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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Politik

Türken in Deutschland: Wie man Erdogan-Anhänger besser integrieren kann

von Fremdeninfo 16 Juni 2023
von Fremdeninfo

 

Türken in Deutschland: Wie man Erdogan-Anhänger besser integrieren kann

Artikel von Cem Özdemir • FAZ

Feiernde Erdogan-Anhänger in der Münchner Ludwigstraße, nachdem dieser die Wahl in der Türke

Man stelle sich vor, Markus Lanz, Caren Miosga oder Dunja Hayali würden einen Regierungsskandal aufdecken – und müssten daraufhin das Land verlassen. So ergeht es Can Dündar, einem in der Türkei bekannten Journalisten. Er kann nicht mehr zurück in seine Heimat und lebt seit einigen Jahren im Berliner Exil. Warum? Er hat es gewagt, seinen Job zu machen.

Can Dündar hat 2015 über illegale Waffenexporte an Islamisten in Syrien recherchiert und geschrieben. Im Dezember 2020 wurde er in Abwesenheit zu fast drei Jahrzehnten Haft verurteilt – wegen angeblicher Terrorunterstützung und Spionage. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bezeichnete das Urteil als „Akt der Barbarei“. In freien Ländern gäbe es „dafür Journalistenpreise, in der Türkei hingegen Kerker“.

Zwei Drittel wählten einen Despoten

Wie viele andere setzte auch Can Dündar große Hoffnungen in die jüngsten Wahlen in der Türkei. Sie wurden herbe enttäuscht. Erdogan erhielt von denjenigen, die in Deutschland als türkische Staatsbürger an der Wahl teilnahmen, zwei Drittel der Stimmen. Sie wählten einen Despoten, während sie hierzulande alle Vorzüge der liberalen Demokratie selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen. Beides ist ihr Recht. Doch nehmen sie damit bewusst in Kauf, dass in den nächsten Monaten und Jahren noch viele Menschen wie Can Dündar zu uns kommen, weil sie in der Türkei schikaniert, bedroht oder unter fadenscheinigen Gründen angeklagt werden. Denn von Erdogan kam auch nach dieser Wahl kein versöhnendes Wort, im Gegenteil. Das lässt schlimmes erahnen.

In Deutschland ist das Problembewusstsein für diese Gemengelage eher bescheiden. Tatsächlich ist die Situation nicht einfach. Denn zum einen tritt die türkische Regierung die Demokratie und Freiheit vieler Menschen mit Füßen. Zum anderen ist das Land Teil der Nato und Wirtschaftspartner. Doch das kann nicht bedeuten, beide Augen vor dem zu verschließen, was in Deutschland vor sich geht – es wäre schon mal ein Anfang, zumindest ein Auge zu öffnen.

Das wäre bitter nötig, um die in Deutschland lebenden Gegner des Erdogan-Regimes zu schützen, die sich für eine demokratische Türkei einsetzen. Der lange Arm Erdogans darf sie hier nicht erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, in deutschen Großstädten auf Anhänger – auch fanatische Anhänger – Erdogans zu treffen, von ihnen beleidigt, bedroht und angegriffen zu werden, ist keineswegs gering. Schon wer sich in Berlin in ein „falsches“ Taxi setzt, kann sein blaues Wunder erleben. Soll man in Deutschland nun tatsächlich Taxis meiden – nur, weil man für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit eintritt? Immer mehr Bürger türkischer Herkunft fragen sich, ob sie sich hier in Deutschland, auch zum Schutz ihrer Familie, selbst zensieren müssen.

Tatsächlich schreitet die gesellschaftliche Spaltung nicht nur in der Türkei voran, sondern auch hier in unserem Land. Türkeistämmige Deutsche werden attackiert und bedroht, sobald sie sich mit einer kritischen Meinung in den Strukturen von der Türkei verbundenen Verbänden oder Vereinen oder in mehrheitlich türkisch geprägten Sozialräumen bewegen. Oder sie laufen Gefahr, über eine berüchtigte App der Zentralbehörde der türkischen Polizei als vermeintliche Terrorunterstützer denunziert und bei der nächsten Einreise in die Türkei verhaftet zu werden.

Es gibt de facto Parallelgesellschaften, die unsere Demokratie und unsere Freiheiten herausfordern, deren Protagonisten andere bedrohen, beleidigen oder denunzieren. Es würde hier schon helfen, wenn Staat und Behörden sich dessen bewusst sind und genau hinschauen. Der Eindruck, dass die Sicherheit derer, die sich in Deutschland fest verwurzelt fühlen und sich zugleich für die Demokratie in der Türkei einsetzen, im Vergleich zur Sicherheit der antidemokratischen Scharfmacher nur nachrangig ist, wäre jedenfalls fatal für das Vertrauen in unseren Staat.

Man öffnet die Büchse der Pandora

Es geht hier nicht um Sozialpädagogik. Es geht nicht darum, fanatische Anhänger nationalistischer und faschistischer Ideen von Demokratie und Humanismus zu überzeugen. Wo es gelingt – großartig. Doch sollte man nicht naiv sein und sich darauf verlassen. Unsere Verantwortung gilt zuallererst denen, die bedroht werden. Es muss jederzeit klar werden, dass in Deutschland ausschließlich das deutsche Grundgesetz gilt – und wir auch keine doppelten Sicherheitsstandards zwischen Deutschen und Migranten zulassen. Wer hierzulande mit türkischen Nationalisten und Rassisten zusammenarbeitet, sich nicht gegen sie durchsetzt oder zurücksteckt – wie die Stadt Köln, die aus Angst vor Ultranationalisten ein Mahnmal zum Völkermord an den Armeniern entfernen lassen will –, öffnet die Büchse der Pandora. Denn die Feinde der offenen Gesellschaft verstehen solches Handeln als Aufforderung weiterzumachen.

Man kann das Richtige übrigens auch falsch tun. In Hessen wurden zwei Journalisten der türkischen Regimepresse, die die Privatanschrift eines Whistleblowers veröffentlicht hatten, zwischen den zwei Wahlgängen verhaftet. Die Vorwürfe gegen die Journalisten sind ein Jahr alt. Unsere Justiz ist unabhängig; und dennoch stellt sich die Frage: Warum geben wir den Erdogan ergebenen Propagandanachrichten diese Steilvorlage – um ihn im Wahlkampf tatsächlich als Kämpfer der Meinungsfreiheit zu inszenieren und er uns Zensur vorzuwerfen kann?

Auch dürfen wir das System muslimischer Verbände, die mehr politische Interessenvertreter sind als Religionsgemeinschaften, nicht weiter mit naiver Zusammenarbeit unterstützen und legitimieren. Dialog? Ja, sicher. Kooperation? Nein, nicht unter diesen Umständen. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Ditib- und Milli-Görüş-Moscheen in Wahlkampfzentralen der türkischen Regierung verwandelt wurden, wo die Opposition keinen Platz hatte. Ebenso wenig, dass die Verbände ihre Eigenständigkeit immer bloß behaupten und im Zweifel die Interessen aus Ankara umsetzen. Sind sich alle Entscheidungsträger in Deutschland darüber im Klaren, dass die nächste Generation der Imame aus der Türkei noch nationalistischer und fundamentalistischer sein wird als die heutige? Wissen alle, die für Staatsverträge mit Ditib, Milli Görüş und anderen gegenüber offen sind oder andere Abkommen treffen wollen, dass sie Erdogan damit direkt in deutsche Schulen holen? Ich habe berechtigte Zweifel.

Ringen um Kopf und Herz

Nicht naiv zu sein, bedeutet auch, um Kopf und Herzen der Türkeistämmigen zu ringen – genauso übrigens, wie es bei Russischstämmigen notwendig ist, wenn wir sie nicht an Putin verlieren wollen. Das bedeutet, dass wir der Diasporapolitik Ankaras mehr entgegensetzen müssen. Allem voran eine aktive Religionspolitik mit klugen Finanzierungs- und Ausbildungskonzepten etwa, die mit freiheitlich-demokratisch überzeugten Muslimen das muslimische Leben in Deutschland gestaltet. Über die YTB, das Amt für Auslandstürken, reisen jedes Jahr Tausende Jugendliche in die Türkei, um ihnen „türkische Geschichte“ und „Heimatliebe“ in der AKP-Version einzutrichtern.

Wäre es nicht besser, wir würden stattdessen Reisen zu bedeutenden Gedenkstätten der deutschen und der europäischen Geschichte anbieten – von der Paulskirche über das Haus der Geschichte in Bonn bis zu Weimar und Buchenwald, damit jeder versteht, woher dieses Land kommt und was es sein möchte? Nicht zuletzt brauchen wir Gegenangebote in den sozialen und in den traditionellen Medien. Wenn andere offen Propaganda betreiben, dann kann unsere naive Antwort doch nicht lauten, die Hände in den Schoß zu legen oder darauf zu hoffen, dass sie täglich in die Bibliothek gehen, um sich mit Qualitätszeitungen einzudecken. In vielen Haushalten laufen vor allem Fernsehsender, die Erdogan nahestehen. Insbesondere junge Türkeistämmige werden bei sozialen Medien wie Twitter und Instagram durch Influencer aus dem Milieu der AKP und der faschistischen Grauen Wölfe ideologisiert. In Deutschland leben neben Exilpolitikern und Exilwissenschaftlern auch Exiljournalisten aus der Türkei.

Warum nutzen wir sie nicht, um der aufgeheizten Propaganda gegen alle Werte unseres Landes etwas entgegenzusetzen? Ein Deutsch-Türkisches (oder auch Deutsch-Russisches) Arte, das neben Nachrichten auch niedrigschwellige Unterhaltungsangebote produzieren könnte, ist nach wie vor eine Idee, die es Wert ist, in die Tat umgesetzt zu werden – übrigens eine Idee, die theoretisch immer recht viel Zustimmung erfährt. Passiert ist dennoch nichts, sicher auch, weil es etwas kosten würde. Jetzt zahlen wir eine Rechnung, die nicht billiger ist.

Im Umgang mit radikalisierten Anhängern von AKP und MHP in Deutschland herrscht entweder Ratlosigkeit oder man will sich die Realität schönreden. Die Angriffe auf unsere Demokratie, auf unseren Zusammenhalt, auf unsere bürgerlichen Freiheiten werden nicht geringer werden. Wir dürfen nicht naiv sein.

16 Juni 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

rauriger Rekord: Deutlich mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht

von Fremdeninfo 16 Juni 2023
von Fremdeninfo

 

 

Gesellschaft

Trauriger Rekord: Deutlich mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht

von

dtj-online

Ukrainische Flüchtlinge nach ihrer Registrierung in Deutschland. Foto: Soeren Stache/dpa

Immer mehr Krisen zwingen immer mehr Menschen zur Flucht, Millionen weltweit. Druck auf die Asylsysteme könnten Regierungen aber rausnehmen, sagt das UN-Flüchtlingshilfswerk, und erklärt auch, wie.

Ukraine, Afghanistan, Sudan: Weltweit ist die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlinge auf einen Rekord gestiegen. Aktuell sind rund 110 Millionen Menschen auf der Flucht, Zweidrittel davon in ihren Heimatländern, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Mittwoch in Genf berichtete. Die Organisation verlangt mehr Anstrengungen, um Fluchtursachen zu bekämpfen und Flüchtenden beizustehen. Im Juni 2022 waren rund 100 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen.

Die Zahlen seien verheerend, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. „Es ist ein Armutszeugnis für den Zustand unserer Welt“, meinte er. Es gebe immer mehr Krisen, aber kaum Lösungen. Für 5,7 Millionen im eigenen Land Vertriebene endete die Flucht im vergangenen Jahr, aber nur 340.000 Flüchtlinge kehrten aus dem Ausland in ihre Heimat zurück.

Migration und Flucht nicht in einen Topf werfen

Migration und Flucht dürften nicht in einem Topf geworfen werden, sagte Grandi. Wenn reichere Länder mehr legale Wege der Einwanderung für Menschen böten, die in einem anderen als ihrem Heimatland Arbeit suchten, würden weniger Migranten Asyl beantragen, sagte er. Asyl und ähnlicher Schutz ist Menschen vorbehalten, die vor Krieg, Konflikten, Verfolgung und Gewalt fliehen. Nach der UN-Flüchtlingskonvention sind alle Länder verpflichtet, sie aufzunehmen.

Weil legale Migrationswege fehlten, seien die Asylsysteme überlastet, sagte Grandi. Behörden erkennen bei vielen Asylbewerbern angegebene Fluchtgründe aber nicht an. Schutzbedürftige gerieten in Verruf, sagte Grandi. In Deutschland wurden 2022 bei knapp 230.000 Asylentscheiden die Anträge von fast 50.000 Personen abgelehnt. Rund 50.000 weitere Fälle erledigten sich – etwa, weil Personen in anderen Ländern registriert waren oder Anträge zurückzogen.

Krise im Sudan verschärft die Lage weiter

Grandi äußerte die Befürchtung, dass sich die aktuelle Krise im Sudan ausweiten könnte. Noch seien Hunderttausende Geflohene in Nachbarländern untergekommen. Aber der Osten des Landes sei als Terrain von Menschenschmugglern bekannt. Wenn Recht und Ordnung im Sudan nicht bald wieder hergestellt würden, könnten diese Schmuggler Sudanesen auf die Fluchtrouten „nach Libyen und weiter“ bringen, wie Grandi sagte.

Vom Mittelmeerstaat Libyen starten viele Flüchtlingsboote Richtung Europa. Im Sudan gibt es seit Mitte April einen Machtkampf zwischen Truppen des De-facto-Präsidenten und dessen bisherigem Stellvertreter. Seit dem Beginn der Gewalt sind UN-Angaben zufolge mittlerweile fast 1,9 Millionen Menschen geflohen.

Türkei nimmt die meisten Flüchtlinge auf

Das UNHCR nannte am Mittwoch die aktuelle Flüchtlingszahl. Der jährliche Bericht „Global Trends“, den es gleichzeitig veröffentlichte, betrachtet die Flüchtlingslage jeweils im vorangegangenen Jahr. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nach UNHCR-Angaben 2022 die schnellste Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst: Ende 2022 waren nach dem Bericht 5,7 Millionen Menschen innerhalb der Grenzen in der Ukraine vertrieben worden oder ins Ausland geflüchtet.

Insgesamt seien damals weltweit insgesamt 108,4 Millionen Menschen auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und den Folgen des Klimawandels gewesen, 19,1 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Gut ein Drittel der Vertriebenen flüchtete ins Ausland. Davon waren wiederum Zweidrittel in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Sie harren meist in Nachbarländern ihrer Heimat aus, in der Hoffnung auf eine baldige Heimkehr.

„Asyl zu beantragen, ist keine Straftat“

Es sei ein Mythos, dass die Flüchtlinge vor allem in reiche Länder etwa in Europa oder Nordamerika strebten, sagte Grandi. Die Türkei beherbergte Ende 2022 die meisten Flüchtlinge, gefolgt vom Iran, wo überwiegend Afghanen unterkamen, Kolumbien und Deutschland. Die geplante Reform des EU-Asylwesens lobte Grandi. Die EU will Asylsuchende, die aus einem Staat anreisen, der als relativ sicher gilt, künftig nach dem Grenzübertritt in einer Aufnahmeeinrichtung unter haftähnlichen Bedingungen festhalten.

Nach einer zügigen Prüfung der Gesuche sollen Abgelehnte umgehend zurückgeschickt werden. Nicht alles sei perfekt, aber wenigstens habe sich die EU überhaupt auf etwas geeinigt, sagte Grandi. Er fügte hinzu: „Wir sind klar der Ansicht, dass Asylsuchende nicht in Gefängnisse gesteckt werden sollten. Asyl zu beantragen, ist keine Straftat.“

dpa/dtj

16 Juni 2023 0 Kommentare
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Information

Teilnehmer von Pride-Filmvorführung in der Türkei festgenommen

von Fremdeninfo 14 Juni 2023
von Fremdeninfo

 

 

Gesellschaft

Teilnehmer von Pride-Filmvorführung in der Türkei festgenommen

von

dtj-online

Für den 18. Juni ist in Istanbul eine Pride-Parade geplant, obwohl sie in den letzten Jahren verboten worden war. Foto: Istanbul LGBTI+ Pride Week

In Istanbul wurden Menschen festgenommen, als eine Filmvorführung über LGBTQ-Themen verboten wurde. Präsident Erdoğan äußerte sich wiederholt LGBTQ-kritisch. Die Pride-Parade ist für den 18. Juni geplant, obwohl sie in den letzten Jahren verboten wurde.

Bei einer Filmvorführung über Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und queere Menschen (LGBTQ) in der türkischen Metropole Istanbul sind nach Angaben eines Verbandes mehrere Menschen festgenommen worden. Der Film „Pride“ hätte am Mittwochabend im Garten einer Stiftung gezeigt werden sollen, die Polizei habe dies jedoch verhindert und „sehr viele“ Teilnehmer festgenommen, teilte der Verband Kaos GL, eine Organisation für LGBTQ-Rechte, mit. Eine Anzahl nannte er nicht.

Die lokale Behörde hatte die Vorführung zuvor verboten und als Begründung unter anderem angegeben, die Veranstaltung verstoße gegen die „allgemeine Moral“ und könne Unmut in der Gesellschaft hervorrufen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte sich sowohl im Wahlkampf als auch nach seiner Wiederwahl Ende Mai wiederholt LGBTQ-kritisch geäußert. Erwartet wird deshalb, dass die Behörden den Druck auf queere Menschen weiter erhöhen.

Die jährliche Pride-Parade soll am 18. Juni in Istanbul stattfinden. In den vergangenen Jahren war die Veranstaltung verboten worden.

dpa/dtj

14 Juni 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Empörung von zwei Seiten: Pläne für EU-Asylreform sorgen für Kritik

von Fremdeninfo 11 Juni 2023
von Fremdeninfo

Menschenrechte

Empörung von zwei Seiten: Pläne für EU-Asylreform sorgen für Kritik

 
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Archivfoto: Die Abkürzung und das Wort „EAE Asyl“ stehen auf einem Wegweiser zur Erstaufnahme-Einrichtungen (EAE) des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt. Foto: Patrick Pleul/dpa

  • Nötiger Fortschritt oder menschenrechtlicher Tabubruch? Die Meinungen zum Durchbruch in den Verhandlungen über eine große europäische Asylreform könnten unterschiedlicher kaum sein. Vor allem für die deutschen Grünen ist das Projekt ein Problem.

Die mit Unterstützung der Bundesregierung vereinbarten Pläne für eine weitreichende Reform des europäischen Asylsystems sorgen für Empörung und Kritik. Deutsche Grünen-Abgeordnete verurteilten am Freitag das von Spitzenpolitikern ihrer Partei mitgetragene Projekt als unmoralisch und unvereinbar mit europäischen Werten. Ungarn und Polen übten hingegen scharfe Kritik an der geplanten Pflicht zur Solidarität bei der Aufnahme von Asylsuchenden in Europa und kündigten Widerstand an.

„Solange es die PiS-Regierung geben wird, werden wir nicht zulassen, dass uns irgendwelche Migrationsquoten, Quoten für Flüchtlinge aus Afrika, aus dem Nahen Osten, für Araber, Muslime oder wen auch immer auferlegt werden“, sagte Polens nationalkonservativer Regierungschef Mateusz Morawiecki in Warschau. Der ungarische Staatssekretär Bence Retvari sprach von Machtmissbrauch der EU. Brüssel wolle nun „mit Gewalt“ Migranten verteilen.

Unregistrierte Flüchtlinge sollen nicht mehr quer durch Europa reisen

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Hebestreit verteidigte unterdessen die Pläne. Das bisherige Asylsystem in Europa habe nicht mehr funktioniert, sagte er in Berlin. Beim Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg sei ein wichtiger Schritt gelungen, nämlich eine „solidarische Lösung“ in dieser Frage hinzukriegen.

Das gelte für die Anrainerstaaten des Mittelmeeres, die mit einer massiven Flüchtlingswelle konfrontiert seien und damit nicht allein gelassen werden wollten. Andererseits wolle man auch nicht akzeptieren, dass unregistrierte Flüchtlinge durch Europa reisen. Hier müsse es wieder ordentliche Verfahren geben. Ähnlich äußerte sich Innenministerin Nancy Faeser (SPD). Die EU habe gezeigt, dass sie handlungsfähig sei, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Samstag).

FDP-Chef Christian Lindner nannte den Kompromiss einen „kaum zu überschätzenden Erfolg“. „Es wird ein großer Schritt hin zum wirksamen Schutz der EU-Außengrenzen getan“, sagte er dem „Münchner Merkur“ (Samstag). Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken betonte, Faeser sei es gelungen, im Europäischen Rat eine Einigung auf humanitärer und rechtsstaatlicher Grundlage zu erreichen, „nachdem wir über viele Jahre erkennen mussten, wie die Haltungen in der Europäischen Union zu den Asylverfahren auseinanderliefen“.

Reaktion auf die Flüchtlingskrise 2015

Die Pläne für die umfassende Reform des EU-Asylsystems waren am späten Donnerstagabend per Mehrheitsentscheidung auf den Weg gebracht worden. Vorausgegangen waren jahrelange Verhandlungen. An der Reform wird bereits seit der Flüchtlingskrise 2015/2016 intensiv gearbeitet. Damals waren Länder wie Griechenland mit einem Massenzustrom an Menschen aus Ländern wie Syrien überfordert, Hunderttausende konnten unregistriert in andere EU-Staaten weiterziehen.

Dies hätte eigentlich nicht passieren dürfen, denn nach der sogenannten Dublin-Verordnung sollen Asylbewerber da registriert werden, wo sie die Europäische Union zuerst betreten haben. Dieses Land ist in der Regel auch für den Asylantrag zuständig.

Illegale Migration soll begrenzt werden

Die Reformpläne sehen nun zahlreiche Ergänzungen und Verschärfungen vor, um illegale Migration zu begrenzen. Geplant ist insbesondere ein deutlich härterer Umgang mit Menschen aus Ländern, die als relativ sicher gelten. Sie sollen künftig nach einem Grenzübertritt unter haftähnlichen Bedingungen in streng kontrollierte Aufnahmeeinrichtungen kommen. Dort würde dann im Normalfall innerhalb von zwölf Wochen geprüft werden, ob der Antragsteller Chancen auf Asyl hat. Wenn nicht, soll er umgehend zurückgeschickt werden.

Die Bundesregierung hatte sich in den Verhandlungen nachdrücklich dafür eingesetzt, dass Familien mit Kindern von den sogenannten Grenzverfahren ausgenommen werden. Um den Durchbruch zu ermöglichen, musste sie letztlich akzeptieren, dass dies doch möglich sein könnte.

Baerbock verteidigt Haltung, Flüchtlingshelfer sind empört

Außenministerin Annalena Baerbock verteidigte am Freitag in einem Brief an die Grünen-Bundestagsfraktion den Entschluss, die Zustimmung der Bundesregierung nicht zu blockieren. Die Entscheidung sei ihr „als Außenministerin, als Grüne und auch persönlich sehr schwergefallen“, schrieb Baerbock. Sie halte die Einigung dennoch für richtig, weil sich der Status Quo für viele Geflüchtete dadurch verbessern werde.

Andere Grünen-Politiker hatten das Vorgehen zuvor scharf kritisiert. „Die EU-Mitgliedsstaaten haben ihren moralischen Kompass verloren“, monierte der Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament, Rasmus Andresen. Man befürchte menschenrechtswidrige Masseninternierungen an den EU-Außengrenzen, so wie man es in der Vergangenheit beispielsweise in Moria mit unhaltbaren Zuständen erlebt habe.

Ähnlich äußerten sich Menschenrechts- und Hilfsorganisationen. Es sei eine Einigung auf Kosten der Menschenrechte und der Menschen, die weltweit am meisten Schutz benötigten, sagte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko. Man sei fassungslos, wie die Bundesregierung die gestrige Einigung als „politischen Durchbruch“ feiern könne. Es sei „kein Durchbruch, sondern ein menschenrechtlicher Tabubruch, eine Missachtung des verfassungsmäßigen Auftrags und ein gebrochenes Versprechen des eigenen Koalitionsvertrages“.

Solidarität soll Pflicht werden

In Deutschland deutlich weniger umstritten sind die Pläne für den neuen Solidaritätsmechanismus. Er soll dafür sorgen, dass stark belasteten Staaten wie Italien und Griechenland künftig ein Teil der Asylsuchenden abgenommen wird. Dafür sollen zunächst 30.000 Umsiedlungsplätze pro Jahr zur Verfügung gestellt werden, von denen nach dem vereinbarten Verteilungsschlüssel etwas mehr als 6000 auf Deutschland entfallen würden. Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, würden zu Ausgleichszahlungen in Höhe von 20.000 Euro pro Person gezwungen werden.

Zudem sollen die Reformpläne weitreichende Kooperationsprojekte mit Nicht-EU-Ländern ermöglichen. Nach Angaben der zuständigen Kommissarin Ylva Johansson könnten abgelehnte Asylbewerber künftig grundsätzlich auch in Nicht-EU-Länder abgeschoben werden. Einzige Voraussetzung soll sein, dass sie eine Verbindung zu diesem Land haben. Wie diese aussehen muss, soll im Ermessen der EU-Mitgliedstaaten liegen, die für das jeweilige Asylverfahren zuständig sind.

Streitpunkt „Verbindung“

Die Bundesregierung hatte sich eigentlich dafür stark gemacht, dass ein Transitaufenthalt in einem Drittstaat definitiv nicht als Verbindung anerkannt werden kann, sondern nur zum Beispiel durch im Land lebende Familienangehörige. Sollte die Regelung beschlossen werden, könnte damit zum Beispiel Italien über das Mittelmeer kommende Menschen in das Land zurückschicken, wenn sich die Regierung in Tunis damit einverstanden erklärt. Um sie zu einer Zustimmung zu bewegen, könnte etwa finanzielle Unterstützung geleistet werden.

In einer Erklärung zu der Einigung wird auch festgehalten, unter welchen Voraussetzungen Behörden in der EU Asylanträge ohne detaillierte Prüfung für unzulässig erklären können. Dies soll demnach möglich sein, wenn sie von Flüchtlingen gestellt werden, die über einen sicheren Drittstaat eingereist sind. Voraussetzung dafür soll sein, dass die Menschen auch in diesem sicheren Drittstaat effektiven Schutz gewährt bekommen könnten.

EU-Kommission sieht keine Veto-Gefahr

Der nächste Schritt zur Umsetzung der Pläne sind nun Verhandlungen mit dem Europaparlament, das bei dem Thema ein Mitspracherecht hat. Sie könnten bereits im Sommer beginnen. Vor allem grüne Politiker hoffen, dass die Pläne für verschärfte Asylverfahren dort noch abgeschwächt werden können. Stärkste Fraktion im Europaparlament ist allerdings die christdemokratische EVP, die für eine vergleichsweise strenge Migrationspolitik eintritt.

Dementsprechend entspannt äußerte sich am Freitag auch die EU-Kommission. „Ich denke, auch das Parlament hat den historischen Moment erkannt“, sagte die für das Thema zuständige EU-Kommissarin Johansson am Rande eines Justizministertreffens in Luxemburg. Sie erwarte keine besonders harten Verhandlungen.

dpa/dtj

11 Juni 2023 0 Kommentare
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Studie: Mehrheit junger Türken will ins Ausland

von Fremdeninfo 5 Juni 2023
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Gesellschaft

Studie: Mehrheit junger Türken will ins Ausland

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Junge Türkinnen und Türken planen laut einer Umfrage, das Land zu verlassen. Wirtschaftliche Probleme und die Unzufriedenheit mit der Flüchtlingspolitik der Regierung prägen die aktuelle Stimmung. Als Hauptmotivation geben sie bessere Lebensbedingungen an.

Ein großer Teil der jungen Türkinnen und Türken möchte das Land verlassen. 63 Prozent würden der Türkei den Rücken kehren, wenn sich die Möglichkeit bietet – das zeigt eine Vorabveröffentlichung der repräsentativen Türkischen Jugendstudie 2023 der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Als Hauptmotivation nannte fast die Hälfte die Aussicht auf bessere Lebensbedingungen. Befragt wurden über 2000 Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. 61,3 Prozent sagten, sie hätten in ihrer Ausbildung mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Fast alle der Befragten (98,4 Prozent) sehen Probleme in der Türkei – mit Blick auf wirtschaftliche Verhältnisse, Recht und Gerechtigkeit, Arbeitslosigkeit, Vetternwirtschaft und Korruption.

Flüchtlinge als Gefahr für die Türkei?

In der Türkei steht die Inflation laut offiziellen Angaben bei derzeit 44 Prozent, die Landeswährung hat in den letzten zwei Jahren deutlich an Wert verloren. Ökonomen machen dafür die unorthodoxe Wirtschaftspolitik von Recep Tayyip Erdoğan verantwortlich. Deutlich unzufrieden war ein Großteil der Befragten zudem mit der Flüchtlingspolitik der Regierung (91,8 Prozent).

In der Türkei leben laut den Vereinten Nationen knapp vier Millionen Flüchtlinge, 3,4 Millionen davon aus dem Nachbarland Syrien. Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, Flüchtlinge sollten in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden, gut 80 Prozent nannten Flüchtlinge gar eine Gefahr für die Zukunft der Türkei.

Das Thema Flüchtlinge hatte auch den Wahlkampf im Voraus der Abstimmungen um Parlament und Präsidentschaftsamt bestimmt. Sowohl die Opposition als auch die regierende AKP traten mit der Ansage an, Flüchtlinge aus der Türkei schaffen zu wollen. Die Umfrage wurde noch vor der Wahl durchgeführt.

Vorsichtiger Optimismus mit Blick auf die Zukunft

Während der Studie zufolge 39,4 Prozent die Zukunft der Türkei optimistisch sehen, sind 27,2 Prozent pessimistisch. Damit habe sich die Situation zu 2021 insgesamt leicht zum Positiven gewandt: Stimmten damals 62,8 Prozent einer pessimistischen Prognose zu, seien 35,2 Prozent völlig hoffnungslos und nur 27,6 Prozent der Befragten leicht optimistisch gewesen, teilt die Stiftung auf ihrer Seite mit. Es sei daher ein „Trendwechsel“ zu beobachten.

dpa/dtj

5 Juni 2023 0 Kommentare
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DGB-Chefin Fahimi fordert Einwanderungsbüros in ganz Deutschland

von Fremdeninfo 5 Juni 2023
von Fremdeninfo
  • DGB-Chefin Fahimi fordert Einwanderungsbüros in ganz Deutschland

Politik Die Welt

 
124  Kommentare

 

Möchte die Integration verbessern: die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi
Quelle: AFP/TOBIAS SCHWARZ
 
Die Bundesregierung will mehr Zuwanderer in die Bundesrepublik holen, um dem Mangel an Arbeitskräften zu begegnen. DGB-Chefin Yasmin Fahimi glaubt, dass das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nicht ausreicht. Es brauche Einwanderungsbüros.
 Mit Blick auf die Reise von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) nach Südamerika hat DGB-Chefin Yasmin Fahimi die Einrichtung von Einwanderungsbüros in ganz Deutschland gefordert. „Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ich befürchte aber, dass es nicht ausreichen wird, um genügend Menschen aus dem Ausland nach Deutschland zu holen“, sagte die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Wir brauchen neben einer Einwanderungsbehörde des Bundes Einwanderungsbüros in den Kommunen, die eine ganzheitliche Unterstützung bei der Einwanderung und Integration aus einer Hand anbieten“, sagte sie. Die Fachkräfte aus dem Ausland benötigten Unterstützung etwa beim Erlernen der Sprache, bei der Wohnungssuche, beim Familiennachzug und der Kitaplatzsuche. Ferner benötigten sie Informationen über die Infrastruktur vor Ort und das Lebensumfeld.

Den „Fachkräften das Ankommen erleichtern“

„Diese Aufgaben sollten die Einwanderungsbüros für eine gewisse Zeit übernehmen, um den Fachkräften das Ankommen zu erleichtern“, sagte Fahimi. Sie plädierte ferner dafür, „vermehrt Ausbildungskooperationen mit verschiedenen Ländern einzugehen“.

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Baerbock und Heil beginnen am Montag in Brasilien eine mehrtägige Südamerika-Reise. Auf ihrer sechstägigen Reise, die sie auch nach Kolumbien und Panama führt, wollen sie um Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt werben.

Die Bundesregierung wolle „die Einwanderungspolitik vom Kopf auf die Füße stellen, denn unsere Wirtschaft braucht dringend mehr Fachkräfte“, erklärte Baerbock vor ihrem Abflug nach Brasília. „Brasilianische Pflegekräfte und kolumbianische Elektriker finden in Deutschland bereits offene Arme – diese Partnerschaft wollen wir ausbauen.“

5 Juni 2023 0 Kommentare
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Kultur

Merve Dizdar In der Türkei wird sie für ihre Preiswidmung übel beschimpft

von Fremdeninfo 2 Juni 2023
von Fremdeninfo

 

 
Cannes: Die türkische Schauspielerin Merve Dizdar zeigt ihren Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle im Film „About Dry Grasses“ bei einem Fototermin nach der Preisverleihung. Foto: Daniel Cole/AP/d

Annes-Palme für

 Merve Dizdar In der Türkei wird sie für ihre Preiswidmung übel beschimpft

Merve Dizdar nimmt am 27. Mai überwältigt den Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle im Film „About Dry Grasses“ von Regisseur Ceylan an. Foto: dpa/Daniel Cole

Wütende Beschimpfungen statt Glückwünsche schlagen der Schauspielerin Merve Dizdar nach ihrer Auszeichnung in Cannes aus ihrer türkischen Heimat entgegen.

Sogar einer Schauspielerin können einmal die Gesichtszüge entgleiten. Der türkischen Schauspielerin Merve Dizdar fiel richtig die Kinnlade herunter, als ihr Name bei den Filmfestspielen in Cannes aufgerufen wurde. Mit offenem Mund blickte Dizdar ungläubig um sich, bevor sie langsam aus dem Publikum aufstand, sich umarmen ließ und zur Bühne ging, um ihren Preis entgegenzunehmen: Beste Schauspielerin. Es ist das erste Mal, dass eine türkische Schauspielerin diesen Preis gewonnen hat, und Dizdar widmete ihn in einer kurzen Ansprache der türkischen Frauenbewegung. Am nächsten Morgen flog sie nach Istanbul zurück, um ihre Stimme bei der Präsidentschaftswahl abzugeben, und noch bevor sie in der Türkei landete, ging der Krach los. Statt mit Glückwünschen wird die Schauspielerin in ihrer Heimat mit nationalistischen Verwünschungen und Beschimpfungen überzogen, die überwiegend aus dem Regierungslager kommen.

„Hoffen auf bessere Zeiten in der Türkei“

Dizdar wurde für ihre Rolle im neuesten Film des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan ausgezeichnet, der selbst schon die Goldenen Palme gewonnen hat und bereits den siebten Film in Cannes zeigte: „Kuru Otlar Üstüne“ (Über Trockenes Gras) erzählt von der Dienstpflicht, die junge Lehrer und Lehrerinnen in der Türkei in Ostanatolien ableisten müssen. Es sei ihr nicht schwergefallen, sich in die Rolle einer Frau einzuarbeiten, die um ihre Existenz kämpfen müsse, sagte die 36-jährige Schauspielerin in ihren Dankesworten auf der Bühne: „Denn ich weiß nur zu gut, was es in meinem Land bedeutet, eine Frau zu sein.“ Sie widme ihre Auszeichnung deshalb „allen meinen Schwestern, die sich für Frauenrechte engagieren, alles riskieren und die Hoffnung nicht aufgeben, und all den Menschen mit Kampfgeist, die auf wohlverdiente bessere Zeiten in der Türkei warten“

Goldene Palme Cannes auf der Zielgeraden – Wer gewinnt beim Festival?

Die Reaktionen aus der Türkei ließen nicht lange auf sich warten. „Du wirst erst einmal lernen, dein eigenes Land zu respektieren, Merve Dizdar“, tweetete der Vizevorsitzende der türkischen Rundfunkaufsicht, Ibrahim Uslu, noch am Abend der Preisverleihung. „Leute, die ihr Land nicht respektieren, verdienen keine Glückwünsche für einen Preis.“ Dizdar sei eine „Sklavin des Westens“, sekundierte Emre Cemil Ayvali, Vorstandsmitglied der türkischen Regierungspartei AKP per Twitter. „Sie hat diesen Preis nicht für ihre Schauspielkünste bekommen, sondern für ihre hinterhältige Untreue und üble Nachrede gegen ihr Land.“ Dizdar sei so unfähig, dass ihr bei der Preisverleihung die Hände gezittert hätten, höhnte der Politiker, der Vizechef der PR-Abteilung bei der Regierungspartei ist, und verglich die Schauspielerin mit Terroristen.

„Sklavin des Westens“ – nicht mal das Kulturministerium gratuliert der Preisträgerin

Am Flughafen von Istanbul wurde Dizdar am nächsten Tag von Anhängern mit Beifall begrüßt. Auch in dem Wahllokal, wo sie ihre Stimme für die Stichwahl um das Präsidentenamt abgab, wurde sie mit Blumen empfangen und umjubelt. Offiziell gab es aber keine Glückwünsche ihres Landes für die international hoch angesehene Auszeichnung. Nicht einmal das Kulturministerium gratulierte der Schauspielerin, und die Ehefrau des Kulturministers handelte sich eine öffentliche Rüge aus der Regierungspartei ein, als sie Dizdar in den sozialen Medien privat zu dem Preis beglückwünschte. Pervin Ersoy wäre wohl lieber mit einem Oppositionsabgeordneten verheiratet, beschwerte sich Metin Külünk, ein weiteres AKP-Vorstandsmitglied, über die Gemahlin von Kulturminister Nuri Ersoy.

Türkische Frauenbewegung kann ihre Ermunterung gut brauchen

Selbst aus ihrem Kollegenkreis schlugen der Schauspielerin nicht nur Glückwünsche dafür entgegen, dass sie dem türkischen Film zu internationaler Ehre gereichte, sondern auch Missgunst und Missbilligung. Dizdar hätte sich lieber über die französische Besatzung von Algerien beschweren sollen, wenn sie schon einmal in Frankreich sei, sagte der Schauspieler Tamer Karadagli im Fernsehen. Dizdar spiele auch in populären TV-Serien im türkischen Staatsfernsehen, erinnerte Karadagli. „Es kann nicht richtig sein, im Staatsfernsehen aufzutreten, Millionen Herzen zu gewinnen und dann im Ausland einen so wichtigen Preis anzunehmen und sich dabei über den eigenen Staat, das eigene Land zu beklag

Präsidentschaftswahl in der Türkei Freie Bahn für Erdogan

Merve Dizdar lächelt nur, bedankt sich für den Applaus und schweigt zu den Vorwürfen. Sie kann das halbe Land hinter sich wissen – fast genau die Hälfte, wie sich bei der Präsidentenwahl zeigte, die mit 52 zu 48 Prozent ausging und die Spaltung der Gesellschaft zwischen pro- und anti-westlichen Lagern illustrierte. Die türkische Frauenbewegung kann ihre Ermunterung jedenfalls gut brauchen, zogen bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen doch zwei neue Parteien mit explizit frauenfeindlichen Programmen in die Volksvertretung ein. Sie fordern die Geschlechtertrennung im öffentlichen Leben und die Abschaffung des Gesetzes zum Schutz vor häuslicher Gewalt. „Herzlichen Glückwunsch, Merve Dizdar“, gratulierte Fidan Ataselim, die Generalsekretärin der Vereinigung gegen Frauenmorde. „Zusammen werden wir die wohlverdienten besseren Zeiten erreichen.“

2 Juni 2023 0 Kommentare
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Politik

Türkei: Inhaftierter Demirtaş will sich aus der Politik zurückziehen

von Fremdeninfo 1 Juni 2023
von Fremdeninfo

 Türkei: Inhaftierter Demirtaş will sich aus der Politik zurückziehen

Von

dtj- / dpa online

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1. Juni 202

 

 

 
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Istanbul: Der frühere Vorsitzende der türkischen, pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtaş, spricht auf einer Kundgebung. Foto: Sedat Suna/EPA/dpa

Der Politiker Selahattin Demirtaş hat etwas überraschend angekündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Seit 2016 inhaftiert, hatte er dennoch großen Einfluss auf die prokurdische Bewegung. 

Drei Tage nach der Stichwahl in der Türkei hat sich der inhaftierte Ex-Chef der prokurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtaş, aus der Politik zurückgezogen. „Während ich wie jeder meiner Weggefährten aus dem Gefängnis den Kampf mit Widerstand fortsetze, gebe ich an dieser Stelle die aktive Politik auf“, schrieb Demirtaş am Mittwoch auf Twitter unter Verweis auf ein heute erschienenes Interview mit ihm. „Ich entschuldige mich in eigenem Namen aufrichtig dafür, dass wir nicht in der Lage waren, eine unserem Volk würdige Politik zu schaffen.“ Ein Tag zuvor hatte er die Schwächen der HDP-Politik aufgelistet.

Demirtaş ist seit 2016 wegen Terrorvorwürfen inhaftiert, übte aber aus dem Gefängnis heraus noch großen Einfluss auf seine Partei und Anhänger aus. Immer wieder meldete er sich zu aktuellen politischen Themen über Twitter zu Wort. Er hatte, wie seine Partei, vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zur Unterstützung des Oppositionsführers Kemal Kılıçdaroğlu aufgerufen. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag unterlag Kılıçdaroğlu Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan.

Gerichte fordern Freilassung

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte zuletzt 2020 die Freilassung des Politikers angeordnet. So auch das türkische Verfassungsgericht, Erdoğan ignorierte das Urteil aber. Nach seinem Wahlsieg am Sonntag hatte der Präsident zum wiederholten Male betont, Demirtaş komme nicht aus dem Gefängnis frei, solange er an der Macht sei. Seine Anhänger forderten daraufhin die Todesstrafe für Demirtaş, die es in der Türkei nicht gibt.

Erdoğan macht Demirtaş für einen Vorfall im Jahr 2014 verantwortlich, bei dem in Diyarbakır dutzende Menschen ums Leben kamen. Der HDP wirft er vor, der verlängerte Arm der Terrororganisation PKK zu sein. Die HDP weist das zurück, verzichtet aber auch darauf, sich eindeutig zu distanzieren. Schon im Wahlkampf hatte Erdoğan Demirtaş sowie weite Teile der Opposition immer wieder verbal angegriffen und sie als „Terroristen“ bezeichnet.

Ob Demirtaş seine politische Karriere tatsächlich beendet, scheint noch nicht abschließend sicher zu sein. Mehrere ehemalige Weggefährten melden sich seit gestern zu Wort und betonen, dass er weitermachen müsse, seine Erklärung hänge mit der Enttäuschung bei den Wahlen zusammen und sei daher nachvollziehbar. Die HDP hatte bei der Parlamentswahl einen Stimmenrückgang verzeichnet.

dpa/dtj

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1 Juni 2023 0 Kommentare
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Religion

Bertelsmann-Studie: Ein Drittel der Bürger hält religiöse Vielfalt für „Bedrohung“

von Fremdeninfo 1 Juni 2023
von Fremdeninfo

  1. Bertelsmann-Studie: Ein Drittel der Bürger hält religiöse Vielfalt für „Bedrohung“

Politik

Deutschland Ausland
232  Kommentare

Deutschland Bertelsmann-Studie

Ein Drittel der Bürger hält religiöse Vielfalt für „Bedrohung“

Von Matthias Kamann

Politikredakteur
etty; Montage: Infografik WELT
Die religiöse Pluralität wächst – doch viele Menschen empfinden dies laut einer Studie als Gefahr. Als Grund sehen die Forscher neben der zunehmenden Konfessionslosigkeit das Fehlen von Kenntnissen und Kontakten. Ihr Lösungsansatz hat einen Haken.
 Noch nie seit dem Mittelalter war die religiöse Vielfalt in Deutschland so groß wie heute. Nur die Hälfte der hier lebenden Menschen sind Christen, fast 36 Prozent gehören keiner Religionsgemeinschaft an. Es folgen Muslime mit knapp neun Prozent sowie kleinere Gruppen. Diese wachsende Pluralität hält gut ein Drittel (34 Prozent) für eine Bedrohung.

Dies ist das zentrale Ergebnis des Religionsmonitors 2023, dessen Daten zur Pluralisierung der Bekenntnisse WELT exklusiv vorliegen.

Laut der Infas-Erhebung mit gut 4300 repräsentativ ausgewählten Befragten im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung wurden jene Bedrohungsgefühle bei den Interviews im Sommer 2022 von 38 Prozent der Menschen ohne Religionszugehörigkeit geäußert und von 34 Prozent der Mitglieder christlicher Konfessionen.

Am wenigsten verbreitet ist die Angst vor der Pluralisierung unter hier lebenden Muslimen (20 Prozent), am stärksten bei Hindus (61), die vorwiegend Migranten sind und hierbei möglicherweise an die oft gewaltsamen religiösen Konflikte auf dem indischen Subkontinent denken. Insgesamt nur 29 Prozent alle Befragten empfinden die Pluralität als „Bereicher sr

Dass die Sympathien zwischen den Bekenntnissen nicht sonderlich ausgeprägt sind, lässt sich auch an Veränderungen gegenüber vorherigen Befragungen ablesen. Hatten beim Religionsmonitor 2013 noch 89 Prozent aller Befragten gesagt, man solle „gegenüber allen Religionen offen sein“, so ist dieser Wert um neun Punkte auf nun 80 Prozent gesunken.

Hohe Wertschätzung der Religionsfreiheit

Um gleich 13 Punkte auf 59 Prozent ging die Zustimmung zu der Aussage zurück, dass „jede Religion einen wahren Kern“ habe. Zugleich bleibt die Wertschätzung der Religionsfreiheit sowie des Rechts auf den Wechsel oder das Ablegen des Bekenntnisses mit 93 Prozent sehr hoch.

„Die hohe Zustimmung zu abstrakten Prinzipien der Glaubens-, Bekenntnis- und Religionsausübungsfreiheit ist daher die eine Seite“, resümieren die Autoren um die Religionssoziologin Yasemin El-Menouar. „Der gesellschaftliche Konsens löst sich auf, wenn es um die Haltung gegenüber unterschiedlichen religiösen Wahrheiten als auch um die Einschätzung der Relevanz von Religion für die Moderne geht.“

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Dass 59 Prozent der Befragten meinen, Religion als solche passe „nicht mehr in unsere Zeit“, veranschauliche „eine zunehmende Kluft zwischen dem Drittel der Bevölkerung, das keinen Bezug zur Religion hat, und einem kleineren Kreis von Menschen, deren Leben stark religiös geprägt ist“.

Solche starken Prägungen finden sich in Deutschland in allen Bekenntnissen. Doch unterscheiden sich dabei die jeweiligen Anteile. Zwar bezeichnen sich Anhänger aller Religionen – und sowieso Menschen ohne Religionszugehörigkeit – mehrheitlich als „gar nicht“, „wenig“ oder „mittel“ religiös. Während dies aber fast 80 Prozent der Christen über sich sagen, äußern sich so nur 63 Prozent der Muslime. Und von denen glauben 85 Prozent „stark“ an Gott, von den Christen lediglich 47 Prozent.

Von deren Mainstream weichen Freikirchler und Pfingstler ab, die gut zwei Prozent aller Christen in Deutschland ausmachen. 49 Prozent von ihnen bekunden einen „starken“ Gottesglauben und schätzen sich als „sehr“ religiös ein. Unter den Muslimen wiederum fällt auf, dass bei Sunniten (zwei Drittel der hiesigen Islam-Anhänger) jene starke religiöse Identität sehr viel mehr verbreitet ist als bei Anhängern anderer muslimischer Glaubensrichtungen.

 
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Sucht man angesichts der wachsenden Fremdheitsgefühle zwischen Anhängern der verschiedenen Religionen sowie der Großgruppe der Religionslosen nach Möglichkeiten zur Annäherung, so kann man einen Ansatzpunkt im religiösen Wissen der Menschen finden. Dieses sieht laut den Selbstauskünften aller Befragten so aus: „Viel“ zu wissen behaupten 60 Prozent übers Christentum, 16 Prozent übers Judentum, 27 Prozent über den Islam.

Von all diesen, die „viel“ wissen, hält die Mehrheit die religiöse Vielfalt für eine „Bereicherung“. So ist es auch bei denen, die über die drei Religionen „wenig“ wissen. Nur bei denen, die „kein Wissen“ haben, wird die Pluralität mehrheitlich als „Bedrohung“ eingeschätzt.

Dieser Angst vor einer Bedrohung begegnet man überwiegend auch bei denjenigen, die „keine Kontakte“ zu Anhängern einer anderen Religion haben. Hieraus folgern die Autoren, „dass für ein gelingendes Zusammenleben sowohl eine sachorientierte Aufklärung und differenzierte Wissensvermittlung als auch persönliche Kontakte wichtig sind. Nur in einer Kombination von kognitiver und affektiver Auseinandersetzung können Vorbehalte nachhaltig reduziert werden“.

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Allerdings steht dem Wissenserwerb entgegen, dass die religiöse Erziehung, die bisher weithin in den Herkunftsfamilien stattfindet, deutlich zurückgeht. Von den 16- bis 24-Jährigen sagen nur noch 25 Prozent, dass sie religiös erzogen worden seien, in Ostdeutschland sind es in dieser Altersgruppe lediglich 16 Prozent. Nötig ist angesichts dessen nach Ansicht der Autoren eine Stärkung der religiösen Wissensvermittlung in der Schule.

Aber dort sei „dieses Thema auf den Religionsunterricht beschränkt, an dem nicht alle teilnehmen“. Daher brauche es „überkonfessionelle Angebote, die alle erreichen und unter Einbeziehung aller Religionsgemeinschaften ausgestaltet werden sollten“.

Doch diese Einbeziehung aller Religionen ist schwierig, da sich etwa beim Islam gar nicht sagen lässt, welche Organisation die Religion repräsentiert und einbezogen werden könnte. Von den konfessionsgebundenen Muslimen gab im Religionsmonitor nur jeder Vierte an, Mitglied einer Gemeinde oder eines muslimischen Vereins zu sein, und noch geringer ist die Bindung an Dachverbände wie beispielsweise Ditib. Daher können diese, so die Autoren, „nicht als konfessionelle Vertretungen angesehen werden“.

1 Juni 2023 0 Kommentare
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Politik

Analyse von Ulrich Reitz – Kanzler-Reaktion auf Erdogans Sieg ist ein schwerer Schlag für Baerbock

von Fremdeninfo 30 Mai 2023
von Fremdeninfo

Analyse von Ulrich Reitz – Kanzler-Reaktion auf Erdogans Sieg ist ein schwerer Schlag für Baerbock

Artikel von Von FOCUS-online-Korrespondent Ulrich Reitz

Der islamistische Autokrat Erdogan gewinnt die Wahl in der Türkei. Und der Westen legt sich schneller in die Kurve als man gucken kann. Allen voran Olaf Scholz. Dem Sozialdemokraten sind Deutschlands Interessen allemal wichtiger als die Moralvorstellungen seines grünen Koalitionspartners. 

 

 

FOCUS online/Foto: Mustafa Kaya/Handout/XinHua/dpa, Foto: Annette Riedl/dpa

FOCUS online/Foto: Mustafa Kaya/Handout/XinHua/dpa, Foto: Annette Riedl/dpa © FOCUS online/Foto: Mustafa Kaya/Handout/XinHua/dpa, Foto: Annette Riedl/

Eine „Zeitenwende“ Deutschlands im Verhältnis zur Türkei, wie sie der türkisch-stämmige Grünen-Minister Cem Özdemir fordert, ist weder außen- noch innenpolitisch in Sicht. Nach seiner Wiederwahl hat der islamistische und nationalistische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr oder weniger freie Bahn.

Scholz‘ Reaktion zeigt: Wertegeleitet Außenpolitik ist Ilusion

Einmal mehr entpuppt sich die von den Grünen favorisierte „wertegeleitete Außenpolitik“ als Illusion. Denn: Als erster deutscher Spitzenpolitiker gratulierte, gleich nach den afghanischen Religions-Terroristen von den Taliban,  Bundeskanzler Olaf Scholz Erdogan zu dessen Wiederwahl. 

Dabei verlor der Sozialdemokrat kein Wort über: Die Verletzung der Menschenrechte in der Türkei, die Leugnung des Genozids an den Armeniern, den Machtanspruch der Sunniten in der türkischen Gesellschaft, die Unterdrückung von Christen, aber auch von Aleviten, dem von den Türken auch in Deutschland manipulierten Wahlkampf, von grassierendem Islamismus oder Nationalismus.  

Interessengeleitete Realpolitik eben. Der aus der Türkei nach Deutschland geflohene Journalist und Dokumentarfilmer Can Dündar bezichtigte Scholz daraufhin der „Komplizenschaft“ mit Erdogan.  

Özdemir bemühte den Vergleich mit Putin, in dessen Fall auch niemand in Deutschland eine „Zeitenwende“ für möglich gehalten habe. Der Unterschied: Ein „Decoupling“ Deutschlands von der Türkei ist, anders als eine Abkopplung von Russland, nicht möglich. Im Verhältnis Deutschlands zur Türkei zählt nicht (grüne) Moral, sondern harte Interessen

Erdogan wird Erfolg haben

Niemand machte das so schnell so deutlich wie ein Kollege von Scholz. US-Präsident Joe Biden gab bekannt, er habe bei seinem Glückwunsch-Telefonat mit Erdogan über die Lieferung amerikanischer F-16-Jäger gesprochen.  

Damit zeichnet sich ein Deal ab, der auch im deutschen Interesse ist: Die USA liefern Erdogan, was der schon lange verlangt, nämlich die hochpotenten F-16-Flugzeuge. Im Gegenzug macht Erdogan den Weg frei für eine Aufnahme Schwedens in die Nato. Die blockiert Erdogan bisher – unter Hinweis auf die Toleranz, die Schweden türkischen Kurden gewährt, die aus Sicht des türkischen Alleinherrschers „Terroristen“ sind. 

Der Beitritt Schwedens und Finnlands zur Nato ist eine Folge des von Wladimir Putin entfesselten völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Nato wächst und kommt gleichzeitig der russischen Grenze ein großes Stück näher, eine drastische Niederlage Putins. 

Erdogan wird am Ende mit seiner Erpressung Erfolg haben: er bekommt die F-16-Maschinen, womit sich – paradox genug – die Spannungen zwischen der Türkei und einem weiteren Nato-Mitglied erhöhen werden. Mit vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts investiert kein Nato-Land so viel Geld für Verteidigung wie Griechenland. Was der jahrzehntealten Gegnerschaft zur Türkei geschuldet ist.

Unterschied zwischen interessen- und wertegeleiteter Außenpolitik wird deutlich

Aber für die Nato, vor allem für die Amerikaner, ist die Türkei der wichtigere Partner als Griechenland. Dafür drücken auch die Amerikaner mehr als ein Auge zu. Und lassen der Türkei durchgehen, dass Erdogan sich bei Amerikas Systemfeind Putin mit einem russischen Raketen-Abwehrsystem versorgte. 

Am Beispiel der Türkei lässt sich der Unterschied zwischen interessen- und wertegeleiteter Außenpolitik gut studieren. Er besteht darin, dass wertegeleitete Außenpolitik wenig bis nichts verändert, interessengeleitete Außenpolitik aber schon. Die absehbare Mitgliedschaft Schwedens in der Nato wird dafür ein schlagendes Beispiel sein. 

Mit gutem Willen allein oder moralisierenden Ansprachen wäre das nicht zu erreichen gewesen. Wertegeleitete Außenpolitik hat den Vorteil, dass man sich damit – gebührenfrei – den eigenen Anhängern als Vertreter der „richtigen Haltung“ präsentieren kann.

Wertegeleitete Außenpolitik ist Baerbock wichtig

Der Gegensatz in den Konzepten ist auch ein Gegensatz beim politischen Personal. Schon bei der China-Politik hat sich gezeigt, dass der Bundeskanzler nichts wissen will von dem moralischen Ansatz, den die grüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verfolgt und der ihr so wichtig ist. Eine China-Strategie der Bundesregierung liegt deshalb seit Monaten auf Eis. 

In der Türkei dürfte sich nach Erdogans Erfolg der Nationalismus in Kombination mit dem politischen Islam, den der Autokrat propagiert, noch verstärken. Für beides hat Erdogan nun mehr Rückendeckung als zuvor, nicht zuletzt durch das Verhalten seines Kontrahenten Kilicdaroglu, der Erdogan kurz vor dem Stich-Wahltag noch rechtsradikal überholen wollte. 

Der Istanbuler Bürgermeister versprach, die vier Millionen von der Türkei aufgenommenen syrischen Flüchtlinge aus dem Land zu werfen. Das hätte bei einem Wahlsieg Kilicdaroglus deren Massenflucht Richtung Europa – Zielland Nummer eins: Deutschland – ausgelöst. 

Die Grünen hatten aufgerufen, Erdogan nicht zu wählen. Durch das extremistische Verhalten des Erdogan-Gegners wurden ihre Hoffnungen auf einen demokratischen Wechsel in der Türkei als Illusion entlarvt. Auch dies zeigt: Mit Hoffnungen Politik machen zu wollen, kann

Zeitenwende wird es nicht geben

Die von Cem Özdemir geforderte Zeitenwende im Verhältnis Deutschlands zur Türkei nach Erdogans Wahlsieg wird eine fromme Illusion bleiben. Olaf Scholz, der Inhaber der Richtlinienkompetenz, ist ein Real-, kein Moralpolitiker. Deutschland braucht die Türkei, auch für den Flüchtlingsdeal, den schon Angela Merkel (CDU) mit Erdogan geschlossen hatte.

Erdogan hat nicht nur in der Türkei selbst und außenpolitisch freie Bahn, seine hunderttausenden Anhänger in Deutschland haben es auch. Dank des Appeasements deutscher Politik, die längst weitgehend unkritisch und parteiübergreifend einer grünen Integrationserzählung folgt.

30 Mai 2023 0 Kommentare
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