Von Cumali Yağmur
Heute, am 3. Oktober 2026, hat die Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, Maren Kaminski, auf dem Ernst-August-Platz in Hannover eine Kundgebung im Namen von Kurdinnen und Kurden angemeldet. Die Demonstration stand unter dem Motto „Gegen die Kriminalisierung kurdischer Frauen – Trauern ist kein Verbrechen“.
Hintergrund der Proteste ist ein Polizeieinsatz am 27. September 2026 in den Vereinsräumen in der Kornstraße, bei dem eine Gedenkveranstaltung für gefallene Kurdinnen und Kurden gestört und unterbunden wurde. Die Polizei kontrollierte bei der Razzia 96 Personen und beschlagnahmte Mobiltelefone sowie Computer. Unabhängig von Alter und Geschlecht seien die Anwesenden einer unmenschlichen Behandlung ausgesetzt und gezielt kriminalisiert worden. Die Betroffenen seien über Stunden im Gebäude festgehalten, fotografiert und Ausweiskontrollen unterzogen worden. Den in Hannover lebenden Kurdinnen und Kurden sei das Gefühl vermittelt worden, als habe sich die Polizei deren Kriminalisierung zur Aufgabe gemacht.
Aufrufende Organisationen:
• Die Linke Region Hannover
• Rote Hilfe Hannover
• NAV-DEM Hannover
• People’s Bridge für Rojava
Reden und Zusammenfassungen laut Flugblättern
Die Linke partei Hannover
• Die Rednerin betonte, sie habe Hannover für eine andere Stadt gehalten und nicht erwartet, dass die Polizei eine kurdische Versammlung stürme und die Teilnehmer kriminalisiere.
• Eine Haltung, die Menschen aus verschiedenen Teilen Kurdistans das Gedenken an ihre Verstorbenen in den Vereinsräumen verwehre, könne keinesfalls als demokratisch bezeichnet werden.
• „Wir werden den Versuch, Kurden in Hannover zu kriminalisieren, niemals zulassen und verurteilen das Verhalten der Polizei aufs Schärfste“, so Kaminski.
• Sie erinnerte daran, dass Halim Dener, der vor 32 Jahren von der Polizei in Hannover erschossen wurde, bis heute nicht einmal durch die Benennung eines öffentlichen Ortes gedacht werden darf.
• Die Solidarität mit den Anliegen der Kurden sei dauerhaft.

Sprecher der Roten Hilfe:
• Als ob die historische Unterdrückung, Ausbeutung und Herabwürdigung der Kurden nicht ausreichten, werde man deren Kriminalisierung durch die Polizei in Hannover niemals hinnehmen.
• Es sei beschämend, dass Angehörigen im Vereinsheim das Gedenken an die Gefallenen der kurdischen Bewegung verboten wurde.
• In der Türkei säßen Kurden mit der türkischen Regierung am Verhandlungstisch, um die Kurdenfrage zu lösen, und die PKK strebe die Niederlegung der Waffen sowie demokratische Politik an. Dass das PKK-Verbot in einer zivilen Gesellschaft wie Deutschland weiterhin aufrechterhalten werde, sei ein Schandfleck für die Demokratie.
• Das PKK-Verbot müsse unverzüglich aufgehoben und die Kriminalisierung beendet werden; die Solidarität mit den Kurden werde lückenlos fortgesetzt.
Sprecher der Kurdischen Bewegung:
• Der Angriff auf die Gedenkenden am 27.09.2026 in der Kornstraße und das Einschüchtern der Menschen mit Befehlen wie „Hände hoch!“ sei eine unmenschliche Handlungsweise gewesen.
• Menschen aller Altersgruppen stundenlang in den Vereinsräumen festzuhalten, zu durchsuchen und zu kontrollieren, sei inakzeptabel.
• Während deutschlandweit in verschiedenen Städten Gedenkveranstaltungen stattfinden könnten, habe sich in Hannover eine feindselige Haltung gegenüber Kurden in Form dieser Razzia gezeigt.
• Die Methoden der Repression, Demütigung und Kriminalisierung seien antidemokratisch. Deutschland müsse diesen Kurs aufgeben, das PKK-Verbot aufheben und die Kriminalisierung beenden.
• Es ergehe der Appell, diese Maßnahmen gegen Kurdinnen und Kurden, die sich in die Gesellschaft integrieren und friedlich mit ihren Traditionen leben, umgehend einzustellen.

Demonstrierende ziehen zum Neuen Rathaus
Der Demonstrationszug führte vom Ernst-August-Platz bis vor das Neue Rathaus. Während des Marsches forderten die rund 500 Teilnehmer die sofortige Aufhebung des PKK-Verbots in Deutschland und skandierten Parolen wie „Frauen, Leben, Freiheit“ (Frauenbefreiung), „Die kurdische Bewegung kann in Deutschland nicht kriminalisiert werden“ sowie „Es lebe die internationale Solidarität“.
Rede von Maren Kaminski (MdB, Die Linke) vor dem Neuen Rathaus:
• Kaminski unterstrich, dass man die Polizeirazzia bei den trauernden Angehörigen in der Kornstraße und die unmenschliche Behandlung der 96 Anwesenden unter keinen Umständen unterstütze.
• Sie kündigte an, das Thema im Deutschen Bundestag zur Sprache zu bringen.
• Die Abgeordnete kritisierte scharf, dass Vertreter anderer Parteien trotz der Ankündigung der Kundgebung abwesend waren. Auch sie hätten Flagge zeigen und ihre Stimme gegen die Kriminalisierung erheben müssen.
• Sie kritisierte die Gleichgültigkeit gegenüber kurdischen Belangen und forderte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay auf, den Polizeieinsatz zu verurteilen.
• Wer das Fotografieren und die Ausweiskontrollen von Trauernden schweigend hinnehme und keine Solidarität zeige, könne nicht von sich behaupten, der „Oberbürgermeister für alle“ zu sein.
Der Protestzug löste sich im Anschluss ohne Zwischenfälle auf.
