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Scholz sieht keine großen Hürden mehr für Schwedens Nato-Beitritt

von Fremdeninfo 16 August 2022
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Scholz sieht keine großen Hürden mehr für Schwedens Nato-Beitritt

 

nrik MONTGOMERY Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sieht keine großen Hindernisse mehr auf dem Weg zu einem Nato-Betritt von Schweden und Finnland. „Meine Zuversicht ist groß, dass es jetzt sehr schnell gehen wird“, sage Scholz bei einem Besuch in Stockholm

Der Kanzler fügte hinzu: „Wir gewinnen mit Schweden und Finnland zwei geschätzte Verbündete, die die Verteidigungsfähigkeit der Nato und damit unsere Sicherheit stärken werden.“ Der Beitritt sei „historisch“.

Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson kündigte an, dass ihr Land die von der Türkei geforderten Auslieferungen fortsetzen werde. „Sie werden gerade ausgeführt in Einklang mit schwedischem und internationalen Recht“, sagte sie über die Auslieferungen. Schweden werde sich an die entsprechenden Vereinbarungen mit der Türkei halten – „das werden wir weiterhin so handhaben“, sagte sie.

 

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sieht keine großen Hindernisse mehr auf dem Weg zu einem Nato-Betritt von Schweden und Finnland. „Meine Zuversicht ist groß, dass es jetzt sehr schnell gehen wird“, sage Scholz am Dienstag bei einem Besuch in Stockholm. Er erwarte, dass jene Nato-Länder, die den Betritt noch nicht ratifiziert haben, „das bald tun werden – auch die Türkei“.

Schweden hatte vor wenigen Tagen die erste Abschiebung eines türkischen Staatsbürgers seit dem Streit mit der Türkei um seinen Nato-Beitritt angekündigt. Es handele sich um einen wegen Kreditkartenbetrugs verurteilten türkischen Staatsbürger. Die Türkei hatte mehrfach gedroht, den Nato-Beitritt der nordischen Länder zu blockieren, wenn sie die türkischen Forderungen nicht erfüllen. 

In Schweden und dem Nachbarland Finnland hat der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einer sicherheitspolitischen Kehrtwende geführt: Beide Länder wollen ihre traditionelle Bündnisfreiheit aufgeben und der Nato beitreten. 

Der Prozess zur Aufnahme in die Nato ist angelaufen. Allerdings muss jedes der 30 Mitgliedsländer den Beitritt ratifizieren. Der Deutsche Bundestag hat bereits seine Zustimmung erteilt. Aktuell steht nach Angaben der Bundesregierung noch die Ratifizierung von sieben Ländern aus. 

Gebremst wurde die Aufnahme von Veto-Drohungen des Nato-Mitglieds Türkei. Die Türkei begründete dies mit der angeblichen schwedischen und finnischen Unterstützung von „Terrororganisationen“ – gemeint sind damit vor allem Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch von 2016 in der Türkei verantwortlich macht..

Im Juni unterzeichneten die Türkei, Schweden und Finnland ein Abkommen, das die Beitritte ermöglichen soll. Aktivisten für Menschenrechte und Meinungsfreiheit warnten davor, dass durch die Vereinbarung keinesfalls im Exil lebende, verfolgte türkische Oppositionelle an Ankara ausgeliefert werden dürften. So hatten der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Frankfurter Buchmesse daran erinnert, dass Kritiker des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Türkei schnell als „terrorverdächtig“ eingestuft und inhaftiert würden.

Die Norderweiterung der Nato könnte das militärische Kräfteverhältnis in der strategisch wichtigen Region Nordeuropa verändern. Durch eine Mitgliedschaft Finnlands bekäme das Militärbündnis auch eine neue, 1300 Kilometer lange direkte Grenze mit Russland. In Reaktion auf die geplante Erweiterung warf Russlands Präsident Wladimir Putin der Nato bereits „imperiale Ambitionen“ vor. 

pw/cp

16 August 2022 0 Kommentare
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Rushdie auf dem Weg der Besserung – Verdächtiger äußert sich erstmals

von Fremdeninfo 15 August 2022
von Fremdeninfo

Rushdie auf dem Weg der Besserung – Verdächtiger äußert sich erstmals

Von

dtj-online

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15.08.2022

 
 
 
 
Autor Salman Rushdie“ width=“696″ height=“482″>
Archivfoto: Der am Freitag angegriffene Schriftsteller Salman Rushdie befindet sich Medienberichten zufolge auf dem Weg der Besserung. Foto: Matt Crossick/PA Wire/dpa

Der Angriff auf Schriftsteller Salman Rushdie löst weiter Entsetzen aus. Es gibt erste Zeichen für eine Besserung seines Zustands. Der mutmaßliche Täter schweigt vor Gericht – und lässt sich über seinen Pflichtverteidiger für „nicht schuldig“ erklären.

Es sind hoffnungsvolle Nachrichten über den verwundeten Schriftsteller Salman Rushdie, die am Wochenende aus dem Krankenhaus zu hören waren. Der Autor ist Medienberichten zufolge auf dem Wege der Besserung. Er werde nicht mehr künstlich beatmet und habe am Samstag – einen Tag nach der Attacke auf einer Bühne – wieder sprechen können, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf seinen Literaturagenten Andrew Wylie. Der „Washington Post“ sagte Wylie am Sonntag: „Der Weg zur Genesung hat begonnen.“ Rushdies Verletzungen seien schwer, aber sein Gesundheitszustand entwickele sich in die richtige Richtung.

Der 75 Jahre alte Rushdie war während einer Lesung in einem Institut in Chautauqua im Westen des US-Bundesstaates New York schwer verletzt worden und hatte mehrere Stichwunden unter anderem an Hals und Bauch erlitten. Zu einem Tatmotiv veröffentlichte die Polizei weiter keine bestätigten Angaben.

Mutmaßlicher Täter stammt aus Libanon

Vor Gericht schwieg der mutmaßliche Täter, der 24 Jahre alte Hadi M., am Samstag und ließ sich von seinem Pflichtverteidiger für „nicht schuldig“ erklären, wie die „New York Times“ und andere US-Medien berichteten. Ihm wurden laut Mitteilung der Polizei versuchter Mord zweiten Grades sowie Angriff mit einer tödlichen Waffe und der Absicht, eine Körperverletzung zu verursachen, vorgeworfen. Mord zweiten Grades ist ein eigenständiger Tatbestand im US-Rechtssystem zum Tod eines Menschen. Dafür können Angeklagte im Bundesstaat New York mit jahrelangen Haftstrafen belegt werden.

Auf Fotos war der Mann aus dem Bundesstaat New Jersey, dessen Familie aus dem Libanon stammt, mit weißer Mund-Nasen-Maske in gestreifter Häftlingskleidung und orangenen Schuhen zu sehen. Er bleibe ohne Kaution weiter in Gewahrsam. Die nächste Anhörung soll demnach am 19. August um 15 Uhr (Ortszeit) sein.

Jahrelanges Versteckspiel

Vor Gericht erklärten die Staatsanwälte laut US-Medien, der Angriff auf den Autor sei vorsätzlich und gezielt gewesen. M. sei mit einem Bus zu dem Institut im ländlichen Westen des Bundesstaates gefahren und habe sich dort ein Ticket gekauft, um am Freitagvormittag Rushdies Vortrag hören zu können. Der Autor hatte dort über verfolgte Künstler sprechen wollen und wenige Minuten vor dem Angriff die Bühne betreten.

Wegen Rushdies Werks „Die satanischen Verse“ aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini zur Tötung des britisch-indischen Autors aufgerufen. Er warf Rushdie vor, in seinem Roman den Islam, den Propheten Muhammad und den Koran beleidigt zu haben. In dem Buch kommt unter anderem eine Figur vor, die dem Propheten ähnelt. Die Kritik lautet, dass Rushdie den göttlichen Ursprung des Koran in Frage stellte. Auf das Todesurteil folgten damals eine dramatische Flucht Rushdies und jahrelanges Verstecken. Seit mehr als 20 Jahren lebt er in New York.

Höchstwahrscheinlich ein Auge verloren

Der Autor war nach dem Angriff per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, operiert und an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden, wie sein Agent Wylie am Freitagabend der „New York Times“ mitgeteilt hatte. Rushdie werde wahrscheinlich ein Auge verlieren, außerdem seien Nervenstränge in seinem Arm durchtrennt und seine Leber beschädigt worden, erklärte Wylie.

Prominente und Politiker aus aller Welt verurteilten den Angriff auf Rushdie und wünschten ihm eine schnelle Genesung. US-Präsident Joe Biden lobte, Rushdie habe sich nicht einschüchtern lassen und stehe für „wesentliche, universelle Werte“ wie Wahrheit, Mut und Widerstandsfähigkeit.

Israel beschuldigt Iran

Der britische Premier-Kandidat für die Nachfolge von Boris Johnson, Rishi Sunak, forderte indes Sanktionen gegen den Iran. Sunak sagte dem „Telegraph“ (Sonntag), der Angriff müsse ein „Weckruf für den Westen“ sein und spreche dafür, die iranische Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Man müsse sich außerdem fragen, ob eine potenzielle Einigung mit dem Iran im Atomstreit „möglicherweise in einer Sackgasse angekommen“ sei.

Der israelische Regierungschef Jair Lapid sah die Schuld an dem Angriff auch bei der Führung des Irans. Der Vorfall sei „das Resultat von Jahrzehnten der Aufwiegelung, angeführt durch das extremistische Regime in Teheran“, schrieb Lapid am Samstagabend bei Twitter. Iranische Medien begrüßten die Tat und schrieben unter anderem neben ein Bild des verletzten Autors „Der Teufel auf dem Weg in die Hölle“.

PEN ernennt Rushdie zum Ehrenmitglied

Von der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hieß es: „Wer diesen Mordanschlag nun auch noch rechtfertigt, verbreitet nichts anderes als Hass und Extremismus. Wer an ein friedliches Zusammenleben glaubt, muss sich dem klar und konsequent entgegenstellen.“ Kanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb bei Twitter: „Was für eine abscheuliche Tat!“.

Der Schriftstellerverband PEN teilte mit: „Als Zeichen unserer Solidarität mit diesem mutigen Kämpfer für die Freiheit des Wortes ernennt das Präsidium des PEN-Zentrums Deutschland Salman Rushdie zum Ehrenmitglied.“

dpa/dtj

 
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15 August 2022 0 Kommentare
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Türkischer Geheimdienst: Komplize des verurteilten Spions ebenfalls angeklagt

von Fremdeninfo 14 August 2022
von Fremdeninfo

 

Türkischer Geheimdienst: Komplize des verurteilten Spions ebenfalls angeklagt

Von

dtj-online

–

14.08.2022

„Prozess gegen mutmaßlichen türkischen Spion“ width=“696″ height=“463″>
Archivfoto: Einsatzkräfte steigen vor dem Düsseldorfer Hotel in ihr Fahrzeug. Dort war der 41-jährige Ali D. festgenommen worden. Foto: Henning Kaiser/dpa

Der Komplize des verurteilten Spions in Düsseldorf muss ebenso vors Gericht. Auch in Österreich gibt es drei Verdächtige. 

In einem Fall von Spionage für den türkischen Geheimdienst hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen zweiten Mann erhoben. Ihn soll der inzwischen verurteilte Haupttäter angeworben haben, um ebenfalls Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung zu sammeln. Das teilte die Karlsruher Behörde am Freitag mit. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hatte Mitte Juli einen anderen Mann namens Ali D. zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sein mutmaßlicher Komplize wurde den Angaben zufolge nun ebenfalls dort angeklagt. Er befinde sich noch auf freiem Fuß.

Der inzwischen Verurteilte D. war im September 2021 bei einem Großeinsatz in einem Düsseldorfer Hotel festgenommen worden. Der 41-Jährige hatte gestanden, seit 2018 Informationen über Unterstützer der PKK und der Gülen-Bewegung gesammelt und an den Geheimdienst MIT weitergegeben zu haben.

Der nun Angeklagte, ein Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit, soll sich im August 2021 bereiterklärt haben, ebenfalls Informationen zu beschaffen. Kurz darauf soll er seinem Bekannten zwei Namen genannt und zu einer dieser Personen auch weitere Daten übermittelt haben.

Österreich geht ebenso gegen Spione vor

Auch im Nachbarland Österreich kam es Ende Juli zu Festnahmen. Im Zuge von Ermittlungen der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) und des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Tirol (LVT) sind drei mutmaßliche türkische Spione vorübergehend festgenommen worden. Bei Hausdurchsuchungen an den Wohnadressen der Beschuldigten wurden zahlreiche Datenträger, Mobiltelefone sowie Schreckschusspistolen sichergestellt. Die Daten werden noch untersucht.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wirft der Gülen-Bewegung vor, für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich zu sein. Der islamische Geistliche Fethullah Gülen, nach dem die Bewegung benannt wird, bestreitet dies vehement. Es könne aber sein, dass einige seiner Anhänger eigenverantwortlich gehandelt hätten und involviert gewesen seien. Die PKK wird von der Bundesanwaltschaft als Terrorvereinigung eingestuft, sie hat in der Türkei zahlreiche Attentate und Anschläge verübt.

dtj/dpa

14 August 2022 0 Kommentare
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Angriff auf offener Bühne: Salman Rushdie schwer mit Messer verletzt

von Fremdeninfo 13 August 2022
von Fremdeninfo

Angriff auf offener Bühne: Salman Rushdie schwer mit Messer verletzt

Von

dtj-online

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13.08.2022

 
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„Angriff auf Autor Salman Rushdie“
Chautauqua: In diesem Videostandbild wird der Autor Salman Rushdie auf einer Trage zu einem Hubschrauber gebracht, der ihn in ein Krankenhaus transportiert, nachdem er während eines Vortrags in der Chautauqua Institution angegriffen wurde. Foto: Uncredited/Anonymous/AP/dpa

Obwohl er vor mehr als 30 Jahren per Fatwa zum Tode verurteilt wurde, hatte sich Salman Rushdie seinem Verlag zufolge eigentlich wieder sicherer gefühlt. Nun ist der preisgekrönte Autor auf offener Bühne attackiert worden.

Der vor mehr als 30 Jahren per Fatwa zum Tode verurteilte Schriftsteller Salman Rushdie ist bei einem Auftritt im US-Bundesstaat New York angegriffen und am Hals verletzt worden. Ein Mann sei in der Veranstaltungshalle im Ort Chautauqua am Vormittag „auf die Bühne gerannt“ und habe Rushdie und einen Interviewer mit einem Messer angegriffen, teilte die New Yorker Polizei am Freitag mit.

Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul sagte in der Stadt Buffalo, Rushdie sei am Leben und bekomme im Krankenhaus die Hilfe, die er benötige. „Es war ein staatlicher Polizist, der aufstand und sein (Rushdies) Leben rettete, ihn beschützte“, sagte sie und dankte dem Helfer. Der 75-jährige Schriftsteller war zuvor mit einem Hubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden. Er werde vermutlich ein Auge verlieren, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Rushdies Literaturagenten Andrew Wylie.

Khomeinis Fatwa noch aktuell

Wegen Rushdies Werks „Die satanischen Verse“ („Satanic Verses“) aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini eine Fatwa veröffentlicht, die zur Tötung des Autors aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt.

Der Täter sei nach dem Angriff am Freitag noch in der Halle festgenommen worden, hieß es von der Polizei. Die „New York Times“ zitierte eine Zeugin: „Es gab nur einen Angreifer. Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu.“ Ein Reporter der US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, der Angreifer habe 10 bis 15 mal auf Rushdie eingeschlagen oder gestochen. Der ebenfalls angegriffene Interviewer hat nach Polizeiangaben eine Kopfverletzung. Bei dem Angreifer soll es sich um den 24-jährigen Hadi M. handeln, er habe ein Ticket für die Veranstaltung gehabt, teilte die Polizei mit.

Zu den Hintergründen des Angriffs gab es zunächst keine Details. Ob dieser im Zusammenhang mit der jahrzehntealten Fatwa steht, blieb zunächst offen. Die Tat fand bei einer Vorlesung Rushdies in der sogenannten Chautauqua Institution, einem Erziehungs- und Kulturzentrum statt. Die Veranstaltung habe im Rahmen einer Serie unter dem Titel „Mehr als Schutz“ („More than Shelter“) stattgefunden, bei der über die Vereinigten Staaten als Zufluchtsort für Schriftsteller im Exil und über die Verfolgung von Künstlern diskutiert werden sollte.

Japanischer Übersetzer getötet

Das islamische Rechtsgutachten des Ajatollahs rief damals nicht nur zur Tötung Rushdies auf, sondern auch all derer, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz. Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr hätte die Fatwa für Rushdie inzwischen aber längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr. Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie „Joseph Anton“ aus dem Jahr 2012.

Die Tat löste weltweit Entsetzen aus. Der US-Senator und Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, schrieb auf Twitter, die Tat sei ein „Angriff auf die Rede- und Gedankenfreiheit, die zwei Grundwerte unseres Landes und der Chautauqua Institution“ seien. Auch der scheidende britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich „entsetzt“, dass Rushdie attackiert wurde, während er „ein Recht ausgeübt hat, dass wir niemals aufhören sollten zu verteidigen“. Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling und Bestseller-Autor Stephen King drückten ebenfalls ihre Bestürzung aus und schrieben, sie hoffe, es gehe Rushdie gut.

Auch Corona-Leugner und Trumpisten gestört

Geboren wurde der Autor im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai (damals Bombay). Er studierte später Geschichte am King’s College in Cambridge. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit dem Buch „Mitternachtskinder“ („Midnight’s Children“), das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Er erzählt darin die Geschichte von der Loslösung Indiens vom Britischen Empire anhand der Lebensgeschichte von Protagonisten, die genau zur Stunde der Unabhängigkeit geboren werden und mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet sind.

Insgesamt veröffentlichte Rushdie mehr als zwei Dutzend Romane, Sachbücher und andere Schriften. Rushdies Stil wird als Magischer Realismus bezeichnet, in dem sich realistische mit fantastischen Ereignissen verweben. Dennoch sieht er sich unbedingt der Wahrheit verpflichtet. Diese sieht er zunehmend in Gefahr, was auch im Zentrum seiner jüngsten Veröffentlichung von Essays steht, die in Deutschland unter dem Titel „Sprachen der Wahrheit“ herauskamen. Der seit vielen Jahren in New York lebende Schriftsteller stemmt sich darin gegen Trumpisten und Corona-Leugner. „Die Wahrheit ist ein Kampf, das ist keine Frage. Und vielleicht noch nie so sehr wie jetzt“, sagte er in einem Interview des US-Senders PBS im vergangenen Jahr.

dpa/dtj

13 August 2022 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Debatte über Leistungen für Flüchtlinge: Kritik an Gentges

von Fremdeninfo 13 August 2022
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Debatte über Leistungen für Flüchtlinge: Kritik an Gentges

 

Mit ihrer Kritik an der Ausweitung von Sozialleistungen für Geflüchtete hat sich die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges (CDU) nicht nur Ärger mit der Opposition eingehandelt. Auch Landessozialminister Manne Lucha widerspricht seiner Kabinettskollegin. «Es kommt derzeit keiner, weil Anreize durch Sozialleistungssysteme geschaffen wurden. Die Menschen sind weltweit auf der Flucht», sagte der Grünen-Minister dem SWR. «Die kommen jetzt an, weil die Krisen- und Notherde in der Welt jetzt mehr werden.» Man müsse nach humanitären und sozialstaatlichen Gesichtspunkten Chancen gewähren und damit die Gesellschaft stärken.

Auch SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch kritisierte Gentges. «Wer als zuständige Ministerin für Migration nichts besseres zu tun hat, als gegen Flüchtlinge zu hetzen, hat in dieser Funktion nichts zu suchen», twitterte er. «Und für parteipolitische Spielchen ist dieses Thema auch nicht geeignet, Frau Gentges.» Diese Menschen suchten Schutz. Zuvor hatte bereits der Flüchtlingsrat die Äußerungen der Justiz- und Migrationsministerin als «schwere Anschuldigungen» bezeichnet, die erst einmal mit einer Quelle belegt werden müssten.

Gentges kritisiert, die Menschen kämen nicht in allen Fällen aus rein politischen Gründen nach Baden-Württemberg. «Es gibt bei uns mehr Sozialleistungen als in anderen Ländern. Und deshalb treffen wir auch häufig Menschen, die bereits in anderen Staaten Schutz gefunden hatten, die aber aus wirtschaftlichen Gründen weitergereist sind», hatte sie der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Der Bund habe zuletzt «Fehlanreize» gesetzt durch das Ausweiten der Sozialleistungen. Ukrainische Geflüchtete erhalten seit dem 1. Juni Hartz IV und können dank des sogenannten Rechtskreiswechsels auch eine eigene Wohnung anmieten und eine Arbeit aufnehmen

Auch SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch kritisierte Gentges. «Wer als zuständige Ministerin für Migration nichts besseres zu tun hat, als gegen Flüchtlinge zu hetzen, hat in dieser Funktion nichts zu

dpa – Gestern um 15:31

uchen», twitterte er. «Und für parteipolitische Spielchen ist dieses Thema auch nicht geeignet, Frau Gentges.» Diese Menschen suchten Schutz. Zuvor hatte bereits der Flüchtlingsrat die Äußerungen der Justiz- und Migrationsministerin als «schwere Anschuldigungen» bezeichnet, die erst einmal mit einer Quelle belegt werden müssten.

Gentges kritisiert, die Menschen kämen nicht in allen Fällen aus rein politischen Gründen nach Baden-Württemberg. «Es gibt bei uns mehr Sozialleistungen als in anderen Ländern. Und deshalb treffen wir auch häufig Menschen, die bereits in anderen Staaten Schutz gefunden hatten, die aber aus wirtschaftlichen Gründen weitergereist sind», hatte sie der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Der Bund habe zuletzt «Fehlanreize» gesetzt durch das Ausweiten der Sozialleistungen. Ukrainische Geflüchtete erhalten seit dem 1. Juni Hartz IV und können dank des sogenannten Rechtskreiswechsels auch eine eigene Wohnung anmieten und eine Arbeit aufnehmen

Die Landkreise und Städte hatten sich der Kritik von Gentges angeschlossen. «Ohne den sogenannten Rechtskreiswechsel und die damit verbundenen höheren Sozialleistungen wären wir als Kommunen nicht jetzt vor die Situation gestellt, Notunterkünfte vorzubereiten und bereitzustellen», hatte der Präsident des Landkreistags, der Tübinger Landrat Joachim Walter, bemängelt. Die Anziehungskraft der im europäischen Vergleich höchsten Sozialleistungen in Deutschland mache alle Versuche einer gleichmäßigen Verteilung von Geflüchteten in Europa zunichte.

Das sieht FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke anders: «Ich bin mir sehr sicher, dass diese Leute viel lieber in ihrem eigenen Land wären, würde dort nicht ein fürchterlicher Krieg herrschen», sagte er. Es sei «ausgesprochen anstandslos», dass sich die Justizministerin nun gegen diese Flüchtlinge wende. «Wenn ihr sogar aus der eigenen Koalition Widerspruch entgegenschlägt, zeigt das, dass die Grenze des guten Geschmacks an dieser Stelle weit überschritten wurde», sagte Rülke.

Angesichts der zunehmend stärker steigenden Zahl von Flüchtlingen suchen die Städte und Gemeinden händeringend nach Wohnungen und Schlafplätzen für Tausende von Menschen. Seit dem Beginn des Kriegs im Februar sind laut Ministerium allein aus der Ukraine mehr als 115 000 Menschen nach Baden-Württemberg gekommen, von denen rund 80 Prozent privat untergebracht werden konnten. Weitere 10 500 Menschen aus Staaten wie Syrien, der Türkei und Afghanistan sind im laufenden Jahr nach der Registrierung im Land verblieben. Insgesamt liege die im laufenden Jahr registrierte Zahl der Hilfesuchenden im Südwesten bereits über der aus dem gesamten Jahr 2015.

13 August 2022 0 Kommentare
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Salman Rushdie wird beatmet – Auge wohl nicht mehr zu retten

von Fremdeninfo 13 August 2022
von Fremdeninfo

 

 

Salman Rushdie wird beatmet – Auge wohl nicht mehr zu retten

 

Der bei einem Angriff schwer verletzte Autor Salman Rushdie wird nach Angaben seines Agenten künstlich beatmet und könnte ein Auge verlieren. „Die Nachrichten sind nicht gut“, erklärte Agent Andrew Wylie am Freitag nach Angaben der New York Times. „Salman wird vermutlich ein Auge verlieren; die Nerven seines Arms wurden durchtrennt; und seine Leber wurde durch einen Stich getroffen und beschädigt.“ Demnach wurde der britisch-indische Schriftsteller an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

Der seit Jahrzehnten mit dem Tode bedrohte Schriftsteller war am Freitag bei einem Angriff während einer Literaturveranstaltung im US-Bundesstaat New York durch Stiche schwer verletzt worden. Ein Angreifer stürzte sich auf der Bühne eines Kulturzentrums der Kleinstadt Chautauqua auf den britisch-indischen Autor und stach ihm mehrfach in Hals und Bauch, wie die Polizei mitteilte. Rushdie wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen und notoperiert.

Der Angreifer wurde von Zuschauern überwältigt und von einem anwesenden Polizisten festgenommen. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 24-Jährigen namens Hadi Matar aus Fairfield im nahe New York gelegenen Bundesstaat New Jersey. Das Motiv des Angreifers war zunächst unklar.

Neben dem 75-jährigen Verfasser der „Satanischen Verse“ wurde bei der Attacke auch der 73-jährige Mann verletzt, der den Schriftsteller interviewen sollte. Er erlitt eine Gesichtsverletzung, konnte das Krankenhaus aber wieder verlassen.

Die Attacke trug sich in der Chautauqua Institution zu, die bekannt für literarische Veranstaltungen ist. Der anwesende Politikprofessor Carl LeVan sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Angreifer sei auf die Bühne gerannt und habe offenbar in Tötungsabsicht „wiederholt und brutal“ auf Rushdie eingestochen. „Er hat versucht, so oft wie möglich auf ihn einzustechen, bevor er überwältigt wurde.“ Das Publikum habe mit „Entsetzen und Panik“ reagiert. Auf Videobildern war zu sehen, wie Menschen dem Autor nach dem Angriff zu Hilfe eilten. Ein anwesender Arzt leistete erste Hilfe.

Der britische Premierminister Boris Johnson äußerte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter „entsetzt“ über den Angriff auf Rushdie. „Wir hoffen alle, dass es ihm gut geht.“

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verurteilte den Angriff. „Der Hass und die Barbarei haben feige zugeschlagen.“ Rushdie verkörpere seit 33 Jahren die Freiheit und den „Kampf gegen den Obskurantismus“, erklärte Macron. „Sein Kampf ist unser Kampf.“ UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „entsetzt“ über die Attacke und erklärte, Gewalt könne „keine Antwort auf Worte“ sein.

Der 1947 im indischen Mumbai geborene Rushdie wird seit Jahrzehnten mit dem Tode bedroht. Ayatollah Khomeini hatte 1989 alle Muslime in einer Fatwa – einer religiösen Anweisung – zur Tötung des Schriftstellers aufgerufen hatte. Grund war die angebliche Beleidigung des Propheten Mohammed in Rushdies im Jahr zuvor erschienenen Roman „Die Satanischen Verse“.

Seitdem lebte Rushdie in ständiger Todesgefahr an wechselnden Orten. Die Lage entspannte sich erst in den späten 1990er Jahren, nachdem die Regierung des Iran 1998 erklärt hatte, seine Ermordung nicht zu unterstützen.

Bis heute ist jedoch ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Auch der Tötungsaufruf gegen Rushdie wurde nie aufgehoben. Mehrere Übersetzer seiner Werke wurden bei Angriffen verletzt oder sogar getötet, wie der 1991 bei einem Messerangriff ermordete Japaner Hitoshi Igarashi. Drohungen und Boykotte gegen literarische Veranstaltungen, an denen Rushdie teilnahm, gab es auch weiter.

Rushdie wurde als Kind nicht praktizierender Muslime in Indien geboren und sieht sich selbst als Atheisten. Er setzt sich seit Jahren nachdrücklich für Meinungsfreiheit ein und lebte zuletzt in New York.


13 August 2022 0 Kommentare
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Nachbarn töteten Nachbarn: Als Indien und Pakistan unabhängig wurden

von Fremdeninfo 12 August 2022
von Fremdeninfo

Nachbarn töteten Nachbarn: Als Indien und Pakistan unabhängig wurden

Von

dtj-online

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12.08.2022

 
 
 

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„Unabhängigkeit Indiens und Pakistans vor 75 Jahren“ width
Pritam Khan in seinem Haus im Dorf Powt im indischen Bundesstaat Punjab. Als die Briten im Jahr 1947 die Teilung ihres ehemaligen Kolonialreichs British India in Indien und Pakistan verkündeten, war er neun Jahre alt. Foto: Himanshu Mahajan/dpa

Am 14. und 15. August hissen Indien und Pakistan ihre Flaggen zum Unabhängigkeitstag – dieses Jahr zum 75. Mal. Was offiziell ein Grund zum Feiern ist, reißt alte Wunden auf.

75 Jahre ist es her, seit Pritam Khan seine Familie verloren hat. Er war ein Kind, als die Briten die Teilung ihres ehemaligen Kolonialreichs British India in zwei Länder verkündeten – und religiös motivierte Massaker und eine der größten Migrationswellen der Geschichte auslösten.

Die Kolonialmacht teilte 1947 das multireligiöse, mehrheitlich hinduistische British India in Indien und den neuen Staat Pakistan für Muslime auf. Zwischen den Religionsgruppen flammte Hass auf. Nachbarn brachten Nachbarn um. Pritam Khan, ein Muslim, überlebte nur knapp, als Anhänger der Sikh-Glaubensgemeinschaft sein Dorf überfielen.

„Ein randalierender Mob“

„Ich spielte damals in der Nähe des Hauses, als ein randalierender Mob kam“, sagt der heute 86-Jährige im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Sein Vater und seine drei älteren Brüder seien weggerannt. Er habe sich in Feldern versteckt, seine Mutter in einem Brunnen. Als er zu ihr ging, sei sie nicht mehr herausgekommen.

Wie Pritam Khans Mutter Rehmi starben 1947 mindestens eine Million Menschen bei den Unruhen. Bis zu 15 Millionen Menschen wurden vertrieben oder mussten flüchten. Muslime wie Khans Vater und seine Brüder zogen in das für sie gegründete Pakistan, Hindus und Sikhs von dort in das hinduistisch geprägte Indien.

Vier Kriege seit der Teilung der Staaten

Menschen erlitten unterwegs furchtbare Grausamkeiten, viele kamen nie an. Viele Familien verloren durch die Umsiedlung ihren Besitz, was die Unruhen weiter aufpeitschte. Die traumatischen Erlebnisse sind bis heute im kollektiven Gedächtnis, beeinflussen die Politik und nähren eine erbitterte Rivalität der beiden Atommächte.

Vier Kriege sind seit der Teilung zwischen Indien und Pakistan ausgebrochen. Aus dem dritten entstand 1971 aus dem ehemaligen Ostpakistan das heutige Bangladesch. Die Region Kaschmir bei der gemeinsamen Grenze im Himalaya ist bis heute umstritten.

Allein – ohne Mutter

Pritam Khan weiß nicht genau, was nach dem Tod seiner Mutter passierte. Er sei herumgeirrt, dann bei Dorfbewohnern untergekommen, bis die Gewalt aufhörte. Er wuchs in einem Ort in der Nähe seines Heimatdorfs auf und arbeitete bei einem Bauern. Zur Schule sei er nie gegangen.

Nun jährt sich der Tag von Khans Tragödie zum 75. Mal. Und beide Länder feiern ihre Unabhängigkeit als Triumph – Pakistan am 14. August, Indien einen Tag danach. Aber Khan wird nicht feiern und wohl auf seinem Charpai, einem in der Region traditionellen Bettgestell, draußen vor seinem Zimmer sitzen und an seine verlorene Familie denken.

Heute mehr als 1,6 Milliarden Menschen

Die Teilung hat die Region – mit fast 1,4 Milliarden Menschen in Indien und rund 220 Millionen Menschen in Pakistan eine der am dichtesten bevölkerten der Erde – ungleich zurückgelassen. Indien ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Staat, der sich aus dem Status eines Entwicklungslandes herausgekämpft hat.

Pakistan gilt als Staat mit maroder Wirtschaft, schwachen demokratischen Strukturen und einem Sicherheitsproblem aufgrund vieler extremistischer Gruppen. Trotzdem will Pritam Khan genau dorthin, nach Pakistan, wo die Nachkommen seiner verstorbenen Brüder leben. Aber er kann nicht.

Wegen der angespannten Beziehungen der Nachbarn erhält er kein Visum, wie er sagt. Dass Khan überhaupt noch lebt, erfuhr seine Familie erst sieben Jahre nach der Trennung von einem entfernten Verwandten.

Neffe meldet sich mit einem Brief

Vor knapp 40 Jahren hörte Khan dann erstmals von einem Sohn eines seiner Brüder in Pakistan – Neffe Shahbaz meldete sich per Brief. Seitdem sind die beiden regelmäßig in Kontakt, mittlerweile per Videochat. Einmal habe sich die getrennte Familie direkt sehen können – bei einer Sikh-Gedenkstätte in Pakistan, die ein Hoffnungsschimmer für viele getrennte Familien ist, weil indische Angehörige ohne Visum dorthin kommen. Neffe Shahbaz sagt: „Ich wünschte, wir hätten ihn bei seinem Besuch nicht nach Indien zurückkehren lassen.“

Auch Khans indische Nachbarn hoffen, dass er zu seiner Familie ziehen kann. Für Videoanrufe nach Pakistan leihen sie ihm ein Handy aus. Sie kochen für ihn und bringen Medikamente, trotzdem sei er einsam. Der 86-Jährige wünscht sich Freundschaft zwischen den Nachbarländern. „So könnten die Menschen friedlich leben und florieren.“ Sein 54-jähriger Neffe betont, dass Indien und Pakistan eine ähnliche Kultur und Sprache hätten.

Ein Youtuber bringt Familien zusammen

Derzeit hofft Khan auch auf einen YouTuber. Der Pakistaner Nasir Ali Dhillon kontaktiert getrennte Familien via Social Media, hilft ihnen, sich wieder zu sehen – meist bei dem Schrein in Pakistan – und erzählt ihre Geschichten auf der Video-Plattform. Geschichten über Liebe und Freundschaft, über Vergangenheit und Hass.

Die Erinnerungen seines Großvaters, der aus dem gleichen indischen Bundesstaat wie Khan kommt, hätten seine Perspektive auf die Beziehung zwischen Indien und Pakistan geändert. „In den Medien wird uns erzählt, dass die Inder Feinde sind. Doch was unsere Alten erzählen, klingt ganz anders“, sagt er.

Mehr als 300 Familien half er in den vergangenen sechs Jahren, sich zu treffen. Sein YouTube-Kanal hat in beiden Ländern Abonnenten. Gut finden das nicht alle. Bei den Reisen zum Schrein wurde er schon von Behörden verhört, sogar Todesdrohungen gegen ihn soll es geben. Trotzdem will er weitermachen und auch Pritam Khan helfen, ein Visum zu bekommen. „75 Jahre Krieg haben uns nichts gebracht“, sagt Dhillon. „Wenn wir weiter kommen wollen, sollten wir etwas ändern.“

dpa/dtj

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Türkei-Urlauber bekommt Recht: Arbeitgeber muss Gehalt nachzahlen

von Fremdeninfo 11 August 2022
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Türkei-Urlauber bekommt Recht: Arbeitgeber muss Gehalt nachzahlen

Von

dtj-online

–

11.08.2022

 
 
 
 
Symbolfoto: Ordner mit der Aufschrift „Quarantäneende“ stehen im Gesundheitsamt. Foto: Marijan Murat/dpa

Keine Arbeit und kein Geld nach dem Urlaub im Corona-Risikogebiet? Das Bundesarbeitsgericht verhandelte einen Fall, bei dem der Arbeitgeber eigene, harte Quarantäneregeln aufgestellt hat. Das kostet ihn jetzt Geld.

Arbeitgeber, die für Urlaubsrückkehrer aus Corona-Risikogebieten härtere Quarantäne-Regeln verhängen als von den Behörden vorgesehen, dürfen Beschäftigte grundsätzlich nicht ohne Bezahlung aussperren. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in einem Grundsatzurteil (5 AZR 154/22) in Erfurt. Der Kläger, ein Urlaubsrückkehrer aus der Türkei, hatte ein vierzehntägiges Betretungsverbot für seinen Betrieb trotz negativen Corona-Tests erhalten. Den Präzedenzfall für ein weiteres Corona-Urteil des höchsten deutschen Arbeitsgerichts lieferte ein Lebensmittelhersteller aus Berlin.

Der Fall

Der Berliner hatte nach seinem Urlaub im Sommer 2020 in der Türkei, die damals vom Robert Koch-Institut (RKI) als Corona-Risikogebiet eingestuft worden war, viel unternommen: ein PCR-Test nach Abreise, einen bei Ankunft in Deutschland und noch ein Attest vom Hausarzt. Er sei Covid-19- und beschwerdefrei, wurde ihm bescheinigt.

Trotzdem ließ ihn sein Arbeitgeber nach dem Urlaub nicht in den Betrieb, verlangte zwei Wochen Quarantäne und wollte den Leiter der Nachtreinigung in dieser Zeit nicht bezahlen. Dagegen klagte der Mann – und gewann auch in der höchsten Instanz. Sein Arbeitgeber muss ihm Gehalt nachzahlen: exakt 1512,47 Euro.

Das Urteil

Der Fünfte Senat mit dem Vorsitzenden Richter Rüdiger Linck entschied, dass Unternehmen mit einem Corona-Hygienekonzept, das strengere Regeln als die behördliche Quarantänepflicht vorsieht, Mitarbeiter bei einem Betretungsverbot trotz negativem Corona-Test weiter bezahlen müssen.

Der Arbeitgeber schulde „grundsätzlich Vergütung wegen Annahmeverzugs“, heißt es in der Entscheidung. „Die Ursache der Nichterbringung der Arbeitsleistung“ habe der Arbeitgeber schließlich „selbst gesetzt“. Zudem sei dem Kläger nicht die Möglichkeit gegeben worden, durch einen weiteren PCR-Test eine Infektion weitgehend auszuschließen.

Die Regeln des Arbeitgebers

Ein von der Konzernzentrale des auf Tiefkühlprodukte spezialisierten Unternehmens erarbeitetes Hygienekonzept sah vor, dass Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet 14 Tage zu Hause bleiben müssen. Ein einmaliger PCR-Test nach der Rückkehr würde nicht akzeptiert. Der Arbeitgeber informierte die Beschäftigten über Länder, die vom RKI als Risikogebiet eingestuft worden seien, auch die Türkei. Bei einer Quarantäne würden Mitarbeiter ihren Anspruch auf Lohn verlieren.

In dem Arbeitsgerichtsverfahren argumentierte der Arbeitgeber, er habe die betriebliche Quarantäne-Anordnung wegen eines „vergleichsweise hohen Risikos eines falschen negativen Testergebnisses“ getroffen.

Was die Behörden sagten

Das zuständige Gesundheitsamt hatte dem Kläger auf seine Anfrage hin mitgeteilt, dass Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten dann von der Pflicht zur Quarantäne ausgenommen seien, wenn sie einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen könnten. Es berief sich auf die Verordnung des Landes Berlin von Juni 2020. Vorzulegen sei ein ärztliches Attest nebst aktuellem Laborbefund.

Juristisch ging es darum, ob der Kläger ordnungsgemäß seine Arbeitskraft angeboten hat, diese aber vom Arbeitgeber zu Unrecht nicht angenommen wurde. Daraus ergeben sich Verpflichtungen zur Lohnzahlung oder nicht. Juristen sprechen von „Annahmeverzug“.

Nach Angaben des RKI gibt es seit Anfang Juni 2022 nach Änderung der Coronavirus-Einreiseverordnung nur noch die Kategorie der Virusvariantengebiete. Die Kategorie der Hochrisikogebiete sei entfallen. Rückkehrer brauchten grundsätzlich keinen Nachweis mehr, „dass sie geimpft, genesen oder getestet sind, sofern die Einreise nicht aus einem Virusvariantengebiet erfolgt“.

dpa/dtj

11 August 2022 0 Kommentare
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Archive

Literatur-Preisträgerin Özdamar will „die Toten ins Gedächtnis rufen“

von Fremdeninfo 10 August 2022
von Fremdeninfo

Literatur-Preisträgerin Özdamar will „die Toten ins Gedächtnis rufen“

Von

dtj-online

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10.08.2022

 
 
 
 
=““ title=“Georg-Büchner-Preis 2022 an Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar“
Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis 2022. Foto: Heike Steinweg/SV/Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/dpa

Die deutsche Literatur verdankt ihr „einen hochpoetischen Sound“ – so beschreibt es die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Emine Sevgi Özdamar ist Büchner-Preisträgerin 2022.

Vergangenes und Geliebtes bewahren ist ein Antrieb für die künstlerische Arbeit von Emine Sevgi Özdamar. „Ich hatte früher immer gesagt, ich möchte die Toten ins Gedächtnis rufen“, sagt die Schriftstellerin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt bekanntgegeben, dass Özdamar mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis 2022 ausgezeichnet wird. Die Akademie ehrt damit eine Autorin, die das Erinnern zu einem zentralen Motiv in ihren Romanen erhoben hat.

„Ein von Schatten begrenzter Raum“ erschien 2022

„Beim Schreiben findet man auch Menschen, die man geliebt hat, die aber nicht mehr leben“, sagt sie. Literatur als Gedächtnis – so könnte man ihr Werk vielleicht zusammenfassen. Özdamars Texte, die wegen ihrer poetischen Sprache viel gelobt wurden, sind häufig autobiografisch gefärbt und mit Verweisen auf literarische Werke, Filme oder befreundete Künstlerinnen und Künstler ausgestattet.

Sie gewann bereits 1991 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2022 wurde ihr neuester Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuvor hatte man einige Jahre nichts von ihr gehört. Zu ihren bekanntesten Büchern gehört der Roman „Das Leben ist eine Karawanserei: hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus“ (1992).

Nach Militärputsch kehrte sie der Türkei den Rücken

Das Buch ist ebenso wie die Nachfolge-Werke „Die Brücke vom Goldenen Horn“ (1998) und „Seltsame Sterne starren zur Erde“ (2003) sowie ihr jüngster Roman von ihrem Leben inspiriert. Özdamar wurde in Malatya in der Türkei geboren und wuchs in Istanbul und Bursa auf. 1965 kam sie erstmals nach West-Berlin.

Nach dem Militärputsch in der Türkei 1971 mit Massenverhaftungen und Zensur kehrte sie nach Berlin zurück. Sie arbeitete an verschiedenen Theatern, unter anderem mit dem Brechtschüler Benno Besson und mit Claus Peymann. In den 80er Jahren begann sie in Deutschland zu schreiben.

Düsseldorf inspirierte Özdamar zum Schreiben

Türkei, Berlin, München, Bochum, Düsseldorf: „Ich habe überall gelebt“, sagte die Künstlerin. „Ich habe meine ersten Wörter für meine Bücher in Düsseldorf gefunden. Das war eine friedliche Stadt und da habe ich angefangen zu schreiben.“ In die Türkei konnte sie damals nur selten.

„Früher konnten wir sehr wenig kommen, weil ich am Theater arbeitete und mein Mann auch.“ Inzwischen lebt sie abwechselnd in der Türkei und in Berlin. Die am 10. August 1946 geborene Schriftstellerin bereichere seit über drei Jahrzehnten die deutschsprachige Literaturszene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, teilte die Jury am Dienstag mit.

„Hochpoetischer Sound“

„Mit Emine Sevgi Özdamar zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt.“

Ungewohnte literarische Stilmittel und aus dem Türkischen inspirierte Sprechweisen prägten ihre Texte, hieß es weiter von der Jury. Diese würden neben intimen persönlichen Erfahrungen ein breites Panorama deutsch-türkischer Geschichte entfalten, vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart.

Kein Druck für ihre Arbeit

Poetisch, experimentell, ausufernd – so haben andere ihre Arbeit beschrieben. Und sie selbst? „Menschliche Körper sind wie alte Zivilisationen. Schichtweise lagern wir mehrere Gefühle, das sind die Stoffe“, sagt Özdamar über ihre Intention. Unter Druck setzen möchte sie sich bei ihrer Arbeit nicht.

„Ganz am Anfang wusste ich, dass ich drei Romane hintereinander schreiben möchte – Kindheit, junges Mädchen, junge Frau.“ Sie möge es aber nicht, wenn sie mit einem Buch fertig sei, sofort mit einem neuen Buch zu beginnen. Das müsse, wie bei einer Schwangerschaft ein Kind, reifen.

Pünktlich zum Geburtstag

Die Auszeichnung mit einem der wichtigsten literarischen Preise für deutschsprachige Literatur kam für sie unerwartet. „Man ist immer überrascht, auch mit den anderen Preisen. Plötzlich kommt der Anruf.“ Als frühzeitiges Geburtsgeschenk sieht Özdamar, die derzeit an der ägäischen Küste in der Türkei ist, den Preis nicht. „Daran habe ich gar nicht gedacht.“

Sie wird an diesem Mittwoch 76 Jahre alt und ist erst die zwölfte Frau, die den Georg-Büchner-Preis bekommt. Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Özdamar soll die Auszeichnung, die mit 50.000 Euro dotiert ist, am 5. November im Staatstheater in Darmstadt feierlich verliehen werden.

dpa/dtj

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Flüchtlinge

Kriminalität: 424 Angriffe auf Asylbewerber in der ersten Jahreshälfte

von Fremdeninfo 9 August 2022
von Fremdeninfo

Kriminalität: 424 Angriffe auf Asylbewerber in der ersten Jahreshälfte

Die Anzahl der Angriffe ist in Deutschland zwar zurückgegangen, dafür sind diese aber gewalttätiger geworden.

Die Zahl der Verletzten stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

 

 

 

 

424 Angriffe auf Asylbewerber in der ersten Jahreshälfte

In Deutschland werden statistisch gesehen pro Tag zwei Asylbewerber angegriffen. Im ersten Halbjahr 2022 verzeichneten die Behörden 424 solcher überwiegend rechtsmotivierten Straftaten

, etwa ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. In der ersten Hälfte des Jahres 2021 waren es 576 derartige Delikte, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage

der Linksfraktion hervorgeht, über die die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet.

Allerdings setzten die zumeist rechtsradikalen Täter dem Medienbericht zufolge mehr Gewalt ein. 86 Opfer seien bei den Attacken außerhalb von Asylbewerberunterkünften verletzt worden.

Das sei ein klarer Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 62 Verletzten. In einem knappen Viertel der Fälle habe es sich um Gewalttaten wie Brandstiftung, Körperverletzung und den

Einsatz von Sprengstoff und Waffen gehandelt.

Hinzu gekommen seien in der ersten Jahreshälfte 43 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, zumeist Sachbeschädigung, Schmierereien und Propaganda, sowie 12 Angriffe gegen Hilfsorganisationen und

freiwillige Helfer im Bereich Flucht und Asyl.

„Das zeigt einmal mehr: Rassistische Gewalt gehört zum Alltag in Deutschland“, erklärt Clara Bünger, die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Jeder rassistische Übergriff sei einer zu viel.

Sie forderte geeignete Schutzkonzepte für Asylbewerber: „Dringend notwendig wäre zudem ein Bleiberecht für Opfer rechter und rassistischer Gewalt.„

9 August 2022 0 Kommentare
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