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Sabah veröffentlicht Adresse des Exil-Journalisten Cevheri Güven

von Fremdeninfo 25 September 2022
von Fremdeninfo 25 September 2022
235

Sabah veröffentlicht Adresse des Exil-Journalisten Cevheri Güven

Von

dtj-online

–

23.09.2022

 

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Die „Sabah“ veröffentlichte den Wohnsitz von Cevheri Güven in Deutschland. Foto: Screenshot.

Journalismus lebt von Freiheit. Es gibt aber auch Grenzen. Das türkische Regierungsblatt „Sabah“ zeigt, wie Journalismus gezielt gegen Einzelne eingesetzt werden kann. Gegenüber DTJ-Online äußert sich der Betroffene exklusiv.

„Journalismus druckt, was andere nicht gedruckt haben wollen. Alles andere ist Öffentlichkeitsarbeit“, sagte einst der englische Autor George Orwell. Diesen so wichtigen Satz über die Substanz des Journalismus, als einen ehrenwerten und gesellschaftlich relevanten Beruf, hat die türkische Tageszeitung „Sabah“ offensichtlich nicht wirklich verstanden.

Deutlich wurde das in einem jüngsten Bericht, den die Zeitung auf der Titelseite als „Special Story“ lancierte. Dabei ging es um den türkischen Exil-Journalisten Cevheri Güven. Einem der bedeutendsten Investigativ-Journalisten der türkischen Presselandschaft. Mit seinen YouTube-Videos deckt er Korruption in den höchsten türkischen Regierungskreisen auf.

Fotos von Güvens Wohnhaus veröffentlicht

Mit seinen Kommentaren und Vertiefungen zu den Enthüllungen von Sedat Peker erreicht er Hunderttausende Zuhörer:innen. Die „Sabah“ hat in Hessen laut eigenen Angaben mehrere Monate nach ihm gesucht. Schließlich habe man den „Landesverräter“ ausfindig gemacht und ihn bei einem Gang in seinem Viertel gefilmt.

Und genau diese Bilder kamen auf die Titelseite der „Sabah“. Doch damit nicht genug. Die Zeitung hat Fotos von dem Haus, in dem Güven mit seiner Ehefrau und seinen Kindern wohnt, öffentlich gemacht. Gefundenes Fressen für aggressive türkische Regierungsfanatiker und den türkischen Geheimdienst.

Wie reagiert der deutsche Staat?

Der unter Polizeischutz stehende Güven tauchte bereits mehrfach auf sogenannten Todeslisten des türkischen Staates auf. Unter genannten Gesichtspunkten wird Güven nicht mehr an besagter Adresse bleiben können. Nachdem die Familie mit großen Mühen zunächst über den Evros nach Griechenland und von dort aus nach Deutschland fliehen musste, hatten sie wie Zehntausende andere türkische Flüchtlinge auch ein zweites Leben in Deutschland begonnen. Ein Umzug beträfe damit nicht nur Güven, der ein ausgewähltes Ziel für die türkische Regierung ist, sondern auch seine Familie.

Auf den denunzierenden Bericht der Zeitung gibt es in Deutschland bislang keine bedeutenden Reaktionen. Dabei ist das Blatt berüchtigt, zum Beispiel hatte die „Sabah“ über Monate eine WhatsApp-Hotline für das Ausspionieren von Andersdenkenden in Deutschland veröffentlicht.

„Propagandist von FETÖ“

Doch durch die offene Gefährdung des leiblichen Wohls von Schutzsuchenden und ihren Angehörigen, samt Kindern, erreicht die „Sabah“ eine völlig neue Qualität. Und die Zeilen unter den Bildern sind nichts weiter als Hassrede und Hetze.

So schreibt die Zeitung: „Der Propagandist von FETÖ (Bezeichnung der türkischen Regierung für die Gülen-Bewegung) setzt die Produktion seiner Verleumdungsvideos an seinem Zufluchtsort Deutschland fort. Sabah hat Güven in seinem Loch in Babenhausen ausfindig gemacht“.

Erk Acarer verurteilt „Sabah“-Artikel scharf

Unter dem Foto von Güven auf offener Straße schreibt das Blatt, dass er in Babenhausen in völliger Freiheit spaziere. Auf diese Veröffentlichung reagierte ein anderer prominenter Exil-Journalist: der an seinem Wohnort bereits tätlich angegriffene Erk Acarer.

Dies sei keinesfalls Journalismus, sondern ein Zeichen für den Verlust jeglichen Anstandes. Acarer geht sogar davon aus, dass der „Sabah“-Artikel in ausgefertigter Form durch den Geheimdienst zur Verfügung gestellt worden sei.

Güven: „Video ist der Grund für diese Aktion“

Güven äußerte sich auch gegenüber DTJ-Online. Er werte diese Veröffentlichung als Zeichen, dass er mit seinem Video vom 4. September endgültig zum offenen Ziel der türkischen Regierung geworden sei. „In dem Video habe ich erstmals eine eindeutige Verbindung zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT und den Ereignissen in der Putschnacht vom 15. Juni 2016 aufgedeckt und belegt“, so Güven.

In jenem Beitrag macht er auf eine historische Szene im türkischen Fernsehen aufmerksam. Die Szene spielt sich in der Putschnacht ab. Jede/r dürfte sich sich an die eine Szene erinnern, als Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan bei CNN Türk mit Moderatorin Hande Fırat per FaceTime telefoniert, um die Bevölkerung auf die Straßen zu rufen.

„Video hat türkische Öffentlichkeit in Aufruhr gebracht“

Als die Kameras in Nahaufnahme auf das Smartphone von Fırat gerichtet sind, kommt plötzlich ein ungelegener Anrufer dazwischen. Auf dem Display von Fırat wird der Name Nuh Yılmaz ersichtlich. Irritiert von dem unglücklichen Zufall drückt Hande Fırat den Anrufer weg. Denn dieser ist ein Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes MIT.

„In meinem Video habe ich offengelegt, dass Fırat und Yılmaz genau einen Tag vor dem Putschversuch auch schon in Kontakt standen. Mein Video hat die türkische Öffentlichkeit in Aufruhr gebracht. Diese Veröffentlichung in der ‚Sabah‘ soll mich

 
 
 
 
 
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