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Droht den „Grauen Wölfen“ nach der Wahl das Verbot?

von Fremdeninfo 26 September 2021
von Fremdeninfo

 

Droht den „Grauen Wölfen“ nach der Wahl das Verbot?

Von

Stefan Kreitewolf

–

24.09.2021

Der Wolfsgruß gilt als Erkennungs- und Grußzeichen der Ülkücü-Bewegung. Foto: Wikimedia

Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags bestätigt Stimmen, die ein Verbot der türkischen Ülkücü-Bewegung fordern. Für die Rechtsextremisten, hierzulande als „Graue Wölfe“ bekannt, könnte es nach der Wahl eng werden.

Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags stärkt die Gegner der türkischen Ülkücü-Bewegung. Er bescheinigt den Rechtsextremisten, die hierzulande als „Graue Wölfe“ bekannt sind, „verfassungsfeindliche Ziele in kämpferisch-aggressiver Weise“. Gemeinhin reicht das in Deutschland für ein Verbot.

Das Gutachten vom 10. September geht davon aus, dass die Ülkücü-Bewegung, die in hierzulande als Verein eingetragen ist, „den Gedanken der Völkerverständigung schwerwiegend, ernst und nachhaltig beeinträchtigen“ wolle. Das passt ins Bild. Schließlich ist das erklärte Ziel der Bewegung, das türkisch-nationalistische Gedankengut unter Deutsch-Türken zu verbreiten.

Verbot in Frankreich – Zieht Deutschland nach?

Die Berliner Linken-Politikern Helin Evrim Sommer sieht sich bestätigt. Sie setzt sich seit Längerem für ein Verbot der „Grauen Wölfe“ in Deutschland ein. Sommer fordert: „Es muss umgehend eine Verbotsverfügung gegen die wichtigsten Dachorganisationen der ‚Grauen Wölfe‘ in Deutschland erlassen werden.“

Der internationale Vergleich zeigt: Das ist möglich. Frankreich hat die „Grauen Wölfe“ bereits im November 2020 verboten. Die österreichische Regierung wiederum verbot 2019 die Symbole der Organisation. Auch der Bundestag hatte bereits 2020 fraktionsübergreifend ein Verbot gefordert. Die Hürden dafür seien aber zu hoch, hieß es damals aus dem Bundesinnenministerium.

„Affinität zu Waffen“ und „höhere Gewaltbereitschaft“

Indes registrierte der Verfassungsschutz eine „höhere Gewaltbereitschaft“ und „Affinität zu Waffen“ in der „türkisch-rechtsextremistischen Szene“. Dass sich Angriffe auf türkische Oppositionelle und Exilanten in den vergangenen Wochen und Monaten mehren, ist ein Zeichen für die Radikalisierung und Polarisierung der hiesigen Türkei-stämmigen Community. Ob die „Grauen Wölfe“ direkt an den Übergriffen beteiligt waren, bleibt aber Spekulation.

Fakt ist: Die Organisation ist groß. In Deutschland ist sie in 200 lokalen Vereinen organisiert. Der Bewegung, deren Mitglieder sich selbst als „Idealisten“ (Türkisch: Ülkücü) bezeichnen, werden hierzulande mindestens 11.000 Anhänger zugezählt. Drei Dachorganisationen bestimmen ihre Ausrichtung:

  • die „Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu“: die mit ADÜTDF abgekürzte sogenannte Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland;
  • die „Avrupa Türk-Islam Birligi“: ATIB oder Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa;
  • und die „Avrupa Türk Kültür Dernekleri Birligi“: auch als ATB, Europäisch-Türkische Union, bekannt.

„Graue Wölfe“ sind gut vernetzt

Dass Mitglieder der „Graue Wölfe“ auf Kundgebungen der Union Internationaler Demokraten (früher UETD), die als Lobbyorganisation der AKP gilt, auftauchten oder auf Veranstaltungen des Moscheeverbandes DITIB anwesend waren, zeigt, wie gut vernetzt sie sind.

Bereits im Verfassungsschutzbericht für 2019 ist von einem großen Mobilisierungspotenzial die Rede. Außerdem hieß es darin: „Die unterschiedlichen Ausprägungen reichen von klassischem Rassismus bis hin in den Randbereich des Islamismus.“ Das American Jewish Committee (AJC) Berlin kommt in einer Studie zu dem Schluss: Die „Grauen Wölfe“ seien „antisemitisch, nationalistisch und kurdenfeindlich

26 September 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Türkei: Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik?

von Fremdeninfo 24 September 2021
von Fremdeninfo

 

Türkei: Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik?

 
 
Von Hilal Köylü
 
 

|Die Türkei praktizierte lange eine „Politik der offenen Tür“ und ließ Millionen von Syrern ins Land. Durch die Wirtschaftskrise wuchs die Ablehnung dieser Politik. Schickt Präsident Erdogan die Flüchtlinge nun zurück?

© picture-alliance/dpa/M. Assanimoghaddam Syrische Flüchtlingskinder im türkischen Edirne

Als der syrische Bürgerkrieg in Syrien im Jahr 2011 ausbrach, gab sich die türkische Regierung großzügig gegenüber syrischen Schutzsuchenden. Ankara argumentierte damals, dass das syrische Regime Menschenrechtsverletzungen begehe. Syrische Flüchtlinge müssten daher beschützt werden. Obwohl die Opposition davor warnte, dass dieser Schritt Gefahren für Frieden und Wohlstand mit sich bringen könnte, leitete Präsident Recep Tayyip Erdogan eine „Politik der offenen Tür“ ein. Die Türkei begann, ein „Schutzregime“ einzurichten: Syrer wurden nicht mehr abgeschoben, sondern in Flüchtlingslagern untergebracht, wo sie grundlegende Versorgung erhielten.

Das Ergebnis dieser „Politik der offenen Tür“ ist heute nicht zu übersehen: Nach Angaben des Innenministers Süleyman Soylu befanden sich im August 3,7 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei – fast die Hälfte von ihnen Kinder unter 18 Jahren. Die mit Abstand beliebteste Stadt für Exil-Syrer ist Istanbul. In der Bosporusmetropole leben nach Angaben der türkischen Migrationsbehörde rund 530.000 Syrer.

Das Geld der EU hat das Problem nicht gelöst, meint Politologe Bagci. © Klaus Weddig Das Geld der EU hat das Problem nicht gelöst, meint Politologe Bagci.

Viele türkische Experten und Teile der Opposition sehen die liberale Flüchtlingspolitik jedoch kritisch. „Die Türkei konnte die Zahl der Flüchtlinge nicht richtig vorausberechnen und unterschätzte völlig, wie teuer die Versorgung wird. Die Flüchtlinge wurden dadurch immer mehr zu einem Politikum“, sagt etwa Hüseyin Bağcı, Fachmann für internationale Beziehungen an der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara.

Türkei als Zwischenstopp

In den folgenden Jahren stellte sich immer mehr heraus, dass tausende syrische Migranten nach Europa weiterzogen. Alleine im Jahr 2015 kamen nach Angaben der Europäischen Kommission über 850.000 Menschen in Griechenland an. Die EU musste reagieren: Trotz zahlreicher Einwände von Seiten des Flüchtlingskommissars der Vereinigten Nationen, des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) und verschiedener NGOs beschlossen Brüssel und Ankara im März 2016 das EU-Türkei-Abkommen. Der sogenannte Flüchtlingsdealsollte die Anzahl der Geflohenen, die über die östliche Mittelmeerroute in die EU kamen, reduzieren.

Migranten, die in Griechenland ankommen, werden seither, wenn sie kein Asylrecht besitzen, von griechischen Behörden in die Türkei zurückgeschoben. Im Gegenzug siedelt die EU die gleiche Anzahl asylberechtigter Syrer aus den Lagern in die EU-Mitgliedsländer um. Hinzu kommt, dass die EU im Rahmen des Deals insgesamt sechs Milliarden Euro zur Versorgung syrischer Flüchtlinge an Ankara auszahlte. Dem türkischen Präsident reicht das nicht: Erdogan hat mehrfach betont, dass die Türkei in den vergangenen achteinhalb Jahren bereits 40 Milliarden Euro für syrische Flüchtlinge ausgegeben habe.

„Das Problem kann nicht mit Geld gelöst werden“

Auch Bağcı kritisiert vor allem Brüssel für das Abkommen mit Ankara: „Die EU will das Problem allein dadurch lösen, dass sie Geld in die Türkei schickt. Doch die Türkei allein kann die Last der syrischen Flüchtlinge nicht bewältigen“, mahnt der Experte. Auch Murat Erdogan, Migrationsexperte an der Deutsch-Türkischen Universität Istanbul, beklagt, dass Europa zu lange auf finanzielle Hilfen gesetzt hätte, um einen weiteren Flüchtlingszustrom zu vermeiden. „Die EU hat die falsche Politik verfolgt. Und jetzt setzt sie sogar die Finanzverhandlungen mit Ankara fort“. Es sei viel effektiver, einen „Unterstützungs- und Kooperationsmechanismus“ mit konkreten Hilfen einzurichten, argumentiert der Migrationsexperte, der nicht mit dem türkischen Präsidenten verwandt ist.

Stimmung gegenüber Flüchtlingen ist gekippt

Dieser scheint jedoch in letzter Zeit seine großzügige Flüchtlingspolitik zurückzufahren. Der Hauptgrund ist, dass die Akzeptanz der Millionen von Flüchtlingen in der türkischen Bevölkerung zurückgeht.

Im August brach sich der Fremdenhass in Ankara Bahn. Syrer wurden angegriffen, Geschäfte und Autos angezündet und zerstört. © DHA Im August brach sich der Fremdenhass in Ankara Bahn. Syrer wurden angegriffen, Geschäfte und Autos angezündet und zerstört.

Die zunehmende Ablehnung gegenüber Migranten ist hauptsächlich auf die in der Türkei seit Herbst 2018 anhaltende Währungs- und Wirtschaftskrise zurückzuführen. Existenzängste und Verteilungskämpfe haben in der türkischen Gesellschaft zugenommen. Vor allem die größte Oppositionspartei CHP legt daher eine schärfere Rhetorik gegen Flüchtlinge an den Tag. CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu hatte zuletzt erklärt, dass er alle Flüchtlinge in ihr Herkunftsland zurückschicken werde, sollte seine Partei an die Macht kommen.

Der Druck auf Erdogans Flüchtlingspolitik macht sich offensichtlich nun bemerkbar. „Wir sind uns der Unruhen in der Gesellschaft bewusst“, sagte Präsident Erdogan zuletzt. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu kündigte an, dass man mit den Vereinten Nationen über die Rückführung der Syrer in ihr Heimatland beraten wolle. Auch AKP-Sprecher Ömer Çelik deutete zuletzt Verhandlungen an, die eine Wende in der Flüchtlingspolitik bedeuten könnten: „Es gibt noch keine konkrete Entscheidung“, so Çelik. „Es ist notwendig, mit Jordanien, dem Irak und anderen Ländern zu sprechen, um eine Änderung unserer Politik vorzunehmen“.

 
  • Wikileaks veröffentlich Video, dass Ermordung von Zivilisten durch US-Soldaten im Irak zeigt dw.com-Logo
  • Präsidenten-Treffen in Moskau Integration statt AbschiebungFür Migrationsexperte Murat Erdogan steckt hinter der Debatte um eine mögliche Rückführung von Syrern vor allem eine politische Drohkulisse der Opposition. Man wolle die Regierung unter Druck setzen – es handele sich jedoch um reinen Populismus, so Murat Erdogan. „650.000 syrische Babys wurden in der Türkei geboren. 770.000 syrische Kinder werden zurzeit in türkischen Schulen unterrichtet (…) Man kann nicht erwarten, dass diese Menschen freiwillig zurückkehren, man kann sie aber auch nicht einfach so zwingen, zurückzukehren“. Stattdessen müsse man die entgegengesetzte Richtung einschlagen, fordert Migrationsexperte Erdogan, und dazu brauche es wirksame Maßnahmen zur Integration
24 September 2021 0 Kommentare
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Die Todesliste der Türkei und was Sedat Peker damit zu tun hat

von Fremdeninfo 20 September 2021
von Fremdeninfo

 

  • Die Todesliste der Türkei und was Sedat Peker damit zu tun hat

    Von

    dtj-online

    –

    20.09.2021

     
     
     Türkische Dissidenten im Visier: Kann die Bundesrepublik Cevheri Güven, Erk Acarer, Can Dündar und Co. schützen? Quelle: Shutters

    Nach dem Angriff auf den türkischen Exil-Journalisten Erk Acarer Anfang Juli wurde eine „Todesliste“ mit den Namen türkischer Personen in Deutschland publik. Neben dem Journalisten tauchen darin Namen wie Cevheri Güven und Can Dündar auf. Was das mit Ankara zu tun hat.

    Als Can Dündar Ende 2015 in der Türkei verhaftet wurde, gab es internationale Reaktionen darauf. Der jahrelange Druck auf die Pressefreiheit in der Türkei wurde endlich stärker wahrgenommen. Denn Dündar war schon immer international gut vernetzt.

    Als er im Mai 2016 in Ankara einem Anschlag nur knapp entging, verließ der Journalist mit einem Linienflugzeug das Land gen Deutschland. Angekommen in der Bundesrepublik, schlüpfte Dündar in die Rolle des Chefredakteurs in einem eigens für ihn gegründeten Medium.

    Dündar provozierte Ankara mit „özgürüz“

    Mithilfe des gemeinnützigen Recherchenetzwerks Correctiv wurde das Medium „özgürüz“ ins Leben gerufen. Obschon die Plattform einen vielversprechenden Start hinlegte, ebbten Reichweite und Relevanz des Projekts schnell wieder ab. Dennoch ist Dündar in Deutschland das Gesicht von „özgürüz“ – und steht damit auch federführend für die andauernde Türkei-Kritik des Mediums.

    Seine Reichweite und der Effekt seiner Kampagnen werden auch in Ankara wahrgenommen. Es scheint, als hätte die türkische Regierung eine solch erfolgreiche Kampagne gegen die Türkei – ausgehend von einem einzigen Exil-Journalisten – nicht kommen sehen.

    Dündar und 54 weitere Personen auf türkischer Todesliste

    Dündar hatte bereits kurz nach seiner Ankunft in Deutschland zahlreiche Preise erhalten. Die Verleihungen nutzte er als Bühne, um auf die Repressalien der türkischen Regierung aufmerksam zu machen. Das konnte der Türkei nicht gefallen.

    Heute findet sich Dündars Name, gemeinsam mit 54 weiteren, auf einer sogenannten „Todesliste“. Genau genommen stehen darin die Namen von 55 türkischen Exilant:innen, Journalist:innen, Politiker:innen, prominente Kulturschaffenden sowie Homosexuellen. Sie eint ihre „Kritik an der türkischen Regierung“, wie es in dem Dokument, das DTJ-Online vorliegt, heißt.

    Auch Rapper Ezhel auf Todesliste

    Der Verfasser der Liste ist unbekannt. Doch laut einigen Betroffenen, wie etwa dem Journalist Cevheri Güven, kamen diesmal die deutschen Sicherheitsbehörden proaktiv auf die Betroffenen zu. „Ich hatte zuvor telefonisch Kontakt zu den Sicherheitsbehörden aufgenommen, doch diesmal kamen sie persönlich und unterrichteten uns von einer akuten Gefährdungslage“, berichtet Güven.

    Zwar tauchen in der Liste auch Personen auf, die als lautstarke Regime-Gegner bekannt sind. Doch eine ernsthafte Bedrohung für die türkische Regierung sind sie nicht. Etwa der türkische Modedesigner und bekennende Homosexuelle Barbaros Şansal oder der Rapper Ezhel.

    Stimmungsmache gegen türkische Regierung?

    Beide bewiesen in der Vergangenheit: Sie können Stimmung gegen die türkische Regierung machen. Dennoch werden beide wohl kaum ihren Sturz verursachen. Nicht umsonst sagt Ezhel in seinem Song „Allahından bul“ (auf Deutsch: „Strafen soll dich Allah“), dass er kein Terrorist sein könne, solange seine „Waffe die Musik“ sei.

    Mit seinen satirischen und politischen Messages kann Ezhel vermutlich die Generation Z erreichen – einen Regimewandel indes eher nicht. Gleiches gilt für Şansal. Trotz aller Kritik wird es ihm mit seiner Unterstützung der türkischen LGBTQ+ Community kaum gelingen, Recep Tayyip Erdoğan vom Thron zu stoßen. Journalisten wie Cevheri Güven oder Erk Acarer sind da ein anderes Kaliber.

    Angriff auf Exil-Journalisten wegen Todesliste?

    Letzterer wurde am 7. Juli vor seinem Haus in Berlin von zwei türkischen Personen angegriffen und geschlagen (DTJ-Online berichtete). Dabei erlitt der Journalist, der für das Exilmedium Artı TV arbeitet, schwere Körperverletzungen. „Sie haben gesagt, ich solle aufhören zu schreiben“, sagte Acarer über die Täter, die er „kenne“.

    Die deutschen Behörden legten bis heute keinerlei Ermittlungsergebnisse in der Angelegenheit vor. Doch mit der aktuellen und äußerst konkreten Gefährdungslage verschärft sich die Situation der Schutzsuchenden noch einmal.

    Welche Rolle spielt Sedat Peker?

    Die Frage, warum die Eskalationsspirale gerade jetzt wieder nach oben führt, beschäftigt die Öffentlichkeit. Expert:innen hegen eine erste Vermutung: In der Liste der 55 Personen spielen Güven und Acarer, gemeinsam mit Ahmet Nesin und Celal Başlangıç, die größte Rolle in der Berichterstattung zu den Enthüllungen rund um „Sedat Peker„.

    Der Mafia-Pate hielt die türkische Öffentlichkeit mit seinen Enthüllungen über Korruption und Kriminalität hochrangiger türkischer Regierungsmitglieder und ihrer Vetter in diesem Frühsommer auf Trab. Nur wenige Medienschaffende, übrigens auch die wenigsten von ihnen, die im Exil sind, trauen sich aus Angst vor der Reaktion des türkischen Regimes an das Thema heran.

    Acarer und Güven belegen Peker-Enthüllungen zum Teil

    Peker ist der Stachel im Fleisch der türkischen Regierung. Zu viele Interna aus seinen Videos und Tweets haben sich bereits belegen lassen. Die türkische Öffentlichkeit hält Peker längst für einen glaubwürdigen Whistleblower. In manchen Punkten, die der flüchtige Mafiaboss offenlässt, spielen Investigativjournalisten wie Güven und Acarer eine Rolle.

    Mit seinen Kommentaren zu Pekers Enthüllungen erreicht Güven mittlerweile selbst hunderttausende Menschen. Seine Beteiligung geht sogar soweit, das Peker persönlich Stellung zu Güvens Kommentar-Videos bezieht.

    „Warte nur!“

    Die Strategie des türkischen Mafia-Paten ist klar. Er geht einen gefährlichen Weg. Die Sicherheit für ihn und seine Familie ist nicht mehr gewährleistet, obwohl Peker seine Schritte minutiös plant. Den einen Schritt zu viel ist er bislang nicht gegangen, obschon er es bei jeder Gelegenheit befürchtet. Es scheint, bislang kenne er immer einen Ausweg.

    Im vermeintlich sicheren Exil preschen Güven und Acarer vor. Doch auch Deutschland scheint für sie kein sicherer Hafen zu sein. Denn trotz Personenschützern vor seinem Haus gab es bei Acarer jüngst erneut einen Vorfall (DTJ-Online berichtete).

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20 September 2021 0 Kommentare
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Özil verrät, welche Partei er wählen wird und hat Buchpläne

von Fremdeninfo 19 September 2021
von Fremdeninfo

Özil verrät, welche Partei er wählen wird und hat Buchpläne

Von

dtj-online/ dpa

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15.09.2021, Hessen, Frankfurt/Main: Fußball: Europa League, vor dem Gruppenspiel Eintracht Frankfurt gegen Fenerbahçe im Deutsche Bank Park. Mesut Özil nimmt am Abschlusstraining von seinem Team im Stadion teil. Foto: Arne Dedert/dpa

Fußball-Weltmeister Mesut Özil hat verraten, wem er bei der Bundestagswahl seine Stimme geben will. Er werde am 26. September die Partei Team Todenhöfer wählen.

Özil postete bei Twitter zu einem „Treffen mit Deutschlands mutigstem Politiker“ ein gemeinsames Foto mit dem 80-Jährigen. Dieser habe hinter ihm gestanden, als er vor drei Jahren bei der WM in Russland eine schwere Zeit erlebt habe. „Nun stehe ich hinter ihm“, fügte Özil hinzu.

Jürgen Todenhöfer reagierte kurz darauf und schrieb bei Twitter, er und Özil würden auch ein gemeinsames Buch planen. „Es wird eine Überraschung.“

Ehemaliger CDU-Abgeordneter

Der Publizist gehörte als Christdemokrat von 1972 bis 1990 dem Bundestag an, war aber im vergangenen Jahr aus der CDU ausgetreten.

Der 92-malige Ex-Nationalspieler Özil war nach Querelen um ein umstrittenes Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem folgenden Vorrunden-Aus bei der WM 2018 aus der DFB-Auswahl zurückgetreten. Der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler, der in Gelsenkirchen geboren wurde, wechselte zu Jahresbeginn vom FC Arsenal zu Fenerbahçe. Vor wenigen Tagen gastierte er mit seinem neuen Team in Frankfurt.

dpa/dtj

19 September 2021 0 Kommentare
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Türkei kann keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagt Erdogan

von Fremdeninfo 14 September 2021
von Fremdeninfo

 

Türkei kann keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagt Erdogan

 
  In einem Telefonat mit Bundespräsident Steinmeier hat der türkische Präsident Erdogan Hilfe für die Nachbarstaaten gefordert, um geflüchteten Menschen aus Afghanistan helfen zu können. Zugleich machte er deutlich, dass die Türkei keine weiteren Flüchtlinge mehr versorgen könne.
„Niemand möchte eine ähnliche Erfahrung wie die syrische Flüchtlingswelle von 2015 machen“, sagt Recep Tayyip Erdogan Quelle: AP © AP „Niemand möchte eine ähnliche Erfahrung wie die syrische Flüchtlingswelle von 2015 machen“, sagt Recep Tayyip Erdogan Quelle: AP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Hilfe für afghanische Flüchtlinge in den Nachbarstaaten gefordert. Diese Länder trügen die Last der afghanischen Migration, sagte Erdogan nach Angaben seines Büros am Dienstag in einem Telefonat mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die EU-Staaten sollten die afghanischen Nachbarländer unterstützen, damit diese geflüchteten Afghaninnen und Afghanen in der Nähe der Heimat helfen könnten.

Zugleich unterstrich Erdogan, die Türkei sei nicht in der Lage, noch zusätzliche Flüchtlinge zu versorgen. „Niemand möchte eine ähnliche Erfahrung wie die syrische Flüchtlingswelle von 2015 machen“, sagte er. Damals hatte die Türkei Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, von denen viele in Booten auf griechische Inseln übersetzten, um von dort aus in reichere EU-Staaten wie Deutschland zu gelangen.

Im Jahr darauf unterzeichneten die EU und die Türkei ein Migrationsabkommen, dass den Zuzug von Migranten nach Europa begrenzen soll. Im Gegenzug sagte die EU der Türkei Finanzhilfen und Reiseerleichterungen für türkische Bürger zu. Derzeit beherbergt die Türkei etwa 3,7 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien.

Erdogan forderte von Steinmeier, die EU solle schnelle Schritte zur Umsetzung des Migrationsabkommens unternehmen. Dazu gehörten ein Neustart der Beitrittsgespräche mit der Türkei, eine Aktualisierung der Zollunion und visafreie Reisen für Türkinnen und Türken in die EU.

14 September 2021 0 Kommentare
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Türkische Gemeinde: Migrationsfragen werden im Wahlkampf ausgeblendet

von Fremdeninfo 13 September 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde: Migrationsfragen werden im Wahlkampf ausgeblendet

Von

dtj-online

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13.09.2021

 
 
 
 
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Archivfoto: Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Im Bundestagswahlkampf wird nach Einschätzung der TGD zu wenig darüber gesprochen, wie es in der Migrationspolitik weitergehen soll. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Wenn die AfD über Migration spricht, geht es meist um Migrationsabwehr. Das ist bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien anders. Der Türkischen Gemeinde fällt jedoch auf: Von ihren Wahlkämpfern wird das Thema weitgehend ausgeblendet.

Im Bundestagswahlkampf wird nach Einschätzung der Türkischen Gemeinde zu wenig darüber gesprochen, wie es in der Migrationspolitik weitergehen soll. Er erlebe, „dass die Parteien – mit Ausnahme der Grünen – gerade sehr vorsichtig sind, was das Thema Migration und Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft angeht“, sagte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Gökay Sofuoğlu, der Deutschen Presse-Agentur. Das sei sehr bedauerlich, auch mit Blick auf die rund zwölf Prozent der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte.

Die TGD hatte die Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien in den vergangenen Wochen zu ihren Einstellungen und Positionen in Sachen Migration und Integration befragt. Nach Angaben des Verbandes antworteten 209 Kandidaten und Kandidatinnen der Grünen. Von der Linkspartei bekam die Türkische Gemeinde 187 Antworten, von der SPD 143 Antworten und von der FDP 129.

Nur wenige Kandidaten antworten

Den Angaben zufolge antworteten dagegen nur 24 Kandidaten der AfD sowie insgesamt 21 Direktkandidaten von CDU und CSU. Er sei erschüttert von der geringen Resonanz seitens der Unionskandidaten, sagte der Co-Vorsitzende der TGD, Atila Karabörklü, zumal er den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet (CDU), als „sehr interessiert und kompetent“ wahrnehme, wenn es um die Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft gehe.

Auf die Frage, ob sie angesichts des mit sechs Prozent sehr niedrigen Anteils im öffentlichen Dienst Zielquoten für Menschen mit Migrationsgeschichte befürworteten, antworteten laut TGD nur die befragten Politiker der Linken mehrheitlich mit „Ja“. Von den SPD-Kandidaten, die an der Befragung teilnahmen, waren 35 Prozent dafür, 49 Prozent dagegen. 16 Prozent machten keine Angaben. Von den befragten Grünen sprachen sich 33 Prozent für eine solche Quote aus, 57 Prozent dagegen. Die Kandidaten von FDP, CDU/CSU und AfD, die der Türkischen Gemeinde antworteten, sprachen sich jeweils mit großer Mehrheit gegen eine „Migrationsquote“ aus.

Forderung nach Quote

„Wir haben auch bei den Frauen gesehen, dass es einfach so nicht funktioniert“, begründete Sofuoğlu die Forderung des Dachverbandes nach einer Quote. Wichtig sei, dass Menschen mit Migrationsgeschichte im öffentlichen Dienst und in der Politik auch in Leitungsfunktionen präsent seien.

Obwohl inzwischen mehr als ein Viertel der Bevölkerung ausländische Wurzeln habe, seien Menschen mit Migrationshintergrund in Führungspositionen im öffentlichen Dienst und in der Politik kaum vertreten. „Die Fußball-Nationalmannschaft spiegelt Deutschland besser wider als die deutsche Politik“, sagte Sofuoğlu.

Positives Beispiel aus NRW

Eines der wenigen positiven Beispiele sei der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne). Es sei gut, dass hier ausnahmsweise ein Politiker mit Migrationsgeschichte in einer Position sei, wo relevante Entscheidungen getroffen würden. Karabörklü verwies darauf, dass dem aktuellen Bundeskabinett kein Mensch mit Migrationshintergrund angehöre.

In der neuen Regierung sollte das Thema Migration und Integration „besser platziert sein“, forderte Sofuoğlu. Die Integrationsbeauftragten der Bundesregierung hätten zu wenige Befugnisse und kaum eigene Ressourcen. Die Befragung der Kandidaten habe gezeigt, dass es inzwischen mehr Zuspruch für ein eigenständiges Einwanderungsministerium gebe als noch vor vier Jahren.

dpa/dtj

 
13 September 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge, Terrorismus – „Afghanistan wird Folgen für Deutschland haben“

von Fremdeninfo 11 September 2021
von Fremdeninfo

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Flüchtlinge, Terrorismus – „Afghanistan wird Folgen für Deutschland haben“

 
 
Anna Schneider
 
 

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WELT: Herr Neumann, Sie sagten vor wenigen Tagen: „Meine Begründung von Sicherheitspolitik ist keine konservative, sondern eine liberale.“ Warum sind Sie dann im Zukunftsteam von CDU-Chef Armin Laschet?

Der Terrorismusexperte Peter Neumann Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT © Martin U. K. Lengemann/WELT Der Terrorismusexperte Peter Neumann Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

Peter Neumann: Weil die Union eine Volkspartei ist, sie hat verschiedene Wurzeln: die liberale, die eher konservative und die christlich-soziale. Man kann also in der CDU auch sehr gut ein eher liberal orientierter Mensch sein …

WELT: Sie besetzen die Themen Außen- und Sicherheitspolitik in diesem Zukunftsteam und haben gemeinsam mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Laschet Ihre sicherheitspolitische Agenda vorgestellt – was kann man sich darunter vorstellen?

Neumann: Deutschland wurde 16 Jahre lang ganz gut regiert, aber gerade in diesem Bereich hat sich viel gewandelt, es gibt noch viele Baustellen. Gerade was innere und äußere Sicherheit und die Verknüpfung beider angeht. Das sah man beispielsweise jetzt ganz deutlich in Afghanistan. Deutschland hat diesen Auslandseinsatz als vor allem als Militäreinsatz betrieben, dabei hätte man das von Anfang an enger mit Entwicklungshilfe, mit Wirtschaftspolitik und mit Diplomatie abstimmen müssen. Was in Afghanistan passiert ist, wird Folgen für Deutschland haben – sei es beim Thema Terrorismus oder beim Thema Flüchtlinge.

Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT © Martin U. K. Lengemann/WELT Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

Der Leitgedanke dieses Sicherheitspapiers ist also die verbesserte Vernetzung von innerer und äußerer Sicherheit, ist eine Sicherheitspolitik aus einem Guss. Das machen viele Länder bereits, aber Deutschland eben nicht: Zu oft stellen wir uns das Land nicht als eines vor, das Sicherheitspolitik betreibt. Diese Berührungsangst muss überwunden werden. Hierbei würde ein nationaler Sicherheitsrat helfen. Das ist ein zentraler Vorschlag in unserem Papier.

WELT: FDP-Vize Johannes Vogel sagte in einem WELT-Interview: „Wir erleben in Deutschland aber oft einen vulgär-pazifistischen Ausdruckstanz, wenn es um die Frage von Handlungsfähigkeit und Ausrüstung der Bundeswehr geht.“ Sie würden ihm wohl zustimmen, was die bessere Ausstattung der Bundeswehr angeht?

Neumann: Da sind wir als CDU ganz grundsätzlich dafür. Die linken Parteien dieses Landes äußern sich diesbezüglich oft zweideutig: Zwar sprechen sie sich für die Bundeswehr aus, gleichzeitig sind sie aber nicht bereit, die Mittel bereitzustellen, damit diese ihre Aufgaben auch tatsächlich erfüllen kann. Die CDU hingegen will eine schlagkräftige, gut ausgerüstete Armee, die in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erfüllen. Und wir wollen, dass unsere Leute geschützt werden, etwa durch bewaffnete Drohnen.

Zu oft wird das Thema Sicherheitspolitik ideologisch debattiert. Ein Beispiel: Inlandseinsätze. Es will ja niemand, dass die Bundeswehr pötzlich durch die Straßen patrouilliert. Aber gäbe es in Deutschland jetzt einen Anschlag wie den am 11. September 2001 in den USA, was nicht besonders wahrscheinlich, aber auch nicht auszuschließen ist, sollte das Land in der Lage sein, sehr schnell sehr viele Menschen mobilisieren zu können, um das Land zu sichern. Das kann nur die Bundeswehr.

Sie hat zum Beispiel auch sehr spezifische Fähigkeiten, etwa im ABC-Bereich, den zivile Agenturen einfach nicht haben. In so besonderen Gefährdungslagen müssen wir auf die spezifischen Fähigkeiten der Bundeswehr im Innern unterstützend zurückgreifen können – natürlich unter Führung der Polizei und im Rahmen festgelegter Grenzen.

WELT: Was würde es für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik bedeuten, wenn sich im Herbst eine linke Regierung bildete – etwa Rot-Grün-Rot?

Neumann: Linke Parteien sind nicht bereit, realistische Außenpolitik zu machen, die sich auch an Auslandseinsätzen beteiligt. Deutschland würde in diesen Politikbereichen schlicht und einfach nicht mehr ernst genommen werden. Zum Bereich der inneren Sicherheit habe ich bislang in diesem Wahlkampf noch fast gar nichts von diesen Parteien vernommen.

Ein liberaler Rechtsstaat braucht einen klaren Ordungsrahmen, um Freiheit zu sichern. Was wir als CDU versuchen, ist, eine möglichst liberale Ordnung bereitzustellen. Denn wenn der liberale Staat nicht mehr in der Lage ist, Ordnung herzustellen, dann machen es eben andere.

Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT © Martin U. K. Lengemann/WELT Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

WELT: Wo ziehen Sie dabei die Grenze zwischen der Freiheit des Einzelnen und der notwendigen Sicherheit für alle?

Neumann: Es geht uns darum, die Befugnisse und Instrumente der Kriminalitätsbekämpfung, die der Staat bereits hat, den digitalen Realitäten anzupassen. So etwa bei Online-Durchsuchungen oder intelligenter Videosicherheitstechnik. Schon jetzt kann eine Festnetzleitung abgehört werden, dort findet aber immer weniger Kommunikation statt. Entsprechend müssen die Möglichkeiten zur Kriminalitätsbekämpfung da geschaffen werden, wo sie heute benötigt werden, zum Beispiel bei verschlüsselten Nachrichten über Messenger-Dienste.

Beim Videoschutz bin ich dafür, dass wir an bestimmten Brennpunkten beziehungsweise Gefahrenorten Videosicherheitstechnik einsetzen, die die Polizei unterstützt – zum Beispiel an Bahnhöfen oder Flughäfen. Dabei geht es aber eben nicht um Massenüberwachung, und das ist der Punkt:

Der liberale Staat zeichnet sich dadurch aus, dass Freiheitsbeschränkungen grundrechtskonform und verhältnismäßig sein müssen und kontrolliert werden. Intelligente Videokameras, die durch moderne, effiziente und innovative Technik mehr Sicherheit bringen und zugleich zielgerichteter Datenschutzinteressen berücksichtigen, aus ideologischen Gründen abzulehnen, halte ich nicht für zielführend.

WELT: Warum setzt die CDU im Wahlkampf erst jetzt auf das Thema Sicherheit?

Neumann: Bislang waren die Parteien in diesem Wahlkampf die Getriebenen. Themen zwangen sich ihnen auf; von Corona über die Flut bis zur Afghanistan-Krise. Afghanistan sehe ich nun als Weckruf, der uns dazu bringen sollte, die Themen äußere und innere Sicherheit endlich ernsthaft zu diskutieren.

WELT: Welche Lehren sollte die nächste Bundesregierung aus dem Afghanistan-Debakel ziehen?

Neumann: Bei Auslandseinsätzen müssen die Ziele von Anfang an klar definiert sein – daher wäre eben auch ein nationaler Sicherheitsrat wünschenswert. Sobald man seine Ziele definiert hat, müssen Mittel zur Verfügung gestellt werden, die diesen Zielen angemessen sind. Und das war in Afghanistan nicht der Fall.

WELT: Gehen Sie davon aus, dass Deutschland und Europa durch den Fall Afghanistans an die Taliban einer erhöhten Terrorgefahr ausgesetzt ist?

Neumann: Ich denke, das sich die unmittelbare Terrorgefahr erhöht hat. Nicht nur direkt aus Afghanistan, sondern weil in der dschihadistischen Szene nun nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine positive Stimmung herrscht. Es wird – auch in den sozialen Medien – versucht, eine Art Momentum zu schaffen, das Leute motivieren soll.

Mittelfristig muss man beobachten, ob in Afghanistan erneut eine chaotische Situation entsteht, wie es vor 20 Jahren schon einmal der Fall war – damals wurde das Land zum Rückzugsraum für international orientierte terroristische Gruppen.

WELT: Sprechen wir uns das nächste Mal, wenn Sie Innenminister in einem Kabinett Laschet sind?

Neumann: Es gibt keine Absprachen für das, was nach der Wahl passiert – aber ich wäre bereit, Verantwortung zu übernehmen.

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60 Jahre Anwerbeabkommen: Steinmeier: Wir sind ein Land mit Migrationshintergrund

von Fremdeninfo 11 September 2021
von Fremdeninfo
 
 

60 Jahre Anwerbeabkommen: Steinmeier: Wir sind ein Land mit Migrationshintergrund

 
 
Andrea Dernbach
vor 14 Std.
 

| 60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: Der Bundespräsident empfängt Angehörige der „Gastarbeiter“-Generation und ihre Nachkommen.

Türkisch-deutsche Biografien dreier Generationen zu Gast beim Bundespräsidenten (rechts). Hier spricht der Schauspieler Adnan Maral über seine Jugend in Frankfurt am Main. © Foto: Christoph Söder/dpa Türkisch-deutsche Biografien dreier Generationen zu Gast beim Bundespräsidenten (rechts). Hier spricht der Schauspieler Adnan Maral über seine Jugend in Frankfurt am Main.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einem Empfang für frühere so genannte Gastarbeiter:innen aus der Türkei deren Verdienste um Deutschland gelobt. Nicht nur das westdeutsche Wirtschaftswunder, auch die Entwicklung der deutschen Gesellschaft verdanke sich maßgeblich ihnen und anderen Migrant:innen. „Sie haben viel dazu beigetragen, dass Deuschland heute gesellschaflichen offener und vielfältiger, wirtschaftlich stärker und wohlhabender ist.“ Dafür danke er „als Bürger und als Bundespräsident“. Nicht die Arbeitsmigrant:innen von damals seien Menschen mit Migrationshintergrund:„Wir sind ein Land mit Migrationshintergrund.“

Anlass für den Empfang war das bevorstehende Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbevertrags vom 30. Oktober 1961. Der erste wurde 1955 mit Italien geschlossen. Der Empfang war der Auftakt des Programms, das der Bundespräsident zum Jahrestag plant… Darunter Rentnerinnen wie die 87-jährige Hediye Yonca, die Anfang der 1960er Jahre allein, auch ohne ihre Kinder, nach Deutschland gekommen war, wie Vertreter der nächsten Generationen, die Berliner Psychiatrieprofessorin Meryam Schouler-Ocak und der Astrophysiker Akin Yıldırım. Yıldırım ist Professor am Max-Planck-Institut und der einzige Deutsche, der am Nasa-Teleskop mitarbeitet.

Lebenschancen bleiben ungleich verteilt

Steinmeier erwähnte auch Ausgrenzung und Verachtung, die seine Gäste hätten erleben müssen. Mit „Hoffnung, Zuversicht, Aufbruch“ verbänden sich auch „Bilder, die nur schwer zu ertragen sind“: Erniedrigende Leibesvisitationen, denen die jungen Leute bei der Einstellungsuntersuchung unterzogen wurden, oder unwürdige Unterbringungen in engen, baufälligen Baracken, Menschen, denen Jahre später die harte Arbeit alle Kraft genommen habe. Diese Bilder bestürzten bis heute, auch dadurch, weil sie „den Blick auf uns selbst“ eröffneten.

Dies alles gebe es bis heute. Fünfmal mehr Kinder aus eingewanderten Familien verließen die Schule ohne Abschluss. Jede und jeder trage zwar selbst ein Gutteil Verantwortung für seine Zukunft. „Nur: Verschlossene Türen aufzustoßen – das ist eine Frage der gesellschaftlichen Strukturen.“ Wenn nach 60 Jahren „die Kluft der Lebenschancen“ noch so groß sei, „dann trägt auch unser Staat eine Verantwortung“.

Vom Glück des Ankommens in Deutschland, aber auch der Desorientierung am Anfang sprach nach Steinmeier der heute 75-jährige Mustafa Cetinkaya. Weil er rasch etwas Deutsch gelernt hatte, baten ihn deutsche Kollegen von der IG Metall, für den Betriebsrat seiner Firma zu kandidieren. „Ich wusste nicht einmal, was ein Betriebsrat war.“ Aber die Kollegen versprachen, ihm zu helfen. „Die Menschen damals haben etwas mehr Hilfsbereitschaft gezeigt als heute.“

„Heimat gibt es auch im Plural“

Mehrere Gäste dankten dem Bundespräsidenten für seine Worte: Den Satz mit dem Migrationshintergrund des ganzen Landes werde sie sich merken, sagte Evren Zahirovic, Moderatorin beim WDR und Tochter türkischer Einwanderereltern. „Ich wünschte, Ihre Worte würden weit nach draußen durchsickern.“ Schon jetzt habe ein Großteil der Kinder unter fünf Jahren Migrationshintergrund im Sinne der amtlichen Statistik – aktuell im Schnitt ein Drittel, in vielen Städten auch die Hälfte der Kinder.

Es sei eine Überlebensfrage für Deutschland, dass ihnen die Chancen nicht versperrt würden, in Schule und Beruf Fuß zu fassen. Die Moderatorin Nazan Eckes verwies ebenso wie der Osnabrücker Professor für islamische Religionspädagogik Bülent Uçar darauf, dass sie zunächst eine Empfehlung für die Hauptschule erhalten hatten – nur wegen des Einsatzes ihrer Eltern hätten die Schulen das zurückgenommen. Uçar betonte zugleich, dass Rassismus weltweit gebe. Für Deutschland dürfe man immerhin feststellen, dass alles in allem „die überwältigende Mehrheit denkt wie der Bundespräsident“.

Yasemin Karakaşoğlu, Professorin für Pädagogik an der Universität Bremen, dankte Steinmeier für die Feststellung, dass es Heimat auch im Plural gebe. Sie wünsche sich, dass diese Worte „auch außerhalb dieser Räume“ im Berliner Schloss Bellevue gehört würden. Dort und auch in der deutschen Schule herrsche dagegen die Ansicht: „Nur in einer Sprache kann man gut sein, nur in einer Kultur Heimat haben.“ Dieser „monolinguale Habitus der multilingualen Schule“, wie ihre Kollegin Ingrid Gogolin dies genannt habe, müsse sich ändern, wenn die Schule ihre veränderten Klientel gerecht werden wolle.

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Türkische Gemeinde in Deutschland

von Fremdeninfo 10 September 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde in Deutschland
Almanya Türk Toplumu
Bundesgeschäftsstelle – Genel Merkez

Türkische Gemeinde in Deutschland – Obentrautstr. 72 – 10963 Berlin

Pressemitteilung vom 09. September 2021

TGD befragt alle Direktkandidat*innen zu Themen der Einwanderungsgesellschaft
– Positiver Trend und krasser Ausfall
Die Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte können die kommende Wahl entscheiden.
Schafft es eine*r der Kandidat*innen von SPD, CDU oder den Grünen diese 12 % der
Wahlberechtigten für sich einzunehmen, wird er oder sie Bundeskanzler*in der
Bundesrepublik Deutschland. Die Türkische Gemeinde in Deutschland wollte daher
herausfinden, wie die Parteien, aber auch die einzelnen Direktkandidat*innen, zu den
Themen stehen, die die Menschen mit Migrationsgeschichte besonders bewegen.

Wie bereits 2017 befragte die Türkische Gemeinde in Deutschland e.V. (TGD) hierfür rund
1.600 Direktkandidatinnen und -kandidaten der 299 Wahlkreise der Parteien CDU/CSU, SPD,
Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und FDP zu ihren Positionen zu migrations- und
integrationspolitischen Themen. Die Parteizentralen sind selbstverständlich ebenfalls befragt
worden. Die Ergebnisse der Wahlprüfsteine zeigen: auf der einen Seite tragen der konstante
Druck und die kritische Öffentlichkeitsarbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie
der TGD und der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) dazu bei, dass
Parteien Themen der Einwanderungsgesellschaft immer stärker zu ihren Themen machen
und die Forderungen der Zivilgesellschaft an Zustimmung gewinnen. Auf der anderen Seite
gilt diese Entwicklung leider nicht für alle Parteien und nicht für alle Themen.

Heute präsentiert die TGD die Ergebnisse ihrer Wahlprüfsteine 2021, die für die
Öffentlichkeit in einer Onlinedatenbank verfügbar gemacht werden, als Orientierungshilfe
für Wähler*innen. Über 700 Direktkandidat*innen haben geantwortet. Die Beteiligung nach
Parteien sieht wie folgt aus: Bündnis 90/Die Grünen (209), Die Linke (187), SPD (143), FDP
(129), AfD (24) und CDU/CSU (21).

So bewertet der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoğlu die Beteiligung der Parteien: „Sehen Sie,
die TGD ist parteipolitisch neutral. Ihre Mitglieder sind in allen demokratischen Parteien
aktiv. Unsere Zusammenfassung ist datenbasiert und wir geben keine Wahlempfehlung ab.
Aber den mageren Rücklauf aus den Reihen der CDU/CSU können wir nicht unkommentiert
lassen. Dieses Desinteresse an den Wähler*innen mit Migrationsgeschichte und den
Themen der Einwanderungsgesellschaft ist erschütternd und steht auch im krassen
Gegensatz zu Einzelpersonen wie Armin Laschet, Annette Widmann-Mauz oder Serap Güler,
die wir seit vielen Jahren als interessiert und zugewandt erleben.“

Zentrale Ergebnisse:

Eine Empfehlung, die die TGD bereits 2013 ausgesprochen hat, ist die Schaffung eines
Bundesministeriums, das die Bereiche der sogenannten Integrationspolitik zusammenführt
mit der Antidiskriminierungspolitik und der Bekämpfung von Rassismus (auch in
Institutionen), um die Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft ganzheitlich und
zukunftsgewandt anzugehen. Es gibt eine klare Zustimmung bei den Grünen und den Linken,
die es 2017 so noch nicht gegeben hat. Die Idee ist sogar Teil des grünen Wahlprogramms.
SPD und FDP sind in dieser Frage uneinig bzw. unentschlossen. CDU/CSU lehnen die Idee klar
ab, während einzelne Kandidat*innen sich auch befürwortend äußern und bei der AFD zeigt sich ein ähnliches Bild.

Noch deutlicher ist ein positiver Trend in Bezug auf das Bewusstsein, dass es Maßnahmen
gegen Diskriminierung braucht, um für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen. So ist die Idee
der Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen im Kontext Schule für Schüler*innen,
Eltern und Lehrer*innen deutlich positiver votiert worden als noch 2017.
„Parteiübergreifend sehen wir hier eine überwältigende Zustimmung, vor allem, wenn wir
an die Ergebnisse von 2017 denken. Damals war die Resonanz mit 9% bei CDU/CSU, 18%
FDP und 40% SPD ziemlich mies. Da hat sich wirklich viel getan. Wir werten dies als
deutliches Zeichen, dass das Problembewusstsein bezüglich der institutionell bedingten
Diskriminierungen parteiübergreifend gestiegen ist, ebenso wie die Bereitschaft etwas
dagegen zu unternehmen“, sagt Gökay Sofuoğlu.

„Unsere Ergebnisse zeigen insgesamt einen positiven Trend zur Gestaltung der
Einwanderungsgesellschaft. Deshalb irritieren uns die Ergebnisse zur Quote für Menschen
mit Migrationsgeschichte im öffentlichen Dienst doch sehr“, so Atila Karabörklü,
Bundesvorsitzender der TGD. Während die Zustimmung bei den Linken seit 2017 stark
zugenommen hat, ist der Trend bei den anderen Parteien stark negativ. 2017 lag die
Zustimmung der SPD noch bei 64%, bei den Grünen sogar bei 74%. 2021 liegt sie nur noch
bei knapp über 30%. CSU/CDU, FDP und AfD lehnen eine Quote auch 2021 noch stark ab.
„Die Ergebnisse offenbaren eine generelle Problematik: Einerseits verstehen viele
Politiker*innen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und Repräsentanz wichtig wäre
für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie an sich. Andererseits sind viele
Parteien und Kandidat*innen zurückhaltend, wenn es um wirksame Maßnahmen geht. Das
wird auch bei den Parteiantworten deutlich. Mehr Diversität wird befürwortet, aber
Maßnahmen, die für mehr Gerechtigkeit und die bessere Einhaltung des
Leistungsversprechens sorgen würden, werden abgelehnt. Es ist das gleiche Phänomen wie
in der Genderfrage: Den Kuchen gerechter verteilen – unbedingt! Meinen Kuchen? Na das
muss doch wohl nicht sein!“, beschreibt es Atila Karabörklü. „Gegen die Quote wird gerne
das Argument der ungerechten Bevorzugung ins Feld geführt. Über die jahrelange
ungerechte Bevorzugung von Männern, von Westdeutschen oder eben von Deutschen ohne
Migrationsgeschichte hat sich keiner beschwert.“ Ergänzt Gökay Sofuoğlu.

Alle Ergebnisse der Fragen an die Direktkandidat*innen und auch die schriftlichen
Antworten der Parteizentralen finden Sie unter folgendem Link zusammengestellt.
Außerdem können Sie dort in einer Datenbank alle Ergebnisse der Direktkandidat*innen
gefiltert, also z.B. nach Partei oder Wahlbezirk, abrufen.

——————-
Pressekontakt:
Kaan Bağcı
Türkische Gemeinde in Deutschland e.V.
Obentrautstraße 72, 10963 Berlin
Telefon: 030 896 83 81 13 / Mobil: 01520 6862206
Mail: Kaan.Bagci@tgd.de

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Frauen in Saudi-Arabien: Deutsche baut Nationalelf auf

von Fremdeninfo 9 September 2021
von Fremdeninfo

Frauen in Saudi-Arabien: Deutsche baut Nationalelf auf

Von

dtj-online

–

04.09.2021

 
 
 
 
Archivfoto: Saudische Fans, ein Mann und eine Frau, sitzen während eines Fußballspiels auf der Tribüne. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa

Saudi-Arabiens Frauen haben in den vergangenen Jahren neue Freiheiten bekommen. Jetzt erobern sie Schritt für Schritt auch den Sport. Mit deutscher Hilfe soll bald eine Frauen-Fußballnationalelf auflaufen.

Als Fußballtrainerin hat Monika Staab einiges von dieser Welt gesehen. In rund 80 Ländern war sie schon im Einsatz, um Frauen das Fußballspielen beizubringen. Doch die Aufgabe, die die frühere Spielerin an diesem Mittwoch übernahm, ist selbst für sie etwas Besonderes: Denn Monika Staab ist als Coach für die allererste Frauen-Fußballnationalelf Saudi-Arabiens verantwortlich. Des Landes also, in dem Frauen bis vor kurzem nicht einmal ins Stadion durften, weil das nach Ansicht der Herrscher gegen die Regeln des Islam verstieß.

Auf Staab, einst unter anderem Trainerin beim 1. FFC Frankfurt, wartet echte Pionierarbeit, denn die Geschichte des saudischen Frauenfußballs ist denkbar jung. Bis vor einigen Jahren war es Frauen gänzlich verboten, in der Öffentlichkeit zu kicken. Eine Meisterschaft spielen die saudischen Fußballerinnen erst seit November aus. Und die Nationalelf muss die deutsche Trainerin von Null aufbauen. „Saudi-Arabien fängt beim ersten Stockwerk an“, sagt Staab (62). „Das ist ein Meilenstein, gerade für die arabische Welt.“

Bin Salman lockert

Möglich wird die erste Frauen-Nationalelf in dem Königreich durch eine gesellschaftliche Öffnung, die Kronprinz Mohammed bin Salman vorantreibt. Traditionell sind Frauen in dem streng konservativen islamischen Land gegenüber Männern stark benachteiligt. Noch immer bleiben ihnen viele Rechte vorenthalten. Doch mit einer Reihe von Reformen hat der Thronfolger ihren Status gestärkt. Seit 2018 dürfen Frauen etwa Autofahren. Auslandsreisen sind ihnen mittlerweile ohne Zustimmung eines männlichen Vormunds gestattet. Auch die Kleidervorschriften, darunter das Kopftuch, lockern sich.

Schritt für Schritt erobern die saudischen Frauen nun den Sport für sich. Als Staab das Königreich Ende vergangenen Jahres besuchte, um Trainerinnen auszubilden, arbeitete sich mit „unglaublich aktiven und engagierten Frauen“ zusammen, wie sie erzählt. „Das war ein Riesenerlebnis. Ich war überrascht von der Offenheit der Frauen.“ Und vom Potenzial der Spielerinnen. Obwohl offiziell im Königreich nicht erlaubt, hätten diese schon länger gespielt. „Ich habe nicht in diesem Ausmaß erwartet, wie weit sie schon sind“, schwärmt Staab.

Erfahrungen in Bahrain und Katar

Nach ihrer Ankunft in dieser Woche will sie sich erst einen Gesamteindruck verschaffen, sich Spiele anschauen, Spielerinnen zu Probetrainings einladen und in den nächsten Wochen rund 30 Sportlerinnen für ein erstes Trainingslager auswählen. Für Staab keine neue Erfahrung: Sie hat auch in den Golf-Staaten Bahrain und Katar sowie in Pakistan Frauen-Nationalmannschaften aufgebaut.

Der saudische Verband macht auf sie dabei einen guten Eindruck. Der Aufbau der Frauen-Nationalelf werde „mit großer Ernsthaftigkeit“ vorangetrieben, an der Spitze von Funktionärinnen, die etwas zu sagen hätten. Auch der Verband selbst, fest in Händen von Männern, steht ihr zufolge hinter dem Projekt: „Die lassen es nicht einfach nur zu.“

Frauen müssen sich behaupten

Doch Worte und Enthusiasmus sind das eine, die Realität oft das andere. Staab kommt in ein Land, in dem nicht nur das heiße Wüstenklima eine Herausforderung für jeden Sport darstellt.

Trotz der neuen Rechte für Frauen beäugen noch immer viele saudische Männer deren bislang unbekannte Freiheiten mit Argusaugen. „Es wird Teil der Aufgabe sein, die Gesellschaft zu überzeugen, dass Frauen Fußball spielen dürfen und können“, sagt sie. Auch das kennt Staab, schließlich hat sie ähnliche Hürden und Skepsis oft erlebt. „Das war als Trainerin immer auch eine Hauptaufgabe von mir“, erzählt sie.

Kritiker in Gefahr

Hinzu kommen die politischen Verhältnisse. Während der Kronprinz Frauen mehr Freiheiten gibt, geht er mit härtester Hand gegen Kritiker vor. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Aktivistinnen eingesperrt, auch Frauenrechtlerinnen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bemängelte erst Anfang des Monats, Saudi-Arabien habe die Verfolgung „von Andersdenkenden auf besorgniserregende Weise intensiviert.“

Staab ist sich über diese Situation im Klaren. Doch sie halte sich aus der politische Lage „komplett raus“, sagt sie. „Ich muss erst im Land sein, ehe ich mir ein Urteil bilde. Ich will versuchen, Frauen dort durch meine Erfahrung mit etwas auf den Weg zu geben.“

Schon bei ihrer ersten Reise hat sie einiges gelernt. Etwa, dass sie im kurzärmeligen T-Shirt ohne Probleme auf die Straße gehen kann. Oder, dass die Spielerinnen im Training ohne die traditionelle Kopfbedeckung, den Hidschab, kicken, obwohl die Fifa ihn 2014 erlaubt hat und er bei offiziellen Spielen zum Einsatz kommt. Staabs Vertrag läuft zunächst über ein Jahr. Dann will sie weitersehen. Ein Ziel hat sie sich auch schon vorgenommen: Im nächsten März möchte die Trainerin mit der neuen Elf zu einem ersten Länderspiel antreten.

dpa/dtj

9 September 2021 0 Kommentare
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