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Nach türkischer Haft: Gönül Örs ist wieder in Köln

von Fremdeninfo 12 Juli 2021
von Fremdeninfo 12 Juli 2021
254

Nach türkischer Haft: Gönül Örs ist wieder in Köln

Von

dtj-online

–

10.07.2021

 
 

 
Die Kölnerin Gönül Örs auf einem Balkon des Kölner Rathauses. Foto: David Young/dpa

Als ihre Mutter in der Türkei in Haft kommt, reist eine Kölnerin im Jahr 2019 kurzentschlossen zu ihr. Dann gerät sie selbst ins Visier der dortigen Justiz. Nun ist wieder in ihrer Heimatstadt – und will nicht mehr zurück in die Türkei.

Die in der Türkei zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilte Kölnerin Gönül Örs ist nach mehr als zwei Jahren wieder in Deutschland. An der Seite von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeigte sie sich am Freitag vor Freunden und Unterstützern im Kölner Rathaus und brachte ihre Erleichterung zum Ausdruck.

„Ich bin einfach nur froh, zu Hause zu sein“, sagte die 39-Jährige. Vor zwei Wochen hatte ein Istanbuler Gericht sie unter anderem wegen Terrorvorwürfen zu zehn Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Die Ausreisesperre gegen sie wurde allerdings aufgehoben – diese Möglichkeit nutzte sie nun, um nach Deutschland zurückzukehren.

Örs weist alle Vorwürfe zurück

Hintergrund der Anklage ist eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. Örs wurde laut Gerichtsakten vorgeworfen, mit neun weiteren Personen das Schiff besetzt, Banner aufgehängt und PKK-Slogans gerufen zu haben. Sie weist die Vorwürfe zurück. In Deutschland wurden Ermittlungen gegen Örs in dem Fall nach Angaben ihrer Anwältin eingestellt.

Die Richter in der Türkei verurteilten Örs für Terrorpropaganda zu einem Jahr und acht Monaten, für Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung zu fünf Jahren und für „Entführung oder Beschlagnahmung“ von Beförderungsmitteln zu drei Jahren und neun Monaten Haft.

Erst Haft, dann Hausarrest und Ausgangssperre

Sie sprachen Örs in allen Anklagepunkten schuldig. In Köln betonte Örs ihre Unschuld. Sie werde in Berufung gehen und notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. „Ich werde bis zum Schluss dafür kämpfen, weil ich unschuldig bin.“

Die Kölnerin war im Mai 2019 in die Türkei gereist, um ihre damals inhaftierte Mutter – die Sängerin Hozan Cane (Künstlername) – im Gefängnis zu besuchen. Örs wurde dann selbst festgenommen. Sie saß drei Monate in der Türkei in Untersuchungshaft und stand sechs Monate unter Hausarrest, ab Juni vergangenen Jahres galt eine Ausreisesperre.

„Sehr harte Zeiten“

In Köln sagte Örs am Freitag, im Jahr 2019 sei ihr von der Reise in die Türkei abgeraten worden. Aber als Tochter habe sie gedacht, sie müsse dahin, um ihrer Mutter beizustehen. Im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre sagte sie, es seien „sehr harte Zeiten“ gewesen.

Eine Rückkehr in die Türkei schloss sie vorerst aus, weil es dort keine Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebe. Erst wenn sich dies geändert habe, werde sie vielleicht umdenken, sagte Örs. In der kommenden Woche habe ihre Mutter einen Gerichtstermin. „Ich hoffe sehr, dass sie nächste Woche nach Hause kommt.“

In Freiheit wolle ihre Mutter ein Lied singen, das sei ein Traum von ihr.

dpa/dtj

 

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