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Archive

Bei der Migration ist die Union ein Phantom

von Fremdeninfo 26 Januar 2023
von Fremdeninfo

Bei der Migration ist die Union ein Phantom

Artikel von RP ONLIN

Wie können mehr abgelehnte Asylbewerber zurückgebracht werden? Soll die EU Milliarden für Grenzanlagen ausgeben? Erneut drehen sich Treffen von EU-Verantwortlichen um Fragen wie diese. Die gemeinsamen Antworten lassen weiter auf sich warten.

 

 

EU-Rückkehr-Koordinatorin Mari Juritsch (links) und EU-Innenkommissarin Ylva Johansson vor der Presse in Brüssel. © Virginia Mayo

 

 Migration kennt sich Europa seit gut anderthalb Jahrtausenden aus – seit die Goten nach Italien wanderten, die Franken nach Gallien, die Vandalen nach Nordafrika, die Angeln und Sachsen nach Britannien. Vieles, was heute als historische Quelle nationaler Identität gilt, hat seine Wurzeln außerhalb der jetzigen Grenzen. Und doch tut sich die Europäische Union immens schwer damit, als integrierende politische Einheit zu einer gemeinsamen Migrationspolitik zu finden.

Der Asyldruck von 2015 traf die EU weitgehend unvorbereitet. Fünf Jahre später legte die EU-Kommission ein umfassendes Reformpaket vor, das in sich schlüssig die illegale Migration in den Griff bekommen sollte. Zwei Jahre danach nahm der Druck erneut zu. Er wurde verstärkt durch den russischen Angriff auf die Ukraine, speiste sich aber erneut auch aus zunehmenden Flüchtlingszahlen über das Mittelmeer und die Balkanroute. Ende November trafen sich die EU-Innenminister zu einer Sondersitzung, die die Entschlossenheit zum gemeinsamen Handeln unterstreichen sollte. Heraus kam – nichts.

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Und auch das informelle Treffen an diesem Donnerstag in Stockholm war schon im Vorfeld mit einer herabgestuften Erwartung verbunden worden: Keine Beschlüsse. So richten sich die Blicke nun auf die Staats- und Regierungschefs, die übernächste Woche in Brüssel zu einem Migrations-Sondergipfel zusammentreten wollen. Vorsorglich hat jedoch die schwedische Ratspräsidentschaft schon einmal darauf hingewiesen, dass der Fahrplan zur Einigung bei der Migration Bestand habe. Danach will man sich bis Frühjahr 2024 in allen Punkten verständigt haben. Somit steht es schlecht für einen Durchbruch ein Jahr früher.

Dabei liegen alle Lösungen auf dem Tisch: Alle Ankömmlinge an den Außengrenzen binnen fünf Tagen „screenen“, also Identität, Gesundheit und Herkunft klären, die Asylberechtigung von Menschen aus vergleichsweise sicheren Ländern beschleunigt prüfen, unberechtigt Eingereiste in Kooperation mit den Ursprungsländern zügig zurückbringen, die Wege der Migranten durch Datenaustausch für alle EU-Staaten transparent machen. EU-Länder unterstützen, die Aufnahmen oder Abschiebungen übernehmen. Das war das grob umrissene Raster seit zwei Jahrzehnten, so soll es verfeinerter und verlässlicher so bald wie möglich Realität werden. Und doch gelingt es nicht.

Das hängt mit der in Teilen berechtigten Furcht zusammen, mit offensiver oder auch nur so scheinender Migrationspolitik Wahlen verlieren und Populisten stärken zu können. Doch erstmals seit 2015 hat sich wegen der Corona-Pandemie und des Energiepreisdebakels durch den russischen

Angriffskrieg das Gefühl in der EU breit gemacht, dass sich Krisen durch besseres Zusammenwirken leichter lösen lassen. Noch ist die gelebte Union bei der Migration nicht mehr als ein Phantom. Wenn es zupackende Regierungschefs, Kommissare und Parlamentarier mit Überzeugungskraft gäbe, könnte die EU zu einem „Wir schaffen das“ kommen. Die sind bislang jedoch nicht sichtbar geworden

26 Januar 2023 0 Kommentare
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Information

Die Alevitische Union Europa heißt Erdogan nicht willkommen!

von Fremdeninfo 25 Januar 2023
von Fremdeninfo

AVRUPA ALEVİ BİRLİKLERİ KONFEDERASYONU – A.A.B.K.
ALEVITISCHE UNION EUROPA e.V.
Stolbergerstr. 317 | 50933 Köln
aabk@alevi.com | www.alevi.com
1/ 2
Die Alevitische Union Europa heißt Erdogan nicht willkommen!
Der türkische Diktator Recep Tayyip Erdogan hat vor wenigen Tagen verkündet, dass die
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei am 14. Mai 2023 stattfinden sollen. Prompt
tritt er eine Reise nach Deutschland an. Am 27. Januar 2023 soll es in Berlin zu einem Treffen mit
Bundeskanzler Olaf Scholz kommen. Wir wissen jedoch, dass der Hauptzweck dieser Reise darin
besteht, dass Erdogan für seine AKP-Regierung hier Wahlpropaganda betreiben kann. Denn in
Deutschland wurden im Jahr 2018 mehr als als 1,4 Millionen wahlberechtigte türkische Bürger und
Bürgerinnen gezählt.
Die AKP-Regierung unter Erdogan wandelt die Türkei in einen totalitären Staat um. Minderheiten und
Oppositionelle werden verfolgt und sind zahlreichen Repressionen ausgesetzt. Journalisten, Politiker,
Akademiker, Vereinsvorstände und Mitglieder von alevitischen Gemeinden,
Menschenrechtsaktivisten und viele mehr werden verhaftet. Dabei müssen sie teilweise jahrelang in
Haft auf einen Prozess warten.
Mit diktatorischen Methoden hat Erdogan die gesamte Staatsgewalt an sich gerissen und die
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei de facto aufgehoben. Schwere
Menschenrechtsverletzungen sind in der Türkei an der Tagesordnung.
Auch wir Aleviten sind mehr denn je der Hass- und Gewaltpolitik der AKP ausgesetzt. So wird
beispielsweise einem Politiker das Recht abgesprochen für das Amt des Präsidenten zu kandidieren,
weil er Alevite sei. Um seine Kandidatur zu verhindern, wird eine aggressive Hetze gegen Aleviten
betrieben. Dabei wurden wir Aleviten bereits im ersten Jahrhundert der Republik nicht als
gleichberechtigte Bürger anerkannt, im zweiten Jahrhundert sollen wir vollständig entwurzelt und
das Alevitentum zerstört werden. Mit einem Präsidialdekret, dem „Sackgesetz“, hat die von Erdogan
geführte AKP-Regierung die Errichtung eines „Alevitisch-Bektaschi-Kultur und Cemevi-Präsidiums“
beschlossen und für sich eine Rechtsgrundlage geschaffen, um ihr Assimilierungs- und
Zerstörungsbestreben des Alevitentums ungehindert durchzuführen. Das „Sackgesetz“ wurde in
einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der symbolträchtigen Nacht zum 9. November erlassen. Der 9.
November steht in den Geschichtsbüchern für Gewalt, Hass und Zerstörungswut an den Juden und
dem Judentum. Mit diesem „Sackgesetz“ leugnet die AKP nicht nur das Alevitentum und die
alevitische Identität, sondern sie definiert das Alevitentum nach ihrer eigenen Vorstellung. Das
Alevitentum wird zu einem kulturellen Element der sunnitischen Tradition degradiert und unser
Glaube und unsere Identität beleidigt. Das Alevitentum soll vollständig ausgelöscht werden.
Alevitische Funktionsträger wurden in der Türkei bei einer friedlichen Kundgebung gegen das
Sackgesetz durch die türkische Polizei tätlich angegriffen. In unserer Trauer- und Fastenzeit im Monat
Muharrem sowie während Gedenktagen zum Maras Pogrom fanden zahlreiche Angriffe auf unsere
Cemhäuser in der Türkei und in Deutschland statt. Am 2. Juli 2023 jährt sich das Sivas-Pogrom zum
30. Mal, ohne das bis heute eine ordentliche Aufklärung und Verfolgung stattgefunden hat.
Gemeinsam mit den Opfern und Hinterbliebenen kämpfen wir bis heute um Gerechtigkeit. Anstatt
Gerechtigkeit zu erfahren, müssen wir heute mit weiteren Einschränkungen von unseren
Grundrechten und Freiheiten sowie Gewalt gegen uns rechnen.
In der letzten Zeit haben in der Türkei die Repressionen auf politische Gegner, Minderheiten und
Andersdenkende sich drastisch verstärkt. Die Menschen flüchten aus der Türkei. Viele kommen nach
Deutschland.
Nicht nur hierdurch wirkt die diktatorische Politik des Erdogan-Regimes bis nach Deutschland. Die
DITIB betreibt in ihren Moscheen in Deutschland Kriegs- und Wahlpropaganda für Erdogan und die
AKP. Außerdem nimmt die AKP durch ihren europäischen Ableger, die UETD, Einfluss auf die
Medienlandschaft, Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland. Bei einem Auftritt in Nordrhein-
Westfalen hat ein AKP-Politiker vor ein paar Tagen mit der „Vernichtung“ von politischen Gegnern in
Deutschland gedroht und zum Völkermord aufgerufen.
Wir sind der Meinung, Erdogan, der in der Türkei für solch schwere Ungerechtigkeiten und
Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist und Hass und Gewalt auch über die Grenzen der
Türkei hinaus verbreitet, darf in Deutschland nicht willkommen geheißen werden.
Wir sind der Meinung, die deutsche Regierung darf sich nicht an den Vergehen von Erdogan
mitschuldig machen.
Mit unserer Kundgebung in Bochum am 17. März 2012 haben wir begonnen, Erdogan, jedes Mal
wenn er nach Europa gekommen ist, entgegenzutreten und gegen seine menschenverachtende
Politik zu protestieren. Auch am 27. Januar 2023 in Berlin werden wir ihm entgegentreten. Solange
seine Ungerechtigkeiten andauern, werden wir unseren berechtigten Protest fortsetzen.
Wir wollen, dass die Türkei ein unabhängiger, laizistischer und demokratischer Rechtsstaat wird.
Wir wollen, dass jeder Mensch unabhängig seiner ethnischen und religiösen Herkunft sowie seines
Geschlechts, sexuellen Neigung und politischen Haltung frei leben kann. Wir wollen, dass die
Menschenrechte und Freiheiten von allen Menschen geachtet werden.
Wir solidarisieren uns mit den Menschen in der Türkei und wollen deutliche Signale gegen die
Angstherrschaft der Diktators Erdogan setzen.
Wir heißen einen Diktator, der die Demokratie und Rechtstaatlichkeit nicht anerkennt und seine
Kritiker und Minderheiten verhaften und einsperren lässt, nicht willkommen.
Wir fordern, Erdogans Politik der Intoleranz und Unmenschlichkeit darf in Deutschland keine
Zustimmung erfahren.
Wir fordern, Deutschland darf Erdogan kein Raum gegeben werden, wo er die Menschen weiter
spalten und Hass und Gewalt verbreiten kann.
Daher ruft die Alevitische Union Europa zur Kundgebung gegen den Besuch von Erdogan auf.
Wir treten am Freitag, den 27. Januar 2023 in Berlin vor dem Bundeskanzleramt um 13:00 Uhr
Erdogan entgegen und werden ihm zurufen: Erdogan, du und deine diktatorische Machtpolitik seid
hier nicht willkommen.
Köln, den 24.01.2023
Kontakt für Fragen und weitere Informationen:
Alevitische Union Europa e.V.
E-Mail: aabk@alevi.com

25 Januar 2023 0 Kommentare
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Antisemitismus

Mehr Fortschritt wagen heißt auch mehr Antidiskriminierung wagen!

von Fremdeninfo 25 Januar 2023
von Fremdeninfo

Mehr Fortschritt wagen heißt auch mehr Antidiskriminierung wagen!

 

Bundeskonferenz der Migratenorganitioen

Pressekontakt:
info@bk-mo.de
030 896 83 81 0
Pressemeldung
Mehr Fortschritt wagen heißt auch mehr Antidiskriminierung wagen!
Berlin, 25.01.23.
Über 100 Organisationen, darunter die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen
(BKMO), haben heute gemeinsam als zivilgesellschaftliches Bündnis „AGG Reform-Jetzt!“ eine
Stellungnahme und umfassende Ergänzungsliste mit 11 zentralen Forderungen vorgestellt und
werden beides an die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung übergeben.
Die Ampel-Koalition hat im Koalitionsvertrag eine Reform des Allgemeinen
Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) angekündigt. Bisher liegt aber nicht einmal ein
Eckpunktepapier seitens des federführenden Bundesministeriums der Justiz vor. Eine Reform
ist aber längst überfällig.
In 16 Jahren Praxiserfahrung sind die Schwächen des AGGs weitgehend bekannt: Das Gesetz
schützt nicht alle Betroffene von Diskriminierung.  Die  Erweiterung der
Diskriminierungskategorien beispielsweise um Sozialer Status, Familiäre Fürsorgeplichten,
Körpergewicht und Sprache ist daher dringend notwendig.
Um dem Ziel eines fortschrittlichen Antidiskriminierungsrechts näher zu kommen und die
Reformbestrebungen der Bundesregierung kritisch zu begleiten, hat der
Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) eine umfassende Ergänzungsliste zum AGG
sowie eine von 100 Organisationen unterzeichnete Stellungnahme koordiniert. Hieraus hat sich
nun das Bündnis „AGG Reform-Jetzt!“ gegründet, das die langjährige Expertise im
Diskriminierungsschutz von einem breiten thematischen sowie communitybasierten Spektrum
an zivilgesellschaftlichen Organisationen bündelt.
Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen unterstützt ausdrücklich die
Forderungen des advd. Susanna Steinbach, Vertreterin der BKMO, dazu: „Jede einzelne Person
kann potentiell von Diskriminierung betroffen sein. Das AGG in seiner jetzigen Form ist allerdings
unzureichend, um ausreichend Schutz gegen Diskriminierung zu gewährleisten. Es muss
dringend überarbeitet und beispielsweise auf alle Lebensbereiche erweitert werden. Wenn eine
Person in der Schule oder von der Polizei diskriminierend behandelt wird, hat sie bislang nichts
in der Hand. Schutzlücken müssen daher geschlossen werden, Betroffenen ein starker
Rechtsschutz zur Verfügung stehen.“
Hier finden Sie weitere Informationen zur BKMO, die Stellungn26% der Menschen in Deutschland haben Migrationsgeschichte und brauchen eine Stimme: Die
Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) ist ein Zusammenschluss von über 70
Migrant*innenorganisationen mit dem bundespolitischen Anspruch, als Ansprechpartner von
Bundestag und Bundesregierung politische Impulse zu setzen und zu einer zukunftsgewandten, alle
umfassenden und teilhabeorientierten Politik beizutragen. www.bundeskonferenz-mo.de
Der Vertreter*innenrat der BKMO
Michael AlliMadi, Panafrikanische Organisation | Dr. Rubén Cárdenas Carbajal, Dachverband der
Migrantenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst) | Ehsan Djafari, Iranische Gemeinde in
Deutschland | Adetoun Küppers-Adebisi, AFROTAK TV cyberNomads | Mamad Mohamad,
Landesnetzwerk Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt (LAMSA) | Marianne Ballé
Moudoumbou, Pan African Women’s Empowerment and Liberation Organisation – PAWLO
Masoso Germany | Galina Ortmann, Bundesverband interkultureller Frauen (BIFeV) | Nursemin
Sönmez, neue deutsche organisationen | Susanna Steinbach, Türkische Gemeinde in Deutschland
| Anastasia Sudzilovskaya, Bundesverband russischsprachiger Eltern (BVRE) | Karen Tahme und die Ergänzungslist

25 Januar 2023 0 Kommentare
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Information

In der Demokratie leben, aber für eine Diktatur stimmen?

von Fremdeninfo 24 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

In der Demokratie leben, aber für eine Diktatur stimmen?

Von

dtj-online

 

 
 
 
 
 
Deutsche Behörden forschen nach türkischem Zweitpass“
Eine Studentin hält einen türkischen Pass (l) und einen deutschen Reisepass in der Hand. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Ein Meinungsbeitrag von Ercan Karakoyun*

Die Gesellschaft in der Türkei ist polarisiert und tief gespalten.

In Deutschland leben Menschen überwiegend friedlich zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Friesen und Sachsen, Berliner und Bayern, Rheinländer und Westfalen, Katholiken und Protestanten, Juden und Muslime, Agnostiker und Atheisten, Italiener und Inder. Ein ausgewogenes Grundgesetz hält zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört. Die freie Meinungsäußerung ist gesichert. Jeder kann jeden kritisieren, ohne dass man sich gleich den Schädel einschlägt.

Ach ja, und dann gibt es noch uns „Türken“:

Die Entwicklung in Erdoğans Türkei – und das Wahlrecht vieler Deutsch-Türken in beiden Ländern – stellt uns vor spannende Fragen:

Ist es nicht ein Widerspruch, wenn man in einer Demokratie lebt, aber für eine Diktatur stimmt? Kann man eine Politik unterstützen, die in der Türkei Rechte verbietet, die man hier für sich einfordert oder zumindest gern in Anspruch nimmt? Sind Auseinandersetzungen zwischen Kurden und AKP-Anhängern ein „türkischer Konflikt“, auch wenn sie in Deutschland ausgetragen werden? Und darf die in der Türkei übliche Verfolgung Andersdenkender in Deutschland fortgeführt werden?

Missverständnisse und Irritationen schüren Ängste und Aggressionen

Soziale Vielfalt ist eine Herausforderung. Natürlich kommt es bei großer Unterschiedlichkeit – egal in welchem System – schnell mal zu Reibungen. Missverständnisse und Irritationen führen zu Ängsten und Aggressionen.

In Deutschland legen Gesetze die Spielregeln fest, um für Gerechtigkeit und einen transparenten Ausgleich der Interessen zu sorgen. Staatliche Organe und Gewaltenteilung stellen sicher, dass es verbindliche Kriterien zur Konfliktlösung gibt. Jeder und jede hat die gleichen Rechte und Pflichten. Alle sind vor dem Gesetz gleich. Wer die Freiheiten anderer eingrenzt, wird bestraft.

In der Türkei ist das etwas anders. Hier wird Vielfalt nicht gestärkt und befriedet. Hier wird Gleichförmigkeit verordnet. Wer anderer Meinung als die Regierung wird verfolgt. Wer Oppositionelle denunziert, wird belohnt. In vielen Bereichen der Türkei gilt das Faustrecht; es gibt Vogelfreie, für die selbst die grundsätzlichen Menschenrechte keine Geltung besitzen.

Wir – selbst so vielfältigen – Deutsch-Türk*innen stehen vor grundsätzlichen demokratischen Fragen: Bin ich Deutsche*r und verhalte mich gemäß meiner demokratischen Werte immer und überall gleich, was bedeutet, dass ich in der Türkei als Verräter*in verfolgt werde? Oder bin ich Türk*in und verhalte mich auch jenseits der Türke gemäß der despotischen Regeln, schon allein, um dort lebende Angehörige nicht zu gefährden?

Zerreißprobe für die innersten und tiefsten persönlichen Werte

Solche Fragen sind eine Zerreißprobe für die innersten und tiefsten persönlichen Werte. Es sind Gewissensfragen, die sich die meisten Deutsch-Deutschen nicht (oder nicht mehr) stellen. Aber sie könnten sich fragen, wie sie bei dieser Diskussion mitwirken können. Sie müssen sich fragen, ob sie sich „raushalten“ aus den teilweise erbitterten Streitereien der türkischen Exilant*innen oder ob es nicht ihre demokratische Pflicht ist, sich schlichtend, vermittelnd und vor allem die Opfer schützend einzumischen.

„Einmischen“ – schon das Wort signalisiert, dass es darum geht, Homogenität aufzulösen, Vielfalt zu vergrößern oder mehr noch: die bereits bestehende Vielfalt als eigene Realität zu akzeptieren. Nach der Generation der sogenannten „Gastarbeiter“ sind wir „Deutsch-Türken“ nämlich längst fester Bestandteil der Gesellschaft geworden.

Wir leben in allen Orten und arbeiten in nahezu allen Branchen. Wir passen gut nach Deutschland, heißt es gern; aber manchmal heißt es auch das Gegenteil. Und es stimmt irgendwie beides, weil es „den Türken“ ebenso wenig gibt wie „den Deutschen“. Weil sich jede soziale Gruppe, egal wie groß oder klein, sich stets ändert, wächst oder schrumpft und nicht mal in sich selbst kongruent ist. Und weil in der Bevölkerung Deutschlands inzwischen mehr als jeder Vierte „Migrationshintergrund“ hat und sich die 20 Millionen Menschen in der vermeintlichen Minderheit genauso wenig wie die 60 Millionen der deutsch-deutschen Mehrheitsgesellschaft nun mal nicht über einen Kamm scheren lassen. Im Gegenteil: Es lassen sich jenseits nationalstaatlicher oder rassistischer Kategorien nämlich gänzlich andere Milieus und Gruppierungen herausfiltern: demokratische oder anti-demokratische zum Beispiel.

Die demokratische Ordnung in Deutschland ist keine Momentaufnahme. Sie ist historisch gewachsen. Und sie kann durch geordnete Prozesse weiterentwickelt werden. Demokratie heißt auch, dass Mehrheiten wechseln, aber die Rechte der Minderheiten immer gewahrt bleiben müssen.

Information und Austausch als Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander

Voraussetzung dafür, dass das alles funktioniert, sind Information und Austausch. Wenn wir voneinander wissen, verstehen wir uns besser. Information ist der Kitt in einer sich wandelnden Gesellschaft. Sie vermittelt Verständigung. Damit aus dem freien Spiel der kulturellen Kräfte kein Kampf der Kulturen wird, brauchen wir diesen Dialog.

Dieser Dialog muss allerdings vielschichtig sein: Wir brauchen einen funktionierenden Dialog der Religionen. Wir brauchen einen Dialog zwischen den Kulturen, Dialog zwischen den Ethnien, Dialog zwischen den Milieus. Wir brauchen nicht nur interreligiösen, sondern auch intra-religiöse Dialoge. Auch unter den Türkeistämmigen brauchen wir eine Vielzahl an Dialogen. Dass der derzeit nahezu unmöglich ist, erhöht deren Wichtigkeit.

Wir brauchen innerdemokratische Dialoge, aber auch Dialoge zwischen Demokraten und Anti-Demokraten – und zwar egal welcher Herkunft. Der Neonazi aus Dresden ahnt vermutlich nicht, was ihn mit dem Erdoğan-Anhänger in Wuppertal verbindet; und die Klimaschützerin aus der Lausitz hat eventuell mehr mit der Muslima in Offenbach gemein als sie denkt.

Kurz: Dialog, also Austausch auf Augenhöhe, muss alle gesellschaftlichen Ebenen umspannen. Und die Frage „In einer Demokratie leben, aber für eine Diktatur stimmen?“ ist genauso wichtig sein wie die Frage „Für Demokratie sein, aber anti-demokratisches Verhalten ignorieren?“

**********************

Ercan Karakoyun wurde 1980 in Schwerte geboren und hat dort bis zu seinem Abitur gelebt. Im Rahmen eines Stipendiums der Friedrich-Ebert-Stiftung schloss er sein Studium der Raumplanung an der Universität Dortmund mit dem Schwerpunkt Stadtsoziologie ab. Seit der Gründung der Stiftung Dialog und Bildung im November 2013 ist Karakoyun ihr Vorsitzender. Die Stiftung informiert über die Ursprünge, die Entwicklung und die Aktivitäten der Hizmet-Bewegung in Deutschland sowie über die Ideen und die Arbeit Fethullah Gülens. Mehr zu Karakoyun erfahren Sie hier.

24 Januar 2023 0 Kommentare
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Schwesig zu Pascha-Aussage von Merz: „Das löst gar keine Probleme“

von Fremdeninfo 22 Januar 2023
von Fremdeninfo

olitik

Schwesig zu Pascha-Aussage von Merz: „Das löst gar keine Probleme“

Von

dtj-online

–

=“Schwesig dankt ehrenamtlichen Ukraine-Helfern“
Archivfoto: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht mit einem Journalisten. Foto: Stefan Sauer/dpa

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat die Pascha-Aussage von CDU-Chef Friedrich Merz deutlich kritisiert.

„Wenn die CDU meint, sie muss jetzt in diese Richtung gehen, Migrantinnen und Migranten pauschal zu beschimpfen, dann hat Herr Merz und die CDU ein Problem“, sagte die SPD-Politikerin am Freitag in Greifswald. Merz betreibe auf dem Rücken von Menschen mit Migrationshintergrund Parteiprofilierung.

Im Kontext der Krawalle in der Silvesternacht hatte Merz am Dienstagabend in der Talkshow „Markus Lanz“ über den Umgang mit Lehrerinnen und Lehrern gesagt: „Und dann wollen sie diese Kinder zur Ordnung rufen und die Folge ist, dass die Väter in den Schulen erscheinen und sich das verbitten. Insbesondere, wenn es sich um Lehrerinnen handelt, dass sie ihre Söhne, die kleinen Paschas, da mal etwas zurechtweisen.“

Regeln für alle, aber keine pauschalen Verurteilungen

Schwesig sagte, die große Mehrheit von Menschen aus anderen Ländern wolle sich in Deutschland auch einbringen: „Wir brauchen Fachkräfte.“ Gleichzeitig sei völlig klar, dass sich alle, egal ob aus dem Ausland oder nicht, an die Regeln zu halten hätten. Es sei wichtig, klare Grenzen zu ziehen, wenn es um Regelverletzungen gehe. Gleichzeitig dürften solche Situationen aber nicht benutzt werden, alle pauschal zu verurteilen. „Das bringt überhaupt gar nichts und das löst schon gar keine Probleme.“

Merz hatte seine Aussage am Freitag verteidigt. Es sei notwendig, darüber zu reden, was hierzulande eigentlich schieflaufe, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin“. Lehrerinnen und Lehrer hätten in den Schulen oftmals das Problem, anerkannt zu werden von den Schülern – wobei es sich oftmals um Schüler aus muslimischen Migrantenfamilien handele.

dpa/dtj

22 Januar 2023 0 Kommentare
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Brisante Erdogan-Wahl: Kann man 2023 in der Türkei überhaupt sicher Urlaub machen?

von Fremdeninfo 21 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

 

Brisante Erdogan-Wahl: Kann man 2023 in der Türkei überhaupt sicher Urlaub machen?

Artikel von Anika Zuschke

 

 

Die Stadt Istanbul und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei. © Christoph Soeder/dpa/imago/Montage

Brisante Erdogan-Wahl: Kann man 2023 in der Türkei überhaupt sicher Urlaub machen?

Die Türkei gilt als eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Doch kann man dort 2023 mit Blick auf die Präsidentschaftswahl sicher Urlaub machen?

Ankara – Nach zwei anstrengenden Corona-Jahren und dem vom Ukraine-Krieg und der Inflation geplagten Jahr 2022 stehen die Sterne für Reiseliebhaber 2023 endlich wieder etwas besser. Als eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen gilt dabei seit Jahren schon die Türkei – denn das Land hat neben historischen Bauwerken und leckerem Essen auch wunderschöne Sandstrände und vergleichsweise günstige Pauschalreisen zu bieten.

Doch ist es in der Türkei insbesondere seit 2015 immer wieder zu terroristischen Anschlägen gekommen. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Sommer dieses Jahres drängt sich deswegen die Frage auf: Ist es sicher, 2023 in der Türkei Urlaub zu machen?

Türkei Wahlen 2023: Sorgt Erdoğan für Unruhen im Land – und wie wirkt sich das auf den Tourismus aus?

Spätestens im Sommer 2023 wird in der Türkei ein neues Parlament und der Präsident gewählt. Eigentlich sollen die Wahlen mitte Juni dieses Jahres abgehalten werden, doch brachte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nun vermehrt den 14. Mai als früheren Präsidentschaftswahltermin ins Spiel. Grund dafür ist laut dem Türkei-Experten Udo Steinbach: „Je später die Wahl stattfindet, umso größer das Risiko für Erdoğan“, so der Islamwissenschaftler und ehemalige Leiter des Deutschen Orient-Instituts im Gespräch mit dem Focus.

Denn für den türkischen Präsidenten steht mit der Wahl 2023 einiges auf dem Spiel. Er möchte zum dritten Mal als Kandidat für das Präsidentenamt antreten, obwohl ein türkischer Staatspräsident laut der Verfassung nur zweimal in Folge gewählt werden kann. Schon aus dem Grund wird eine Wiederwahl für Erdoğan eine Herausforderung – darüber hinaus befindet sich die Türkei in einer tiefen Wirtschaftskrise, 2022 lag die Inflationsrate immer wieder deutlich über 80 Prozent.

Den Wahlen wird in der Türkei demnach mit Anspannung entgegengeblickt – doch wirkt sich das auch auf touristische Besuche aus?

Türkei Urlaub 2023 buchen oder besser nicht: Kann man zurzeit in der Türkei Urlaub machen?

Mit diesem Thema hat sich der Reisefrühwarn- und Informationsspezialist A3M auseinandergesetzt, der alle Länder der Welt nach ihrem Reiserisiko bewertet. In die Einschätzung fließen unter anderem die Faktoren der Ein- und Ausreise, der Infrastruktur, das Infektionsrisiko, Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte in dem entsprechenden Land mit ein. Die Türkei schneidet dabei eher mittelmäßig ab: Laut A3M herrscht in dem Land im Mittleren Osten nämlich ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.

as lässt sich demnach auf eine hohe Kriminalität sowie gewaltsame Proteste und Umweltkatastrophen pinnen, die in der Türkei für eine angespannte Sicherheitslage sorgen würden. Reisende sollten sich A3M zufolge deswegen vorab beim Auswärtigen Amt (AA) über die aktuelle Lage informieren und bei einer etwaigen Reise vor Ort vorsichtig sein.

Türkei News: Reisefrühwarnspezialist gibt mit Blick auf die Wahl 2023 Entwarnung für Urlaub

Auf die Präsidentschaftswahl 2023 bezogen, gibt der Reisefrühwarnspezialist aber Entwarnung. Denn für Touristen, Geschäftsreisende, Veranstalter und Unternehmen wird das Wahlergebnis demnach „unter Umständen keine großen Auswirkungen haben“, heißt es auf der Website von A3M. Politisch gesehen gelte „die Türkei als ein sicheres Reiseland“.

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Tatsächlich gab der Kultur- und Tourismusminister der Türkei, Mehmet Nuri Ersoy, erst vor Kurzem bekannt, dass der Tourismus im Jahr 2023 mit finanziellen Mitteln und zahlreichen Projekten in der Türkei sogar gefördert werden soll. Das gelte auch für den Wintertourismus in Skigebieten wie Kars oder Ardahan im Osten des Landes, der mit Blick auf den Schneemangel in Europa deutlich ausgeweitet werden soll.

Urlaub in der Türkei 2023 – auch vom Auswärtigen Amt keine Reisewarnung

Vom Auswärtigen Amt liegt ebenfalls keine aktuelle Reisewarnung vor – im Gegensatz zu den Behauptungen von A3M zeichne sich die Türkei demnach sogar als „ein Land mit vergleichsweise gering ausgeprägter Gewaltkriminalität aus“. Lediglich vor Taschendieben in Istanbul und anderen Großstädten müsse man sich in Acht nehmen. Opfer von Kleinkriminalität würden demzufolge häufig von bettelnden Kindern abgelenkt.

Doch weist das Auswärtige Amt auch auf die terroristischen Anschläge hin, unter denen die Türkei insbesondere seit Mitte 2015 wiederholt gelitten hat. Erst am 13. November 2022 wurde auf der Istanbuler Einkaufsstraße Istikla erneut ein Sprengstoffanschlag verübt, bei dem Todesopfer zu beklagen waren. Neben dem internationalen Flughafen Istanbul Atatürk waren in der Vergangenheit wiederholt die Innenstädte von Istanbul und Ankara Ziele von Anschlägen mit hohen Opferzahlen.

Was muss man beachten, wenn man 2023 in die Türkei in den Urlaub fliegt?

Die Sicherheitsvorkehrungen befänden sich landesweit aber auf einem hohen Niveau, insbesondere in großen Städten sei eine erhöhte Präsenz von Polizei und Sicherheitsbehörden sichtbar. Trotzdem rät das Auswärtige Amt zu folgenden Vorgehensweisen bei einem Urlaub in der Türkei:

  • Informieren Sie sich über die lokalen Medien
  • Meiden Sie Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig
  • Folgen Sie den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte

Der Grund für die Vorsicht: In allen Teilen der Türkei müsse angesichts von Anschlägen terroristischer Gruppierungen grundsätzlich von einer terroristischen Gefährdung ausgegangen werden. Es könne nämlich auch weiterhin zu Protesten und Demonstrationen kommen, bei denen vereinzelte gewaltsame Auseinandersetzungen und Verkehrsbehinderungen nicht ausgeschlossen werden können. Wenn Ihnen das zu riskant ist, gibt es auch abgesehen von der Türkei viele tolle Reiseziele im Jahr 2023.

21 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

Schwedens NATO-Beitritt: Warum Kurden mehr Abschiebungen fürchten Artikel von Julian Staib

von Fremdeninfo 21 Januar 2023
von Fremdeninfo

Schwedens NATO-Beitritt: Warum Kurden mehr Abschiebungen fürchten

Artikel von Julian Staib FAZ 

 

 

 Foto dpa

 

 

Nach seiner Abschiebung wurde Mahmut Tat am Flughafen in Istanbul festgenommen. Videos zeigen, wie er in Handschellen zu einem weißen Fahrzeug gebracht wird. Von außen klopfen Leute an die verdunkelten Scheiben, rufen etwas. Doch das Auto fährt ab. „Terrorist ins Gefängnis geschickt“, titelte dazu ein türkischer Fernsehsender. Tat hatte in Schweden Asyl beantragt, nachdem in der Türkei nach Terrorvorwürfen ein Verfahren ge­gen ihn eröffnet worden war. Zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wurde er verurteilt. Seiner Darstellung nach hatte er nur an Protesten teilgenommen. Schweden lehnte seinen Asylantrag ab. Zuletzt lebte der Kurde illegal im Land, erkrankte an Krebs. Trotzdem wurde er Anfang De­zember abgeschoben

„Gäbe es die NATO-Bewerbung nicht, wäre Tat nicht abgeschoben worden“, sagt Kurdo Baksi. Die schwedischen Be­hörden hätten wohl gegenüber der Türkei Härte demonstrieren wollen. Baksi lebt seit 42 Jahren in Schweden, ist schwe­discher Staatsbürger, arbeitet als Autor und fungiert als eine Art Sprecher der kurdischen Gemeinde. Bis zu 150.000 Kurden leben in Schweden. Das Land galt lange als Zu­fluchtsort für die Minderheit. Hier pflegte sie ihre Kultur und Tradition, teils sogar gefördert vom Staat. Doch seitdem Schweden die NATO-Mitgliedschaft beantragt hat, leben viele Kurden in Angst. „2022 war das bisher härteste Jahr für Kurden in Schweden“, sagt Baksi.

Der Fall Tat hat die kurdische Gemeinde erschüttert. Aus der Sicht vieler steht er exemplarisch für den derzeitigen Kurs der schwedischen Regierung. Im Mai vergangenen Jahres beantragte Schweden zu­sammen mit Finnland angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine die NATO-Mitgliedschaft. Alle NATO-Staaten bis auf zwei ratifizierten die Erweiterung des Bündnisses: Ungarn stellte eine baldige Unterschrift in Aussicht, die Türkei aber weigert sich. Sie fordert Zugeständnisses Stockholms bei der Terrorbekämpfung. Und in Schweden, einem Land mit langer demokratischer Tradition, gibt es nun die Sorge, dass sich das eigene Land verbiegen, dass es die Einhaltung menschenrechtlicher Prinzipien gegen ei­nen Zugewinn an Si­cherheit eintauschen könnte

 

 

Kurdo Baksi lebt seit 42 Jahren in Schweden und gilt als Sprachrohr der Kurden. © Julian Staib

 

 

Schweden verhalte sich „unterwürfig“, mache Zugeständnis um Zugeständnis. Doch je mehr das Land nachgebe, desto mehr Druck werde Erdogan machen, schrieb die Tageszeitung „Dagens Nyheter“ kürzlich. Sie verglich schwedische Mi­nister mit „Hundewelpen“, die versuchten, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu gefallen. Ministerpräsident Ulf Kristersson wider­sprach dem Vorwurf deutlich: Schweden beuge sich nicht der Türkei, die Zusammenarbeit sei zum Vorteil beider Seiten.

Gemeinsam mit Finnland hat Schweden ein Memorandum mit der Türkei un­terzeichnet, in dem sich die beiden Staaten unter anderem verpflichten, verstärkt gegen die kurdische „Terrororga­nisation“ PKK vorzugehen und Auslieferungs­begehren der Türkei gründlich zu prüfen. Das schwedische Parlament be­schloss eine Verfassungsänderung, die es ermög­lichen soll, strengere Antiterrorgesetze zu verabschieden. Weiterhin wurden Waffenexporte an die Türkei wie­der erlaubt. Schon kurz nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten war Kristersson nach An­kara gereist und hatte gesagt, Schweden werde allen Verpflichtungen nachkommen, die es gegenüber der Türkei eingegangen sei, um der terroristischen Bedrohung entgegenzu­treten.

Erdogan warf Schweden wiederholt vor, Terrororganisationen zu unterstützen, und forderte es auf, „Terroristen“ auszuliefern. Deren Namen veröffentlichten türkische regierungsnahe Zeitungen. Darunter finden sich angebliche PKK-Unterstützer und Mitglieder der Gülen-Bewegung. Die Zahlen variieren, doch rund 40 Namen von Personen in Schweden sind bekannt. Allerdings sind die meisten davon schwedische Staatsbürger oder haben eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Wohl auch deswegen sagte Kristersson jüngst, die Türkei stelle Forderungen, „die wir nicht erfüllen können und wollen“.

Ankara stellt Abschiebungen als Auslieferungen dar

Zuletzt bewegten sich beide Seiten auseinander. Ankara empörte sich über eine Erdogan-Puppe vor dem Stockholmer Rat­­haus. Schwedens Regierung verurteilte das Aufhängen der Puppe scharf, doch kurz darauf nannte der Chef der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, wel­­che die Minderheitsregierung stützen, Erdogan einen Diktator. Nächste Woche will nun Schwedens Verteidigungsminister nach Ankara reisen. Vor allem bei den Auslieferungen gibt es keine Annäherung. So untersagte die schwedische Re­gierung zuletzt die Auslieferung von vier Personen. Grundlage waren Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs, denen die Re­gierung folgen muss. Zuvor war auf diese Weise bereits die Auslieferung des Journalisten Bülent Kenes ge­stoppt worden,

den Erdogan als Terroristen bezeichnet hatte.

 

 

 

Vor dem Stockholmer Rathaus hing am 11. Januar eine Puppe Erdogans. Schwedens Regierung verurteilte dies scharf. © AF

 

Auch die Auslieferung des be­kannten türkischen Verlegers Ragip Zarakolu, dessen Name ebenfalls auf der türkischen Liste steht, hatte der Oberste Gerichtshof untersagt. Der 75 Jahre alte Zarakolu setzt sich seit Jahrzehnten für die Meinungsfreiheit in der Türkei ein. Er hatte einst Bücher über die Kurdenfrage und den Genozid an den Ar­meniern verlegt, mehrmals kam er deswegen ins Gefängnis. Immer noch liefen mehrere Verfahren gegen ihn, sagt Zarakolu. „Erdogan denkt wohl, in Schweden/ laufe es wie in der Türkei: Wenn du in der Regierung bist, kannst du alles tun.“ Er fühle sich in Schweden sicher, sagt Zarakolu, die Ge­richte seien schließlich unabhängig. Doch er sorgt sich, dass die Regierung zu weit auf Ankara zugehen könnte.

Auslieferungen seien nicht das Pro­blem, die Justiz stehe diesen entgegen, sagt der Anwalt Miran Kakaee, der mehrere türkische Staatsbürger vertritt. Seit 2005 habe Schweden niemanden mit Verbindungen zur Gülen-Bewegung oder zur PKK an die Türkei ausgeliefert. Das ei­gentliche Problem seien Abschiebungen von tür­kischen Asylbewerbern. Die gebe es seit Langem, nun aber würden sie ins­trumentalisiert. Die türkischen Behörden wollten sie als Auslieferungen darstellen. Bei Tat habe es etwa geheißen, endlich ha­be Schweden geliefert, sagt Kakaee. Und Schweden habe nur ein geringes In­teresse daran, diesem Bild entgegenzuwirken, um so den Prozess des NATO-Beitritts zu beschleunigen. Zudem habe Schweden in dem Memorandum versprochen, stärker gegen die PKK vorzugehen. „Unter Kurden gibt es deswegen eine große begründete Sorge vor mehr Abschiebungen.“

Schweden gilt als Vorzeigedemokratie. Asylbewerber erhalten von Anfang an ei­nen Anwalt, können negative Entscheidungen vor Gericht anfechten. Grund für eine Ablehnung ist allerdings oftmals eine Einschätzung des schwedischen Inlandsgeheimdienstes (Säpo). Heißt es von diesem, eine Person stelle ein „Sicherheitsrisiko“ dar, wird der Antrag meist negativ beschieden. Die Gründe der Einschätzung sind geheim, auch die Gerichte können sie nicht einsehen. So bleibt diesen meist wenig anderes übrig, als der Begründung zu folgen.

Dass die Einschätzung der Säpo nicht überprüft werden könne, sei in rechtlicher Hinsicht problematisch, sagt Madelaine Seidlitz, leitende Rechtsberaterin bei Am­nesty International in Stockholm. Das Verfahren sei dadurch we­der sicher noch zuverlässig. Ähnlich äußert sich John Stauffer von der schwedischen Menschenrechtsorganisation „Civil Rights Defenders“. Er spricht von einem „schwerwiegenden Mangel an rechtlicher Überprüfbarkeit, der in der ge­genwärtigen Situation noch einmal besorgniserregender“ sei. Stauffer erinnert daran, dass auch Schweden dem Prinzip des Non-Refoulement folgen müsse und nicht Personen in ein Land bringen dürfe, wo diese der Gefahr von Folter oder anderen un­menschlichen Be­dingungen ausgesetzt seien. In der Türkei könne „potentiell jeder aus jedem be­liebigen Grund als Terrorist definiert werden“.

„Wir zahlen den Preis für die NATO-Bewerbung Schwedens“

Die rechtliche Schwachstelle im Asylsystem, so die Sorge der Menschenrechtsaktivisten, könne zu mehr Ab­schiebungen führen. Einerseits um der Türkei zu signalisieren, dass man sich gerade in Bezug auf die PKK bewege. Andererseits aber auch im Kontext des ohnehin härteren Vorgehens gegen Asylbewerber un­ter der neuen Re­gierung. In Schweden regiert seit dem Herbst eine Minderheitsregierung, die von den Schwedendemokraten gestützt wird. Migration sorgt aus ihrer Sicht für Kriminalität und muss möglichst abgestellt werden. Geplant ist etwa, das dau­erhafte Aufenthaltsrecht abzuschaffen, die Rechte von Asylbewerbern zu be­schneiden und die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen. Angesichts der Gesetz­losigkeit in der Türkei dürfe es in Schweden natürlich keine Herabsenkung der Standards geben, sagt Emma Sinclair-Webb dazu, die Direktorin von Human Rights Watch in der Türkei.

Viele der Kurden kamen als Asylbewerber und hangeln sich von einer Aufenthaltsrechtsverlängerung zur nächsten. Auch die kurdische Frau, die ihren Na­men nicht in der Zeitung lesen will, tat das lange. Ihr Mann kam 2002 ins Land, also noch zu den guten Zeiten, und er­hielt ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Sie kam 2016 nach. Zu­sammen haben sie zwei Söhne, sieben und fünf Jahre alt. Irgendwann wurde die Aufenthaltser­laubnis der Frau nicht mehr verlängert, sie klagte erfolglos dagegen. Kürzlich hätten Polizisten an ihre Türe geklopft und sie zur Ausreise aufgefordert, sagt die Frau.

In einem Schreiben der Migrations­behörde, das der F.A.Z. vorliegt, heißt es, die Säpo habe empfohlen, den Antrag der Frau auf eine Aufenthaltserlaubnis ab­zulehnen. Die Begründung: Ihr Mann unterstütze „sicherheitsgefährdende Ak­ti­vitäten“. Die Sicherheitsbehörde gehe davon aus, dass die Frau, „möglicherweise indirekt“ die Aktivitäten der Organisation un­terstütze. Nicht ihr Verhalten sei eine Be­drohung, sondern ihre „An­wesenheit im Land“. Der Mann sagt da­zu, er habe im Internet einst die Aktivitäten der PKK gutgeheißen. Die Frau aber fragt, warum müsse sie dann gehen? Sie hält sich nun illegal im Land auf, lebt in einer anderen Wohnung als ihre Familie. Die Situation sei sehr schwer, sagt sie. Ihre Kinder und ihren Mann sehe sie nur unregelmäßig. „Wir zahlen den Preis für die NATO-Bewerbung Schwedens“, sagt ihr Mann.

Derlei Fälle gebe es nun viele, sagt Kurdo Baksi. Seit der NATO-Bewerbung Schwedens habe der Druck deutlich zu­genommen. Er kenne über 30 Kurden, die nach einer negativen Einschätzung der Säpo von der Migrationsbehörde zur Ausreise aufgefordert worden seien. Baksi sorgt sich, dass Personen wie dieser Frau durch die polizeiliche Einstufung ih­res Mannes in der Türkei Unrecht widerfahren könnten

21 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

AKP-Hassrede in Deutschland: Baerbock bestellt Botschafter ein

von Fremdeninfo 20 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

AKP-Hassrede in Deutschland: Baerbock bestellt Botschafter ein

Hat für diplomatische Verwerfungen zwischen Deutschland und der Türkei gesorgt: Der AKP-Abgeordnete Mustafa Açıkgöz. Foto: Twitter

Wenige Monate vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in der Türkei hat ein Auftritt eines türkischen Politikers in Deutschland für Unmut gesorgt.

Der türkische Botschafter wurde wegen des Vorfalls ins Außenministerium in Berlin eingeladen. „Auftritte wie der eines türkischen Abgeordneten in Neuss dürfen sich nicht wiederholen. Hetze & Hassrede haben in Deutschland nichts verloren“, schrieb das von Annalena Baerbock (Grüne) geführte Auswärtige Amt dazu am Montagabend auf Twitter. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfe derzeit, ob eine Straftat vorliegt, so eine Sprecherin.

Man habe „unmissverständlich“ daran erinnert, dass ausländische Wahlkampfveranstaltungen vorher genehmigt werden müssten. „Wenn sich türkische Vertreter*innen nicht an die Spielregeln halten, müssen wir Konsequenzen prüfen“, hieß es.

Um welchen Auftritt es sich konkret handelte, teilte das Auswärtige Amt nicht mit. Der Abgeordnete der Regierungspartei AKP in der Türkei, Mustafa Açıkgöz, hatte am Freitag ein Video auf Twitter veröffentlicht, in dem er die Anhänger seiner Partei in Deutschland auf die anstehenden Wahlen in der Türkei einschwört. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen finden regulär im Juni statt, sollen aber laut Präsidialamt auf Mai vorgezogen werden.

Gülen-Bewegung will „islamischen Glauben christianisieren“

Der AKP-Abgeordnete forderte in dem Video etwa die „Vernichtung“ von Anhängern der PKK und der Gülen-Bewegung. Wobei erwähnt werden muss, dass viele Oppositionelle in der Türkei mit diesen Gruppierungen in Verbindung gebracht werden, um gegen sie vorgehen zu können, nicht nur rechtlich. Somit ist diese Drohung indirekt an alle Oppositionelle gerichtet. Man werde ihnen, wie schon in der Türkei, auch in Deutschland kein Lebensrecht geben. „Mit Gottes Erlaubnis werden wir sie, egal wo auf der Welt, aus den Löchern ziehen, in die sie sich verkrochen haben, und vernichten“, sagte er. Anhänger der PKK seien „gottlose Feinde“ der Religion, die Gülen-Bewegung wolle den islamischen Glauben verändern und „christianisieren“, so Açıkgöz. Aus dem Publikum sind in dem Video zustimmende Rufe und lautstarker Applaus zu hören.

Die Polizei im nordrhein-westfälischen Rhein-Kreis Neuss teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit, es seien bislang vier Anzeigen alleine bei ihnen zu dem Auftritt des Politikers eingegangen.

Ausländische Wahlkampfauftritte klar geregelt

Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker sind seit 2017 drei Monate vor Wahlen oder Abstimmungen in ihren Ländern verboten. Außerhalb von Wahlkampfzeiten müssen zudem alle politischen Auftritte ausländischer Regierungsmitglieder zehn Tage vorher beantragt und von der Bundesregierung genehmigt werden. Mit der Regelung hatte die damalige Bundesregierung Konsequenzen aus dem Streit um Auftritte türkischer Politiker vor einem Verfassungsreferendum 2017 in der Türkei gezogen.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, İbrahim Kalın, hatte am Samstag vor Journalisten gesagt, dass die Türkei die Regelungen respektiere und sich an sie halte. Wie am Montag bekannt wurde, plane auch der Präsident einen Auftritt in Deutschland, und zwar Ende Januar in Berlin. Offiziell bestätigt ist das allerdings noch nicht.

dpa/dtj

20 Januar 2023 0 Kommentare
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Kultur

Die Türkei staunt über einen neuen „Philosophen

von Fremdeninfo 19 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Die Türkei staunt über einen neuen „Philosophen

Atakan“

Ein Video, das in einer Istanbuler Buchhandlung aufgenommen wurde, geht in der Türkei seit Tagen viral. Ein 10-jähriger Junge behauptet darin, in fünf Monaten etwa 250 Bücher gelesen zu haben. Auch seine weisen Worte machten den Jungen innerhalb kürzester Zeit zu einer Berühmtheit.

Die Türkei hat seit neuestem einen neuen „Philosophen“. Dieser hat es geschafft, die Aufmerksamkeit vieler Türken auf sich zu ziehen. Diskutiert werden aber weniger seine Ideen, sondern sein Alter. Kein Wunder! Denn der neue Philosoph der Türkei ist gerade einmal 10 Jahre alt. Er heißt Atakan Kayalar. In den letzten fünf Monaten hat Atakan nach eigenen Angaben etwa 250 Bücher gelesen. Das ist nicht nur für einen Fünftklässler eine beachtliche Zahl.

Bekannt geworden ist Atakan mit einem Video in den sozialen Medien. Dabei spricht er mit einer für sein Alter erstaunlichen Reife über die Bücher, die er gelesen hat und definiert den Nihilismus. Das Video wurde von einem Mann gefilmt und auf Twitter gepostet, nachdem dieser in einer Buchhndlung eines großen Istanbuler Einkaufszentrum auf den Jungen aufmerksam geworden war.

„Wir brauchen eine Anarchie“

Die Worte des Jungen gingen viral und machten den 10-Jährigen zum „Philosophen Atakan“. Der Bücherwurm hat auch schon konkrete Vorstellungen zu unterschiedlichen Themen. So erwartet Atakan, dass Kinder vor der Schulbildung Lehrstunden zu ethischen Themen erhalten. „Anschließend sollte Philosophie gelehrt werden. Es gibt zudem ein Problem darin, kleinen Kindern Unterricht in Psychologie zu geben“, so Atakan. Und weiter: „Der Mensch sucht immer etwas an sich. Er geht hin und schaut sich an, was Schizophrenie ist und fragt sich, ob er auch unter dieser Krankheit leidet.“ Deshalb müsse man erstmal Philosophie und dann Geschichte lehren.

Auch bezüglich der Staatsformen hat der 10-Jährige, den viele schon für das intelligenteste Kind des Landes und sogar der Welt halten, eine klare Vorstellung. In einem anderen Video ist Atakan zu sehen, wie er über Anarchie spricht, die er für notwendig hält. „Die Staaten dieser Welt müssen vernichtet werden, um dann eine Regierungsform zu entwickeln, die an die Gesellschaft gebunden ist“, so Atakan.

Atakan ein Indigo-Kind?

Doch Atakan ist nicht für jeden das „Wunderkind“. Nach einem Auftritt vor den Kameras der türkischen Nachrichtensendungen wurde er plötzlich kritisiert. Dabei fiel er seiner Mutter, die sehr nervös sprach, ins Wort und bat sie darum, zur Seite zu gehen. Das empfanden viele als Respektlosigkeit.

Doch damit nicht genug. Über Atakan kursieren mittlerweile die kuriosesten Theorien. Eine davon lautet, dass er ein Indigo-Kind sei. So bezeichnen Anhänger esoterischer Ideen eine Gruppe von Kindern, denen sie ganz besondere psychische und spirituelle Eigenschaften und Fähigkeiten zuschreiben.

19 Januar 2023 0 Kommentare
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AKP-Auftritt in Neuss: Jetzt ermittelt auch der Verfassungsschutz

von Fremdeninfo 18 Januar 2023
von Fremdeninfo
 

AKP-Auftritt in Neuss: Jetzt ermittelt auch der Verfassungsschutz

 

dtj-online

–

18.01.2023

Der türkische Ex-Sportminister Akif Çağatay Kılıç (v. l.) und UID-Chef Köksal Kuş hören dem stehenden AKP-Abgeordneten Mustafa Açıkgöz zu. Foto: UID

 Nach der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf und der Polizei in Neuss haben auch Beamte des Verfassungsschutzes Ermittlungen zur Hassrede eines AKP-Politikers aufgenommen. Was den türkischen Abgeordneten nun erwartet.

Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen hat mit „Besorgnis“ auf die Äußerungen eines türkischen Politikers in Neuss reagiert. Wie das Online-Portal „Der Westen“ exklusiv erfahren hat, ermittelt jetzt der NRW-Verfassungsschutz gegen Politiker Mustafa Açıkgöz (52) und den Träger der Yunus-Emre-Moschee in Neuss.

Ein Abgeordneter der regierenden AKP-Partei hatte zuvor ein Video veröffentlicht, in dem er vor Publikum die „Vernichtung“ von Anhängern der PKK und der Gülen-Bewegung verspricht. Vor den Präsidentschaftswahlen in der Türkei versuche die türkische Regierung so, um Stimmen im Ausland zu werben, hieß es aus dem nordrhein-westfälische Verfassungsschutz.

Açıkgöz: „Kein Lebensrecht für PKK- und Fetö-Terroristen“

Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker müssen in Deutschland zehn Tage im Voraus beantragt und von der Bundesregierung genehmigt werden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfe derzeit, ob eine Straftat vorliegt, so eine Sprecherin. In der Türkei sollen Regierungsangaben zufolge am 14. Mai vorgezogene Wahlen stattfinden.

Laut NRW-Verfassungsschutz fand die fragliche Rede des Politikers Mustafa Açıkgöz in einer den Grauen Wölfen nahe stehenden Moschee in Neuss statt. Als Graue Wölfe werden die Anhänger der rechtsextremistischen „Ülkücü-Bewegung“ bezeichnet, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

In der Türkei ist die ultranationalistische MHP ihre politische Vertretung und Bündnispartnerin der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die türkische Regierung macht die Gülen-Bewegung für den Putschversuch von 2016 verantwortlich und sieht sie, wie die PKK, als Terrororganisation an. In Deutschland gilt das für die Gülen-Bewegung nicht

18 Januar 2023 0 Kommentare
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