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„Wir stoßlüften auch“: Kopftuchträgerinnen wollen „Miss Germany“ werden

von Cumali Yağmur 6 März 2026
von Cumali Yağmur 6 März 2026
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Von : dpa/dtj

 

An diesem Wochenende wird die neue „Miss Germany“ gewählt. Unter den Kandidatinnen sind auch zwei Frauen, die sich immer wieder anhören müssen, nicht deutsch genug zu sein.
Büsra Sayed und Amina Ben Bouzid bekommen im Moment einiges ab. Die jungen Frauen wollen an diesem Wochenende „Miss Germany“ werden und weil sie dabei einen Hijab tragen, ein Kopftuch, ist ihre Kandidatur für einige – vor allem Männer – alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

„Ist Deutsch-Sein eine bestimmte Frisur?“

„Alltagsrassismus haben wir vorher schon erlebt“, sagt Sayed, eine 27 Jahre alte Unternehmerin aus Berlin, der Deutschen Presse-Agentur. „Man bekommt rassistische Hate-Kommentare aufgrund des Aussehens, aufgrund des Tuns, aufgrund der Religion und daher kannten wir das schon.“ Seitdem sie aber „Miss Germany“-Kandidatin ist und als eine von neun Finalistinnen in der Endrunde steht, sei das Ausmaß ein anderes. „Das wird oft infrage gestellt: Wie willst du denn die deutsche Frau repräsentieren?“, erklärt sie. „Und da denke ich mir: Okay, ist Deutsch-Sein eine bestimmte Frisur? Dann gib mir einen Frisurenkatalog.“

Ähnlich geht es auch der ein Jahr älteren Amina Ben Bouzid aus Wiesbaden. „Ich vergesse immer selbst mein Kopftuch, weil es für mich so eine Normalität ist. Und erst wenn dann jemand darüber spricht, denke ich: Ach ja, stimmt, es ist ja gar nicht so eine Normalität“, sagt sie der dpa.

Aber: „Es muss immer irgendjemand diese ersten Schritte gehen. Und ich bin eigentlich auch sehr froh und sehr happy, dass ich das mit Büsra sein darf, weil es für uns auch tatsächlich wirklich eine Art Ehre ist. Ich halte es nicht für eine Bürde, sondern es ist wirklich eine Ehre, dass wir diese ersten Schritte gehen dürfen und dass Mädchen, die sich mit uns identifizieren können, weiter in den Fußstapfen laufen können.“

Insgesamt neun Frauen stehen an diesem Samstag (7. März) in den Bavaria Studios bei München im Finale der Wahl zur „Miss Germany“, darunter neben den beiden eine Biologin und eine Presseoffizierin der Bundeswehr, die sich aus mehr als 2.600 Bewerberinnen durchsetzten.

Gesucht: DAX-Vorständinnen, keine Beauty-Influencerinnen

Die Verantwortlichen wollen das Ganze – anders als früher – explizit nicht mehr als Schönheitswettbewerb verstanden wissen. Man suche „nicht nach den nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern nach zukünftigen DAX-Vorständinnen und erfolgreichen Gründerinnen“.

Die amtierende „Miss Germany“ ist die Ärztin Valentina Busik, die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet und die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem voranbringen will.

Büsra Sayed, die ein Modelabel gegründet hat, das Frauen mit dem traditionellen Kopftuch Hijab stärker sichtbar machen soll, tritt als Nachwuchsgründerin in der Kategorie „Female Founder“ an. Amina Ben Bouzid, die von Frauen geführte Marken beim Wachstum unterstützt, kandidiert in der Kategorie „Female Leader“.

Sayed: Hass kommt überwiegend von Männern

„Eine „Miss Germany“ zu sein mit einem Kopftuch wird insgesamt einfach angezweifelt, weil man ja nicht deutsch gelesen ist“, zeigt sich die Wiesbadenerin enttäuscht. Auf die Frage, was denn für sie deutsch sei, antwortet sie: „Wir sind deutsch!“ und die 27-jährige Sayed fügt hinzu: „Wir stoßlüften auch.“

Diejenigen, die sich rassistisch oder sexistisch äußerten, seien „zu etwa 90 Prozent“ Männer, schätzt Sayed. „Und daran sieht man auch: Bei Frauen findet sich leider immer irgendetwas, worauf sie reduziert werden können. Hate, Rassismus und Sexismus kommen in meinem Fall überwiegend von Männern.“

So sieht das auch ihre Mitstreiterin: „Wenn Frauen in die Sichtbarkeit gehen, gibt es immer etwas, das kritisiert wird: unterschiedliche Herkünfte, Aussehen, whatever“, sagt sie. „Sie ist entweder zu dick, zu dünn, zu laut, zu leise, zu sichtbar, zu wenig sichtbar. Deswegen glaube ich, ist das einfach ein insgesamt generelles Problem – gerade für die männliche Bevölkerung – wenn man sieht, dass Frauen für sich einstehen und halt ihren Weg gehen wollen.“

 

 

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Cumali Yağmur

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