Von: Isa Turan /Schweden
Hier ist die Übersetzung Ihres Textes ins Deutsche:
Herzlichen Glückwunsch, Sie verzeichnen einen kleinen Rückgang beim Rechtspopulismus, aber dennoch haben sie sich global mit Werten um die 20-Prozent-Marke in den europäischen Ländern als eine institutionalisierte, hegemoniale Macht im Zentrum etabliert, die man nicht mehr übersehen darf.
Diese Situation zeigt uns in Wahrheit eine Realität: In den 27 Ländern der Europäischen Union sowie in vielen europäischen Staaten außerhalb der Union gibt es eine gesellschaftliche, rassistische Basis, die jederzeit mobilisiert werden kann. Denn der fundamentale Ausgangspunkt und der politische Diskurs dieser Parteien sind auf rassistische Narrative fokussiert. Andere Themen, die sie vergleichsweise aufgreifen – wie die Leugnung der Klimakrise, eine vermeintliche Anti-Kriegs-Haltung usw. – spielen in den Augen der Wählerschaft keine allzu große Rolle.
Schließlich existierte dieser Trend bereits vor den Kriegen. Wenn ich mich recht entsinne, erzielte 2001 in Deutschland erstmals die Partei des Richters Roland Schill allein mit einem antimigrantischen Diskurs in Hamburg über 20 Prozent der Stimmen und bildete eine Koalition mit der CDU. Nachdem die Regierung später stürzte – wenn ich mich richtig erinnere –, nahm er in Brasilien nackt an der Unterhaltungssendung Promi Big Brother teil. Heute macht er in Brasilien keinen Hehl daraus, Kokain zu konsumieren und zu spielen; während der Koalitionszeit war er Innensenator – sprich: Der Bock wurde zum Gärtner gemacht.
Das gleiche Szenario begegnete uns in einer Figur, die die transatlantische Supermacht regiert. Und heutzutage begegnet uns in Deutschland mit einer doppelten Moral – und meiner Meinung nach die gefährlichste von allen – eine Person mit akademischem Titel: Alice Weidel. Die Frau ist lesbisch, lebt mit einer linksgerichteten Frau aus Sri Lanka und zwei Kindern in der Schweiz, und ihr Großvater war ein promovierter Nazi-Jurist.
Die Partei, deren Vorsitzende sie heute ist, reicht in jedem Landesparlament, in dem sie vertreten ist, unentwegt Kleine Anfragen ein, die pluralistische sexuelle Identitäten ablehnen. In ihren Wahlkämpfen führt sie aggressive Kampagnen gegen diese Menschen sowie gegen Bildungseinrichtungen in diesem Bereich und steigert ihre Stimmenzahl von Tag zu Tag.
Eine weitere wichtige Figur der Partei, Björn Höcke, ist gerichtlich attestiert ein Faschist und führt die AfD in Thüringen an (wo kürzlich Landtagswahlen stattfanden). Ihr zentrales Propagandamotiv lautet: „Die geschwächte männliche Hegemonie wieder aufbauen.“ Blickt man auf das Wählerprofil der letzten Wahlergebnisse, kann man sagen, dass sie damit durchaus erfolgreich waren.
Nun steht uns ein interessantes Bild gegenüber: Die Parteivorsitzende ist lesbisch, während der Parteichef im erfolgreichsten Bundesland die männliche Hegemonie wiederherstellen will. Wir haben es hier mit einer Wählerschaft zu tun, die für diese Doppelmoral empfänglich ist. Die elite Oberschicht dieser Parteien, die dies erkannt hat, nimmt – wie es der Zufall so will – Gramsci als theoretische Referenz, genauer gesagt seine Hegemonietheorie, und setzt diese äußerst geschickt ein. Sie haben einen historischen Block gebildet und die hegemoniale Überlegenheit erlangt.
Ich würde ja sagen: „Viel Erfolg bei unserer Aufgabe“, aber so einfach ist das nicht.