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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

Asylanträge in Deutschland auf Rekordtief – erstmals seit 2015 nicht mehr Spitzenreiter...

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Flüchtlinge

Hamburg: 18-jähriger Ghanaer darf bleiben – Keine Abschiebung wegen Härtefallregelung

von Fremdeninfo 12 Juli 2024
von Fremdeninfo

Hamburg: 18-jähriger Ghanaer darf bleiben – Keine Abschiebung wegen Härtefallregelung

Ein Hamburger Schüler der 11. Klasse sollte in seine Heimat abgeschoben werden, seine Mitschüler machten dagegen mobil und sammelten mehr als 100.000 Unterschriften. Nun entschied die Härtefallkommission, dass Joel bleiben darf.

  von: Der Spiegel

                                                  

                                                   Hamburg: 18-jähriger Ghanaer darf bleiben – Keine Abschiebung wegen Härtefallregelung © Jannis Große
 
Ein 18-jähriger ghanaischer Schüler an einer Hamburger Schule wird nun doch nicht in sein Heimatland abgeschoben. Die Hamburger Härtefallkommission unterstützt Joels Wunsch, in Deutschland zu bleiben. »Wir fordern den Senat auf, einen Härtefall zu erteilen, damit daraus ein Aufenthaltstitel wird«, sagte der Vorsitzende der Kommission, der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ekkehard Wysocki, der Nachrichtenagentur dpa. Ein Sprecher der Ausländerbehörde sagte: »Nach der Entscheidung wird nun sehr kurzfristig die Erteilung eines Aufenthaltstitels erfolgen.« Schon in den nächsten Tagen sei damit zu rechnen.

Mehr als 100.000 Menschen hatten eine Petition unterzeichnet, mit der die Abschiebung verhindert werden sollte. Eine Lehrerin und die Mitschüler von Joel an der Wilhelmsburger Nelson-Mandela-Stadtteilschule hatten die Aktion aufgesetzt und mobilgemacht. Vor Beginn der Kommissionssitzung hatten sie am Rathaus eine Tafel mit der Forderung »1, 2, 3, 4 – Joel bleibt hier!« übergeben.

Vor vier Jahren aus Ghana nach Deutschland

Der Beschluss der vierköpfigen Kommission, in der auch die Fraktionen von Grünen, CDU und Linken vertreten sind, sei einstimmig gefallen, sagte Wysocki. Die Kommission könne einen Härtefall empfehlen, wenn alle juristischen Prüfungen einer Abschiebeanordnung ans Ende gekommen seien. Der Sprecher der Ausländerbehörde sprach davon, dass in diesem Fall »insbesondere die dringenden persönlichen Gründe des Betroffenen für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland berücksichtigt« würden.

Joel war nach eigenen Angaben vor vier Jahren als unbegleiteter Minderjähriger aus Ghana zu seinem Vater und seiner Schwester nach Hamburg gekommen. Mit seiner Volljährigkeit lief nun die Duldung ab, er sollte abgeschoben werden.

Durch die Abschiebung wäre ihm nicht nur der Schulabschluss verwehrt worden, sagte Joel. Neben dem Verlust vieler Freunde hätte das für ihn auch die Trennung von seiner Familie bedeutet, da er ohne seinen Vater und seine Schwester nach Ghana zurückkehren sollte. Auch er zeigte sich von der großen Unterstützung tief bewegt: »Ich kann meine Gefühle gar nicht ausdrücken. Damit habe ich nicht gerechnet.«

12 Juli 2024 0 Kommentare
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Archive

Vor Gericht: Cem Özdemir muss sich nicht als „Drecksack“ beschimpfen lassen

von Fremdeninfo 11 Juli 2024
von Fremdeninfo

            Vor Gericht: Cem Özdemir muss sich nicht als „Drecksack“ beschimpfen lassen

                                                   

                                                     Cem Özdemir am 8. Juli beim Besuch eines Dachdeckerbetriebs in Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern. © dpa

 

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat sich gerichtlich gegen eine Beleidigung im Internet zur Wehr gesetzt. Die 14. Zivilkammer des Landgerichts Koblenz verurteilte einen Mann, der den Grünen-Politiker auf Facebook als „Drecksack“ bezeichnet hatte, zur Zahlung von Schmerzensgeld. Nach Ansicht des Gerichts ist der vom Kläger geforderte Betrag von 600 Euro angemessen. Die Aussage des Beklagten im Internet sei „ehrenrührig“, er habe das Persönlichkeitsrecht des Ministers verletzt (Az. 14 O 784/23). Der Beschluss der Kammer ist rechtskräftig.

Der Beklagte hatte seinen abwertenden Kommentar im April 2022 ins Netz gestellt. Er habe auf ein Video reagiert, in dem Özdemir die Tafeln in Deutschland als zwingend erforderlich für die Versorgung bestimmter Bevölkerungsgruppen dargestellt habe, erklärte das Gericht. Dem Beklagten habe missfallen, dass Özdemir nicht durch sein Ministerium die Grundlagen für eine ausreichende Lebensmittelversorgung schaffe, sondern auf gemeinnützige Organisationen verweise. Die Einlassung lasse sich zwar als Meinungsäußerung einordnen. Allerdings überwiege im vorliegenden Fall das grundgesetzlich geschützte Persönlichkeitsrecht des Ministers die ebenfalls im Grundgesetz geschützte Meinungsfreiheit des Beklagten. Das geäußerte Schimpfwort habe keinen sachlichen Bezug zum Thema des Videos des Ministers, sondern nur zum Ziel gehabt, den Kläger zu diffamieren.

Die Kammer folgte nicht der Argumentation des Beklagten, dass nach einem Zeitraum von mehr als 22 Monaten nach dem Post keine Wiederholungsgefahr bestehe. Da es eine solche Gefahr gebe, sieht die Entscheidung der Zivilkammer eine strafbewehrte Unterlassungserklärung durch den Beklagten vor.

11 Juli 2024 0 Kommentare
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Antisemitismus

Antisemitismus: Europäische Union misst »dramatischen Anstieg« judenfeindlicher Angriffe

von Fremdeninfo 11 Juli 2024
von Fremdeninfo

Antisemitismus: Europäische Union misst »dramatischen Anstieg« judenfeindlicher Angriffe

Von : Der Spiegel

Die Angst der Jüdinnen und Juden in Europa wächst. In einer Befragung der EU-Agentur für Grundrechte berichtet eine große Mehrheit von antisemitischen Übergriffen. Viele Betroffene entwerfen eigene Schutzstrategien.

                                                   

                                                  Antisemitismus: Europäische Union misst »dramatischen Anstieg« judenfeindlicher Angriffe © Hendrik Schmidt / dpa
 

Judenfeindliche Parolen auf Demonstrationen, Angriffe auf der Straße, Schmierereien an Hauswänden: Der Antisemitismus in Deutschland und Europa wird wieder sichtbar. Das wirkt sich auf die Gefühlswelt der in der Europäischen Union (EU) lebenden Jüdinnen und Juden aus. »Juden haben mehr Angst als je zuvor«, erklärte die Direktorin der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) mit Sitz in Wien, Sirpa Rautio. Die Folgen des Nahostkonflikts »untergraben die hart erkämpften Fortschritte bei der Bekämpfung des Judenhasses«, betonte Rautio anlässlich der Veröffentlichung einer Umfrage der EU-Agentur zum Thema Antisemitismus.

Verbergen der jüdischen Identität

Der Umfrage zufolge gaben europaweit 76 Prozent der Juden an, ihre jüdische Identität »zumindest gelegentlich« zu verbergen. 34 Prozent meiden demnach jüdische Veranstaltungen oder Stätten, »weil sie sich nicht sicher fühlen«. 80 Prozent der Befragten haben demnach das Gefühl haben, der Antisemitismus habe sich in den vergangenen Jahren verschlimmert.

Die Entwicklung gefährde den Erfolg der Strategie der EU zur Bekämpfung von Antisemitismus, die im Jahr 2021 verabschiedet wurde, fügte FRA-Direktorin Rautio hinzu. Bereits im Jahr vor dem massiven Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober auf Israel hatten 96 Prozent der europäischen Juden nach eigenen Angaben Antisemitismus erlebt, wie aus der Umfrage hervorging.

Der Bericht stützt sich auf im Jahr 2024 von zwölf jüdischen Organisationen in 13 EU-Ländern gesammelte Informationen. Die Konsultationen der FRA mit nationalen und europäischen jüdischen Dachorganisationen Anfang

Die Entwicklung gefährde den Erfolg der Strategie der EU zur Bekämpfung von Antisemitismus, die im Jahr 2021 verabschiedet wurde, fügte FRA-Direktorin Rautio hinzu. Bereits im Jahr vor dem massiven Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober auf Israel hatten 96 Prozent der europäischen Juden nach eigenen Angaben Antisemitismus erlebt, wie aus der Umfrage hervorging.

 

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11 Juli 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Grünen-Politiker zur Migrationspolitik: „Mit Grausamkeit werden wir nicht erfolgreich sein“

von Fremdeninfo 9 Juli 2024
von Fremdeninfo

Grünen-Politiker zur Migrationspolitik: „Mit Grausamkeit werden wir nicht erfolgreich sein“

         Geschichte von Felix Hackenbruch
Nach dem Absturz bei der Europawahl streiten die Grünen über den richtigen Kurs in der Asylpolitik. Der Europaabgeordnete Erik Marquardt fordert mehr Mut zur Menschlichkeit.
                                                 
                                                     Erik Marquardt sitzt für die Grünen im Europaparlament. © Foto: IMAGO/Funke Foto Services/Reto Klar

 

Herr Marquardt, vier Wochen nach dem Absturz der Grünen bei der Europawahl liegt noch immer keine Wahlanalyse vor. Rechnen Sie noch damit?

Es ist nicht schlecht, wenn man sich etwas Zeit nimmt und mit vielen Menschen spricht. Ich würde mir dann aber wirklich ernsthafte Antworten und keine Formelkompromisse wünschen. In der Vergangenheit hatten wir als Partei häufig gescheut, inhaltliche Konflikte auszutragen.

Ihre Partei wirkt unentschlossen, weil sie an allen Seiten verloren hat. Welchen Kurs müssen die Grünen jetzt einschlagen?

Parteien sind erfolgreich, wenn sie überzeugende Ideen haben, die sie selbstbewusst vortragen. Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen erwarten, dass man sich nicht nur taktisch anbiedert. Es muss sichtbar sein, welche Partei für was steht.

Darüber gibt es bei den Grünen aber Streit, zum Beispiel in der Migrationspolitik. Winfried Kretschmann forderte zuletzt „Härte im Asylrecht“. Was sagen Sie dazu?

Wer Härte einfordert oder eine grundlegend andere Migrationspolitik fordert, dann aber nicht konkret wird, hilft nicht dabei, unsere Kompetenzwerte in diesem Feld zu verbessern. Wir müssen unsere Ansätze in der Asylpolitik diskutieren und erklären, aber sie nicht schlecht reden. Das würde ich eher vom politischen Gegner erwarten.

Beim Wettbewerb um die härteste Symbolpolitik gewinnen am Ende die Populisten, das sollte Grünen eigentlich klar sein. Wir haben überzeugende Antworten, wir dürfen aber keine Angst davor haben, sie auch mal gegen Mehrheiten zu vertreten und populär zu machen.

Wie muss eine grüne Migrationspolitik aussehen?

Die Probleme bei Integration oder irregulärer Migration kann man nicht mit schmissiger Kommunikation begegnen. Es ist eine große Kraftanstrengung, die bei der Bekämpfung der Fluchtursachen und einer besseren Verteilung in Europa beginnt.

Wir müssen die europäischen Partner ernsthaft in die Pflicht nehmen. Außenstaatsgrenzstaaten wie Polen, Griechenland oder Kroatien müssen ihrer rechtlichen Verantwortung gerecht werden. Dort findet tausendfacher Rechtsbruch jeden Monat statt, weil Menschen brutal abgewiesen oder ohne Registrierung weitergeschickt werden. Das sorgt für das Chaos und viel Leid.

Es ist kein Naturgesetz, dass die meisten Asylanträge in Deutschland gestellt werden. Wer glaubt, dass man das Problem einfach mit noch ein paar Asylrechtsverschärfungen bewerfen muss und es dann verschwindet, hat die letzten Jahre nicht gut aufgepasst.

Die GEAS-Reform für eine gemeinsame, europäische Asylpolitik haben die Grünen im Europaparlament teilweise abgelehnt. Ist es nicht ein bisschen heuchlerisch, jetzt auf die Außengrenzstaaten zu zeigen?

Wir haben vor allem ein Umsetzungs- und kein Regelungsdefizit. Wenn man bessere Verteilung oder schnellere Verfahren oder ein Ende des Pushback-Chaos zur Abstimmung gestellt hätte, wären wir natürlich dabei gewesen.

Es wird in der Debatte um die Asylpolitik schlicht sehr viel gelogen.

Der Grünen-Politiker Erik Marquardt.

Leider werden die neuen Regeln aus unserer Sicht eher neue Probleme schaffen, als alte zu lösen. Es mangelt bislang einfach am politischen Willen, da wird die Reform nichts Grundlegendes ändern. Wir brauchen eine Lösung, die alle Staaten in die Verantwortung zieht. Es kann nicht sein, dass Geflüchtete am Ende quasi gezwungen sind, in Deutschland und zwei bis drei anderen Ländern ihren Asylantrag zu stellen, wenn sie nicht misshandelt und entwürdigt werden wollen.

Viele Kommunen sind überlastet, eine Mehrheit in Deutschland will nicht mehr Geflüchtete aufnehmen. Was ist falsch daran, dem politisch Rechnung zu tragen?

Die Zahl der Asylanträge ist politisch nicht so einfach steuerbar, wie oft behauptet wird. Sogar in der aktuellen Lage nehmen EU-Staaten teilweise den Tod von Männern, Frauen und Kindern an Außengrenzen in Kauf, um die Zahlen zu senken. Das wird in der Debatte leider ausgeblendet. Aber mit Grausamkeit werden wir nicht erfolgreich sein.

Die wesentliche Frage ist, ob man durchsetzen kann, dass die EU-Staaten gemeinsam Verantwortung in der Asylpolitik übernehmen. Das würde sehr viel ändern, auch für Deutschland. Aber auch in Deutschland wurde sehr viel versäumt. Es fehlt an sozialer Infrastruktur bei Bildung, Gesundheit und Wohnen. Das betrifft ja nicht nur Geflüchtete, aber man zeigt gerne mit dem Finger auf sie. Und unsere Asylpolitik ist inzwischen so bürokratisch, dass sie zehntausende Beamte in Arbeit hält, statt Geflüchtete in Arbeit zu bringen.

Zuletzt haben die Ampel und die Länder aber über eine Bezahlkarte und Asylverfahren in Drittstaaten diskutiert.

Es wird in der Debatte um die Asylpolitik schlicht sehr viel gelogen. Keine Bezahlkarte wird Menschen relevant davon abhalten, in Deutschland Asyl zu beantragen. Die Drittstaatenidee ist rechtlich kaum umsetzbar und ein finanzielles Desaster. Großbritannien hätte über 500.000 Euro pro Flüchtling bezahlt, ein durchschnittlicher Handwerker muss dafür 15 Jahre arbeiten. Jetzt haben sie das gestoppt.

Wenn demokratische Parteien immer wieder Erwartungen weckt, die gar nicht erfüllt werden, wenden sich die Menschen von der Demokratie ab. Das ist das Problem mit Populismus.

Es gibt sehr viele Menschen in Deutschland – vielleicht nicht die Mehrheit – die nichts an Abschottung glauben und die sich wünschen, dass wir menschenrechtsorientiert, rechtsstaatlich und mit Empathie politische Probleme lösen. In der aktuellen Asyldebatte fühlen sich viele Menschen inzwischen heimatlos. Wir können als Partei gewinnen, wenn wir diesen Menschen ein politisches Zuhause bieten. Eine Minderheit können auch 40 Prozent sein, das reicht dann sogar für die Kanzlerschaft.

Das Ampel-Kabinett hat eine Reform des Ausweisungsrechts auf den Weg gebracht. Wer Terror verherrlicht, soll einfacher abgeschoben werden können. Werden die Grünen dem im Parlament zustimmen?

Man sollte nicht den Eindruck vermitteln, dass ein Großteil der Probleme in Deutschland über Abschiebungen zu lösen wäre. Natürlich haben wir ganz offensichtliche Integrationsprobleme.

Es ist nicht hinnehmbar, dass wir Segregation in Städten erleben, dass in manchen Moscheen islamistischer Hass gepredigt wird oder, dass Menschen, die schon viele Jahre in Deutschland leben, keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Diese Probleme wollen wir angehen. Wir dürfen keine falschen Erwartungen wecken.

Abschiebungen sind kompliziert, im großen Stil sind sie nicht möglich oder würden vor allem die falschen treffen.

Nach der Europawahl gibt es im Realo-Lager die Forderung nach mehr Pragmatismus und Beinfreiheit für einen Kanzlerkandidaten Robert Habeck. Gehen Sie da mit? 

Pragmatismus ist immer gut. Pragmatisch wären zum Beispiel die bedingungslose Abschaffung von Arbeitsverboten für Geflüchtete oder ein einfacherer Zugang zu Sprachkursen. Gerade am Anfang würden auch Online-Kurse für jeden ab Tag eins helfen, bevor man monatelang auf einen Platz warten muss.

Und Robert Habeck?

Wir haben Robert ja nicht in irgendeinem Keller versteckt, er ist Vizekanzler und Wirtschaftsminister.  Natürlich brauchen wir starke Führungsfiguren wie ihn in der Partei, aber wenn wir ernsthaft näher an den unterschiedlichsten Lebensrealitäten in Stadt und Land Politik machen wollen, dann geht es doch nicht nur um Führungsfiguren.

Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen politische Entscheidungen, politische Sprache und die Debatten als lebensfern und elitär wahr. Ich will, dass wir als Partei ausschwärmen und das verändern. Da können wir viel lernen und an manchen Stellen vielleicht auch überzeugen. Wir brauchen mehr Bodenhaftung und nicht weniger.

Stichwort Bodenhaftung: Ist es bei 11,9 Prozent nicht etwas lächerlich, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen?

Wir sollten in der Tat nur Fragen beantworten, die sich auch stellen. Wir sind nach der Europawahl mit starken Blessuren vom Platz gehumpelt. Ich kann verstehen, dass sich Menschen wundern, wenn man sich dann gleich wieder als Kapitän einwechseln will.

9 Juli 2024 0 Kommentare
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Die Debatte um den Wolfsgruß hat Deutschen, Türken und Deutschtürken geschadet

von Fremdeninfo 8 Juli 2024
von Fremdeninfo

Die Debatte um den Wolfsgruß hat Deutschen, Türken und Deutschtürken geschadet

                                            Geschichte von Macit Karaahmetoğlu
                                   
                              T rotz der Niederlage ihrer Mannschaft gegen die Niderlande im Viertelfinale der EM feiern Türkei-Fans ihre Mannschaft. © Christoph Reichwein/dpa

 

Die Jubelgeste des türkischen Nationalspielers Merih Demiral, bei der er nach seinem zweiten Treffer im Achtelfinale der Fußball-EM gegen Österreich am vergangenen Dienstag die Hände zum Wolfsgruß formte, hat eine emotionale Debatte entfacht.

In vielen deutschen Medien – auch in der Berliner Zeitung – wurde der Wolfsgruß etwas vereinfachend als Erkennungszeichen der rechtsextremen Ülkücü-Bewegung gedeutet, die den Hass auf Kurden und Aleviten kultiviert, von einem großtürkischen Reich träumt und in der ultranationalistischen Partei MHP ihr politisches Sprachrohr findet. In der türkischen Öffentlichkeit wurde demgegenüber darauf beharrt, der Wolf spiele in der Mythologie der Türken eine zentrale Rolle, der Wolfsgruß sei mithin bloß Ausdruck eines selbstverständlichen Patriotismus und eine völlig legitime Meinungsäußerung.

Es dauerte keine zwei Tage, da hatten die Türkei und Deutschland wechselseitig ihre Botschafter einbestellt, die CDU ein Verbot des Wolfsgrußes gefordert und das türkische Außenministerium Deutschland Fremdenfeindlichkeit unterstellt. Und in den sozialen Medien stellten die einen pauschal die Integration der Deutschtürken infrage, während die anderen deren generelle Diskriminierung bestätigt sahen. Binnen kürzester Zeit verhärteten sich die Fronten zu allseitigem Schaden.

Als dann auch noch der türkische Präsident Erdogan kurzfristig eine Reise nach Aserbaidschan absagte, um für das Viertelfinalspiel der Türkei im Olympiastadion nach Berlin zu reisen, war absehbar, was dann tatsächlich passierte. Sowohl im Vorfeld als auch während des Spiels gegen die Niederlande wurde von türkischen Fans massenhaft der Wolfsgruß gezeigt, aus Trotz wie als Bekenntnis.

Für mich ist völlig klar: Wer den Wolfsgruß zur Provokation macht, schadet der deutsch-türkischen Freundschaft! Er schadet ihr genau wie all jene, welche die Debatte um Demirals Geste nutzen, um populistisch Stimmungen zu schüren. Das gilt für Erdogan, es gilt aber auch für die CDU.

Das ist ausgesprochen ärgerlich! Es ist ärgerlich nicht nur, weil dem Sport damit seine integrative Kraft geraubt wird, die in den heute so unfriedlichen, aufgewühlten und polarisierten Zeiten so wichtig wie wahrscheinlich seit langem nicht ist. Der Sport schafft Momente der Begegnung, er überwindet Ländergrenzen, Sprachbarrieren und kulturelle Spaltungen. In Sportmannschaften zumal spielen Menschen mit unterschiedlichen Herkünften, die sich aufeinander verlassen können müssen. Und während in Europa ein brutaler Angriffskrieg tobt, ermöglicht die Fußball-Europameisterschaft europaweit Austausch, Verständigung und Solidarität und bietet ein Forum für die Austragung eines zivilisierten Wettbewerbs.

Die populistische Stimmungsmache ist auch und vor allem deshalb ärgerlich, weil die mutwillig aufgeladene Debatte um den Wolfsgruß ganz konkrete Erfolge der gesellschaftlichen Integration in Deutschland überdeckt. Erst in der vergangenen Woche ist eine Studie der OECD zu dem Ergebnis gekommen, in Deutschland seien, mit Blick auf die Eingewanderten, die Unterschiede in den Lebensbedingungen vergleichsweise klein, der Erwerbstätigenanteil hoch und die Sprachkenntnisse gut. Und die Türkischstämmigen mit deutscher Staatsbürgerschaft haben bei den jüngsten Türkeiwahlen nicht nur mit großer Mehrheit gegen Erdogan gestimmt, dies im Gegensatz zu den Türkischstämmigen ohne deutschen Pass, sondern sind auch gesellschaftlich stark engagiert.

Die Fußball-EM war bisher ein voller Erfolg. Gastfreundliche Fans verbreiteten auf den Fanmeilen eine weltoffene Atmosphäre und feierten friedlich zusammen mit Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten. Wir sollten diesen Erfolg weder mürrisch kleinreden noch leichtfertig aufs Spiel setzen. Verzichten wir auf alles, was missverstanden werden kann und – schlimmer noch – ausschließlich den Populisten, Autokraten und Extremisten nützt, die nichts sehnlicher erhoffen als Zwietracht, Misstrauen und Streit in unseren liberalen Demokratien. Die Botschaft dieser EM ist die Fröhlichkeit. Wäre dieses wunderbare Turnier ein Organismus, es wäre das Herz, nicht die Galle.

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Zur Person: Macit Karaahmetoğlu ist seit 2021 Bundestagsabgeordneter für die SPD. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe im Bundestag und Mitglied der AG Migration.
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8 Juli 2024 0 Kommentare
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„Unerträglich“: Grünen-Politiker von Notz kritisiert Wolfsgruß bei Türkei-Spiel

von Fremdeninfo 7 Juli 2024
von Fremdeninfo

„Unerträglich“: Grünen-Politiker von Notz kritisiert Wolfsgruß bei Türkei-Spiel

                                                                Geschichte von AFP

                                                

Der Grünen-Innenpolitiker von Notz hat das massenhafte Zeigen des rechtsextremen Wolfsgrußes beim EM-Viertelfinalspiel der Türkei scharf kritisiert.
Er bekräftigte die Forderung, ein Verbot der ultranationalistischen Organisation Graue Wölfe zu prüfen. © Odd ANDERSEN
 

Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz hat das massenhafte Zeigen des rechtsextremen Wolfsgrußes beim EM-Viertelfinalspiel der Türkei scharf kritisiert. „Ich finde es unerträglich, aus Sportereignissen wie der EM rechtsnationalistische Veranstaltungen zu machen“, sagte von Notz am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. „Ich glaube, das hat im Fußball und in liberalen Demokratien nichts verloren.“ Der Grünen-Politiker forderte, ein Verbot der ultranationalistischen Organisation Graue Wölfe zu prüfen.

Türkische Fußball-Fans hatten am Samstagabend massenhaft beim Singen der Nationalhymne den Wolfsgruß gezeigt. In einem vorangegangenen Spiel hatte das der türkische Abwehrspieler Merih Demiral getan, der daraufhin vom europäischen Fußballverband Uefa für zwei Spiele gesperrt wurde.

Der Wolfsgruß ist eine Geste der Grauen Wölfe der nationalistischen „Ülkücü“-Bewegung, die vom Bundesverfassungsschutz als rechtsextremistisch bezeichnet wird. Sie ist demnach von Elementen wie Rassismus, Antisemitismus und einer Überhöhung des Türkentums geprägt.

Der Bundestag hatte schon Ende 2020 in einer von Union, SPD, FDP und Grünen unterstützten Entschließung das Bundesinnenministerium aufgefordert, ein Verbot der Grauen Wölfe zu prüfen. Dies sei weiter „absolut richtig“, sagte von Notz. „Die dahinter stehenden Fragen sind eher drängender geworden.“

Das Bundesinnenministerium hatte am Samstag auf AFP-Anfrage mitgeteilt, es könne „sich zu etwaigen Verbotsverfahren grundsätzlich nicht äußern, um mögliche künftige Maßnahmen nicht zu gefährden“. 

mt/hol 

 

 

7 Juli 2024 0 Kommentare
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EM 2024: Mesut Özil in der Entourage von Recep Tayyip Erdoğan beim Spiel gegen die Niederlande

von Fremdeninfo 7 Juli 2024
von Fremdeninfo

EM 2024: Mesut Özil in der Entourage von Recep Tayyip Erdoğan beim Spiel gegen die Niederlande

Kein Spiel während der EM ist politischer aufgeladen als das Viertelfinale der Türken gegen die Niederlande. Mitten in der »Wolfsgruß«-Debatte reist der türkische Präsident Erdoğan nach Deutschland – in Manndeckung von Mesut Özil.

                                              

                                              EM 2024: Mesut Özil in der Entourage von Recep Tayyip Erdoğan beim Spiel gegen die Niederlande © Sebastian Christoph Gollnow / dpa

 

Er landete erst kurz vor dem Anpfiff in Berlin und fuhr mit dem Maybach direkt vom Flughafen ins Olympiastadion: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan verfolgt die Viertelfinalpartie der Türkei gegen die Niederlande am Samstag auf der Tribüne des Olympiastadions im dunklen Anzug mit roter Krawatte an der Seite seiner Frau Emine.

Direkt hinter ihm hat sich der frühere deutsche Nationalspieler Mesut Özil platziert. Die beiden haben seit längerem eine enge Beziehung. Vor der WM 2018 ließ sich Özil mit Erdoğan während dessen Wahlkampf fotografieren. Nach der anschließenden Kontroverse um das Bild, in der sich nachvollziehbare Kritik mit rassistischen Anfeindungen mischte, verkündete Özil seinen Rücktritt aus der Nationalelf. Erdoğan wurde später sein Trauzeuge.

Das Viertelfinale in Berlin ist politisch heftig aufgeladen. Zahlreiche türkische Fans haben vor dem EM-Viertelfinale ihrer Mannschaft gegen die Niederlande im Berliner Olympiastadion den sogenannten Wolfsgruß gezeigt. Während der Nationalhymne war die umstrittene Geste am Samstagabend vermehrt auf den Tribünen zu sehen. Ultras hatten nach der Diskussion um den türkischen Nationalspieler Merih Demiral im Vorfeld dazu aufgerufen.

»Keine Plattform für politische Botschaften«

Die türkischen Fans waren per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert worden, sich individuell zum Stadion zu bewegen. Bereits rund eine Stunde zuvor hatten die Beamten den Fanmarsch ein erstes Mal unterbrochen und an die türkischen Fans appelliert, das Zeigen der Geste zu unterlassen. Ein Fanmarsch sei »keine Plattform für politische Botschaften«, schrieb die Polizei.

Durch die Debatte rund um den Wolfsgruß, ein Handzeichen und Symbol der türkischen rechtsextremen und ultranationalistischen Organisation »Graue Wölfe«, erhielt die Partie enorme Brisanz. Demiral hatte die Geste im Achtelfinale gegen Österreich (2:1) beim Torjubel gezeigt und war daraufhin von der Uefa für zwei Spiele gesperrt worden. Der Vorfall schlug hohe Wellen: Deutschland und die Türkei bestellten die jeweiligen Botschafter ein.

Auch Özil sorgte mit einem Bild bei Instagram für Aufsehen und heizte die Wolfsgruß-Debatte weiter an. Er teilte ein Foto des umstrittenen Jubels des türkischen Nationalspielers Merih Demiral. Versehen war es mit einer Anfeuerung für die Türkei.

Der Wolfsgruß drückt in der Regel die Zugehörigkeit oder das Sympathisieren mit der türkischen rechtsextremen Ülkücü-Bewegung und ihrer Ideologie aus. In der Türkei wird er etwa von der ultranationalistischen Partei MHP genutzt, die Partner der Regierung unter Präsident Erdoğan ist.

Durch den Wolfsgruß-Wirbel war die Stimmung vor der Partie angespannt. »Diese voreingenommene und unfaire Entscheidung hat unsere gesamte Nation zutiefst enttäuscht«, hatte Verbandspräsident Mehmet Büyükeksi in einer Verbandsmitteilung gesagt.

Özil hatte bereits im vergangenen Jahr mit einem Foto für Aufsehen gesorgt, das ihn mit einer Tätowierung auf der Brust mit drei Halbmonden und einem heulenden Wolf zeigte. Auch diese Symbole werden den »Grauen Wölfen« zugeordnet.

7 Juli 2024 0 Kommentare
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Ausschreitungen in der Türkei: Hunderte Festnahmen nach Angriffen auf Syrer

von Cumali Yağmur 6 Juli 2024
von Cumali Yağmur

 

Ausschreitungen in der Türkei: Hunderte Festnahmen nach Angriffen auf Syrer

   Von:dpa

 

Der stellvertretende Bürgermeister von Melikgazi, Rechtsanwalt Gökhan Ülke, beteiligte sich unter der Leitung des Kayseri-Gouverneurs Gökmen Çiçek an einer Sitzung, die sich den Sicherheitsmaßnahmen und der Beruhigung der Lage nach den Ausschreitungen widmete. Foto: Melikgazi Belediyesi

 
 
In der Türkei kommt es wieder zu Ausschreitungen gegen die syrischen Flüchtlinge im Land. Die Kritik an den Übergriffen ist verhalten.

Die zweite Nacht in Folge haben Menschen in der Türkei syrische Geschäfte angegriffen und Autos angezündet. In Gaziantep wurden Syrer mit Messern angegriffen, wie Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Die Zeitung Cumhuriyet schrieb von einem Verletzten. Berichten zufolge gingen Menschen auch in weiteren Städten wie Istanbul, Antalya und Bursa auf die Straße, legten Feuer und warfen Scheiben ein.

Zu ersten Ausschreitungen war es bereits in der Nacht zum Montag im zentraltürkischen Kayseri gekommen. Zuvor war ein Syrer wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch an seiner sieben Jahre alten Cousine in der Stadt verhaftet worden, wie die staatliche Nachrichenagentur Anadolu berichtete. Ein Video von der Tat breitete sich schnell aus und sorgte dafür, dass die Menschen auf die Straßen gingen. In Zusammenhang mit den Ausschreitungen wurden bisher 474 Menschen festgenommen, schrieb der türkische Innenminister Ali Yerlikaya auf X. Zugleich wurde auch eine Nachrichtensperre verhängt.

Erdoğan beschuldigt die Opposition

Die regierende AKP und Präsident Recep Tayyip Erdoğan verurteilten die Angriffe scharf. Erdoğan warf der Opposition vor, die Ausschreitungen provoziert zu haben. Die größte Oppositionspartei CHP wiederum machte Erdoğan und seine verfehlte Flüchtlingspolitik verantwortlich. Die CHP hatte vor der Präsidentschaftswahl mit dem Versprechen für sich geworben, die 3,6 Millionen Syrer im Land „zurückzuschicken“. Öffentlich verurteilt hat die Partei die rassistisch motivierten Ausschreitungen bisher nicht. Andere Oppositionsparteien verurteilten die Angriffe. Der regierungsnahe Gouverneur der Provinz Kayseri drückte gar Verständnis für die Angreifer aus.

 

Präsident Erdoğan zielte mit seiner Kritik wahrscheinlich auf Ümit Özdağ, den Vorsitzenden der Zafer-Partei. Özdağ äußerte sich ebenfalls zu den Unruhen und erklärte gegenüber Sözcü, dass die zeitgleich stattfindenden Unruhen im Norden Syriens, wo laut unbestätigten Videoaufnahmen türkische Fahnen verbrannt wurden, nicht durch die Vorfälle in Kayseri ausgelöst worden seien. Vielmehr seien sie das Ergebnis jüngster Gespräche und Handelsabkommen zwischen der Türkei und dem Assad-Regime, die von Russland unterstützt werden. Özdağ betonte, dass die Öffnung des Abu Al Zendin-Grenzübergangs und die Bemühungen, die Straße von Azaz nach Aleppo zu öffnen, die Freie Syrische Armee und die lokale Bevölkerung verärgert hätten. Er vermutet, dass ausländische Kräfte im Norden Syriens die Provokationen fördern, um die türkisch-syrischen Verhandlungen zu stören und das Staatsprojekt in der Region voranzutreiben.

Regierungsnaher Kolumnist spricht von „Provokation“

Abdulkadir Selvi, ein regierungsnaher Kolumnist der Hürriyet, warnte ebenfalls vor gezielten Provokationen nach den Angriffen in Kayseri. Er verglich die Vorfälle mit den Ereignissen in Ankara-Altındağ, wo vor einigen Jahren ebenfalls syrische Geschäfte und Häuser attackiert wurden. „Jemand versucht, Kayseri zu destabilisieren“, so Selvi.

Auf sozialen Medien verbreitet sich derweil der Hashtag „Ich will keine Flüchtlinge in meinem Land“, der bis gestern Nachmittag mehr als 3,5 Millionen Mal geteilt wurde und auch auf der Plattform X trendete. In Verbindung mit der wirtschaftlich angespannten Lage im Land ist die Situation in einigen Teilen der Türkei augenblicklich explosiv.

dpa/dtj

6 Juli 2024 0 Kommentare
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Wolfsgruß in aller Munde: Droht Merih Demiral wirklich der Ausschluss von der EM?

von Cumali Yağmur 4 Juli 2024
von Cumali Yağmur
 

EURO2024

Wolfsgruß in aller Munde: Droht Merih Demiral wirklich der Ausschluss von der EM?

dtj-online

                                                 Merih Demiral jubelt im EM-Spiel gegen Österreich und zeigt den Wolfsgruß. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

 

Am gestrigen Abend erzielte der türkische Innenverteidiger Merih Demiral vom saudi-arabischen Club Al Ahli im EM-Spiel gegen Österreich zwei Treffer, die der Türkei einen 2:1-Sieg und das Viertelfinal-Ticket sicherten. Doch der Jubel nach dem Abpfiff löste eine heftige Kontroverse aus: Demiral zeigte mit beiden Händen den Wolfsgruß – ein Symbol, das tief in der Symbolik der türkischen Rechten verwurzelt ist. Doch nicht nur.

Der Wolfsgruß (Bozkurt) ist das Symbol der türkischen Grauen Wölfe, einer ultranationalistischen Organisation, und wird häufig mit der rechtsextremen Partei MHP in Verbindung gebracht. Diese Geste ist in der Türkei ein Symbol der rassistischen und nationalistischen Bewegung, die von vielen Minderheiten im Land mit Angst und Schrecken betrachtet wird. Der Wolfsgruß wurde in der Vergangenheit von Tätern politisch motivierter Gewalt verwendet, was seine Assoziation mit Extremismus und Gewalt weiter verstärkt.

Besonders problematischer Zeitpunkt: Jahrestag vom Brandanschlag von Madımak

Der Zeitpunkt von Demirals Geste machte die Situation noch heikler: Das Spiel fand am Jahrestag des Brandanschlags von Sivas am 2. Juli 1993 statt, bei dem türkische Nationalisten und Islamisten das Madımak-Hotel in Brand setzten und 37 Menschen, hauptsächlich Intellektuelle und Künstler der alevitischen Minderheit, ums Leben kamen. Dieser Jahrestag ist für viele Türken, insbesondere für Minderheiten wie Aleviten und Kurden, ein Tag der Trauer und des Gedenkens.

Reaktionen und Forderungen nach Sanktionen

Nach dem Vorfall forderten viele Minderheitenorganisationen und Persönlichkeiten Konsequenzen für Demiral. Die UEFA leitete eine Untersuchung wegen „unangemessenen Verhaltens“ ein. Auch die deutsche Innenministerin Nancy Faeser von der SPD äußerte sich via X (ehemals Twitter) und forderte die UEFA zu Sanktionen auf: „Die Symbole türkischer Rechtsextremisten haben in unseren Stadien nichts zu suchen. Die Fußball-Europameisterschaft als Plattform für Rassismus zu nutzen, ist völlig inakzeptabel. Wir erwarten, dass die UEFA den Fall untersucht und Sanktionen prüft.“ Übrigens: Auch österreichische Fans stimmten rassistische Gesänge an, darunter das bekannte „Sylt“-Lied („Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“).

Die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal, die zur türkisch-kurdischen Minderheit der Jesiden gehört, schrieb ebenfalls auf X: „Ich will uns den Spaß nicht verderben. Ich kann und werde hierzu nicht

schweigen. Seit Jahren bekomme ich von Anhängern der #GrauenWölfe, einer der größten rechtsextremen Gruppen in Deutschland Morddrohungen. Dass Merih Demiral hier den rechtsextremen Wolfsgruß zeigt, ist eine Verhöhnung der Opfer. So bitter für die Türkei-Fans.“

Auch der Exil-Journalist Can Dündar kritisierte die Geste scharf: „Mit einer Geste die Freude der 100% auf 5% reduziert. Bravo.“

Unterstützung für Demiral und nationalistische Strömungen

Dennoch gibt es auch Unterstützung für Demiral. Der bekannte türkische Sportjournalist Yagız Sabuncuoğlu machte die Geste von Demiral zu seinem Titelbild auf X und schrieb dazu den bekannten Slogan, dass „ein Türke für den Rest der Welt ausreicht“. Nationalistische Parolen finden in der Türkei derzeit vermehrt Anklang, was sich auch in den jüngsten rassistischen Ausschreitungen in Städten wie Kayseri, Konya und Gaziantep zeigt. Dort griffen türkische Nationalisten syrische Häuser und Geschäfte an und setzten sie in Brand, wobei ebenfalls der Wolfsgruß gezeigt wurde.

Ein komplexer Kontext

Der umstrittene deutsch-syrische Journalist Tarek Baé, der sich normalerweise zugunsten der Türken positioniert, kritisierte die Geste von Demiral ebenfalls: „Ich freue mich über das Weiterkommen der Türkei. Und dann so. Ich weiß, dass man argumentieren kann, dass es zu plump ist, zu sagen, damit müsse automatisch eine rechtsextreme Position einhergehen. Ja, der Wolf ist ein weitverbreitetes nationales Symbol. Aber es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu philosophieren.“

Baé betonte, dass der aktuelle politische Kontext berücksichtigt werden müsse. Die Geste wirke angesichts der jüngsten Angriffe auf syrische Flüchtlinge in der Türkei wie eine Zustimmung zu den rechtsextremen Ausschreitungen. Dies sei mindestens ignorant oder unsensibel. Demiral selbst erklärte, dass hinter seiner Geste keine Botschaft stecke und er hoffe, sie im weiteren Turnierverlauf noch häufiger zeigen könne.

Was droht Demiral nun?

Die UEFA hat jedenfalls ein Ermittlungsverfahren gegen Demiral eingeleitet. Der Fall erinnert an die WM 2018, als albanisch-stämmige Schweizer Spieler nach einem Torjubel den albanischen Adlergruß zeigten. Damals verhängte die FIFA Geldstrafen in Höhe von 10.000 Schweizer Franken pro Spieler, ohne Sperren auszusprechen. Welche Sanktionen Demiral erwarten, bleibt abzuwarten. Doch die Zeichen stehen für den „Österreich-Besieger“ schlecht.

Denn die UEFA hatte in der Vorrunde bereits beim Spiel zwischen Albanien und Kroatien in Hamburg hart durchgegriffen. Dort hatte der Albaner Mirlind Daku nach dem viel umjubelten 2:2 in der Nachspielzeit die eigenen Fans mit nationalistischen Gesängen aufgestachelt. Daku belegte die UEFA mit einer Zwei-Spiele-Sperre und 25.000 Euro Strafe.

Der Vorfall von Demiral wirft ein Schlaglicht auf die politische Brisanz, die selbst im Sport nicht ignoriert werden kann. Die Fußball-Europameisterschaft, ein Ort der internationalen Begegnung und des sportlichen Wettkampfs, sollte nicht zur Plattform für Symbole des Hasses und der Spaltung werden.

 
4 Juli 2024 0 Kommentare
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Religion

Wir verurteilen jegliche Formen von Rassismus und Extremismus

von Cumali Yağmur 3 Juli 2024
von Cumali Yağmur

Alevitische gemeinde  Deutschland

Almanya Alevi Birlikler Fedrasyonu
PRESSEMITTEILUNG
Wir verurteilen jegliche Formen von Rassismus und Extremismus

Bei der gestrigen Fußball-Europameisterschaft zwischen der Türkei und Österreich hat der
Spieler der türkischen Nationalmannschaft Merih Demiral einen Wolfsgruß gezeigt. Der
Wolfsgruß ist ein Symbol mit rechtsextremistischen und rassistischen Konnotationen, das in
keiner Weise mit den Werten des Sports oder der Gesellschaft vereinbar ist.
Die Alevitische Gemeinde Deutschland verurteilt diesen Vorfall aufs Schärfste. Jegliche Form
von Rassismus, Extremismus und Gewalt hat keinen Platz in unserer Gesellschaft und schon
gar nicht im Sport, der für Toleranz, Respekt und Fairness steht.
Wir erinnern daran, dass am 2. Juli 1993, also genau vor 31 Jahren, 33 Menschen, die in
der türkischen Provinz Sivas an einem alevitischen Kulturfestival teilnahmen, von einem
Mob ermordet wurden, der genau mit diesen rassistischen Wolfsgrüßen jubelte. Gestern
war der 31. Jahrestag dieses grauenhaften Pogroms.
Wir fordern die UEFA und andere relevante Organisationen auf, entschieden gegen diesen
Vorfall vorzugehen und Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass derartige
Symbole und Gesten auf Sportplätzen keinen Raum finden.
Der Sport sollte eine verbindende Kraft sein, die Menschen unterschiedlicher Herkunft und
Überzeugungen zusammenbringt. Wir appellieren an alle Beteiligten, sich für diese Werte
einzusetzen und ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Extremismus zu setze

Alevitische Gemeinde Deutschland K.d.ö.R.
Stolberger Str. 317
50933 Köln
Tel: 0049-2 21-94 98 56 – 0
Fax: 0049-221-94 98 56 – 10
E-Mail: info@aabf.de

www.aabf.de

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