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Die Provinz Ostflandern entlässt eine Lehrerin, weil sie ihr Kopftuch weiter tragen will

von Fremdeninfo 15 September 2026
von Fremdeninfo 15 September 2026
Hadija Amajoud
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Andreas Kockartz

„Wir bringen den Schülern bei, dass sie wie sie selbst sein dürfen, aber ich darf nicht ich selbst sein.“ So reagierte die Lehrerin Hadija Amajoud (Foto) auf ihre Entlassung durch die Provinz Ostflandern. Ihr Vertrag wurde gekündigt, weil sie sich weigerte, ohne Kopftuch zu unterrichten. Sie ist vermutlich die erste Lehrerin in Flandern, die aus diesem Grund entlassen wurde. Die sozialistische Gewerkschaft ACOD hat gegen die Entscheidung Berufung eingelegt.

Hadija Amajoud unterrichtete seit 2022 an einer Förderschule in Assenede in Ostflandern. Bereits bei ihrem Dienstantritt trug sie ein Kopftuch. Amajoud hatte schon länger geäußert, dass sie nicht ohne Kopftuch unterrichten wolle. Daraufhin leitete die Provinz Ostflandern ein Disziplinarverfahren gegen sie ein, das jetzt zu ihrer Entlassung führte.

Die Lehrerin bedauert die Entscheidung: „Man kann nicht an der Kleidung erkennen, ob jemand neutral ist. Ich habe als Lehrerin immer gute Arbeit geleistet. Darauf sollte es ankommen“, sagte sie gegenüber VRT NWS: „Ich sage meinen Schülern jeden Tag, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Wie könnte ich ihnen weiterhin guten Unterricht bieten, wenn ich ständig sage, dass alle dazugehören, aber dass ich nicht ich selbst sein darf?“

Unterdessen hat die sozialistische Gewerkschaft ACOD angekündigt, gegen die Entlassung Berufung einzulegen. Sie will das im entsprechenden Dekret dazu vorgesehene Verfahren vor der Berufungskammer in Brüssel nutzen. „Wir werden uns so lange wie möglich dagegen wehren“, sagte ACOD-Gewerkschaftsvertreter Kristof Bruyland, der die Entscheidung auch als Präzedenzfall bezeichnete.

„Rein politisch“

Für Amajoud geht es in der Diskussion auch um die Grenzen dessen, was ein Arbeitgeber auferlegen darf. „Wie weit darf ein Arbeitgeber gehen, um die persönliche Freiheit eines Lehrers einzuschränken?“, fragt sie sich. Sie nennt die Auslegung des Neutralitätsbegriffs durch die Provinz „rein politisch“.

„Angesichts des Lehrermangels sollten wir vielleicht darüber nachdenken, wie wir den Begriff ‚Neutralität‘ definieren wollen“, sagte Hadija erst vor wenigen Wochen: „Eigentlich ist niemand neutral. Jeder Lehrer steht mit seinen eigenen Überzeugungen vor einer Klasse. Wenn man einer kompetenten Lehrerin mit sonderpädagogischer Ausbildung aufgrund ihres Kopftuchs den Unterricht verwehrt, betrachte ich das als Verlust, denn auch ich repräsentiere einen Teil der Gesellschaft.“

Die Provinz steht hinter der Entlassung

Der Provinzdeputierte für Bildung Kurt Moens (N-VA, flämische Nationaldemokraten) verteidigt die Entscheidung der Provinzverwaltung, Amajoud zu entlassen. „Als Provinzregierung sind wir verpflichtet, die Einhaltung einer demokratisch beschlossenen Personalordnung zu gewährleisten“, sagt er.

Amajoud fühlt sich von der Provinzverwaltung eingeschüchtert: „Ihr Vorgehen war alles andere als respektvoll. Sie haben Druck auf mich, eine erwachsene Frau, ausgeübt. Ich habe das Recht auf Selbstbestimmung. Wenn mir dann jemand sagt, ich müsse mein Kopftuch abnehmen, empfinde ich das als sehr einschüchternd.“

Verbot religiöser Symbole

Seit Beginn dieses Schuljahres gilt in allen Schulen der Provinz Ostflandern ein Verbot religiöser Symbole. Weder Lehrkräfte noch Schüler oder Schülerinnen dürfen daher Abzeichen, Symbole oder Kleidung tragen, „die eine politische oder religiöse Überzeugung zum Ausdruck bringen“, so die Provinzverwaltung.

Das Verbot war schon länger in Planung. Die Provinzverwaltung wollte es bereits im letzten Schuljahr umsetzen, doch die flämische Innenministerin Hilde Crevits (CD&V, flämische Christdemokraten) hob es seinerzeit aufgrund eines Verfahrensfehlers auf.

Die Provinz legte damals keinen Einspruch ein, durchlief das Verfahren aber erneut. Dieser zweite Versuch wurde schließlich genehmigt. Daraufhin wandten sich sechs Schüler und mehrere Organisationen an den Staatsrat, der ihre Klage jedoch abwies.

Das flämische Institut für Menschenrechte hatte zuvor geurteilt, dass es sich in Amajouds Fall um Diskriminierung und Einschüchterung handele. Amajoud legte daraufhin auch Berufung beim Gericht erster Instanz ein, ihr Antrag auf summarisches Verfahren wurde jedoch Anfang dieses Jahres abgewiesen.

 

 

 

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