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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

EU-Bericht: Italien blockiert Rücknahme von Asylbewerbern

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Information

Staatsbürgerschaft nach fünfjährigem Dienst: FDP will Bundeswehr für ausländische Bewerber öffnen

von Fremdeninfo 30 April 2023
von Fremdeninfo
© IMAGO/Chris Emil Janßen

Staatsbürgerschaft nach fünfjährigem Dienst: FDP will Staatsbürgerschaft nach fünfjährigem Dienst: FDP will Bundeswehr für ausländische Bewerber öffnen.

Von.AFP

Der Partei schwebt ein Pilotprojekt vor. Eine Voraussetzung für das Erlangen der Staatsbürgerschaft solle außerdem ein Bekenntnis zu Grundwerten sein.

Die FDP schlägt im Rahmen der personellen Aufstockung der Bundeswehr auch eine Öffnung der Truppe für ausländische Bewerber vor. Der verteidigungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Müller, sagte dem „Handelsblatt“ am Freitag, in Deutschland bestehe ein „großes Potenzial junger Menschen ohne deutschen Pass“, die für eine angestrebte deutsche Staatsbürgerschaft „etwas leisten möchten“.

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Wie die Zeitung unter Berufung auf ein Vorschlagspapier Müllers zur Attraktivitätssteigerung der Truppe berichtet, könnten Ausländer im Rahmen eines Pilotprojektes nach einem fünfjährigen Dienst die deutsche Staatsbürgerschaft in Aussicht gestellt bekommen – vorausgesetzt, sie bekennen sich zweifelsfrei zu Grundwerten.

Bündnispartner wie die USA oder Großbritannien hätten mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Florian Hahn (CSU), sagte dem Bericht zufolge, eine Öffnung der Bundeswehr für Ausländer könne nur funktionieren, „wenn die FDP dafür sorgt, dass die Ampel nicht wie geplant das Staatsbürgerschaftsrecht ohnehin lockert“. Ansonsten gebe es einfachere Wege zum deutschen Pass als über die Truppe.

Bundeswehr soll wachsen

Die Bundeswehr soll nach Willen der Bundesregierung von den aktuell rund 183.000 Soldaten bis 2031 auf 203.000 Soldaten anwachsen. Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) hatte dieses vom Bundesverteidigungsministerium angestrebte Personalziel jedoch noch Anfang des Monats als nicht erreichbar bezeichnet. „Personal ist aktuell eine fast noch größere Herausforderung als Material“, sagte Eva Högl laut „Handelsblatt“.

Verteidigungsminister Boris Pistorius arbeitet unterdessen an einer Reform der Bundeswehr. Er will die Beschaffung von Rüstungsgütern beschleunigen. Dafür gab es Lob von der Opposition. (mit AFP)

30 April 2023 0 Kommentare
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Politik

Uni-Präsident fordert von Boris Palmer Entschuldigung

von Fremdeninfo 29 April 2023
von Fremdeninfo

Uni-Präsident fordert von Boris Palmer Entschuldigung

Von dpa

 

Boris  Palmer ist ein deutscher Politiker, dessen Mitgliedschaft bei Bündnis 90/Die Grünen bis Ende 2023 ruht. Seit 2007 ist er Oberbürgermeister der Stadt Tübingen.

 

 

In einem Streit vor der Goethe-Universität wird Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer als „Nazi“ beschimpft. Er wehrt sich: Eine solche Ausgrenzung sei in der Methode mit dem „Judenstern“ vergleichbar. Nun fordert der Uni-Präsident für diese „den Holocaust relativierende Aussage“ eine Entschuldigung.

Eine verbale Auseinandersetzung von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit einer Gruppe vor einer Migrationskonferenz in Frankfurt am Main sorgt für Aufsehen. Der Präsident der Goethe-Universität forderte den Palmer auf, sich zu entschuldigen. Der Tübinger hatte am Freitag vor einem Gebäude der Goethe-Universität zu Art und Weise seiner Verwendung des „N-Wortes“ Stellung bezogen. Er wurde daraufhin mit „Nazis raus“-Rufen konfrontiert. Daraufhin sagte Palmer zu der Menge: „Das ist nichts anderes als der Judenstern. Und zwar, weil ich ein Wort benutzt habe, an dem Ihr alles andere festmacht. Wenn man ein falsches Wort sagt, ist man für Euch ein Nazi. Denkt mal drüber nach.“

Palmer bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Äußerungen so gefallen sind. „Ich habe die Methode der Protestierer, mir den Stempel als Nazi und Rassist aufzudrücken, niederzuschreien und auszugrenzen, als Vergleich herangezogen“, erklärte Palmer den Kontext aus seiner Sicht. Er habe den Protestierern erklärt, dass Nazis die Gräber seiner Vorfahren mit Hakenkreuzen beschmiert hätten und ihnen entgegnet, dass „ihre Methode der Ächtungen und Ausgrenzung sich nicht vom Judenstern unterscheidet“. Mehr wollte der 50-Jährige dazu am Samstag nicht sagen.

In einer Stellungnahme erklärte der Präsident der Universität, Enrico Schleiff: „Jede explizite oder implizite den Holocaust relativierende Aussage ist vollkommen inakzeptabel und wird an und von der Goethe-Universität nicht toleriert – dies gilt gleichermaßen für die Verwendung rassistischer Begriffe.“ Er verurteile Palmers Rechtfertigungsversuche „aufs Schärfste“ und akzeptiere dies weder persönlich noch als Präsident. „Daher erwarte ich nicht nur eine öffentliche Entschuldigung von Herrn Palmer an die von seiner Beleidigung betroffenen Personen, sondern auch an die jüdische Gemeinschaft und gegenüber der Goethe-Universität.“

Palmer bestätigte der dpa die Verfolgung seiner jüdischen Vorfahren durch die Nazis. 2021 hatte er seine Familiengeschichte auf Facebook thematisiert: Auf dem jüdischen Friedhof in Königsbach lägen seine Ahnen bis ins 18. Jahrhundert. 1937 sei die Familie dann die Flucht in die USA gelungen. Sein Vater blieb als „uneheliches Kind einer Nichtjüdin im Remstal und wurde in der Schule vom Lehrer Moses genannt, nicht Helmut“.

Palmer: Kontext entscheidet darüber, ob jemand ein Rassist ist

In einem Facebook-Post am Samstag erläuterte Palmer, er sage das N-Wort, weil er Sprachvorschriften nicht akzeptiere. „Das hoch umstrittene Wort“ gehöre jedoch nicht zu seinem aktiven Wortschatz. „Ich benutze es nur, wenn darüber diskutiert wird, ob man schon ein Rassist ist, wenn man es verwendet. Darüber entscheidet für mich der Kontext.“

Palmer hatte im Mai 2021 in einem Facebook-Beitrag über den früheren Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo, der einen nigerianischen Vater hat, das sogenannte N-Wort benutzt. Mit diesem Begriff wird heute eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Palmers Äußerung hatte massive Kritik auch bei seinen damaligen grünen Parteikollegen ausgelöst.

Ein Parteiausschlussverfahren endete vor einem Jahr mit dem Kompromiss, dass Palmer seine Mitgliedschaft bei den Grünen bis Ende dieses Jahres ruhen lässt. Im Oktober 2022 war er in Tübingen dann als unabhängiger Kandidat angetreten und war im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit – unter anderem gegen die Kandidatin der Grünen – für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden.

Bei der Migrationskonferenz an der Frankfurter Goethe-Universität benutzte Palmer das N-Wort ebenfalls. Von anderen Teilnehmern der Konferenz wird er dafür scharf kritisiert. So schrieb der Islamismusexperte Ahmad Mansour auf Twitter: „Das N-Wort ist rassistisch und verletzend! Deshalb halte ich es für falsch insgesamt, aber vor allem im Kontext einer Tagung über Migration und Integration, so ein Wort zu verwenden.“

Hessens Justizminister Roman Poseck (CDU) hielt ein Grußwort bei der Konferenz. „Die Wortwahl und die Beiträge von Boris Palmer an der Universität Frankfurt sind indiskutabel. Derartige Provokationen leisten Spaltung, Ausgrenzung und Rassismus Vorschub. Sie schaden in einer Debatte, die mit Sensibilität und Ernsthaftigkeit zu führen ist“, sagte der CDU-Politiker am Samstag in einer Pressemitteilung.

Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister in der schwäbischen Universitätsstadt. Mit pointierten Äußerungen etwa zur Flüchtlingspolitik sorgte er immer wieder für Kontroversen und sah sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Bundesweites Aufsehen und Anerkennung brachte aber auch sein Management während der Corona-Pandemie. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte kurz nach der Wiederwahl Palmers auf eine schnellere Wiederaufnahme Palmers bei den Grünen gedrungen

29 April 2023 0 Kommentare
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Rassismus

AfD-Jugendorganisation als rechtsextremistisch eingestufti

von Fremdeninfo 26 April 2023
von Fremdeninfo

AfD-Jugendorganisation als rechtsextremistisch eingestuft

Artikel von dpa

 

Die Jugendorganisation der AfD wird vom Verfassungsschutz nun als gesichert rechtsextremistische Bestrebung beobachtet. Wie das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) am Mittwoch mitteilte, werden neben der Jungen Alternative (JA) nunmehr auch zwei weitere Gruppierungen der sogenannten Neuen Rechten entsprechend eingestuft – das im Süden Sachsen-Anhalts ansässige Institut für Staatspolitik (IfS) und der Verein «Ein Prozent». Alle drei Vereinigungen waren bislang als rechtsextremistische Verdachtsfälle vom Inlandsnachrichtendienst bearbeitet worden.

In Sachsen überraschte die Entscheidung des BfV kaum – selbst die AfD nicht. Allerdings sprach ihre Fraktion im Sächsischen Landtag am Mittwoch aus anderen Gründen von einer «absehbaren Entscheidung». «Inzwischen ist selbst der zur Neutralität verpflichtete sächsische Innenminister Armin Schuster (CDU) dazu übergegangen, die AfD als «Verbrecher» zu diffamieren. Eine solche Kriminalisierung der Opposition richtet in einer freiheitlichen Demokratie schweren Schaden an», sagte der Abgeordnete Carsten Hütter. Die AfD hatte wegen Schusters Äußerung eine Strafanzeige gestellt.

Mit der neuen Einstufung der AfD-Jugend gerät nun auch Hütters Fraktionskollege Alexander Wiesner in Visier der Verfassungsschützer. Der Unternehmensberater ist Chef der Jungen Alternative (JA) in Sachsen. Die Einstufung als gesichert extremistische Bestrebung hat konkrete Folgen: Die Verhältnismäßigkeit beim Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel wird anders bewertet.

SPD-Politiker Albrecht Pallas hielt den Schritt für überfällig. «Die wehrhafte Demokratie lässt sich von Demokratiefeinden nicht auf der Nase herumtanzen. Von einer Beobachtung der JA durch den Verfassungsschutz erhoffe ich mir Erkenntnisse, mit denen wir die extrem rechten Umtriebe zurückdrängen können.» Die Entscheidung dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Einstellungen in der AfD weit verbreitet seien

Die Jugendorganisation der AfD wird vom Verfassungsschutz nun als gesichert rechtsextremistische Bestrebung beobachtet. Wie das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) am Mittwoch mitteilte, werden neben der Jungen Alternative (JA) nunmehr auch zwei weitere Gruppierungen der sogenannten Neuen Rechten entsprechend eingestuft – das im Süden Sachsen-Anhalts ansässige Institut für Staatspolitik (IfS) und der Verein «Ein Prozent». Alle drei Vereinigungen waren bislang als rechtsextremistische Verdachtsfälle vom Inlandsnachrichtendienst bearbeitet worden.

In Sachsen überraschte die Entscheidung des BfV kaum – selbst die AfD nicht. Allerdings sprach ihre Fraktion im Sächsischen Landtag am Mittwoch aus anderen Gründen von einer «absehbaren Entscheidung». «Inzwischen ist selbst der zur Neutralität verpflichtete sächsische Innenminister Armin Schuster (CDU) dazu übergegangen, die AfD als «Verbrecher» zu diffamieren. Eine solche Kriminalisierung der Opposition richtet in einer freiheitlichen Demokratie schweren Schaden an», sagte der Abgeordnete Carsten Hütter. Die AfD hatte wegen Schusters Äußerung eine Strafanzeige gestellt.

Mit der neuen Einstufung der AfD-Jugend gerät nun auch Hütters Fraktionskollege Alexander Wiesner in Visier der Verfassungsschützer. Der Unternehmensberater ist Chef der Jungen Alternative (JA) in Sachsen. Die Einstufung als gesichert extremistische Bestrebung hat konkrete Folgen: Die Verhältnismäßigkeit beim Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel wird anders bewertet.

SPD-Politiker Albrecht Pallas hielt den Schritt für überfällig. «Die wehrhafte Demokratie lässt sich von Demokratiefeinden nicht auf der Nase herumtanzen. Von einer Beobachtung der JA durch den Verfassungsschutz erhoffe ich mir Erkenntnisse, mit denen wir die extrem rechten Umtriebe zurückdrängen können.» Die Entscheidung dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Einstellungen in der AfD weit verbreitet seien.

«Die Entscheidung das Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) erscheint mir nachvollziehbar. Sie kommt spät, stimmt aber überein mit der Einschätzung von Expertinnen und Experten», sagte die Linke- Abgeordnete Kerstin Köditz. «Da die Junge Alternative auch in Sachsen aktiv ist und ihr Arm bis in den Landtag reicht, erwarte ich, dass auch der sächsische Verfassungsschutz seinem gesetzlichen Auftrag entsprechend tätig wird.»

Grünen-Innenpolitiker Valentin Lippmann nannte die Junge Alternative ein «Sammelbecken für Verfassungsfeinde». «Die Entscheidung war daher erwartbar und ist logisch. Sie ist auch ein Fingerzeig, dass zudem die Luft für die Mutterpartei AfD dünn wird, die als nicht minder verfassungsfeindlich einzuschätzen ist.»

«Die JA propagiert ein völkisches Gesellschaftskonzept, das auf biologistischen Grundannahmen beruht», hieß es in der Mitteilung des BfV. Migranten außereuropäischer Herkunft würden von der Jungen Alternative als «grundsätzlich nicht integrierbar» ausgegrenzt. Insbesondere Zuwanderern mit – vermeintlich – muslimischem Hintergrund würden in pauschaler Weise negative Eigenschaften zugesprochen. Der JA gehe es bei der Diffamierung und Verunglimpfung politischer Gegner offensichtlich nicht um eine politische Auseinandersetzung, «sondern um eine generelle Herabwürdigung des demokratischen Systems der Bundesrepublik Deutschland».

Im vergangenen Oktober hatte die JA den AfD-Bundestagsabgeordneten Hannes Gnauck zu ihrem Bundesvorsitzenden gewählt. Er und andere JA-Mitglieder pflegen Kontakte zum Institut für Staatspolitik in Sachsen-Anhalt, dessen bekanntester Vertreter der Verleger Götz Kubitschek ist. Der Verein «Ein Prozent» propagiert nach Einschätzung des Verfassungsschutzes Positionen, die rassistisch,  migranten-, fremden- und muslimfeindlich sind. In den vergangenen Jahren sei eine Zunahme verfassungsfeindlicher Äußerungen festgestellt worden.

Die AfD hatte versucht, die Beobachtung der JA und der Gesamtpartei als Verdachtsfall jeweils mit juristischen Mitteln zu verhindern. Beide Klagen scheiterten jedoch vor dem Verwaltungsgericht Köln. Die Partei legte später Berufung gegen die Urteile ein. Das Verfahren am Oberverwaltungsgericht in Münster ist noch nicht abgeschlossen

26 April 2023 0 Kommentare
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Kultur

Frankfurt liest ein Buch: „Nicht ich bin Türkin, sondern meine Mutter“ Artikel von Claudia Schülke

von Fremdeninfo 26 April 2023
von Fremdeninfo

Frankfurt liest ein Buch: „Nicht ich bin Türkin, sondern meine Mutter“

Artikel von Claudia Schülke

 

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Ihr Debütroman „Streulicht“ wurde für das Projekt „Frankfurt liest ein Buch“ ausgewählt: Autorin Deniz Ohde © Marcus Kaufhold

 

 

er nun vor der Bühne und nahm den Applaus des Publikums entgegen. Vierzehn Mal hat Lothar Ruske für den Festivalverein und die zahlreichen einzelnen Veranstalter in Stadt und Umland das Programm von „Frankfurt liest ein Buch“ koordiniert, nun zieht er sich zurück. Hinter dem scheidenden Literaturvermittler saßen sechs Gäste auf dem Podium und warteten auf ihren Einsatz im großen, bis auf den letzten Platz besetzten Vortragssaal der Deutschen Nationalbibliothek: vier Deutsche mit Migrationshintergrund, unter ihnen Frankfurts designierter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), und zwei ohne. Sie sollten Passagen aus „Streulicht“ (Suhrkamp) lesen, dem für das diesjährige Lesefest ausgewählten Debütroman von Deniz Ohde, die neben ihrer Lektorin in der ersten Reihe der Dinge harrte.

Sie musste sich gedulden, denn vor der traditionellen Auftaktlesung mussten erst die Honoratioren ihre Grußworte vortragen. Gastgeberin Ute Schwens freute sich, dass „jedes Jahr ein neues Licht“ von ihrer Bibliothek aus auf Frankfurt geworfen werde: „Dieses Jahr ein Streulicht.“ Sonja Vandenrath, Literaturbeauftragte der Stadt, dankte vor allem Ruske: „Du warst das Herz des Lesefestes.“ Suhrkamp-Lektorin Martina Wunderer verwies darauf, dass nach „Ginster“ von Siegfried Kracauer und „Scheintod“ von Eva Demski nun schon der dritte Roman ihres Verlages auf dem Programm des Festivals stehe.

Die Erfüllung eines Traums

Endlich trat Josef ans Rednerpult und begann die Lese-Stafette mit einer kurzen Passage, die den Titel des Romans ausleuchtete: „Orangefarbenes Streulicht im Nachthimmel.“ Wer je mit der S-Bahn aus Wiesbaden kam, weiß, wie das aussieht und wo das ist. Dort, wo die 1988 in Frankfurt geborene Ohde aufgewachsen ist. In Sindlingen an der Frankfurter Peripherie ist der Industriepark Höchst nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen und als säuregesättigte Luft zu schmecken. Stress in der Atmosphäre, Stress beim Üben für einen potentiellen Chemieunfall in der Schule, wo das erzählende Ich gemobbt wird, weil es „eines von diesen Kellerkindern“ ist. Da hatte Josef schon an Tanja Brühl übergeben, Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt.

„Nicht ich bin Türkin, sondern meine Mutter“, heißt es in der Passage, die die Journalistin Isabella Caldart vortrug. Geradezu groteske Züge nahm der Roman an, als Steffen Schwarz die Lesung fortsetzte, Lehrer an der Max-Beckmann-Schule, wo Ohde ihr Abitur gemacht hat. Hier erklärt das Ich, das „von hier“ ist, einem Durchreisenden am S-Bahnhof, wie der Fahrkartenautomat mit seinen Tarifzonen funktioniert. „Majestätisch, erhaben“ nennt der Fremde den Industriepark, und: „Sie sehen das wohl nicht so.“

Ohdes Roman erzählt von den Bildungschancen migrantischer Arbeiterkinder an der Peripherie der Großstadt. Deshalb kam mit Sarya Akdeniz auch eine Schülerin der Heinrich-von-Kleist-Schule aus Eschborn zu Wort. Sensible Einfühlung in die Konflikte zwischen den Eltern des erzählenden Ichs verriet die Passage der schwarzen Aktivistin und Tony-Sender-Preisträgerin Eleonore Wiedenroth-Coulibaly. Zuletzt ergriff Ohde das Wort. Ihr Wunschtraum habe sich erfüllt: „Ich bin ausgezogen, um Schriftstellerin zu werden.“

Schon 2011, als das Festival mit Wilhelm Genazinos „Abschaffel“ beworben wurde, habe sie gedacht: „Vielleicht eines Tages?“ Doch Genazino habe geschrieben, wer die Frankfurter Vororte beschreiben wolle, komme um Beleidigungen nicht herum. „Ich habe versucht, die eigentümliche Schönheit des Frankfurter Westens einzufangen, die Ästhetik eines Industrieparks“, sagte Ohde. Das ist ihr bravourös gelungen. Dieser Ort sei literarisch und nicht real: „Eine mythologische Landschaft, namenlos wie die Erzählerin.“ Was sie jetzt erlebe, übersteige ihre wildesten Träume.

26 April 2023 0 Kommentare
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Rassismus

Bundesbeauftragte Ataman sieht „Zeitenwende“ : Mehr Deutsche sehen Handlungsbedarf gegen Diskriminierung

von Fremdeninfo 25 April 2023
von Fremdeninfo

 

Bundesbeauftragte Ataman sieht „Zeitenwende“ : Mehr Deutsche sehen Handlungsbedarf gegen Diskriminierung

Artikel von Karin Christmann

 

 

 

Beim Thema Antidiskriminierung gebe es „keine gesellschaftliche Spaltung“, sagt die Bundesbeauftragte Ferda Ataman. Eine neue Studie zeigt einen grundlegenden Wandel in der Haltung der Deutschen.

 

 

 

Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, stellt die Studie «Diskriminierung in der Einwanderungsgesellschaft» der Bertelsmann Stiftung in der Bundespressekonferenz vor. © Foto: dpa/Kay Nietfeld

 

Ferda Ataman, Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, hat die Bundesregierung aufgefordert, die geplante Überarbeitung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes nicht zu verschleppen. Die Reform sei überfällig und werde von der Gesellschaft eingefordert, sagte Ataman am Dienstag in Berlin aus Anlass der Vorstellung einer neuen Studie.

Unter dem Titel „Diskriminierung in der Einwanderungsgesellschaft“ hat ein Team der Bertelsmann-Stiftung untersucht, wie Menschen in Deutschland das Thema wahrnehmen. Es handelt sich um die Nachfolgestudie zu einer Untersuchung aus dem Jahr 2008. Zugrunde liegt eine repräsentative Befragung der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Co-Studienleiterin Ulrike Wieland stellte fünf zentrale Erkenntnisse vor.

  1. Das Interesse der Bevölkerung am Thema ist gestiegen. Unterschieden wird in der Untersuchung nach Sinus-Milieus. Diese unterteilen die Gesellschaft in Gruppen, die sich in Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Mittlerweile gibt in allen zehn Milieus eine Mehrheit an, sich für das Thema Antidiskriminierung zu interessieren. Das war 2008 noch nicht der Fall. Insgesamt geben der Studie zufolge derzeit 77 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung an, sich sehr oder etwas für das Thema Gleichbehandlung zu interessieren. 2008 waren es 63 Prozent.
  2. Die Unterstützung für Antidiskriminierungspolitik ist gestiegen. 66 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, durch Antidiskriminierungspolitik gehe es langfristig allen besser. 2008 lag dieser Anteil etwas niedriger bei 59 Prozent. Der Anteil der Menschen, die Antidiskriminierungspolitik für überflüssig halten, ist zurückgegangen, aber nach wie vor handelt es sich hier um eine große Gruppe: 30 Prozent der Bevölkerung sehen das so.
  3. Wesentlich mehr Menschen als noch 2008 äußern, selbst Diskriminierungserfahrungen zu machen. Der Anteil ist beispielsweise im Bereich der Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft von sechs auf 13 Prozent gestiegen. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund stimmt jeder Dritte der Aussage zu.
  4. Unabhängig von eigenen Erfahrungen ist der Anteil der Menschen gewachsen, die rassistische Diskriminierung in der Gesellschaft wahrnehmen und Handlungsbedarf sehen. Dass mehr getan werden sollte, findet heute mit 70 Prozent eine klare Mehrheit der Befragten – anders als 2008. Allerdings teilt nur knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) die Ansicht, dass Menschen, die als fremd oder nicht weiß wahrgenommen werden, stark oder sehr stark diskriminiert werden.
  5. Als verantwortliche Akteure werden zunächst die Politik sowie an zweiter Stelle Ämter und Behörden benannt. Die Antidiskriminierungsstelle, der Ataman vorsteht, ist wenig bekannt, nur jede vierte befragte Person kennt sie. Diese Zahl ist seit 2008 nahezu unverändert.

In der Summe sprach Ataman von einer „Zeitenwende“ in der Antidiskriminierungspolitik. Sie benutze den Begriff bewusst, betonte sie. „Es gibt keine gesellschaftliche Spaltung oder Polarisierung bei dem Thema, wie uns manche weismachen wollen. Antidiskriminierungspolitik ist keine Identitätspolitik oder eine Frage von Woke-Sein, wie es manchmal abgetan wird. Antidiskriminierung ist Gesellschaftspolitik für alle.“

Ataman führte an, die Studie zeige ganz deutlich, dass die Haltung zum Thema Antidiskriminierung in Deutschland sich grundlegend geändert habe.

Allerdings zeigen die Daten auch, dass es teils große Unterschiede zwischen den Sinus-Milieus gibt. Dazu einige Beispiele: Aus dem „prekären“ Milieu glauben nur 34 Prozent, Menschen, die als fremd oder nicht weiß wahrgenommen werden, würden stark oder sehr stark diskriminiert. Im „postmateriellen“ Milieu sind es hingegen 64 Prozent.

Im „traditionellen“ Milieu glauben 29 Prozent der Befragten, Transpersonen würden stark oder sehr stark diskriminiert. Im „neo-ökologischen“ Milieu sind es hingegen 60 Prozent. Sogar noch größer ist die Diskrepanz bei der Frage nach dem entsprechenden Handlungsbedarf.

Der demographische Wandel hat großen Einfluss

Abgefragt wurde auch folgendes Statement: „Das Thema Diskriminierung von Minderheiten wird von den Medien ungebührlich aufgebauscht.“ Im „nostalgisch-bürgerlichen“ Milieu finden 72 Prozent, das stimme eher oder ganz genau. Im „postmateriellen“ Milieu ist die Zahl sehr viel niedriger, liegt aber immer noch bei 33 Prozent.

Anti-Diskriminierung sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, ist allerdings das Fazit Atamans. Es handele sich nicht um ein Nischenthema, „fast jeder Mensch kann früher oder später Diskriminierungserfahrungen machen“.

Ataman schilderte Beispiele aus der Beratungspraxis: Eine Familie mit türkischem Nachnamen, die erst dann eine Wohnung findet, als sie unter dem traditionell deutschen Geburtsnamen der Mutter sucht. Ein IT-Mitarbeiter, dessen Vertrag nicht verlängert werde, weil er zu alt sei. Eine Rollstuhlfahrerin, die vom Busfahrer bei strömendem Regen an der Haltestelle zurückgelassen wird, weil er keine Lust hat, die Rampe auszuklappen. Eine schwangere Frau, die ihrer Leitungsposition enthoben wird, mit der Begründung, sie sei nicht mehr so belastbar.

Ataman will mit neuer Kampagne werben

Co-Studienleiter Ulrich Kober sagte, zu einem guten Teil seien die Veränderungen in der Einstellung auf den demographischen Wandel zurückzuführen. 2008 habe jeder fünfte Befragte einen Migrationshintergrund gehabt, nun sei es jeder vierte gewesen. Das sei aber nicht der einzige Treiber. Die Sinus-Milieus hätten sich auch verschoben. Offene Milieus würden wachsen, andere schrumpfen.

Der Schutz vor Diskriminierung sei in Deutschland mittelmäßig. Es gebe nur sehr wenig Schutz und Beratung für Betroffene. Ataman kündigte an, die Antidiskriminierungsstelle ab Herbst mit einer breit angelegten Werbekampagne bekannter machen zu wollen. Sie verstehe die geringe Bekanntheit als „Hausaufgabe und Handlungsauftrag“.Die Regierungen der vergangenen Jahre hätten das Thema verschlafen. Die Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sei die „Straßenverkehrsordnung des Alltags“, aber im internationalen Vergleich ein schwaches Gesetz. Das Justizministerium habe sich bisher nicht festlegen wollen, wann es einen konkreten Vorschlag für die im Koalitionsvertrag verabredete Reform geben werde. „Das macht mir Sorgen“, sagte Ataman.

Konkret forderte sie, Betroffene müssten länger als die bisher festgelegten zwei Monate Zeit haben, den Rechtsweg zu beschreiten. Auch sei ein Problem, dass sämtliche Ansprüche individualrechtlich eingeklagt werden müssten und es keine Entscheidungen mit allgemeiner Wirkung gebe.

25 April 2023 0 Kommentare
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Religion

Arbeiten im Ramadan: Eine Frage der gegenseitigen Rücksichtnahme und des Respekts

von Fremdeninfo 23 April 2023
von Fremdeninfo

 

Arbeiten im Ramadan: Eine Frage der gegenseitigen Rücksichtnahme und des Respekts

Von

Murat Gökmen

„Young,Muslim,Hijab,Business,Woman,In,Office,,Portrait“
Eine junge Muslimin sitzt in einer einem Büro ähnlichen Umgebung am Laptop.

Der Ramadan ist nun ein paar Tage alt, fastende Muslime dürften sich längst auf den neuen Tagesrhythmus eingestellt haben. Nicht so leicht ist es für vor allem in Vollzeit berufstätige Menschen, die Fastenzeit und das Berufsleben gut aufeinander abzustimmen. Wenn sich Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen einander entgegenkommen, klären sich mögliche Probleme bereits im Vorfeld. Wichtig dafür: eine gute Kommunikation und eine gesunde Selbsteinschätzung.

Jahr für Jahr dürfen sich Muslime in der Fastenzeit immer wieder aufs Neue sich wiederholende Fragen anhören. „Auch kein Wasser, nicht mal ein Schluck?“ oder „Ist das denn nicht ungesund?“ sind zu Klassikern mutiert. Nicht sehr viel anders ist es am Arbeitsplatz, ob im Büro, der Apotheke oder auf der Baustelle, wobei sich inzwischen eine Verbesserung beobachten lässt. Das könnte an den Sozialen Medien liegen, in denen viele Muslime Aufklärungsarbeit betreiben, die mitunter ins Satirische geht. Aber auch das ernsthafte Interesse der „Mehrheitsgesellschaft“ und die Einsicht, dass die eingangs erwähnten Fragen nicht alle Jahre aufs Neue gestellt werden können, dürften zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Ein ernsthaftes Interesse ist nicht nur am Arbeitsplatz geboten, sondern generell in der Gesellschaft. Auch wenn die Religionszugehörigkeit in Deutschland Privatsache ist, weiß man meist schon zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses, ob die eingestellte Person muslimisch ist oder nicht. Das wird entweder am Namen deutlich, an äußerlichen Merkmalen oder an den ersten Gesprächen. Falls dem nicht so sein sollte, kann der Chef oder die Chefin dies in einem freundlichen und höflichen Ton erfragen. Anlässe dafür sollte es zu Genüge geben, einer davon ist der Ramadan. Wer das dieses Jahr verpasst hat, macht es in den kommenden Jahren vielleicht besser.

Nicht alle Muslime fasten

Dies gebietet die gegenseitige Rücksichtnahme und der gegenseitige Respekt. Jeder Mensch hat schließlich verschiedene Glaubensgrundsätze, Verhaltensweisen, Erwartungen und Bedürfnisse. Wichtig in dem Zusammenhang ist auch: So wie nicht jeder Christ sonntags in die Kirche geht, fastet nicht jeder Muslim im Ramadan automatisch. Man sollte aus Arbeitgebersicht also nicht von vornherein davon ausgehen. Ein Gespräch ist die beste Methode, um es herauszufinden. Aber auch für Angestellte ist es nicht verboten, die Gesprächsinitiative zu ergreifen und auf die eigenen Bedürfnisse hinzuweisen.

Klar ist es nicht möglich, jedem und allem gerecht zu werden. Es ist aber auch nicht so, dass fastende Muslime im Ramadan unbedingt eine Extra-Behandlung brauchen. Viele haben bereits im Kindesalter damit begonnen und haben sich über die Jahre daran gewöhnt. Wer mit Mitte 20 ins Berufsleben einsteigt, hat also bestenfalls um die zehn Jahre Ramadan-Erfahrung gesammelt. In der Schule, der Uni, beim Sport oder Aushilfsjob wird schließlich auch gefastet. Auch wenn diese Bereiche sicherlich nicht mit einem Vollzeitjob zu vergleichen sind, so stellen sie doch eine Herausforderung dar, die die fastende Person auf schwierigere Aufgaben vorbereitet (hat). Ohnehin dauert es meist nur ein bis zwei Tage, bis sich der Körper umstellt, zudem ist es für die meisten auch nach ein paar Jahren Übung auch eher eine Kopfsache.

Zeitumstellung fiel dieses Jahr in den Ramadan

Fällt der Fastenmonat, der durch den islamischen Mondkalender bedingt durchs Jahr wandert und jedes Jahr zu einem früheren Zeitpunkt startet, nicht in die Sommermonate, bringt das weitere Vorteile mit sich. Schließlich findet das Fastenbrechen dann früher statt, da die Sonne nicht so spät untergeht. Dieses Jahr gab es eine Besonderheit, da nach drei Ramadan-Tagen auf die Sommerzeit umgestellt wurde. Während in Deutschland die Sonne am Anfang also im Schnitt etwa um 19 Uhr unterging, müssen Fastende sich aktuell bis ca. 20 Uhr gedulden. Am Ende des Ramadan in rund drei Wochen wird sich das Fastenbrechen um etwa eine halbe Stunde nach hinten verschoben haben. Kennt man diese groben Eckdaten, erleichtert das für beide Seiten den Alltag. Übrigens: Die meisten Muslime haben entgegen weitläufigen anderslautenden Mutmaßungen kein Problem damit, wenn in ihrer Gegenwart gegessen oder getrunken wird, solange das kein provozierendes Ausmaß annimmt.

Wie kann das angesprochene Entgegenkommen aussehen? Wo es möglich ist, könnten die Arbeitszeiten angepasst werden. Gegen ein wenig mehr Schlaf ist aus Sicht eines fastenden Menschen, der sich um 4:30 frühmorgens für den Tag stärkt, sicherlich nichts einzuwenden. Auf der anderen Seite sollte sich jemand, der oder die zum Beispiel als Arzt oder Ärztin tätig ist, selbst gut einschätzen können. Bin ich in der Lage, auch nach zwölf Stunden Verzicht auf Essen und Trinken eine lebensnotwendige Operation durchzuführen? Gibt es Zweifel, sollte nicht auf das Essen und Trinken, sondern auf das Fasten verzichtet werden. Es kann schließlich auch nachgeholt werden. Das muss jeder und jede Gläubige für sich entscheiden. Muslime haben in der Regel Gottvertrauen und glauben daran, dass mit jeder Schwierigkeit auch eine Erleichterung einhergeht (Koran, Sure 94, Verse 5-6). Weitere konkrete, die (arbeits-)rechtliche Ebene betreffende Aspekte rund um den Ramadan sind in diesem Beitrag übersichtlich zusammengefasst.

Warum nicht ein gemeinsames Fastenbrechen mit dem Team?

Abgesehen von den oben genannten Punkten eignet sich die islamische Fastenzeit auch übrigens optimal fürs Teambuilding. Wer muslimische Mitarbeitende beschäftigt, sollte es ernsthaft in Erwägung ziehen, ein gemeinsames Essen zum Fastenbrechen zu planen, ein sogenanntes Iftar. Wenn das schon in der Weihnachtszeit klappt, warum nicht dann auch im Ramadan?

23 April 2023 0 Kommentare
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Türkei-Wahl: Warum so viele Deutsch-Türken Erdogan die Treue halten

von Fremdeninfo 21 April 2023
von Fremdeninfo

Türkei-Wahl: Warum so viele Deutsch-Türken Erdogan die Treue halten

Von: Yağmur Ekim Çay, Anna-Katharina Ahnefeld, Fabian Hartmann

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine Erdogan während der Vorstellung des Wahlprogramms der AK-Partei in Ankara am 11. Ap

Die Türkei-Wahl wird auch in Deutschland entschieden. Knapp 1,5 Millionen Wahlberechtigte leben hier. Viele halten Erdogan nach wie vor die Treue – doch es gibt auch andere Stimmen.

Frankfurt/Berlin/Köln – Merve Burak* ist 34 Jahre alt, kommt aus Essen und arbeitet als Lehrerin in einer Grundschule. „Zum ersten Mal wähle ich jemanden von der CHP. Vor ein paar Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können“, sagt sie. Ihre Großeltern sind vor ungefähr 50 Jahren aus der anatolischen Konya nach Deutschland ausgewandert, ihre Eltern waren „Kofferkinder“ – sie wuchsen zwischen der Türkei und Deutschland auf. Sie selbst hat eine starke Bindung zur Türkei, hat dort immer ihre Ferien verbracht. „Das ist ja auch mein Heimatland. Essen, Kultur, Menschen – da fühle ich mich zu Hause.“

Für ihre Eltern sei der türkische Präsident Recep Tayip Erdogan wie ein Held gewesen – er war die „Stimme der Stimmlosen“, sagt Burak. Erdogan habe wichtige Schritte für die Türkei unternommen, eine Politik für alle betrieben. Auch für sie als junge Erwachsene sei Erdogan sehr wichtig gewesen. „Ich hatte seine Bilder an meiner Wand“, lacht sie. Besonders beeinflusst hätten sie die NSU-Mörder. „Man hat sich hier in Deutschland unsicher gefühlt. Niemand hat uns verstanden, wir waren immer die ‚Türken‘, mehr nicht. Ich bin hier aufgewachsen, arbeite hier und zahle hier Steuern.“ Doch Erdogan war da, in ihrer zweiten Heimat. „Er hat uns verstanden und war einer von uns“, so Burak. Aber das ist jetzt anders.

Experte Copur zur Türkei-Wahl: „Erdogan kann sich auf seine treuen Wähler in Deutschland verlassen“

Dass einst treue AKP-Wähler wie Merve Burak mit der Regierung in Ankara fremdeln, sagt viel aus. Die Türkei steht vor einer Richtungsentscheidung. Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 14. Mai könnte es der Opposition, angeführt von der sozialdemokratischen CHP, tatsächlich gelingen, Dauer-Machthaber Erdogan aus dem Präsidentenpalast zu vertreiben. Es wäre ein historischer Triumph. Seit 20 Jahren regiert Erdogans AKP die Türkei. Zunächst reformerisch, spätestens aber seit den brutal niedergeschlagenen Gezi-Protesten zeigt Erdogan sein anderes Gesicht: das des Despoten.

Wahlen in der Türkei sind kein lokales Ereignis. Sie strahlen weit über die Landesgrenzen hinaus – auch und vor allem nach Deutschland. Knapp 1,5 Millionen türkische Wahlberechtigte leben in der Bundesrepublik. Ihre Stimmen könnten den Ausschlag geben, wenn das Wahlergebnis knapp wird. Zur Wahrheit gehört: Viele Deutsch-Türken – zumindest die, die zur Wahl gehen – denken nicht wie Merve Burak. „Erdogan kann sich auf seine treuen Wähler in Deutschland verlassen“, sagt Burak Copur. Er ist Politikwissenschaftler in Essen und ein profunder Kenner der Türkei.

Copur geht davon aus, dass der Stimmungsumschwung in der Türkei nicht so sehr bei den Wählern in Deutschland ankommt. „Sie kennen die wirtschaftliche Lage in der Türkei nicht. Sie sagen: ‚Schaut, hier in Deutschland ist die Inflation auch hoch‘ – doch das ist natürlich eine verkürzte Sichtweise.“ Eine große Rolle spielten auch die weitgehend gleichgeschalteten türkischen Medien, die AKP-Propaganda verbreiten. Erdogan, der starke Mann, der Beschützer der Türken. Ein Bild, das verfängt, sagt Copur. Gerade, wenn man rassistische Erfahrungen gemacht habe. Und das hätten viele Deutsch-Türken.

Türkei-Wahl 2023: „Wir wählen unseren Präsidenten weiter“

So ist die Situation für den 36-jährigen Kemal Öztürk* anders als für Merve Burak. Der sowohl in der Türkei als auch in Deutschland lebende Türke wählt weiterhin Erdogan und sagt, er habe gute Gründe dafür: Es sei Erdogans Ziel, dass „die Türkei ein starkes Land und unabhängig vom Westen ist“. Denn die Vergangenheit habe gezeigt, dass der Westen die Türkei schon mehrmals im Stich gelassen habe. Erdogan tue viel für sein Volk, „für Rentner, Ehepaare und Studenten“. Und die Wirtschaft? Sie wachse stetig. „Ja, es gibt die Inflation, und das spürt man auch, aber in Deutschland ist es nicht anders.“

Er findet, dass die Türkei mit Erdogan zu einer Militärmacht geworden ist. „Die Außenpolitik ist sehr stark und hat einen großen Einfluss auf die Welt“, erzählt er. Die Universitäten seien auf dem neuesten Stand, Tabletten, Getränke und Essen seien billig. Und jeder wisse doch, dass die EU kein islamisches Land in die EU holen werde, so Öztürk. „Wir wählen unseren Präsidenten weiter“, sagt er.

21 April 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Wahlkampf in der Türkei: Gemeinsam gegen Flüchtlinge

von Fremdeninfo 21 April 2023
von Fremdeninfo

 

Wahlkampf in der Türkei: Gemeinsam gegen Flüchtlinge

Von

Stefan Kreitewolf

–

18. April 2023

Syrische Flüchtlinge in einem Lager in der Türkei. Foto: Julie Ricard / Unsplash

Geflüchtete im Fokus: Im türkischen Wahlkampf geraten Migranten ins Blickfeld der Parteien. Während die Opposition gegen Syrer wettert, will der Präsident sie gleich nach Hause schicken. Die Stimmung wird hitziger.

Einen Monat vor den Wahlen in der Türkei geht der Wettstreit um Stimmen in die heiße Phase. Die Stimmung wird hitziger. Denn im traditionell heftig geführten Wahlkampf geraten immer häufiger die Schwächsten der Schwachen ins Visier der Parteien: Geflüchtete.

In einem Video, das den Titel „Ungebetene Gäste“ trägt, macht die oppositionelle İyi-Partei Stimmung gegen Migrant:innen. Darin zu sehen: Syrer:innen, die über die Grenze ins Land strömen. Türken, die beklagen, sich wie Bürger zweiter Klasse zu fühlen. Und Äußerungen des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

3,6 Millionen Syrer leben in der Türkei

Im Clip der rechtskonservativen Partei, die als Teil des Sechser-Bündnisses gegen Erdoğan antritt, ist von „einer löchrigen Grenze“ und einer „ständig wachsenden Gefahr“ durch angeblich gewalttätige Ausländer:innen die Rede. Dass die Partei von Meral Akşener gegen Migrant:innen wettert, ist keine Überraschung. Doch sie ist nicht allein.

Bedenklich ist, dass sowohl Regierung als auch Opposition versprechen, rigoros gegen syrische Flüchtlinge vorzugehen. Das Thema sorgt seit Jahren für politischen und sozialen Zündstoff. Die Türkei hat 3,6 Millionen Syrer:innen und hunderttausende weitere Migrant:innen aus Afghanistan und anderen Ländern aufgenommen – mehr als jedes andere Land.

Kılıçdaroğlu verfolgt „Türkei zuerst“-Politik

Es wächst der Unmut gegen die Neuankömmlinge. In der Vergangenheit gab es wiederholt Pogrom-ähnliche Gewalt gegen sie. Umfragen zufolge wollen mehr als 90 Prozent der Türk:innen, dass die Syrer:innen ihr Land verlassen. Auch Kemal Kılıçdaroğlu, Erdoğans Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl, stimmte früh in diesen Kanon ein.

Bereits 2021 kündigte er an, alle Syrer:innen binnen zwei Jahren aus der Türkei nach Hause zu schicken. Damit traf er offensichtlich einen Nerv. Der Präsidentschaftskandidat sagte außerdem in einem Interview an, er werde – sollte er die Wahl gewinnen – den Flüchtlingspakt mit der EU unter dem Motto „Türkei zuerst“ neu verhandeln.

Parteien schüren Angst vor Überfremdung

Während die Parteien, mit den besten Aussichten auf das wichtigste Amt im Staat, weiter die Angst vor Überfremdung schüren, gibt es aber auch Gegenstimmen. Die pro-kurdische Grünen-Links-Partei, die nicht zum Sechser-Bündnis zählt, aber Kılıçdaroğlu unterstützt, möchte Menschenrechtsfragen, wie das Flüchtlingsthema, nicht zur Verhandlungsmasse machen.

Erdoğan bemüht sich indes um eine kurzfristige Lösung der Problematik. Dafür drängt er auf ein Treffen mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Mit der Führung in Damaskus kam es zwar jüngst zu einer Annäherung, Assad kommt der Bitte aber aktuell nicht nach. Es scheint, als wolle er Erdoğan nicht im Wahlkampf helfen.

21 April 2023 0 Kommentare
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Politik

„Ich bin Alevit“ – Kılıçdaroğlu-Video erzielt mehr als 60 Millionen Klicks

von Fremdeninfo 21 April 2023
von Fremdeninfo

 

„Ich bin Alevit“ – Kılıçdaroğlu-Video erzielt mehr als 60 Millionen Klicks

Von

dtj-online

–

21. April 2023

 

Kemal Kılıçdaroğlu meldet sich im Wahlkampf immer wieder mit kurzen Videos zu Wort. Foto: Screenshot/Twitter

Der türkische Oppositionsführer und Erdoğan-Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu hat mit dem öffentlichen Bekenntnis, der religiösen Minderheit der Aleviten anzugehören, Millionen Klicks erreicht.

„Ich bin Alevit. (…) Unsere Identität macht uns zu dem, was wir sind“, sagte der 74-Jährige in dem am Mittwochabend veröffentlichten Video. Etliche Nutzer lobten den Schritt. Kılıçdaroğlu will dem amtierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am 14. Mai das Präsidentenamt abringen.

Sein alevitischer Hintergrund wurde vor Ankündigung seiner Kandidatur stellenweise immer wieder als möglicher Nachteil diskutiert. Aleviten sind eine religiöse Minderheit in der mehrheitlich sunnitischen Türkei und beklagen bis heute Diskriminierung und Unterdrückung in dem Land.

Soylu: „Wieso sagt er das jetzt?“

Ein in dem Zusammenhang immer wieder genanntes Ereignis ist ein Brandanschlag im Jahr 1993, bei dem religiöse Fundamentalisten ein Hotel in der anatolischen Stadt Sivas angriffen, die als Hochburg der Aleviten gilt. 30 Menschen wurden getötet, vorwiegend Aleviten. Aus dem türkischen Regierungslager erntete Kılıçdaroğlus Unverständnis, vor allem von Devlet Bahçeli.

„Wieso sagt er das jetzt?“, fragte der türkische Innenminister Süleyman Soylu in einem TV-Interview und argumentierte, Zugehörigkeiten spielten in der Türkei keine wesentliche Rolle bei der Erlangung von Ämtern.

Unterstützung bekam er hingegen vom Sunniten Ahmet Davutoğlu. Der ehemalige Ministerpräsident und AKP-Politiker hat mittlerweile die Seiten gewechselt und ist Teil des sogenannten Sechser-Tisches, dessen Kandidat Kılıçdaroğlu ist.

21 April 2023 0 Kommentare
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Archive

Der neue Sedat Peker heißt Muhammed Yakut Von

von Fremdeninfo 20 April 2023
von Fremdeninfo

Der neue Sedat Peker heißt Muhammed Yakut

Von

dtj-online

–

lt=““ title=“Muhammet Yakut und Sedat Peker“
Muhammed Yakut und Sedat Peker spielen mit offenen Karten. Kommt die türkische Regierung auch dieses Mal mit einem „blauen Auge“ davon?

Wo steckt Sedat Peker? Der türkische Exil-Mafiosi hatte mit seinem YouTube-Kanal für Aufsehen gesorgt. Dabei veröffentlichte er eine Reihe von Videos, in denen er schwerwiegende Vorwürfe gegen hochrangige Regierungsbeamte und Politiker in der Türkei erhob. Es ging um Korruption, Machtmissbrauch, Verbindungen zwischen der Regierung und der organisierten Kriminalität sowie Auftragsmorde. Doch seit längerer Zeit muss Peker schweigen. Nun tritt womöglich sein Freund Muhammed Yakut an seine Stelle.

Er schlug ein wie eine Bombe. Es machten zuletzt sogar Gerüchte die Runde, dass Sedat Peker von Netflix verfilmt wird. Zeitweise ging die Opposition sogar soweit zu glauben, dass Peker das Ende der Ära Recep Tayyip Erdoğan besiegeln würde. Dieser hatte auch bei seinem letzten Video angekündigt, sich endlich dem Oberthema Erdoğan zu widmen.

Allerdings kam es nicht mehr dazu, da Peker seither verstummt ist. Sein Anwalt Ersan Barkın hat in mehreren TV-Auftritten klar gemacht, dass diese Stille von Peker politisch erzwungen wurde. Die Vereinigten Arabischen Emiraten sind sonst kein sicherer Hafen mehr für Peker. Die ehemals mit der Türkei zerstrittenen Araber haben mit ihm als Faustpfand einen guten Deal mit der Erdoğan-Regierung ausgehandelt.

Türkische Drohnen für die VAE als Deal für Peker-Maulkorb

Noch vor wenigen Jahren waren die Emirate in der Türkei verhasst. Erdoğan behauptete sogar, diese stünden hinter dem Putschversuch vom 15. Juli 2016. Laut Exil-Journalist Cevheri Güven wurde aber ein guter Deal abgeschlossen. Dabei gehe es um die Lieferung türkischer Kampfdrohnen an die VAE. Im Gegenzug bringen sie Peker zum Schweigen.

Peker leidet unter Einschränkungen und kann somit sein Versprechen nicht einhalten und ebenso seine Ehre nicht retten. Denn bei seinen Videos hatte Peker seine Ehre aufs Spiel gesetzt, wenn er „die Sache“ nicht zu Ende bringen würde. Für den Augenblick scheint das nicht mehr möglich zu sein.

Muhammed Yakut: „Ich bin ein guter Freund von Sedat Peker“

Nun tritt der Kurde Muhammed Yakut hervor und verlässt seine Komfortzone. Der Unternehmer einer Familie aus der kurdisch geprägten Stadt Diyarbakır ist reich, mit der politischen Elite offenbar bestens vertraut und im Staat optimal vernetzt. Peker betonte stets, dass es Leute geben, die seinen Auftrag erfüllen würden.

Wie Yakut selbst behauptet, ist er ein guter Freund von Peker. Dies bestätigte Pekers Anwalt Barkın. „Sie sind seit über 25 Jahren befreundet. Ihre Kinder besuchten die selben Schulen“. Ähnlich wie Peker inszeniert sich Yakut als ehrlicher Mann mit Verbindungen zur Unterwelt. Und er macht eines anders. Im Gegensatz zu seinem Freund portioniert er seine Botschaften nicht, sondern haut die Infos direkter raus.

Yakut spricht von Korruption, Vertuschung von Mordfällen und Drogenhandel

//www.youtube.com/@Delilerdelisi21“ target=“_blank“ rel=“noopener“>In seinen bisher veröffentlichten Videos spricht ein großer Mann in Türkisch, mit deutlichem Akzent. Mal ist er wie in Mafia-Kreisen üblich in schwarzem Anzug und schwarzem Hemd zu sehen. Danach taucht er plötzlich im Trikot von Diyarbakırspor auf. Kein Wunder, da es sich bei Yakut um den Neffen des Ex-Vereinsbosses Abdurrahman Yakut handelt. Er ist vermögend. Wohl auch wegen der Geschäfte seiner Familie mit Erdöl und Plastik.

Den Fall von Rabia Naz Vatan, dem 2018 auf mysteriöse Art und Weise verstorbenen jungen Mädchen, machte Yakut nochmal heiß. Er forderte die Star-Moderatorin Müge Anlı auf, die „Wahrheit“ über diesen Mord öffentlich zu machen. „Du weißt es. Ich gebe dir eine Frist. Aufgrund wessen wird die Wahrheit in ihrem Fall zurückgehalten? Zwinge mich nicht, dich vor der gesamten Öffentlichkeit zu blamieren!“, drohte Yakut.

Der Fall Rabia Naz könnte für die AKP zum Verhängnis werden

Was war vor fünf Jahren geschehen? Laut Polizei ist der Fall geklärt. Das zum Todeszeitpunkt 11-jährige Mädchen soll durch einen freiwilligen Sprung aus dem fünften Stock ums Leben gekommen sein. Şaban Vatan, der Vater, hat Zweifel und kämpft bis heute für Gerechtigkeit. Demnach soll die Autopsie als Todesursache einen Zusammenprall mit einem Auto festgestellt haben.

Laut dem schmerzerfüllten Vater wurde seine Tochter überfahren. Erst im Anschluss darauf sei der Sturz vom 5. Stock inszeniert worden. Vatan wurde nach der Bekanntmachung seiner Zweifel an dem vermeintlichen Selbstmord seiner Tochter festgenommen. Wegen einer angeblichen psychischen Erkrankung sollte er sogar in eine Anstalt gebracht werden. Aufgrund wachsender öffentlicher Kritik wurde davon letztlich abgesehen.

Yakut: „Rabia Naz wird euch holen!“

„Wenn du spätestens bis eine Woche vor den Wahlen nicht öffentlich machst, was mit Rabia Naz passiert ist, werde ich dich in eine Lage bringen, in der du dich nicht mehr traust, unter die Menschen zu gehen!“ Mit diesen Worten verlieh Yakut seiner Drohung gegen Müge Anlı Gewicht, er habe zudem eine Liste in der Hand. „Haben Serhat Albayrak und Nurettin Canikli dich aufgehalten, oder jemand anders von oben?“

Die Sendung von Müge Anlı hat in der Türkei Kultstatus und ist in etwa mit „Aktenzeichen XY… ungelöst“ zu vergleichen. Anlı behandelt kuriose Fälle, darunter auch Morde, und versucht sie in Kooperation mit den Ermittlungsbehörden aufzuklären. Auch der Fall von Rabia Naz landete in ihrer Sendung, doch wurde nie abschließend aufgeklärt. Doch Yakut behauptet, alle Einzelheiten zu kennen.

Wie viel Blut klebt an den Händen der Regierung Erdoğan wirklich?

Er wisse, welcher Polizeipräsident in der Stadt Giresun und welcher Staatsanwalt in der Sache ihre Finger im Spiel hätten. Und danach wendet sich Yakut an den „Endgegner“ Recep Tayyip Erdoğan: „Du hast permanent die Handgeste Rabia (gemeint sind die vier Finger, die der Präsident bei öffentlichen Auftritten oft in die Höhe streckt, Anm. d. Red.) gezeigt. Bis zu den Wahlen wird die AKP an dem Fall „Rabia“ zugrunde gehen!“, behauptet Yakut. Schon wie Sedat Peker setzt Yakut gezielte Nadelstiche in Richtung Erdoğan.

Während die Türkei durch die Veröffentlichungen von Yakut abermals geschockt ist, wurde Serdar Akinan zwischenzeitlich festgenommen. Der inzwischen wieder freigelassene Journalist war der erste, der die Videos von Yakut ernst nahm und ihn interviewt hat. Seine Festnahme rief allerdings Kritik aus allen Ecken hervor. Selbst AKP-nahe Personen wie die Journalistin Nagehan Alçı lehnten dies als eine Tat ab, die in der Türkei im Jahre 2023 nicht mehr vorkommen dürfe.

20 April 2023 0 Kommentare
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