von Cumali Yağmur
Am Marstall in Hannover gibt es eine ausgeprägte Trinkerszene. An manchen Tagen versammeln sich dort sehr viele Menschen. Einige von ihnen treten aggressiv auf, während andere versuchen, Kleinigkeiten zu verkaufen. Die Gäste im gegenüberliegenden Café Extrablatt beobachten und bewerten die Situation. Viele sind der Meinung, dass es in Hannover früher nicht so schlimm gewesen sei und die Zahl der Betroffenen täglich zunehme. Es gibt Stimmen, die fordern, die Stadt solle diese Menschen einsammeln und an einen festen Platz außerhalb des Stadtzentrums bringen.
Unterschiedliche Meinungen der Passanten

Die Meinungen über die Menschen vor Ort gehen weit auseinander:
• Mitleid: Einige Kunden empfinden Mitleid. Sie fordern, dass die Stadt die Betroffenen ausreichend unterstützen müsse, damit sie ihre Wohnungen bezahlen können und genug Geld zum Leben haben.
• Kritik von Migranten: Andere Menschen mit Migrationshintergrund schimpfen über die Trinker, da sie befürchten, diese könnten den Ruf aller Ausländer schädigen. Manche fordern in diesem Zusammenhang sogar Abschiebungen.
• Rassismus: Es kommt auch zu rassistischen Beschimpfungen. Besonders Schwarzafrikaner werden oft allein aufgrund ihrer Hautfarbe angefeindet und rassistisch konfrontiert.
• Religiöse Sichtweise: Zwei Frauen mit Kopftuch beobachteten die Szene. Eine sagte, es sei schade, dass die Menschen Alkohol trinken; man solle diesen verbieten. Die andere entgegnete, dass Verbote nichts bringen würden, da die Menschen dann heimlich trinken. Stattdessen müsse man den Menschen Therapien anbieten, damit sie mit dem Trinken aufhören können.

Konflikte mit Kindern
Ein besonders belastender Moment war, als Kinder an einem Wasserspiel spielten und dabei laut wurden. Einige Personen aus der Trinkerszene beschimpften die Kinder, woraufhin Betreuer versuchten, zur Toleranz aufzurufen („Ihr wart schließlich auch mal Kinder“).

Der Polizeieinsatz
Schließlich trafen elf Sicherheitsbeamte und zwei Polizisten ein, um Personenkontrollen durchzuführen. Die Beamten agierten sehr ruhig, aber bestimmt. Einige der kontrollierten Personen waren so stark alkoholisiert, dass sie weder aufstehen noch sprechen konnten. Es wurden Kontrollen durchgeführt und teilweise Handschellen angelegt.

Stimmung der Angestellten und Kunden
Eine Kellnerin berichtete, dass sie manchmal mit einem schlechten Gefühl und sogar mit Bauchschmerzen zur Arbeit komme, weil die Situation momentan sehr belastend sei. Es herrsche viel Hass, Groll und gegenseitige Schuldzuweisungen.
Interessanterweise bemerkte jemand, dass der Marstall vor der Eröffnung des Café Extrablatt noch problematischer gewesen sei. Das Café ziehe nun zumindest ein Publikum an, das für eine gewisse soziale Kontrolle sorge. Ein Kunde im Café bemerkte zudem, dass er niemals Polizist werden wolle, da dies eine psychisch sehr schwere Arbeit sei.
Fazit und Forderungen
Es scheint ein strukturelles Problem in deutschen Großstädten zu sein, dass das Leben für viele unbezahlbar wird und Menschen am Rande der Gesellschaft landen. Es wurde die Forderung laut, dass die Stadt Hannover eine Bestandsaufnahme machen sollte: Wie viele Menschen leben auf der Straße, und welche konkreten Probleme (Sucht, Armut, Wohnungslosigkeit) haben sie, um gezielter helfen zu können.