrhein-Westfalen gestellt.

Rund ein Fünftel aller Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, muss das Bundesland Nordrhein-Westfalen aufnehmen. Das legt der sogenannte „Königsteiner Schlüssel“ fest, der die Verteilung von Asylsuchenden auf die verschiedenen Bundesländer regelt. Berücksichtigt werden dafür unter anderem die Bevölkerungszahl sowie die Steuereinnahmen eines Landes.

Wo kommen Geflüchtete in NRW unter?

Wenn Geflüchtete in Nordrhein-Westfalen ankommen, durchlaufen sie ein dreistufiges Verfahren. Zunächst müssen sie sich persönlich in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Bochum (LEA) melden und werden registriert. Nach wenigen Stunden werden sie in eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) gebracht, wo sie medizinisch untersucht werden und ihren Antrag stellen. Nach etwa einer Woche werden Geflüchtete von der Erstaufnahmeeinrichtung in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) gebracht, bis sie nach Erfüllung der sogenannten Wohnsitzverpflichtung einer Stadt oder Gemeinde in NRW zugewiesen werden.

Dass zuletzt wieder mehr Menschen Schutz in Nordrhein-Westfalen gesucht haben, zeigt auch der Anstieg bei den pro Tag gestellten Asylanträge. Während sich deren Zahl in den vergangenen Jahren meist im ein- bis zweistelligen Bereich bewegte – ein markanter Ausreißer ist nur im Frühjahr 2022 zu erkennen, als Geflüchtete aus der Ukraine zeitweise in derselben Statistik erfasst wurden –, gingen zuletzt regelmäßig mehrere hundert Anträge pro Tag ein.

Angesichts des zu erwartenden weiteren Anstiegs will das Land NRW nun kurzfristig Kapazitäten ausbauen und die Zahl der vorhandenen Plätze für die Erstaufnahme von Geflüchteten erhöhen – von rund 26.000 im November 2022 auf 34.000. Im Nachtragshaushalt des Landes wurden dafür zusätzlich 570 Millionen Euro bereitgestellt.

Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat Ministerpräsident Hendrik Wüst von der Bundesregierung jüngst eine dauerhafte Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine gefordert.

Je nach Nationalität werden unterschiedlich viele Schutzsuchende in den nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden untergebracht. Falls bereits Verwandte einer geflüchteten Person in Deutschland wohnen, wird diese mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einer Erstaufnahmeeinrichtung im selben Bundesland zugewiesen. Auch deswegen lassen sich auch regionale Unterschiede erkennen.

Zum Stichtag 31. Dezember 2021 lebten beispielsweise vor allem in den neuen Bundesländern Schutzsuchende aus Russland, während Personen aus dem Kosovo eher in Baden-Württemberg sowie in Nordrhein-Westfalen unterkamen. Auch bei Schutzsuchenden aus dem Iran war eine Häufung in Nordrhein-Westfalen erkennbar.

Wie sich die Zahlen im Jahr 2022 verändert haben, wird derzeit noch untersucht und ausgewertet. Dass sie sich verändert haben, steht allerdings jetzt schon fest: „Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat zu einer der größten Flüchtlingsbewegungen Europas seit Mitte des 20. Jahrhunderts geführt“, wie Katharina Spieß vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) weiß.

Um die Fluchtbewegungen besser zu verstehen, gibt es seit Kurzem ein Forschungsprojekt, mit dem Daten zu den Menschen und ihren Fluchtumständen erhoben werden. Denn: „Erkenntnisse aus den Analysen früher Fluchtbewegungen lassen sich nur teilweise auf die aktuelle Situation übertragen“, erklärt Spieß. 

Unausgewogenes Geschlechterverhältnis unter Schutzsuchenden in NRW

Auch die Familienbeziehungen der Geflüchteten werden in dem Forschungsprojekt des BiB unter die Lupe genommen, vor allem mit Blick auf die große Zahl von Frauen, Kindern und Jugendlichen, die seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine nach Deutschland gekommen sind. Sie dürften das bisherige Geschlechterverhältnis der Schutzsuchenden hierzulande deutlich verschieben.

Bislang gab es unter Schutzsuchenden in Nordrhein-Westfalen einen deutlichen Männerüberschuss – das Verhältnis lag Ende vergangenen Jahres bei 60 zu 40 Prozent. Vor allem unter jungen Erwachsenen war das Verhältnis unausgewogen, in einigen Altersgruppen lebten mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen in Deutschland.

Bis Ende September konnten im Rahmen des BiB-Forschungsprojekts bereits mehr als 10.000 Ukrainerinnen und Ukrainer befragt werden. Mit ersten Ergebnissen ist Anfang 2023 zu rechnen

1 Januar 2023 0 Kommentare
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Güle Güle, Currywurst: Deutschland wird zu Dönerland und Pizzarepublik

von Fremdeninfo 31 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Güle Güle, Currywurst: Deutschland wird zu Dönerland und Pizzarepublik

Von

dtj-online

–

28.12.2022

Ein Imbiss-Mitarbeiter bereitet einen Döner zu. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Pizza und Pasta statt Schnitzel und Wurst: Der Geschmack wird internationaler. Wie sehr Deutschland heute Burgerrepublik Dönerland ist und Jüngere der Currywurst leise Servus sagen, zeigt eine Umfrage.

In vielen deutschen Familien gibt es die Geschichte vom Opa oder Uropa, der als echtes Fleisch nur Schweineschnitzel akzeptierte. Der als Beilage auf Kartoffeln schwor und Nudeln oder Reis für Teufelszeug hielt.

Eine neue Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt, dass bei den Jüngeren in Deutschland ein Sinneswandel stattgefunden hat und beispielsweise die Liebe zur Currywurst oder Bratwurst verloren geht.

In der jungen Generation sind Pizza, Pasta, Döner oder auch Burger als Snacks und Fast-Food-Gerichte weit beliebter als die früher typisch deutschen Schweinefleischmahlzeiten. Während bei den Leuten über 55 noch das deutsche Lokal mit gutbürgerlicher Küche beim Essengehen erste Wahl ist (mit 32 Prozent weit vor italienischer Küche mit 21 Prozent), liegt bei jüngeren Erwachsenen längst die italienische Küche mit Abstand vorne.

„Plumpsküche deutscher Hausfrauen“

Deutschland war lange Zeit das Land der Mehlschwitzengerichte und „Plumpsküche deutscher Hausfrauen“, wie es einst der Gourmet und Gastrokritiker Wolfram Siebeck (1928-2016) verächtlich formulierte. Und viele Jahrzehnte war eine Mehrheit der Deutschen – völlig verzogen vom Nationalismus – internationaler Küche gegenüber geradezu feindlich eingestellt.

Ausländische Restaurants wurden hierzulande sehr skeptisch beäugt. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten in der Bundesrepublik dann erste Balkangrills, die ehemalige Zwangsarbeiter eröffneten, die im Land blieben, oder Flüchtlinge aus dem kommunistisch-autokratischen Jugoslawien von Josip Broz Tito.

Sehnsucht nach dem Süden

In Ost-Berlin als Schaufenster der DDR gab es ab den 1950er-Jahren sechs Nationalitätenrestaurants, allen voran das „Budapest“, in dem zum Beispiel „Hatsizinszelet Udparmestermod“ (Rumpsteak nach Hofmeisterart) serviert wurde. Weitere Bruderstaatenlokale hießen „Warschau“, „Bukarest“, „Moskau“, „Sofia“ und „Café Praha“.

In Westdeutschland etablierten sich ab den 1950er-Jahren die ersten Italiener, sie stillten die enorme Sehnsucht nach dem Süden und brachten deutschen Zungen langsam Pizza und Pasta näher. Das Dolce Vita blieb vielen Deutschen dennoch erstmal verdächtig – ebenso wie Spaghetti, Meeresfrüchte, Crème fraîche oder Espresso.

Gastarbeiter bringen neue Esskultur mit

Ab den 1960er- und 1970er-Jahren kamen in der Restaurantlandschaft Griechen und Türken hinzu. Kurz: Die sogenannten Gastarbeiter brachten auch ihr Essen und ihren (oft besseren) Geschmack in die Bundesrepublik mit.

Ab den 1960er-Jahren waren außerdem Chinarestaurants die erste außereuropäische Gastronomie, die Fuß fassen konnte und nun boomte, anders als noch in der Zwischenkriegszeit, als sie etwa in Berlin als Exotik pur gesehen wurde. Ab den 1980er-Jahren – und verstärkt in den 1990er-Jahren und nach der Jahrtausendwende – boomten dann zum Beispiel auch Japaner und Inder, zunehmend auch Thais und Vietnamesen.

Döner statt Wurst

Parallel zur Etablierung französisch inspirierter Gourmetküche mit ersten Michelin-Sterne-Lokalen wie dem „Tantris“ in München, breitete sich in der Bundesrepublik ab den 1970er-Jahren auch US-Fast-Food aus. Die erste deutsche McDonald’s-Filiale machte 1971 in München auf.

Ab Mitte der 1970er-Jahre setzten sich zudem von Berlin aus Döner-Imbisse durch und machten althergebrachten Wurstbuden Konkurrenz. In den vergangenen Jahren – nicht zuletzt wieder durch Fluchtbewegungen – eröffneten vermehrt Syrer, Araber und Georgier in Deutschland Restaurants. Falafel, Hummus und Co. sind populärer geworden.

Männer essen eher heimisch

Afrikanische Restaurants etwa mit der Küche Ghanas oder Äthiopiens sind dagegen bis heute noch selten in Deutschland. Fragt man in Deutschland repräsentativ alle Erwachsenen, welche Richtung ihnen beim Essengehen am meisten zusagt, siegt wegen der bevölkerungstechnisch dominanten Gruppe der über 55-Jährigen nach wie vor „deutsche/gutbürgerliche Küche“ (26 Prozent) – und zwar vor der italienischen (20 Prozent), griechischen (13) und chinesischen (12).

Den Ausschlag dafür, dass die deutsche Küche auf Platz eins landet, geben die Männer, bei denen sie mit Abstand vor der italienischen liegt (30 zu 16 Prozent). Frauen gehen dagegen lieber italienisch als deutsch essen (24 zu 22 Prozent).

„Heute gab es nochmal Currywurst!“

Fragt man Leute über 55, was ihr liebstes Fast-Food-Gericht sei, liegt Currywurst gleichauf mit Pizza (jeweils 16 Prozent), gefolgt von Döner (12), Bratwurst und Backfisch (je 10). Ein typischer Vertreter der alten Wurstliebhaber scheint CDU-Chef Friedrich Merz zu sein. Der 67-Jährige posierte vor Weihnachten (15.12.) bei Twitter fröhlich mit Wurst und Pommes: „Letzte Sitzungswoche im Bundestag! Heute gab es nochmal Currywurst.“

Bei jüngeren Erwachsenen in Deutschland (18 Jahre bis Mitte vierzig) ist dagegen die Wurstliebe verloren gegangen – Currywurst oder auch Bratwurst landen bei der Umfrage recht weit hinten. Mit Abstand beliebtestes Fast Food ist die Pizza, gefolgt von Döner und Burger.

Im direkten Duell von Currywurst und Döner, wenn die Befragten also einen dieser beiden Klassiker wählen müssen, bevorzugen auch in der Gesamtbevölkerung 45 Prozent den Döner (und 37 Prozent die Currywurst). Je jünger die Befragten, desto größer also die Döner-Liebe. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der steigende Preis des Döners auf diese Liebe auswirken wird.

dpa/dt

31 Dezember 2022 0 Kommentare
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Zuwanderung: Saskia Esken will bessere Willkommenskultur für Fachkräfte

von Fremdeninfo 31 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Zuwanderung: Saskia Esken will bessere Willkommenskultur für Fachkräfte

Von Die Zeit

Ohne Zuwanderung droht Deutschland Mangel an Fachkräften. Deutschland solle von der Einwanderungs- zur Integrationsgesellschaft werden, fordert die SPD-Vorsitzende.

Saskia Esken, SPD-Vorsitzende, im Gespräch mit Journalisten © Wolfgang Kumm/​dpa

SPD-Chefin Saskia Esken fordert angesichts des Fachkräftemangels eine Integrationsoffensive. „Wenn meine Generation, also die Boomer-Generation, in Rente geht, entsteht wirklich ein Problem. Daher müssen wir Zuwanderung verstärken – und dafür sorgen, dass Integration gelingt“, sagte Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir brauchen eine verbesserte Willkommenskultur. Wir sprechen von Fachkräftezuwanderung, aber es kommen Menschen. Wir müssen von der Einwanderungs- zur Integrationsgesellschaft werden.“

Mehr zum Thema: Fachkräftemangel

Migration: So will sich Deutschland für Einwanderer attraktiv machen

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Indische Fachkräfte: Gekommen, um Wurst zu wiegen

Integration sei viel mehr eine Leistung der Gesellschaft als des Zuwanderers, sagte Esken. „Natürlich muss der oder die Einzelne bereit sein, Teil unserer Gesellschaft zu werden. Aber wir als Gesellschaft müssen auch offen dafür sein, Menschen aufzunehmen und sie bei ihrer Integration nach Kräften zu unterstützen.“ Klassische Einwanderungsländer wie Kanada würden das tun – auch mit einer schnellen Vergabe der Staatsbürgerschaft. Die deutsche Staatsbürgerschaft sei „essenzieller Bestandteil der Integration“.

Ganze Familie soll integriert werden

Die Menschen, die nach Deutschland kommen, „sollen uns als Arbeitsmarkt und als Gesellschaft aufnahmebereit finden“, forderte die SPD-Vorsitzende. Sie suchten nicht nur Arbeit, sondern eine Heimat für sich und ihre Familie. Daher müsse Ziel der Integrationsleistung die Familie als Ganzes sein.

Von entscheidender Bedeutung sei dabei das Bildungssystem. Deutschland brauche „besser ausgestattete Kitas und Schulen mit mehr Ganztagsbetrieb – zur Stärkung der Sprachkompetenz und für die bestmögliche Förderung aller Kinder“, sagte die SPD-Chefin. Bildungschancen hingen in Deutschland immer noch zu stark vom Elternhaus ab. Selbst in zweiter und dritter Generation seien Kinder mit Migrationshintergrund im Nachteil.

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Nötig seien auch Veränderungen in der Arbeitswelt. Gerade in Mangelberufen wie der Pflege „müssen wir Arbeitsbedingungen und Bezahlung verbessern und die Tarifbindung deutlich erhöhen“, sagte Esken. Auch sei Deutschland zu bürokratisch bei der Anerkennung beruflicher Kompetenzen und Abschlüsse. „Wenn wir wollen, dass Integration nachhaltig gelingt, dann müssen wir da ran.“

91

„Klassische Einwanderungsländer wie Kanada würden das tun – auch mit einer schnellen Vergabe der Staatsbürgerschaft.“

Klassische Einwanderungsländer wie Kanada haben vor allem ein Punktesystem, welches sicherstellt, dass diejenigen, die einwandern, auch einen wirtschaftlichen Gewinn für Kanada darstellen. Seltsamerweise vergisst Frau Esken diesen Teil.

Wenn Deutschland endlich einmal ein Punktesystem einführen würde, dass auch wirklich nur Qualifizierte einwandern lässt, wäre die Situation mit Kanada vergleichbar, vorher nicht.
Nur wird man dann feststellen, dass Deutschland für wirklich Qualifizierte aufgrund der hohen Abzüge auf Arbeitseinkommen eher unattraktiv ist, im Vergleich zu Kanada, USA oder Schweiz.

Zudem nimmt Deutschland derzeit sowieso jeden Menschen per Asyl auf, der es irgendwie an unsere Grenze schafft und lässt diesen dann fast immer de facto unbegrenzt bleiben, weil kaum abgeschoben wird.
Es wird inzwischen (wurde vor kurzem eingeführt) ja nicht einmal überprüft, ob der Asylgrund (wenn er denn einmal vorlag) nach einer gewissen Zeit überhaupt noch fortbesteht.
Damit wird ein mögliches Einwanderungsrecht in Deutschland sowieso ad absurdum geführt.

4

Übrigens verzeichnet Deutschland jedes Jahr eine nicht unerhebliche Netto (!)-Abwanderung von hochqualifizierten Deutschen.

„die Deutschen, die auswandern, sind in der Mehrheit hoch qualifizierte Fachkräfte: Fast drei Viertel von ihnen haben ein Studium abgeschlossen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).“
„Knapp 1,8 Millionen deutsche Staatsangehörige sind laut BiB im vergangenen Jahrzehnt ins Ausland umgezogen. Etwa 1,3 Millionen Menschen kamen zurück.“.

Macht im Schnitt also 50.000 überwiegend hochqualifizierte Deutsche die netto (!) jedes Jahr das Land verlassen.
Vielleicht sollte die deutsche Politik lieber daran arbeiten, hochqualifizierte Deutsche im Land zu behalten.

Alles leere Worte, so lange wir international nicht wettbewerbsfähig sind. Um das auch nur ansatzweise zu werden, müssten Steuern und vor allem Sozialabgaben massivst gesenkt werden. Wir sind wegen Faktoren wie Sprache oder Wetter ohnehin nicht sehr weit oben auf der Beliebtheitsskala, wenn dann noch die wirtschaftlichen Rahmendaten völlig neben der Spur liegen, braucht man sich um solche Dinge keinerlei Sorgen zu machen.

Wir müssten in der Liste uns mal mindestens Richtung OSZE Durchschnitt bewegen, damit in Sachen sinnvoller Zuwanderung sich irgendwas bewegt. Leider absolut illusorisch.

Sie würden also sagen, dass Länder wie Schweden, Italien, Österreich, Frankreich und so weiter für Einwanderer aufgrund ihrer hohen ebenfalls hohen Steuern unattraktiv sind?

Es soll ja durchaus Leute aus den USA geben, die gerne nach Europa (auch Deutschland) kommen, weil sie das Sozialsystem und die Allgemeine KRankenversicherung sehr schätzen.

Diese Dinge haben eben ihren Preis.

Deutschland müsste andere Dinge besser machen als die Steuergesetzgebung.

Vor allem wäre es Hilfreich, dieses Land nicht an allen Ecken und Enden schlecht zu reden.

Deutschland ist eines der Erfolgreichsten Länder desPlaneten.

Wenn wir aufhören würden, uns dafür zu schämen, sondern diese Stärken ausbauen und auch anderen ermöglichen würden, dann hätten wir in Sachen Einwanderung schonmal viel gewonnen.

Da in einige Regionen in Deutschland so gut wie keine Ärztin und kein Lehrer mehr geht, wird sich die Einstellung zu Migration sehr wohl schnell wandeln

31 Dezember 2022 0 Kommentare
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