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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Flüchtlinge

Asylbeschlüsse: Willkommen im Niedrigleistungsland

von Fremdeninfo 9 November 2023
von Fremdeninfo

Asylbeschlüsse: Willkommen im Niedrigleistungsland

Artikel von Von Wolfgang Janisch, Karlsruhe   SZ.de

 

 

 

Bund und Länder wollen die Zahlungen an Asylbewerber künftig drei Jahre lang unter dem Existenzminimum deckeln. Warum das Bundesverfassungsgericht das für keine gute Idee halten dürfte.

 

Willkommen im Niedrigleistungsland

Migrationspolitik ist ein Feld, in dem es auf Zahlen ankommt. Eine Zahl, nämlich die Höhe der Leistungen für Asylbewerber, soll nun gesenkt werden, damit eine andere Zahl ebenfalls kleiner ausfällt, diejenige der Schutzsuchenden in Deutschland. Das ist, kurz gesagt, ein Kernstück der Migrationsbeschlüsse, auf die Bund und Länder sich geeinigt haben: Die niedrigeren Leistungen für Asylbewerber sollen künftig auf 36 statt bisher 18 Monate ausgedehnt werden, erst danach greift der Anspruch auf Bürgergeld oder Sozialhilfe. Weil aber in Flüchtlingsfragen nicht nur die Zahl, sondern auch das Recht eine relevante Größe ist, tut sich nach der langen Nacht im Kanzleramt ein Problem auf: Ist der Plan mit dem Grundgesetz vereinbar?

Dazu muss man kurz auf ein weiteres Element der Beschlüsse eingehen, auf den verstärkten Einsatz sogenannter Sachleistungen. Auch hier geht es darum, Anreize für Migration nach Deutschland zu senken, einfach dadurch, dass man für Migranten die Möglichkeit reduziert, das Geld an die lieben Verwandten zu Hause zu überweisen. Ob diese ein wenig simple Prämisse wirklich zutrifft, wird vielfach bezweifelt; nennenswerte Überweisungen fänden erst statt, wenn die Leute einen Job hätten, sagte der Migrationsexperte Maximilian Pichl dem Spiegel. Aber rechtlich dürfte hier der Spielraum groß sein. Das Existenzminimum muss gewährleistet sein, hat das Bundesverfassungsgericht 2012 entschieden. Aber ob es „durch Geld-, Sach- oder Dienstleistungen“ gesichert werde, bleibe dem Gesetzgeber überlassen.

Zahlungen für Asylbewerber dürfen nicht als migrationspolitische Waffe eingesetzt werden

Trotzdem können Sachleistungen zum Problem werden, und zwar deshalb, weil die Berechnung der Leistungen in den einzelnen Bedarfsgruppen – Haushalt, Kommunikation, Kleidung und so weiter – schon jetzt auf Kante genäht ist, falls sie den jeweiligen Bedarf überhaupt decken. Darauf weist Sarah Lincoln hin, Juristin bei der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). Werden die Leistungen in Geld gewährt, ist der Spielraum zum internen Ausgleich größer: Man spart bei Küchengeräten und hat mehr Geld fürs Handy. Doch je mehr Sachleistungenwerden, destoweniger lassen sich Lücken stopfen.

Vor diesem Hintergrund ist die Sache mit den 36 Monaten besonders heikel. Denn das wäre eine Verdopplung der schon bisher ziemlich langen Niedrigleistungsphase von 18 Monaten. Der unverrückbare Maßstab, an dem das Gericht solche Leistungen misst, ist das menschenwürdige Existenzminimum. Das ist zwar kein für alle Zeiten festgeschriebener asylrechtlicher Urmeter. Aber es ist doch ein Mix aus verfassungsrechtlichen Wertungen (garantiert sein müssen physische Existenz und soziale Teilhabe) und statistischen Berechnungen, der es am Ende zu einer rational bestimmbaren Größe macht.

In seinem damaligen Grundsatzurteil hat das Bundesverfassungsgericht es geradezu untersagt, ein Existenzminimum unterhalb des Existenzminimums zur Abschreckungswaffe zu machen. Leistungen dürfen nicht allein deshalb gesenkt werden, um „Anreize für Wanderungsbewegungen“ zu vermeiden. „Die in Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz garantierte Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht zu relativieren“, lautet der berühmt gewordene Satz. Mehr Nein geht eigentlich nicht.

Dennoch ließ das Urteil damals Spielraum für einen migrantischen Niedrigleistungssektor, wenn auch nur streng nach dem ermittelten Bedarf. Möglich sei eine Differenzierung für Personen, „sofern deren Bedarf an existenznotwendigen Leistungen von dem anderer Bedürftiger signifikant abweicht“.

An dieser Stelle kommt der Zeitfaktor ins Spiel. Wer nur einen kurzen Aufenthalt in Deutschland vor sich hat, muss keine Wohnung einrichten, Bedarfe dieser Art lassen sich also ausklammern. Was auch getan wird. Auf verfassungsrechtlich heikles Terrain gerät man dagegen, wenn man zum Beispiel den Bedarf für Computer und Fernseher nicht in die Bemessung der Leistung einstellt. Sie gehören zu den statistischen Abteilungen Bildung, Unterhaltung, Freizeit und Kultur, wo Asylbewerbern derzeit knapp 20 Euro gestrichen werden. Braucht diese Dinge wirklich nicht, wer vermutlich nur kurz in Deutschland bleiben wird? Oder braucht er sie umso mehr?

Menschen, die sich auf humanitäre oder politische Bleibegründe beriefen, hätten anfangs sogar einen erhöhten Informationsbedarf, argumentierte das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen 2021 in einem Vorlagebeschluss ans Bundesverfassungsgericht. Und zwar deshalb, „weil sie sich über die Verhältnisse in ihrem Herkunftsland auf dem Laufenden halten, aber auch über die hiesige Sprache und Kultur sowie Lebensgewohnheiten informieren möchten“. Mit Computern und Fernsehern zum Beispiel.

Und selbst wenn das Verfassungsgericht dereinst all die abgesenkten Leistungen akzeptieren sollte: Spätestens bei ihrer Ausdehnung auf drei Jahre dürfte ein klares Nein folgen. Jedenfalls sei der niedrige Leistungssatz „dann nicht mehr gerechtfertigt, wenn der tatsächliche Aufenthalt die Spanne eines Kurzaufenthalts deutlich überschritten hat“. Damals erlaubte das Gesetz für vier Jahre abgesenkte Bezüge, also 48 Monate – das war verfassungswidrig. Dass die nun geplanten 36 Monate noch als „Kurzaufenthalt“ durchgehen, dürfte daher unwahrscheinlich sein.

Rechtsstaatlich einwandfreie Asylverfahren – lassen die sich auch im Ausland garantieren?

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat schon jetzt eine Klage angekündigt, falls dies Gesetz werden sollte. Besonders gravierend ist aus Sicht von Sarah Lincoln die reduzierte Gesundheitsversorgung. Chronische Erkrankungen würden in vielen Bundesländern während der Phase der Asylbewerberleistungen nicht behandelt. Künftig dann drei Jahre lang.

Nur in einem Satz streift das Bund-Länder-Papier eine andere Idee, von der die die Staaten derzeit europaweit angefixt sind: Lassen sich Asylverfahren in Drittstaaten auslagern? Italien hat sich gerade Albanien als Partner ausgeguckt. Ist das machbar, im Einklang mit den Menschenrechten? Jürgen Bast, Professor für Migrationsrecht in Gießen, hält dies für illusorisch. Zwar sei eine solche Auslagerung nicht von vornherein ausgeschlossen. Erste Voraussetzung sei aber die effektive Gewährleistung eines rechtsstaatlichen Verfahrens. „Der Zugang zum Gericht darf nicht nur auf dem Papier bestehen.“ Gar nicht zu reden von dem für Flüchtlinge unabdingbaren Netz an Asylanwälten und ehrenamtlichen Helfern, das in Ländern wie Albanien wohl nicht verfügbar sei. Für den europäischen Flüchtlingsschutz elementar sei nun mal der Gedanke, dass es keine Abweisung an der Grenze geben dürfe. Denn dies sei europarechtlich nun wirklich geklärt: „Pushbacks sind illegal.“

Zu den guten Vorsätzen von Bund und Ländern gehören schließlich beschleunigte Asylverfahren. Drei Monate bei der Behörde,drei Monate bei Gericht. Ist auch dies illusorisch? Dazu gibt es gute Nachrichten aus Rheinland-Pfalz. Unter Führung von Lars Brocker, Präsident des dortigen Oberverwaltungsgerichts, wurden Asylklagen beim Verwaltungsgericht Trier konzentriert. Verfahrensdauer: 3,5 Monate – bei einem Bundesdurchschnitt von 17 Monaten. Erklärt wird das Wunder von Trier mit Spezialisierung und Motivation, vor allem aber mit der Möglichkeit, auf veränderte Flüchtlingszahlen aus verschiedenen Herkunftsländern rasch mit einer neuen internen Geschäftsverteilung zu reagieren. Was deutlich schwergängiger ist, wenn die Verfahren auf verschiedene Gerichte verteilt werden. Es geht also doch was in Asyl-Deutschland.

9 November 2023 0 Kommentare
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Archive

„Er wird immer noch beeinflusst“: Özils Vater sieht seinen Sohn seit Jahren fremdgesteuert“

von Fremdeninfo 9 November 2023
von Fremdeninfo

„Er wird immer noch beeinflusst“: Özils Vater sieht seinen Sohn seit Jahren fremdgesteuert“

von: Tagsspiegel

 

 

In den letzten Monaten und Jahren haben Özils Bild mit Erdogan und seine politischen Statements für Aufsehen gesorgt. Sein Vater sagt, er sei bis 2014 „nicht mal annähernd politisch“ gewesen.

Das umstrittene Bild von Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan, 2018 in London. © Foto: dpa/-

Mustafa Özil, Vater und früherer Berater des Fußball-Weltmeisters Mesut Özil, sieht seinen Sohn seit Jahren fremdgesteuert. „Als Vater, weil ich ihn gut kenne, kann ich sagen: Er wird immer noch beeinflusst. Und ausgenutzt“, sagte Mustafa Özil im Podcast „SchwarzRotGold: Mesut Özil zu Gast bei Freunden“ bei RTL+, der an diesem Donnerstag gestartet ist.

„Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn irgendwo ein, wie soll ich sagen, Goldesel steht, dann sind viele da. Interessen von außerhalb − Familie, Angehörige, Umfeld, alle. Bis der Esel kein Gold mehr gibt und sich die Verbindungen so langsam wieder lösen.“

Özil war im Anschluss an das WM-Vorrunden-Aus 2018 in Russland aus der Nationalmannschaft zurückgetreten und hatte dabei auch Respektlosigkeit und Rassismus im Deutschen Fußball-Bund angeprangert. Zuvor hatte ein gemeinsames Bild mit Teamkollege Ilkay Gündogan und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für Aufsehen gesorgt.

„Bis 2014 war Mesut nicht mal annähernd politisch. Weder Erdogan, weder unsere Kanzlerin (Angela) Merkel, weder (Olaf) Scholz, weder Uiguren, gar nichts. Also meine Sicht ist es so, dass er irgendwie von einigen geführt wird. Basta. Punkt.“

Özil, der seine aktive Karriere inzwischen beendet hat, hatte mehrfach mit politischen Statements für Aufsehen gesorgt. Im Dezember 2019 hatte sich der damalige Profi des FC Arsenal in den sozialen Medien kritisch zur Unterdrückung der Uiguren in China geäußert, zuletzt fiel er mit propalästinensischen Internet-Beiträgen auf.

Sein Vater hatte ihn bis 2013 auch als Manager betreut. „2010 wäre Mesut fast beim FC Bayern München gelandet, anstelle von Real Madrid“, sagte er. Als Grund für das Scheitern des angeblich möglichen Transfers nannte er die damalige Beziehung seines Sohnes zu Anna-Maria Lagerblom, der Schwester von Pop-Star Sarah Connor. Das habe Bayern „nicht so gerne gesehen“, meinte Mustafa Özil. (dpa)

9 November 2023 0 Kommentare
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Archive

EU-Kommission bemängelt Rechtsstaatlichkeit: Türkei weist Bericht über Demokratiedefizite zurück

von Fremdeninfo 9 November 2023
von Fremdeninfo

EU-Kommission bemängelt Rechtsstaatlichkeit: Türkei weist Bericht über Demokratiedefizite zurück

2
2 Std.
von.Tagesspiegel

In ihrem regelmäßigen Bericht hat die EU-Kommission dem Beitrittskandidaten bescheinigt, sich weiter von der EU zu entfernen. Die Türkei wirft ihr einen „voreingenommen Umgang“ mit dem Land vor.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu (Archivbild). © Foto: dpa/Burhan Ozbilici

 

Die Türkei hat einen Bericht der EU-Kommission über zunehmende Demokratiedefizite in dem Land entschieden zurückgewiesen. Die Kommission pflege einen „ungerechten und voreingenommenen Umgang mit unserem Land“, hieß es in einer Mitteilung des türkischen Außenministeriums am Mittwochabend.

Die EU-Kommission hatte dem Beitrittskandidaten Türkei in ihrem regelmäßigen Bericht am Mittwoch attestiert, sich weiter von der EU zu entfernen und dabei auf Bereiche wie Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz verwiesen. Die Beitrittsverhandlungen blieben unverändert im Stillstand.

Für landesweite Empörung sorgte zugleich ein am Donnerstag eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen mehrere Richter des Verfassungsgerichts, weil sie Ende Oktober für die Freilassung des inhaftierten Oppositionspolitikers Can Atalay gestimmt hatten.

Atalay war bei der Parlamentswahl im Mai zum Abgeordneten gewählt worden, noch bevor ein Urteil gegen ihn in Zusammenhang mit den regierungskritischen Gezi-Protesten amtlich geworden war. Juristen argumentierten, laut Gesetz müsse er unverzüglich freigelassen werden. So hatte auch das Verfassungsgericht entschieden.

Der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Özgür Özel, bezeichnete die Ermittlungen gegen die Verfassungsrichter und die anhaltende Haft Atalays eine „Verfassungskrise“ und rief zu Protesten dagegen auf. (dpa)

9 November 2023 0 Kommentare
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Frauen

Iranische Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi im Hungerstreik

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

Iranische Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi im Hungerstreik

Artikel von Nathan Giwerzew Berliner Zeitung

 

Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi auf einem undatierten Foto. © NARGES MOHAMMADI FOUNDATION/AFP
 

Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi kämpft seit Jahrzehnten für das gleiche Ziel: Sie protestiert gegen den Kopftuchzwang im Iran, gegen Menschenrechtsverletzungen durch das Mullah-Regime und die Misshandlung von politischen Häftlingen. Sie ist Vizepräsidentin des iranischen Zentrums für die Verteidigung der Menschenrechte (DHRC) und seit 2021 im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert.

Jetzt ist sie in den Hungerstreik getreten, wie ihre Familie berichtete. Ihrer Familie zufolge wurde Mohammadi der Transport zu einer dringend benötigten medizinischen Behandlung in einer Herzklinik verwehrt, weil sie sich weigerte, dem Kopftuchzwang Folge zu leisten.

Die heute 51-Jährige wurde erstmals 1998 verhaftet, als sie während ihres Studiums feministische Artikel für eine Studentenzeitung schrieb und an Treffen einer politischen Studentengruppe teilnahm. Sie studierte Physik und wurde Ingenieurin, anschließend arbeitete sie als Journalistin. Ihr Ehemann Taghi Rahmani, ebenfalls als Journalist in der iranischen Reformbewegung aktiv, ging 2012 nach 14 Jahren Haft ins französische Exil.

Zu diesem Zeitpunkt wurde Mohammadi erneut für sechs Jahre inhaftiert. Der Vorwurf: „Propaganda gegen den Staat“. 2019 ging sie erstmals in den Hungerstreik, um dagegen zu protestieren, dass ihr medizinische Versorgung verwehrt wurde. Mit einer Sitzblockade demonstrierte sie außerdem gemeinsam mit Mitgefangenen gegen die Misshandlungen und Hinrichtungen von politischen Häftlingen.

Zwei Jahre darauf dokumentierte sie detailliert, welcher Art von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch sie selbst und andere Frauen im Evin-Gefängnis ausgesetzt waren – und wurde prompt erneut für mehrere Jahre inhaftiert. Die feministischen Proteste im Iran, die 2022 nach dem Tod der von „Sittenwächtern“ totgeschlagenen Kurdin Mahsa Amini ausgebrochen waren, konnte sie nur aus der Gefängniszelle mitverfolgen. Aminis einziges Vergehen: Sie hatte sich geweigert, in der Öffentlichkeit das Kopftuch anzulegen.

Die Vorsitzende des Friedensnobelpreis-Komitees, Berit Reiss-Andersen, würdigte Mohammadi in einer Rede im Oktober „für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihren Kampf für die Förderung der Menschenrechte und der Freiheit für alle“. Ob Mohammadi den Preis jemals persönlich entgegennehmen kann, steht in den Sternen.

8 November 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Asylmigration steigt auf Jahreshoch – 2023 schon mehr als 267.000 Anträge

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

Asylmigration steigt auf Jahreshoch – 2023 schon mehr als 267.000 Anträge

  Von: Die Welt Artikel von Marcel Leubecher

 

32.000 Asylanträge meldet das Bundesamt für Migration im Oktober – die im laufenden Jahr bisher höchste Zahl. Eine stärkere Zuwanderung nach Deutschland als 2023 gab es nur in wenigen Jahren. Und trotz anderweitiger Ankündigungen bleibt es bei weitgehend offenen Grenzen für Asylbewerber.

 

Asylmigration steigt auf Jahreshoch – 2023 schon mehr als 267.000 Anträge © picture alliance/dpa/Boris Roessler

 

Bei der Zuwanderungslage zeichnet sich trotz Signalen der Bundesregierung zu einer robusteren Migrationssteuerung keine Entspannung ab. Im Gegenteil – im Oktober ist die Asylmigration noch einmal kräftig angestiegen: Fast 32.000 Erstanträge auf Asyl (31.887) wurden im zurückliegenden Monat laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt, 14 Prozent mehr als im September. Das bedeutet einen Höchststand für das Jahr 2023. Man muss lange zurückschauen – nämlich bis in den September 2016 – um einen Monat mit einer noch höheren Antragszahl zu finden.

Im laufenden Jahr wurden damit bis Ende Oktober schon 267.384 Anträge gestellt, 68 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die größte Gruppe bilden auch in diesem Jahr die Syrer (88.000 Erstanträge, 66 Prozent mehr als 2022).

Die drastischste Zunahme ist bei Türken (45.000 Anträge, plus 200 Prozent) zu beobachten. Bürger des Bosporus-Staates stellen inzwischen noch vor den Afghanen (44.000, plus 66 Prozent) die zweitgrößte Asylzuwanderergruppe im laufenden Jahr.

Rund zwei Drittel aller Asylanträge entfallen im laufenden Jahr auf die drei genannten Nationalitäten. Danach folgen Iraker (9484), Iraner (8225) Georgier (7644), Bürger der Russischen Föderation (6460), Somalier (4366) und Eritreer (3615).

Immer häufiger kommen türkische Familien

Im Oktober hatten Türken sogar bis kurz vor Monatsende die meisten Anträge beim BAMF gestellt. Ihre Anerkennungsquote liegt laut der Migrationsbehörde in diesem Jahr bei nur 14 Prozent, doch auch die Abgelehnten werden – wie es bei allen nichteuropäischen Asylherkunftsländern der Fall ist – meist nicht abgeschoben. Nur 345 abgelehnte Asylbewerber oder wegen schwerer Straftaten und anderer Gründe ausreisepflichtig gewordene Türken wurden im ersten Halbjahr 2023 laut Zahlen des Bundesinnenministeriums in ihre Heimat zurückgebracht.

Laut Landesbeamten sind unter den ankommenden Türken immer häufiger Familien mit Kindern, und nicht – wie in der Vergangenheit – überwiegend allein reisende Männer. Es handele sich häufig offensichtlich nicht um Personen mit Aussicht auf Asyl, sondern um Menschen, die nach dem Sieg der Erdogan-Partei AKP und wegen der Wirtschaftsschwäche ihres Landes nach Deutschland auswandern möchten.

Informationen aus einer internen Migrationslagebesprechung verschiedener Bundesministerien zufolge sollen in diesem Jahr bereits ungefähr 60.000 Türken nach Serbien geflogen sein, wohin sie visumfrei einreisen dürfen

dürfen. Von dort ziehen den Informanten zufolge viele nach Deutschland und andere beliebte Asylzuwanderungsländer weiter.

Türken reisen wie Syrer und die übrigen Asylsuchenden überwiegend unerlaubt aus sicheren Nachbarländern in die Bundesrepublik ein. Nach dem seit Jahren geltenden, aber kaum umgesetzten EU-Asylsystem müssten sie in der Regel wieder in den für sie zuständigen Staat zurückgebracht werden, was nur wenige Tausend Male pro Jahr gelingt. Dennoch verzichtet die aktuelle Regierung wie die vorige weitgehend darauf, diese unerlaubten Weiterreisen von bereits geschützten Schutzsuchenden durch Zurückweisungen zu unterbinden.

Im Beschluss des Asylgipfels der Ministerpräsidenten und des Bundeskanzlers vom Dienstag findet sich diesbezüglich folgende Ankündigung: „Das Weiterziehen von Flüchtlingen innerhalb der EU muss konsequent verhindert werden. Soweit Binnengrenzkontrollen erfolgen, nutzt die Bundespolizei diese schon jetzt dazu, Flüchtlinge, die aus einem anderen EU-Mitgliedstaat einreisen, an der deutschen Grenze entsprechend den rechtlichen Grundlagen zurückzuweisen.“

Auf WELT-Anfrage an das Bundeskanzleramt, ob nun tatsächlich bei der unerlaubten Einreise aufgegriffene Asylsuchende offiziell zurückgewiesen werden, dementiert ein Sprecher: „Schutzbegehrende Drittstaatsangehörige sind grundsätzlich an die zuständige Erstaufnahmeeinrichtung zum Zwecke der Prüfung asylrechtlicher Belange einschließlich etwaiger Überstellungen in andere EU-Mitgliedstaaten nach Maßgabe der Dublin-Verordnung weiterzuleiten.“ Es bleibt also entgegen der irreführend formulierten Passage im Beschlusspapier bei weitgehend offenen Grenzen für Asylbewerber.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lobte den Beschluss dennoch als „sehr historischen Moment“. Schon vor einem Monat, als es Fortschritte bei der Einigung auf eine EU-Asylreform zu vermelden gab, kündigte der Kanzler an, die für nächstes Jahr geplante Verabschiedung der EU-Asylreform werde „ein historischer Wendepunkt“ und „Deutschland dauerhaft entlasten“.

Ungeachtet dieser Rhetorik zeichnen sich derzeit keine Verringerung der illegalen Einreisen in die EU, kein Rückgang der unerlaubten Weiterreisen innerhalb Europas nach Deutschland oder eine relevante Steigerung der Abschiebungen ab.

Eine offene Frage bei der EU-Asylreform

Die Ampel-Bundesregierung und auch die Ministerpräsidenten setzen große Hoffnungen auf die für kommendes Jahr geplante EU-Asylreform. Zentrum der Pläne ist, dass illegal einreisende Asylsuchende aus Staaten mit geringer Anerkennungschance ihr Asylverfahren an der EU-Außengrenze durchlaufen sollen; fast jeder Migrant, der bei der unerlaubten Einreise in einen europäischen Staat erwischt wird, äußert ein Asylgesuch.

Im Falle einer Ablehnung sollen Migranten direkt abgeschoben werden. Wie aber etwa jene nicht schutzberechtigten Türken nach der EU-Asylreform – falls sie denn kommt – plötzlich im großen Stil aus Griechenland, Bulgarien oder – nach einer illegalen Weiterreise – aus Deutschland in die Türkei gebracht werden sollen, ist völlig unklar.

Der Migrationsforscher Ruud Koopmans warnte kürzlich im Interview mit WELT AM SONNTAG, ein Aufschieben wirksamer Asylreformen beschädige die Demokratie. „Wenn über drei Jahrzehnte eine Bevölkerungsmehrheit eigentlich Kontrolle über die Zuwanderung möchte, die Parteien dies aber nicht schaffen und keine anständige Reform auf die Beine stellen, verlieren die Menschen das Vertrauen. Im Ergebnis haben wir eine demokratische Nachfrage nach einem Produkt X, das systematisch über Jahrzehnte nicht geliefert wird. Das führt zu einer Krise der Demokratie.“

Eine stärkere Asylzuwanderung als 2023 gab es in der Geschichte der Bundesrepublik nur in vier Jahren: auf dem Höhepunkt der Migrationskrise 2015/2016 sowie während der Jugoslawienkriege 1992 und 1993. Deutschlands Aufnahme-Infrastruktur ist wegen der im vergangenen Jahr rund eine Million ohne Asylverfahren aufgenommenen Ukraine-Flüchtlinge zusätzlich stark belastet.

8 November 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Asyl-Erstanträge: Bundesamt für Migration verzeichnet höchsten Wert seit 2016

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

Asyl-Erstanträge: Bundesamt für Migration verzeichnet höchsten Wert seit 2016

Artikel von Felix Keßler  • Der Spiegel

 

 

Immer mehr Menschen beantragen Asyl in Deutschland. 2023 wird das Jahr mit den meisten Anträgen seit dem Rekordjahr 2016. Mehr als zwei Drittel der Schutzsuchenden kommen aus drei Herkunftsländern.

Asyl-Erstanträge: Bundesamt für Migration verzeichnet höchsten Wert seit 2016 © Axel Heimken / dpa

 

31.887 Menschen haben in Deutschland im Oktober erstmalig Asyl beantragt. Das geht aus aktuellen Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hervor. Laut einem Sprecher der Behörde ist es der höchste Wert seit 2016. Im damaligen September war die Zahl der Erstanträge mit mehr als 70.000 letztmals höher.

Im bisherigen Verlauf des Jahres 2023 kamen 267.384 Erstanträge auf Asyl zusammen. Damit wird 2023 auch das Jahr mit den meisten Asylanträgen seit dem Rekordjahr 2016 werden. Damals waren 722.370 Erstanträge auf Asyl gestellt worden.

Geflüchtete aus der Ukraine nicht erfasst

Die rund eine Million Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die im vergangenen Jahr in Deutschland Aufnahme fanden, mussten keinen Asylantrag stellen, sondern wurden auf Basis einer EU-Richtlinie unmittelbar vorübergehenden Schutz erhalten. Sie sind in den Zahlen daher nicht erfasst.

Die Zahlen dürften die Debatte über eine Begrenzung der Einwanderung in Deutschland weiter anfachen. Bund und Länder hatten sich zuletzt nach langen, schwierigen Verhandlungen auf Maßnahmen geeinigt, die unter anderem darauf abzielen, die Zuwanderung zu reduzieren. Demnach sollen weiter jene Schutz erhalten, die Schutz benötigen,

aber die irreguläre Migration soll deutlich gesenkt werden. Leistungen werden gekürzt, und diejenigen, die in Deutschland kein Bleiberecht haben, müssen das Land schnell wieder verlassen (lesen Sie hier eine Analyse zu der nächtlichen Marathonsitzung ).

Union kritisiert die Bundesregierung

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm, kritisierte angesichts der erneut gestiegenen Zahl der Asylanträge die Bundesregierung: »Diese massive Migrationskrise war lange absehbar, und dennoch hat die Ampel nie gegengesteuert.« Die Entwicklung werde aller Voraussicht nach im nächsten Jahr ihre Fortsetzung finden, »da auch die Beschlüsse des Bundeskanzlers daran nichts ändern werden«, sagte der CDU-Politiker.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer auch die Übernahme der Kosten für die Flüchtlingsversorgung neu geregelt. Bei der Finanzierung zahlt der Bund künftig eine Pauschale von jährlich 7500 Euro pro Asylbewerber, nicht mehr eine Gesamtsumme in Höhe von derzeit 3,7 Milliarden Euro.

8 November 2023 0 Kommentare
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Archive

Bundespräsident empfängt Juden und Muslime: „Viele fragen sich, ob sie im Land noch einen Platz haben“

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

 

Bundespräsident empfängt Juden und Muslime: „Viele fragen sich, ob sie im Land noch einen Platz haben“

Artikel von Julius Betschka  •Tagessiegel

 

Am Mittwoch hat sich der Bundespräsident in einer Ansprache an die Deutschen gerichtet. In der Diskussion wurden vor allem die Leerstellen offenbar, die deutsche Politiker lassen – auch Steinmeier selbst.

Steinmeier bei einer Rede in Bratislava © Foto: AFP/VLADIMIR SIMICEK

 

Die Worte von Jouanna Hassoun hallen im Großen Saal von Schloss Bellevue wie eine Ohrfeige an die deutsche Mehrheitsgesellschaft. „Es ist längst kein Risiko mehr, es ist schon eingetroffen, dass sich viele Menschen in diesem Land fragen, ob sie hier noch einen Platz haben“, sagt Hassoun.

Die in Palästina geborene Sozialmanagerin Hassoun schaut mit klarem Blick und Beben in der Stimme in das Rund des Tisches. „Viele arabische Jugendliche haben sich hier immer wohlgefühlt. Jetzt sind sie verzweifelt.“

 „Ich empfinde einen Schmerz, und auch Jouanna empfindet Schmerz“

Gemeinsam mit anderen Muslimen und Juden, die sich für Verständigung einsetzen, wurde Hassoun von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Mittwoch hierhin eingeladen.

 Was war, das war, aber es darf nie wieder geschehen.

Margot Friedländer, Holocaust-Überlebende

Steinmeier sitzt mit in der Runde, hört konzentriert zu. Die Holocaustüberlebende Margot Friedländer ist Ehrengast, sitzt mit am Tisch, dazu die jüdischen und muslimischen Macher vorbildlicher Projekte gegen Hass. Leute also, denen man wohl zuhören sollte.

Hassoun spricht von der Situation an den Schulen im Land, von den täglichen Videos vom Sterben in Gaza in den sozialen Medien. Seit Langem setzt sie sich gemeinsam mit dem Juden Shai Hoffmann für Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein. Beide sitzen nebeneinander.

eit dem 7. Oktober ist die Lage für ein Miteinander wie ihres, so wirkt es, fast aussichtslos. Auch in Deutschland. Shai Hoffmann sagt: „Ich empfinde einen Schmerz, und auch Jouanna empfindet Schmerz. Beides ist berechtigt. Das muss auch die Politik anerkennen.“

Ausgerechnet hier im Schloss wird offenbar, wie weit entfernt die politische Debatte in Deutschland von der Realität in Klassenzimmern und auf den Straßen ist.

Wie groß die Leerstelle scheint, die gerade der muslimische Teil der Bevölkerung bei der Anerkennung des eigenen Leids erkennt. Wie es vielleicht auch mancher Jude trotz der Solidaritätsworte für das eigene Leid verspürt.

Vergangene Woche etwa wurde Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für eine Rede gelobt, in der er die Komplexität der Lage in Nahost – endlich einmal – auf den Punkt brachte.

Weder Bundeskanzler noch Bundespräsident hatten zuvor an prominenter Stelle Worte des Miteinanders an alle Deutschen gerichtet. Viele Muslime im Land hatten unterdessen immer stärker das Gefühl, zu Mitschuldigen erklärt zu werden; viele Juden haben Angst vor dem wachsenden Hass auf sie.

Habeck zumindest hatte sich nicht nur mahnend an die Muslime im Land gewandt, sondern auch mitfühlend gesprochen. Ein Satz der Verständigung.

An diesem Mittwoch sollte Bundespräsident Steinmeier sein Wort zurückfinden. Fast auf den Tag genau einen Monat nach dem grausamen Terrorangriff der Hamas auf Zivilisten in Israel und dem Beginn der israelischen Gegenangriffe auf Gaza wendete sich das deutsche Staatsoberhaupt vor Beginn des Runden Tisches an die arabischstämmigen Menschen im Land.

Steinmeier appelliert auch an die Muslime

Steinmeier verurteilt scharf den Antisemitismus, erklärt den Juden sein Mitgefühl, sagt aber auch: „Sie alle sollen Raum haben, um Ihren Schmerz und Ihre Verzweiflung über die zivilen Opfer in Gaza zu zeigen, mit anderen zu teilen.“

Dann folgt ein Appell, von dem offen ist, ob er nicht längst zu spät kommt: „Ich bitte Sie, die Menschen mit palästinensischen und arabischen Wurzeln in Deutschland: Lassen Sie sich von den Helfershelfern der Hamas nicht instrumentalisieren!“ Steinmeier spricht die „innere Zerrissenheit“ von Juden und Muslimen an, äußert Verständis für die Furch um Angehörige. Es ist ein neuer Ton, er passt.

Derviş Hızarcı sitzt neben Margot Friedländer an diesem Tisch, begleitet sie zu Beginn des Gesprächs zu ihrem Stuhl. Am Haus seiner Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus haben sie das Schild abnehmen müssen, die genau Adresse aus dem Internet entfernt.

Hizarci warnt: „Es gibt eine Tendenz der Polarisierung. Die bestärkt wird von der Politik. Es wird immer schwieriger, zusammenkommen.“

Diese Runde bietet eine seltene Gelegenheit

Er selbst habe zu einem Fest des Vereins einladen wollen. „Was schreib’ ich in die Einladung, habe ich mich gefragt? Es war noch nie so schwer, die richtigen Worte zu finden“, sagt Hızarcı. „Ich habe auch ihnen mit großen Ohren zugehört, ob sie alles richtig gemacht haben, Herr Steinmeier.”

Es ist ein Gefühl des Misstrauens und der Angst vor dem falschen Wort, das sich in die öffentliche Rede eingeschlichen hat. Hızarcı benennt es, ohne jedes falsche Wort.

Der Zentralrat der Muslime sitzt nicht mit an diesem Tisch, dem – ob nun richtig oder nicht – Verharmlosung des Terrors der Hamas zur Last gelegt wird, auch andere Islam-Verbände ließ man lieber aus.

Im Bundespräsidialamt hatte man zu diesem Termin bewusst Menschen eingeladen, die frei sind von jedem Verdacht. Die sich einsetzen fürs Miteinander. So entsteht eine seltene Gelegenheit in diesen Tagen: eine empathische Runde, deren Weltschmerz sich nicht in Hass wendet.

Es kommt einem fast tragisch vor, dass das Gespräch nicht live ins Fernsehen übertragen wird – oder auf Tiktok und in Bundestagsbüros. Steinmeier jedenfalls hat schon weitere Gespräche versprochen.

Imam Ender Cetin sitzt gemeinsam mit dem Rabbiner Elias Dray am Tisch. Der Imam erinnert an den Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 2001. Damals sei er in Deutschland vom Migranten zum Muslim geworden, zum Feindbild.

Neben ihm nickt Rabbiner Dray. Cetin sagt: „Wenn ich sehe, was da jetzt für Wut ist bei den Palästinensern, dann erinnert mich das an diese Zeit 2001.“

Durch die Nähe, die Fotos und Videos auf jedem Kinderhandy sei es eigentlich noch viel gefährlicher. Am Tisch sitzt auch Margot Friedländer.

Konzentriert und ruhig hört die 102-Jährige zu, hier an diesem Tisch im Schluss Bellevue, mit Muslimen und Juden.

Was war, das war“, hatte sie eingangs gesagt, „aber es darf nie wieder geschehen.“

8 November 2023 0 Kommentare
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Religion

NRW-Minister Reul fordert vom Bund Verbot islamistischer Gruppen

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

 

NRW-Minister Reul fordert vom Bund Verbot islamistischer Gruppen

Von: Die Welt

2 Von:Std.

 

Die Forderung nach einem Kalifat bei einer Demonstration in Essen entsetzte bundesweit. Nun fordert NRW-Innenminister Reul ein Verbot dreier islamistischer Gruppen, die ebenfalls die Scharia in Deutschland einführen wollen.

NRW-Minister Reul fordert vom Bund Verbot islamistischer Gruppen © dpa/Rolf Vennenbernd

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) fordert das Verbot von drei islamistischen Gruppierungen. In einem Schreiben an SPD-Bundesinnenministerin Nancy Faeser, das dem Evangelischen Pressedienst vorliegt, benennt Reul die Gruppen „Generation Islam“, „Realität Islam“ und „Muslim Interaktiv“. Zunächst hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Mittwoch online berichtet.

Die Organisationen verbreiteten offen im digitalen Raum und auf Versammlungen die Ideologie von Hizb ut-Tahrir und erreichten ein breites Publikum, argumentiert Reul. Die radikal-islamistische Bewegung Hizb ut-Tahrir ist seit 2003 in Deutschland verboten. Bei „Generation Islam“, „Realität Islam“ und „Muslim Interaktiv“ handelt es sich laut Reul um Nachfolgeorganisationen. Die Bewegungen forderten die Errichtung eines Kalifats, in dem die Scharia gilt.

Die drei von Reul angeprangerten Gruppen sind im Internet aktiv und betreiben Auftritte in Sozialen Medien. Laut dem NRW-Innenminister beschränken sie ihre Aktivitäten nicht mehr bloß darauf, sondern werden regelmäßig bei Versammlungen mit zum Teil mehreren tausend Teilnehmern aktiv. Reul schreibt von 130 Anhängern, die offenbar ein deutlich größeres Personenpotenzial mobilisieren könnten.

Zwar liege der Schwerpunkt der drei genannten Gruppierungen in Berlin und Hamburg, erläutert der nordrhein-westfälische Innenminister. Dennoch stellten die Geschehnisse in Essen am vergangenen Freitag eine neue Qualität islamistischer Aktivität in Nordrhein-Westfalen und Deutschland dar. „Derart explizite Forderungen nach einem Kalifat, die auf offener Straße vorgetragen werden, waren in den vergangenen Jahren nicht zu verzeichnen“, sagte Reul. An der Demonstration in Essen, bei der auch die Errichtung eines Kalifats gefordert wurde, hatte ein prominenter Aktivist der Gruppierung „Generation Islam“ als Hauptredner teilgenommen.

8 November 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Sahra Wagenknecht über Ausgaben für Asylbewerber: „Davon kann Rentnerin nur träumen“

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

 

Sahra Wagenknecht über Ausgaben für Asylbewerber: „Davon kann Rentnerin nur träumen“

Artikel von Marcel Görmann  •  1

 

Wagenknecht über Asylpolitik: „Wir schaffen es nicht!“

So sagte Wagenknecht bei Maischberger: „Jetzt hat der Flüchtlingsgipfel bis in die Nacht gestritten, wie man die Kosten irgendwie hin- und herschiebt. Aber dass man die Zahlen wirklich reduziert, und das geht auch auf nationaler Ebene, da ist so gut wie gar nichts passiert.“

Es müsse das Signal nach außen gesendet werden. Aktuell wisse jeder, der es mal nach Deutschland geschafft habe, dass er „eine sehr große Chance“ habe, hier zu bleiben. Wagenknecht: „Das können wir nicht! Wir schaffen es nicht!“ Mit anderen Worten: Die frühere Linkspartei-Politikerin will deutlich mehr Abschiebungen. Schon zuvor machte Wagenknecht klar, dass sie Asylbewerber abschrecken will.

Dann stellte Wagenknecht in der ARD-Talksendung den populistischen Kostenvergleich auf. „Herr Wüst hat die Zahl genannt: Pro Geflüchteten kostet es real den deutschen Staat 20.000 Euro pro Jahr. Das sind auf den Monat gerechnet 1.700 Euro. Erklären Sie mal einer Rentnerin, die ihr Leben lang hart gearbeitet hat, die zwei Kinder großgezogen hat, die von einer Rente von 1.700 Euro nur träumen kann, diese Ausgaben!“ Wagenknecht suggeriert hiermit, dass ein Asylbeweber 1.700 ausgezahlt bekommt, während viele Rentnerinnen in Armut leben. Tatsächlich stecken alle möglichen Kosten drin, etwa für Asylbewerberunterkünfte.

 

Sahra Wagenknecht polterte bei Maischberger gegen die Asylpolitik. © IMAGO/HMB-Media

Im Netz gibt es allerdings viel Zuspruch für Wagenknechts Asyl-Haltung – aber auch kritische Stimmen. Ein Kommentator auf X (früher Twitter) schreibt: „‚Das Boot ist voll‘ und ‚Rente für Oma, statt für Sinti und Roma‘ plakatierte die NPD.“ Ein anderer befürchtet: „Wenn alle Flüchtlinge weg sind, wird übrigens gerechnet, dass jeder Arbeitslose den Staat 12.000 Euro kostet. Danach dass jeder Behinderte den Staat 60.000 Euro im Jahr kostet. Dieser Argumentation darf Deutschland nie zu Ende folgen.“

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Mit ihrem Populismus könnte Wagenknecht aber enormen Erfolg bei den Wählern haben. Laut einer Umfrage könnte sie vor allem von der AfD Wähler abziehen.

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Archive

Graue Wölfe im LAF-Ankunftszentrum: Beschäftigungsverbot für türkischen Rechtsextremisten

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo

Graue Wölfe im LAF-Ankunftszentrum: Beschäftigungsverbot für türkischen Rechtsextremisten

Artikel von Nathan Giwerzew  •   Berliner Zeitung3 Std

Aziz Bozkurt, Staatssekretär für Soziales und kommissarischer Präsident des LAF: „Extremisten gleich welcher Orientierung haben in unserer Verwaltung keinen Platz.“ © Volkmar Otto

Es war Dienstagabend, als Civan Akbulut, ein Lokalpolitiker der Linkspartei aus Essen, ein brisantes Foto auf X veröffentlichte. Darauf zu sehen: ein Wachmann in einem Ankunftszentrum des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), der eine Kappe mit dem Runen-Symbol der rechtsextremen türkischen Organisation Graue Wölfe trägt. Laut Akbulut hat eine dort „anwesende Person“ ihm das Foto am Montagabend zugeschickt.

Aziz Bozkurt, Berliner Staatssekretär für Soziales und kommissarischer Präsident des LAF, sagte der Berliner Zeitung am Mittwochmittag: „Nach Rücksprache mit den Beteiligten wurde dem Betroffenen ein Beschäftigungsverbot in den Dienstgebäuden des LAF sowie in den mehr als 100 Unterkünften des LAF im Land Berlin erteilt. Von der Veröffentlichung des ursprünglichen Tweets bis zu dieser Maßnahme verging etwa eine Stunde.“

Die Grauen Wölfe, in der Türkei bekannt unter ihrer Selbstbezeichnung „Ülkücü“ („Idealisten“), sind eine rechtsextreme Gruppierung, die immer wieder durch Terror gegen Minderheiten auffällt – etwa gegen Kurden, Armenier oder Juden. Auf der Kappe des Wachmanns auf dem Foto sind die sogenannten Orchon-Runen zu sehen, ein Erkennungszeichen der Grauen Wölfe. Sie stammen aus dem spätantiken Reich der Kök-Türken in Zentralasien und sollen das Wort „türk“ symbolisieren. Anhänger der Grauen Wölfe verklären die Kök-Türken als ihre mythischen Vorfahren und streben ein großtürkisches Reich an, in dem ethnische Minderheiten und demokratischer Pluralismus keinen Platz haben sollen.

Staatssekretär Bozkurt sagte der Berliner Zeitung, der Mann auf dem Foto habe „für einen Sicherheitsdienstleister im Ankunftszentrum in Reinickendorf“ gearbeitet. Das LAF habe unmittelbar nach Veröffentlichung des Hinweises „in Absprache mit dem Sicherheitsdienstleister die betreffende Person ermittelt“.

Und er führte aus: „Es versteht sich, dass eine Berliner Behörde, die Schutzsuchenden aus aller Welt als erste Anlaufstelle dient, mit höchster Sensibilität bei der Behandlung der Schutzsuchenden vorgehen muss. Deswegen hat das LAF unmittelbar personelle Konsequenzen gezogen.“ Das LAF erachte dieses konsequente Vorgehen „gegen jegliche Form von möglicher Diskriminierung, Ausgrenzung oder auch nur mittelbarer Bedrohung“ als absolut unabdingbar. „Extremisten gleich welcher Orientierung haben in unserer Verwaltung keinen Platz“, betonte Bozkurt.

Linke-Lokalpolitiker Civan Akbulut begrüßte die „schnelle und konsequente Reaktion“ des LAF. „Das LAF hat sich sofort mit mir in Verbindung gesetzt und ein Beschäftigungsverbot für den Wachmann auf dem Foto ausgesprochen“, erklärte Akbulut auf Anfrage der Berliner Zeitung. „Es kann nicht sein, dass ein Anhänger der rechtsextremen Grauen Wölfe in einem Ankunftszentrum arbeitet, in dem zum Beispiel auch Kurden leben, die vor Faschisten wie ihm geflohen sind.“

8 November 2023 0 Kommentare
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