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Frauen

Gewalt gegen Frauen: Zuhause ist es am gefährlichsten

von Cumali Yağmur 27 November 2024
von Cumali Yağmur

Gewalt gegen Frauen: Zuhause ist es am gefährlichsten

dpa/dtj

Eine Frau hält ihre Hände vor das Gesicht (gestellte Szene). Foto: Fabian Sommer/dpa

 
Der gefährlichste Ort für Frauen ist oft das eigene Zuhause. Die Dunkelziffer ist hoch. Wie kann den Betroffenen geholfen werden?

Gewalt gegen Frauen: Das ist weltweit ein Problem. Die Zahlen frauenfeindlicher Straftaten in Deutschland steigen: Mehr als 140 Frauen und Mädchen werden Opfer einer Sexualstraftat – jeden Tag. Alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein Mädchen Gewalt im eigenen Zuhause – und das sind nur die polizeilich erfassten Taten, wie Bundeskanzler Olaf Scholz am Montag anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen auf der Plattform X schrieb.

Das Bundeskabinett will einen entsprechenden Entwurf des Gewalthilfegesetzes am Mittwoch verabschieden. Ob er auch eine Mehrheit im Bundestag erreicht, ist noch unklar. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr weltweit 51.100 Mädchen und Frauen von Verwandten oder männlichen Partnern getötet. Das gesamte Ausmaß an Femiziden sei jedoch noch größer, hieß es in einer Studie des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) und der UN-Frauenorganisation UN Women. Denn zu Tötungen außerhalb des privaten Umfeldes lägen keine ausreichenden Daten vor. Unter einem Femizid versteht man eine vorsätzliche Tötung, bei der das weibliche Geschlecht des Opfers als Motiv eine Rolle spielt.

Afrika mit der höchsten Rate

Afrika hatte 2023 die höchste Rate an Femiziden, bei denen Opfer und Täter in einer intimen oder familiären Beziehung standen. Der Wert lag dort bei 2,9 Opfern pro 100.000 Frauen. In Europa lag die Rate mit 0,6 am niedrigsten. Die UN-Fachleute wiesen darauf hin, dass viele Opfer vor ihrem Tod wegen Gewalt in der Beziehung Alarm geschlagen hätten. „Dies legt nahe, dass viele Tötungen von Frauen vermeidbar sind“, schrieben sie. Kontaktverbote für männliche Partner könnten Leben retten, hieß es.

„Fast jeden Tag gibt es einen Femizid. Jeden Tag werden rund 400 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt“, sagte Bundesfrauenministerin Lisa Paus der Deutschen Presse-Agentur. „Es braucht eine Trendumkehr, ein starkes Gewalthilfegesetz, um das Recht auf Schutz und Beratung für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt zu verankern.“

Frauen in Deutschland immer mehr von Partnerschaftsgewalt betroffen

Zuletzt hatte Paus zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und dem Bundeskriminalamt Zahlen vorgestellt, wonach immer mehr Frauen in Deutschland von Gewalt betroffen sind. Besonders schwerwiegend sind versuchte und vollendete Tötungsdelikte, die sich explizit gegen das weibliche Geschlecht richten. Im Jahr 2023 wurden 938 Mädchen und Frauen Opfer von solchen versuchten oder vollendeten Femiziden. 360 Frauen und Mädchen starben dabei.

Eine Aktion in Berlin sollte genau auf diese Frauen aufmerksam machen. 30 Paar rote Schuhe wurden vor dem Rathaus Tiergarten aufgestellt. In Berlin sind laut Stefanie Remlinger, Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte, in diesem Jahr bereits 29 Frauen einem Femizid zum Opfer gefallen.

„Die Politik muss dafür sorgen, dass Täter gestoppt und Frauen geschützt werden“, teilte Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes, mit. Die Trennung von einem gewalttätigen Partner sei für Frauen der gefährlichste Moment. Diese Gefahr für Frauen würde von Behörden und Justiz noch immer unterschätzt werden. Zu oft werde zudem der Fokus auf die Frauen gelegt statt zu hinterfragen, warum der Mann Gewalt anwende.

Auch in Spanien viele Fälle von Gewalt gegen Frauen

Auch in Spanien häufen sich die Fälle von Gewalt gegen Frauen. Seit Jahresbeginn kamen bereits 40 Frauen durch ihre Partner oder Ex-Partner ums Leben, wie die Gewerkschaft Unión Sindical Obrero schreibt. Ein neuer Fall schockt viele in Spanien: Ein 17-Jähriger soll in der südspanischen Provinz Alicante seine 15-jährige Ex-Freundin umgebracht haben, berichtete der staatliche Sender RTVE.

 

Nur wenige Tage zuvor hatte ein Mann im andalusischen Estepa nahe Sevilla Behörden zufolge seine Frau und anschließend sich selbst getötet. In ganz Spanien waren gestern 40 Demonstrationen am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen geplant.

Protest in Istanbul verboten

In Istanbul hatte der Gouverneur der türkischen Metropole Demonstrationen in der Innenstadt anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen untersagt und den Bereich absperren lassen. Versammlungen seien an bestimmten Orten fern der Innenstadt erlaubt, hieß es. Nach Angaben der Organisation „Wir werden Frauenmorde stoppen“ waren vergangenes Jahr in der Türkei mindestens 315 Frauen von Männern getötet worden, in den meisten Fällen war der Täter der Partner.

Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen soll die Gesellschaft für dieses Problem sensibilisieren. Die Aktionen finden im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ statt. Diese gibt es seit 1991 und dauert in diesem Jahr 16 Tage. Sie begann am Montag mit dem Orange Day.

dpa/dtj

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NRW: Döner-Kunden fassungslos – kommt jetzt die Obergrenze? „Das neue Marxloh“

von Fremdeninfo 27 November 2024
von Fremdeninfo

NRW: Döner-Kunden fassungslos – kommt jetzt die Obergrenze? „Das neue Marxloh“

Artikel von Frank Bergmannshoff

und 18.000 Döner-Buden gibt es schätzungsweise in Deutschland. Berlin ist mit 1600 Läden der Spitzenreiter. Doch über die vielen Imbisse mit türkischen Spezialitäten wird aktuell nicht etwa in der Hauptstadt diskutiert, sondern in NRW.

Die große Döner-Aufregung herrscht aktuell an der Grenze von Ruhrgebiet und Niederrhein. Mit Diskussionen für eine Döner-Obergrenze macht die 60.000-Einwohner-Stadt Wesel überregional Schlagzeilen. Da bleibt den Fans der Drehspieß-Spezialität regelrecht der Bissen im Hals stecken. Aber der Reihe nach.

NRW: Döner Kritiker befürchten Zustände wie in Marxloh

In Wesel sieht es nicht viel anders aus als in vielen anderen NRW-Städten. Der klassische Einzelhandel befindet sich im Niedergang. In leer stehende Ladenlokale ziehen Billig-Bäcker, Handy-Shops – und eben auch Döner-Buden. In den sozialen Medien wird die Entwicklung kritisch beäugt. „Wesel wird das neue Marxloh“, schreibt da zum Beispiel jemand mit Blick auf den bekannten Duisburger Problemstadtteil. Ein anderer Kommentar lautet: „Andere Städte laden zu Weihnachtsmärkten, Stadtfesten und Nikolausmärkten ein – und Wesel zum Döneressen.“

+++ NRW: US-Amerikaner isst zum ersten Mal Poldis Mangal-Döner – sein Urteil ist eindeutig +++

Die CDU in Wesel greift die Döner-Diskussion auf und stellt sich mit einem Antrag an den Stadtrat an die Spitze der Anti-Drehspieß-Bewegung. In der Stadt soll es demnach eine Obergrenze für Döner-Buden geben. Mehr noch. Die Anzahl von Handy-Geschäften, Barber-Shops und Kiosken soll ebenfalls limitiert werden.

CDU-Vorstoß im Stadtrat von Wesel wohl ohne Mehrheit

Die Begründung der CDU lautet: „Wir befürchten durch zu viele gleiche Geschäfte eine negative Wirkung auf die Entwicklung der Einzelhandelsstruktur in der Innenstadt und wünschen uns daher geeignete Steuerungsmöglichkeiten.“

                                                  

                                                    nrw wesel döber obergrenze © IMAGO / imagebroker, IMAGO / USA TODAY Network, IMAGO / regios24
 

Bester Döner Deutschlands kommt aus NRW – hast du ihn bereits gegessen? +++

Einen vergleichbaren Vorstoß hatte es bereits in Heilbronn gegeben. Zuvor hatte dort die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in einem Rechtsgutachten bestätigt, dass Städte die Möglichkeit haben, auf Gastronomie und Einzelhandel Einfluss zu nehmen. Allerdings: Eine politische Mehrheit gab es letztlich nicht. Sieht das in NRW anders aus? Döner-Fans schauen gebannt nach Wesel.

Auch dort gibt es bereits Widerstand, allen voran von der SPD. Die Sozialdemokraten halten eine Döner-Obergrenze für „rechtlich fragwürdig und wirtschaftlich schädlich.“ Daher lehne man den Vorstoß der CDU ab.

Und somit dürfte Wesel wohl auch nicht die erste NRW-Stadt werden, in der man Döner-Buden ausbremst. Denn die Stadt wird seit 2009 von einer SPD-Bürgermeisterin geführt. Und auch im Rat bekäme die CDU wohl keine Mehrheit für ihren Vorstoß zusammen. Dort soll voraussichtlich am 27. November erstmalig über das Thema diskutiert werden

27 November 2024 0 Kommentare
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Was bedeutet der Begriff „Heimat“?

von Fremdeninfo 26 November 2024
von Fremdeninfo

              Was bedeutet der Begriff „Heimat“?

                              Artikel von RP ONLINE
 
Mettmann. Drei Jahre Zeit, drei Länder als Herkunft und 100 Schülerinnen und Schüler, die versuchen, einem Begriff auf die Spur zu kommen. Jetzt trugen sie ihre >Ergebnisse vor.
                                            
Heimat Europa war ein Drei-Länder-Projekt am Berufskolleg. Eva Lutz (18, l.) und Damla Karaman (17) berichteten über Erfahrungen und Ergebnisse. ⇥ Foto: Köhlen © Köhlen, Stephan (tep
 

Als Petra Bertelsmeier, Leiterin des Berufskollegs Neandertal, erfuhr, es solle ein Projekt „Heimat“ an ihrer Schule stattfinden, war sie skeptisch. Ihr schwante allzu Bodenständiges à la „Mir san Mir“? Nachdem ihre Kollegen Peter Enzenberger und Dinah Zemke gemeinsam mit den Schülern das drei Jahre dauernde Projekt erarbeitet hatten, wich die anfängliche Skepsis der Begeisterung.

Im Rahmen des Erasmus-Programms, einem Bildungsprogramm der EU, haben sich drei Schulen zusammengeschlossen: das Berufskolleg Neandertal in Mettmann, das Robert- Schumann-Institut im belgischen Eupen und die Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Tisens/Südtirol. Die Regionen, in denen die drei Schulen liegen, verbindet nicht nur die gemeinsame Sprache. In Südtirol und einem Teil Belgiens wird, historisch begründet, Deutsch gesprochen. Zudem wurde bei Mettmann der Neandertaler und in Tisens Ötzi, die Mumie aus der Jungsteinzeit, gefunden. Kreisdirektor und Schuldezernent Philipp Gebert und Melanie Wunsch, stellvertretende Museumsleiterin, hoben denn auch in ihren Grußworten die Gemeinsamkeiten der Regionen hervor und per Video wurde die Schulleiterin aus Tisens mit einer kurzen Ansprache zugeschaltet.

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Heimat? Was bedeutet Heimat? Diesen Begriff auszuleuchten, die verschiedenen Deutungen zu erkennen – das war die Aufgabe von mehr als 100 Schülerinnen und Schülern aus Mettmann, Tisens und Eupen, die im Rahmen des Erasmus Programms geforscht haben. Denn verbunden waren sie in den drei Jahren auch durch gegenseitige Besuche, in denen Vergleiche der Sprache, Kultur, Historie gezogen werden konnten. Alles half dabei, den Begriff „Heimat“ deutlich umfangreicher zu definieren.

Peter Enzenberger und Dinah Zemke, die dieses Projekt höchst engagiert begleitet haben, zeigten sich von der gemeinsamen Leistung der über 100 Schülerinnen und Schüler begeistert. Peter Enzenberger bezeichnete die Marketingabteilung des Neandertal Museums als „kongenialen Partner für die Zusammenarbeit mit Tisens“, denn schon zu Zeiten des Neandertalers gab es Wanderbewegungen, Migration, kulturellen- und technologischen Transfer. Die Kontakte zwischen den beiden Museen in Mettmann und Tisens dienten nicht nur dem kulturellen Austausch, sondern waren mit den Akzenten für den Tourismus, die regionale Gastronomie und Wirtschaft durchaus als Wirtschaftsförderung zu betrachten.

Damla Karaman und Eva Lutz stellten in erfrischend lebhaften Vorträgen die Ergebnisse des Projektes vor. Damla Karaman sparte dabei nicht aus, dass es durchaus Meinungsverschiedenheiten zwischen den Schülern aus den anderen Ländern gegeben habe. Durch die gemeinsame Arbeit hätten sie aber zueinander gefunden. Sie selbst habe den Begriff Heimat neu definiert, Heimat ist der Ort an der Schwarzmeerküste, in dem ihre Eltern zu Hause waren, aber auch Istanbul, wo ihre Großeltern wohnten, und natürlich ist es Mettmann, wo sie selbst geboren und aufgewachsen ist.

Dass die Sprache eine herausragende Rolle spielt, die Verständigung eigentlich erst möglich macht – das meinte auch Aryan Haj Abdo, die mit ihren Mitschülerinnen im kommenden Jahr einen Austausch mithilfe des Erasmus Programms beginnen will. Es sei ein Ansporn, Sprachen zu erlernen, um damit zur Völkerverständigung beitragen zu können.

• 19 St
26 November 2024 0 Kommentare
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Kultur

Unter Deutschen“: SO überführst du Verstorbene in die Türkei!

von Fremdeninfo 26 November 2024
von Fremdeninfo

Unter Deutschen“: SO überführst du Verstorbene in die Türkei!

Artikel von Metin Gülmen, Mandy Buchholz und Fabia
 
Es ist ein trauriges Thema – und doch muss es eben thematisiert werden. Viele Türken in Deutschland möchten nach ihrem Tod in der Türkei begraben werden. Bis heute bilden Türkeistämmige nach wie vor die größte Migrantengruppe in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt lebten 2019 rund 4,3 Millionen von ihnen hier, etwa 2,8 Millionen mit einem deutschen Pass.
                                                       
                                                                          Unter Deutschen © FD
 

Viele Deutsch-Türken sind nämlich noch immer eng mit der Türkei verbunden – sei es kulturell, religiös oder weil sie noch Familie dort haben. Über sie berichtet „Unter Deutschen“ regelmäßig. Was du zur Überführung eines Leichnams in die Türkei wissen musst, kannst du hier lesen.

„Unter Deutschen“: SO überführst du Verstorbene in die Türkei!

Nach islamischem Ritus muss der Verstorbene innerhalb von 24 Stunden in einer Erdbestattung begraben werden. Für viele, die ihre Liebsten in die Türkei überführen wollen, beginnt dann ein Wettlauf gegen die Zeit. Zunächst benötigt man einen Totenschein. Den erhält man in der Regel recht schnell vom Arzt, der den Tod des Verstorbenen attestiert hat.

Mit dem Totenschein kann man dann beim Standesamt des Verstorbenen eine Sterbeurkunde beantragen. Das aber kann einige Tage dauern. Deshalb gibt es oft bei Überführungen in die Türkei eine vorläufige Sterbeurkunde. Mit ihr kann man dann den Überführungsschein im türkischen Konsulat beantragen. Den erhält man normalerweise ebenfalls am selben Tag.

Weitere Folgen von „Unter Deutschen“:

  • Unter Deutschen“: Türken in Deutschland mit „Grauem Pass“ – das hat es mit ihm auf sich
  • „Unter Deutschen“: DIESE Autos fahren Türken in Deutschland am liebsten
  • „Unter Deutschen“: Änderung beim Ausweis! Türken in Deutschland sind betroffen
  • Kosten von bis zu 10.000 Euro

    Mit diesen Dokumenten kann man dann ein Frachtunternehmen beauftragen, den Sarg mit dem Verstorbenen in die Türkei zu überführen. Am Zielflughafen muss dann noch der Weitertransport zum Friedhof organisiert werden. Die Gesamtkosten können sich je nach Zielort auf bis zu 10.000 Euro belaufen. Viele Türken in Deutschland greifen deshalb auf spezialisierte Bestattungsunternehmen zurück, die alles regeln. Doch auch sie verlangen oft mehrere Tausend Euro Gebühren.

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26 November 2024 0 Kommentare
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Nach türkischen Angriffen: Eine Million Menschen in Syrien ohne Wasserversorgung

von Cumali Yağmur 25 November 2024
von Cumali Yağmur

Nach türkischen Angriffen: Eine Million Menschen in Syrien ohne Wasserversorgung

                      Von:     Stefan Kreitewolf

Eine Frau mit ihren Kindern in der Nähe der türkisch-syrischen Grenze. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

 
Die jüngsten türkischen Angriffe auf die Infrastruktur in Nord- und Ostsyrien haben verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung. Rund eine Million Menschen leiden derzeit mit akutem Wassermangel – eine humanitäre Krise, die dringend internationale Aufmerksamkeit erfordert.

Das türkische Militär fliegt seit Jahren Angriffe auf Ziele in Nord- und Ostsyrien. Wie der britische Sender BBC berichtet, bombardierte die Türkei zwischen Oktober 2019 und Januar 2024 kritische Infrastrukturen wie Ölfelder, Gasanlagen und Kraftwerke in der von der autonomen Selbstverwaltung „Rojava“ kontrollierten Region.

Bedürftige Bewohner leiden besonders

Die anhaltenden Angriffe führen mehr und mehr zu einer humanitären Katastrophe, deren Bewältigung sowohl die lokalen Behörden als auch die internationale Gemeinschaft vor enorme Herausforderungen stellt. Besonders gravierend ist die Lage in der Provinz Hassakah, wo nach Recherchen der BBC mittlerweile etwa eine Million Menschen auf die Versorgung mit Wasserlieferungen angewiesen sind.

Die Behörden kommen nicht hinterher,  obwohl sie täglich hunderte Lieferungen mit Tankwagen durchführen.  Schulen, Waisen-, Krankenhäuser sowie die bedürftigsten Bewohnerinnen und Bewohner werden bevorzugt beliefert. Dennoch reicht das Wasser nicht aus, um den Bedarf der gesamten Bevölkerung zu decken.

„Legitime Ziele“ des türkischen Militärs

Zwischen Oktober 2023 und Januar 2024 griff die Türkei außerdem mehrere Stromübertragungsstationen in den nordostsyrischen Gebieten Amouda, Qamishli und Darbasiyah sowie das Hauptkraftwerk der Region in Swadiyah an. Als Teil der kritischen Infrastruktur des autonomen Selbstverwaltungsgebiets spielen sie eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung der Bevölkerung.

 

Gegenüber der BBC betonte die türkische Regierung, dass Zivilisten oder zivile Infrastruktur nicht zu den Zielen ihrer Angriffe gehörten. Dennoch hatte der türkische Außenminister Hakan Fidan im Oktober 2023 vor laufenden Kameras erklärt, dass „Infrastrukturen, Aufbauten und Energieanlagen“, die nach Einschätzung der Türkei der PKK oder YPG zugerechnet werden, als „legitime Ziele“ des türkischen Militärs gelten. Beide Organisationen stuft Ankara als terroristisch ein.

„Wasser ist ein Menschenrecht“

Die Angriffe auf Energieanlagen haben nicht nur die Stromversorgung in der Region empfindlich gestört, sondern auch die humanitäre Krise weiter verschärft. Insbesondere die Zerstörung des Hauptkraftwerks Swadiyah beeinträchtigt den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen wie Wasser und medizinischer Versorgung und verschärft die ohnehin prekäre Lage der Zivilbevölkerung.

Die Menschenrechtsorganisation medico international kritisiert das Vorgehen der Türkei. Der Frankfurter Rundschau sagte die Referentin für Syrien, Türkei und Irak bei medico international, Anita Starosta: „In der Region setzt die Türkei auch Wasser als ein Kriegsmittel ein. Wasser ist ein Menschenrecht, dieses wird in Nordostsyrien verletzt.“

25 November 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

„Ganz ordentliche Quote“: 180 Einheimische protestieren gegen Asylunterkunft in 280-Seelen-Dorf

von Fremdeninfo 25 November 2024
von Fremdeninfo

„Ganz ordentliche Quote“: 180 Einheimische protestieren gegen Asylunterkunft in 280-Seelen-Dorf

                                                                                   Artikel von Ewald Scheitterer

                                       

                                                                           Asyl-Demo Bairawies 1124-1(ILB).jpg © Ewald J.Scheitterer
 

Circa 280 Einwohner zählt der Dietramszeller Ortsteil Bairawies. Rund 180 Einheimische protestierten am Sonntag gegen die geplante Asylunterkunft in ihrem Dorf.

Dietramszell – So viel Einigkeit, Unterstützung und Rückhalt findet man selten. Circa 280 Einwohner zählt der Dietramszeller Ortsteil Bairawies – und rund 180 waren am Sonntag (24. November) gekommen, um gegen die Pläne zu protestieren, im Dorf eine Container-Siedlung für knapp 130 Asylbewerber zu errichten.

Selbst wenn man einige Gemeinderäte und einige Vertreter benachbarter Ortsteile abzieht, bleibt das immer noch ein bemerkenswert großer Anteil. „Eine ganz ordentliche Quote“, freute sich da auch Wolfgang Köster, der als Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Bairawies Aktiv!“ (wir berichteten) zu der Demo geladen hatte.

Protest gegen geplante Asylunterkunft: 180 Einwohner machen mit

130 Teilnehmer war die Wunschzahl der Veranstalter, die sich an der Bushaltestelle Bairawies an der Staatsstraße 2072 versammeln sollten. „Damit man einmal körperlich sieht, wie viele Menschen das sind, die dann von dort zum Einkaufen fahren würden“, führte Köster aus.

In dem Dörfchen selbst gibt es keinerlei Einkaufsmöglichkeiten, und die öffentlichen Einrichtungen insgesamt beschränken sich auf ein paar Straßenlaternen. Erst in der vergangenen Woche war von rund 50 Bairawiesern der Verein gegründet worden, der sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, mögliche Kläger gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft zu unterstützen – auch finanziell.

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                                                                     Asyl-Demo Bairawies 1124-2(ILB).jpg

 

Demonstranten prangern Missverhältnis an: 280 Einwohner und 130 Flüchtlinge

„Für unsere Heimat, für eine faire Asylpolitik, gegen Massen-Unterkünfte“ war am Sonntag auf den Tafeln zu lesen, die die Demonstranten mit sich führten. „Nix für‘n Flüchtling, nix für‘n Ort“ stand auf einem der Banner, auf einem anderen wurde das in den Augen der Bairawieser krasse Missverhältnis zwischen 280 Einwohnern und 130 möglichen Flüchtlingen angeprangert.

Treffpunkt der Protestler war das Grundstück, auf dem der Investor Christoph Hertwig aus Lenggries die Container-Siedlung bauen will. Von dort, dem Spitz zwischen der Dorfstraße und dem Pundinger Weg, marschierte der Demonstrationszug über den Bierhäuslweg zur Bushaltestelle Bairawies, die etwa 700 Meter außerhalb des Dorfes liegt.

Bairawies: Protest gegen Container-Siedlung – Bauausschuss lehnte Vorhaben bereits ab

Dort, neben der Staatsstraße 2072, stehen jetzt die vier beschafften Banner, um auf die Pläne aufmerksam zu machen. Ehe sich Köster für die zahlreiche Teilnahme bedankte, bat er um eine kleine Spende für die vorab beschafften Banner: „Es wird einige Zeit dauern, ehe unser Verein eingetragen ist und ehe er eine eigene Kasse hat, aber die Druckerei will ihr Geld.“

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.)

Doch bei der großen Anzahl an Demonstranten waren die benötigten 230 Euro schnell beisammen. Zudem warb Köster noch um weitere Mitglieder für den Verein, „denn wir sind doch alle gegen die geplante Asylanten-Unterkunft“.

Wie berichtet hatte der Bauausschuss des Gemeinderats das Vorhaben abgelehnt. Nach Einschätzung von Bürgermeister Josef Hauser ist jedoch damit zu rechnen, dass das Landratsamt das sogenannte gemeindliche Einvernehmen ersetzt – und Investor Hertwig die Baugenehmigung erteilt. esc

• 2 St
25 November 2024 0 Kommentare
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Istanbuler Bürgermeister İmamoğlu in Berlin: „Alles wird sich ändern“

von Cumali Yağmur 25 November 2024
von Cumali Yağmur

Istanbuler Bürgermeister İmamoğlu in Berlin: „Alles wird sich ändern“

dtj-online

Kai Wegner (r.), der Regierende Bürgermeister von Berlin, und Cornelia Seibeld (CDU), die Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, empfingen Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu (M.). Foto: Senatskanzlei

 
Ekrem İmamoğlu, Bürgermeister von Istanbul, war jüngst zu Besuch in Berlin, um die bilateralen Beziehungen zwischen der türkischen Metropole und der deutschen Hauptstadt zu vertiefen. Während seines Aufenthalts führte er sowohl politische Gespräche mit Berliner Stadtvertretern als auch mit der türkischen Community vor Ort.

Der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu (CHP), hielt sich in dieser Woche in der deutschen Hauptstadt auf, um unter anderem Arbeitsgespräche mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), zu führen. Im Rahmen seines Besuchs traf İmamoğlu auch türkische Geschäftsleute im Stadtteil Kreuzberg. Bei diesen Begegnungen ging es sowohl um die Stärkung der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul als auch um die Förderung des Dialogs und der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen.

Während seines Treffens mit den Berliner Stadtvertretern standen Themen wie gemeinsame urbane Herausforderungen und die Entwicklung innovativer Lösungen im Mittelpunkt. İmamoğlu betonte die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten und kündigte an, dass Berlin und Istanbul im kommenden Jahr ein Treffen von über 200 Partnerstädten aus Deutschland und der Türkei organisieren werden.

„Unser Kampf geht weiter“

Zusätzlich sprach İmamoğlu in Kreuzberg mit türkischen Geschäftsinhabern und ermutigte sie, weiterhin für Gerechtigkeit und positive Veränderungen zu kämpfen. „Alles wird sich ändern, dafür setzen wir unsere Schritte. Unser Kampf gegen Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit geht weiter“, sagte der Bürgermeister und versicherte den Anwesenden, dass die Mehrheit der Menschen in der Türkei an eine bessere Zukunft glaube.

 

Die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul besteht seit 1989 und wurde kürzlich anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Zusammenarbeit gewürdigt. İmamoğlu trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein, was die tiefe und langjährige Verbindung zwischen beiden Metropolen bestätigt.

 
 
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Religion

Unbefristet genehmigt: Muezzin-Ruf in Köln darf weiter erklingen

von Cumali Yağmur 24 November 2024
von Cumali Yağmur

Unbefristet genehmigt: Muezzin-Ruf in Köln darf weiter erklingen

Von :dpa

               Blick auf die Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) in Köln. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Aufregung um den ersten öffentlichen Muezzin-Ruf in Köln war im Herbst 2022 groß – doch inzwischen ist bei dem Thema merklich Ruhe eingekehrt. Die Stadt stellt nun fest: So kann es weitergehen.

Der im Rahmen eines Modellprojekts an der Kölner Ditib-Zentralmoschee erlaubte öffentliche Muezzin-Ruf darf künftig weiter erschallen. Das geht aus einer Mitteilung der Stadt hervor. Nach Ablauf des Evaluierungszeitraums von zwei Jahren gebe es keine Hinweise auf Verstöße der Moscheegemeinde gegen die vereinbarten Auflagen. Daher werde der geschlossene Vertrag verlängert – unbefristet. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

An der Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib in Köln-Ehrenfeld ruft seit Oktober 2022 ein Muezzin zum Freitagsgebet. Zuvor hatte es viele Diskussionen um den per Lautsprecher übertragenen Gebetsruf gegeben, da Kritiker die Ditib als verlängerten Arm der türkischen Religionsbehörde in Ankara betrachten. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte das zunächst auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt, an dem sich Moscheegemeinden in Köln beteiligen konnten, mit Hinweis auf die im Grundgesetz verbriefte Freiheit der Religionsausübung ins Leben gerufen.

 

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Erster öffentlicher Muezzinruf in Köln: „Nicht lauter als während Corona mit offenem Fenster“

Spread the loveZum ersten Mal darf der Muezzin der Kölner Zentralmoschee über Lautsprecher zum Gebet rufen. Einige Demonstrantinnen protestieren dagegen mit Sprechchören. Eine Anwohnerin gibt hingegen zu bedenken: In der Corona-Zeit war es lauter. Der Ruf des Muezzins ist durchaus von einer gewissen Eindringlichkeit. Das laute Stimmengemurmel auf dem Platz vor der großen Kölner Zentralmoschee …

Nicht länger als fünf Minuten und nur freitags

Für eine Genehmigung mussten Gemeinden allerdings Auflagen erfüllen. So darf der Ruf nicht länger als fünf Minuten dauern und eine bestimmte Lautstärke nicht überschreiten. Er darf freitags zwischen 12.00 und 15.00 Uhr einmalig ohne erneute Wiederholung erklingen. Die Auflagen gelten im Fall der Zentralmoschee nun unverändert weiter.

Nach Angaben der Stadt gab es vor allem zu Beginn des Projekts auch einige negative Rückmeldungen von Bürgern. Dabei seien aber nur wenige konstruktive Äußerungen eingegangen, hieß es im Bericht. „Viele der E-Mails enthielten beleidigende Inhalte und Statements, bis hin zu strafrechtlich zu bewertenden Inhalten.“ Nach rund zwei Wochen sei die Zahl der Zuschriften stark zurückgegangen.

Die Moscheegemeinde der Ditib ist nach Angaben der Stadt die einzige Moscheegemeinde in Köln, die sich an dem Modellprojekt beteiligt hat.

dpa/dtj

 
 
 
 
24 November 2024 0 Kommentare
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Deutschland prüft Vorgehen nach Haftbefehl für Netanjahu

von Fremdeninfo 23 November 2024
von Fremdeninfo

                              Deutschland prüft Vorgehen nach Haftbefehl für Netanjahu

                                                                Artikel von dpa
                        
                                            
                                            Die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofes ist international umstritten. (Archivbild) © Peter Dejong/AP/dpa

 

Nach dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat die Bundesregierung noch nicht über ihr weiteres Vorgehen entschieden. Berlin befindet sich in einer Zwickmühle: Deutschland ist einerseits Vertragsstaat und Verfechter des IStGH, unterstützt aber auch Israels Recht auf Selbstverteidigung nach dem Terrorüberfall der Hamas im vergangenen Jahr. Klar positionierte sich hingegen Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban: Er sprach demonstrativ eine Einladung an Netanjahu aus und will den Haftbefehl ignorieren – obwohl auch sein Land zu den Vertragsstaaten des IStGH gehört. 

Der Internationale Strafgerichtshof hatte am Donnerstag Haftbefehle gegen Netanjahu und den kürzlich entlassenen israelischen Verteidigungsminister Galant wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gaza-Krieg erlassen. International ist das hochumstritten. Verbündete Israels kritisieren den Beschluss, während der Iran und die Palästinensische Autonomiebehörde ihn feiern.

Auch gegen einen Anführer der Terrororganisation Hamas – Mohammad Diab Ibrahim Al-Masri, bekannt unter dem Nachnamen Deif – erließen die Richter in Den Haag einen Haftbefehl. Nach israelischer Darstellung ist er jedoch nicht mehr am Leben. 

Baerbock: Einreise Netanjahus ist «hypothetische Frage»

Zum Haftbefehl gegen Netanjahu und Galant teilte Deutschlands Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit, die daraus folgenden «innerstaatlichen Schritte» würden gewissenhaft geprüft. Weiteres stünde erst an, wenn ein Aufenthalt von Netanjahu und Galant in Deutschland absehbar sei. 

Deutschland sei einer der größte Unterstützer des Gerichtshofs. «Diese Haltung ist auch Ergebnis der deutschen Geschichte. Gleichzeitig ist Konsequenz der deutschen Geschichte, dass uns einzigartige Beziehungen und eine große Verantwortung mit Israel verbinden», ergänzte er. Die Bundesregierung sei an der Ausarbeitung des IStGH-Statuts beteiligt gewesen. Die Entscheidung des Gerichtshofs habe sie zur Kenntnis genommen. 

Vor Journalisten ergänzte Hebestreit in Berlin: «Ich könnte mich dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass es mir schwerfällt, mir vorzustellen, dass wir auf dieser Grundlage Verhaftungen in Deutschland durchführen.» Ihm sei über Reisepläne des israelischen Ministerpräsidenten nichts bekannt. Es gebe auch «keine akuten Anfragen aus dem Büro des Premierministers Israels, dass er nach Deutschland kommen will». 

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), erklärte: «Für uns als CDU/CSU-Fraktion wäre es unvorstellbar, dass ein demokratisch gewählter Premierminister des Staates Israels auf deutschem Boden festgenommen wird.» CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nannte den Haftbefehl gegen Netanjahu eine «bodenlose Dummheit» und fügte hinzu: «Einen demokratischen Regierungschef, der sein vom Terror angegriffenes Land und das Existenzrecht Israels verteidigt dermaßen zu attackieren, ist eine unvorstellbare Entgleisung.»

Außenministerin Annalena Baerbock sagte den Sendern RTL und ntv, Deutschland halte sich «natürlich national, europäisch und international an Recht und Gesetz». Eine mögliche Einreise Netanjahus in die Europäische Union

nannte sie eine «hypothetische Frage». «Aber das prüfen wir jetzt genau, wie wir dann damit umgehen werden.»

Ungarn lädt demonstrativ ein

Eine Einladung an Netanjahu aus der EU gibt es schon: Demonstrativ sprach Ungarns rechtspopulistischer Ministerpräsident Orban sie nach dem Haftbefehl aus. Die Entscheidung des IStGH setze das Völkerrecht außer Kraft und «gießt auch noch Öl ins Feuer», sagte Orban im ungarischen Staatsrundfunk. «Deshalb werde ich Benjamin Netanjahu heute noch einladen, was für ihn keine Konsequenzen haben wird. Wir werden den Haftbefehl ablehnen, wenn er die Einladung annimmt.» Orban pflegt seit langem gute Beziehungen zu Netanjahu.

Israels Regierungschef dankte Orban für seine Unterstützung, wie Netanjahus Büro mitteilte. Ungarn stehe auf der Seite der Gerechtigkeit. Ob er Orbans Einladung annimmt, blieb aber zunächst offen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Ungarn die Umsetzung eines IStGH-Haftbefehls verweigert. Als das Gericht im vergangenen Jahr Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine erließ, kündigte die Regierung in Budapest ebenfalls an, diesen nicht vollziehen zu wollen.

Vertragsstaaten des IStGH sind eigentlich dazu verpflichtet, die Haftbefehle zu vollstrecken. Eine Weigerung, Netanjahu festzunehmen und auszuliefern, hätte zunächst aber keine direkten Folgen. Ein solcher Fall kann an die Konferenz der Vertragsstaaten übergeben werden, die über Konsequenzen entscheidet. Schon mehrfach wurden Staaten in solchen Fällen aber von der Konferenz nur kritisiert. Sanktionen gab es bisher nicht.

Zuletzt hatte sich die Mongolei geweigert, Putin bei einem Besuch in dem Land festzunehmen. Dies soll bei der kommenden Vertragsstaatenkonferenz Anfang Dezember in Den Haag Thema sein.

23 November 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Asyl: Deutschland hat 8263 freiwillige Ausreisen finanziell gefördert

von Fremdeninfo 23 November 2024
von Fremdeninfo

                                 Asyl: Deutschland hat 8263 freiwillige Ausreisen finanziell gefördert

                                                                              FAZ

                                                                  

                                                  Migranten in Eisenhüttenstadt: Bis Ende Oktober verließen 8263 Menschen Deutschland und wurden dabei finanziell unterstützt. © dpa

 

 

Tausende Menschen, etwa mit abgelehntem Asylantrag oder geringen Aussichten auf ein erfolgreiches Asylverfahren, sind in diesem Jahr bei ihrer freiwilligen Ausreise finanziell unterstützt worden. Bis Ende Oktober verließen 8263 Menschen Deutschland und wurden dabei finanziell über ein entsprechendes Förderprogramm des Bundes und der Länder unterstützt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm hervorgeht.

Über das Programm REAG/GARP (Reintegration and Emigration Programme for Asylum-Seekers in Germany/Government Assisted Repatriation Programme) können mittellose Migrantinnen und Migranten Geld erhalten, etwa für Flug- und Bustickets oder medizinische Unterstützung.

Mehr als acht Millionen Euro – EU gibt Geld

Die bewilligten Förderungen des Programms belaufen sich in diesem Jahr den Angaben zufolge auf mehr als 8,2 Millionen Euro. Wie viel der Kosten davon auf den Bund und die Länder entfielen, könne aktuell nicht angegeben werden. Dies hängt den Angaben zufolge damit zusammen, dass die EU unter bestimmten Umständen den Großteil der Kosten für eine Ausreise übernimmt. Bund und Länder müssten dann nur jeweils fünf Prozent der Kosten tragen.

Abschiebungen sind in der Regel deutlich teurer als freiwillige Ausreisen. „Wir sollten jede Möglichkeit nutzen, abgelehnte Asylbewerber und andere ausreisepflichtige Ausländer zur Ausreise zu bewegen“, forderte Holm. Das sei billiger als die Menschen im Land „vollzuversorgen“. Für die Ausreisehilfen gebe es sogar erhebliche finanzielle Unterstützung aus der EU.

Viele Anträge und längere Wartezeiten

Wegen eines hohen Antragsaufkommens kann es nach offiziellen Angaben derzeit zu längeren Wartezeiten bei der Bearbeitung entsprechender Anträge kommen. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht.

Die Anzahl der finanziell unterstützten Ausreisen bewegt sich hochgerechnet auf einem etwas höheren Niveau als im Vorjahr. 2023 gab es bis Mitte November rund 8.460 bewilligte Anträge, wie aus der Antwort auf eine damalige Anfrage von Abgeordneten der Linken im Bundestag hervorgeht.

23 November 2024 0 Kommentare
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