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Wir kämpfen, wir sterben“: Proteste im Iran nach Tod einer Frau Von

von Fremdeninfo 25 September 2022
von Fremdeninfo 25 September 2022
373

 

„Wir kämpfen, wir sterben“: Proteste im Iran nach Tod einer Frau

Von

dtj-online

–

22.09.2022

 
Tehran: Demonstranten skandieren während eines Protestes in der Innenstadt von Teheran Parolen gegen den Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini. Foto: Uncredited/AP/dpa

Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Polizeigewahrsam entlädt sich bei Protesten im Iran die Wut und Trauer vieler Menschen. Dabei geht es um mehr als nur ihren Fall.

Erneut sind im Iran nach dem Tod einer jungen Frau Tausende Menschen auf die Straßen gegangen. Bei den landesweiten Protesten wurden nach Angaben iranischer Medien vom Mittwoch auch mindestens sechs Menschen getötet. Unter ihnen seien mindestens ein Polizist und fünf weitere Teilnehmer der Proteste.

Die genaueren Umstände ließen sich zunächst nicht überprüfen. US-Präsident Joe Biden sagte den Demonstranten in seiner Rede bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung am Mittwoch in New York seine Unterstützung zu. „Heute stehen wir mit den mutigen Bürgern und den mutigen Frauen des Irans, die zu diesem Zeitpunkt demonstrieren, um ihre grundlegenden Rechte zu sichern.“

Sittenpolizei nahm Mahsa fest

Zuvor hatte bei der Veranstaltung bereits Irans Präsident Ebrahim Raisi gesprochen und dem Westen Doppelmoral bei den Menschenrechten vorgeworfen. Der Westen positioniere sich zu einem Fall im Iran, der noch untersucht werde, aber schweige „über den Mord Dutzender Frauen“ in einem anderen Land, sagte Raisi. Auf Details ging er nicht ein.

Auslöser der Demonstrationen ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Sie war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen ihres „unislamischen Outfits“ festgenommen worden. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah ist unklar, jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus.

„Wir kämpfen, wir sterben“

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. In zahlreichen Städten strömten die Menschen auf die Straßen. Neben regierungskritischen Slogans wurde immer öfter gerufen: „Wir kämpfen, wir sterben, wir werden uns den Iran zurückholen.“

Sogar in der erzkonservativen Stadt und dem schiitischen Zentrum Ghom demonstrierten junge Menschen gegen die islamischen Kleidungsvorschriften. Auch auf der Urlaubsinsel Kisch im Persischen Golf, die als besonders ruhig gilt, wurden Proteste gemeldet.

Auch Tote in Kurdistan

Videos in den sozialen Medien, deren Echtheit nicht verifiziert werden konnte, zeigten, wie Demonstranten Sicherheitskräfte verprügelten oder wie Frauen ihre Kopftücher in Brand steckten. Der Gouverneur der iranischen Provinz Kurdistan hatte am Dienstag drei tote Demonstranten gemeldet.

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Istanbul: Eine Frau ruft Parolen neben einer iranischen Fahne während einer Demonstration vor der iranischen Botschaft nach dem Tod der Iranerin Mahsa Amini. Foto: Francisco Seco/AP/dpa

Auch in Kermanschah im Zentraliran seien zwei Personen unter „verdächtigen“ Umständen gestorben. In beiden Fällen wiesen die Behörden aber ein Einwirken durch Sicherheitskräfte zurück. Im Nachbarland Türkei versammelten sich Iraner am Mittwoch vor dem iranischen Generalkonsulat in Istanbul und protestieren in Solidarität mit ihren Landsleuten.

Alter Trick: Internet eingeschränkt

Als eines der letzten freien sozialen Netzwerke wurde Instagram stark eingeschränkt. Live-Metriken zeigten bei allen großen iranischen Internet-Providern Störungen, wie die Organisation Netblocks am Mittwoch berichtete. Bereits in der Vergangenheit wurde das Internet im Iran bei Protesten stark eingeschränkt.

Unterdessen häuften sich Stimmen, die eine Lockerung der strengen Kleidungsvorschriften und damit einen Kurswechsel der Regierung fordern. „Ein Gesetz, das die Mehrheit der Gesellschaft nicht befolgt, muss revidiert werden“, sagte etwa der ehemalige Bürgermeister der Hauptstadt Teheran, Gholam Hussein Karbastschi.

Kleidungsvorschriften seit Einführung umstritten

Auch der frühere Präsident Mohammed Chatami hatte Kritik geäußert. Sogar der Enkel des Revolutionsgründers Ajatollah Ruhollah Chomeini äußerte Kritik und forderte eine gründliche Untersuchung. Die strengen Kleidungsvorschriften gehören laut Experten aus Teheran zu den ideologischen Prinzipien der islamischen Republik.

Unterstützer des Systems fürchten einen Dominoeffekt, sollte der Staat den Frauen bei der Wahl der Kleidung große Zugeständnisse machen. Die konservative Zeitung „Keyhan“ warf den Reformern vor, den Tod Aminis für politische Zwecke zu missbrauchen.

Frankfurt/Main: Eine Iranerin beteiligt sich vor dem US-Konsulat in Frankfurt an einer Demonstration gegen das politische Regime im Iran. Dabei hält sie ein Plakat mit dem Bild der 22-jährigen Mahsa Amini in den Händen. Foto: Boris Roessler/dpa

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen sehen viele Frauen die Regeln inzwischen aber eher locker und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur auf dem Hinterkopf – zum Ärger erzkonservativer Politiker. Religiöse Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger anwenden zu lassen.

dpa/dtj

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