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Flüchtlinge

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Flüchtlinge

Familie von Issa Al Hassan – „Unser Sohn könnte so etwas nicht tun

von Fremdeninfo 3 September 2024
von Fremdeninfo

                          Familie von Issa Al Hassan – „Unser Sohn könnte so etwas nicht tun

 von Politik

                              Der 26 Jahre alte Issa Al Hassan in seinem Zimmer im Flüchtlingsheim in SolingenQuelle: NIUS.DE

Die Eltern von Issa Al Hassan können nicht glauben, dass ihr Sohn der Täter des Messerangriffs von Solingen ist. „Wir sind vor all diesen Problemen, der Gewalt geflohen. Ich denke, unser Sohn könnte so etwas nicht tun“, sagt Chalaf Al Hassan im „https://www.spiegel.de/ausland/anschlag-von-solingen-interview-mit-der-familie-des-mutmasslichen-taeters-a der Spiegel“. Die Eltern des Tatverdächtigen wohnen in einer der ärmsten Gegenden der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der Vater ein pensionierter Soldat, die Mutter Brotverkäuferin.

Als er noch bei seinen Eltern wohnte, sei ihr Sohn nicht besonders religiös gewesen, berichten diese. Er habe zum Beten einmal am Tag aufgefordert werden müssen und nicht gefastet. „Er war ein fröhlicher Mensch, lachte und scherzte gerne, war gesellig, und jeder, der ihn traf, mochte ihn. Er war sehr beliebt“, sagte seine Schwester Fatima. Er habe der Familie Geld schicken wollen. Der Plan war, dass er sich niederlässt, heiratet und seine Zukunft sichert. Wir dachten, Deutschland sei ein guter Ort, weit weg, und von dort werden keine Menschen abgeschoben“, so die Schwester. Sie sagte auch, dass er immer gesagt habe, er gehe nie aus, kenne niemanden.

Die Eltern berichten, dass sie eigentlich Bauern seien, Zwiebeln, Karotten und Getreide angebaut haben. „Issa ist nur bis zur siebten Klasse zur Schule gegangen, er arbeitete lieber auf dem Feld, statt zu lernen.“

„Diese Leute haben unser Land zerstört“

Darauf hingewiesen, dass Issa möglicherweise auf einem Video des Attentats zu sehen ist, sagt die Mutter: „Diese Leute haben unser Land zerstört und unsere Kinder vertrieben. Es ist unmöglich, dass unser Issa bei ihnen ist.“

Issa Al Hassan wird vorgeworfen, am Freitagabend unvermittelt auf Besucher des Stadtfestes in Solingen eingestochen zu haben. Drei Menschen starben, weitere acht Menschen wurden verletzt. Al Hassan wurde am Samstagabend festgenommen.

Laut einem Bericht des „Spiegel“ wurde an der Tatwaffe die DNA des 26-Jährigen nachgewiesen. Das Magazin berief sich auf ein vertrauliches Papier der Polizei. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Issa Al Hassan war Ende 2022 über Bulgarien nach Deutschland gekommen. Er sollte im Juni 2023 deshalb nach den EU-Asylregeln eigentlich nach Bulgarien überstellt werden. Dies geschah jedoch nicht, weil er am vorgesehenen Tag nicht angetroffen wurde.

 

Was der Sohn und Bruder von Deutschland berichtet habe? „Er hat immer gesagt, dass es ihm gut geht und er glücklich ist“, so seine Schwester. Die Familie habe ihren Bruder auch wegen der Gewalt der Mitglieder des Islamischen Staates ins Ausland geschickt. Zuerst habe er in der Türkei gewohnt, wo schon zwei seiner Brüder arbeiteten. Als die Gefahr bestanden habe, dass er von dort abgeschoben und, zurück in Syrien, zum Militärdienst eingezogen werden könnte, sei er nach Deutschland weitergereist.

 

 

Der 26 Jahre alte Issa Al Hassan in seinem Zimmer im Flüchtlingsheim in SolingenQuelle: NIUS.DE

3 September 2024 0 Kommentare
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Archive

Ich kenne keinen anderen Diktator, der permanent seine eigenen Dekrete verändert, um noch mehr Macht zu haben

von Fremdeninfo 2 September 2024
von Fremdeninfo

Kamil Taylan

 
 
 
                                             

                                           Bild Kamil Taylan Archive
 
 
Ich kenne keinen anderen Diktator, der permanent seine eigenen Dekrete verändert, um noch mehr Macht zu haben

 Ich kenne keinen anderen Diktator, der permanent seine eigenen Dekrete verändert, um noch mehr Macht zu haben. Jetzt hat er selbst per Dekret festgelegt, dass er in der Türkei alle leitenden Beamten selbst bestimmen wird.
Natürlich, es ist einfach wunderbar zu sehen, wie sich ein System selbst ad absurdum führt. Seitdem der große Übergang zur Ein-Mann-Show vollzogen wurde, hat Effizienz eine neue Bedeutung erhalten: nämlich gar keine. Stattdessen wird uns regelmäßig ein bürokratisches Theater mit klangvollen Namen wie „Änderung des Dekrets zur Änderung des Dekrets zur Änderung des Dekrets zur Änderung des Dekrets“ geboten. Klingt kompliziert? Keine Sorge, ist es auch. Aber was wäre auch das Leben ohne ein bisschen verwirrenden Unsinn?
Dieses Mal geht’s natürlich wieder um das Wichtigste: Die Macht des Präsidenten muss erweitert werden. Weil, warum nicht? Früher durften ein paar lästige Ministerien und Institutionen noch mitreden, wen man so in höhere Positionen steckt. Ein Relikt aus alten, halbwegs demokratischen Zeiten, als man noch dachte, dass Qualifikation und Auswahlverfahren eine Rolle spielen könnten. Aber die Zeiten sind vorbei! Jetzt darf der Präsident einfach selbst entscheiden. Weg mit der lästigen Demokratie, her mit dem Ein-Mann-Karussell!
Der Vizepräsident und die Minister? Ach, die sollen jetzt zuschauen. Sie haben schließlich nichts Besseres zu tun, als brav Beifall zu klatschen, wenn der große Chef und der allmächtige Imam wieder mal entscheidet, wer Polizeichef, Gouverneur oder Landrat wird. 81 Provinzen, 922 Landräte, 3437 Polizeidirektoren – ein Kinderspiel!
Fragst du dich, wie er das alles alleine hinbekommen soll? Ach, süß! Die Antwort ist einfach: gar nicht. Aber das spielt auch keine Rolle, denn funktioniert hat das Ganze ohnehin noch nie. Wenn es anders wäre, sähe das Land nicht aus wie ein schlecht geplantes Experiment.
Aber das Beste kommt natürlich zum Schluss. Die Krönung des ganzen Spektakels ist die Selbstermächtigung in Reinform: Der Präsident unterzeichnet seine eigenen Dekrete, um seine eigenen Befugnisse zu erweitern. Eine Meisterleistung der politischen Akrobatik! Man kann ihn sich fast bildlich vorstellen: Erst setzt er sich an den Schreibtisch, kritzelt eine nette kleine Machtvergrößerung auf Papier, dann erhebt er sich würdevoll mit einem Koranzitat, wechselt den Platz – und tada! – genehmigt das Ganze auch noch persönlich. Wer benötigt schon Checks and Balances, wenn man Selbstgespräche führen kann?
Na dann, Prost auf die Ein-Mann-Show! So geht moderne Diktatur mit Stil!
2 September 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Verschärfte Migrationspolitik – CDU-Innenpolitiker: Leistungen auch für geduldete Asylbewerber kürzen

von Fremdeninfo 2 September 2024
von Fremdeninfo

Verschärfte Migrationspolitik – CDU-Innenpolitiker: Leistungen auch für geduldete Asylbewerber kürzen

                                               Artikel von FOCUS Online
                                         
 
                                                 Die Zahl der Abschiebungen steigt. (Archivbild)Julian Stratenschulte/dpa
 
 

Nach der Messerattacke von Solingen hat die Ampel-Regierung ihren Kurs in der Asyl- und Migrationspolitik verschärft. Die Union fordert mehr Härte, einer der ihren geht mit einem Vorschlag noch weiter.

Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm spricht sich dafür aus, auch geduldeten Asylbewerbern die Leistungen drastisch zu kürzen. „Die geplante Kürzung der Asylbewerberleistungen für Dublin-Fälle muss selbstverständlich auf andere Gruppen ausgeweitet werden„, sagte Throm der „Welt„. «Sie muss grundsätzlich für alle Ausreisepflichtigen gelten, auch für diejenigen, die eine Duldung haben.» Ziel müsse es sein, ihnen nur noch ein Überbrückungsgeld zu geben, damit sie die Ausreise vollziehen könnten, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag weiter.

“Ausnahmen kann es für bestimmte Geduldete geben, die etwa aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich nicht ausreisen können“, schränkte Throm ein. Geduldete sind ausreisepflichtig, können aber aus bestimmten Gründen nicht abgeschoben werden, zum Beispiel, weil sie keine Ausweisdokumente haben oder erkrankt sind.

Nach dem Terroranschlag von Solingen mit drei Toten hatte die Ampel-Regierung in einem Maßnahmenpaket beschlossen, dass Flüchtlinge, die über einen anderen EU-Staat oder sicheren Drittstaat nach Deutschland einreisen, keine staatlichen Leistungen mehr bekommen sollen – wenn dieser Staat sich bereiterklärt, sie zurückzunehmen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach bei der Vorstellung der Maßnahmen von einer “Reduzierung auf null“. Es werde nur noch Leistungen zur Rückreise geben.

CDU-Innenpolitiker: Leistungen auch für geduldete Asylbewerber kürzen

 
BERLIN (dpa-AFX) -Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm spricht sich dafür aus, auch geduldeten Asylbewerbern die Leistungen drastisch zu kürzen. „Die geplante Kürzung der Asylbewerberleistungen für Dublin-Fälle muss selbstverständlich auf andere Gruppen ausgeweitet werden“, sagte Throm der „Welt“. „Sie muss grundsätzlich für alle Ausreisepflichtigen gelten, auch für diejenigen, die eine Duldung haben.“ Ziel müsse es sein, ihnen nur noch ein Überbrückungsgeld zu geben, damit sie die Ausreise vollziehen könnten, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag weiter.

„Ausnahmen kann es für bestimmte Geduldete geben, die etwa aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich nicht ausreisen können“, schränkte Throm ein. Geduldete sind ausreisepflichtig, können aber aus bestimmten Gründen nicht abgeschoben werden, zum Beispiel, weil sie keine Ausweisdokumente haben oder erkrankt sind.

Nach dem Terroranschlag von Solingen mit drei Toten hatte die Ampel-Regierung in einem Maßnahmenpaket beschlossen, dass Flüchtlinge, die über einen anderen EU-Staat oder sicheren Drittstaat nach Deutschland einreisen, keine staatlichen Leistungen mehr bekommen sollen – wenn dieser Staat sich bereiterklärt, sie zurückzunehmen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach bei der Vorstellung der Maßnahmen von einer „Reduzierung auf null“. Es werde nur noch Leistungen zur Rückreise geben.

 
 
 
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2 September 2024 0 Kommentare
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Politik

Der beleidigte Präsident: Wie der türkische Staatschef Erdogan seine Kritiker verfolgt

von Fremdeninfo 2 September 2024
von Fremdeninfo

Der beleidigte Präsident: Wie der türkische Staatschef Erdogan seine Kritiker verfolgt

 

 

                                                  

                                                                    Arschift Bild Erdogan

 

In Istanbul droht einer 16-Jährigen mehrjährige Haft, weil sie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beleidigt haben soll. Kein Einzelfall: In den vergangenen Jahren gab es in der Türkei pro Tag Dutzende Ermittlungs­verfahren wegen „Präsidenten­beleidigung“.

Gerd Höhler
Gerd Höhler

Istanbul, eine Haupt­verkehrs­straße. Ein Konvoi schwarzer Limousinen mit Blaulicht rast heran. Am Straßenrand steht eine 16-jährige Schülerin. Sie fühlt sich offenbar durch den Konvoi gefährdet und ruft etwas. Was, ist nicht genau bekannt. Vielleicht „verdammt!“. Was das Mädchen nicht wusste und was ihm nun zum Verhängnis wird: In einer der Limousinen saß Staatschef Erdogan. Der konnte die 16-Jährige zwar nicht hören, aber ein Polizist am Straßenrand war Ohren­zeuge. Das Mädchen wurde festgenommen und blieb einen Tag in Polizei­­gewahrsam. Dann wurde die Schülerin auf freien Fuß gesetzt, aber mit der Auflage, sich jede Woche bei der Polizei zu melden. Am 18. August hat die Staats­anwaltschaft Istanbul Anklage wegen Präsidenten­beleidigung erhoben, berichteten türkische Medien am Donnerstag. Darauf stehen nach Paragraf 299 des türkischen Straf­gesetz­buches bis zu vier Jahre Gefängnis.

In den Vernehmungen vor der Polizei habe die 16-Jährige sich zu rechtfertigen versucht, schreibt die Zeitung „BirGün“: Sie habe nicht gewusst, dass Erdogan in einem der Autos saß. Sechs Monate zuvor sei sie in einen Verkehrs­unfall verwickelt gewesen, deshalb habe ihr der heran­rasende Konvoi Angst gemacht, so die Schülerin. Die Staats­anwaltschaft erhob dennoch Anklage.

Im Juli ohrfeigte Erdogan einen Jungen

Wenn es um seine Ehre geht, versteht Erdogan keinen Spaß. In den Jahren 2019 bis 2022 hat die türkische Justiz nach offiziellen Angaben 52.348 Ermittlungs­verfahren wegen Beleidigung des Staats­präsidenten, seiner Regierung oder der islamisch-konservativen Regierungs­partei AKP eingeleitet. Zum Vergleich: Unter den fünf Amtsvorgängern Erdogans im Präsidentenamt seit dem Ende der Militär­diktatur 1983 gab es insgesamt nur 1716 Verfahren wegen Präsidenten­beleidigung.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Justiz­ministeriums 6879 Personen wegen Präsidenten­beleidigung angeklagt. Davon wurden 1602 zu Gefängnis­strafen verurteilt, 1982 erhielten Bewährungs­strafen. Die Übrigen wurden freigesprochen. In der sieben­jährigen Amtszeit von Erdogans unmittelbarem Vorgänger Abdullah Gül, der ebenfalls der Regierungs­partei AKP angehörte, gab es nur 233 Verurteilungen.


2 September 2024 0 Kommentare
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Archive

Jede Menge Wut, Trost und Trotz im deutsch-türkischen Drama „Ellbogen“

von Cumali Yağmur 1 September 2024
von Cumali Yağmur

Jede Menge Wut, Trost und Trotz im deutsch-türkischen Drama „Ellbogen“

 

Melia Kara als Hazal in einer Szene des Films „Ellbogen“ (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 05.09.2024 in die deutschen Kinos. Foto: Haydar Tastan /Achtung Panda!/jip film & verleih gbr/dpa

 

Hazal hat keinen Bock mehr auf die Ablehnung. Die Wut bricht aus ihr heraus. Und dann haut sie ab. Schonungslos ungeschönt bringt Aslı Özarslan den Roman „Ellbogen“ von Fatma Aydemir auf die Leinwand.

Wut, Frust, Trotz – all das spiegelt sich in Hazals braunen Augen. „Was, wenn ich anhalte und die Schnecken mich fressen lasse?“, fragt die junge Berlinerin (Melia Kara) mit türkischen Eltern in der Romanverfilmung „Ellbogen“. Doch sie hält nicht an. Sie rennt und stößt dabei dauernd gegen Wände gesellschaftlicher Ablehnung. Von der Auto-Korrektur, die ihren Namen nicht kennt, bis zum Türsteher, der ihre Freundinnen und sie an ihrem 18. Geburtstag abweist. Eine folgenschwere Nacht. Ein Ausbruch. Ein Ticket nach Istanbul. Dort dürfte ja alles anders sein, oder?

Vielleicht kommt Hazal in der Türkei in Clubs, aber einen Job sucht sie hier genauso vergebens wie einen Ausbildungsplatz in Berlin. Was ihr an den Kopf geworfen wird, ändert sich von „hier in Deutschland gibt’s Regeln“ und „wenn du vorhast zu bleiben“ zu „ihr Deutsch-Türken seid manchmal naiv“.

„Ellbogen“ zeigt 86 Minuten lang rohe Realität, gepaart mit reueloser Ehrlichkeit. Ein Film ohne Kompromisse, der aufwühlt und entlarvt. Als Regisseurin Aslı Özarslan den 2017 erschienenen Roman von Fatma Aydemir zum ersten Mal las, war für sie klar: „Ich wollte konsequent nur ihren Blick auf die Welt zeigen. Mit all ihren Ambivalenzen, ihrer Wut, ohne sie erklären oder verteidigen zu müssen. Sie sollte einfach sein dürfen“, erklärt die 38-jährige gebürtige Berlinerin im Vorfeld zum Kinostart.

Startschuss für eine große Schauspielerkarriere?

Die Identitätskrise, die häufig in Coming-of-Age-Geschichten im Vordergrund steht, ist hier beinahe nebensächlich. Die selbstbewusste Hazal sucht weniger nach sich selbst, sondern vielmehr nach einer Chance und nach einem Platz in der Welt. Sie steht zu ihren Entscheidungen, bereut es augenscheinlich nur, wenn sie in seltenen Momenten versucht, sich zu verbiegen.

Dass Özarslan studierte Dokumentarfilmerin ist, zeichnet sich aus: Auch im Spielfilm bleibt die spürbare Nähe zur Figur erhalten. Die Kamera begleitet Hazal, gibt ihr viel Raum. Hauptdarstellerin und Berlinerin Melia Kara, die in einem Streetcasting entdeckt wurde, liefert in ihrem ersten großen Filmprojekt, der ab dem 5. September in den Kinos läuft, überzeugende Authentizität für einen komplexen Charakter.

dpa/dtj

 
 
1 September 2024 0 Kommentare
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Religion

Abdassamad El Yazidi im Interview – Islamismus beim Zentralrat? Nach Solingen reagiert Verbands-Chef auf harte Vorwürfe

von Fremdeninfo 30 August 2024
von Fremdeninfo

Abdassamad El Yazidi im Interview – Islamismus beim Zentralrat? Nach Solingen reagiert Verbands-Chef auf harte Vorwürfe

                                                              Artikel von Von FOCUS-online-Redakteur Sebastian Scheffel (Berlin)
                                                 
Abdassamad El Yazidi ist seit Juni 2024 Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Peter Förster/dpa-Zentralbild/dpa, Christoph Reichwein/dpa © Peter Förster/dpa-Zentralbild/dpa, Christoph Reichwein/dpa
 
Der Zentralrat der Muslime hat den Solingen-Anschlag verurteilt, das Tatmotiv aber nicht genannt. Warum, erklärt der Vorsitzende im Interview. Er wehrt sich zudem gegen Behauptungen, extremistische Mitglieder im Verband zu dulden.

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag in Solingen richten sich die Blicke auch auf die muslimische Gemeinschaft in Deutschland. Tut sie genug gegen Gewalt im Namen ihrer Religion – oder befördert sie diese sogar?

FOCUS online hat mit Abdassamad El Yazidi darüber gesprochen. Er hat im Juni den Vorsitz des Zentralrats der Muslime von seinem Vorgänger Aiman Mazyek übernommen. Der Zentralrat ist einer der größten islamischen Dachverbände in Deutschland.

FOCUS online: Herr El Yazidi, in der Pressemitteilung des Zentralrats zum Anschlag in Solingen heißt es, man sei schockiert über die Tat und trauere mit den Angehörigen der Opfer. In Solingen und anderswo gibt es aber offenbar kaum Muslime, die diese Worte leben – zum Beispiel, indem sie zu Demonstration gegen Hass im Namen des Islam aufrufen. Warum geschieht das nicht?

Abdassamad El Yazidi: Ich glaube nicht, dass es gar nicht geschieht. In den aktuellen Debatten versuchen sich verschiedenste Menschen und Gruppen von Verantwortung freizusprechen.

Die Verantwortung für ein friedliches Miteinander ist aber eine gesamtgesellschaftliche. Die Moscheegemeinden leisten dabei einen vorbildlichen Einsatz. Von ihnen geht keine Radikalisierung aus, trotzdem werden sie verantwortlich gemacht. Leider wurden auch wir als Zentralrat nach dem Anschlag beschimpft und verurteilt.

Wir trauern aber um die Getöteten und beten für sie. Als Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind auch wir Opfer des Anschlags. Der Terrorist wollte möglichst viele Menschen töten, er hat dabei keine Rücksicht auf Glauben oder Herkunft genommen. Die Organisation, die sich zur Tat bekannt hat, hat mehr Muslime getötet als Menschen anderen Glaubens.

Will Terror-Organisationen nicht helfen, in dem ich ihren Namen nenne“

Sie meinen den sogenannten Islamischen Staat. In der Pressemitteilung findet sich kein Wort zur mutmaßlich islamistischen Motivation des Täters. Warum haben Sie dieses für einen Islamverband doch so wichtige Detail ausgespart?

El Yazidi: Es ist bislang eben nur ein mutmaßliches Motiv. Wir haben in der Pressemitteilung die Opfer und die Verurteilung der Tat in den Vordergrund gestellt.

Auch ihr Vorgänger als Zentralratsvorsitzender, Aiman Mazyek, hat in seinen Stellungnahmen zum Messerangriff in Mannheim im Mai das Tatmotiv außen vor gelassen. In beiden Fällen gab es früh gewichtige Indizien dafür, dass die Attacken einen islamistischen Hintergrund haben.

El Yazidi: Ich will diesen terroristischen Organisationen nicht helfen, indem ich ihre Namen nenne. Man muss sie bestrafen, indem man ihnen keine Deutungshoheit zumisst. Sie wollen größtmögliches Blutvergießen anrichten und dabei die Gesellschaft spalten.

Im Fokus stehen dabei auch die Muslime, die im Westen integriert sind und sich mit dem Land identifizieren, in dem sie leben. Im Übrigen benennen wir das Motiv auch nicht, wenn es ein anderes ist als in diesem Fall.

Extremistische Mitglieder? „Richten uns nicht nach Unterstellungen“

Ihr Vorgänger Mazyek wurde von manchen dafür kritisiert, Islamismus nicht entschieden genug entgegenzutreten. Was werden Sie auf diesem Feld anders machen als er?

El Yazidi: Die Vorwürfe sind unbegründet. Ich habe mit meinem Vorgänger gut zusammengearbeitet, als ich noch Generalsekretär des Zentralrats war. Wir arbeiten beide nach der Devise, jeglichen Extremismus zu verurteilen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern. Diejenigen, die uns vorwerfen, zu wenig zu tun, sollen unsere Gemeinden besuchen und dann konkret sagen, was wir mehr leisten können.

Statt eine Brandmauer gegen den Extremismus zu bilden, zerfleischt sich die Gesellschaft selbst, indem sie unschuldige Muslime in Mithaftung für grausame Taten nimmt. Die Politik und Medien tragen dabei auch eine Verantwortung. Mit Populismus werden wir keinen Schritt vorankommen.

Sie wollen also den Kurs im Vergleich zu Ihrem Vorgänger nicht anpassen. Das heißt, die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (Atib) bleibt auch unter Ihnen Teil des Zentralrats der Muslime? Der Verfassungsschutz ordnet die Vereinigung den türkischen rechtsextremen Grauen Wölfen zu.

El Yazidi: Der Zentralrat hat in der Vergangenheit sehr deutlich gezeigt, dass er sich wehrhaft zeigen kann gegenüber Extremismus. Wir haben die Deutsche Muslimische Gemeinschaft (Anm. d. Red.: gilt dem Verfassungsschutz als Ableger der islamistischen Muslimbruderschaft) ausgeschlossen und beim Islamischen Zentrum Hamburg (Anm. d. Red: verboten mit der Begründung, dass es vom Iran gesteuert ist und verfassungsfeindliche Ziele verfolgt) die Mitgliedschaft eingefroren. Die Atib geht gerichtlich gegen die an sie gerichteten Vorwürfe vor. Sie hat versucht, ihre Arbeit transparent zu machen. Wir sehen nur, dass Einzelpersonen problematische Aussagen bei Social Media gepostet haben, Atib hat darauf aber sofort reagiert.

Es ist unsere Verantwortung, uns nicht nach einem Generalverdacht oder Unterstellungen zu richten, sondern für ein friedliches Zusammenleben zu sorgen. Atib hat den Weg gewählt, beim Zentralrat der Muslime Mitglied zu werden. Das begrüßen wir, denn damit stellt sie die deutsche Identität in den Vordergrund. Stattdessen hätte sie sich auch direkt türkischen Organisationen anschließen können.

„Wir sehen keine islamistischen Mitgliedsorganisationen“

Es ist für Sie also keine Option, die Mitgliedschaft so lange auszusetzen, bis alle Zweifel ausgeräumt sind?

El Yazidi: Wir können nicht auf Zuruf die Mitgliedschaft im Zentralrat der Muslime einfrieren. Wir haben das auch beim Islamischen Zentrum Hamburg erst gemacht, als Gerichte ein Urteil gefällt hatten und die Politik ein Verbot ausgesprochen hat. Sollte das bei der Atib geschehen, würden wir ebenfalls handeln. Wir haben aber nicht dieselben Mittel wie die Sicherheitsbehörden, die Organisation zu beobachten.

Können Sie dann überhaupt ausschließen, dass es im Zentralrat Mitgliedsorganisationen gibt, die islamistischen Ideen anhängen?

El Yazidi: Wir sehen keine islamistischen Mitgliedsorganisationen. Wenn wir das sähen, würden wir eingreifen. Es gab Organisationen, die eine Mitgliedschaft beantragt haben, die wir aber nicht aufnehmen konnten, weil wir nicht den Eindruck hatten, dass sie sich für die demokratische Ordnung einsetzen.

Unsere Jugendarbeit wirkt stark immunisierend gegen Extremismus“

Der Zentralrat schreibt auf seiner Webseite, zu seinen wichtigsten Aufgaben zähl unter anderem die „Bekämpfung von Extremismus jeglicher Couleur“. Was konkret unternehmen Sie gegen Islamismus?

El Yazidi: Wenn Sie sich unsere Medienarbeit und Pressemitteilungen anschauen, werden Sie eine Linie des Respekts gegenüber anderen Religionen und allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sehen – auch in schwierigen Situationen.

Während Corona haben die muslimischen Organisationen zum Beispiel ihre Jugendarbeit dafür eingesetzt, älteren Menschen mit Einschränkungen zu helfen. Unsere Jugendarbeit wirkt stark immunisierend gegen Extremismus. Die Menschen, die durch Extremismus auffallen, werden nicht in den Moscheegemeinden sozialisiert, sondern im Internet.

Welcher Anteil in Ihrem Budget fließt in die Extremismusbekämpfung?

El Yazidi: Unser Budget ist allgemein sehr klein, wir bekommen keinerlei Förderung aus dem In- und Ausland. Deshalb kann ich das nicht beziffern. Unsere Arbeit ist ehrenamtlich, wir investieren abertausende Stunden zum Beispiel für die theologische Fortbildung oder Jugendarbeit. Die Menschen, die neben ihrem Job Zeit in den Moscheegemeinden aufwenden, werden leider aber unhaltbaren Verdächtigungen ausgesetzt.

„Merz fischt in den Gewässern der AfD“

CDU-Chef Friedrich Merz hat nach dem Anschlag in Solingen gesagt, nicht die Messer seien das Problem, sondern die Personen, die damit herumlaufen würden. Er meint vor allem Flüchtlinge, in der Mehrzahl der Taten steckten islamistische Motive dahinter. Teilen Sie seine Analyse und die daraus abgeleiteten Vorschläge?

El Yazidi: Herr Merz fischt in den Gewässern der AfD und lässt sich von ihr sein Reden vorgeben. Es stimmt, dass nicht die Messer das Problem sind, sondern die Menschen. Aber für sie trägt keine Religionsgemeinschaft eine Verantwortung. Wir sollten in Deutschland mit einer Theologie der Barmherzigkeit anpacken, nicht Ressentiments schüren.

Welche der derzeit diskutierten Forderungen als Konsequenz aus Solingen unterstützen sie denn?

El Yazidi: Es ist die Aufgabe eines wehrhaften Staates, zu reagieren, wenn wir angegriffen werden. Die Vorschläge, die nun gemacht werden, müssen geprüft und die sinnvollen dann umgesetzt werden.

„Dürfen durch populistische Politik nicht doppelt gestraft werden“

Von der Asyldebatte nach dem Anschlag könnten die AfD und andere Rechtspopulisten profitieren. Fürchten Sie, dass das negative Auswirkungen auf die Muslime in Deutschland haben könnte?

El Yazidi: Wir Bürgerinnen und Bürger wurden schon durch den Anschlag gestraft und dürfen durch populistische Politik nicht doppelt gestraft werden. Die AfD verbreitet Hass, nicht nur gegen Muslime, auch gegen Juden und andere. Ich rufe deshalb dazu auf, bei den Landtagswahlen nicht die AfD zu wählen. Aber es ist nicht nur diese Partei, es geht auch um diejenigen, die ihr nach dem Mund reden. Das ist ohnehin nicht erfolgreich, am Ende wählen die Menschen lieber das Original.

Sprechen Sie also auch für die CDU keine Wahlempfehlung aus?

El Yazidi: Nein, die CDU ist weiterhin eine demokratische Partei, auch wenn ihr Vorsitzender und andere Politiker in der Führung derzeit populistisch unterwegs sind.

Wenige Muslime wählen etablierte Parteien – und stattdessen Erdogan-Unterstützer

Kürzlich wurden erstmals Daten zum Wahlverhalten von Muslimen bei einer bundesweiten Abstimmung veröffentlicht. Demnach stimmten 17 Prozent für Partei Dava. Sie soll dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nahestehen. Wie interpretieren Sie das Ergebnis?

El Yazidi: Wir sprechen sehr oft über die Symptome und schauen nicht auf den Kern der Problematik. Was ich aus dem Ergebnis herauslese, ist, dass mittlerweile wenige Muslime die etablierten Parteien wählen.

Auch das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht erhielt bei Muslimen 17 Prozent und liegt mit der Dava auf dem geteilten ersten Platz.

El Yazidi: Genau, die etablierten Parteien sollten überlegen, wie sie diese Wählerinnen und Wähler zurückgewinnen. Mit Spalterei wird das nicht funktionieren. 

Dennoch, es haben sich zahlreiche Muslime für die Dava entschieden. Manche Experten sehen bei ihr islamistische Züge.

El Yazidi: Ich kenne die Dava und ihre Strukturen nicht. Aber die Frage bleibt für mich, was schiefläuft, wenn Menschen sich dazu bewegt fühlen, eine aus der Türkei gesteuerte Partei zu wählen.

Wir sollten nicht mit dem Finger auf andere zeigen, denn dann zeigen mehrere Finger auf uns zurück. Ich glaube, wir wären gut beraten, uns darauf zu konzentrieren, warum es uns mit unserer etablierten politischen Parteienlandschaft nicht gelingt, junge, in Deutschland sozialisierte Muslime für unsere Arbeit und Politik zu begeistern.

30 August 2024 0 Kommentare
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Religion

Expertin im „moma“: Große Islamverbände in Deutschland „gehören dem politischen Islam an“

von Fremdeninfo 30 August 2024
von Fremdeninfo

Expertin im „moma“: Große Islamverbände in Deutschland „gehören dem politischen Islam an“

                                                                                                           Artikel von teleschau
                                                         
                                            Publizistin Sineb El Masrar wirft den großen Islamverbänden der Islamkonferenz in Deutschland vor, selbst ein islamistisches Weltbild zu vertreten. © ARD
 

Das Thema Islamismus in Deutschland steht nach dem Solingen-Anschlag im Fokus – auch im ARD-„Morgenmagazin“. Die Publizistin Sineb El Masrar kritisiert vor allem die Rolle der großen Islamverbände. Sie wirft ihnen vor, Islamismus zu predigen, aber selbst über Diskriminierung zu klagen.

„Viele muslimische Menschen in Deutschland schauen sehr betroffen auf das Ereignis“, so Sineb El Masrar über den tödlichen, mutmaßlich islamistischen Anschlag von Solingen vom vergangenen Freitag. Die Publizistin, die mehrere Bücher, etwa über Männer- und Frauenrollen im Islam, veröffentlicht hat, gab am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“ einen Einblick in die Reaktionen der muslimischen Community hierzulande – und prangerte das Weltbild der großen Islamverbände Deutschlands an.

Die Autorin erklärte, es gebe viel Betroffenheit und großes Mitgefühl mit den Opfern von Solingen, teils herrsche auch Sprachlosigkeit. „Als der Anschlag passiert ist, gab es auch viele Muslime, die durchaus die Befürchtung hatten, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt“, berichtete El Masrar. Nichtsdestotrotz gebe es auch Muslime, die abwehren und sagen, das habe mit ihnen nichts zu tun und es sei gar kein echter Muslim, der diese Tat verübt habe. Das bedeute im Umkehrschluss, dass diese letztendlich „keine Mitverantwortung“ bei der eigenen Religion sähen.

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Im ARD-Hauptstadtstudio erläuterte Sineb El Masrar auch die bestürzten Reaktionen auf den Solingen-Anschlag in der muslimischen Community. © ARD
 
Auf die Rolle der bekannten Islamverbände angesprochen, äußerte die Publizistin unmissverständliche Kritik: Die großen Verbände, die Teil der deutschen Islamkonferenz sind, seien „alles Islamverbände – und das gehört eben auch zur Wahrheit – die dem politischen Islam angehören“. Verbände und Organisationen seien aus anderen Ländern gekommen, hätten sich hierzulande etabliert „und haben einen Teil des Islams in Deutschland in die islamistische Richtung entwickelt“.

Zu großen Islamverbänden: „Man erzieht die Kinder in einem islamistischen Weltbild“

Denn viele Menschen seien auch als sogenannte Gastarbeiter oder Geflüchtete gekommen, diese hätten in der Regel einen eher konservativen, aber gegenüber anderen Religionen durchaus toleranten Islam mitgebracht. Wichtig: Nur ein kleiner Teil der Muslime in Deutschland wird von diesen genannten Verbänden vertreten.

Reizthemen wie Schwimmunterricht oder Klagen zum Thema Kopftuch würden hingegen immer Narrativen des Islamismus entsprechen, „und das ist immer mit angetrieben von diesen etablierten Parteien, die wir kennen“. Sineb El Masrar ist sich sicher: Mit diesen Parteien werde es keine Lösung geben, diese hätten überhaupt kein Problembewusstsein. Angesprochen auf die Distanzierung von Verbänden nach dem Solingen-Anschlag entgegnete die Publizistin, die Reaktionen auf vergangene islamistische Terrorattacken im In- und Ausland habe gezeigt, dass „bis auf die Floskel ‚wir distanzieren uns‘ nichts kommt“.

Hoffnungsvoll bezüglich Besserung zeigte sich die Autorin nicht, schließlich werde in den Gemeinden und der Jugendarbeit dieser Verbände Islamismus gepredigt. „Man erzieht die Kinder in einem islamistischen Weltbild. Das ist nicht der traditionelle konservative Islam, es ist der reaktionäre Islamismus.“

El Masrar fordert, die „drei großen Tabus“ anzugehen

Dort wünsche man sich „eigentlich, dass man diese Gesellschaft eher islamisiert“ und mehr Menschen zum Islam konvertieren würden, so die Expertin. „Die Verbände kritisieren sehr oft, dass sie von Diskriminierung betroffen sind. Letztendlich predigen ja die Verbände selbst Geschlechterungerechtigkeit, sie sind homophob, sie machen einen Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen“, prangerte sie an. „Das heißt: Sie sind die Falschen, die sagen: Wir werden diskriminiert.“

El Masrar erklärte, junge Muslime, die nichts mit dem Islamismus zu tun haben, würden drei große Tabus angehen müssen: Religion, Familie und Sexualität. „Da muss man jetzt ran. Die müssen selber jetzt die Emanzipation von diesen islamistischen Verbänden vorantreiben“, forderte sie. Auch die sexuellen Übergriffe und die Gewalt innerhalb der Gemeinden müsse artikuliert werden. Denn auch das sei „ein Fundament der Radikalisierung“.

• 23 Std

30 August 2024 0 Kommentare
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Religion

Das hat der IS erfolgreich geschafft“: Islamismus-Experte Ahmad Mansour im Interview

von Fremdeninfo 29 August 2024
von Fremdeninfo

Das hat der IS erfolgreich geschafft“: Islamismus-Experte Ahmad Mansour im Interview

                                                          Artikel von Jakob Hartung
                                       
                                       Ahmad Mansour: Der Islamismus-Experte arbeitet für Projekte gegen Extremismus und Antisemitismus. (Quelle: IMAGO/teutopress GmbH)

Ahmad Mansour: Der Islamismus-Experte arbeitet für Projekte gegen Extremismus und Antisemitismus. (Quelle: IMAGO/teutopress GmbH)

Ein 26-Jähriger greift im Namen des „Islamischen Staats“ ein Stadtfest in Solingen an. „Diese mörderische Bande bekämpft alles, was ihnen nicht passt“, erklärt Islamismus-Experte Ahmad Mansour im t-online-Interview.

Nach einem Messerangriff auf der 650-Jahr-Feier der Stadt Solingen am 23. August ist eine politische Debatte über die notwendigen Konsequenzen entbrannt. Der mutmaßliche Täter, Issa al-Hassan, hielt sich in Deutschland auf, obwohl er eigentlich ausreisepflichtig war. Die Ampelkoalition will nun konsequenter abschieben und wird dabei von der Opposition vor sich hergetrieben.

Vielen Politikern ginge es nach einer solchen Tat um Aufmerksamkeit, ihre Forderungen seien jedoch nicht besonders wirksam, sagt Ahmad Mansour. Der Psychologe beschäftigt sich seit Jahren mit islamistischen Extremismus und fordert nachhaltige Strategien gegen Radikalisierung junger Menschen. Im Interview mit t-online erklärt er, wo sich junge Menschen heute radikalisieren und welche Bedeutung der 7. Oktober dabei spielt.

t-online: Herr Mansour, der 26-jährige Issa al-Hassan hat am Freitagabend scheinbar wahllos auf Menschen eingestochen. Wie erklären Sie sich das?

Ahmad Mansour: Die Gründe, warum sich Menschen in Deutschland radikalisieren, sind vielfältig. Ich selbst arbeite mit jungen Menschen in Schulen und Gefängnissen und beobachte da eine Emotionalisierung in gigantischem Ausmaß. Das hat insbesondere mit der Situation nach dem 7. Oktober zu tun, also dem Überfall der Hamas auf Israel. Darüber konsumieren viele Jugendliche radikale Inhalte in den sozialen Medien und gehen auf Distanz zur Mehrheitsgesellschaft. Das könnte auch in diesem Fall eine Ursache sein. Der Attentäter hat seinen Anschlag ja selbst als Rache erklärt für das angebliche Massaker in Palästina.

Ahmad Mansour

Der Psychologe, geboren 1976, ist arabisch-palästinensischer Israeli und Deutscher. Seit 2004 lebt er in Berlin. Er arbeitet für Projekte gegen Extremismus und Antisemitismus. Anfang 2018 gründete er die Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, die Projekte gegen muslimischen Extremismus und Antisemitismus für junge Menschen anbietet. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz, den Carl-von-Ossietzky-Preis und das Bundesverdienstkreuz.

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                                                Der Psychologe Ahmad Mansour. (Quelle: Jörg Carstensen/dpa./dpa)

Der mutmaßliche Täter kam Ende 2022 nach Deutschland und lebte in Flüchtlingsunterkünften in Nordrhein-Westfalen. Wo kann sich so jemand radikalisieren?

Wir wissen nicht, ob sich diese Person in Deutschland radikalisiert hat oder als Radikaler eingereist ist. Hier vor Ort passiert das kaum noch in Moscheen. Tatsächlich gab es in Solingen vor ungefähr zehn Jahren eine Moschee, in der radikales dschihadistisches Gedankengut verbreitet wurde. Da war damals auch Deso Dogg dabei (Anm. d. R.: Ein deutscher Rapper, der als Terrorist für den Islamischen Staat am Syrienkrieg teilnahm und dort vermutlich getötet wurde). Aber diese Gruppierung wurde verboten und seitdem hat sich ganz viel verändert. Mittlerweile passiert die Radikalisierung vor allem in den sozialen Medien.

Das ist aber nicht die einzige Ursache, die Entwicklung ist oft sehr komplex. In diesem Fall kommt der Täter aus Deir al-Sor in Syrien. Das war eine Hochburg des „Islamischen Staats“ als er noch ein junger Mann war. Das heißt, er bringt womöglich eine entsprechende Sozialisation und bestimmte Werte mit. In Begegnung mit unserer Gesellschaft kann das zu Ablehnung und Radikalisierung führen. Dann spielt auch noch seine Persönlichkeitsstruktur mit rein. Das bedeutet möglicherweise eine Neigung zu Autorität und patriarchalischen Strukturen. Ob er sich verloren gefühlt oder Lebenskrisen durchgemacht hat. All das sind Faktoren, die zur Radikalisierung führen können. Wir wissen allerdings wenig über diesen jungen Mann und was er in den letzten zwei, drei Jahren für Prozesse durchgemacht hat.

Welche Inhalte in den sozialen Medien tragen zur islamistischen Radikalisierung bei?

Das sind aktuell oft arabische Videos über den Nahostkonflikt. Darin wird behauptet, dass ein Kampf gegen den Islam stattfindet, in dem der Westen oder die bösen Zionisten gegen muslimische Opfer vorgehen. Oft werden religiöse Aussagen oder Zitate aus dem Koran über sehr traurige Bilder aus Gaza gelegt. Der Krieg liefert ja viele traurige Bilder von Ungerechtigkeit und toten Kindern. Ob das inszeniert ist oder echt, spielt keine Rolle. Mir werden diese Videos auch angezeigt und dabei bleibt keiner kalt. Das sind echt harte Bilder, die man da sehen muss. Und das geht sehr schnell. Man muss nur einmal ein arabisches Video auf TikTok oder Instagram gesehen haben, in dem es vielleicht um etwas ganz anderes ging, und zwei Videos später sieht man dann Bilder aus Gaza mit trauriger Musik und religiösen Sprüchen.

Es gibt aber auch Gruppierungen wie „Realität Islam“ oder „Muslim Interaktiv„, die Inhalte auf Deutsch produzieren. Sie sprechen gezielt muslimische Jugendliche an, immer mit dem Hintergedanken, die Zuschauer auf Distanz zu Deutschland zu bringen und den Westen zu verunglimpfen. Seit dem 7. Oktober haben diese Gruppen massiv Konjunktur und schaffen es, enorm viele Jugendliche zu erreichen. Sie machen auch nicht mehr nur Videos, sondern können auch offline Menschen bewegen. In Hamburg hat so eine Gruppe zu einer Demo aufgerufen und dann kamen 1.000 Menschen und demonstrierten für ein Kalifat in Deutschland.

Der „Islamische Staat“ hat den Anschlag in Solingen für sich reklamiert. Was bedeutet das?

Das heißt, dass unsere Sicherheitsapparate vor einer großen Aufgabe stehen. In den letzten Jahren hatten wir mit Anschlägen zu tun, die von Einzelpersonen ausgegangen sind, so wie zum Beispiel in Mannheim. Jetzt haben wir es aber mit einem Attentäter zu tun, der Kontakt mit dem „Islamischen Staat“ hatte. Es handelt sich also um einen koordinierten Anschlag. Genau solche Pläne müssen unsere Sicherheitsapparate im Vorfeld identifizieren und verhindern. Das ist dieses Mal nicht gelungen.

Was für eine Ideologie verfolgt der „IS“?

Der „IS“ ist eine mörderische Bande, die im Namen des Islam alles bekämpft, was ihr nicht passt. Dazu zählen der Westen, die Juden, die Schiiten, die Jesiden – alle, die nicht ihre Religion teilen. Das ist eine kriminelle Vereinigung, die einen theologischen Hintergrund hat. Wir sind heute in einer besseren Situation als früher, weil das Staatsgebilde des „IS“ zerschlagen wurde. Jetzt gibt es das sogenannte „digitale Kalifat“, das auf der ganzen Welt vernetzt ist und mit Gewalttaten aktiv werden kann. Zuletzt haben wir das in Russland, im Iran und immer wieder in Syrien gesehen. Das macht die Gruppe noch viel gefährlicher, weil man sie kaum militärisch bekämpfen kann.

Wie konnte der „Islamische Staat“ den Attentäter von Solingen rekrutieren?

Es ist nicht klar, wo die Ansprache stattfand. Ob durch Kommunikation in den sozialen Medien oder schon davor in Syrien. Ich kann aus Sicherheitskreisen bestätigen, dass der „Islamische Staat“ Leute nach Deutschland geschickt hat, um hier Strukturen aufzubauen. Da gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Razzien, aber diese Strukturen sind da.

Warum greift der „Islamische Staat“ ein Stadtfest in Solingen an?

Terror ist immer eine Frage von Gelegenheit. Er hat in der Nähe gewohnt und dann wohl mitbekommen, dass dort ein großes Fest ist. Das hat mit Solingen nichts zu tun, sondern hätte überall passieren können. Es war seine Chance, zu handeln.

War der Anschlag ein Erfolg für den „IS“?

Natürlich! Wir diskutieren alle darüber und die Unsicherheit ist da. Terror will terrorisieren und Ängste schüren, das hat er erfolgreich geschafft.

Jetzt will die Politik Migrationspolitik verschärfen und mehr kriminelle Ausländer abschieben. Zielt der „IS“ darauf ab?

Der „IS“ interessiert sich nicht für Innenpolitik, sondern will nur destabilisieren. Die Islamisten wollen unsere Gesellschaft verunsichern. Die Leute sollen unzufrieden sein, sich einschränken und ihre Politiker infrage stellen. Es geht ihnen darum, den Westen einzuschüchtern und langfristig so unsicher zu machen, dass sie sich anders verhalten. Ich glaube zum Beispiel, dass die Franzosen zweimal darüber nachdenken, ob sie Karikaturen veröffentlichen. Ich beobachte die Reaktionen auf solche Anschläge jetzt nicht zum ersten Mal und halte die Antworten der Politik für sehr flach. Sie wollen einfach nur das Gefühl vermitteln, dass sie etwas tun. Die Politiker liefern aber keine nachhaltigen und flächendeckenden Konzepte für eine bessere Migrationspolitik.

Wie sollten wir mit Menschen umgehen, die sich radikalisiert haben?

Wenn sich jemand radikalisiert hat, gibt es Maßnahmen, die helfen können, diese Menschen zu retten. Radikalisierte Menschen sind aber vor allem eine Aufgabe für unsere Sicherheitsapparate, die sie beobachten und alles dafür tun müssen, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht. Ich selbst bin in der Präventionsarbeit tätig und versuche, diese Entwicklung frühzeitig aufzuhalten. Das schaffen wir, indem wir Leute selbstbewusster machen, für unsere Grundwerte wie Demokratie und Selbstbestimmung gewinnen und ihnen eine Perspektive geben. Dann können sie bei einer möglichen Ansprache von radikalen Gruppierungen in der Lage sein, abzulehnen und auf Distanz dazu zu gehen.

Radikalisierung…

…wird in aller Regel zuerst im engeren sozialen Umfeld wahrgenommen. Eltern, Angehörige, Freunde oder Lehrer können sich an die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wenden. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.

 

Gibt es viele Menschen, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren?

Es gibt ein paar Hunderte islamistische Gefährder in Deutschland. Die Gruppe derer, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren, ist jedoch derzeit enorm groß. Wir reden von Zehntausenden Menschen, die zum Teil aufgrund des 7. Oktobers und der Ereignisse in den sozialen Medien extrem emotionalisiert sind. Hätten Sie mich am 6. Oktober gefragt, hätte ich die Gefahr geringer eingeschätzt. Aber seitdem hat sich die Gefahr verdreifacht. Darunter sind nicht nur junge muslimische Flüchtlinge, sondern auch Menschen, die schon seit Generationen hier leben und zum Teil auch Deutsche ohne Migrationsgrund, die aufgrund von Lebenskrisen konvertieren und sich dann weiter radikalisieren.

29 August 2024 0 Kommentare
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Archive

Urteil gegen Deutsche Welle-Journalist in der Türkei bestätigt

von Cumali Yağmur 27 August 2024
von Cumali Yağmur

                         Urteil gegen Deutsche Welle-Journalist in der Türkei bestätigt

               Von :dpa

Im Fokus: Der türkische Journalist Bülent Mumay. Ein Gericht in Istanbul hat eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung gegen den Journalisten bestätigt und die Berufung gegen das Urteil abgelehnt. Foto: Emin Özmen/dpa

Eine Bewährungsstrafe gegen den türkischen Journalisten Bülent Mumay wurde bestätigt. Der Journalist arbeitet für die „FAZ“ und die Deutsche Welle. Der Sender kündigt nun Verfassungsklage an.

Ein Gericht in Istanbul hat eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung gegen den Journalisten Bülent Mumay bestätigt und die Berufung gegen das Urteil abgelehnt. Das teilten der Sender Deutsche Welle (DW) und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, für die Mumay arbeitet, mit. Die Deutsche Welle kündigte zudem an, vor das türkische Verfassungsgericht zu ziehen.

Mumay war demnach im Mai 2023 nach Kritik an einem regierungsnahen Bauunternehmen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er darf sich nun nichts weiter zuschulden kommen lassen, sonst droht ihm Haft. Mumay sage der Deutschen Presse-Agentur, schon kleinere Vergehen könnten dazu führen, dass er verhaftet werde. Ziel sei, damit Druck auszuüben und ihn einzuschüchtern.

Deutsche-Welle-Intendant: Vorwürfe haltlos

Hintergrund des Urteils sind Beiträge auf der Plattform X aus dem Jahr 2020. Die betroffene Firma hatte nach Angaben der „FAZ“ erwirkt, dass Berichte über einen Bauskandal in der Presse und den sozialen Medien unterbunden werden. Mumay habe unter anderem den Beschluss der Zugangssperre öffentlich gemacht und sei verurteilt worden, weil er angeblich „persönliche Daten“ illegal veröffentlicht habe.

DW-Intendant Peter Limbourg bezeichnete die Vorwürfe als haltlos und sagte: „Bülent Mumay ist ein unerschrockener, erfahrener und kritischer Journalist, der anscheinend vom türkischen Machtapparat zum Schweigen gebracht werden soll.“ Die Herausgeber der „FAZ“ erklärten: „Wir weisen jeglichen Versuch zurück, Berichterstatter politisch und juristisch zu drangsalieren.“

Mumay schreibt für die „FAZ“ regelmäßig die Kolumne „Brief aus Istanbul“ und ist Koordinator der Redaktion DW Türkisch in Istanbul. Die Türkei hatte vor zwei Jahren die Internetseiten der Deutschen Welle in der Türkei sperren lassen. Die Rundfunkbehörde begründete die Entscheidung damit, dass die Deutsche Welle nicht die erforderliche Zulassung habe. Beobachter halten die Maßnahme aber für politisch motiviert.

dpa/dtj

 

27 August 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Göring-Eckardt überrascht mit Eingeständnis zu Islamismus

von Fremdeninfo 27 August 2024
von Fremdeninfo

                                                                   Migration Thema bei „Hart aber Fair“

                                                                        Artikel von Charlotte Zink

                               Göring-Eckardt überrascht mit Eingeständnis zu Islamismus

                                                    

                                                     Katrin Göring-Eckardt (Archivbild): Die Grünen-Politikerin gibt zu, Fehler im Umgang mit dem Islamismus gemacht zu haben.

                                                           (Quelle: IMAGO/Bernd Elmenthaler/imago)

Katrin Göring-Eckardt (Archivbild): Die Grünen-Politikerin gibt zu, Fehler im Umgang mit dem Islamismus gemacht zu haben. (Quelle: IMAGO/Bernd Elmenthaler/imago)

Beim Thema Islamismus zeigte sich Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt bei „Hart aber Fair“ selbstkritisch. Mit einer Äußerung brachte sie Wolfgang Bosbach dennoch auf die Palme.

Welche Auswirkungen hat der Anschlag von Solingen, bei dem drei Menschen ermordet wurden, auf die deutsche Politik? Diese Frage hat Louis Klamroth am Montagabend mit seinen Gästen bei „Hart aber Fair“ diskutiert. Gleich zu Beginn der Sendung konfrontierte er Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt mit der Stimme einer besorgten Bürgerin aus Leipzig, die mit Blick auf die mutmaßlich islamistische Tat erklärte: „Wenn die Menschen hier sterben müssen, weil die Politik schläft, dann ist das für mich ein absolutes No-Go!“

Die Gäste:

  • Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Bundestagsvizepräsidentin
  • Wolfgang Bosbach, CDU-Politiker
  • Sebastian Fiedler (SPD), Bundestagsabgeordneter und Kriminalbeamter
  • Katja Hoyer, Historikerin und Autorin
  • Luca Piwodda (Partei des Fortschritts PdF), Bürgermeister von Gartz (Oder)
  • Lina Herzog, Aktivistin und Initiatorin des Bündnisses „Dorfliebe für alle“ in Thüringen
  • Sie könne nachvollziehen, dass Menschen sich durch die Messer-Attacke in Solingen zusätzlich verunsichert fühlten, reagierte Göring-Eckardt auf die Kritik. Mit Blick auf die Bekämpfung des Islamismus in Deutschland räumte sie ein: „Ja, wir machen das nicht gut – wir machen das nicht gut mit dem Islamismus, wir bekämpfen den zu wenig.“ Es fehlten Kräfte, die sich darum kümmerten, Radikalisierung im Internet einen Riegel vorzuschieben, führte die Grünen-Politikerin aus. So fehlten im Bundeshaushalt beispielsweise 500 Millionen, um die Polizei ausreichend auszustatten, damit die für Sicherheit sorgen könne, erklärte sie weiter.

    Sebastian Fiedler kritisiert endlose Debatte

    Kritik daran, wie Deutschland die Bekämpfung des Islamismus gestaltet, kam auch vom SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Fiedler. Es sei eine große Herausforderung, Radikalisierte zu identifizieren, erklärte der Kriminalbeamte. Deswegen brauche Deutschland „leistungsfähige Nachrichtendienste“, sowie „leistungsfähige Polizeieinheiten und Ausländerbehörden“, so Fiedler. „Ansonsten können wir hier noch lange Reden schwingen, dann wird das nicht funktionieren!“, fügte er hinzu.

    Konkret forderte der Kriminalbeamte, dass Sicherheitsdienste IP-Adressen speichern dürfen, „um Informationen erheben zu können“ und so Gefährder zu identifizieren. Die Debatte darum werde bereits seit „Ewigkeiten geführt“, bemängelte er. In diesem Zusammenhang platze ihm regelmäßig der Kragen.

  • Bosbach: „Es geht um junge, bindungslose Männer“

    Im Zusammenhang mit dem Anschlag in Solingen ging es bei „Hart aber Fair“ auch um das Thema Abschiebungen. Denn: Der Tatverdächtige aus Syrien hätte eigentlich bereits nach Bulgarien abgeschoben werden sollen, das war jedoch gescheitert. „War das ein Einzelfall?“, wollte Klamroth von CDU-Politiker Wolfgang Bosbach wissen. „Ich glaube nicht“, erklärte der. In den meisten Fällen würden Abschiebungen vorher angekündigt, was für Ausreisepflichtige oft eine „Anstiftung zum Untertauchen“ sei, so der CDU-Mann.

    Bosbach betonte auch, dass es beim Thema Abschiebungen nicht um die philippinische Krankenschwester, syrische Ärzte oder den italienischen Pizzabäcker gehe. „Es geht im Kern um junge, bindungslose Männer aus bestimmten Regionen – dem arabischen Raum, Sub-Sahara, Nordafrika – mit einer hohen Gewaltbereitschaft“, so der CDU-Politiker. In diesem Zusammenhang warnte er davor, die Augen „aus lauter politischer Korrektheit“ vor „unübersehbaren Problemen“ zu verschließen. Denn das führe dazu, dass Menschen das Vertrauen in die Politik verlieren, so seine Analyse.

  • Göring-Eckert will Straftäter abschieben

    Auch Göring-Eckert fand beim Thema Abschiebung klare Worte. „Ich finde, dass Straftäter abgeschoben werden müssen!“, erklärte sie. „Natürlich haben die hier nichts zu suchen“, fügte sie hinzu. Sie hätten ihren Status und ihr Aufenthaltsrecht verwirkt. Die Grünen-Politikerin mahnte jedoch auch an, genau hinzusehen, was eine Abschiebung im Einzelfall bedeute. Es sei nämlich möglich, dass Straftäter in ihrem Heimatland auf freiem Fuß blieben und dann einfach nach Deutschland zurückkehrten, so die Bundestagsvizepräsidentin.

    Bei Bosbach stieß diese Äußerung auf scharfe Kritik. „Das ist eine Kapitulationserklärung unseres gesamten Asylrechts“, warf er Göring-Eckert vor. Aus seiner Sicht bestehe das Problem darin, dass entgegen Artikel 16a des Grundgesetzes Geflüchtete selbst dann in Deutschland Asyl fänden, wenn sie über sichere Drittstaaten einreisten, wo sie eigentlich bleiben sollten. Göring-Eckert ließ die Kritik nicht auf sich sitzen. Sie wolle nicht, dass ein Straftäter wieder nach Deutschland komme, stellte sie klar. Deswegen sei es besser einen Gefährder, der in seinem Heimatland Afghanistan auf freiem Fuß bliebe, in Deutschland zu inhaftieren als ihn abzuschieben.

    Kritik übte Bosbach am Montagabend nicht nur an Göring-Eckert, sondern auch an der Debatte um Messerverbote, die nach dem Anschlag in Solingen neu entfacht ist. So hatte Bundeskanzler Olaf Scholz am Montag bei einem Besuch des Tatorts eine rasche Verschärfung des Waffenrechts angekündigt. Auch SPD-Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sprachen bei einem Besuch des Gemeinsamen Terrorabwehrzentrums (GTAZ) in Berlin am Montag von einer Prüfung geeigneter Maßnahmen.

  • Bosbach kritisiert Waffendebatte

    Diese Debatte sei auch „als Ausdruck politischer Hilflosigkeit“ entstanden, „weil uns nichts anderes einfällt“, urteilte Bosbach. Schließlich gebe es zahlreiche Alltagsgegenstände, mit denen man Menschen umbringen könne. „Denken Sie mal an Schraubenzieher“, so Bosbach. Das Problem sei nicht die Länge der Klingen, erklärte der CDU-Mann. „Das Problem ist das andere Ende der Klinge.“ Junge, latent gewaltbereite Männer, die in öffentlichen Räumen Messer bei sich tragen, führte er aus. Richtig wäre es deswegen, der Polizei Möglichkeiten der anlasslosen Kontrolle einzuräumen.

    Nach dem Anschlag in Solingen ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen den 26-jährigen Syrer wegen Mordes. Darüber hinaus steht der Mann, der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, unter Verdacht, Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sein. Diese hatte den Anschlag für sich reklamiert.

27 August 2024 0 Kommentare
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