„Über Ihre einseitige Berichterstattung“

von Fremdeninfo

 

Lesebriefe  von: Mehmet  Kara

Ich verfolge Ihre Beiträge auf Fremdeninfo regelmäßig. Dabei stelle ich fest, dass Sie in Ihren Veröffentlichungen zum Nahen Osten eine einseitige Haltung einnehmen und einen antisemitischen Ansatz gegenüber Israel verfolgen. Ich habe den Eindruck, dass Sie das Existenzrecht Israels als Staat nicht verteidigen, sondern stattdessen eine rein pro-palästinensische Position beziehen. Zudem denke ich, dass Sie vor bestimmten Entwicklungen im Nahen Osten die Augen verschließen und diese Themen nicht ausreichend behandeln.

Andererseits schätze ich Ihre sehr gehaltvollen und qualitativ hochwertigen Beiträge gegen Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland sehr. Ich halte Sie für eine wichtige Plattform im Kampf für Migrantenrechte und unterstütze Ihren Vorschlag zur politischen Organisierung (Parteibildung) von Migranten. Dennoch bitte ich Sie, Ihre Haltung gegenüber Israel und dessen Staatsrecht zu überdenken. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer publizistischen Tätigkeit.“

Sehr geehrter Herr Mehmet  Kara

wir werden versuchen, Ihnen eine inhaltlich fundierte Antwort auf Ihr Schreiben zu geben. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt unserer Veröffentlichungen auf Migrationsthemen in Europa und insbesondere in Deutschland; in diesen Bereichen produzieren wir regelmäßig Inhalte. Wie Sie jedoch anmerken, lassen uns die Ereignisse in der Welt und im Nahen Osten zwangsläufig nicht unberührt. Daher veröffentlichen wir von Zeit zu Zeit auch Analysen zu diesen Themen.

Als Antwort auf Ihr Schreiben haben wir versucht, unsere Ansichten im Folgenden darzulegen. Diese Standpunkte mögen Sie vielleicht nicht vollständig zufriedenstellen, aber sie werden Ihnen helfen, unsere Perspektive auf den Nahen Osten zu verstehen und zu erkennen, in welchen Punkten wir übereinstimmen oder differieren.

Wir möchten betonen, dass wir die Geschehnisse im Nahen Osten keineswegs gutheißen und die Ereignisse nicht einseitig betrachten:

  • Hamas und zivile Opfer: Wir akzeptieren keinesfalls den Angriff der Hamas auf Israel sowie die Entführung und Ermordung unschuldiger Menschen. Solche Taten haben dem palästinensischen Volk nicht genützt, sondern großen Schaden zugefügt. Wir haben die Angriffe der Hamas auf Zivilisten von Anfang an verurteilt und verurteilen sie weiterhin.
  • Israels unverhältnismäßige Gewaltanwendung: Andererseits akzeptieren wir keineswegs, dass Israel diese Angriffe als Vorwand nutzt, um das palästinensische Volk monatelang zu bombardieren, Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, Kinder zu töten und Methoden der totalen Zerstörung anzuwenden. Wir unterstützen die Vision einer Zweistaatenlösung und wünschen uns, dass die Parteien in Frieden und unter gleichen Bedingungen zusammenleben. Anstatt eine Seite blind zu unterstützen, setzen wir uns dafür ein, dass die Fehler beider Seiten benannt und kritisiert werden.
  • Das iranische Regime und Minderheitenrechte: Wir verurteilen die Vernichtungs-, Unterdrückungs-, Folter- und Hinrichtungspolitik, die das Mullah-Regime im Iran seit Jahren gegen Minderheiten betreibt, aufs Schärfste. Wir unterstützen die verfassungsmäßigen demokratischen Rechte der Kurden und anderer Minderheiten im Iran vollumfänglich. Wir sind der Meinung, dass das iranische Volk ein solch repressives Regime nicht verdient hat.
  • Externe Interventionen und US-Politik: Wir verurteilen es aufs Schärfste, wenn die USA und Israel gemeinsam den Iran angreifen und dabei unschuldige Kinder, Frauen und die Natur durch Bomben vernichtet werden. Wir unterstützen keinesfalls die Politik der Unterdrückung, Gewalt und Drohung, welche die USA gegenüber den Ländern im Nahen Osten verfolgen.
  • Libanon und regionaler Frieden: Wir unterstützen die seit Monaten andauernden Angriffe und Kriegstaktiken Israels gegen den Libanon und Beirut keineswegs und protestieren dagegen. Dass der israelische Staat unter dem Vorwand der „Sicherheit“ alles bombardiert, ist inakzeptabel. Israel muss aufhören, mit Unterstützung der USA Druck auf die Völker des Nahen Ostens auszuüben, muss seine aggressive Haltung ablegen und lernen, mit den Staaten der Region in Frieden zusammenzuleben.
  • Fremdeninfo redaktion

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