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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Migration: Bundesregierung verlängert Grenzkontrollen zu Österreich

von Fremdeninfo 15 April 2023
von Fremdeninfo
 

Migration: Bundesregierung verlängert Grenzkontrollen zu Österreich

Ein weiteres halbes Jahr soll es Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze geben. Bundesinnenministerin Faeser begründet den Schritt mit illegaler Migration.

 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, ut 62 Kommentare

 

 

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Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) © Metodi Popow/​imago images

Deutschland will die Kontrollen an der deutsch-österreichischen Landgrenze länger aufrechterhalten als bislang geplant. Das geht aus einem Schreiben von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) an die EU-Kommission hervor, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Demnach schreibt Faeser darin, sie sehe sich gezwungen, an der Hauptroute irregulärer Migration nach Deutschland mit Wirkung zum 12. Mai Binnengrenzkontrollen für weitere sechs Monate anzuordnen. Durch illegale Migration habe sich in den Kommunen das Problem verschärft, die eingereisten Menschen unterzubringen.

Eigentlich gibt es im Schengenraum aus 26 europäischen Ländern keine stationären Personenkontrollen an den Grenzen. In den vergangenen Jahren hatten aber mehrere Staaten eine Ausnahmeregelung genutzt und wieder teilweise Grenzkontrollen eingeführt. Deutschland kontrolliert seit Herbst 2015 in Bayern an der Grenze zu Österreich, nachdem sich Zehntausende Flüchtlinge und andere Migranten von Griechenland über die Balkanroute auf den Weg nach Westeuropa gemacht hatten.

Deutschland sei auch im Vorjahr wieder Hauptzielland in Europa gewesen, schreibt Faeser dem dpa-Bericht zufolge an die EU-Kommission. „Besorgniserregend ist, dass im Jahr 2022 ein Höchstwert der festgestellten irregulären Migration an den EU-Außengrenzen seit 2016 zu verzeichnen war.“

Dänemark will Pendler und Urlauber aus Deutschland seltener überprüfen

Sie unterstütze die Anstrengungen auf europäischer Ebene, den grenzkontrollfreien Schengenraum zu erhalten, heißt es in dem Schreiben weiter. Dafür sei erforderlich, dass die Mitgliedstaaten geeignete Instrumente für eine bessere Kontrolle und Steuerung der Migration an den europäischen Außengrenzen erhielten. Eine verlässliche Registrierung und Erfassung an den Außengrenzen seien geplant. Aber „solange diese noch nicht beschlossen und umgesetzt sind, besteht Gefahr für den Schengenraum mit offenen Binnengrenzen“, schlussfolgert die Ministerin.

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Dänemark kündigte derweil ein anderes Vorgehen an. Ab Mitte Mai sollen die Kontrollen an den deutsch-dänischen Grenzübergängen für ein halbes Jahr gelockert werden. Pendler oder Urlauber aus Deutschland sollen seltener überprüft werden. Die Polizei wolle stattdessen stärker gegen grenzüberschreitende Kriminalität vorgehen, teilte das dänische Justizministerium mit. Die Grenzkontrollen für Schweden sollen zwischen Mai und November komplett wegfallen.  

15 April 2023 0 Kommentare
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Frauen

Alltagsrassismus beim TÜVDer Kopftuch-Trick

von Fremdeninfo 14 April 2023
von Fremdeninfo

Von TAZ 

Alltagsrassismus beim TÜV: Der Kopftuch-Trick

Die Frau mit dem Kopftuch musste sich mal wieder von dem TÜV-Mitarbeiter am Schalter demütigen lassen. Also half ich ihr – und lernte viel dabei.

Bundestags-Besucher*innen mit Kopftuch. Aber was sagt das schon? Foto: dpa | Sonja Wurtscheid

Mein Sohn Mehmet hat in nächtelanger Schwerstarbeit unseren Ford Transit ein ganzes Stück tiefer gesetzt, obwohl der arme Wagen ohnehin am Boden liegt, wenn wir alle einsteigen.

„Vater, ich war für diesen Geniestreich zuständig und du musst den bürokratischen Kram erledigen“, prahlt er stolz und schickt mich zum TÜV für diese völlig unnötige Tieferlegung.

Ich ziehe im großen Saal eine Nummer vom Automaten und setze mich hin.

Plötzlich höre ich wie ein Beamter brüllt:

„Hier nix Sozialamt! Du gehen erst Gebühr zahlen! Gebühr! Geld! Para, para!“

Zum Glück bin diesmal nicht ich gemeint.

Die Frau, die auf keinen Fall den TÜV mit dem Sozialamt verwechseln soll, steht unsicher vor dem Schalter, zupft verschämt an ihrem Kopftuch rum und bringt kein Wort heraus.

Das verleitet den Schalterbeamten dazu, noch einen grandiosen Witz gleich hinterherzuschieben.

„Hier nix Aldi, TÜV nix billig!“, und fuchtelt mit einer Aldi-Tüte rum, die er wohl für solche Fälle vorsichtshalber bei sich deponiert hat.

Sofort biete ich der Dame meine Hilfe an. Der Satz „hier nix Aldi“ schweißt ungemein zusammen.

„Hier nix Sozialamt! Du gehen erst Gebühr zahlen! Gebühr! Geld! Para, para!“

Sie drückt mir ihre Unterlagen in die Hand und lässt sich erschöpft auf meinen Stuhl fallen.

Ich spurte sofort los und knapp eine halbe Stunde später bin ich wieder zurück.

„Hier, gnädige Frau, alles erledigt! Und keine Sorge, niemand hat mir eine Aldi-Tüte über den Kopf gezogen. Mir gegenüber waren die Brüder richtig freundlich“, lächele ich.

„Freundlich? Das wüsste ich aber! Nur weil ich aufm Kopf ein paar Lockenwickler trage, werde ich von diesen Idioten ständig schikaniert“, jammert sie.

„Sie sind vielleicht lustig! Das nennt man nicht Lockenwickler. Das heißt Kopftuch.“

„Mit dem Kopftuch will ich doch nur was verstecken“, meint die Frau grundehrlich.

„Genau wie meine Frau. Sie will mit dem Kopftuch auch nur ihre weißen Haare verstecken“, tröste ich sie.

„Sind Sie verrückt?! Ich habe doch keine weißen Haare. Mein Problem ist, dass mein Mann mich immer im ungünstigsten Moment zum TÜV schickt, um einen seiner bescheuerten Wagen umzumelden. Wir haben ein kleines Autohaus, wissen Sie?“, stöhnt sie.

„Ach, Sie sind gar keine Türkin?“, frage ich ziemlich überrascht.

„Natürlich nicht. Aber wenn ich das Kopftuch auf habe, hält mich jeder für eine Türkin. Ich kann doch nicht auf der Straße mit einem Dutzend Lockenwicklern aufm Kopf rumlaufen. Also binde ich mir schnell ein Tuch um die Haare. Aber dann werde ich von den Idioten hier jedes Mal total blöd angemacht, von wegen ‚hier nix Sozialamt, hier nix Aldi!‘“

„Gnädige Frau, gehen Sie doch lieber ab und zu mal zum Frisör und lassen Sie sich eine Dauerwelle verpassen. Glauben Sie mir, der nervigste dauerlabernde Barbier ist bei weitem nicht so schlimm, wie ein blöder Rassist!“

„Ist schon okay so“, lächelt sie zufrieden. „Es hat auch seine Vorteile. Bisher hat mir jedes Mal sofort irgendein Türke geholfen und die nervige Laufarbeit erledigt!

14 April 2023 0 Kommentare
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Information

AKP, YRP und Hüda Par: Erdoğans Koalition des Grauens

von Fremdeninfo 14 April 2023
von Fremdeninfo

AKP, YRP und Hüda Par: Erdoğans Koalition des Grauens

Von

Stefan Kreitewolf

–

13.04.2023

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Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan rüstet seine Koalition für die Wahl am 14. Mai auf. Foto: Arnaud Jaegers / Unsplash

Erdoğan kämpft um den Machterhalt. Dafür sind ihm alle Mittel recht. Für seine Wahlkoalition hofft er nun auf die Stimmen extremistischer Splitterparteien. Die sind nationalistisch, islamistisch – und könnten zum Problem werden.

Recep Tayyip Erdoğan will es nochmal wissen. Bei der Wahl am 14. Mai kandidiert er – trotz Einspruchs der Opposition – für das Amt des Präsidenten. Der Hohe Wahlausschuss (YSK), die höchste Wahlbehörde der Türkei, sieht darin kein Problem, obwohl Kritiker eine dritte Kandidatur als verfassungswidrig kritisieren.

Erdoğan geht so gestärkt in die heiße Phase des Wahlkampfs – und schmiedet eine „Koalition des Grauens“ aus nationalistischen und islamistischen Splitterparteien. Tatsächlich hat das bereits Tradition. So paktierte seine AKP 2018 mit der MHP, der rechtsextremen Partei der Nationalistischen Bewegung, und der rechtsextrem-islamistischen BBP, der Partei der Großen Einheit.

YRP und die „Millî Görüş“-Bewegung

Für Erdoğans Wahlkoalition („Volksallianz“, türkisch: „Cumhur Ittifakı“) ging der Präsident nun auf die Suche nach neuen Partnern – und wurde wieder im extremistischen Milieu fündig. Neben MHP und BBP soll ihm nun auch die Neue Wohlfahrtspartei („Yeniden Refah Partisi“) Sitze im Parlament sichern.

Die YRP ist der politische Arm der islamistisch-nationalistischen Bewegung der nationalen Sicht („Millî Görüş“). Angeführt wurde sie lange Zeit von Erdoğans ideologischem Ziehvater Necmettin Erbakan. Nach seinem Tod 2011 folgte sein Sohn Fatih dem Vorbild des Vaters und wurde zum Führer der Bewegung.

„Hüdapar“ und die Hisbollah-Bewegung

Hinzu kommt: die kurdisch-islamistische „Partei der freien Sache“ (auf türkisch: „Hür Dava Partisi“, auch „Hüdapar“ abgekürzt). Sie gilt als politischer Ableger der Hisbollah-Bewegung. Als offizieller Partner der „Volksallianz“, beabsichtigt sie, das Parteienbündnis vollumfänglich zu unterstützen.

Die Organisation ist berüchtigt. Seit den 1990er-Jahren wird sich für zahlreiche politisch motivierte Morde verantwortlich gemacht. Ein bekannter Fall ist der Mord an der muslimisch-feministischen Autorin Konca Kuriş 1999. Von der blutgetränkten Vergangenheit der Partei will Erdoğan nichts wissen.

Erdoğan sind alle Mittel und Partner recht

Indes sind beide Parteien nicht mehr als kleine Splitterorganisationen. Gemeinsam kommen sie bei Wahlen kaum auf zwei Prozent. Im Verbund mit Erdoğans AKP und der MHP haben sie aber Chancen auf Plätze im Parlament. Mit den Kleinstparteien will sich der Präsident die Mehrheit sichern. Expert:innen erwarten schließlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Berührungsängste mit Extremisten kennt Erdoğan nicht. Das ist zwar seit der Partnerschaft mit der MHP bekannt – die Partei ist die politische Heimat der berüchtigten Grauen Wölfe –, die Entwicklung zeigt jedoch: Für die Wiederwahl dem Präsidenten alle Mittel und Partner rec

14 April 2023 0 Kommentare
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Erdogan sagt, dass die Wahlen in der Türkei am 14. Mai eine Botschaft an den Westen sein werden

von Fremdeninfo 13 April 2023
von Fremdeninfo

 Erdogan sagt, dass die Wahlen in der Türkei am 14. Mai eine Botschaft an den Westen sein werden

Artikel von Sebastian Schneider •

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Donnerstag, dass die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 14. Mai „eine Botschaft an den Westen“ sein werden und fügte hinzu, dass die Wahl „ein Wendepunkt“ für das eurasische Land sein wird.

Die Türkei wird dem Westen bei diesen Wahlen eine Botschaft übermitteln. Dieses Land kümmert sich nicht darum, was der Westen sagt, weder im Kampf gegen den Terrorismus noch bei der Festlegung seiner Wirtschaftspolitik“, sagte der Präsident, der sich zur Wiederwahl stellt.

In einem Interview mit CNN Turk sagte er, dass „der Westen Pläne für die Türkei hat“, und kritisierte die jüngste Chinareise des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Was steckt hinter Macrons Reise nach China, wie ist der Stand der Beziehungen (Frankreichs) zu den Vereinigten Staaten, warum ist Macron nach China gereist“, fragte er.

In diesem Sinne betonte Erdogan, dass die Wahl am 14. Mai „ein Wendepunkt sein wird“, und sagte, er sei zuversichtlich, dass er in der ersten Runde „ohne Schwierigkeiten“ gewinnen werde. Der Westen ist gegen Erdogan. Ich werde die Namen der Zeitungen nicht nennen. Die Front gegen Erdogan ist eine Front gegen die Nation. Der 14. Mai wird ein Wendepunkt sein“, argumentierte er.

Der türkische Staatschef kritisierte auch die pro-kurdische Demokratische Volkspartei (HDP), die im Falle eines Wahlsiegs der Opposition eine Amnestie für die wegen Terrorismus verurteilten Personen vorschlägt. Dies ist ein Staat, in dem das Gesetz regiert“, sagte Erdogan.

Der ehemalige HDP-Abgeordnete und Bürgermeister von Agri, Sirri Sakik, sagte kürzlich, die Partei würde eine Amnestie unterstützen, und forderte den Vorsitzenden der Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kiliçdaroglu, auf, sich zu den Diskussionen vor den Wahlen zu äußern.

Kiliçdaroglu kandidiert als Einheitskandidat, der von insgesamt sechs Parteien unterstützt wird. Die HDP hat den CHP-Vorsitzenden zwar nicht offiziell unterstützt, aber erklärt, dass sie keinen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen aufstellen wird, was ihren Anhängern die Möglichkeit gibt, sich für den Kandidaten der Einheitspartei zu entscheiden, um Erdogan zu stürzen.

In diesem Zusammenhang kritisierte Erdogan, dass „die CHP und ihre Partner vor der antitürkischen Agenda der HDP, der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Volksschutzeinheiten (YPG) kapituliert haben“. Die PKK und die kurdisch-syrische Miliz YPG werden von Ankara als terroristische Gruppen betrachtet.

Erdogan wird bei den Präsidentschaftswahlen gegen drei andere Kandidaten antreten, darunter Kiliçdaroglu, in einem Rennen, das nach den jüngsten Umfragen sehr knapp ausfallen dürfte. Um als Sieger aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen hervorzugehen, müssen die Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten.

Andernfalls hat die Wahlkommission, die die Einsprüche der Opposition gegen die Kandidatur Erdogans zurückgewiesen hat, für den 28. Mai eine Stichwahl angesetzt. Die Gegner beharren darauf, dass Erdogan gegen die Verfassung verstößt, die eine maximale Amtszeit von zwei Jahren vorsieht, obwohl sich der Präsident auf die Verfassungsreform von 2017 beruft und darauf hinweist, dass die Änderung den Zähler auf Null zurücksetzt.

13 April 2023 0 Kommentare
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Türkei: Populärer kurdischer Politiker Baluken aus der Haft entlassen

von Fremdeninfo 8 April 2023
von Fremdeninfo

 

Türkei: Populärer kurdischer Politiker Baluken aus der Haft entlassen

Von

dtj-online

 

 

 

Archivfoto: İdris Baluken, der ehemalige Fraktionschef der prokurdischen Partei HDP, wurde aus dem Gefängnis entlassen, während der Ex-Parteichef Selahattin Demirtaş immer noch inhaftiert bleibt. Foto: HDP

In der Türkei ist ein 2016 in Folge einer Verhaftungswelle gegen die prokurdische Partei HDP festgenommener Politiker aus dem Gefängnis entlassen worden.

Der ehemalige Fraktionschef der HDP, İdris Baluken, sei auf freiem Fuß, berichtete die Zeitung „Cumhuriyet“ am Mittwoch. Er habe seine Haftstrafe abgesessen.

Gemeinsam mit Baluken war damals der noch immer inhaftierte Parteichef Selahattin Demirtaş festgenommen worden. Laut dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sitzt Demirtaş seither zu Unrecht in Haft. Die Verhaftungen hatten damals große internationale Kritik hervorgerufen. Baluken war 2018 wegen Mitgliedschaft und Propaganda für die PKK verurteilt worden.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan beschuldigt die zweitgrößte Oppositionspartei im Parlament, der verlängerte Arm der PKK zu sein. Die HDP bestreitet das vehement, verzichtet aber auch darauf, sich eindeutig von der Terrororganisation zu distanzieren. Gegen die Partei läuft auf Basis ähnlicher Vorwürfe ein Verbotsverfahren, sie könnte noch vor der Wahl am 14. Mai untersagt werden. Die Partei hat sich darum dazu entschieden, ihre Kandidaten unter dem Dach der Yeşil Sol Parti (Grüne Linkspartei) antreten zu lassen.

dpa/dtj

8 April 2023 0 Kommentare
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Antisemitismus

Rassismus in der Polizei: Die Mär vom „Einzelfall“

von Fremdeninfo 8 April 2023
von Fremdeninfo

 

Rassismus in der Polizei: Die Mär vom „Einzelfall“

Von

Stefan Kreitewolf

 

 
 

 
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Rassismus ist in der deutschen Polizei ein strukturelles Problem. Foto: Vishnu Kale / Unsplash

Lange wurde über eine umfassende Studie zu Rassismus in der Polizei gestritten. Zwei Jahre dauerte die Erhebung. Nun zeigen erste Ergebnisse: Das Problem ist struktureller Art – und muss dringend angegangen werden.

Elf Polizisten, sechs Schüsse und ein toter Junge: Das ist die Bilanz eines fatalen Polizeieinsatzes in Dortmund im vergangenen Sommer. Und es ist leider kein „Einzelfall“, wie immer wieder durch die Behörden nahegelegt wird. Das ist nun auch eines der Zwischenergebnisse der lange umstrittenen Polizeistudie.

Sie wurde bereits 2020 beauftragt – nach langem Streit. Denn erst nach wochenlangen Debatten stimmte der damalige Innenminister Horst Seehofer zu. Der CSU-Politiker störte sich damals am Vorwurf des eigentlich verbotenen, systematischen „Racial Profilings“ bei der deutschen Polizei.

Drittel der Polizist:innen wertet Asylsuchende ab

Für die 2021 gestartete Studie wurden etwa 50.000 Polizist:innen zu ihrer Motivation, ihren Einstellungen und zur Gewalt im Alltag befragt. Die Online-Studie der Deutschen Hochschule für Polizei fand in verschiedenen Bundesländern, bei der Bundespolizei und beim Bundeskriminalamt statt. Die Teilnahme war freiwillig. Sie begann im November 2021 und endete im Oktober 2022.

Neben Überlastungen durch Dienstzeiten und Arbeitskräftemangel stellten die Wissenschaftler:innen „Menschen-feindliche Positionen“ fest. Zusammenfassend heißt es, dass sich diese bei Polizist:innen genauso zeigten wie in der Gesamtbevölkerung. Allerdings seien bei fast einem Drittel der Befragten Tendenzen erkennbar, Asylsuchende abzuwerten.

Zehn Prozent der Befragten sind Muslim-feindlich eingestellt

Knapp zehn Prozent ließen in ihren Antworten Muslim-Feindlichkeit erkennen. Ein geschlossenes, Menschen-feindliches Weltbild sehen die For­sche­r:in­nen allerdings nur bei einer „sehr kleinen Gruppe“ von unter einem Prozent der Befragten. Dennoch kommt der Zwischenbericht der Studie zu einem eindeutigen Ergebnis. 

Es handele sich um „mehr als nur Einzelfälle, bei denen die individuelle Einstellung kaum mit den Leitbildern der Polizei in Einklang zu bringen“ sei. Hinzu kommt: Ein breiter Graubereich von 40 Prozent der Befragten, die sich in Teils-teils-Angaben flüchtete, gibt zumindest ein bedenkliches Bild ab.

Innenministerin räumt Rassismus-Probleme ein

Bereits 2020 kam eine Umfrage der Universität Bochum zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Professoren bekräftigten darin: Diskriminierung bei der Polizei treffe vor allem Menschen, die keine weiße Hautfarbe hätten. Damals wie heute schließen sich die Reihen der Polizei gegen Kritik. Und die Polizeigewerkschaft wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Ihr Chef Rainer Wendt bezeichnete die Ergebnisse als „üble Stimmungsmache“. Innenminister Nancy Faeser (SPD) verspricht indes Konsequenzen für rassistisches Vorgehen während der Polizeiarbeit. Damit räumt eine Bundesminister erstmals ein: Rassismus ist in der deutschen Polizei ein größeres Problem, als bislang anerkannt.

Zweite Online-Befragung steht an

Sie plädiert für eine Überprüfung der Aus- und Fortbildung der Beamt:innen. Für das vierte Quartal in diesem Jahr ist eine zweite Online-Befragung geplant. Faeser appellierte an die Verantwortlichen, eine Beteiligung an der Befragung aktiv zu fördern. Zumindest die Aufarbeitung der Rassismus-Problematik scheint voranzukommen.

Dass jüngere Polizeibeamt:innen weniger Diskriminierungstendenzen zeigen, ist indes erfreulich. Politische Bildung scheint in der Polizei-Ausbildung bereits erste Konsequenzen zu haben. Positiv ist aber vor allem eines: Polizeichef:innen und Politiker:innen kommen mit ihrer Mär von der absoluten Ausnahme nicht mehr durch

8 April 2023 0 Kommentare
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Türkei: Hoffnung für die Pressefreiheit?

von Fremdeninfo 8 April 2023
von Fremdeninfo
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MEDYA

Türkei: Hoffnung für die Pressefreiheit?

Um die Pressefreiheit in der Türkei steht es nicht gut, aber es besteht Hoffnung auf Besserung. Alles hängt von der kommenden Präsidentschaftswahl ab, sagten die Journalist*innen Şirin Payzın, Barış Terkoğlu und Timur Soykan bei einem Pressegespräch der dju in ver.di Hamburg. Verliert Recep Tayyip Erdogan die Wahl, kann sich die Presselandschaft erholen. Gewinnt er, gibt es keine Hoffnung mehr.

Bericht und Foto: Lars Hansen

 

Türkei: Hoffnung für die Pressefreiheit?

 
 
 
08.04.2023 – 10:12 08.04.2023 – 10:20 32

4. APRIL 2023 VON LARS HANSEN

Die drei Journalist*innen waren nach Hamburg gekommen, um an einer Podiumsdiskussion des deutsch-türkischen Nachrichtenportals „Avrupa Postasi” teilzunehmen. „Pressefreiheit nach dem Erdbeben und vor der Wahl” war der Titel. Die Hamburger dju hatte dazu mit eingeladen, Payzin, Terkoğlu und Soykan sind in der Türkei prominente Politikjournalist*innen. Şirin Payzın moderiert beim regierungskritischen Sender „Halk TV” die politische Talkshow „Sözum Var” („Gespräch”); Terkoğlu, der Kolumnen in der liberalen Tageszeitung „Cumhuriyet” schreibt und Soykan, der Reporter bei der linken Tageszeitung „Birgün“ ist, sind in Payzins Show regelmäßig zu Gast.

„Dass wir noch arbeiten, ist der Beweis, dass die türkische Presse noch nicht verloren ist”, sagt Barış Terkoğlu. „Es gibt noch Journalist*innen in der Türkei, die regierungskritisch berichten, auch wenn wir damit riskieren, ins Gefängnis zu müssen.”

Barış Terkoğlu weiß, wovon er redet: Zweimal war er bereits inhaftiert. Die Vorwürfe gegen ihn konnten widerlegt werden, aber bis dahin musste er jeweils monatelang ins Untersuchungsgefängnis. Im ersten Fall waren sogar nachweislich vermeintliche Beweise gegen ihn von dritten auf seinen Rechner kopiert worden. Solche Verhaftungen oder gar Verurteilungen zu langen Haftstrafen sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Geldstrafen, Veröffentlichungs- oder Sendeverbote sind an der Tagesordnung und treffen die Sender, Verlage und Nachrichtenportale im Portemonnaie. Die Anwaltskosten tun ein Übriges. „Gegen mein letztes Buch sind 33 Strafanträge anhängig”, sagt Terkoğlu. „Addiert man die geforderten Strafen, müsste ich für 220 Jahre ins Gefängnis!”

Yurt dışından gönderilen çadırlarda AFAD logosu ‚Yurt dışından gönderilen çadırlarda AFAD logosu‘

Zu der latenten Gefahr der Inhaftierung kritischer Journalist*innen kommen die willkürliche Allmacht der Zensurbehörde, die wegen geringster Kleinigkeiten Veröffentlichungen untersagen kann und die Pressekonzentration: 90 Prozent der Nachrichtenportale, Sender und Verlage gehören Erdogan-nahen Unternehmern. „Wir leben in einer Dystopie”, sagt Timur Soykan“, in der die Grenzen von Logik und Verstand nicht mehr gelten. Aber zum Glück würden diese Medien bei den Türkischen Menschen als deutlich weniger glaubwürdig, als die regierungskritischen gelten.

„Das ist ein Teil der Hoffnung”, sagt Barış Terkoğlu, „denn die kritischen Medien werden überleben, wenn Erdogan die Wahl verliert. Die regierungstreuen Medien hingegen leben von großzügigen Anzeigen des Staates oder der AKP. Wenn diese Einnahmen unter einer neuen Regierung wegbleiben, werden diese Verleger aufgeben. Dann ist wieder Platz für Vielfalt!”

Şirin Payzın sieht diese Hoffnung ebenfalls, zeichnet aber gleichzeitig auch ein düsteres Bild, was passiert, wenn Erdogan die Präsidentenwahl doch noch gewinnt. Derzeit liegt er in Umfragen zwar zurück, aber bis zur Wahl sind es noch sieben Wochen und Erdogan hat Umfragetiefs schon häufiger überstanden. „Sollte er gewinnen, wird die Türkei entsäkularisiert und ein islamistischer Staat”, fürchtet Paysin. „darunter wird mehr leiden, als nur die Pressefreiheit. Die Türkei wird sich dann nicht mehr von anderen Staaten im Nahen Osten unterscheiden und sich von Europa entfernen. Insofern ist es weise, dass Olaf Scholz oder Emmanuel Macron vor den Wahlen bewusst nicht in die Türkei reisen, und so den Präsidenten aufwerten; so wie es Frau Merkel regelmäßig tat, wenn sie im Wahlkampf anlasslos auf Staatsbesuch kam.”

Das verheerende Erdbeben im Südosten der Türkei hat Erdogan viele sicher geglaubte Stimmen gekostet. Umso wichtiger ist es seiner Regierung, Negativnachrichten über ihr Handeln nach der Katastrophe zu unterdrücken. „Man hat jetzt die Bauunternehmer als die Sündenböcke deklariert”, sagt Timur Soykan, „aber dass die staatliche Bauaufsicht versagt hat, sollen wir nicht berichten. Das ist es, was die Regierung an uns hasst: Wir sind die Zeugen ihrer Inkompetenz!”

Sirin Paysin war nach dem Beben sehr schnell im betroffenen Gebiet und wurde Zeugin von Plünderungen. „Offiziell hat es nie Plünderungen gegeben”, berichtet sie, „aber die Region ist ein Zentrum des Goldhandels und der Schmuckverarbeitung. Es sind islamistische Gruppen aus Syrien angereist, um hier nach dem Beben ihre Kassen zu füllen. Davon will die Regierung nichts berichtet wissen.”

Auch Paysin hat Erfahrungen mit der Zensurbehörde: „Ist ihr eine ihrer Sendungen zu regierungskritisch, muss sie im Online-Archiv gesperrt werden.“ Einmal wurde der Sender für eine Ausstrahlung auch damit bestraft, dass er die nächsten fünf Ausgaben ebenfalls nicht senden durfte. Dadurch brechen Werbeeinnahmen weg und Senderverantwortliche werden erfolgreich eingeschüchtert.

Einen Plan B, falls Erdogan die Wahl erneut gewinnt, haben die drei nicht. „Wir machen weiter, wie bisher, solange das noch geht”, sagt Timur Soykan.

 

 

Bericht und Foto: Lars Hansen 

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8 April 2023 0 Kommentare
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Wagenknechts Spiel: Welche Chancen ihre eigene Partei hätte

von Fremdeninfo 6 April 2023
von Fremdeninfo

Wagenknechts Spiel: Welche Chancen ihre eigene Partei hätte

 

 

Sahra Wagenknecht liebäugelt mit einer eigenen Partei und nimmt eine Schwächung der Linken in Kauf. Welche Chance hätte eine Neugründung? Eine Analyse.

Vielleicht reicht ein Zugpferd wie Sahra Wagenknecht, um ihre neue Partei in einem Jahr ins Europaparlament zu bringen, selbst wenn diese Partei heute noch gar nicht gegründet ist. Unwahrscheinlich ist das keineswegs, falls sich die langjährige Linken-Politikerin dazu entschließt, ihrer

isherigen Partei Konkurrenz zu machen – und danach sieht es aus.

Wer weiß schon, dass auch die Piraten, die Familienpartei und Volt bei der Europawahl 2019 Sitze im Europäischen Parlament geholt haben, mit jeweils nur 0,7 Prozent der Stimmen in Deutschland. Den Piraten genügte es, dass 243.000 Menschen für sie votierten, für Volt waren es kaum mehr, für die Familienpartei 273.000.

Sahra Wagenknecht, die unzufriedene Linke aus den Talkshows.

Diese Zahl dürfte keine hohe Hürde darstellen für Wagenknecht, die unzufriedene Linke aus den Talkshows. Ihre bisherige Partei holte 2019 rund zwei Millionen Stimmen in der Bundesrepublik und damit einen Anteil von 5,5 Prozent. Doch selbst wenn die Linke und eine neue Konkurrenzpartei von Sahra Wagenknecht bei der Europawahl unter fünf Prozent landen sollten, was nach derzeitigem Stand als wahrscheinlich gelten muss, wäre das kein Hinderungsgrund für den Einzug ins Parlament. Auf europäischer Ebene gibt es nämlich keine Fünf-Prozent-Hürde.

Das hätte für Wagenknecht zwei Vorteile: Zum einen könnte sie selbst ins Parlament einziehen. Zum anderen könnte ihr niemand vorwerfen, sie habe dazu beigetragen, die Linkspartei aus dem EU-Parlament zu kegeln. Nicht schlecht, um wankende Anhänger:innen der Linken, denen es um ihre bisherige Partei leid tut, zur Stimmabgabe für die neue Konkurrenz zu bewegen.

Bei Bundestags- und Landtagswahlen sieht das natürlich ganz anders aus. Hier könnte eine Wagenknecht-Partei der Linken den Todesstoß versetzen. Auch die Chancen für ihre neue Partei stünden nicht allzu gut, wenn diese Partei die Fünf-Prozent-Hürde nehmen muss. Doch wer weiß, ob das Wagenknecht wirklich stört. Sie hat noch nie als Teamplayerin gegolten, und ihren eigenen Auftritt hätte sie im Europäischen Parlament sicher.

Wagenknechts kremlnahe Wortwahl ließ Fass für etliche Linke überlaufen

Wagenknecht kennt das Parlament gut, das in Straßburg und Brüssel tagt. Sie gehörte bereits fünf Jahre, von 2004 bis 2009, dem Europaparlament an. Seit 30 Jahren hat die 53-Jährige führende Funktionen in ihrer jeweiligen Partei inne, erst in der PDS, dann in der Linken. Dem Bundestag gehört sie seit 2011 an, von 2015 bis 2019 als Fraktionsvorsitzende gemeinsam mit Dietmar Bartsch.

Jahrelang hat die Linke von ihren kapitalismuskritischen Analysen profitiert, die sie verständlich und öffentlichkeitswirksam zu formulieren weiß – anders als viele in ihrer Partei. Doch spätestens mit dem Zuzug vieler geflüchteter Menschen nach Deutschland 2015 und 2016 entfernte sich Wagenknecht vom Mehrheitskurs der Partei. Die Linken-Politikerin blinkte immer wieder nach rechts und musste dafür Lob aus der in Teilen rechtsextremen AfD hinnehmen. Zuletzt ließ ihre kremlnahe Wortwahl über einen angeblichen „Wirtschaftskrieg“ des Westens gegen Russland das Fass für etliche Linke überlaufen. Viele Mitglieder, auch prominente, traten aus Protest gegen Wagenknecht aus.

Umgekehrt hatte Wagenknechts Ehemann Oskar Lafontaine, einst erfolgreicher SPD-Politiker und einer der Gründerväter der Linken, auch dieser Partei den Rücken gekehrt – kurz vor der Landtagswahl im Saarland, als die Linke dann tatsächlich aus dem Parlament flog.

Dass es unterschiedliche Strömungen und manchmal sehr kontroverse Auseinandersetzungen in der Linkspartei gibt, ist nichts Neues. Im Gegenteil: Es ist sozusagen die Gründungskonstruktion der Partei, in der sich im Jahr 2007 die gewandelte DDR-Partei PDS, die westdeutsch-gewerkschaftlich orientierte WASG und andere Linke zusammenfanden. Insbesondere die pragmatische und kompromissbereite

on Linken in Landesregierungen, etwa Bodo Ramelow in Thüringen, erzürnt die radikaleren Kräfte, zu denen Wagenknecht zählt. Die Parteigründung war eine Reaktion auf die Geschichte der Linken in Deutschland, die durch ihre erbitterte Zerstrittenheit immer wieder der Rechten den Weg ebnete.

Wagenknechts Versuch, beim Linken-Parteitag Mehrheit für ihre Position zum Ukraine-Krieg durchzusetzen, scheiterte

Nun will Wagenknecht das Rad offenbar in die andere Richtung drehen. Zunächst hat die Politikerin und Publizistin nur angekündigt, nicht erneut für die Linke anzutreten. Vielleicht werde sie eine Partei gründen, die „glaubwürdig für Frieden, Freiheit, soziale Gerechtigkeit“ eintreten könne. Womöglich spielt auch die Erfahrung aus dem Herbst eine Rolle, in dem es trotz Energiekrise und Inflation weder der Linken noch der Rechten gelang, einen „Wutherbst“ gegen die Regierenden zu entfachen. „Ich möchte meine politische Laufbahn nicht mit einem Flop abschließen“, sagt Wagenknecht. Sie weiß, wovon sie spricht. Sang- und klanglos endete etwa nach wenigen Monaten im Jahr 2019 das von ihr propagierte Projekt „Aufstehen“. Ziel war es, eine soziale Massenbewegung in Gang zu setzen, die vor allem durch Mitglieder und Sympathisant:innen von SPD, Grünen und Linken getragen werden sollte. Die Orientierung an der Bewegung von Jean-Luc Mélenchon in Frankreich war deutlich.

Auch ihr Versuch, beim Linken-Parteitag in Erfurt 2022 eine Mehrheit für ihre Position zum russischen Krieg gegen die Ukraine durchzusetzen, scheiterte – und Wagenknecht, die das geahnt haben dürfte, kam gar nicht erst zu den Noch-Genossinnen und -Genossen.

Erfolgreicher ist ihr öffentliches Auftreten gegen deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine. Ihr „Manifest für Frieden“ wurde fast 800 000-mal unterzeichnet, mehrere Zehntausend Menschen kamen zur Demo nach Berlin. Auch die Publikationen der promovierten Volkswirtin tragen Früchte. Ihr Buch „Die Selbstgerechten“, in dem sie die traditionelle Linke und die „Lifestyle-Linken“ einander gegenüber stellte und den „Linksliberalismus“ geißelte, bestimmte im Wahljahr 2021 wochenlang viele Debatten und verkaufte sich gut.

Das Abwarten, das Andeuten, das öffentliche Nicht-Festlegen beherrscht Wagenknecht bestens

Aber ist das ein Zeichen dafür, dass eine neue Partei sich im deutschen Spektrum etablieren könnte? Dass sie enttäuschte Menschen anzieht, die bisher die Linke, die AfD oder gar nicht gewählt haben? Der Mainzer Wahlforscher Kai Arzheimer sagte dem Bayerischen Rundfunk, es gebe momentan „keine relevante Partei, die bei wirtschaftlichen und Verteilungsthemen links und bei gesellschaftspolitischen Themen rechts steht“. Das trifft sicher zu, sagt aber noch nichts über das Potenzial einer solchen Kraft.

Wagenknecht sagte nun im ZDF: „Ich kann mir auch eine Perspektive als Publizistin und Schriftstellerin vorstellen. Aber ich möchte gerne politisch auch noch etwas bewegen.“ Das Abwarten, das Andeuten, das öffentliche Nicht-Festlegen beherrscht die Politikerin bestens. Sie bleibt damit im Gespräch. In den nächsten Wochen wird sie sich aber entscheiden müssen. (Pitt von Bebenburg)

6 April 2023 0 Kommentare
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Information

Minister in Uniform: Özdemir als Oberleutnant bei Feldjägern

von Fremdeninfo 5 April 2023
von Fremdeninfo

Minister in Uniform: Özdemir als Oberleutnant bei Feldjägern

Artikel von dpa • .

 

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) gibt nach einer Wehrübung bei den Feldjägern ein Pressestatement. © Moritz Frankenberg/dpa

 

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ist für eine viertägige Wehrübung bei der Bundeswehr zeitweise zum Oberleutnant der Reserve ernannt worden. Bei den Feldjägern in Hannover betonte der Grünen-Politiker am Mittwoch in Uniform, Russlands Angriff auf die Ukraine habe gezeigt, dass autoritäre Regime ein Problem mit der liberalen Demokratie hätten. «Die verteidigt sich nicht von selber. Dafür braucht es die Bundeswehr, dafür braucht es aber auch uns alle als Zivilistinnen und Zivilisten, die wissen, was wir an der Bundeswehr haben», sagte Özdemir.

Nach Angaben der Bundeswehr ist Özdemir der erste Bundesminister, der die seit 20 Jahren angebotenen Wehrübungen bei der Streitkräftebasis absolviert. Sein Besuch, der bereits am Montag begann, umfasste neben Gesprächen mit einsatzerfahrenen Soldatinnen und Soldaten unter anderem eine Einweisung in die Ermittlungsarbeit der Militärpolizei.

Als Beifahrer nahm Özdemir zudem an einer rasanten Fahrübung der Personenschützer teil – Vollbremsungen und quietschende Reifen inklusive. Er sei froh, dass er dabei nicht selbst am Steuer sitzen musste, sagte der Minister hinterher augenzwinkernd.

Zur Waffe greifen sollte Özdemir allerdings auch persönlich. Für Mittwochnachmittag war ein Schießtraining mit Pistole und Gewehr in Bergen angesetzt. Tags zuvor hatte er sich das Logistikwesen in Delmenhorst zeigen lassen. Zum Abschluss der Wehrübung am Donnerstag stand dann noch der Bereich ABC-Abwehr in Munster im Kalender, also der Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Waffen.

Für Özdemir ist das Tragen der Bundeswehr-Uniform kein Novum – zwar hat er nicht gedient, allerdings hatte er schon 2019 als Bundestagsabgeordneter eine Wehrübung absolviert. Als Parlamentarier, der auch über Auslandeinsätze der Truppe entscheide, wolle er den Alltag der Soldatinnen und Soldaten kennenlernen und seinen Respekt und Dankbarkeit ausdrücken, erklärte er. Begleitet wurde er vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Niklas Wagener und dessen Büroleiterin.

Ein Grüner in Uniform – passt das zusammen? Ja, findet Özdemir: Schon lange vor dem Ukraine-Krieg habe er militärische Gewalt in begründeten Ausnahmefällen nicht ausgeschlossen.

Allerdings hatte er sich früher auch für die Abschaffung der Wehrpflicht eingesetzt. «Ich glaube, die Frage der Wehrpflicht stellt sich nicht mehr», sagte er darauf angesprochen nun. «Jetzt geht es darum, dass wir dafür sorgen, es möglichst attraktiv zu machen, sich gesellschaftlich zu engagieren, in welcher Weise auch immer.» Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte die Aussetzung der Wehrpflicht kurz nach seinem Amtsantritt als Fehler bezeichnet.

Zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato, das Özdemir nach seiner ersten Wehrübung vor vier Jahren kritisiert hatte, bekräftigte der Agrarminister, es dürfe nicht nach dem Motto «Viel hilft viel» gehen, sondern das Geld müsse vor allem sinnvoll eingesetzt werden.

Ganz ähnlich äußerte sich am Mittwoch eine weitere Ministerin der Grünen: Annalena Baerbock sagte bei einem Nato-Außenministertreffen in Brüssel, entscheidend sei, dass man nicht nur über reine Prozentzahlen spreche, sondern auch über Fähigkeitsziele. Das Zwei-Prozent-Ziel sieht vor, dass alle Nato-Staaten mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben.

5 April 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Flucht aus dem Iran nach BremenDer verbotene Blick

von Fremdeninfo 5 April 2023
von Fremdeninfo

Flucht aus dem Iran nach Bremen: Der verbotene Blick

Von TAZ

Es sollte ein Urlaub sein, dann sind sie geblieben: Ein Paar will nicht in den Iran zurück. Sie hatten Kontakt zu einer verfolgten Religion.

Ein Gefühl von Befreiung und Freiheit: Hochzeitsfoto mit Parvaneh und Taimas Foto: privat

BREMEN taz | Wohnung, Arbeit, Auto: Taimas und Parvaneh, die beide 33 Jahre alt sind und eigentlich anders heißen, hatten in ihrer Heimatstadt im Nordiran ein bürgerliches Leben. Nun leben sie in Bremen und bekommen als anerkannte Flüchtlinge Geld vom Jobcenter. „Das ist nicht richtig“, findet Taimas. „Wir wollen Arbeit finden.“ Und wenig Geld sei es obendrein: „Im Iran hatten wir alles, unser Leben war sehr gut.“

Taimas ist Fotograf, hatte im Iran sein eigenes Atelier. Sein Job war es, der ihn und seine Frau Parvaneh in Schwierigkeiten gebracht hat. Denn als Fotograf stehe man im Iran unter Generalverdacht, etwas Verbotenes zu tun, erzählt Sven, ein Freund der beiden. Er kennt das Paar seit Herbst vergangenen Jahres und hat sie auch während des letzten Asylverfahrens begleitet.

Als Mann Frauen zu fotografieren, sei so etwas Verbotenes, sagt Taimas. Er arbeitete viel auf Hochzeiten, wo Frauen und Männer getrennt sitzen müssen – die Fotografen eingeschlossen. „Wir hatten immer Angst.“ Denn wenn sich ein Fotograf nicht daran hält, „kommt die Sittenpolizei“. Die letzte Hochzeit, die er fotografierte, sei von An­hän­ge­r*in­nen der Bahá’í-Religion gewesen, erzählt Taimas. Diese ist im Iran verboten. „Ich wollte nur das Ehepaar fotografieren, da kam die Polizei und hat meine Lizenzkarte eingezogen.“

Danach, erzählt Taimas weiter, habe er sich ein paar Mal mit dem Bräutigam und anderen Menschen getroffen, um über die Bahá’í-Religion zu sprechen. „Mich hat interessiert, warum das verboten ist.“

Polizei durchsucht Atelier

Wenige Monate später besuchte das Ehepaar Taimas’ Bruder in Köln. Das war vor etwa drei Jahren. In Deutschland bekam er dann einen Anruf von seiner Sachbearbeiterin: Die Polizei war da, hat das Atelier leer geräumt, Laptop und andere Hardware mitgenommen, sein Archiv durchgesehen. Auch der Bräutigam rief ihn an und erzählte, dass Freunde von ihm im Gefängnis sitzen und Taimas und Parvaneh besser in Deutschland bleiben sollten.

Taimas, Fotograf

„Ich wollte nur das Ehepaar fotografieren, da kam die Polizei und hat meine Lizenzkarte eingezogen“

Die beiden waren hin- und hergerissen, erinnert sich Taimas. „Ich hatte auch eine andere Arbeit, in einer Firma als Verkäufer. Und wir hatten Familie und Freunde.“ Am Ende fiel die Entscheidung, mit nur einem Gepäckstück pro Person: „Wir müssen bleiben.“ Nach vier Monaten beim Bruder zogen sie nach Bremen. Hier scheiterte ihr erster Asylantrag. Sie erhoben Klage gegen den Bescheid.

„Natürlich hatten wir danach Angst, weggeschickt zu werden“, sagt Taimas. Er besuchte Sprachkurse, machte seinen Führerschein und lernte in der Bahá’í-Gemeinde in Bremen neue Menschen kennen. Im Iran lebte er 30 Jahre als Muslim, nun wollte er Teil dieser Religion werden. „Sie hat viele Vorteile für mich: Ein Grundsatz ist, dass Frauen und Männer gleich sind. Und die ganze Welt ist ein Volk.“

Gleichheit haben die beiden im Iran nicht erfahren: Parvaneh durfte wie alle Frauen nicht Fahrrad fahren. Frauen und Männer dürfen dort nicht gemeinsam in den Pool gehen. Taimas lacht. „Es sind kleine Sachen, aber davon Tausende.“ Als die beiden einmal im Kino waren, habe er den Arm um seine Frau gelegt – „dann kam jemand und hat den Arm weggenommen und gesagt, wir sollen gerade sitzen“.

Sven hat inzwischen über Telefonate oder Videos die Familien der beiden kennengelernt. „Bei Parvanehs Familie fällt mir auf, wie sehr der Klischee-Satz stimmt, dass Iraner die Freiheit im Privaten leben. Die schließen die Tür, und dann geht’s los. Der Vater hat uns mal Tanzvideos geschickt, das war total toll.“ Wenn sie aus der Haustür treten, sagt Sven, müssten sie sich anders aufführen.

In Deutschland ist das anders. So waren Sven und Parvaneh bei einigen der Iran-Proteste im vergangenen Jahr in Bremen dabei. Obwohl Taimas im Iran selbst gar nicht politisch aktiv war, erzählt Sven weiter, reichte allein der Verdacht und die Staatsgewalt im Iran aus, sein Atelier zu entkernen und „in null Komm nix eine Existenz zu zerstören“.

Parvaneh, so erzählt es Taimas, will niemals in den Iran zurück. Seit Ende vergangenen Jahres sind die beiden nun auch endlich als Flüchtlinge nach der Genfer Konvention anerkannt.

Die Anwältin für Migrations- und Sozialrecht, Nina Markovic, begleitete die beiden. Im September 2021 kamen sie zu ihr, sagt Markovic der taz. Das Verfahren lag in der Zeit beim Verwaltungsgericht – seit fast eineinhalb Jahren. „Es ist sehr üblich, dass diese Verfahren lange dauern.“ Die Verhandlung fand schließlich im vergangenen November statt.

Die Bahá’í

Die monotheistische Bahá’í-Religion wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom Stifter Bahā’ullāh in Bagdad gegründet.

Die An­hän­ge­r*in­nen glauben daran, dass es eine friedliche und geeinte Weltbevölkerung geben kann. Sie vertreten Prinzipien wie die Gleichheit von Mann und Frau, Zugang zu Bildung und Gerechtigkeit.

Im Ursprungsland Iran wird das Bahá’ítum von der muslimischen Mehrheit nicht toleriert. Immer wieder passieren Menschenrechtsverletzungen gegen Angehörige. Auch im Jemen wurden die Gläubigen unterdrückt.

Die Bremer Bahá’í-Gemeinde wurde offiziell im Jahr 1965 gegründet. In Deutschland leben etwa 6.000 Bahá’í, organisiert in mehr als 150 Gemeinden. Weltweit finden sich acht Millionen Gläubige.

Taimas habe ausgesagt, erzählt Markovic, dass er nun Bahá’í sei. Weil der Richter angekündigt habe, dass er ihm die Konversion glaube, habe Parvaneh gar nicht mehr ausgesagt. „Wir haben das Verfahren von ihr abgetrennt und gewartet, bis sein Urteil rechtskräftig war. Dadurch hat sie automatisch Familienasyl bekommen.“

Markovic sagt: „Am Ende macht es ja keinen Unterschied. Und es war besser, das möglichst wenig belastend zu machen.“ Parvaneh sei weiter Muslima, „aber eine sehr offene Frau, die auch kein Kopftuch trägt“. Ob ihr Urteil auf der Grundlage auch positiv ausgefallen wäre, habe der Richter aber nicht versichern können. Es gebe erst ein positives Urteil in so einem Fall seit Beginn der Iran-Proteste im September 2022.

Taimas und Parvaneh haben nun eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Danach könne diese verlängert werden, wenn sich an den Bedingungen nichts ändert, sagt Markovic. Und wenn nach drei Jahren die deutsche Sprache beherrscht und der Lebensunterhalt weitgehend gesichert wird, könne sie auch entfristet werden.

Trotzdem ist das Leben hier nicht nur frei, sondern auch „traurig und anstrengend“, sagt Taimas. Das Jobcenter frage ihn jeden Monat, was er macht. „Ich möchte als Fotograf arbeiten, doch Ausbildungen scheinen hier wichtiger zu sein als Erfahrung.“ Taimas schrieb vielen Fotografen, niemand hatte bislang Arbeit für ihn. Sogar eine Absage für ein unbezahltes Praktikum gab es. „Ich wollte einfach nur zuschauen, wie er mit deutschen Kunden umgeht.“ Parvaneh hat einen Uni-Abschluss in Psychologie. Jetzt arbeitet sie für Mindestlohn in einer Eisdiele.

5 April 2023 0 Kommentare
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