Die Hetzjagd gegen Kılıçdaroğlu und politische Heuchelei

von Fremdeninfo

 Von: Ali Ertan Toprak

Kemal Kılıçdaroğlu ist durch einen Gerichtsbeschluss bis zum Parteitag in sein Amt zurückgekehrt. Wärt ihr alle glücklicher gewesen, wenn der Gouverneur von Ankara als Zwangsverwalter (Kayyum) eingesetzt worden wäre? Wenn sie es wirklich ehrlich meinen würden, hätten sie gemeinsam mit Kılıçdaroğlu einen Fahrplan entwerfen können, anstatt einen solchen Aufruhr zu veranstalten. Doch aus Angst davor, dass all der Schmutz ans Licht kommt, versuchen sie, dies zu vertuschen, indem sie Kılıçdaroğlu zur Zielscheibe machen.

Wenn das Erste, was diejenigen tun, die die Türkei regieren wollen, Korruption ist, sobald sie die Kommunalverwaltungen übernehmen, was würden sie dann erst tun, wenn sie die gesamte Regierung übernehmen? Darüber spricht niemand. Ich bin einer derjenigen, die Kılıçdaroğlu von Anfang an politisch am stärksten kritisiert haben. Wegen seiner falschen politischen Entscheidungen, seiner kemalistischen und etatistischen Haltung habe ich ihn politisch stets kritisiert. Warum hat niemand so heftig reagiert, als er die Immunitäten aufheben ließ? Das werde ich ihm niemals verzeihen.

Aber die heutige Hetzjagd (Linç) gegen ihn ist ebenfalls inakzeptabel. Leider rufen einige Aleviten bei Protesten „Verräter Kemal“; sie merken nicht einmal, dass sie über Kılıçdaroğlus Identität eigentlich sich selbst beleidigen. Genau das ist mein Einwand. Ich habe nie gehört, dass Baykal, der Erdoğans Wahl zum Abgeordneten erst ermöglichte, jemals als „Verräter“ bezeichnet wurde; aber wir haben Aleviten gesehen, die bei Baykal um ein Abgeordnetenmandat bettelten. So viel Heuchelei ist unfassbar…

Kılıçdaroğlu wird medial und politisch hingerichtet, alle Sünden werden ihm aufgehalst; genau deshalb stehe ich heute an seiner Seite. Morgen werde ich ihn als Politiker wegen seiner Fehlentscheidungen wieder kritisieren. Ich bin Kizilbaschi und Kurde! Wenn jemand aufgrund seines Kizilbaschi-Seins oder seines Kurdisch-Seins gelyncht wird, stehe ich ohne zu zögern an seiner Seite.

Los, marschiert jetzt alle gemeinsam in Richtung Palast (Saray)! Es ist am einfachsten, auf jemanden einzutreten, der schwach geworden ist. Was ihr tut, ist keine politische Haltung; im Gegenteil, genau damit dient ihr dem Palast.

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