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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Wie Lira-Krise und Inflation Erdoğan unter Druck setzen

von Fremdeninfo 26 August 2022
von Fremdeninfo

Wie Lira-Krise und Inflation Erdoğan unter Druck setzen

Von

Stefan Kreitewolf

–

26.08.2022

 
 
 

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Das Lachen vergeht Recep Tayyip Erdoğan selten, das seiner Kritikerinnen und Kritiker schon eher. Foto: pixabay

Schwächelnde Lira, steigende Inflation: Sein Bemühen, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln, lässt den türkischen Präsidenten als gewieften Manager dastehen. Daheim setzen wirtschaftliche Schwierigkeiten seinem Volk zu.

Im Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat er erfolgreich vermittelt, die Sorgen vor (noch) schlimmerem Hunger in der Welt dürfte er beruhigt haben, und auch der Dank der Weltgemeinschaft gebührt ihm. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat es wieder einmal geschafft, sein Image in der Welt aufzupolieren.

Sein Bemühen um den Export von Weizen und Mais aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen hat ihm Respekt eingebracht. Außenpolitisch. Innenpolitisch sieht es anders aus. Vielerorts geht es der türkischen Bevölkerung schlecht. Eine schwächelnde Wirtschaft, niedrige Löhne, Arbeitslosigkeit – Krisen überall.

Krise wird für viele Türken zum Überlebenskampf

Nur ein paar Fakten zur aktuellen Wirtschaftslage in der Türkei: Die Inflationsrate steigt und steigt. Die türkische Lira wertet zugleich immer mehr ab. 60 Prozent der Beschäftigten verdienen nur einige Hundert Euro im Monat. Und der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter, die im Niedriglohnsektor tätig sind, steigt unaufhaltsam.

Gerade für sie wird die Inflation, die zuletzt mit 80,5 Prozent einen historischen Höchststand erreichte, zum Überlebenskampf. Den Schub der Preissteigerungsrate befeuert die anhaltende Abwertung der türkischen Lira sowie die damit verbundene Verteuerung der Importe. Hinzu kommen steigende Öl- und Rohstoffpreise infolge des Krieges.

Erdoğan wird sich rechtfertigen müssen

Die Menschen in der Türkei werden wohl auch in Zukunft immer mehr Geld für Dinge des täglichen Bedarfs ausgeben müssen. Für viele ist selbst das unerschwinglich geworden. Die Folge: In Großstädten wie Istanbul eröffnen nun städtische Suppenküchen. In der Bosporus-Metropole sollen bis Ende des Jahres zehn kostenlose Essenausgabestellen entstehen.

Türkische Inflation höher als bei der historisch schwersten Krise 2001

Und immer häufiger müssen auch Angehörige der Mittelschicht auf die Angebote zurückgreifen. Für Erdoğan birgt die miserable Wirtschaftslage sozialen und politischen Zündstoff, auch wenn er kürzlich zum 21. Jahrestag der AKP sich selbst und seine Partei mit Lob überschüttete. Recht zynisch klang es, als er sagte: „Die heutige Türkei ist demokratischer als noch vor 21 Jahren“. Sicher ist: Er wird sich für die Krise im eigenen Land rechtfertigen müssen. Und im Juni 2023 stehen Wahlen an.

Muss der Präsident um seine Macht fürchten?

Gerade bei ärmeren Haushalten hatte der türkische Präsident bei den vergangenen Wahlen punkten können. Sie trifft die hausgemachte Krise aber am meisten. Und mittlerweile formieren sich vielerorts Protestgruppen. Initiativen wie „Wir können nicht überleben“ werden zum Sprachrohr der Armen. Und es könnte noch schlimmer kommen. Für den Herbst und Winter 2022 analysierte der Deutsche-Bank-Ökonom Fatih Akcelik für das Handelsblatt, „dass der Druck auf die Lira in den letzten Monaten des Jahres am größten sein wird.“

Für Erdoğan, der es in den letzten Jahren immer wieder geschafft hat, eine Wahl nach der anderen zu gewinnen, bedeutet das: Er muss zusehends um seine Macht fürchten. Nicht von ungefähr kommt es, dass er sein Wahlteam vor wenigen Tagen zusammengetrommelt und dazu angehalten haben soll, in die Offensive zu gehen noch mehr für den Wahlsieg im kommenden Sommer zu tun als in den Jahren zuvor. Sein größter Vorteil: Nach wie vor versteht es die Opposition kaum, die Lage für sich zu nutzen.

26 August 2022 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Athen verschärft Grenzschutz am Meriç und in der Ägäis

von Fremdeninfo 26 August 2022
von Fremdeninfo
 

Athen verschärft Grenzschutz am Meriç und in der Ägäis

By

dtj-online

–

25.08.2022

=“Athen verschärft Grenzschutz am Fluss Evros“ width=“696″ height=“464″>
Archivfoto: Flüchtlinge wärmen sich an einem Feuer am Ufer des Grenzflusses Meriç auf. Foto: Ahmed Deeb/dpa

 

 

Wegen der steigenden Zahl von Migranten, die in den vergangenen Wochen von der Türkei in die EU zu gelangen versuchten, will Griechenland schärfere Maßnahmen treffen.

Entlang des Grenzflusses Meriç (griechisch: Evros) im Nordosten des Landes soll der bislang gut 40 Kilometer lange Grenzzaun über die gesamte Länge der Grenze ausgebaut werden. Das wären rund 220 Kilometer. Einen entsprechenden Entschluss traf am Dienstagabend der Rat für Äußeres und Verteidigung unter Vorsitz von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, wie der Staatsrundfunk am Mittwoch berichtete.

Zusätzlich soll der Grenzschutz mit Personal und neuen elektronischen Beobachtungsinstrumenten verstärkt werden. Für die Küstenwache, die in der Ostägäis die Seegrenze zur Türkei kontrolliert, wurden zusätzliche Patrouillenboote und Flugzeuge angekündigt.

Bürgermeister am Grenzort verärgert

Die griechischen Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Wochen einen starken Anstieg versuchter Einreisen verzeichnet. „Allein im Monat August, der noch nicht einmal zu Ende ist, haben 25.000 Menschen versucht, illegal über die griechisch-türkische Grenze einzureisen“, sagte Bürgerschutzminister Takis Theodorikakos am Mittwoch dem Fernsehsender Ant1.

Athen verhindert rigoros die Versuche von Migranten, auf dem Land- und Seeweg einzureisen. Humanitäre Organisationen kritisieren, es handele sich dabei illegale Zurückweisungen (Pushbacks), weil den Menschen keine Möglichkeit gegeben werde, Asyl zu beantragen. Athen hingegen macht Ankara verantwortlich – die Türkei verfolge die Taktik des „Push-Forward“. Demnach berichteten Migranten nach ihrer Ankunft in Griechenland immer wieder, von türkischen Sicherheitskräften zum Grenzübertritt gezwungen worden zu sein.

dpa/dtj

26 August 2022 0 Kommentare
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Heute vor 30 Jahren: Als der Rassen-Hass Rostock brennen ließ

von Fremdeninfo 24 August 2022
von Fremdeninfo

 

  • Heute vor 30 Jahren: Als der Rassen-Hass Rostock brennen ließ

    Von

    dtj-online

    –

    22.08.2022

    =“Ausschreitungen in Rostock Lichtenhagen 1992″ width=“696″ height=“526″>
    Archivfoto: Ein Mann steht vor einem brennenden Pkw auf einer Straße am zentralen Asylbewerberheim von Mecklenburg-Vorpommern in Rostock-Lichtenhagen. Foto: picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa

    Die rassistischen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen gingen 1992 in die Geschichte des gerade vereinigten Deutschlands ein. Den Schatten der rechten Gewalt hat das Land bis heute nicht hinter sich gelassen.

    Wieder ein heißer Sommertag in Rostock. Erst am Abend, als der Ortsbeirat des Stadtteils Lichtenhagen zusammenkommt, regnet es leicht. Vielleicht acht, zehn Leute treffen sich im kleinen Saal des Kolping-Begegnungszentrums zur Sondersitzung: „30 Jahre Lichtenhagen“. Gemeint sind die dramatischen Ereignisse, die das Viertel 1992 weltweit bekannt machten. Der Vorsitzende Ralf Mucha ist Zeitzeuge. „Ein Lichtenhagen wie 1992 wird es nicht mehr geben“, sagt der SPD-Politiker.

    Damals begann alles am 22. August, einem Samstag. Gegen 20.00 Uhr versammeln sich Hunderte Menschen vor einem Plattenbau mit Sonnenblumenmosaik, in dem die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber untergebracht ist. Steine werden geworfen, später auch Brandsätze, rassistische Parolen gebrüllt. Das Ziel sind Menschen aus Osteuropa, die in der Hoffnung auf ein Asylverfahren vor dem Gebäude campieren. Und Vertragsarbeiter aus Vietnam, die im Wohnblock ein Zuhause haben. Schaulustige feuern die Gewalttäter an. Die Polizei scheint machtlos. Vier Tage lang.

    Bis heute steht „Rostock-Lichtenhagen“ für eine der schlimmsten rechtsextremistischen Attacken nach der deutschen Einheit. Die Stadt versucht klarzukommen mit dem Teil ihrer Geschichte, den Kritiker als Staatsversagen brandmarken, gar als erstes Pogrom auf deutschem Boden seit 1945. „Lichtenhagen gehört zur Stadtgeschichte Rostocks dazu“, sagt der amtierende Oberbürgermeister Steffen Bockhahn (Linke). Zum Jahrestag kommt am Donnerstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Wieder rührt das Erinnern an der alten Wunde.

    Ein Anschlag nach dem anderen

    Doch Lichtenhagen war damals alles andere als ein Einzelfall. Es steht in einer traurigen Reihe mit Hoyerswerda, Hünxe, Mannheim, Mölln, Solingen – Anschläge auf ausländische oder schlicht „fremd“ aussehende Menschen in Deutschland. 1992 war nach Angaben der Amadeu-Antonio-Stiftung das Jahr mit den meisten bekannten rechtsextremistischen Morden: 28 Menschen sterben. Zu Jahresende stellen sich Hunderttausende mit Lichterketten gegen die Gewalt. Gestoppt ist der Rechtsextremismus damit nicht, bis heute nicht. Der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge warnt sogar, dass Frust und Angst vor sozialem Abstieg in diesem Inflationsherbst rechte Demokratiefeinde nochmals stärken könnten.

    Die Situation Anfang der 1990er Jahre war trotzdem sehr besonders, auch das ist klar. Der Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, Timo Reinfrank, spricht von einer „nationalistischen Welle“ nach der deutschen Vereinigung, die in einer „Explosion der Gewalt“ mündete. Seine Institution ist benannt nach dem gebürtigen Angolaner Amadeu Antonio, der 1990 in Eberswalde zu Tode geprügelt wurde. Sie sieht ihre Aufgabe in der Stärkung der Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

    Butterwegge, der damals intensiv zum Rechtsextremismus forschte, verweist auf den sozialen Umbruch im Osten, die Massenarbeitslosigkeit, das Gefühl des Ausgegrenztseins. Aber der Experte sieht auch zwei konkrete Anlässe für das aufgeheizte Klima: Die Entscheidung für Berlin als deutsche Hauptstadt 1991 – „das war das Signal für Neonazis, ‚Wir sind wieder wer’“ – und die Debatte über das Asylrecht unter dem Schlagwort „Das Boot ist voll“.

    Unhaltbare Zustände vor der Aufnahmestelle

    Knapp 440.000 Menschen suchten 1992 Asyl in Deutschland. Darunter waren viele vor dem Jugoslawien-Krieg Geflüchtete, auch Sinti und Roma aus Südosteuropa. Zur Zentralen Aufnahmestelle in Lichtenhagen kamen sie zu Hunderten. SPD-Mann Mucha, der auch heute in Lichtenhagen lebt, sah selbst, wie Schlepper die Flüchtlinge aus einem Transporter „auskippten“ und auf das Haus wiesen. „Die hatten nichts, kein Geld, kein Essen“, erinnert er sich.

    Am Rande der Ortsbeiratssitzung sagt ein Rentner aus Lichtenhagen: „So etwas darf nicht geschehen. Es war widerwärtig.“ Aber oft werde nicht nach der Vorgeschichte der Ausschreitungen gefragt. Die Menschen hätten am Sonnenblumenhaus auf einer Wiese gelagert und unter Planen und Decken geschlafen, erinnert sich der Mann, der ungenannt bleiben will. Essen und Toiletten fehlten. Die Bürger in Lichtenhagen hätten gegen die Missstände demonstrieren wollen. „Der Stress ging erst los, als die Chaoten dazu kamen.“

    Tatsächlich mobilisierte die Neonazi-Szene in West und Ost für die Randale in Lichtenhagen, wie Stiftungs-Geschäftsführer Reinfrank bestätigt. Auch er sagt: „Man muss sehen, dass eine unhaltbare Situation vor Ort geschaffen wurde durch die Landespolitik.“ Deshalb wählt er die umstrittene Bezeichnung Pogrom – der Staat trug aus seiner Sicht eine Mitschuld.

    „Massive Unterstützung der Bevölkerung“

    Doch sagt Reinfrank auch: „Die Nazis haben sich nicht vorstellen können, dass es dann so eine massive Unterstützung der Bevölkerung gab.“ Der heute 33-jährige Ta Minh Duc erinnert sich an die damalige Stimmung im Viertel. „Ich weiß noch, dass mich in diesem August 1992 immer mein Opa vom Kindergarten abholte“, sagte er der „Zeit“. „Auf dem Weg passierten wir oft eine Gruppe Demonstranten, die grölten: ‚Ausländer raus‘.“ Wegen der aufgeheizten Stimmung zog die Familie zu deutschen Freunden. „Als das Sonnenblumenhaus auf dem Höhepunkt der Krawallnächte brannte, also unser Haus, waren wir zum Glück nicht drin.“ Dutzende Bewohner entkamen nur mit Glück dem Inferno.

    Butterwegge sieht die Gewalt gegen das scheinbar Fremde aber nicht als lokales Phänomen. „Dass die jetzt zu Hassobjekten wurden, hatte damit zu tun, dass in der DDR aber auch in der vereinigten Bundesrepublik rassistisches Denken im Alltag verankert war und ist“, sagt der 71-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Neonazis und Rechtsextreme hätten die Ereignisse von Lichtenhagen jedenfalls als riesigen Erfolg gefeiert.

    Asylrecht eingeschränkt

    Ende 1992 erklärte sich die oppositionelle SPD im Bund bereit zum sogenannten Asylkompromiss mit der Regierung Helmut Kohl: Das Grundrecht auf Asyl wurde bald darauf drastisch eingeschränkt. Die Bewerberzahlen sanken. Doch fand die rechtsextreme Gewalt andere Ziele. In schleswig-holsteinischen Mölln starben im November 1992 bei einem Brandanschlag auf zwei türkische Familien drei Menschen.

    Der Ortsbeiratsvorsitzende von Lichtenhagen will die Erinnerung wachhalten, auch wenn es wehtut. Es gehe um Mahnen und Gedenken, sagt der SPD-Politiker Mucha. Die Leiterin des Begegnungszentrums Lichtenhagen, Hanka Bobsin, blickt nach vorn: „Wir wollen, dass Lichtenhagen ein liebenswerter und angenehmer Stadtteil ist, in dem es Spaß macht zu leben. Das Sonnenblumenhaus ist ein Erbe, mit dem wir uns auseinandersetzen wollen.“

    dpa/dtj

24 August 2022 0 Kommentare
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Fachkräfte aus der Ukraine | „Die deutsche Bürokratie zu verstehen, ist wirklich schwierig

von Fremdeninfo 21 August 2022
von Fremdeninfo

 

  • Fachkräfte aus der Ukraine | „Die deutsche Bürokratie zu verstehen, ist wirklich schwierig„


 
 

„Die deutsche Bürokratie zu verstehen, ist wirklich schwierig“
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Viktoriia Kramarova: Die Ukrainerin ist aus Charkiw geflüchtet und arbeitet jetzt bei SAP.https://images.t-online.de/2022/08/I5am5rA3yFMu/363×1125:2304×1296/fit-in/768×0/viktoriia-kramarova-die-ukrainerin-ist-aus-charkiw-gefluechtet-und-arbeitet-jetzt-bei-sap.jpg 768w“ src=“https://images.t-online.de/2022/08/I5am5rA3yFMu/363×1125:2304×1296/fit-in/768×0/viktoriia-kramarova-die-ukrainerin-ist-aus-charkiw-gefluechtet-und-arbeitet-jetzt-bei-sap.jpg“ decoding=“async“ data-nimg=“responsive“ class=“css-17y6ovv e94tkqm2″ style=“position:absolute;top:0;left:0;bottom:0;right:0;box-sizing:border-box;padding:0;border:none;margin:auto;display:block;width:0;height:0;min-width:100%;max-width:100%;min-height:100%;max-height:100%“>

Viktoriia Kramarova: Die Ukrainerin ist aus Charkiw geflüchtet und arbeitet jetzt bei SAP. (Quelle: Sebastian Weindel)

Menschen aus der Ukraine könnten den Fachkräftemangel lindern. Doch es gibt große Hürden – zum Beispiel die deutsche Bürokratie.

Wenn Viktoriia Kramarova von ihrer Heimat erzählt, spricht sie noch leiser als sonst. Sie kramt in einem grauen Rucksack und holt ihr Handy hervor. Manches kann man nicht aussprechen, nur zeigen. Aus dem Video, das sie nun abspielt, klingt die Stimme ihres Vaters, er sagt etwas auf Ukrainisch, im Hintergrund hört man seine Schritte.

Die Räume, durch die er streift, waren einst das Zuhause der Familie Kramarova. Nun ist der fünfte Stock des Hochhauses zerstört, der Putz abgeplatzt, die Wände sind aschgrau, Fenster und Türen fehlen. Kramarova beißt sich auf die bebende Unterlippe, ihre Augen füllen sich mit Tränen. „Meine Eltern und ich wurden von den Explosionen aus dem Schlaf gerissen“, erzählt sie. „Ich bin einfach nur froh, dass meine Familie, meine Freunde am Leben sind.“

Entstanden ist die Aufnahme in der ukrainischen Stadt Charkiw, 2.380 Kilometer entfernt von dem Ort, wo die 22-Jährige jetzt sitzt: Walldorf in Baden, ein Städtchen, in dem kaum mehr als 15.000 Einwohner leben – und Deutschlands wertvollstes Unternehmen SAP seinen Hauptsitz hat. Dort arbeitet Viktoriia Kramarova seit Mai als IT-Spezialistin.

Viktoriia Kramarova bei der Arbeit: In dem Bürogebäude, in dem sich ihr Schreibtisch befindet, hat schon SAP-Gründer Dietmar Hopp gearbeitet.Mit ihrem Bachelorabschluss in System Engineering hat sie genau jene Qualifikation, die in Zeiten des Fachkräftemangels so dringend gesucht wird: Laut einer Erhebung des Branchenverbandes Bitkom waren allein im vergangenen Jahr 96.000 Informatiker-Stellen unbesetzt.

SAP hat deshalb bereits im März, nur wenige Wochen nach Beginn der russischen Angriffe auf die Ukraine, überlegt, wie man offene Stellen mit Geflüchteten besetzen könnte. „Wir haben sofort erkannt, dass das hier eine Chance für beide Seiten ist“, sagt Sprecher Thomas Leonhardi. Neue Jobs habe man zwar nicht geschaffen, aber den Zugang zu den bestehenden erleichtert.

„Dazu haben wir eine Plattform in Englisch und Ukrainisch aufgesetzt, auf der sich die Bewerberinnen und Bewerber über SAP und unsere Vakanzen informieren können.“ Insgesamt 26 Stellen habe SAP so mit geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern besetzen können, knapp 1.000 Bewerbungen habe es gegeben.

Das ukrainische Silicon Valley

Kramarova kennt sich aus mit Computern und Coding, das Programmieren komplexer IT-Anwendungen ist für sie Alltag. Die Ukraine ist bekannt für ihre top ausgebildeten IT-Fachleute. „Ich schätze, gut 70 Prozent meiner Freunde arbeiten auch als Software-Spezialisten“, erzählt Kramarova auf Englisch. „Diese Jobs sind wahnsinnig beliebt in der Ukraine.“

Das gilt besonders für ihre Heimatstadt Charkiw, das viele das ukrainische Silicon Valley nennen. Vor dem Krieg waren dort 450 IT-Firmen niedergelassen, die mehr als 25.000 IT-Fachkräfte beschäftigten. Wie Viktoriia Kramarova sind viele von ihnen in die Westukraine oder die Europäische Union geflohen. Theoretisch können sie von überall arbeiten, die Sprache der Codes ist universell.

Viktoriia Kramarova am Laptop: Für sie hat Programmieren auch mit Kreativität zutun.l)

Können also ukrainische Computerexperten wie Kramarova das Fachkräfteproblem lösen?

Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt man sich in dieser Frage eher zurückhaltend. In der Regel hätten Geflüchtete einen befristeten Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen. „Ob Fachkräfte, übrigens nicht nur aus der IT-Branche, dauerhaft dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, hängt von den weiteren, auch politischen Entwicklungen sowie den individuellen Wünschen und Voraussetzungen der Geflüchteten ab“, sagt ein BA-Sprecher auf t-online-Anfrage. Auch Viktoriia Kramarova möchte zurück in die Heimat, wenn der Krieg vorbei ist. „Aber es ist schwer zu sagen, wann das sein wird.“

Zum aktuellen Zeitpunkt ist außerdem unklar, wie viele IT-Fachkräfte aus der Ukraine überhaupt in Deutschland ankommen. Angaben zu Bildungsabschlüssen seien bislang noch nicht ausreichend erfasst. „Die genaue Anzahl von IT-Fachkräften zu ermitteln, könnte aber auch deshalb schwierig werden, weil viele sich direkt bei den Unternehmen melden und nicht über die Jobcenter vermittelt werden“, heißt es von der Arbeitsagentur. „Da hilft, dass viele gut Englisch sprechen oder von Privatpersonen bei der Jobsuche unterstützt werden.“

21 August 2022 0 Kommentare
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Religion

Ahmadiyya will Wege zu interreligiösem Frieden aufzeigen

von Fremdeninfo 21 August 2022
von Fremdeninfo

Ahmadiyya will Wege zu interreligiösem Frieden aufzeigen

Von

dtj-online

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21.08.2022

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=“Jahrestreffen der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ)“ width=“696″ height=“457″>
Karlsruhe: Mitglieder der islamischen Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) nehmen in der Messe Karlsruhe am Freitagsgebet teil. Foto: Uli Deck/dpa

Von der Ahmadiyya-Konferenz in Deutschland soll am Wochenende ein Impuls für den Frieden ausgehen.

„Islam ist Frieden“, sagte der Bundesvorsitzende der muslimischen Reformbewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), Abdullah Wagishauser, am Freitag zum Auftakt in Rheinstetten bei Karlsruhe. Man wolle Menschen Wege zu interreligiösem Frieden aufzeigen. Muslime könnten und sollten sich einbringen, so Wagishauser.

Die 46. Ausgabe der jährlichen Konferenz „Jalsa Salana“ endet am Sonntag. Erwartet werden pandemiebedingt nur rund 20.000 Teilnehmer:innen. Die Konferenz wird auch im Internet über Livestreams inklusive Übersetzung in mehrere Sprachen übertragen.

Seit 1975 in Deutschland

Vor der Pandemie nahmen an den Konferenzen nach Veranstalterangaben zuletzt mehr als 40.000 Menschen teil. Wegen dieser Dimension suche man einen neuen Platz, sagte Wagishauser. „Karlsruhe wird uns in Zukunft zu klein werden.“ Die „Jalsa Salana“ gibt es laut AMJ seit 1975 in Deutschland. 2011 fand sie erstmals in der Karlsruher Messe statt.

Die AMJ bezeichnet sich als älteste islamische Gemeinschaft in Deutschland und hat hierzulande den Angaben zufolge knapp 50.000 aktive Mitglieder und 60 Moscheen. Die Ahmadiyya-Bewegung versteht sich als grundsätzlich unpolitisch. Innerhalb der muslimischen Community gilt sie als umstritten, oft gar als unislamisch.

dpa/dtj

 
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21 August 2022 0 Kommentare
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Rushdie-Angreifer „überrascht“ von Überleben des Autors

von Fremdeninfo 18 August 2022
von Fremdeninfo

Rushdie-Angreifer „überrascht“ von Überleben des Autors

Aus der Haft gibt der mutmaßliche Angreifer von Salman Rushdie ein Interview. Mit dem Überleben des indisch-britischen Starautors habe der Beschuldigte nicht gerechnet.

Der mutmaßliche Angreifer von Salman Rushdie ist nach eigenen Angaben „überrascht“, dass der Starautor die Attacke überlebt hat. Er habe sich entschieden, zur Veranstaltung mit Rushdie in dem Bildungszentrum Chautauqua Institution im US-Staat New York zu gehen, nachdem er im vergangenen Winter einen Tweet mit der Ankündigung von dessen Auftritt gesehen habe, sagte Hadi Matar in einem Interview der Zeitung „New York Post“ aus dem Gefängnis, und: „Ich mag diese Person nicht. Ich denke nicht, dass er eine sehr gute Person ist. Er ist jemand, der den Islam angegriffen hat. Er griff unsere Überzeugungen an, das Glaubenssystem.“

 

 

Dem 24-jährigen Matar wird vorgeworfen, auf Rushdie am vergangenen Freitag beim Event in der Chautauqua Institution eine Messerattacke verübt zu haben. Der 75 Jahre alte Autor erlitt Verletzungen an der Leber, Nerven in einem Arm und einem Auge wurden durchtrennt. Laut seinem Management und seinem Sohn Zafar ist Rushdie inzwischen auf dem Weg der Besserung.

Die Tat löste weltweit Entsetzen und Empörung aus. Rushdie hat seit der Veröffentlichung seines Buches „Die satanischen Verse“, das vielen Muslimen als blasphemisch gilt, immer wieder Morddrohungen erhalten. 1989 erließ der mittlerweile verstorbene Oberste Geistliche im Iran, Ajatollah Ruhollah Chomeini, eine Fatwa gegen den Autor, die zu seiner Tötung aufrief.

Matar erklärte zwar in dem Interview, er halte Ajatollah Chomeini, den Anführer der islamischen Revolution im Iran von 1979, für eine „großartige Person“. Doch wollte er nicht sagen, ob er dessen Fatwa gegen Rushdie gefolgt sei. Kontakte zur iranischen Revolutionsgarde habe er nicht unterhalten, ergänzte Matar. Er habe auch nur „ein paar Seiten“ des Buchs „Die satanischen Verse“ gelesen.

Der in Fairview im Staat New Jersey lebende Matar sagte der „Post“ zudem, dass er am Tag vor dem Angriff auf Rushdie mit dem Bus nach Buffalo im Staat New York gefahren und dann mit einem Fahrdienst in das rund 64 Kilometer entfernte Chautauqua weitergereist sei. Dort habe er eine Eintrittskarte im Bildungszentrum gekauft und in der Nacht vor Rushdies Auftritt auf dem Gelände auf dem Rasen geschlafen.

Matar wurde in den USA geboren, hat aber auch einen libanesischen Pass. Seine Mutter sagte Reportern, dass er von einem Besuch bei seinem Vater im Libanon 2018 wesensverändert zurückgekehrt sei. Ihr Sohn sei in eine düstere Stimmung verfallen und habe sich von seiner Familie zurückgezogen.

18 August 2022 0 Kommentare
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Schweden beschließt Auslieferung von verurteiltem Türken

von Fremdeninfo 18 August 2022
von Fremdeninfo

Schweden beschließt Auslieferung von verurteiltem Türken

Von

dtj-online

–

12.08.2022

 
 
 
e=“Justitieminister Morgan Johansson“
Schwedens Justizminister Morgan Johansson sieht die Auslieferung als „Routineangelegenheit“. Foto: Kristian Pohl/Government Offices of Sweden

Anderthalb Monate nach der Einigung im NATO-Streit mit der Türkei hat Schweden beschlossen, einen türkischen Staatsbürger auszuliefern. Der Mann war bereits in der Türkei zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Wie der Rundfunksender SVT am Donnerstag berichtete, wurde der Mann in den Jahren 2013 und 2016 wegen Bank- und Kreditkartenmissbrauchs von einem türkischen Gericht zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Medien kolportierten den Namen Okan K. – bestätigt wurde das nicht.

Das schwedische Justizministerium bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass ein solcher Beschluss gefasst worden sei. Justizminister Morgen Johansson zufolge geht es um eine Routineangelegenheit. Der Auslieferungsantrag sei bereits 2021 bei den schwedischen Behörden eingegangen.

Verurteilt, weil er zum Christentum konvertierte?

Das Oberste Gericht von Schweden habe festgestellt, dass einer Auslieferung zum Verbüßen der Strafe nichts im Wege stehe. Nach SVT-Angaben ist es der erste bekanntgewordene Auslieferungsfall, seit der Prozess zur NATO-Aufnahme Schwedens eingeleitet worden ist.

Die Türkei und die NATO – Miteinander gegeneinander

Der Mann saß allerdings schon seit Ende 2021 in Gewahrsam, während er auf die Auslieferungsentscheidung wartete. Der Mann bestreitet laut SVT die Tat und meint demnach, wegen seines Wechsels zum Christentum sowie verweigertem Militärdienst verurteilt worden zu sein.

NATO-Norderweiterung noch nicht ratifiziert

Schweden und Finnland hatten im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine Mitte Mai die Aufnahme in die NATO beantragt. Die Türkei hatte den Beginn dieses Prozesses zunächst blockiert und das mit der vermeintlichen schwedischen und finnischen Unterstützung von Terrororganisationen begründet.

Ende Juni unterzeichneten die drei Länder eine Absichtserklärung, die auf die Vorbehalte einging und wonach sich die beiden Länder bereit erklärten, mutmaßliche Terroristen oder Straftäter auszuliefern, solange es dem schwedischen bzw. finnischen Recht entspricht. Die Türkei hat die NATO-Norderweiterung bislang nicht ratifiziert.

dpa/dtj

18 August 2022 0 Kommentare
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Betrug dank Corona: Kemal C. überwies offenbar Millionen in die Türkei

von Fremdeninfo 18 August 2022
von Fremdeninfo

Betrug dank Corona: Kemal C. überwies offenbar Millionen in die TürkeiDpa

dpa

17.08.2022

„Beginn Prozess wegen Betrugs in Corona-Testzentren“ width=“696″ height=“499″>
Berlin: Die Angeklagte hält sich im Gerichtssaal eine Pappe vor ihr Gesicht. Zusammen mit ihrem Bruder (hinten) muss sie sich wegen Betrugs in Berliner Corona-Testzentren in Millionenhöhe verantworten. Foto: Paul Zinken/dpa

 Als Corona-Teststationen wie Pilze aus dem Boden schossen, zeichneten sich bald Risiken des Modells ab. Zahlreiche Betrugsverfahren sind inzwischen anhängig. In Berlin steht nun ein Geschwisterpaar vor Gericht.

Ein Spätkauf-Betreiber und seine Schwester sollen sich in Berlin insgesamt mehr als 12 Millionen Euro durch den Betrug mit Corona-Testzentren erschlichen haben – innerhalb von nur zehn Monaten. Ein mutmaßlicher Schwindel, der laut Ermittlungen über 18 Teststationen gelaufen sein soll.

Viereinhalb Monate nach der Festnahme von Kemal C. und seiner Schwester Gülbeyaz W. ist es einer der Verteidiger, der zu Prozessbeginn am Montag vor dem Landgericht Berlin das Wort ergreift, für den 46 Jahre alten Geschäftsmann die Anklage zurückweist und dem Staat ein „ganz erhebliches Versagen“ vorwirft.

„Zahlreiche Spätkäufe und weitere Gewerbe“

Es ist das für die Hauptstadt bisher größte Strafverfahren wegen Verdachts auf Betrugs bei der Abrechnung von Corona-Bürgertests. „Selbstständig“ gibt C. nur als berufliche Tätigkeit an. In der Anklage heißt es, er habe „zahlreiche Spätkäufe und weitere Gewerbe betrieben“.

Die Verlesung der Anklage verfolgt der Geschäftsmann mit verschränkten Armen. 67 Fälle werden ihm zur Last gelegt – die Staatsanwaltschaft geht von besonders schwerem Betrug aus. Seiner 44-jährigen Schwester wird Beihilfe vorgeworfen. Die Geschwister waren Ende März 2022 bei Durchsuchungen von Wohnungen und Teststationen festgenommen worden.

Mehr als sechs Millionen Euro in die Türkei geschickt?

Der Geschäftsmann sitzt seitdem in Untersuchungshaft, seine Schwester seit Juni nicht mehr. Die Angeklagten sollen zwischen Mai 2021 und Februar 2022 bei der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin Corona-Tests abgerechnet haben, die gar nicht oder nicht in der angegebenen Anzahl erbracht worden seien.

Der Mann soll laut Anklage rund 9,7 Millionen Euro erschwindelt haben, die Frau etwa 2,5 Millionen Euro. Mehr als 6,6 Millionen Euro habe der Beschuldigte auf ein Konto in die Türkei weitergeleitet, so die Anklage.

Anklage „mit Nachdruck bestritten“

Der Geschäftsmann weist in einer Erklärung, die sein Verteidiger Thomas Baumeyer für ihn verliest, den Vorwurf zurück, er habe gegenüber Behörden zur Verschleierung seiner Verantwortung andere Personen als angebliche Betreiber von Teststationen genannt. Die Behauptung der Anklage werde „mit Nachdruck bestritten“.

Zudem habe der 46-Jährige lediglich zwei Testzentren betrieben – zuletzt sei es im Februar sogar nur noch eins gewesen. Anwalt Baumeyer sagte, sein Mandant habe „keinen Betrug begangen und kein Geld rechtswidrig erlangt“. Es liege im Zusammenhang mit Corona-Testzentren ein „staatliches Versagen“ vor. Es habe an Kontrolle und Überwachung gefehlt.

Vergleichbare Fälle in vielen Bundesländern

Die Anklage wirft C. vor, er habe „zur Verschleierung seiner faktisch bestehenden operativen Verantwortlichkeit“ auch seine Schwester und zwei gesondert verfolgte Komplizen gegenüber den behördlichen Stellen als Betreiber genannt. Die Schwester habe die Taten ihres Bruders gefördert, indem sie die Verwendung ihrer Personalien für die Registrierung und Abrechnung von Testzentren gestattet habe.

Vergleichbare Fälle beschäftigen auch die Justiz in anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. In Bochum war ein Unternehmer zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, der gestanden hatte, deutlich mehr sogenannte Bürgertests abgerechnet zu haben, als tatsächlich durchgeführt worden waren.

Testverordnung lädt zum Betrug ein

Im Mai hatte das Amtsgericht Freiburg einen Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er rund 5,7 Millionen Euro für ein nie betriebenes Testzentrum kassiert hatte. Nachdem sich Verdachtsfälle zu Abrechnungsbetrügereien bundesweit gehäuft hatten, war die Testverordnung mehrfach angepasst worden.

Es folgten Stichprobenprüfungen und strengere Vorgaben dazu, welche Angaben plausibel sind. Allein in der Hauptstadt gab es nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit zu Spitzenzeiten (8. Juni 2021) 1.656 gewerbliche Teststellen. Diese wurden laut Senat nur „sporadisch“ kontrolliert.

Die für die Hauptstadt angenommene Schadenssumme habe schon vor Monaten mindestens 24 Millionen Euro betragen. Für den Prozess gegen die beiden Geschwister sind bislang 13 weitere Prozesstage bis 24. Oktober terminiert. Er soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden.

dpa

18 August 2022 0 Kommentare
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Polizeigewalt ist real – und betrifft uns alle

von Fremdeninfo 17 August 2022
von Fremdeninfo

Polizeigewalt ist real – und betrifft uns alle

Von

Stefan Kreitewolf

–

11.08.2022

 
 
 

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Nach dem Polizeieinsatz in Dortmung: Warum wird die Drohung mit einem Messer mit Schüssen aus einer Maschinenpistole erwidert? Foto: Dirk Martens / Unsplash

Elf Polizisten, eine Maschinenpistole, sechs Schüsse – ein toter Junge: Das ist die Bilanz eines fatalen Polizeieinsatzes in Dortmund, durch den vor wenigen Tagen ein 16-jähriger Senegalese starb. Es ist nicht der einzige Fall von Polizeigewalt in dieser Woche.

Am Montag hat die Polizei in Dortmund mehrmals auf einen 16-Jährigen geschossen, nachdem zuvor ein Elektroschockgerät sowie Pfefferspray zum Einsatz kamen. An den Verletzungen starb der offenbar mit einem Messer bewaffnete Senegalese später im Krankenhaus. Das sind die Fakten.

Aber warum musste der Jugendliche sterben? Wieso konnten elf Beamte, die vor Ort gewesen sein sollen, eine solche Eskalation nicht verhindern? Fragen über Fragen – und berechtigte Zweifel. Denn selbst Polizeiexperten kritisieren den Einsatz scharf und sprechen von „Systemfehlern“.

Vierter Todesfall in einer Woche

Hinzu kommt: Es ist bereits der vierte Todesfall nach einem Polizeieinsatz in einer Woche. Dreimal kamen Menschen nach dem Einsatz von Schusswaffen durch Beamte zu Tode. Ein Mann starb nach Fixierung und Einsatz von Pfefferspray im Krankenhaus. In allen Fällen beruft sich die Polizei auf Notwehr. Aber ist es so einfach?

Fakt ist: Auf mit Messern bewaffnete Täter sind Polizist:innen mittlerweile sensibilisiert worden, nachdem Sicherheitsbeamten in den vergangenen Jahren immer häufiger bei Angriffen mit Stichwaffen schwer verletzt oder sogar getötet wurden. Dennoch scheint das Vorgehen der Beamten überzogen.

Nimmt Polizeigewalt in Deutschland zu?

Kein Wunder: Das richtige Training für solche Situationen bekommen längst nicht alle Polizist:innen. Ist die Eskalation in Dortmund jedoch wirklich nur der Unprofessionalität der Polizisten geschuldet? Oder nimmt die Polizeigewalt in Deutschland zu? Den Eindruck haben viele, vor allem Menschen mit Migrationshintergrund.

„Türken jagen“ – Studie legt Rassismus bei der Polizei offen

Für die These der zunehmenden Polizeigewalt gibt es Indizien. Zum Beispiel, dass vielerorts, aber vor allem in Nordrhein-Westfalen, Polizisten in rechten Chatgruppen gegen Migrant:innen hetzen. Dass einige Viertel im Ruhrgebiet und anderswo als No-Go-Areas bezeichnet und stigmatisiert werden. Dass junge Männer mit muslimischem Background häufig mit Messern und Stichwaffen in Verbindung gebracht werden (die „Bild“ schreibt in jenem Zusammenhang gerne von „Messer-Männern“). Und dass institutioneller Rassismus keine Ausnahme, sondern die Regel ist.

Polizisten tragen als eine der ganz wenigen Berufsgruppen in der Öffentlichkeit Waffen. Das ist nur so lange unproblematisch, wie sie nicht bzw. sinnvoll eingesetzt werden. Ruhe bewahren lautet das Credo dieser Tage – auf allen Seiten. Vor allem aber unabhängige , ergebnisoffene Ermittlungen. Nur so kann das Vertrauen in eine der wichtigsten Behörden unseres Landes wiederhergestellt werden.

17 August 2022 0 Kommentare
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Antisemitismus

Diese Zahl ist alarmierend“, sagt Ataman

von Fremdeninfo 16 August 2022
von Fremdeninfo

Diese Zahl ist alarmierend“, sagt Ataman

 

Die neue Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman stellt den Jahresbericht 2021 zur Diskriminierung in Deutschland vor. Er soll eine Übersicht über die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes liefern. Verfolgen Sie Atamans ersten öffentlichen Auftritt in der neuen Funktion, hier live. Quelle: WELT

Diese Zahl ist alarmierend. Sie zeigt aber auch, dass sich immer mehr Menschen nicht mit Diskriminierung abfinden und Hilfe suchen“, sagte Ataman, die das Amt erst seit Juli innehat.

Im Vergleich zum Vorjahr, als die Antidiskriminierungsstelle noch 6383 Fälle erfasste, gingen die Meldungen zwar um gut zwölf Prozent zurück. Dieser Rückgang sei aber auf weniger Anfragen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, insbesondere zur Maskenpflicht, zurückzuführen.

Laut Ataman gab es im vergangenen Jahr mit 2080 Fällen am meisten Anfragen zu rassistischer Diskriminierung (das sind 37 Prozent), die zweitmeisten (rund 1800) hatten Behinderung und chronische Krankheiten zum Thema (32 Prozent). Es folgten Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts (20 Prozent) und aufgrund des Alters (10 Prozent).

Am häufigsten trete Diskriminierung im Arbeitsleben und bei Zugängen zu privaten Gütern wie zum Beispiel Mietwohnungen und Dienstleistungen auf.

Die neue Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung, Ferda Ataman, hat am Dienstag in Berlin den Jahresbericht ihrer Behörde für 2021 vorgestellt. Die Zahl der geschilderten Diskriminierungsfälle blieb im vergangenen Jahr mit insgesamt 5617 Anfragen auf hohem Niveau, dies sei der bisher zweithöchste Wert seit Gründung der Antidiskriminierungsstelle 2006

Ataman: „Diskriminierung gehört leider zum Alltag in Deutschland“

Laut einer repräsentativen Erhebung hätten in den vergangen fünf Jahren 13 Millionen Menschen in Deutschland Diskriminierung erfahren – das sei jeder sechste Mensch. Atamans Fazit: „Diskriminierung gehört leider zum Alltag in Deutschland.“ Sie stellte auch klar: „Diskriminierung spaltet die Gesellschaft, nicht die Beschwerde.“

Atman kritisierte, dass das Thema (Anti-)Diskriminierung in politischen Debatten oft als Identitätspolitik abgetan werde. Dabei ginge es um den gesetzlichen Anspruch auf Gleichheit und Freiheit, die Ermöglichung des freien Zugangs zu Arbeit, Wohnen und Geschäften, der leider oft nicht der Fall sei.

Auch ihrer Sicht sei es wichtig, das Problem anzuerkennen: „Wir brauchen eine breite Allianz, Antidiskriminierungspolitik braucht Verbündete.“ Ataman nannte drei geplante Schwerpunkte ihrer Amtszeit:

1. Besserer Schutz vor Diskriminierung: „Wir brauchen dringend eine umfassendere Reform des Antidiskriminierungsgesetzes.“

2. Mehr Unterstützung und Aufklärung: „Menschen werden allein gelassen und müssen Gerichtskosten selbst tragen. Wir brauchen mehr Beratungsstellen, flächendeckend.“

3. Mehr Aufklärung: „Ein Drittel weiß nicht, dass Diskriminierung in Deutschland verboten ist.“

Die Publizistin Ataman (42) war Anfang Juli vom Bundestag mit knapper Mehrheit zur neuen Antidiskriminierungsbeauftragten gewählt worden. Gegen sie gab es in den Reihen der Ampel-Koalition allerdings Vorbehalte, vor allem bei der FDP. Vor ihrer Wahl war sie unter anderem im Familien- und Integrationsministerium in Nordrhein-Westfalen tätig und baute den Mediendienst Integration auf, eine wissenschaftliche Internetplattform für Journalistinnen und Journalisten.

Ataman hatte mehrfach für Diskussionen gesorgt, etwa als sie in einer Kolumne die Bezeichnung „Kartoffel“ für Deutsche ohne Migrationshintergrund verteidigte. Zudem löschte sie frühere Tweets, die von ihren Kritikern als polemisch eingeordnet worden waren.

16 August 2022 0 Kommentare
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