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Information

ote Knospen“ – eine Fernsehserie spaltet die Türkei

von Fremdeninfo 19 Januar 2024
von Fremdeninfo

„Rote Knospen“ – eine Fernsehserie spaltet die Türkei

Artikel von Elmas Topcu
Zwei Wochen Sendepause samt Geldstrafe hat die türkische Medienbehörde gegen die Serie „Rote Knospen“ verhängt, in der religiöse und liberale Welten aufeinanderprallen. Die Serie sei wohl zu realistisch, meinen manche.
 
 

Erdogan und Putin

 
 
Eine TV-Serie sorgt derzeit für erhitzte Diskussion in der Türkei. Sie heißt „Kizil Goncalar“, zu Deutsch „Rote Knospen“, und startete Mitte Dezember im regierungskritischen Sender Fox TV. Der Name klingt nach einer typischen türkischen Seifenoper – doch das ist sie nicht: Sie hat politische Sprengkraft, weil sie der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und zeigt, in welchen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen das Land steckt. Vor allem macht sie deutlich, wie tief die Türkei bereits gespalten ist: in eine streng islamisch-religiöse und eine liberal-westliche Lebenswelt.

Erzählt wird die Geschichte von Meryem, die mit 13, 14 Jahren mit Naim verheiratet wurde, der dem streng islamischen Orden „Faniler“ („Die Sterblichen“) angehört. In diesem fiktiven Orden, im Westen würde man auch Sekte sagen, wird von Mitgliedern absolute Treue erwartet – die Naim mit Hingabe liefert.

 

Der türkische Staatspräsident Erdogan beim Besuch bei der Ismailaga-Gemeinde. Die radikale Bruderschaft pflegt seit Jahren engen Kontakt zur AKP © ANKA

 

Nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2023, hier wird die Serie konkret, kehren Naim, Meryem und ihre Tochter Zeynep ihrer zerstörten südostanatolischen Heimat den Rücken und ziehen in die Metropole Istanbul. Naim dient im Ordenskloster, Meryem hilft im Umfeld der Gemeinde und die Tochter Zeynep darf nur die Koranschule besuchen, keine staatliche Regelschule. Bald wird sie noch größere Probleme haben: Die Gemeinde will Zeynep mit einem Führer der Sekte verheiraten. Dieser ist in medizinischer Behandlung bei dem laizistischen Arzt Levent, der den westlichen Idealen des Staatsgründers Atatürk folgt. Diese zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten, werden sehr realistisch gezeichnet und zeigen so ein Abbild des Landes.

Erfolg und heftige Kritik

Die Türkei ist seit Jahren tief gespalten. Unter der islamisch-konservativen AKP wurde die Kluft zwischen den erstarkten religiösen und den geschwächten säkularen Gruppen immer größer. Während die Liberalen aus dem Staatsapparat, der Justiz, Hochschullandschaft, zum Teil aus der Privatwirtschaft verdrängt wurden, bekamen viele Orden, Bruderschaften und religiös-konservative Verbände immer mehr Privilegien und erhebliche finanzielle Unterstützung. Vor jeder Wahl wird daher die Angst geschürt, dass sie diese verlieren würden, wenn es zu einem Regierungswechsel käme.

„Rote Knospen“ führt das Publikum in das Innenleben der jeweils anderen Gruppe. Sie zwingt die Zuschauer, bewusster wahrzunehmen, in was für einem polarisierten Land sie leben und darüber nachzudenken, in welcher Türkei sie überhaupt leben wollen. Bereits mit der zweiten Folge erreichte sie fast sieben Millionen Zuschauer – eine beachtliche Quote in dem 85-Millionen-Einwohner-Staat.

Die Serie löste auch eine Welle der Kritik aus. Sowohl laizistisch-liberale als auch religiös-konservative Gruppen fühlten sich schlecht dargestellt. Am lautesten demonstrierten aber die islamistischen Orden und Bruderschaften. Sie mobilisierten ihre Anhänger, sodass laut Medienaufsichtsbehörde RTÜK bei zuständigen Stellen 32.000 Beschwerden eingingen.

Beschwerden eingingen.

Kurzerhand verhängte sie harte Strafen; zwei Wochen Sendepause und rund 275.00 Euro Geldstrafe gegen den Sender Fox TV wegen des angeblichen Verstoßes gegen „nationale und moralische Werte“. In den Dialogen würden negative Adjektive für religiös gelesene Muslime verwendet und in einigen Szenen würden religiös-sensible Menschen herabwürdigt, so die Begründung der RTÜK.

Gelegenheit zur Machtdemonstration?

Für den Islam-Theologen Ihsan Eliacik sind die harten Strafen keine Überraschung. Denn RTÜK sei seit langem auf Regierungslinie, schreite bei solchen Fällen oft mit der Begründung ein, dass sich viele religiöse Menschen beschwerten. Häufig spreche sie Verbote aus, anschließend bestätige das Verwaltungsgericht diese, weil auch die Gerichte mit regierungsnahen Richtern besetzt seien, so Eliacik.

Der Theologe vermutet, dass solche Fälle für die Regierung eine willkommene Gelegenheit seien, Macht zu demonstrieren – und dass sie keine Kritik am Islam dulde. Die AKP wolle signalisieren, dass in ihrer Türkei die religiösen, bärtigen und verhüllten Menschen nicht „verachtet“ werden dürfen. „Diese seien jetzt an der Macht, diese seien sogar der Staat selbst, das ist die Botschaft“, sagt Eliacik.

 

Die Serie löste auch eine Welle der Kritik aus. Sowohl laizistisch-liberale als auch religiös-konservative Gruppen fühlten sich schlecht dargestellt. Am lautesten demonstrierten aber die islamistischen Orden und Bruderschaften. Sie mobilisierten ihre Anhänger, sodass laut Medienaufsichtsbehörde RTÜK bei zuständigen Stellen 32.000 Beschwerden eingingen.

Kurzerhand verhängte sie harte Strafen; zwei Wochen Sendepause und rund 275.00 Euro Geldstrafe gegen den Sender Fox TV wegen des angeblichen Verstoßes gegen „nationale und moralische Werte“. In den Dialogen würden negative Adjektive für religiös gelesene Muslime verwendet und in einigen Szenen würden religiös-sensible Menschen herabwürdigt, so die Begründung der RTÜK.

Gelegenheit zur Machtdemonstration?

Für den Islam-Theologen Ihsan Eliacik sind die harten Strafen keine Überraschung. Denn RTÜK sei seit langem auf Regierungslinie, schreite bei solchen Fällen oft mit der Begründung ein, dass sich viele religiöse Menschen beschwerten. Häufig spreche sie Verbote aus, anschließend bestätige das Verwaltungsgericht diese, weil auch die Gerichte mit regierungsnahen Richtern besetzt seien, so Eliacik.

Der Theologe vermutet, dass solche Fälle für die Regierung eine willkommene Gelegenheit seien, Macht zu demonstrieren – und dass sie keine Kritik am Islam dulde. Die AKP wolle signalisieren, dass in ihrer Türkei die religiösen, bärtigen und verhüllten Menschen nicht „verachtet“ werden dürfen. „Diese seien jetzt an der Macht, diese seien sogar der Staat selbst, das ist die Botschaft“, sagt Eliacik.

Die Serie löste auch eine Welle der Kritik aus. Sowohl laizistisch-liberale als auch religiös-konservative Gruppen fühlten sich schlecht dargestellt. Am lautesten demonstrierten aber die islamistischen Orden und Bruderschaften. Sie mobilisierten ihre Anhänger, sodass laut Medienaufsichtsbehörde RTÜK bei zuständigen Stellen 32.000 Beschwerden eingingen.

Kurzerhand verhängte sie harte Strafen; zwei Wochen Sendepause und rund 275.00 Euro Geldstrafe gegen den Sender Fox TV wegen des angeblichen Verstoßes gegen „nationale und moralische Werte“. In den Dialogen würden negative Adjektive für religiös gelesene Muslime verwendet und in einigen Szenen würden religiös-sensible Menschen herabwürdigt, so die Begründung der RTÜK.

Gelegenheit zur Machtdemonstration?

Für den Islam-Theologen Ihsan Eliacik sind die harten Strafen keine Überraschung. Denn RTÜK sei seit langem auf Regierungslinie, schreite bei solchen Fällen oft mit der Begründung ein, dass sich viele religiöse Menschen beschwerten. Häufig spreche sie Verbote aus, anschließend bestätige das Verwaltungsgericht diese, weil auch die Gerichte mit regierungsnahen Richtern besetzt seien, so Eliacik.

Der Theologe vermutet, dass solche Fälle für die Regierung eine willkommene Gelegenheit seien, Macht zu demonstrieren – und dass sie keine Kritik am Islam dulde. Die AKP wolle signalisieren, dass in ihrer Türkei die religiösen, bärtigen und verhüllten Menschen nicht „verachtet“ werden dürfen. „Diese seien jetzt an der Macht, diese seien sogar der Staat selbst, das ist die Botschaft“, sagt Eliacik.

er türkische Staatspräsident Erdogan beim Besuch bei der Ismailaga-Gemeinde. Die radikale Bruderschaft pflegt seit Jahren engen Kontakt zur AKP © ANKA

Nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2023, hier wird die Serie konkret, kehren Naim, Meryem und ihre Tochter Zeynep ihrer zerstörten südostanatolischen Heimat den Rücken und ziehen in die Metropole Istanbul. Naim dient im Ordenskloster, Meryem hilft im Umfeld der Gemeinde und die Tochter Zeynep darf nur die Koranschule besuchen, keine staatliche Regelschule. Bald wird sie noch größere Probleme haben: Die Gemeinde will Zeynep mit einem Führer der Sekte verheiraten. Dieser ist in medizinischer Behandlung bei dem laizistischen Arzt Levent, der den westlichen Idealen des Staatsgründers Atatürk folgt. Diese zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten, werden sehr realistisch gezeichnet und zeigen so ein Abbild des Landes.

Erfolg und heftige Kritik

Die Türkei ist seit Jahren tief gespalten. Unter der islamisch-konservativen AKP wurde die Kluft zwischen den erstarkten religiösen und den geschwächten säkularen Gruppen immer größer. Während die Liberalen aus dem Staatsapparat, der Justiz, Hochschullandschaft, zum Teil aus der Privatwirtschaft verdrängt wurden, bekamen viele Orden, Bruderschaften und religiös-konservative Verbände immer mehr Privilegien und erhebliche finanzielle Unterstützung. Vor jeder Wahl wird daher die Angst geschürt, dass sie diese verlieren würden, wenn es zu einem Regierungswechsel käme.

„Rote Knospen“ führt das Publikum in das Innenleben der jeweils anderen Gruppe. Sie zwingt die Zuschauer, bewusster wahrzunehmen, in was für einem polarisierten Land sie leben und darüber nachzudenken, in welcher Türkei sie überhaupt leben wollen. Bereits mit der zweiten Folge erreichte sie fast sieben Millionen Zuschauer – eine beachtliche Quote in dem 85-Millionen-Einwohner-Staat.

Die Serie löste auch eine Welle der Kritik aus. Sowohl laizistisch-liberale als auch religiös-konservative Gruppen fühlten sich schlecht dargestellt. Am lautesten demonstrierten aber die islamistischen Orden und Bruderschaften. Sie mobilisierten ihre Anhänger, sodass laut Medienaufsichtsbehörde RTÜK bei zuständigen Stellen 32.000 Beschwerden eingingen.

Kurzerhand verhängte sie harte Strafen; zwei Wochen Sendepause und rund 275.00 Euro Geldstrafe gegen den Sender Fox TV wegen des angeblichen Verstoßes gegen „nationale und moralische Werte“. In den Dialogen würden negative Adjektive für religiös gelesene Muslime verwendet und in einigen Szenen würden religiös-sensible Menschen herabwürdigt, so die Begründung der RTÜK.

Gelegenheit zur Machtdemonstration?

Für den Islam-Theologen Ihsan Eliacik sind die harten Strafen keine Überraschung. Denn RTÜK sei seit langem auf Regierungslinie, schreite bei solchen Fällen oft mit der Begründung ein, dass sich viele religiöse Menschen beschwerten. Häufig spreche sie Verbote aus, anschließend bestätige das Verwaltungsgericht diese, weil auch die Gerichte mit regierungsnahen Richtern besetzt seien, so Eliacik.

Der Theologe vermutet, dass solche Fälle für die Regierung eine willkommene Gelegenheit seien, Macht zu demonstrieren – und dass sie keine Kritik am Islam dulde. Die AKP wolle signalisieren, dass in ihrer Türkei die religiösen, bärtigen und verhüllten Menschen nicht „verachtet“ werden dürfen. „Diese seien jetzt an der Macht, diese seien sogar der Staat selbst, das ist die Botschaft“, sagt Eliacik.

Regierungspresse hetzt gegen „Rote Knospen“

Auch die regierungsnahe Presse macht Stimmung gegen die angeblich islamfeindliche Serie. Viele Zuschauer dagegen meinen, „Rote Knospen“ zeige ein differenziertes Bild von Religiös-Konservativen und Säkular-Liberalen. Auch die Produktionsfirma betont, keine Pauschalisierung oder Verallgemeinerung zu beabsichtigen. „Wir wollen einerseits die verheerenden Folgen des Verhaltens von Menschen zeigen, die ihre eigenen Werte missbrauchen. Andererseits wollen wir vor Augen führen, dass gutmütige, ehrliche Menschen trotz Unterschieden eine gemeinsame Sprache finden können“, erklärte die Firma.

„Auch das stört die religiösen Bruderschaften“, sagt Ayse Cavdar, eine Kulturanthropologin, die sich seit Jahren mit Lebenswelten der muslimischen Milieus beschäftigt. Weil das Drehbuch solche Gruppen nicht pauschal verurteile, sondern auf das Gute und Böse in ihnen hinweise, seien sie gekränkt. Es gebe das Gute, dennoch entscheide sich mancher aus freien Stücken für das Böse. „Das verärgert diese Milieus“, so Cavdar weiter.

Am lautesten protestierte die regierungsnahe Ismailaga-Gemeinde, die in den vergangenen Jahren oft für negative Schlagzeilen sorgte – zuletzt wegen der Heirat eines sechsjährigen Mädchens mit einem religiösen Führer ihres Ordens. Der Fall löste landesweit Empörung aus. Ismailaga spricht seit Jahren eine Wahlempfehlung zugunsten von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan aus.

Zuspruch für islamistischen Orden

Laut Untersuchungen haben vier bis sechs Prozent der türkischen Bevölkerung eine Verbindung zu solchen islamistischen Orden und Bruderschaften. „Aber ihr Einfluss ist weit größer als ihre Mitgliederzahl vermuten lässt“, betont die Expertin Cavdar. Dies liege daran, dass diese gut organisiert seien und enge und pragmatische Verhältnisse zur Bürokratie und Politik pflegten – und das seit mehr als 200 Jahren.

Cavdar zufolge übernehmen Bruderschaften wie Naksibendi, zu der auch die Ismailaga-Gemeinde gehört, bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert wichtige Aufgaben im Staatsapparat. Auch in der Politik und Bürokratie habe die Zusammenarbeit eine lange Tradition, weil einige im Staat glaubten, dass solche Gruppen „nützlich“ sein könnten.

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Die Wissenschaftlerin erklärt, dass diese Gruppen ihre Macht nicht aus der Bevölkerung schöpften, sondern vielmehr aus ihren Beziehungen im Staatswesen. „Welchen Schaden solche Verhältnisse dem Land zufügen können, haben wir in jüngster Vergangenheit wieder gesehen“, fügt sie hinzu.

Gemeint ist der Putschversuch vom 2016, hinter dem der Machtkampf zwischen der Regierungspartei AKP und der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Gülen stand. Auch die Gülen-Bewegung hat jahrelang die AKP unterstützt und dabei den Staat unterwandert. Seit ihrer Vertreibung haben andere Bruderschaften ihren Platz übernommen, wie Medienberichte darlegen. In Ministerien, Justiz, Gesundheit, Schulwesen und Polizei seien sie jetzt schon sehr mächtig.

Und diese privilegierte Welt darf auch keine fiktive Serie stören. Daher wollten ihre Mitglieder mit aller Kraft verhindern, dass ihre Klientel kritische Serien wie „Rote Knospen“ anschauen könnten, meint die Expertin. Denn wenn die Mitglieder religiös-konservativer Milieus plötzlich anfingen, über sich und ihr Leben nachzudenken, „könnten sie begreifen, dass ihre Träume nie wahr werden“, so Cavdar. „Die kritischen Stimmen sollen verstummen, damit die inneren Zirkel in Schach gehalten werden.“

Mitarbeit: Pelin Ünker

 

19 Januar 2024 0 Kommentare
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Neuer Bericht – Sanktionen der USA: Türkische Banken kehren Russland plötzlich den Rücken

von Fremdeninfo 19 Januar 2024
von Fremdeninfo

Neuer Bericht – Sanktionen der USA: Türkische Banken kehren Russland plötzlich den Rücken

Artikel von Liudmila Kotlyarova / B.Z

 

 

Der russische Präsident Wladimir Putin (links) begrüßt seinen türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan nach dessen Ankunft in Russland. © Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

 

Die Türkei war lange ein „freundlicher“ Staat für Russland. Sie hatte keine Sanktionen gegen ihren Partner erlassen trotz der russischen Invasion in der Ukraine. Vielmehr umging sie offenbar die Sanktionen anderer Länder. Das gute Verhältnis zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan schien trotz unterschiedlicher geopolitischer Interessen ungetrübt zu sein.

Jetzt sind die Handelsbeziehungen Russlands mit der Türkei erstmals gefährdet. Türkische Banken weigern sich seit kurzer Zeit, mit russischen Banken zusammenzuarbeiten, berichtet die russische Geschäftszeitung Kommersant am Mittwoch unter Berufung auf Quellen aus dem Finanzmarkt und Teilnehmer des Außenhandels.

Türkische Finanzinstitute unterbrechen demnach ihre Korrespondenzbeziehungen mit Russland und lehnen viele Zahlungen ab, ohne den Vertrag formell zu kündigen. Einem Gesprächspartner der Zeitung zufolge gibt es einige Ausnahmen, zum Beispiel für die Tochtergesellschaften ausländischer Banken in Russland. Eine andere Quelle merkte an, dass die Schwierigkeiten schon seit dem vergangenen Sommer bestünden. Ende 2023 habe sich die Situation jedoch erschwert und fast alle Banken in der Türkei erfasst, nachdem US-Präsident Joe Biden am 22. Dezember einen entsprechenden Erlass über Sekundärsanktionen unterzeichnet hatte.

Die Nurol-Bank, die früher mit mehr als 40 russischen Kreditinstituten kooperierte, sowie die Emlak-Bank gehören zu den größten türkischen Banken, die nach den Informationen der Zeitung nicht mehr mit den russischen Kreditinstituten zusammenarbeiten wollen. Die Korrespondenzkonten der russischen Banken in der Türkei wurden in Lira, Dollar und anderen Währungen eröffnet – einige Banken akzeptierten sogar Zahlungen in Rubel. „Die Banken brechen die Beziehungen auf Druck der USA ab. Und das nicht nur in der Türkei, sondern zum Beispiel auch in China“, betont einer der Gesprächspartner von Kommersant. Der Leiter eines Logistikunternehmens merkte seinerseits an, dass es in China nur noch Einzelfälle gebe, im Falle der Türkei gebe es das Problem schon länger.

Der Geldtransfer mit Russland sei zum Erliegen gekommen, schreibt auch die türkische Zeitung Ekonimim unter Verweis auf eigene Quellen. Im Export komme es bereits zu gravierenden Störungen. Die Probleme bei Geldüberweisungen aus Russland würden seit Dezember zunehmen, und die Banken hätten begonnen, Transaktionen, die sie zuvor akzeptiert hatten, mit dem Hinweis auf „verbotene Produkte“ abzulehnen, heißt es. Es werde nun eine dringende Lösung für die Fortsetzung des Handels erwartet. Der türkischen Zeitung zufolge wurde die Frage der Transaktionen mit Russland während des Besuchs von US-Außenminister Anthony Blinken in der Türkei Anfang Januar angesprochen. Blinken habe dabei betont, wie wichtig es sei, „die Umgehung von Sanktionen und die Exportkontrollen anzugehen“.

Die Exporte aus der Türkei nach Russland waren im vergangenen Jahr stark um 23,2 Prozent von 7,6 auf 9,4 Milliarden US-Dollar gestiegen, verweist Economim auf die Statistiken der Türkei. Vor allem Produkte der chemischen Industrie, der Automobilindustrie, Obst und Elektronik wurden exportiert. Das Problem mit den Transaktionen wurde auch von der Türkischen Exporteursversammlung (TIM) erkannt.

Die Schwierigkeiten hätten seit Ende Dezember aufgrund von Audits und Inspektionen durch die Behörden zugenommen, erklärte die TIM. „Aber ich denke, dass sich die Situation nach Januar verbessern wird“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Verbandschef Mustafa Gültepe. Bereits im März 2023 hatte die Berliner Zeitung über ähnliche Probleme beim Transit von Sanktionswaren über die Türkei nach Russland berichtet. Damals hatten die türkischen Zollbehörden die Exporte von umstrittenen Waren nach Russland blockiert. Die Entscheidung galt nur vorübergehend, denn schon Monate später nahm der Handel zwischen Russland und der Türkei wieder zu.

19 Januar 2024 0 Kommentare
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Ercan„Ich sag’ mal so: Der deutsche Geringverdiener kommt da auf jeden Fall ins Nachdenken“

von Fremdeninfo 18 Januar 2024
von Fremdeninfo
Türkei-Auswanderer
Ercan„Ich sag’ mal so: Der deutsche Geringverdiener kommt da auf jeden Fall ins Nachdenken“

von FOCUS-online-Autorin Elisabeth Hussendörfer

 

 

 privat

Auswanderer Ercan Demir mit Freundin Jenny und seinen zwei Hunden.

 

In Deutschland ackern oder in der Türkei leben? Ercan Demir* (53) hat sich für Letzteres entschieden. Er hat seinem gut laufenden Business in München den Rücken gekehrt und sich eine neue Existenz in Alanya aufgebaut – weil er nicht mehr „Sklave des Systems“ sein wollte.

FOCUS online: Guten Morgen nach Alanya. Wie ist das Wetter?

Ercan Demir: Im Moment, am späten Vormittag, 15 Grad. Später werden es wohl 19 Grad. Ich bin sicher, dass jetzt bereits einige Leute am Strand sind. Zum Joggen, für Yoga. Mit den Sonnenstrahlen fühlen sich die 19 Grad eher an wie 24. Einen Pulli braucht man dann nicht mehr.

Sie sind 2019 ausgewandert. Wie kam es dazu?

Demir: Ich habe 20 Jahre lang ein Fitnessstudio in München betrieben, der Mietvertrag lief damals aus. Mein Wunsch war immer, im Süden zu leben. Schon vor über zehn Jahren habe ich in einem Interview gesagt: Ich will ein Fahrrad, zwei Hunde und das Meer vor mir haben.

Und?

Demir: Genauso ist es gekommen.

Auswanderer Ercan: „Du bist Sklave des Systems“

Apropos Süden: Sie sind in der Türkei geboren, da lag das Heimatland als Zufluchtsort sicher nahe?

Demir: Nicht unbedingt, es hätte genauso gut Südamerika werden können. Ich habe damals rauf und runter zu verschiedenen südlichen Ländern recherchiert. Zwei Dinge waren für mich klar. Erstens: Ich will raus aus der EU. Und zweitens: Die Lebenshaltungskosten sollten niedrig sein. 

In diesem Punkt schlägt die Türkei Regionen wie beispielsweise die italienische Riviera, Südfrankreich oder die Costa Brava in Spanien klar. Über den Daumen lässt sich sagen: Alles ist hier etwa 40 Prozent günstiger. Bei den Immobilien sind es sogar 60 bis 70 Prozent. 

Manch einer wird jetzt möglicherweise mit Sicherheit argumentieren. Es stimmt schon, im 21. Jahrhundert ist eine stabile finanzielle Lage für die Sicherheit im Land wichtig. Die Frage ist aber doch: Wie viel Freiheit opfere ich dafür? Wenn du im Kopf nicht frei bist, bringt es dir auch nichts, finanziell gut gestellt zu sein. Selbst dann nicht, wenn du Millionen scheffelst. Du bist Sklave des Systems.

Waren Sie das denn in Ihrer Münchner Zeit, ein Sklave?

Demir: Ein Stück weit schon. Für mich war jedenfalls klar, bis zur Rente mit 67 so weitermachen – sieben Tage die Woche 12 Stunden arbeiten – das war keine Option. Meine um einiges jüngere Freundin Jenny hat das ähnlich gesehen. Irgendwann ist es immer wichtiger für mich und uns geworden, sich im Leben auf die endlichen Dinge zu konzentrieren. Nicht auf das Materielle. 

Wie geht das gute Leben? Ich glaube, spätestens ab der Lebensmitte kommt bei den meisten Menschen diese Frage auf. Tatsächlich lebe ich heute ein recht einfaches, sparsames Leben. Mal abgesehen von der Größe des Hauses … Das ist natürlich schon ein gewisser Luxus. 

„Wenn deine Sicht nach sechs Metern von einem Häuserblock gebremst wird, macht das was mit dir“

Erzählen Sie mal, wie kann man sich den Absprung vorstellen?

Demir: Im Barbereich meines Münchner Fitnessstudios stand damals ein riesiger Fernseher. Da liefen acht Stunden am Tag Videos von Immobilien hier in der Türkei. Villa, Pool, Palmen, Vegetation. Orangen, Zitronen, Mandarinen. Ich fand das total entspannend, mir war das lieber als Musikvideos oder Politik. 

Manchmal meinte ein Kunde: „Träum weiter, Ercan, das kannst du dir doch sowieso nicht leisten“. Vielleicht hat mich auch das dazu angestachelt, mal ein bisschen genauer hinzuschauen. Ab und zu habe ich die Kunden dann schätzen lassen, was die Villa kostet, die da gerade präsentiert wurde. Die Leute lagen in der Regel um das Zehnfache drüber. Jedenfalls habe ich eines Tages beschlossen, da mal hinzufahren und mir das vor Ort

anzuschauen.

Back to the roots, zurück in die Heimat?

Demir: Nein, gar nicht. Alanya liegt am Mittelmeer. Ich selbst bin an der Schwarzmeerküste geboren, bevor ich mit neun Jahren nach Deutschland kam. Man kann die beiden Regionen, die übrigens 800 Kilometer auseinanderliegen, überhaupt nicht miteinander vergleichen. Für mich war Alanya Neuland, genau wie für Jenny.

Was erwartete Sie?

Demir: Eine Wohnung in der ersten Meeresreihe. Ich konnte die Wellen sehen und hören. Zur Wohnung gehörte ein eigenes Strandabteil. In der Ferne konnte ich die Berge des Taurus-Gebiets sehen. Überhaupt, ich glaube, das war das, was mich am meisten geflasht hat: die Weitsicht. Der Blick geht 35 Kilometer. 

Ich bin der Meinung: Weitsicht bringt jemanden weiter. Wenn deine Sicht nach sechs Metern von einem Häuserblock gebremst wird, macht das was mit dir. Keine Ahnung, ob jeder das so wahrnimmt, aber ich habe das ganz deutlich gespürt. Ich war bereit.

„Ich wusste: Die Straßen, die du jetzt fährst, siehst du nie wieder. Das ist One Way“

Klingt so, als seien Sie dann ganz schnell aus Deutschland weg?

Demir: Richtig. Ich bin noch mal für eine Woche zurück nach München, habe die Wohnung aufgelöst, mich von Freunden verabschiedet und einen Dreieinhalbtonner gemietet. Ich wusste: Die Straßen, die du jetzt fährst, siehst du nie wieder. Das ist One Way.

Und jetzt? Vom Meer hatten wir es ja schon. Was ist mit dem Fahrrad und den Hunden?

Demir: Habe ich auch alles. Wenige Wochen nach meiner Ankunft sind mir zwei Welpen zugelaufen. Straßenhunde, die nun seit vier Jahren bei mir leben. Die beiden sind das Schönste, was mir passieren konnte! Ich bin sehr tierlieb, ich wollte, dass die beiden Hunde frei sind. So komisch das für manch einen vielleicht klingt: Das war der Grund, weshalb ich aus der Wohnung raus bin. 

Jenny hat München etwas später den Rücken gekehrt, wir leben jetzt in einem Haus mit 52 Hektar Bananenplantagen davor. Die Hunde gehen raus, machen einen Spaziergang, kommen zurück. Ich finde es nicht in Ordnung, ein Tier in einer Wohnung zu halten, wo es oft stundenlang warten muss, bis Herrchen oder Frauchen vom Job zurückkommen.

Wie kann man sich Ihren Alltag in der Türkei vorstellen? Eine Art Frührentnerdasein, war das der Plan?

Demir: Tatsächlich ja. Wenn mich meine Münchner Freunde gefragt haben, was ich da unten machen will, habe ich gesagt: nichts. Aber nur faul sein und rumlungern, das hätte mich auf Dauer nicht glücklich gemacht. Ich brauche Aktivität, Visionen. 

2020 haben Jenny und ich angefangen, auf YouTube über unser neues Leben zu berichten – und auch auf Fragen einzugehen, die von den Followern kamen. Zum Beispiel, weshalb ein EU-Land für uns für den Neustart nicht infrage gekommen wäre.

Ich kann mich darauf verlassen, dass nicht x Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten kommen“

Und? Wieso?

Demir: Meine Erfahrung ist die, dass die Menschen in einer Region, die wirtschaftlich funktioniert, weniger in Berührung miteinander sind. Beispiel München: Als ich vor über 20 Jahren ins Glockenbachviertel gezogen bin, gab es da noch ganz viele kleine Läden. Den Bäcker, den Metzger, die Fahrradwerkstatt. Wo man auch hinkam, kannte man sich. 

Dann hat sich das Viertel verändert, große Unternehmen kamen rein. Plötzlich hat man im Fahrradladen einen Termin machen müssen, wenn die Reifen geflickt werden mussten. Gespräche, das Persönliche, all das wurde weniger. Im Prinzip gibt es dieses Muster überall in der EU. Nicht zu vergessen die Gesetze. Die französischen Steuerbestimmungen sind viel strenger als hier. Und wissen Sie, was die Deutschen als erstes übernehmen, wenn sie hierherkommen?

Was?

Demir: An der Ampel über Rot fahren. Mit dieser gewissen Lässigkeit, die was mit innerer Freiheit zu tun hat. Das ist schwer zu erklären, denn für München würde das natürlich nicht gehen. Wenn ich hier mit meinem Pick-up über die Felder rauf auf einen Berg fahre, kann ich mich darauf verlassen, dass hinterher nicht x Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten kommen. 

Braucht man das? Für hier kann ich die Frage klar mit Nein beantworten. Auch das ist Teil der Freiheit, neben dem Finanziellen.

„Ich sag‘ mal so: Der deutsche Geringverdiener kommt da auf jeden Fall ins Nachdenken“

Eine Wohnung, vergleichbar mit der, in der Sie zu Beginn gelebt haben: Was kostet das?

Demir: Mittlerweile haben die Preise angezogen. Nehmen wir eine Zwei-Zimmer-Wohnung, komplett eingerichtet, Indoor-Pool, Sauna, Fitnessstudio, Meerblick. Sowas kriegt man problemlos für 450 Euro Monatsmiete. Warm. Plus etwa 500 bis 800 Euro zum Leben pro Kopf und Monat. Also zusätzlich zur Wohnung. 

Ich sag‘ mal so: Der deutsche Geringverdiener kommt da auf jeden Fall ins Nachdenken. Und zwar zunehmend, wie wir sehen. Seit wir unsere Geschäftsidee verwirklicht haben und Immobilien für deutsche Rentenbezieher anbieten, nimmt die Nachfrage immer weiter zu.

Wie kam es zu diesem Business?

Demir: Es gab keinen Plan. Mich hat das einfach umgetrieben, wenn ich daran gedacht habe, wie Rentner sich das Leben in München nicht mehr leisten können, nachdem sie ihr Leben lang hart gearbeitet haben. Ich finde das sehr traurig. 

Wir bieten den Leuten ein Rundum-Paket an: Wir sagen, was sie beachten müssen, wenn sie dauerhaft hier leben wollen. Inzwischen sind die Bestimmungen deutlich strenger als 2019. Damals hätte man ohne einen einzigen Cent hierherkommen können. Heute sind Einkommensnachweise gefordert. Aber meist findet sich eine Lösung. 

An die hundert Familien sind bereits mit unserer Hilfe ausgewandert und haben hier Fuß gefasst. Wenn es wegen der Bestimmungen nicht dauerhaft geht, gibt es immer noch die Option, vorübergehend zu kommen. Über den Winter etwa. Bis zu sechs Monate kann jeder mit einem Touristenvisum einreisen. Man muss sich noch nicht mal registrieren dafür. 

„An jeder Supermarktkasse wird zumindest bruchstückhaft Deutsch gesprochen“

Was sagt Ihr Gewissen zum Konzept „gutes Leben zu Dumping-Preisen“? Dass das Leben in der Türkei so günstig ist, kommt schließlich nicht von ungefähr. Ein Grund ist die Wirtschaftskrise.

Demir: Das ist richtig, allerdings hat Alanya da eine gewisse Sonderrolle. So wie die in Dubai an Öl gekommen sind, sind die Alanyaner an Land gekommen. Einheimische, die gesund denken, wissen: Wir brauchen einander. Alanya braucht die Auswanderer und die Touristen. Nur so funktioniert die Region, in der übrigens 46 Prozent Zugezogene leben. In einer, wie ich finde, sehr gelassenen Gesamtatmosphäre.

Sind Einwanderer und Einheimische Ihrer Wahrnehmung nach denn viel miteinander in Kontakt?

Demir: Für mich selbst würde ich die Frage mit ja beantworten. Klar, ich bin an der Schnittstelle. Generell könnten die Deutschen noch etwas nachlegen, finde ich. Es gibt Leute, die leben seit 20 Jahren hier und sprechen noch nicht mal fünf Wörter Türkisch. 

Die Einheimischen tun alles, um den Kunden gerecht zu werden. An jeder Supermarktkasse wird zumindest bruchstückhaft Deutsch gesprochen. Für mich steht fest: Wo sprachliche Barrieren fallen, fallen auch andere Barrieren. Das sollte allerdings in beide Richtungen gelten. Wenn sich in diesem Punkt noch was tut, wird es hier unten bestimmt noch entspannter und schöner.

18 Januar 2024 0 Kommentare
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Die Deutschen sind arm und wütend“: Vermögen der Mitte jetzt kaum größer als bei den Griechen

von Fremdeninfo 18 Januar 2024
von Fremdeninfo

Die Deutschen sind arm und wütend“: Vermögen der Mitte jetzt kaum größer als bei den Griechen

 

Liudmila Kotlyarova

Von Spanien und Italien abgehängt: In Deutschland herrscht extreme Ungleichheit, kaum besser als Griechenland, zeigt ein EZB-Vergleich. Wie ist das möglich?

Das Vermögen in Deutschland ist zu ungleich verteilt. Reformen sind nicht in Sicht. Was wird die Ampelkoalition unternehmen

 

Deutschland war lange Zeit ein Leuchtturm des Wohlstands und der politischen Stabilität. Jetzt stagniert seine Wirtschaft, und es drohen die Verbitterung und Spaltung der Gesellschaft. Die Stimmung kippt.

Die extrem ungleiche Verteilung des Wohlstands ist dabei eines der ältesten Probleme in Deutschland und der Grund, warum so viele Menschen sich hierzulande zunehmend verarmt fühlen. Oder, wie der Bloomberg-Kolumnist Chris Bryant neulich in einem Artikel resümiert: „Deutschland ist reich, aber die Deutschen sind arm und wütend.“

Der Medianhaushalt in Deutschland hat ein Nettovermögen von 106.600 Euro – was bedeutet das?

Zahlen bestätigen dieses Gefühl: Die obersten zehn Prozent der Haushalte verfügen laut der letzten Erhebung der Bundesbank aus dem Jahr 2021 über ein Nettovermögen von mindestens 725.000 Euro und kontrollieren mehr als die Hälfte des Vermögens des Landes, während die untersten 40 Prozent der Haushalte ein Nettovermögen von höchstens 44.000 Euro haben. Der mediane, also der mittlere Haushalt, hat dabei ein Vermögen von lediglich 106.600 Euro aufgebaut.

Der Median zeigt das Vermögen der Mitte einer Gesellschaft. Er halbiert die Datenreihe, sodass eine Hälfte der Daten unterhalb und die andere Hälfte oberhalb des Medians liegt, und bietet in dem Fall ein klares Bild der Vermögensverteilung in Deutschland. Der Durchschnittswert dagegen erzeugt den Eindruck, dass es allen Menschen in Deutschland finanziell relativ gut geht. So verfügte ein Durchschnittshaushalt in Deutschland 2021 über ein Nettovermögen von rund 320.000 Euro, doch das bedeutet noch lange nicht, dass die meisten dieses Geld auch haben.

Die traurige Wahrheit: Deutschland bei der Vermögensverteilung deutlich unter dem Medianwert der Eurozone

Düsterer wird das Bild, wenn man die Zentralwerte in Deutschland mit denen in anderen EU-Ländern vergleicht. Plötzlich stellt sich heraus, dass der deutsche Medianhaushalt nur über ein wenig mehr Nettovermögen verfügt als der griechische Haushalt aus der Mitte: 106.206 Euro in Deutschland im zweiten Quartal 2023 gegen 97.749 Euro in Griechenland.

Nur noch die mittleren Haushalte in Estland, Ungarn, Litauen und Lettland sind nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) schlechter aufgestellt – alle anderen ost- und südeuropäischen Länder dagegen viel besser als Deutschland. Zum Beispiel: In der Slowakei verfügt ein mittlerer Haushalt über ein Nettovermögen von 116.244, in Portugal über 126.605, in Slowenien über 154.025, in Italien über 161.062 und in Spanien über 197.236 Euro. Am reichsten sind die mittleren Haushalte in Luxemburg mit 734.745 Euro Nettovermögen. Deutschland liegt damit deutlich unter dem Median der Eurozone (etwa 150.000 Euro).

Kein Wunder, dass wütende Landwirte in den vergangenen Tagen landesweit Straßen blockierten, aus Protest gegen Kürzungen der Agrarsubventionen. Aber viele wissen: Es ist nur der Anlass, denn es geht ihnen um das große Ganze. Die rechtspopulistische AfD versucht, diese Stimmungen für sich zu nutzen.

Fakt ist: Die Inflation frisst die Reallöhne auf, die Armut steigt

Auf der einen Seite bräuchten die Deutschen aufgrund hochwertiger öffentlicher Dienstleistungen nicht viel Geld, um komfortabel zu leben, argumentiert der Bloomberg-Autor. Kindertagesstätten seien in einigen Bundesländern kostenlos, ebenso wie staatliche Studiengebühren. In letzter Zeit hätten die Gewerkschaften Gehaltserhöhungen durchgesetzt, während Sparer höhere Zinsen auf Bankeinlagen erhielten; auch die Landwirte hätten höhere Gewinne erzielt.

Auf der anderen Seite investiere nur noch etwa jeder sechste Deutsche an der Börse, und weniger als die Hälfte der Haushalte besitze ein Eigenheim und profitiere daher nicht von den steigenden Immobilienpreisen, schreibt Chris Bryant. Dazu kommt: Das mittlere Vermögen deutscher Mieterhaushalte beträgt laut der Bundesbank nur 16.000 Euro, und die steigenden Mieten tragen lediglich zur Verarmung der Mieterhaushalte bei.

Der Median zeigt das Vermögen der Mitte einer Gesellschaft. Er halbiert die Datenreihe, sodass eine Hälfte der Daten unterhalb und die andere Hälfte oberhalb des Medians liegt, und bietet in dem Fall ein klares Bild der Vermögensverteilung in Deutschland. Der Durchschnittswert dagegen erzeugt den Eindruck, dass es allen Menschen in Deutschland finanziell relativ gut geht. So verfügte ein Durchschnittshaushalt in Deutschland 2021 über ein Nettovermögen von rund 320.000 Euro, doch das bedeutet noch lange nicht, dass die meisten dieses Geld auch haben.

Die traurige Wahrheit: Deutschland bei der Vermögensverteilung deutlich unter dem Medianwert der Eurozone

Düsterer wird das Bild, wenn man die Zentralwerte in Deutschland mit denen in anderen EU-Ländern vergleicht. Plötzlich stellt sich heraus, dass der deutsche Medianhaushalt nur über ein wenig mehr Nettovermögen verfügt als der

griechische Haushalt aus der Mitte: 106.206 Euro in Deutschland im zweiten Quartal 2023 gegen 97.749 Euro in Griechenland.

Nur noch die mittleren Haushalte in Estland, Ungarn, Litauen und Lettland sind nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) schlechter aufgestellt – alle anderen ost- und südeuropäischen Länder dagegen viel besser als Deutschland. Zum Beispiel: In der Slowakei verfügt ein mittlerer Haushalt über ein Nettovermögen von 116.244, in Portugal über 126.605, in Slowenien über 154.025, in Italien über 161.062 und in Spanien über 197.236 Euro. Am reichsten sind die mittleren Haushalte in Luxemburg mit 734.745 Euro Nettovermögen. Deutschland liegt damit deutlich unter dem Median der Eurozone (etwa 150.000 Euro).

Kein Wunder, dass wütende Landwirte in den vergangenen Tagen landesweit Straßen blockierten, aus Protest gegen Kürzungen der Agrarsubventionen. Aber viele wissen: Es ist nur der Anlass, denn es geht ihnen um das große Ganze. Die rechtspopulistische AfD versucht, diese Stimmungen für sich zu nutzen.

Fakt ist: Die Inflation frisst die Reallöhne auf, die Armut steigt

Auf der einen Seite bräuchten die Deutschen aufgrund hochwertiger öffentlicher Dienstleistungen nicht viel Geld, um komfortabel zu leben, argumentiert der Bloomberg-Autor. Kindertagesstätten seien in einigen Bundesländern kostenlos, ebenso wie staatliche Studiengebühren. In letzter Zeit hätten die Gewerkschaften Gehaltserhöhungen durchgesetzt, während Sparer höhere Zinsen auf Bankeinlagen erhielten; auch die Landwirte hätten höhere Gewinne erzielt.

Die Zahlen der Bundesbank aus dem Jahr 2021 beinhalten zudem noch nicht die Entwicklung seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges. Die Inflation hat die Reallöhne und die Kaufkraft der Haushalte aufgefressen, und die Einkommensarmut hat in Deutschland deutlich zugenommen. Im Jahr 2022 lebten nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung fast 17 Prozent der Menschen in Deutschland in Armut, rund zehn Prozent sogar in ernster Armut. Die Zahl der sehr armen Menschen, die weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, ist demnach zwischen 2010 und 2019 um gut 40 Prozent gestiegen. Ein Viertel der Kinder in Berlin lebt in Armut.

Bloomberg-Autor macht Vorschläge, wie man die AfD neutralisieren könnte

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und führende deutsche Ökonomen kritisieren seit langem das Steuersystem Deutschlands, weil die Belastung zu sehr auf die Löhne ausgerichtet sei und die Vermögens- und Erbschaftssteuern dagegen niedrig seien. So gibt es beispielsweise für Unternehmer pauschale Befreiungen von der Erbschaftssteuer, da sonst Arbeitsplätze und Investitionen gefährdet werden könnten.

Diese Regeln seien viel zu bequem, und das Ergebnis ist, dass die Steuern auf große Erbschaften oft niedriger seien als auf kleinere Vermächtnisse, kritisiert der Bloomberg-Autor. Er schlägt vor: Langfristig müsste Europas größte Volkswirtschaft ihr Steuersystem, das gerade die Arbeit benachteiligt, reformieren und eine breitere Kapitalverteilung fördern. Er zeigt sich jedoch skeptisch, was weitere Reformen zur Verringerung der Ungleichheit in Deutschland angeht, auch wenn es an guten Ideen nicht mangelt.

Die Ironie der zunehmenden Unterstützung der AfD besteht auch darin, dass viele ihrer einkommensschwachen Anhänger wenig von ihrem Programm profitieren würden, weil die Partei Vermögens- und Erbschaftssteuern ablehnt. Mehr Menschen an den Vorteilen des wirtschaftlichen Wohlstands teilhaben zu lassen, würde einen großen Beitrag dazu leisten, die Unterstützung für radikale politische Parteien zu mindern und die Wut abzumildern, die derzeit in Deutschland überkocht, schließt der Bloomberg-Autor.

18 Januar 2024 0 Kommentare
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In Deutschland ist der gesunde Menschenverstand verloren gegangen

von Fremdeninfo 17 Januar 2024
von Fremdeninfo

In Deutschland ist der gesunde Menschenverstand verloren gegangen

Kolumne von Sarna RöserIn Deutschland ist der gesunde Menschenverstand verloren gegangen

Röser/imago Sarna Röser: „Ich bin davon überzeugt, dass wir den freien Fall unseres Wirtschaftsstandorts mit einem klugen Mix aus interner und externer Standortpolitik noch rechtzeitig aufhalten können, wenn wir zu einer ideologiefreien, pragmatischen Politik zurückkehren.“
  Sarna Röser

 

Deutschland verliert sich immer mehr im Klein-Klein um Ampelmännchen, Gendersternchen und Cannabislegalisierung. Bei großen Themen folgt einer guten Intention meist Realitätsferne. Wann kehren wir zurück zu einer ideologiefreien, pragmatischen Politik?

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„Ich würde uns zu der Gruppe der Verlorenen zählen. Früher waren wir interessiert und politisch engagiert. Aber schon seit ein paar Jahren machen wir das nicht mehr. Wen sollen wir denn noch wählen, wenn alle ins gleiche Horn blasen?!“

Dieser Kommentar erreichte mich vor Kurzem als Reaktion auf einen Gastbeitrag. Doch es ist leider nicht das erste Mal, dass ich mich mit Menschen unterhalte, die sich in Deutschland nicht mehr vertreten fühlen.

 

Auf der Suche nach einer lösungs- und vernunftgeleiteten Politik, die die Interessen der Bürger ernst nimmt, stoßen wir auf dilettantische Politikdarsteller, die sich im ideologischen Diskus verrennen. Der gesunde Menschenverstand ist als Korrektiv verloren gegangen.

Wir bewegen uns schleichend in Richtung Planwirtschaft

Deutschland verliert sich immer mehr im Klein-Klein um Ampelmännchen, Gendersternchen, Werbeverbote für bestimmte Lebensmittel und der Cannabislegalisierung. Bei großen Themen wie dem Arbeitskräftemangel, der Migration oder der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts folgt einer guten Intention meist Realitätsferne.

 

Diskussionen zur Steuergerechtigkeit, zur kollabierenden Altersvorsorge und zum maroden Bildungssystem werden überhört. Parallel bewegen wir uns schleichend in Richtung Planwirtschaft. „Vater Staat wird es schon richten“ wird auch unter der Ampelregierung als Leitbild fortgeführt.

Massive Subventionierungen, eine steigende Verbotspolitik, nationale Alleingänge, neue bürokratische Auflagen und immense Steuern und Abgaben gehören zum täglichen Repertoire der deutschen Staatslenkung. Begründet wird dies mit der Behauptung, Fortschritt zu fördern.

Wer soll alles bezahlen, wenn unsere Wirtschaft durch Regulierungswut erstickt?

Doch wissen wir denn nicht eigentlich seit Langem, wo wir hinwollen und müssen?

Die zentralen Herausforderungen sind nicht neu: Fragen rund um Bildung, Energie, Arbeitskräftemangel, Migration, Klimaschutz und Digitalisierung müssen generationengerecht beantwortet werden. Dreifache Nachhaltigkeit lautet das Stichwort. Zukunft ökonomisch, sozial und ökologisch denken.

Für eine starke Wirtschaft braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen staatlicher Intervention und Marktfreiheit. Denn wer soll alles bezahlen, wenn wir unserer Wirtschaft gleichzeitig keine Chance auf Wachstum ermöglichen? Wenn wir sie regelrecht in unserer Regulierungswut ersticken?

Auf der Suche nach einer attraktiven Standortpolitik lohnt auch immer der Blick ins Ausland. Finnland und Estland bestechen zum Beispiel durch eines der besten Bildungssysteme der Welt. Dank einer Umstellung auf digitales Lernen, einem hohen Ansehen für Lehrkräfte und mehr individueller Unterstützung für Schüler wundert es nicht, dass beide Länder im PISA-Vergleich der OECD die Spitzenplätze belegen.

Über die Kolumnistin

Sarna Röser ist Unternehmerin, Aufsichtsrätin, Beirätin und Bundesvorsitzende a.D. des Wirtschaftsverbandes „Die jungen Unternehmer“. Im Juli 2020 wurde sie als jüngstes Mitglied in den Aufsichtsrat der Fielmann AG gewählt. Des Weiteren ist sie seit 2020 eine der jüngsten Beirätinnen der Deutschen Bank AG, sowie seit 2021 als Beirätin der neuen Coding School 42 der Dieter-Schwarz-Stiftung (LIDL/Kaufland) aktiv.

Sarna Röser ist u.a. durch ihre Teilnahme als Gast-Löwin in der 11. Staffel der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ einem breiten Fernsehpublikum bekannt. Das Wirtschaftsmagazin Capital zählt sie zu den Top 40 unter 40 Talenten der deutschen Wirtschaft und das Handelsblatt zu den 100 Frauen, die Deutschland voranbringen.

Der klimapolitische Alleingang Deutschlands muss endlich ein Ende haben

Wie der digitale Wandel gelingen kann, machen zum Beispiel die Niederlande vor. Der nationale Wachstumsfonds, der sukzessive Ausbau des Breitbandzugangs und der Einsatz digitaler Technologien in Unternehmen gehören zu zentralen Schlüsselmechanismen.

Dass Deutschland hingegen auf dem Digitalindex der EU nur noch im Mittelfeld spielt, wundert wenig. Bis heute fehlt eine zentrale Digitalisierungsstrategie. Zwar werden viele Einzelprojekte ins Schaufenster gestellt, doch ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept fehlt.

Auch mit Blick auf die Energie- und Klimapolitik hat Deutschland einiges aufzuholen. Schaut man sich aktuelle Rankings an, machen wir nicht die beste Figur. Klar ist doch, dass es nicht mehr darum geht, ob man Klimaschutz betreiben muss, sondern wie!

Wer bei den Klimafolgen auf die Naturwissenschaftler hört, muss bei der Ausgestaltung bitte auch auf die Ökonomen hören. Der klimapolitische Alleingang Deutschlands muss endlich ein Ende haben. Die massive Subventionierung der erneuerbaren Energien, die Verteuerung des Stroms durch Abgaben und Steuern, dass Unternehmer unter Generalverdacht gestellt werden, dem Klima zu schaden – all das führt dazu, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht mehr attraktiv genug ist und wir uns den Weg in Richtung einer grünen Zukunft schlichtweg nicht mehr leisten können.

Mithilfe von Technologieoffenheit und einem sektorenübergreifenden Emissionshandel könnten wir den CO2-Ausstoß über ein marktwirtschaftliches Instrument reduzieren.

In Vietnam erlebte ich, wie Wirtschaftswachstum funktioniert

Mit verschiedenen mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern hatte ich im letzten Jahr zudem die Möglichkeit, einzelne Länder persönlich kennenzulernen. Auf unserer Delegationsreise nach Israel im Februar 2023 wurde deutlich: Technologie, Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz wurden die letzten Jahre in Israel mit massivem Tempo vorangebracht. Statt jungen Unternehmen Steine in den Weg zu legen, setzte das Land auf eine gut entwickelte Risikokapitalbranche, die Förderung von MINT-Talenten und auf verschiedene Initiativen und Anreize seitens der Regierung durch Steuervergünstigungen, staatliche Garantien und Forschungsprogramme.

In Vietnam haben wir uns davon überzeugen können, wie Wirtschaftswachstum funktioniert. Nicht nur ist Vietnam ein Vorreiter mit Blick auf Handel und Export, sondern auch durch die Förderung von Unternehmertum seitens der Regierung. Die junge, fleißige und technologieoffene Bevölkerung zählt fast 100 Millionen Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren und einem BIP-Wachstum von rund 8 Prozent.

Damit wird Vietnam zu einem echten alternativen Handelspartner im südostasiatischen Raum. Mittels einer speziell dafür eingerichteten Taskforce im Ministerium für Planung und Investitionen sollen in Vietnam zukünftig alle Anliegen des deutschen Mittelstandes und der deutschen Unternehmen an oberster Stelle bearbeitet werden. Deutsche Unternehmer: Happy Welcome!

Der Abwärtstrend macht sich auch im Mittelstand bemerkbar

Abgesehen davon, dass in Ländern wie Vietnam ein Mindset des Machens und des Aufbruchs hautnah zu spüren ist, wird klar: Der Wettbewerb um die deutschen Hidden Champions und zukünftigen Standorte ist bereits in vollem Gange – und das Interesse der heimischen Wirtschaft wächst.

Die Liste an Vorzeigemodellen ist lang. Natürlich ist klar, dass sich einzelne Beispiele nicht immer 1:1 auf Deutschland übertragen lassen. Dennoch zeigt der Vergleich: Andere Länder überholen uns in wichtigen Disziplinen. Kein Wunder, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland im vergangenen Jahr unter 64 verglichenen Ländern um sieben Plätze auf Rang 22 zurückgefallen ist.

Dieser Abwärtstrend macht sich auch im Mittelstand bemerkbar. Mittlerweile gibt jeder zweite Unternehmer an, dass er seinen Betrieb in Zukunft außerhalb von Deutschland aufbauen würde. Auch die Investitionsvorhaben schwinden. Mehr als jeder Dritte plant derzeit gar keine Investitionen. Als Gründe nennt mehr als jeder zweite Unternehmer Bürokratiekosten und Überregulierung.

Die Rückkehr in eine ideologiefreie, pragmatische Politik

Um diese Entwicklung umzukehren und eine soziale, leistungsstarke und klimaschonende Zukunft zu ermöglichen, müssen wir künftig eine ausgewogene Wirtschaftspolitik verfolgen. Wir brauchen eine berechenbare Politik, die sowohl auf nationale Stärkung als auch auf internationale Zusammenarbeit ausgerichtet ist.

Dafür müssen wir uns bewusst werden, wo wir als Gesellschaft hinwollen, und wie wir unsere Ziele erreichen können. Die Lösungsbeispiele liegen uns vor. Das Rad muss nicht neu erfunden werden.

Ich bin davon überzeugt, dass wir den freien Fall unseres Wirtschaftsstandorts mit einem klugen Mix aus interner und externer Standortpolitik noch rechtzeitig aufhalten können, wenn wir zu einer ideologiefreien, pragmatischen Politik zurückkehren – und endlich ins Machen kommen!

17 Januar 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Zahl irregulärer Einreisen in die EU erreicht höchsten Stand seit 2016

von Fremdeninfo 17 Januar 2024
von Fremdeninfo

Zahl irregulärer Einreisen in die EU erreicht höchsten Stand seit 2016

Von dpa

 

Fast 400.000 Menschen reisten 2023 laut Frontex irregulär in die EU ein – 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Immer bedeutsamer wird die Route über Spanien.

Ein Flüchtlingsboot südlich der italienischen Insel Lampedusa © Francisco Seco/​AP/​dpa

Die Zahl der irregulären Einreisen von Migrantinnen und Migranten in die Europäische Union ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex meldete 380.000 solcher Einreiseversuche. Das seien 17 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2016, teilte sie mit.

Frontex: Mehr zu Migration

Etwa 157.500 Menschen beziehungsweise 41 Prozent aller irregulär Einreisenden kamen vorläufigen Berechnungen von Frontex zufolge über die sogenannte zentrale Mittelmeerroute in die EU. Das entspricht einem Anstieg von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Weitere etwa 99.000 Menschen beziehungsweise 26 Prozent der Gesamtzahl kamen laut Frontex über den westlichen Balkan. Damit verlor diese Fluchtroute an Bedeutung: Die Grenzschutzbehörde sprach von einem Rückgang um 31 Prozent. Demgegenüber versuchten 60.000 Menschen, über die östliche Mittelmeerroute in die EU einzureisen – ein Anstieg um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Als östliche Mittelmeerroute wird der Fluchtweg in Richtung Griechenland und Zypern bezeichnet. Menschen, die auf dem Seeweg von Afrika oder der Türkei nach Italien oder Malta gelangen, nehmen die zentrale Mittelmeerroute.

Menschen kommen oft aus Syrien, Guinea und Afghanistan

Einen besonders starken Anstieg verzeichnete Frontex nach eigenen Angaben bei den Bootsüberfahrten von Westafrika auf die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln: Dort stellte die Grenzschutzbehörde im vergangenen Jahr 40.400 irreguläre Einreiseversuche fest – und damit 161 Prozent mehr als im Vorjahr

100.000 irreguläre Grenzübertritte seien auf syrische Staatsbürger entfallen, so viel wie auf keine andere Nationalität. Auf Platz zwei und drei folgten laut Frontex Guineer und Afghanen. Jeder zehnte irreguläre Grenzübertritt entfiel auf Frauen, der Anteil der gemeldeten Minderjährigen machte zehn Prozent aus.

Die Frontex-Statistik bezieht sich auf alle behördlich erfassten Grenzübertritte in die EU. Dabei kann ein und dieselbe Person mehrere Einreiseversuche unternommen haben. Ob es sich bei den Ankommenden um Asylsuchende, sogenannte Arbeitsmigranten oder Menschen handelt, deren Angehörige sich bereits in der EU befinden, wird in der Statistik nicht erfasst.

Fast 400.000 Menschen reisten 2023 laut Frontex irregulär in die EU ein

Fast 330.000 Asyl-Erstanträge in Deutschland im Jahr 2023

Das Jahr 2024 wird spannend, der Haushalt ist auf Kante genäht und eine wirtschaftliche Erholung ist nicht in Sicht, gleichzeitig steigen die Kosten für die Migration weiter, wenn am Ende des Jahres für den Haushalt 2025 dann 60 oder 100 Milliarden fehlen, werden im Wahljahr schmerzhafte Einschnitte nötig und die Wähler werden dann auch darüber abstimmen, inwieweit sie persönliche Einschränkungen auch wegen der Kosten für die Migration hinnehmen möchten.   

Kann mir jemand erklären, warum wir nicht soviele illegale Einwanderer aus z.B. Nigeria haben? Wesentlich höhere Bevölkerungsdichte (281 Millionen zu 13 Millionen im Vergleich zu Guniea? Ist das Klima so unterschiedlich von Staat zu Staat?

Wenn wir die Klimakrise nicht in den Griff bekommen, werden die Zahlen weiter steigen. Das ist meine Prognose, basierend auf der Lektüre zahlreicher wissenschaftlicher Analysen.

Regulär, irregulär. Was soll das? Wir brauchen Fachkräfte. Ich bin froh, dass immer noch Menschen zu uns wollen, trotz der Alternative gegen Deutschland.

Mich wundert dass einfachste Korrelationen immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen sind: Steigende Temperaturen seit 2016, steigende Migrationszahlen

17 Januar 2024 0 Kommentare
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Wie AfD & Co. von der Vertreibung hunderttausender Deutsch-Türken träumen

von Fremdeninfo 16 Januar 2024
von Fremdeninfo

Wie AfD & Co. von der Vertreibung hunderttausender Deutsch-Türken träumen

Von Stefan Kreitewolf   / dtj

Der wahre Kern der AfD wird immer deutlicher. Quelle: www.aktivistmuss.de/www.hogesatzbau.de

 

Ende 2023 trafen sich „Correctiv“-Recherchen zufolge hochrangige AfD-Politiker, Unternehmer und Rechtsextreme in Potsdam, um eine „Remigration“ zu besprechen. Dabei ging es um nicht weniger als die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland. Auch hunderttausende Türkei-stämmige Deutsche sollten den Vorstellungen der Gruppe nach „zurückgeführt werden“. 

AfD-Politiker, Neonazis und Unternehmer hatten sich im November in Potsdam zu einem Treffen zusammengefunden, um einen grausamen Plan zu diskutieren. Ihr Ziel: die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. Anwesend seien neben hochrangigen AfD-Vertretern auch zwei CDU-Mitglieder gewesen. Sie alle lauschten: Martin Sellner, dem Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung in Europa. Kern seiner Ideen war ein „Masterplan“, um Millionen von Menschen aus Deutschland zu vertreiben. Und zwar in einen „Musterstaat“ nach Nordafrika.

Der Begriff – auch als „Umvolkung“ bekannt – ist eine rechtsextreme Chiffre für die Rückkehr von Menschen, die geflohen oder eingewandert sind, in ihre Herkunftsländer. Besonders brisant: Den „Correctiv“-Recherchen zufolge äußerten die anwesenden Gäste, darunter auch hochrangige AfD-Vertreter, während des Treffens offenbar keine Einwände gegen die besprochenen Pläne.

AfD bestätigt Teilnahme von Top-Berater

Unter den Teilnehmenden befand sich auch Roland Hartwig. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete ist derzeit als Berater der AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel tätig und damit – zumindest indirekt – an den Entscheidungen der Parteispitze beteiligt. Ein AfD-Sprecher bestätigte nun Hartwigs Teilnahme am Treffen, gab jedoch an, dass er von Sellners Auftritt überrascht worden sei.

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Geheimplan gegen Deutschland

In den hell erleuchteten Speisesaal eines Landhotels nahe Potsdam treten nach und nach gut zwei Dutzend Menschen. Manche sind Mitglied bei der AfD, ein führender Kopf der Identitären Bewegung ist dabei. Manche sind Burschenschafter, dazu Bürgertum und Mittelstand, Juristen, Politikerinnen, Unternehmer, Ärzte. Auch zwei CDU-Mitglieder sind dabei, Mitglieder der Werteunion. Über die Mit-Betreiberin des Hotels … Geheimplan gegen Deutschland weit

 

Statt Reue und Entschuldigung ließ die AfD wenig später verlautbaren: „Die AfD wird ihre Position zur Einwanderungspolitik, wie sie im Parteiprogramm festgelegt ist, nicht aufgrund der Meinung eines einzelnen Redners bei einem nicht offiziellen AfD-Termin ändern.“ Ein Affront – in Zeiten, in denen Teile der Partei vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft werden. Es zeigt sich, was eigentlich längst klar ist: Die AfD IST rechtsextremistisch.

Deportationspläne für „nicht assimilierte Staatsbürger“

Denn dass Ulrich Siegmund, seines Zeichens Co-Vorsitzender der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt, ebenfalls an dem Treffen mit rechtsextremen Gruppen teilnahm, zeigt: Die Ausweisung von Millionen Menschen aus Deutschland – trotz gültigem Aufenthaltsstatus – ist ein anschlussfähiger Plan innerhalb der AfD.

Bei dem Treffen soll der Österreicher Sellner laut „Correctiv“ aufgezählt haben, wer in Deutschland keinen Platz mehr haben dürfe: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht, und „nicht assimilierte Staatsbürger“. Für Rechtsextremisten dürfte das auch auf Hunderttausende Türkei-stämmige Deutsche zutreffen.

 
 
 

16 Januar 2024 0 Kommentare
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Ausstellung im Landtag auf deutschem Boden für die ganze Welt“ – Niedersachsen im Nationalsozialismus

von Fremdeninfo 16 Januar 2024
von Fremdeninfo

 

Ausstellung im Landtag:

Ausstellung im Landtag  auf deutschem Boden für die ganze Welt“ – Niedersachsen im Nationalsozialismus

Vom 24. Januar bis 11. Februar 2024 ist in der Portikushalle des Landtages täglich von 09:00 Uhr bis 20:00 Uhr eine Ausstellung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten zu sehen.

Die Ausstellung „… auf deutschem Boden für die ganze Welt“ zeigt wesentliche Etappen der Geschichte von 1933 bis 1945 auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens. Die ideologischen Grundlagen des nationalsozialistischen Regimes werden ebenso thematisiert wie die über die Jahre immer weiter fortschreitende Radikalisierung. Anhand Niedersachsens wird die Gesamtgeschichte von Holocaust und anderen Verbrechen der menschenverachtenden NS-Diktatur, verdeutlicht. Opfer, Täterinnen und Tätern sowie Zuschauerinnen und Zuschauern werden dabei in den Blick genommen. Zugleich zeigt die Ausstellung globale Bezüge auf – etwa zum Kolonialismus.

Landtagspräsidentin Hanna Naber sagt zur Ausstellung: „Das Unvorstellbare wird dann greifbarer, wenn es am Beispiel bekannter Orte erzählt wird. Diesen Ansatz verfolgt die Ausstellung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Die Gedenkstätten stehen vor immensen Herausforderungen. Ihre Arbeit ist nach wie vor unentbehrlich für unsere wehrhafte Demokratie. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass die Ausstellung bei uns im Landtag, dem zentralen Ort der niedersächsischen Demokratie, gezeigt wird.“

Die Eröffnung mit geladenem Gästekreis findet am 23. Januar 2024 um 17:00 Uhr in der Portikushalle statt. Neben Landtagspräsidentin Hanna Naber wird auch Kultusministerin Julia Willie Hamburg, Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, ein Grußwort halten. Dr. Elke Gryglewski, Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten sowie Kuratorin der Ausstellung, wird eine Einführung geben.

Unter dem Titel „Gedenkstättenarbeit in Zeiten politischer Radikalisierung“ werden im Zuge der Ausstellungseröffnung die Herausforderungen der institutionellen Gedenkarbeit diskutiert. Auf dem Podium nehmen Andreas Ehresmann (Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel), Guy Band (Mitarbeiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen) sowie Yelizaveta Siviets (Projektmitarbeiterin der Gedenkstätte Gestapo-Keller Osnabrück) Platz.

Medienschaffende sind herzlich eingeladen, über die Ausstellungseröffnung zu berichten. Um Anmeldung mit Nachricht an presselandtag@lt.niedersachsen.de wird gebeten.

16 Januar 2024 0 Kommentare
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Cem Özdemir im Frühstart: „Viele Versprechen an die Bauern wurden nie eingelöst“

von Fremdeninfo 15 Januar 2024
von Fremdeninfo

Cem Özdemir im Frühstart: „Viele Versprechen an die Bauern wurden nie eingelöst“

 

Landwirtschaftsminister Özdemir sieht die Proteste der Bauern auch als Chance: Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte müssten korrigiert werden, sagt Özdemir im ntv Frühstart. Die Korrekturen der eigenen Regierung seien zu spät gekommen.

                                                                         

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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir geht davon aus, dass es bei den Protestkundgebungen der Bauern in Berlin nicht nur um die geplanten Kürzungen beim Agrardiesel geht, sondern um die Situation der Landwirtschaft insgesamt. „Mein Interesse ist es, jetzt konstruktiv nach vorne den Blick zu richten. Das ist jetzt auch eine Chance, all die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte zu korrigieren“, sagte der Grünen-Politiker im Frühstart von ntv.

 „Das Problem ist, dass viele Versprechen aus den letzten Jahrzehnten nie eingelöst wurden. Und vielleicht müssen wir darüber jetzt reden, beispielsweise die Tierwohlabgabe, beispielsweise die Stellung der Bauern in der Lieferkette. All diese Themen gehören jetzt auf die Tagesordnung, und dafür setze ich mich ein“, so Özdemir. Er habe immer davor gewarnt, einen Bereich übermäßig zu belasten. „Es ist gut, dass die Regierung das dann zum Teil korrigiert hat. Aber sie hat spät korrigiert. Wenn man ehrlich ist: Das ist wie eine Medizin, die man zu spät verabreicht, dann wirkt sie einfach nicht mehr.“

„Das Fass ist nicht übergelaufen, es ist explodiert“

Özdemir spielt darauf an, dass die Bundesregierung die geplante Einführung der Kfz-Steuer für Landmaschinen wieder zurückgenommen hat, aber die Subventionen beim Agrardiesel, wenn auch nun schrittweise bis 2026, weiterhin streichen will. Das sei jetzt so beschlossen. „Besser wäre es gewesen, wir hätten die ursprünglichen Beschlüsse so nicht gefasst, und es wäre besser gewesen, wir hätten die Korrektur schnell gemacht.“

„Für die gehöre ich nicht dazu“

Mit Blick auf ein anderes Thema, das Treffen von Rechtsextremen mit Deportationsfantasien am Potsdamer

Lehnitzsee, empfahl Özdemir, innezuhalten und sich zu fragen, bei wem als Nächstes an die Tür geklopft wird. „Ich glaube, das ist jetzt der Moment, wo jeder aufwachen sollte. Immer zu glauben, mich wird es nicht treffen, könnte sich als Irrtum erweisen.“

Özdemir, der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund, geht nach eigener Aussage davon aus, dass er von Teilen in dieser Gesellschaft nicht als Bundesbürger akzeptiert wird. „Ja, für die gehöre ich nicht dazu. Das weiß ich ja. Ich meine, da könnte ich meine Haarfarbe ändern. Ich gehöre nicht dazu.“

Über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren müssten andere entscheiden. „Die Juristen müssen prüfen. In drei Bundesländern ist die AfD ganz offensichtlich rechtsradikal, sagt der Verfassungsschutz. Das werden die Juristen sich anschauen. Ich bin keiner, ich habe da keine Vorschläge zu machen.“ Statt ständig über die AfD zu reden, solle man lieber möglichst wenig Gründe bieten, die AfD zu wählen. „Und da muss man zugeben, in der Migrationspolitik haben wir nicht alles richtig gemacht.“

 

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Bauren Dmo Berlin.

15 Januar 2024 0 Kommentare
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Gaza-Krieg: Israel empört über Festnahme von Fußballer in der Türkei

von Fremdeninfo 15 Januar 2024
von Fremdeninfo

Gaza-Krieg: Israel empört über Festnahme von Fußballer in der Türkei

 von dpa / welt

 

Der israelische Fußballer Sagiv Jehezkel zeigt seine Bandage, auf der „100 Tage“ sowie das Datum „7. Oktober“

und ein Davidstern stehen. © Depo Photos via ZUMA Press Wire/​dpa

Israels Verteidigungsminister Joaw Galant hat der Türkei nach der vorübergehenden Festnahme des israelischen Fußballprofis Sagiv Jehezkel vorgeworfen, ein „verlängerter Arm der Hamas“ zu sein. Jehezkels Festnahme bezeichnete Galant im Onlinedienst X als „Ausdruck von Heuchelei und Undankbarkeit“. Er verwies dabei auch auf umfangreiche Hilfen, mit denen Israel die Türkei nach der Erdbebenkatastrophe vor knapp einem Jahr unterstützt hatte.

Jehezkel hatte bei einem Fußballspiel seines Vereins Antalyaspor gegen Trabzonspor in der Türkei am Sonntag mit einer Geste öffentlich der Opfer des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober gedacht. Auf einer Bandage an seinem Arm standen handschriftlich die Worte „100 Tage“ und „7. Oktober“, zudem war ein Davidstern abgebildet. Das Massaker der Hamas an etwa 1.200 Zivilisten in Israel war am Sonntag genau 100 Tage her. Mit der Aktion erinnerte Jehekzel zudem an die mehr als 100 israelischen Geiseln, die sich noch immer in der Gewalt von Terroristen im Gazastreifen befinden.

Fußballverein stellt Jehezkel frei

In der Türkei wurde Jehezkels Botschaft derweil als antipalästinensisch gewertet. Justizminister Yılmaz Tunç teilte auf X mit, die Generalstaatsanwaltschaft ermittle wegen „öffentlicher Anstiftung zu Hass und Feindseligkeit“ gegen Jehezkel. Der Spieler habe mit seiner „hässlichen Geste“ Unterstützung für das „israelische Massaker in Gaza“ demonstriert. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu schrieb von Ermittlungen wegen Volksverhetzung und berichtete, der Fußballspieler sei festgenommen und verhört worden. Der Erstligist Antalyaspor stellte den Fußballer zudem frei, wie aus einer Mitteilung auf der Vereinswebsite hervorgeht.  

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Nach Angaben des israelischen Außenministeriums wurde Jehezkel inzwischen aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Er soll demnach noch im Laufe des Tages nach Israel zurückkehren.

Der 28-jährige Jehezkel ist israelischer Nationalspieler und wechselte im September vom israelischen Verein Hapoel Be’er Sheva in die türkische Süper Lig zu Antalyaspor. Seine Solidaritätsaktion mit den Opfern der Hamas unternahm er nach seinem Ausgleichstreffer gegen Trabzonspor in der zweiten Halbzeit. Es war sein sechstes Saisontor.  

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei haben sich seit Beginn des derzeitigen Gaza-Kriegs erheblich verschlechtert. In der Türkei solidarisieren sich im Nahostkonflikt viele Menschen mit den Palästinensern. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die Hamas nach ihrem Großangriff auf Israel als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet. Mehrere ranghohe Hamas-Vertreter leben zeitweise oder dauerhaft in der Türkei. Berichten zufolge soll sich Hamas-Chef Ismail Hanija sogar während des Überfalls auf Israel am 7. Oktober in der Türkei aufgehalten haben. Die Türkei dementiert dies nicht. Hanija lebt normalerweise in Katar. 

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Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

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