• Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Fremdeninfo
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Fremdeninfo
Fremden Info
Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Startseite Archive

Bundespräsident empfängt Juden und Muslime: „Viele fragen sich, ob sie im Land noch einen Platz haben“

von Fremdeninfo 8 November 2023
von Fremdeninfo 8 November 2023
402

 

Bundespräsident empfängt Juden und Muslime: „Viele fragen sich, ob sie im Land noch einen Platz haben“

Artikel von Julius Betschka  •Tagessiegel

 

Am Mittwoch hat sich der Bundespräsident in einer Ansprache an die Deutschen gerichtet. In der Diskussion wurden vor allem die Leerstellen offenbar, die deutsche Politiker lassen – auch Steinmeier selbst.

Steinmeier bei einer Rede in Bratislava © Foto: AFP/VLADIMIR SIMICEK

 

Die Worte von Jouanna Hassoun hallen im Großen Saal von Schloss Bellevue wie eine Ohrfeige an die deutsche Mehrheitsgesellschaft. „Es ist längst kein Risiko mehr, es ist schon eingetroffen, dass sich viele Menschen in diesem Land fragen, ob sie hier noch einen Platz haben“, sagt Hassoun.

Die in Palästina geborene Sozialmanagerin Hassoun schaut mit klarem Blick und Beben in der Stimme in das Rund des Tisches. „Viele arabische Jugendliche haben sich hier immer wohlgefühlt. Jetzt sind sie verzweifelt.“

 „Ich empfinde einen Schmerz, und auch Jouanna empfindet Schmerz“

Gemeinsam mit anderen Muslimen und Juden, die sich für Verständigung einsetzen, wurde Hassoun von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Mittwoch hierhin eingeladen.

 Was war, das war, aber es darf nie wieder geschehen.

Margot Friedländer, Holocaust-Überlebende

Steinmeier sitzt mit in der Runde, hört konzentriert zu. Die Holocaustüberlebende Margot Friedländer ist Ehrengast, sitzt mit am Tisch, dazu die jüdischen und muslimischen Macher vorbildlicher Projekte gegen Hass. Leute also, denen man wohl zuhören sollte.

Hassoun spricht von der Situation an den Schulen im Land, von den täglichen Videos vom Sterben in Gaza in den sozialen Medien. Seit Langem setzt sie sich gemeinsam mit dem Juden Shai Hoffmann für Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein. Beide sitzen nebeneinander.

eit dem 7. Oktober ist die Lage für ein Miteinander wie ihres, so wirkt es, fast aussichtslos. Auch in Deutschland. Shai Hoffmann sagt: „Ich empfinde einen Schmerz, und auch Jouanna empfindet Schmerz. Beides ist berechtigt. Das muss auch die Politik anerkennen.“

Ausgerechnet hier im Schloss wird offenbar, wie weit entfernt die politische Debatte in Deutschland von der Realität in Klassenzimmern und auf den Straßen ist.

Wie groß die Leerstelle scheint, die gerade der muslimische Teil der Bevölkerung bei der Anerkennung des eigenen Leids erkennt. Wie es vielleicht auch mancher Jude trotz der Solidaritätsworte für das eigene Leid verspürt.

Vergangene Woche etwa wurde Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für eine Rede gelobt, in der er die Komplexität der Lage in Nahost – endlich einmal – auf den Punkt brachte.

Weder Bundeskanzler noch Bundespräsident hatten zuvor an prominenter Stelle Worte des Miteinanders an alle Deutschen gerichtet. Viele Muslime im Land hatten unterdessen immer stärker das Gefühl, zu Mitschuldigen erklärt zu werden; viele Juden haben Angst vor dem wachsenden Hass auf sie.

Habeck zumindest hatte sich nicht nur mahnend an die Muslime im Land gewandt, sondern auch mitfühlend gesprochen. Ein Satz der Verständigung.

An diesem Mittwoch sollte Bundespräsident Steinmeier sein Wort zurückfinden. Fast auf den Tag genau einen Monat nach dem grausamen Terrorangriff der Hamas auf Zivilisten in Israel und dem Beginn der israelischen Gegenangriffe auf Gaza wendete sich das deutsche Staatsoberhaupt vor Beginn des Runden Tisches an die arabischstämmigen Menschen im Land.

Steinmeier appelliert auch an die Muslime

Steinmeier verurteilt scharf den Antisemitismus, erklärt den Juden sein Mitgefühl, sagt aber auch: „Sie alle sollen Raum haben, um Ihren Schmerz und Ihre Verzweiflung über die zivilen Opfer in Gaza zu zeigen, mit anderen zu teilen.“

Dann folgt ein Appell, von dem offen ist, ob er nicht längst zu spät kommt: „Ich bitte Sie, die Menschen mit palästinensischen und arabischen Wurzeln in Deutschland: Lassen Sie sich von den Helfershelfern der Hamas nicht instrumentalisieren!“ Steinmeier spricht die „innere Zerrissenheit“ von Juden und Muslimen an, äußert Verständis für die Furch um Angehörige. Es ist ein neuer Ton, er passt.

Derviş Hızarcı sitzt neben Margot Friedländer an diesem Tisch, begleitet sie zu Beginn des Gesprächs zu ihrem Stuhl. Am Haus seiner Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus haben sie das Schild abnehmen müssen, die genau Adresse aus dem Internet entfernt.

Hizarci warnt: „Es gibt eine Tendenz der Polarisierung. Die bestärkt wird von der Politik. Es wird immer schwieriger, zusammenkommen.“

Diese Runde bietet eine seltene Gelegenheit

Er selbst habe zu einem Fest des Vereins einladen wollen. „Was schreib’ ich in die Einladung, habe ich mich gefragt? Es war noch nie so schwer, die richtigen Worte zu finden“, sagt Hızarcı. „Ich habe auch ihnen mit großen Ohren zugehört, ob sie alles richtig gemacht haben, Herr Steinmeier.”

Es ist ein Gefühl des Misstrauens und der Angst vor dem falschen Wort, das sich in die öffentliche Rede eingeschlichen hat. Hızarcı benennt es, ohne jedes falsche Wort.

Der Zentralrat der Muslime sitzt nicht mit an diesem Tisch, dem – ob nun richtig oder nicht – Verharmlosung des Terrors der Hamas zur Last gelegt wird, auch andere Islam-Verbände ließ man lieber aus.

Im Bundespräsidialamt hatte man zu diesem Termin bewusst Menschen eingeladen, die frei sind von jedem Verdacht. Die sich einsetzen fürs Miteinander. So entsteht eine seltene Gelegenheit in diesen Tagen: eine empathische Runde, deren Weltschmerz sich nicht in Hass wendet.

Es kommt einem fast tragisch vor, dass das Gespräch nicht live ins Fernsehen übertragen wird – oder auf Tiktok und in Bundestagsbüros. Steinmeier jedenfalls hat schon weitere Gespräche versprochen.

Imam Ender Cetin sitzt gemeinsam mit dem Rabbiner Elias Dray am Tisch. Der Imam erinnert an den Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 2001. Damals sei er in Deutschland vom Migranten zum Muslim geworden, zum Feindbild.

Neben ihm nickt Rabbiner Dray. Cetin sagt: „Wenn ich sehe, was da jetzt für Wut ist bei den Palästinensern, dann erinnert mich das an diese Zeit 2001.“

Durch die Nähe, die Fotos und Videos auf jedem Kinderhandy sei es eigentlich noch viel gefährlicher. Am Tisch sitzt auch Margot Friedländer.

Konzentriert und ruhig hört die 102-Jährige zu, hier an diesem Tisch im Schluss Bellevue, mit Muslimen und Juden.

Was war, das war“, hatte sie eingangs gesagt, „aber es darf nie wieder geschehen.“

Teilen FacebookTwitterWhatsappEmail
Fremdeninfo

Redaktioneller Fokus auf Recht, Politik und Soziales im Kontext von Migration. Wir beobachten Hintergründe und stärken die Position von Einwanderern und Geflüchteten.

vorheriger Beitrag
NRW-Minister Reul fordert vom Bund Verbot islamistischer Gruppen
nächster Beitrag
Asyl-Erstanträge: Bundesamt für Migration verzeichnet höchsten Wert seit 2016

Ähnliche Beiträge

Hinweise auf Anschläge zu Weihnachten: Türkei startet Großrazzia gegen IS

25 Dezember 2025

30 Jahre TGD: Ein Rückblick auf drei Jahrzehnte Engagement und der Blick nach...

4 Dezember 2025

Zahlreiche Organisationen  haben  in Hannover zu einer Demonstration aufgerufen

27 Oktober 2025

Merz stellt sich vehement hinter seine „Stadtbild“-Aussage – und sagt der AfD den...

20 Oktober 2025

Extremistenfest unterstützt? Kieler OB-Kandidat Samet Yilmaz verliert Posten beim Verfassungsschutz

15 Oktober 2025

Ist Deutschland ein Zuhause für alle, die hier leben?

13 Oktober 2025

Beliebte Artikel

  • Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025

    22 Juli 2025
  • Ermittlungen gegen Ex-SPD-Ratsfrau Iri: Was ist am Kronsberg wirklich passiert?

    28 April 2026
  • Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche

    4 Dezember 2025
  • Journalist und Aktivist Hakan Tosun stirbt nach brutalem Angriff

    14 Oktober 2025
  • Der Löwenanteil -Para _Şêr

    19 August 2025

Unser Team

Cumali Yağmur

Verantwortliche Redaktor

Ayşe Eker

Ayşe Eker

Redaktorin

Erdoğan Sedef

Erdoğan Sedef

Redaktor

Rojin Erten

Rojin Erten

Redaktor

Can Taylan Tapar

Can Taylan Tapar

Redaktor

Halit Yaşar Demirbağ

Halit Yaşar Demirbağ

Redaktor

Kategorien

  • Allgemein
  • Archive
  • Impressum
  • Politik
  • Religion
  • Flüchtlinge
  • Kultur
  • Frauen
  • Jugend
  • Salafismus
  • Veranstaltungen
  • Information
  • Rassismus
  • Antisemitismus
  • Fremdenfeindlichkeiten
  • Bildung
  • Featured

Neueste Artikel

  • Die anderen Parteien können nicht akzeptieren, dass Die Linke bei den Berliner Wahlen den ersten Platz belegt hat.

    1 Oktober 2026
  • Willkürrecht in Hannover

    30 September 2026
  • 27. September 2026: Mitglieder äußern sich zur Polizeirazzia im kurdischen Verein

    29 September 2026
  • Linke zeigt deutschen Innenminister an

    29 September 2026
  • Wüst äußert sich nach ungewöhnlichem Treffen mit Erdogan – und dankt türkischen Migranten

    29 September 2026

Über uns

Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

Am 27. September 2026 führte die Polizei in Hannover eine Razzia im kurdischen Verein in der Kornstraße 17 durch.

28 September 2026

Neueste Artikel

Willkürrecht in Hannover
30 September 2026
27. September 2026: Mitglieder äußern sich zur Polizeirazzia im kurdischen Verein
29 September 2026
Linke zeigt deutschen Innenminister an
29 September 2026

Hervorgehoben

Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025
22 Juli 2025
Ermittlungen gegen Ex-SPD-Ratsfrau Iri: Was ist am Kronsberg wirklich passiert?
28 April 2026
Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche
4 Dezember 2025
  • Startseite
  • Anmelden
  • Über uns
  • Kontakt
  • Datenschutzerklärung
  • Newsletter
  • Impressum
Fremdeninfo
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung