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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

Die in Europa gestellten Asylanträge sind deutlich weniger geworden. In Deutschland wird...

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Flüchtlinge

Wir schaffen das!“ – Wie hat sich das auf Europa ausgewirkt?

von Fremdeninfo 26 August 2025
von Fremdeninfo

Artikel von Lucia Schulten

Der Anstieg von Asylsuchenden in den Jahren 2015/2016 betraf die ganze EU. Wie blicken die Politik und die Menschen im Rest Europas auf die Asyl- und Migrationsdebatte der letzten zehn Jahre?

Afghanischer Flüchtling bedankt sich bei Deutschland im September 2015 © Martin Meissner/AP Images/picture alliance

Als die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vor zehn Jahren ihren berühmten, für manche berüchtigten, Satz „Wir schaffen das!“ sagte, hatte das nicht nur Folgen für Deutschland, sondern auch für Europa.

Diesem Satz folgte Anfang September 2015 Merkels Entscheidung, dass die Polizei Geflüchtete nicht mehr an den Grenzen aufhalten solle. Folglich stellten in den Jahren 2015 bis 2016 über eine Millionen Menschen einen Asylantrag in Deutschland.

In der gesamten EU stieg die Zahl der Asylbewerberinnen und Asylbewerber damals sprunghaft an. Im Jahr 2015 verzeichnete die EU-Statistikbehörde Eurostat über 1,2 Millionen Asylanträge, im Jahr 2016 über 1,5 Millionen. In den Folgejahren blieb die Zahl der Anträge, mit Ausnahme von 2020, über dem Niveau der Jahre vor 2015. Nach einem erneuten Anstieg auf über eine Million Erstanträge 2023, sinken derzeit die Zahlen. Lange Zeit war Deutschland das Hauptzielland von Asylbewerbern in der EU. 2025 wurde es laut

Diese Entwicklungen gehen nicht spurlos an den Europäern vorbei. Bei den letzten EU-Parlamentswahlen 2024 waren, laut Eurostat, 24 Prozent der Befragten der Meinung, dass Migration ein Thema ist, dass vorrangig diskutiert werden sollte.

Auch bei nationalen Wahlen spielte das Thema eine herausragende Rolle, insbesondere in den Mitgliedstaaten, in denen in den letzten Jahren eine rechtspopulistische Partei den Wahlsieg eingefahren hat, wie etwa in Österreich oder den Niederlanden.

Anouk Pronk vom niederländischen Clingendael-Institut sagt gegenüber der DW, dass es im letzten niederländischen Wahlkampf im November 2023 eine „obsessive Fokussierung“ auf das Thema gegeben habe.

Damals sei es so dargestellt worden, als sei die Migration der Grund für die Probleme im Land, wie etwa für die Wohnungskrise, überlastete Sozialsysteme oder Probleme im Schul- und Gesundheitswesen. Derzeit beobachtet Pronk, dass man sich davon etwas löse und versuche, diese Probleme anzugehen und nicht die Migration zum Sündenbock für alles zu machen.

Nicht nur in

Zwischen öffentlicher Meinung und beigemessener Bedeutung gibt es einen Unterschied, sagt Lenka Drazanova gegenüber der DW. Und die Bedeutung des Themas Migration habe sich in den letzten zehn Jahren durch die hohe Präsenz in den Medien und der Politik verstärkt, sagt die Politologin, die am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz forscht.

An der Grundhaltung, wer in der Gesellschaft für oder gegen Migration ist, habe sich allerdings nichts geändert. Was sich seit 2015 geändert habe sei, dass die Menschen, die gegen Migration seien, ihre Ablehnung stärker ausdrückten. Als Grund für diese einwanderungsfeindliche Haltung, benennt Drazanova Bedrohungsgefühle – wie etwa die Angst vor dem Unbekanntem oder vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Die hohe Zahl der in Deutschland ankommenden Asylsuchenden habe bei einigen Europäern – insbesondere in Mittel- und Osteuropa – solche Gefühle ausgelöst. Dabei käme es weniger auf die tatsächliche Zahl an, sondern mehr auf die Diskussion über Migration an sich.

Der Diskurs über Migration in Europa hat sich verändert

Außerdem hätten sich die sozialen Normen und politische Kultur, wie über Migration und Geflüchtete gesprochen wird, seit 2015/2016 verändert, so die Politikwissenschaftlerin Drazanova. Dies stehe auch im Zusammenhang mit der Normalisierung rechtsextremer Ansichten.

Auch Politologin Pronk sieht eine Veränderung in der Diskussion. Zur Zeit von Angela Merkels „Wir schaffen das!“ sei es mehr um eine „Pflicht zu helfen“ gegangen. Heute werde die Debatte um Migration mehr als ein Sicherheitsrisiko dargestellt.

Dies könne man beispielsweise an dem neuen EU-Pakt für Asyl und Migration sehen. Dort gehe es vor allem darum, wie man die Grenzen schützen könne und Menschen, die kein Bleiberecht in der EU hätten, schneller wieder abschieben könne. Den Grund für diese Entwicklung sieht die Politologin in der großen Belastung der Asylsysteme der EU-Mitgliedstaaten.

EU verschärft Asylregeln – und bekommt Druck von Mitgliedstaaten

In dem Asyl- und Migrationspakt, der im Sommer 2026 in Kraft treten soll, sind sogenannte Grenzverfahren vorgesehen, für diejenigen Geflüchteten, die aus Ländern mit einer geringen Anerkennungsquote kommen.

Auch arbeitet die EU derzeit an einer neuen Rückführungsverordnung. Bislang war es, laut der Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl so, dass Migranten nur in ein Land abgeschoben werden konnten, zu dem sie eine Verbindunghaben oder wenn sie zustimmen. Dieses Kriterium solle fallen, wenn es nach der EU-Kommission geht. Dies gilt als Voraussetzung, um Menschen gegen ihren Willen in einen Staat, mit dem beispielsweise ein entsprechendes Abkommen besteht, abzuschieben. Auch sollen „Rückkehrzentren“ geschaffen werden. Dabei handelt es sich um eines der Modelle, das in der EU seit einiger Zeit unter dem Stichwort „innovative Lösungen“ diskutiert wird.

Aus einigen EU-Mitgliedstaaten wird Druck auf die EU ausgeübt, die Asylregeln weiter zu verschärfen. So trafen sich beim letzten EU-Gipfel im Juni 21 der 27 Mitgliedstaaten um strengere Vorschriften für die gemeinsame Asylpolitik zu erarbeiten. Der Einladung aus Dänemark, den Niederlanden und Italien folgte erstmals auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz.

Politik ist nicht gleich öffentliche Meinung

In einem sind sich die beiden Expertinnen einig: Von der politischen Debatte und der Gesetzgebung lässt sich nicht unmittelbar auf die öffentliche Meinung über Migration in Europa schließen.

Die Debatte innerhalb der Gesellschaft sei nuancierter, sagt Pronk. Dies hätte man zum Beispiel bei der grundsätzlichen Hilfsbereitschaft gegenüber den ukrainischen Geflüchteten innerhalb der EU gesehen.

Auch Drazanova weist im Gespräch mit der DW daraufhin, dass die öffentliche Meinung gegenüber Migration sehr komplex sei. So kann es etwa sein, dass ein und dieselbe Person positiv gegenüber Migranten eingestellt sei, die bereits im Land seien, eine offene Einwanderungspolitik jedoch ablehne. Grundsätzlich zeige sich in Studien aber, dass sich die öffentliche Meinung in Europa gegenüber Migranten in den letzten Jahren etwas gebessert habe.

Autor: Lucia Schulten

26 August 2025 0 Kommentare
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AllgemeinInformation

Nordrhein-WestfalenStudie zeigt Diskriminierung beim Bewerben: Herkunft schlägt Leistung

von Cumali Yağmur 26 August 2025
von Cumali Yağmur

Von Jonathan Baer

Menschen mit einem migrantisch klingenden Namen bekommen deutlich seltener eine Rückmeldung, wenn sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Das zeigt eine Studie der Universität Siegen.

Forscher der Uni Siegen hatten mehr als 50.000 fiktive Bewerbungen an Verwaltungen, Dienstleister und Handwerksbetriebe geschickt. Wenn sich ein „Lukas Becker“ bewarb, bekam er auf 100 Bewerbungen 67 Antworten. Ein „Ivan Smirnov“ oder „Yusuf Kaya“ erzielten deutlich niedrigere Werte. Die fiktive „Habiba Mahmoud“ erhielt nur 36 Antworten und damit die wenigsten – trotz gleicher Qualifikation.

Herkunft schlägt Leistung

„Für die benachteiligten Bewerber sind die Ergebnisse eine Katastrophe“, sagt Dilara Wiemann von der Uni Siegen:

Denn selbst deutlich bessere Schulnoten oder soziales Engagement ändern nichts daran, dass Herkunft Leistung schlägt.

Dilara Wiemann, Universität Siegen

Der Leiter eines Sanitärbetriebs im Raum Bonn, Michael Link, kann sich das Studienergebnis in Zeiten des Fachkräftemangels kaum erklären. In seiner Firma habe mehr als die Hälfte der Belegschaft einen Migrationshintergrund. „Wenn sich einer bei uns bewirbt, interessiert uns weder, welche Religion er hat oder wo er herkommt. Uns interessiert nur die Qualifikation“, so Link.

Betriebe haben Sorge vor Sprachbarrieren

Menschen mit ausländisch klingenden Namen werden offenbar oft benachteiligt, weil die Betriebe Sorge vor Sprachbarrieren haben, schreibt die Uni Siegen in einer Pressemitteilung. Auch kulturelle Distanz oder der befürchtete Mehraufwand im Umgang mit Behörden seien Gründe.

Player: audioStudie zeigt Diskriminierung beim Bewerben: Herkunft schlägt Leistung

Studie zeigt Diskriminierung beim Bewerben: Herkunft schlägt Leistung

 

 

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung der Universität Siegen
  • Recherchen WDR-Reporter

Quelle: wdr

WDR  Nordrhein-Westfalen

26 August 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Was wurde aus den Geflüchteten von 2015?

von Fremdeninfo 25 August 2025
von Fremdeninfo

Artikel von Nicolas Kurzawa/ Faz

Die Bilder von 2015 dürfte kaum jemand vergessen haben. Sie wurden so oft gezeigt und diskutiert, dass sie sich eingebrannt haben – selbst jenen, die damals nicht zugegen waren: Zehntausende Geflüchtete, vor allem Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, kamen in kurzer Zeit an deutschen Bahnhöfen an. München wurde damals zum Symbol der „Willkommenskultur“ und der „Flüchtlingskrise“ per se. Angela Merkels „Wir schaffen das“, das der damaligen Bundeskanzlerin bei einer Pressekonferenz am 31. August 2015 über die Lippen ging, sollte der zentrale Satz ihrer Kanzlerschaft werden.

Dieses Zitat steht seither auf dem Prüfstand. An Bilanzen oder Analysen, die sich daran reiben, mangelt es nicht. Ein klares und insbesondere objektives Urteil bleiben sie schuldig. Das kann selbst die Wissenschaft nicht leisten, schließlich hätte man die „Erfolgskriterien“ einer so vielschichtigen Aussage damals erst einmal definieren müssen. Eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die am Montag veröffentlicht wurde, versucht dennoch, Licht ins Dunkel zu bringen. Sie fragt, wie gut die Flüchtlinge von 2015 heute im deutschen Arbeitsmarkt integriert sind – und überrascht mit einer positiven Antwort.

Dass mit einer so hohen Beschäftigungsquote eigentlich nicht zu rechnen war, liegt an den Nachteilen, die es Geflüchteten erschweren, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Die Autoren der IAB-Studie nennen in diesem Zusammenhang drei große Ursachenkomplexe. So gebe es „Belastungen“ auf einer individuellen Ebene wie „traumatische Erfahrungen“ oder fehlende Sprachkenntnisse. Zudem seien Ausbildungs- und Bildungsabschlüsse nur schwer übertragbar. Eine dritte Herausforderung liege in in­stitutionellen und „Kontextfaktoren“ der Zielländer: Die „Bleibeperspektiven“ seien oft unklar, hinzu kommen Beschäftigungsverbote in der Anfangsphase oder Wohnsitzauflagen.

Mit Blick auf diese Hürden überraschen die Zahlen tatsächlich. Aber es gibt auch ein Manko. Das wird offensichtlich, wenn man die Beschäftigungsquoten nach Geschlechtern unterteilt, denn zwischen Männern und Frauen gibt es ein großes Gefälle. Während die Quote bei Männern 2024 bei 76 Prozent lag, also sogar über dem Durchschnitt der Männer in Deutschland, waren nur 35 Prozent der Frauen beschäftigt. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Quote bei Frauen insgesamt 69 Prozent. Mit konservativen Werten oder einer traditionellen Weltanschauung unter den geflüchteten Frauen sei das nicht erklärbar, sagt Herbert Brücker: „85 Prozent wollen arbeiten, und die überwältigende Mehrheit findet, dass eine Erwerbstätigkeit wichtig für die Gleichberechtigung von Frauen ist.“

In puncto Verdienst hinken die Geflüchteten hinterher. Acht Jahre nach ihrer Ankunft erreichten die vollzeitbeschäftigten Geflüchteten im Schnitt nur 70 Prozent der mittleren Verdienste der Deutschen, heißt es in der Studie. Damit liegen die Gehälter nur knapp über der Niedriglohnschwelle. Die liegt bei 66 Prozent. Das sei problematisch: „Niedrige Einkommen erhöhen das Risiko der Abhängigkeit von (ergänzenden) Transferleistungen.“ Der Anteil der Leistungsbezieher sei zwar bis 2023 von nahezu 100 Prozent auf rund ein Drittel gesunken, liege aber weiter deutlich über dem deutschen Schnitt. Die Anerkennung von Berufsabschlüssen, Qualifizierungsmaßnahmen und berufliche Weiterbildung bleiben demnach weiter „zentrale Hebel für nachhaltige Arbeitsmarktintegration“, schreiben die Forscher.

Faz.Frankfurter Allgemeine

25 August 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Die Schande der deutschen Afghanistan-Politik

von Fremdeninfo 25 August 2025
von Fremdeninfo

Afghanische Geflüchtete erreichen ein Abschiebezentrum in Azakhel in Pakistan.

Aus politischem Kalkül zögert die Bundesregierung, Menschen aus Afghanistan aufzunehmen – auf Kosten der Menschenrechte. Der Leitartikel.

Kurz nach der erneuten Machtübernahme der Taliban sprach Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble von einer „moralischen Verpflichtung“, die Deutschland gegenüber den Afghaninnen und Afghanen habe. Der inzwischen verstorbene CDU-Politiker betonte damals: „Wir dürfen die Menschen nicht im Stich lassen.“ Die Bundesregierung aus Union und SPD lässt nun ausgerechnet jene Menschen im Stich, die unter dem Taliban-Regime als besonders gefährdet gelten – und denen Deutschland die Aufnahme fest zugesagt hat. Das ist nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern auch moralisch verwerflich.

Rund 2000 Afghaninnen und Afghanen mit einer Aufnahmezusage warten teils seit mehr als einem Jahr darauf, von der deutschen Botschaft in Islamabad ein Visum zu bekommen. Weil ihre Visa für Pakistan längst abgelaufen sind, haben die pakistanischen Behörden mehr als 200 von ihnen nach Afghanistan abgeschoben – wo die Betroffenen jetzt um ihr Leben bangen. Verantwortlich ist die schwarz-rote Bundesregierung, die wie schon ihre Ampel-Vorgängerin die Erteilung von Visa für Deutschland verschleppt. Die Koalition aus Union und SPD will die Aufnahmeprogramme beenden und hat die Einreisen aus Afghanistan ausgesetzt.

Die gefährdeten Afghaninnen und Afghanen – darunter Frauenrechtlerinnen, Juristen und ehemalige Ortskräfte – sind längst zum Spielball der Bundespolitik geworden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser verkündete im Oktober 2022 erst mit großen Worten Aufnahmeprogramme. Als die öffentliche Stimmung kippte, bremste ihr Ministerium Aufnahmen aus. Ihr Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) führt nun Sicherheitsüberprüfungen als Erklärung ins Feld, warum sich die Aufnahmeverfahren noch über Monate hinziehen sollen. So notwendig Sicherheitsüberprüfungen sind – das Vorgehen wirkt wie eine weitere Verzögerungstaktik. Die Bundesregierung muss die Prozesse beschleunigen, um die Betroffenen schnell aus der Gefahrenlage zu bringen. Sie muss mit Pakistan einen Abschiebestopp vereinbaren und für die Rückkehr der bereits abgeschobenen Afghan:innen sorgen.

Vor wenigen Tagen jährte sich die Rückkehr der militant-islamistischen Taliban an die Macht – und damit auch das beschämende Scheitern des internationalen Einsatzes – zum vierten Mal. Unvergessen bleiben die schrecklichen Bilder vom Flughafen Kabul, als Tausende Menschen verzweifelt zu fliehen versuchten. „Die Verzweiflung der Menschen am Flughafen in Kabul zerreißt einem das Herz“, sagte Schäuble damals bei seinem Appell, die Afghan:innen nicht im Stich zu lassen.

In der Bundesregierung ist von einem solchen Mitgefühl nicht mehr viel zu spüren. Dabei weiß man dort genau, wie verheerend die Lage in Afghanistan ist. Zum Jahrestag der erneuten Machtergreifung der militanten Islamisten teilte Außenminister Johann Wadephul (CDU) mit: „Gravierende Menschenrechtsverletzungen sind unter den Taliban wieder zum Alltag geworden.“ In Wadephuls Mitteilung hieß es weiter, auch die Situation der in Pakistan mit einer Aufnahmezusage für Deutschland ausharrenden Afghaninnen und Afghanen bereite der Bundesregierung „große Sorge“. Das ist absurd, denn die Bundesregierung könnte diese Sorge selbst beenden. Die schwarz-rote Koalition trägt Verantwortung für das Leben dieser Menschen, die vor dem Nichts stehen, weil sie sich auf die Schutzzusage Deutschlands verlassen haben. Es geht daher auch um Glaubwürdigkeit. Deutschland hat diesen Menschen ein Versprechen gegeben. Es ist nicht an der Bundesregierung, dieses Versprechen zu brechen.

 

F.R FRankfurterrundschau

25 August 2025 0 Kommentare
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Politik

Antidemokratische Praktiken gegen Kurden müssen aufhören

von Cumali Yağmur 25 August 2025
von Cumali Yağmur


Von: Cuali Yağmur

In diesem Artikel werde ich auf die Organisation der Kurden in Europa und die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, eingehen.

In einigen europäischen Staaten werden anstelle eines Verständnisses von demokratischer Zivilgesellschaft antidemokratische Praktiken gegen Kurden angewendet. Die kurdische Bewegung betont selbst, dass sie in der Anfangsphase ihrer Organisierung in Europa zahlreiche Fehler gemacht hat. Es ist sicher, dass sich das Organisationsmodell in Europa von dem in den anderen Teilen Kurdistans unterscheidet. Die Kurden, die in den nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Teile (Türkei, Syrien, Iran und Irak) geteilten Gebieten Kurdistans leben, haben in den jeweiligen Ländern sehr unterschiedliche Lebensweisen entwickelt. Da auch das Leben in Europa sehr anders ist, hatten die Kurden anfangs nicht nur große Schwierigkeiten, sich untereinander zu verständigen, sondern auch, sich anzupassen.

Andererseits hatten sie naturgemäß auch Schwierigkeiten, sich dem Verständnis von zivilgesellschaftlicher Organisation in den europäischen Gesellschaften anzupassen.

Auch wenn es im Organisierungsprozess in Europa einige Fehler gab, hat die harte Haltung europäischer Politiker gegenüber den Kurden mit dem Verbot der PKK eine neue Dimension erreicht.

Indem die PKK als terroristische Organisation definiert und verboten wurde, wurden auch harte Maßnahmen gegen ihre Sympathisanten ergriffen.

Führende Persönlichkeiten der kurdischen Bewegung in Europa wurden immer wieder unter dem Vorwand der PKK-Zugehörigkeit verhaftet, inhaftiert und einige von ihnen wurden abgeschoben. Diejenigen, die nicht abgeschoben wurden, wurden gezwungen, sich täglich bei der Polizei zu melden. Angesichts der Unterdrückung, Verhaftungen und Hinrichtungen von Kurden in der Türkei, Syrien, Iran und im Irak sah sich die kurdische Bewegung in Europa in der Pflicht, diese Ereignisse aufzudecken und eine öffentliche Meinung zu schaffen, obwohl ihnen dabei Schwierigkeiten bereitet wurden.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht in allen Teilen Kurdistans Verhaftungen, Hinrichtungen auf offener Straße und Todesurteile stattfinden. Aus diesem Grund stehen die in Europa lebenden Kurden vor der Gewissenspflicht, die kurdische Bewegung in ihrer Heimat materiell und ideell zu unterstützen.

Mit dem Verbot der PKK in Deutschland wurde versucht, die kurdische Bewegung zu kriminalisieren. Die auf diese Weise kriminalisierte kurdische Bewegung wurde daran gehindert, ihre demokratische und organisatorische Arbeit fortzusetzen. Wenn sie versuchen, gegen die Unterdrückung, Verhaftungen und brutalen Morde auf offener Straße in ihren Heimatländern zu protestieren, werden sie jedes Mal von der Polizei eingekesselt. Das europäische Verständnis von Zivilgesellschaft und Demokratie konfrontiert die Kurden durch diese Haltung mit antidemokratischen Praktiken. Die Polizei greift sofort bei Personen ein, die Poster von Abdullah Öcalan tragen, „APO“-Parolen rufen oder T-Shirts mit der Aufschrift „Apo“ tragen, und fordert sie auf, diese unter Zwang abzulegen.

Gleichzeitig ist es unfassbar, dass Mehmet Çakaş, der für die kurdische Bewegung kämpft, am 28.08.2025 abgeschoben werden soll.

Wenn Kurden demonstrieren, um auf die Unterdrückung in den türkischen, syrischen, irakischen und iranischen Teilen Kurdistans aufmerksam zu machen, kontrolliert die Polizei die Slogans, die sie rufen, und die Transparente, die sie tragen werden. Es wird so gehandelt, als ob Deutschland kein auf Zivilgesellschaft basierendes demokratisches System hätte, sondern lediglich ein Polizeistaat wäre. In europäischen Ländern, allen voran Deutschland, wird die bürgerliche Demokratie zunehmend zu einem Unterdrückungsinstrument gegen die Kurden.

Angesichts dieser Situation hat die kurdische Bewegung nicht aufgegeben, ist nicht müde geworden und hat ihren Kampf trotz der Schwierigkeiten fortgesetzt. Diese Haltung des deutschen Staates und der Polizei hat lediglich dazu geführt, die Kurden vom Staat zu entfremden.

Während die Lage so ist und da die reaktionäre Presse in der Türkei sowie die Regierungsparteien MHP und AKP eine feindselige Politik gegen Kurden im In- und Ausland betreiben, haben ihre Ableger in Europa das Problem zeitweise bis zur Gewalt eskaliert. Die in Europa lebenden türkischen reaktionären, nationalistischen und rassistischen Kräfte haben noch feindseligere Gewalttaten verübt als jene in der Türkei. Die Auslandsableger von Parteien wie MHP und AKP sind auch in Europa und Deutschland nicht untätig geblieben und haben ihre feindseligen Angriffe auf Kurden fortgesetzt. Indem sie ignorieren, dass sie selbst in den europäischen Gesellschaften unterdrückt werden, haben sie von Zeit zu Zeit die Kurden brutal angegriffen.

Die Kurden kämpfen darum, die vernünftige europäische Öffentlichkeit zu sensibilisieren, indem sie durch ständige Proteste die Unterdrückung von fortschrittlichen Kräften, Aleviten und anderen Minderheiten in der Türkei auf die Tagesordnung bringen. Im Allgemeinen haben die türkischen Konsulate und Botschaften die in Europa lebenden reaktionären türkischen nationalistischen und rassistischen Kräfte mit „byzantinischen Spielen“ gegen die Kurden aufgehetzt, zeitweise Zwischenfälle provoziert und Angriffe auf kurdische Vereine und Demonstrationen verursacht.

Zeitweise wurden die Pässe führender Persönlichkeiten der kurdischen Bewegung in den Konsulaten eingezogen.

Trotz alledem hat sich die kurdische Bewegung in Europa dynamisch organisiert, ihren Kampf fortgesetzt und sich keiner Schwierigkeit gebeugt. Auch in Zukunft müssen die Kurden eine dauerhafte und demokratische Organisation in Europa schaffen. In diesem Prozess sind die Kurden zu einem untrennbaren Teil der europäischen Gesellschaften geworden. Innerhalb der kurdischen Gemeinschaft in Europa leben mittlerweile die zweite und dritte Generation. Es ist eine Tatsache, dass die Kurden mit dem Willen, in den europäischen Gesellschaften in Frieden zusammenzuleben, zu einem festen Bestandteil geworden sind. Sie müssen sich im Rahmen dieser Dauerhaftigkeit organisieren und für ihre eigenen Anliegen eintreten.

25 August 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Merkel zu Migration: „Bis jetzt haben wir viel geschafft“

von Fremdeninfo 25 August 2025
von Fremdeninfo

 

Zehn Jahre nach ihrem legendären Satz „Wir schaffen das“ zur Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge ist Deutschland nach Überzeugung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Integration von Migranten deutlich vorangekommen. „Das ist ein Prozess. Aber bis jetzt haben wir viel geschafft. Und was noch zu tun ist, muss weiter getan werden“, sagte die CDU-Politikerin in einem Interview mit dem Journalisten Ingo Zamperoni, das für eine ARD-Dokumentation geführt wurde.

Flüchtlingspolitik habe „Menschen dazu gebracht, die AfD zu wählen“

Zur AfD sagte die Altkanzlerin, dass die Partei schon vor Merkels Flüchtlingspolitik von 2015 als Protestpartei aus der Euro-Krise entstanden sei. „Damals habe ich gemerkt, wenn ich mich für den Euro entscheide, gibt es Menschen, die wollen das nicht, und genauso war das mit der Flüchtlingsfrage“, sagte Merkel.

Ihre Entscheidung, die Flüchtlinge aufzunehmen und Deutschland nicht abzuschotten, habe „Menschen dazu gebracht, die AfD zu wählen“, sagte Merkel zwar. Dadurch sei die AfD sicherlich stärker geworden. „Aber ist das ein Grund für mich, eine Entscheidung, die ich für richtig, (…) für menschenwürdig gehalten habe, nicht zu tun?“, wandte sie ein.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zog eine kritische Bilanz zehn Jahre nach dem Merkel-Satz. „Seit 2015 sind 6,5 Millionen Menschen zu uns gekommen und weniger als die Hälfte ist heute in Arbeit. Ich finde das, gelinde gesagt, nicht zufriedenstellend“, sagte Linnemann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Heute gehe es darum, illegale Migration in die Sozialsysteme zu stoppen und reguläre Zuwanderung in den Arbeitsmarkt zu fördern. „Das muss die Politik dieser Regierung 2025 sein – und das ist sie auch.“

FAZ Frankfurteralgemeine

25 August 2025 0 Kommentare
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Bildung

wenn die Muttersprache verboten ist, gibt es keinen Frieden

von Cumali Yağmur 24 August 2025
von Cumali Yağmur

 

 Hüseyin Şenol

Das Verbot für die Friedensmütter, in der im Parlament eingerichteten „Kommission für Nationale Solidarität, Brüderlichkeit und Demokratie“ Kurdisch zu sprechen, zeigt, dass am Friedenstsich eine kolonialistische Mentalität vorherrscht. Ein Prozess, der auf Geheimhaltung, Zensur und Doppelmoral basiert, schafft keine Lösungen, sondern verfestigt die Ausweglosigkeit…

Die Muttersprache des kurdischen Volkes ist Kurdisch. Dies ist nicht nur eine kulturelle Präferenz, sondern ein untrennbarer Teil der Menschenwürde. Wenn einem Volk, das Massaker, Vertreibungen und eine Politik der Leugnung durchlebt hat, selbst unter dem Dach der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) das Recht auf die eigene Muttersprache verwehrt wird, sprechen wir nicht von Frieden, sondern von der Fortsetzung des Kolonialismus. Die Anerkennung des Kurdischen als erste Amtssprache in den kurdischen Provinzen, also in Kurdistan, und als zweite Amtssprache im Westen der Türkei ist eine Vorbedingung für den Frieden.

Dass die Friedensmütter in der fünften Sitzung der Kommission vom Parlamentspräsidenten Numan Kurtulmuş daran gehindert wurden, Kurdisch zu sprechen, hat offengelegt, wie sehr die Struktur, die den Anspruch hat, „das Problem zu lösen“, an der Ausweglosigkeit festhält. Die Mentalität, die Kurdisch im Parlament verbietet, ist dieselbe, die Menschen auf der Straße angreift, weil sie Kurdisch sprechen.

Die Muttersprache des kurdischen Volkes ist Kurdisch, und das sollte auch ihr offizieller Status sein!
Ohne die Anerkennung des Rechts auf die Muttersprache ist kein Frieden möglich.

Warum werden die Stimmen der Friedensmütter zum Schweigen gebracht?

Die Friedensmütter kamen nicht nur in die Kommission, um von ihrem Leid zu berichten, sondern auch, um einen Weg aufzuzeigen. Ihre Forderungen sind klar: die Anerkennung der kurdischen Sprache und die Gewährung des „Rechts auf Hoffnung“ für Abdullah Öcalan. Dass Nezahat Teke, die sagte: „Jeder will, dass die Waffen niedergelegt werden, aber wir erwarten im Gegenzug konkrete Schritte“, nicht einmal in ihrer Muttersprache sprechen durfte, ist ein Maß für die Aufrichtigkeit am Verhandlungstisch. Die Frage „Was wäre gewesen, wenn sie kein Türkisch gekonnt hätte?“ sollte heute das Gewissen eines jeden auf die Probe stellen.

Die Friedensstiftung, der Verein für Kurdische Studien und zahlreiche demokratische Institutionen warnten: „Die Behinderung des Kurdischen schadet dem Prozess.“ Der Hinweis des Linguisten Zana Farqini auf die Schande der „unbekannten Sprache“ verdeutlicht die noch immer unüberwundene Barriere. Ayşegül Doğans Feststellung: „Man hätte Nezahat Teke, die in ihrer Muttersprache sprechen wollte, diese Möglichkeit geben können“, zeigt, dass der Staat an dieser Reifeprüfung gescheitert ist.

An diesem Punkt hätten die DEM-Partei und die Sozialisten stärker reagieren müssen. Man hätte sich nicht mit dem Angebot einer Übersetzung zufriedengeben dürfen; das Recht auf die Muttersprache hätte energischer verteidigt werden müssen. Zudem war die Reaktion der DEM-Partei und anderer Sozialisten nach der Sitzung verspätet und unzureichend. Die Kommissionsmitglieder der DEM-Partei, Gülistan Kılıç Koçyiğit, Meral Danış Beştaş, Hakkı Saruhan Oluç, Celal Fırat und Cengiz Çiçek, gingen in ihrer Bewertungserklärung zu den letzten beiden Sitzungen am 19. und 20. August am Folgetag nicht einmal auf das Thema ein. Erst später, als der öffentliche Druck zunahm, ging die Parteisprecherin Ayşegül Doğan am Nachmittag ausführlich darauf ein.

Doppelmoral statt gleicher Abstand

Die Betonung von TBMM-Präsident Numan Kurtulmuş in seiner Rede vor der Kommission, „den erreichten Punkt verdanken wir unseren Märtyrern“, steht eher im Einklang mit einer sicherheitsorientierten Rhetorik als mit einer Sprache des Friedens.
An einem Tag werden die „Angehörigen der Märtyrer und die Mütter von Diyarbakır“ angehört, am nächsten Tag werden die Friedensmütter und die Samstagsmütter in eine separate Sitzung verwiesen. Echter Frieden erfordert jedoch, dass unterschiedliches Leid am selben Tisch, am selben Tag und auf Augenhöhe angehört wird. So wie der Satz der Familien von Märtyrern „Öcalan darf nicht freigelassen werden“ protokolliert wird, muss auch der Appell der Friedensmütter „Die Kommission sollte sich mit Öcalan treffen“ mit derselben Ernsthaftigkeit behandelt werden.

Numan Kurtulmuş sollte sich zu Beginn der 6. Sitzung am kommenden Mittwoch sowohl für die Doppelmoral als auch für das Kurdisch-Verbot entschuldigen. Er wird es nicht tun, aber wenn er es auf Kurdisch täte, wäre es glaubwürdiger.

Zensur, Geheimhaltung – ein komplettes Scheitern bei der Transparenzprüfung

Dass die zweite Sitzung der Kommission „geheim“ stattfand und die Protokolle der folgenden Sitzungen erst auf Druck hin veröffentlicht wurden, hat das Misstrauen verstärkt. Das Versprechen des CHP-Vorsitzenden Özgür Özel, „Wo die CHP ist, kann niemand etwas vor dem Volk verbergen“, gewinnt erst an Bedeutung, wenn das vollständige Protokoll der zweiten Sitzung veröffentlicht wird. Die Vorschläge der Partei der Arbeit (Emek Partisi) für „Transparenz, geplante Arbeit, demokratische Vertretung“ sind das Mindestprogramm für heute. Die Sitzungen müssen live übertragen werden; die Gesellschaft muss den Tisch, der in ihrem Namen gedeckt wurde, mit eigenen Augen sehen.

Wo Presse und soziale Medien zum Schweigen gebracht werden, kann kein Frieden gedeihen. Die Zugangssperren für die Online-Plattformen von Kaos GL, ETHA, Temel Demirer und vielen anderen sozialistischen, LGBTI+- und patriotischen Personen oder Organisationen sind ein Schleier, der die Gesellschaft verdunkelt. Das Verbot des Kurdischen und der Schlag gegen die freie Presse kommen aus derselben Hand; wo das eine ist, ist auch das andere. Der „gemeinsame Aufruf für Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie“ des Kritischen Friedensnetzwerks kann nur dann gesellschaftliche Resonanz finden, wenn dieser Schleier der Verdunkelung gelüftet wird.
Wenn ich sage „Mit Zensur kann kein Frieden geschaffen werden“, gilt dieses Wort, wie ich immer wieder betone, auch für „unsere Seite“.

Die Realität von Rojava: Unter Bomben kann man nicht über Frieden sprechen

Die kurdische Frage geht über die Grenzen der Türkei hinaus. Während die Angriffe auf Syrisch- und Irakisch-Kurdistan andauern, im Parlament über Frieden zu sprechen, ist eine Verhöhnung der Vernunft. Der Satz der Fraktionsvorsitzenden der Partei für Gleichheit und Demokratie der Völker (DEM-Partei), Gülistan Kılıç Koçyiğit, „Während Bomben auf Kobanê fallen, gibt es in Diyarbakır keinen Frieden“, offenbart eine bittere Wahrheit. Die Feststellung des CPT von mindestens 18 Angriffen im Juli zeigt die Kluft zwischen der „Prozess“-Rhetorik und der Praxis vor Ort. Die Sprache von Außenminister Hakan Fidan gegenüber Nord- und Ostsyrien nährt, wie der Ko-Vorsitzende der DEM-Partei, Tuncer Bakırhan, sagte, eine Haltung, die „glaubt, die Kurden verschwinden zu lassen, indem man die Augen schließt“.

Das Beispiel Kosovo und Mazedonien: Ein Spiegel der Doppelmoral

Die Türkei erkennt den Kosovo und Nordmazedonien an; Albanisch erhielt in Nordmazedonien durch das vor 24 Jahren unterzeichnete Rahmenabkommen von Ohrid den Status einer Amtssprache. Aber wenn es um Kurdisch geht, wird eine Mauer der Ablehnung errichtet. Der nationale Befreiungskampf der Albaner „in allen Teilen“ und die neue Beziehungsform, die der Kosovo zu Serbien aufgebaut hat, bieten ein „mögliches“ Beispiel für die zukünftigen Beziehungen zwischen der Türkei und Kurdistan. Wenn Albanisch im Kosovo und in Mazedonien eine Amtssprache ist, warum dann nicht auch Kurdisch? Wenn Absicht und Wille vorhanden sind, ist es möglich. „Den Kosovo und den Status in Nordmazedonien anzuerkennen, aber Kurdistan zu leugnen“ ist eine unbenannte Doppelmoral.

Der Kosovo, der das kolonialistische Serbien von seinem Territorium vertrieben hat, ist heute ein unabhängiger Staat. In Nordmazedonien haben die Albaner, die eine bedeutende Bevölkerungsgruppe darstellen, durch ihren Kampf auf eigenem Boden Albanisch zur Amtssprache gemacht und das Recht auf Mitregierung erlangt. Die Kurden haben auf ihrem eigenen Land das gleiche Recht; die Frage ist, ob dieses Recht anerkannt wird oder nicht.

Die DEM-Partei, die Behauptungen und die Sprache der Politik

Auf die Behauptung eines Politikers der faschistischen İYİP, „die DEM-Partei habe sieben Forderungen vorgelegt, darunter die Änderung der unitarischen Struktur und die Anerkennung des Kurdischen als Amtssprache“, antwortete die DEM-Partei, dies sei eine „böswillige Lüge“. Ich formuliere meinen Einwand an dieser Stelle anders: Ich wünschte, ein Großteil der Behauptungen wäre wahr gewesen; die Forderung nach Muttersprache, lokaler Autonomie und demokratischer Verwaltung sind Themen, die man nicht verstecken, sondern verteidigen sollte.
Nehmen wir an, „sie haben übertrieben“; aber kann aus diesem Tisch ein dauerhafter Frieden entstehen, wenn Themen wie Muttersprache und Autonomie nicht auf der Tagesordnung stehen?

Wahrheit, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Wiedergutmachung

Der Aufruf der Samstagsmütter, eine „Wahrheitskommission“ einzurichten, ist nicht nur eine Forderung nach Gerechtigkeit, sondern auch nach Frieden. Ohne eine Lösung für die von der IHD-Ko-Vorsitzenden Eren Keskin angemahnte Frage der „kranken Gefangenen“ kann der Frieden nicht in der Gesellschaft verankert werden. Die Häftlinge im T-Typ-Gefängnis von Karabük, deren Entlassungen aufgeschoben werden, sind nicht nur eine Realität eines Gefängnisses; sie sind ein Abbild der Justiz des Landes. Politische Gefangene, Meinungsdelikte, lange Haftzeiten… Solange dies andauert, findet das Wort „Frieden“ in der Bevölkerung kein Gehör.

Die alevitische Frage und die gleichberechtigte Staatsbürgerschaft

Die Kommission muss sich nicht nur mit der kurdischen Frage befassen, sondern auch mit den Forderungen der Aleviten nach gleichberechtigter Staatsbürgerschaft. Denn auch dieses Problem ist in diesem Land ein direktes Problem des Kolonialismus. Wie Celal Fırat feststellte, sind die Anerkennung der Cemevis als Gotteshäuser und die Abschaffung des obligatorischen Religionsunterrichts unabdingbar für die Demokratisierung. Solange die Assimilationspolitik nicht endet, ist kein wirklicher Frieden möglich. Frieden ist ein gemeinsamer Gesellschaftsvertrag, in dem sich verschiedene Glaubensrichtungen und Identitäten in Gleichheit begegnen.
Wie die Akademikerin Ferda Fahrioğlu sagte, sollte die Zivilgesellschaft nicht auf eine Einladung warten, sondern proaktiv handeln. Berichte, Feldbeobachtungen, Datenbanken zu Rechtsverletzungen – all das muss gleichzeitig an die Kommission und die Gesellschaft fließen. Solange die Friedensforderung der Gesellschaft nicht sichtbar gemacht wird, bleibt die Politik in einem engen Korridor gefangen.

Die Debatten in der Kommission beschränken sich nicht nur auf das Kurdisch-Verbot. Auch in anderen Bereichen des Prozesses gab es bemerkenswerte Entwicklungen. Die Äußerung des CHP-Abgeordneten Murat Bakan, „die Autonomie der Kurden in Syrien ist schädlich für unser Land“, zeigte, dass die CHP sich nicht von ihrer staatszentrierten und leugnenden Linie gelöst hat. Die Worte des CHP-Abgeordneten Sezgin Tanrıkulu, „Wenn Sie wirklich Frieden wollen, zeigen Sie Ihren Bürokraten Ihren Willen. Diejenigen, die mit Bildern von weißen Toros auf ihren Schreibtischen drohen, werden das Parlament gegen sich haben“, spiegeln zwar den Versuch wider, sich von der Regierung zu distanzieren, zeigten aber auch, dass die CHP kein umfassendes Friedensprogramm entwickeln konnte.

Andererseits beweist die Feststellung, dass derzeit die Gemeinden der DEM-Partei in Ruhe gelassen werden, während Operationen gegen CHP-Gemeinden „die Kommission funktionsunfähig machen“, dass eine Politik fortgesetzt wird, die auf Unterdrückung statt auf Frieden basiert. Im Bericht der IHD-Zweigstelle Diyarbakır wurde verzeichnet, dass in den kurdischen Städten in nur sechs Monaten 1820 Rechtsverletzungen stattgefunden haben. Dieses Bild zeigt den Widerspruch zwischen dem Anspruch auf Frieden und den täglichen Realitäten.

Auch die Beiträge verschiedener Intellektueller und Autoren zum Prozess dürfen nicht ignoriert werden. Die Einschätzungen von Erdoğan Aydın, Halil Gündoğan, Arif Çelebi und Doğan Özgüden erinnern an die Bedeutung des Problems. All diese Warnungen zeigen, dass der Friedensprozess nicht nur in den Korridoren des Parlaments, sondern durch eine breite gesellschaftliche Debatte gestaltet werden muss.

Die Systemparteien und die kolonialistische Sprache

AKP, CHP, MHP – die Namen ändern sich, aber die offizielle Leugnung und der sicherheitsorientierte Ansatz bleiben gleich. Die Sprache, die „an der Macht hart, in der Opposition heuchlerisch“ ist, sind nur verschiedene Tonarten, um die Wahrheit der Kurden zu unterdrücken. Der Wechsel von Özlem Çerçioğlu zur AKP erinnert an die Funktionsweise eines Systems, das über den Namen steht. Das gleiche Rad dreht sich; die Zahnräder wechseln nur ihre Position. Die Betonung von Verteidigungsminister Yaşar Güler auf „Niederlegung der Waffen, Auflösungsbeschluss“ erzeugt in Verbindung mit den andauernden Operationen vor Ort in der Gesellschaft kein Vertrauen, sondern Zweifel. Technische Zeitpläne wie „die Kommission wird nächste Woche zwei Tage arbeiten“ überzeugen niemanden, wenn das Sprachverbot und die Geheimhaltung andauern.

Von einem einfachen Prinzip zu einem Fahrplan

Der 12-Punkte-Rahmen des Kritischen Friedensnetzwerks bietet eine Ausgangsbasis mit Themen wie der Abschaffung des Anti-Terror-Gesetzes, der Freilassung politischer Gefangener, Wahrheits- und Aufarbeitungsprozessen sowie wirtschaftlicher Gleichheit. Zu dieser Basis müssen folgende vier Punkte hinzugefügt werden:

  1. Das Recht auf die Muttersprache ist nicht verhandelbar.
  2. Die Sitzungen und der Verhandlungsfahrplan müssen transparent sein.
  3. Eine Sprache des „Friedens“ kann nicht gleichzeitig mit Operationen im In- und Ausland geführt werden.
  4. Den Vertriebenen muss die Rückkehr ermöglicht werden.
  5. Die Einsetzung von Zwangsverwaltern in den Gemeinden muss beendet und der Wille des Volkes anerkannt werden.

Ohne die Verwirklichung dieser und ähnlicher Prinzipien kann der Friedensprozess für das Volk keine Quelle des Vertrauens sein.

Das Schwierige, das Richtige, beharrlich verteidigen

„Es ist schwer, aber trotzdem Frieden“ zu sagen, bedeutet, sich jeden Tag einer neuen Hürde zu stellen. Aber ich bin mir sicher: Wo die Muttersprache verboten ist, gibt es keinen Frieden. In einem Land, in dem den Friedensmüttern das Sprechen in ihrer Muttersprache verwehrt wird, Sitzungen geheim abgehalten werden und Verbote für Presse und Straße hageln, wird Frieden zu einem leeren Wort auf dem Papier.

Wahrer Frieden ist nur möglich, wenn die Hindernisse für die kurdische Sprache beseitigt werden, wenn sich die Türen der Gefängnisse zur Gerechtigkeit öffnen, wenn Wahrheitskommissionen die Sprache des Leids aufzeichnen, wenn Vertriebene nach Hause zurückkehren können und wenn unterschiedliches Leid am selben Tisch besprochen werden kann. Ob CHP, MHP oder AKP – wer auch immer bereit ist, diese Prinzipien umzusetzen, der ist der wahre Akteur des Friedens. Andernfalls sind die Kommissionen funktionslos, die Zeitpläne eine Hinhaltetaktik und die Sätze leere Slogans.

Sagen wir es trotzdem immer wieder beharrlich: Wo die Muttersprache verboten ist, gibt es keinen Frieden. Und genau deshalb: trotz allem Frieden, trotz allem Freiheit.

 

 

 

 

24 August 2025 0 Kommentare
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İskan Tolun
Kultur

Begegnungen am Radweg: Eine Geschichte von Mensch, Natur und einem besonderen Rabenfreund

von Fremdeninfo 23 August 2025
von Fremdeninfo

Eines meiner täglichen Rituale ist es, Sport zu treiben. Mindestens zweimal pro Woche mache ich eine Fahrradtour: fünfzehn, zwanzig Kilometer, hin und zurück. Wenn ich Tag für Tag stundenlang am Schreibtisch sitze, in Büchern lese und schreibe und im Sessel versinke, werden die Muskeln natürlich steif. Dann wird es ganz selbstverständlich zu einer unvermeidlichen Option, etwas Sport zu treiben. Deshalb habe ich das Radfahren zu einer festen Gewohnheit gemacht. Auch wenn das Thema etwas sprunghaft ist, lohnt es sich, es detailliert zu erzählen.

Im Allgemeinen ist Deutschland, was Sauberkeit und Perfektion betrifft, unbestreitbar – und das gilt natürlich auch für diese reizende, kleine Stadt (Rees), in der ich seit vierzig Jahren lebe. Diese kleine und charmante Stadt hat eine makellose Luft. Ohnehin sind die Ufer des berühmten Rheins legendär. Es fehlen lediglich die Restaurants und Unterhaltungsmöglichkeiten, die man in Großstädten wie Köln direkt am Fluss findet.

Die Straßen inner- und außerhalb der Stadt sind perfekt und makellos sauber. Auf den Radwegen ist es genauso, und alle ein bis anderthalb Kilometer gibt es eine Bank zum Ausruhen und gleich daneben einen Mülleimer. Meistens gab es dort, wo ich eine Pause machte, eine Bank zum Sitzen, aber keinen Mülleimer. Dies war mir auch an mehreren anderen Stellen aufgefallen. Ich wollte es den Behörden melden. Denn manchmal war die Umgebung dieser Bänke ohne Mülleimer voller Zigarettenkippen, Wein-, Bier-, Cola- und Plastikflaschen sowie Plastik- und Papiertüten, und dieser Zustand störte mich sehr.

An einem sonnigen Tag saß ich auf einer Bank am Rande eines Radweges oberhalb der Stadt, wo kein Mülleimer war, rauchte und las ein Buch. Ein älterer Landwirt (Bauer) kam schnell mit seinem Auto angefahren und sagte in einem ziemlich lauten Ton: „Lass deinen Müll, deine Zigarettenkippe nicht hier, nimm sie mit.“ Das hatte ich ohnehin vor. Aber seine Art zu sprechen und seine Betonung waren befehlend. Ich würde nicht übertreiben, wenn ich sagte, es klang sogar drohend. Diese Art zu sprechen, besonders seine voreingenommene Haltung, hat mich natürlich sehr traurig gemacht. Denn mehr als eine Drohung erinnerte es mich daran, dass ich ein Fremder bin. Mit einer Haltung, die zu einem heftigen Streit bereit war, wartete er auf meine Antwort und stand einfach über mir.

„Diese raue Haltung ist, weil ich ein Ausländer bin. Ich wünschte, Sie wären nicht so voreingenommen“, dachte ich mir und sagte, als ich das Buch schloss: „Sicher, Onkel. Ich habe ohnehin nur eine Zigarettenkippe. Ich werde sie löschen und mitnehmen, so wie ich es immer mache. Keine Sorge, ich werfe sie nicht hierher“, fügte ich mit einem bitteren Lächeln hinzu. Er muss meine Antwort gemocht haben, denn er ging, ohne ein einziges Wort zu sagen. Als ich ihm nachblickte, gab ich ihm recht. Denn er kannte mich nicht. Besonders im Sommer bin ich sehr vorsichtig, wenn ich rauche. Ich werfe eine Zigarette auch nicht weg, bevor ich sie gelöscht habe. Daher war ich über seine Haltung traurig, aber genauso erfreut über seine Sensibilität.

Eines Tages, als ich auf dem Weg unterhalb der Stadt fuhr, hielt ich neben einem städtischen Mitarbeiter an, der mit einem Dienstwagen in der Nähe der Bank, wo ich normalerweise pausiere, eine Inspektion durchführte. Ich zeigte auf die leeren Flaschen und den Müll rund um die Bank und sagte: „Können Sie hier keinen Mülleimer aufstellen? Sehen Sie, überall ist Müll.“ Der Mann notierte meinen Wunsch in sein Notizbuch, und wir verabschiedeten uns. Einige Tage später, als ich dorthin fuhr, traf ich auf einen brandneuen Mülleimer. Ich machte ein Foto davon und teilte es in meinem Status. Ich hatte mich sehr gefreut, dass mein Wunsch erfüllt worden war.

Als ich ein paar Tage später zurückkam, fand ich einen brandneuen Mülleimer. Ich machte ein Foto und postete es in der Statusleiste. Ich war so glücklich, dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen war.

Nun, kommen wir zum eigentlichen Thema:
Wieder einmal, an einem Tag (15. Mai 2025 / Radweg unterhalb der Stadt), war ich auf einer Fahrradtour. Normalerweise fuhr ich immer denselben Weg hin und zurück. Dieser Radweg, den ich oft benutze, ist mir vertraut; er wurde Anfang der 1990er Jahre gebaut. Woher ich das weiß? Als die Pflasterung der Steine beendet war, wurde die Ausschreibung für die „Rasenansaat“ entlang dieses langen Weges an die Firma vergeben, bei der ich selbst arbeitete. Wir ebneten den Boden an den Rändern mit einer Harke und streuten Rasensamen. Wie bekannt ist, regnet es in Deutschland oft. Mit dem Regen sprießten die Rasensamen, die wir gestreut hatten, innerhalb weniger Wochen, und die Wegränder wurden saftig grün.

Apropos Radweg: In denselben Jahren, aber an einem Radwegrand einer anderen Stadt, pflanzten wir dieses Mal Baumsetzlinge. Zusammen mit vier, fünf Kollegen… Aus einem Loch, das ich mit einer Schaufel für einen Setzling grub, kam ein kugelförmiges Objekt, das ich für einen Stein hielt, zum Vorschein; es war mit Schlamm bedeckt. Aber was für ein Objekt? Ich zeigte es meinen Kollegen. Es war wie ein gewöhnlicher runder Stein; aber als der Schlamm abfiel, kam ein etwa zwanzig Zentimeter langer Stiel zum Vorschein. Wir haben uns nie gefragt: „Warum hat dieses Objekt, das wir für einen Stein hielten, einen solchen Stiel?“ Wir traten sogar auf den kugelförmigen Teil und rieben unsere schlammigen Schuhe an dem zwanzig Zentimeter langen Stiel ab, um sie zu reinigen, und gingen weiter. Zwei, drei Tage vergingen so. Der Schlamm war getrocknet, und ab und zu schlugen wir unsere Schaufel, um sie vom Schlamm zu befreien, auf dieses Objekt und gingen weiter. Eines Tages hatte ich bemerkt, dass es kein Stein, sondern Metall war. Denn als ich mit der Schaufel daraufschlug, hatte ich den Rost des Metalls, der dabei zum Vorschein kam und abfiel, erkannt, aber ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht: „Was könnte dieses Metallobjekt sein?“

Am nächsten Tag erschien unser großzügiger Chef. Gott sei Dank hatte er uns, wie immer, wieder warmes Essen und Getränke mitgebracht. Es war ein sehr sonniger Tag, wir setzten uns auf den Rasen und begannen, unser warmes Essen zu essen. Der Chef, der vor uns stand und seine Zigarette rauchte, warf sich plötzlich zu Boden. Er hatte Deckung genommen, als wäre er in einem Krieg. Sein etwas dickes und immer lebhaft-rotes Gesicht war blass geworden, kreidebleich. Er stand auf, wich zurück und warnte uns alle: „Geht weg von dort.“ Während wir fragten: „Was ist los?“, verstanden wir, als wir auf die Stelle blickten, auf die er sich konzentrierte, und eilten eilig weg. Der Chef sprang ebenfalls in sein Auto und fuhr schnell weg und verschwand aus unserem Blickfeld…

Einige Stunden später kam er in Begleitung von 4-5 ähnlichen weißen Autos zurück. Solche Autos sah ich aber zum ersten Mal. Ihre Modelle und Typen unterschieden sich erheblich von normalen Autos. Bombenentschärfungsexperten stiegen einer nach dem anderen, wie Astronauten, aus diesen Autos und nahmen das Objekt, das wir für einen Stein hielten, mit. Wow!.. Wir hatten dieses unbekannte Objekt so oft angefasst, es hätte jeden Moment explodieren können, und es hätte uns leicht ins Jenseits befördern können. Es war wirklich ein Wunder, dass es nicht explodiert war. Jetzt fällt mir ein Zitat von Albert Einstein über Wunder ein: „Es gibt nur zwei Arten zu leben: als gäbe es keine Wunder oder als wäre alles ein Wunder.“

Ja, das Objekt, das wir für einen Stein hielten, stellte sich als eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg heraus, die geworfen, aber nicht explodiert war – wir wussten es nicht…

Ohne weiter abzuschweifen, komme ich zum eigentlichen Thema:
Während ich Rad fuhr, hörte ich plötzlich ein „Gak!..“ vom linken Rand des besagten Weges (15. Mai 2025 / Radweg unterhalb der Stadt) kommen. Als ich mich umdrehte und schaute, war es ein Krähenjunges, das seinen knallroten Schnabel bis zum Anschlag geöffnet hatte. In der Annahme, dass seine Mutter bestimmt irgendwo in der Nähe war und sich gleich kümmern würde, setzte ich meinen Weg fort. Wieder einmal, wie immer, wollte ich zum Seeufer. Ich bog auf den Pfad ab…

Ich hielt am Seeufer an und stieg ab; ich wollte eine kleine Pause machen. Obwohl ich es See nannte, ist es eigentlich, wie bekannt ist, kein natürlicher, uralter See. Es ist ein neu entstandener See, der durch den Abbau von Sand und Kies entstanden ist. Wenn ich sage, es ist ein kristallklares, makelloses Gewässer wie eine Träne, würde ich nicht übertreiben. Es ist tatsächlich sehr sauberes, makelloses, klares Wasser. Woher ich weiß, dass dieser saubere See neu entstanden ist? Ohne zu sehr abzuschweifen, erzähle ich es kurz: Als ich (1985) nach Deutschland kam, gab es diesen See nicht. Es war ein bekanntes Feld, ein Grundstück. Zuckerrüben, Weizen, Mais wurden angebaut. Es war ohnehin das Land des Bauernhofs (Bauer), auf dem ich in Deutschland zuerst gearbeitet habe. Ja, dieser riesige See war ein Weizenfeld. Nachdem der Mähdrescher den Weizen geerntet hatte, hatten wir zusammen mit einigen Freunden die großen Ballen des Weizenstrohs auf den Anhänger geladen und sie an einem unglaublich heißen Tag auf dem Dachboden in der Scheune verstaut… Ich arbeitete ohnehin zwei, drei Tage die Woche für ein paar Stunden auf diesem Bauernhof. Bis der Bauer starb. Schade, er verstarb in jungen Jahren; Gott hab ihn selig!.. Die Todesursache war meiner Meinung nach Alkohol, denn er konsumierte übermäßig viel Alkohol. Er starb an einem sehr interessanten Datum, das werde ich nie vergessen: 08.08.1988.

Das Thema schweift etwas ab, denn es gibt so viele Erinnerungen. Nun, am Ufer dieses schönen Sees überprüfte ich, wie immer, zuerst meine gepflanzten Walnuss-Setzlinge. Die Geschichte meiner Walnuss-Setzlinge erzähle ich auch kurz: Gegenüber meinem Garten befindet sich ein kleines, aber baumbestandenes, waldähnliches Grundstück, und es gibt auch niedliche, wilde Tiere, die zwischen diesen Bäumen leben: Igel und Eichhörnchen. Daher reichen die Äste eines großen, prächtigen Walnussbaumes, der auf diesem Grundstück gewachsen ist, bis in unseren Garten. Folglich fällt ein Teil der Walnüsse auch in unseren Garten, zu unserem Glück. Eines Tages erregte das geschäftige Treiben eines niedlichen Eichhörnchens meine Aufmerksamkeit, ich versank ins Zuschauen. Es nahm die in meinen Garten gefallenen Walnüsse einzeln mit und vergrub sie hier und dort. Ich schaute zu und lachte. Offenbar bereitete es seine Wintervorräte vor… Wahrscheinlich hatte es die vergrabenen Walnüsse im Winter vergessen; oder es hatte zu viele vergraben, so dass der Frühling kam, bevor es sie ausgraben und fressen konnte, und sie mit dem Frühling keimten. Im nächsten Jahr wurden sie zu Setzlingen. Ich verschenkte diese Setzlinge an jeden, der kam und ging, und manchmal nahm ich sie mit und pflanzte sie am Straßenrand oder an einem Seeufer. Aber dieses Jahr waren es sehr viele; über zwanzig Walnüsse keimten. Diese gehören der Natur. Ich kann nicht zulassen, dass die Setzlinge verschwendet werden. Ich denke daran, sie der Stadtverwaltung zu schenken.

Nun, ich warf einen Blick auf die Schönheit des Sees. Eine Gruppe Wildgänse ließ sich federleicht auf dem See nieder. Jeder von ihnen verharrte wie festgenagelt in diesem makellosen, klaren Wasser. Ich schaute lange zu… Während ich sie und das Wasser ansah, kamen mir die alten Tage, als der See ein Feld war, einer nach dem anderen in den Sinn; ich war in Gedanken versunken. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ein bekanntes junges Paar, das etwas weiter Rad fuhr, mich grüßte, und stieg auf mein Fahrrad und fuhr zurück. Vom Pfad wechselte ich auf den Radweg und machte mich schnell auf den Weg nach Hause.

Als ich wieder denselben Ort passierte, kam diesmal ein noch kläglicheres „Gak!..“, ich hielt sofort an und drehte mich um. Das Krähenjunges war immer noch dort, ganz allein, seine Mutter war nicht gekommen. Es sah mich hoffnungsvoll an, dass ich mich kümmern würde, und rief so kläglich und wiederholt „Gak!..“. Mein Herz zog sich zusammen, es brannte, schmolz förmlich. Mit seinem knallroten Schnabel weit geöffnet, rief es ununterbrochen und unablässig: „Gak!.. Gak!..“ Das Innere seines Schnabels schien wie ein Schmiedebalg Flammen zu speien, knallrot. Das Wetter war an diesem Tag auch ziemlich heiß: Mindestens zwanzig, vielleicht fünfundzwanzig Grad. Ja, es war die Hitze des Mais.

Ich nahm es in die Hand, als ob es ein heiliges Objekt wäre, und begann, mit einer Hand Fahrrad zu fahren. In meiner Nähe war das Haus eines bekannten Zahnarztes; ich hielt an und klingelte. Gott sei Dank brachte seine Frau etwas Wasser und Futter. Als ich Wasser in seinen Schnabel goss, saugte es es wie ein Schwamm auf und trank unaufhörlich, das gesegnete Geschöpf, ohhh, ich war erleichtert… Das Futter war gewöhnliches Vogelfutter, getrockneter Mais, Weizen und so weiter. Das Krähenjunges ist noch ein Küken, ich habe es natürlich nicht gegeben, weil es diese Art von Futter nicht verdauen kann, sein Magen es nicht verarbeitet, und es vielleicht im Hals stecken bleibt. Die erste Nahrung von Küken sind Würmer, das wusste ich natürlich. Ich grub mit einem Stock hier und da, in der Hoffnung, ein paar Würmer zu finden. Aber ich fand keine. In der Zwischenzeit kam auch der Zahnarztfreund heraus und sagte: „Lass es dort, wo du es gefunden hast, seine Mutter wird kommen und sich darum kümmern.“ Mir fiel nichts anderes ein, ich würde tun, was er sagte. Ich wollte zurückgehen und es an derselben Stelle zurücklassen, aber wie sollte das gehen, würde es überhaupt herunterkommen? Es wollte einfach nicht von meinem Arm herunter. Mit einem gebrochenen Ast, den ich vom Boden aufgehoben hatte, begann ich, das angrenzende Feld mit einer Hand zu durchwühlen. Das unaufhörliche, futterfordernde, unablässige Geräusch des Krähenjungen hallte ständig in meinen Ohren: „Gak!.. Gak!..“ rief es, und mein Herz schmolz. Ich durchwühlte so viel Erde, suchte und suchte, aber ich fand nicht einen einzigen Wurm. Nicht einmal eine Ameise war zu sehen. Es lag mir auch nicht daran, es dort allein zu lassen, ich würde es mit nach Hause nehmen. „Ya Allah“, sagte ich, stieg auf mein Fahrrad und machte mich auf den Weg. Das Krähenjunges auf meinem Arm, und ich fuhr das Fahrrad mit einer Hand…

Am Ortseingang lachten die Leute, die das Krähenjunges auf meinem Arm sahen, und ich lachte. Interessanterweise kam mir dabei ein Zitat von Albert Einstein in den Sinn: „Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“ Und wir waren zwei Seelen auf dem Fahrrad. Ich passte auf, dass wir nicht fielen, und trat harmonisch in die Pedale.

Im Garten stellte ich das Fahrrad an seinen Platz und ging mit dem Krähenjunges auf dem Arm ins Haus. Anstelle von Würmern fiel mir als Erstes Salami und Pastirma ein, die wir zum Frühstück gegessen hatten. Ich schnitt die Salami mit einem Messer in kleine Stücke, nahm ein Stück, legte es in seinen geöffneten Schnabel und zog meine Hand schnell zurück. Es schluckte es sofort hinunter, beinahe hätte es meinen Finger gehackt. Ich ging wieder nach draußen und fütterte es weiter, bis es satt war. Zwischendurch gab ich ihm auch Wasser. Und gegen Abend kamen meine Enkelkinder, ohh, der Garten wurde lebendig… Sie fütterten es, gaben ihm Wasser, streichelten und liebkosten es. Seine Liebhaber waren zahlreicher geworden. Mein Enkel fand auch einen Namen für es: Marvin. Am Abend baute ich ihm im Garten, unter dem Gartenpavillon, auch einen schönen, geschützten Unterschlupf. Ja, es musste vor allem geschützt sein. Denn die Katze der Nachbarn besuchte ab und zu unseren Garten, Gott bewahre!.. Ach ja, damit es nachts nicht fror, hatte ich auch ein Kissen daruntergelegt…

Marvin

Am Morgen war meine erste Tat, nach ihm zu sehen. Als es meine Ankunft spürte, stieß es ein langes „Gak!..“ aus. „Ohh!.. Die Katze war nicht da. Gott sei Dank lebt es“, sagte ich mir selbst. Ich gab ihm wieder sein Futter und Wasser und brachte es in die Sonne. In Wasser eingeweichtes Brot, Salami, Wurst; unser Marvin lehnte fast nichts ab, was man ihm geben konnte, solange es durch seinen Hals passte, und schluckte es. Ja, er war nun „unser Marvin“…

Einige Tage später, damit es fliegen lernte, warf ich es vorsichtig im Garten in die Luft. Es machte einen kurzen Flug und landete sanft auf dem Rasen. Es gefiel mir sehr, und ich war mir sicher, dass es auch ihm gefallen hatte. Ich wiederholte es, immer wieder, und jedes Mal flog es ein bisschen weiter und kehrte wie ein Bumerang zurück. Ich bemerkte, dass es immer wieder die unteren Ränder seines rechten Auges mit seinen Krallen kratzte, und allmählich fielen die Federn an der gekratzten Stelle aus und sie wurde weißlich. Beim Kratzen löste sich die Haut, und beinahe hätte sich dort eine Wunde gebildet. Am nächsten Tag begann es dann, sich mit seinem Schnabel überall zu kratzen. Das Wetter war heiß, ich wusch es gründlich und ließ es in der Sonne, wo es sich wärmte. Als seine Federn trocken waren, bereitete ich eine leichte antibakterielle Salbenmischung vor, die gut für sein Auge sein könnte. Vorsichtig trug ich das Medikament unter sein Auge auf, wo es gekratzt hatte und beinahe eine Wunde entstanden wäre. Es verhielt sich so brav, dass ich, als ich die Salbe auftrug, spürte, dass das Medikament ihm guttat. Am nächsten Tag hatte ich bemerkt, dass es etwas besser war. Nach einigen weiteren Anwendungen war es vollständig geheilt. Ich sagte: „Komm, komm“, und es folgte mir. Ich begann, diese „komm, komm“-Rufe nun in meiner Muttersprache zu sagen: Und als ich „We re, we re, we re“ sagte, bemerkte ich, dass es schneller kam, und sprach fortan immer Kurdisch mit ihm…

In der Zwischenzeit hatte sich auch seine Flugreichweite beträchtlich verbessert und sein Aktionsradius erweitert. Normalerweise las ich im Garten, nachdem ich ihm Futter und Wasser gegeben hatte, und auf einmal war unser Marvin nicht mehr da, er verschwand. Ich begann eilig zu suchen und rief: „Marvin!.. Marvin!..“ Manchmal fand ich ihn selbst, manchmal erschien unser Marvin, Gott sei Dank, vom Arm meines Nachbarn. Der ungebetene Gast schlüpfte nun oft in den Garten des Nachbarn. Einige Wochen später änderten sich die Dinge. Der Unterschlupf muss ihm zu eng geworden sein, denn er übernachtete nun in den Bäumen des kleinen Grundstücks gegenüber und konnte ganz normal fliegen. Nachdem er sein Futter und Wasser bekommen hatte, flog er davon. Ich spazierte im Garten herum und las entspannt ein Buch. Wenn es Zeit zum Essen und Trinken war, kam er plötzlich von hinten, streifte meine Beine und landete sanft auf dem Rasen vor mir. Zuerst versuchte er, auf meinen Rücken oder meine Schulter zu landen, aber meine Weste war rutschig, und er fiel herunter. Manchmal, wenn er plötzlich kam, wusste ich, dass er es war, und ich wurde leicht seltsam gekitzelt, und er erschrak natürlich auch. Wahrscheinlich deshalb hatte er sich entschieden, nun auf den Boden vor mir zu landen. Jedes Mal nahm ich ihn auf die Hand, streichelte und küsste ihn zärtlich. Ich hatte gehört, dass Krähen sehr intelligent sind, aber das hatte ich nicht erwartet. Er hatte sich ungemein an mich gewöhnt. Wenn ich zum Markt ging, flog er lange hinter mir her und kehrte dann in den Garten zurück.

Neben meinen Enkelkindern war er auch zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Nachbarskinder geworden. Sie kamen in den Garten und streichelten und liebkosten ihn. Vier, fünf Wochen vergingen so, ungemein fröhlich und unterhaltsam. Aber er hatte auch den Platz unter dem Gartenpavillon unbenutzbar gemacht. Jeden Tag reinigten wir die Böden, aber wenn er auf die Sitzgelegenheiten kotete, wurde die Sache natürlich schwieriger. Was unsere eigenen Sachen betraf, war es ja noch in Ordnung, aber er flog nun auch oft auf die Terrassen der Nachbarn. Aus diesem Grund beschloss ich eines Tages, ihn wieder in die Natur zu entlassen. Krähen sind ohnehin keine Haustiere, sie gehören in die Natur. Ich würde ihn dorthin zurückbringen, wo ich ihn gefunden hatte. Mit einer Tüte Brot machte ich mich auf den Weg. Ich brachte ihn an den Ort, wo ich ihn gefunden hatte. Ich sah ihn lange an, küsste und streichelte ihn. Dann warf ich ihn in die Luft, er flog und setzte sich auf einen Baum. Während ich ihn in die Natur entließ, sagte ich ihm nach: „Alles Gute auf deinem Weg, Marvin. Mach’s gut“, und verteilte viele Brotstücke in der Umgebung, damit er nicht hungern musste, bis er sich an die Natur gewöhnt hatte. Danach verschwand ich von dort und machte mich auf den Weg nach Hause…

Am nächsten Tag, ein Spektakel im Haus!.. Mein ganzer Tag verging damit, meine Enkelkinder, die die Situation verstanden hatten, zu beruhigen. Die Nachbarskinder kamen auch und fragten. Tatsächlich hatten wir Marvin alle sehr geliebt, aber es war das, was geschehen musste. Einige Tage später unternahm ich wieder eine Fahrradtour. Als ich denselben Ort erreichte, hielt ich an und rief ein paar Mal: „Marvin, Marvin!..“, aber niemand kam. Es schien, dass er sich mit der Natur vereint hatte. Ich schaute mich um, auch die Brotstücke, die ich dort gelassen hatte, waren weg. Offenbar war unser Marvin mit seinen Geschwistern gekommen und hatte sie gegessen, wohl bekomm’s!..

Yaşar Kemal:
„Wenn der Mensch die Schönheit so sehr bewundern kann, was ist dann dieser Krieg, dieses gegenseitige Verschlingen, diese Erniedrigung, diese Feindseligkeit gegenüber dem fließenden Wasser, dem fliegenden Vogel, dem Schmetterling auf dem Blatt?“

von İSKAN TOLUN

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23 August 2025 0 Kommentare
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Kultur

Kommission für Nationale Solidarität, Brüderlichkeit und Demokratie“, die von der Mehrheit der Parteien zur Lösung derKurdenfrage in der Türkei

von Cumali Yağmur 23 August 2025
von Cumali Yağmur

 Prof.Dr. Taner Akcam

Es gibt Schriften und Interviews von Prof. Dr. Taner Akçam über die „Kommission für Nationale Solidarität, Brüderlichkeit und Demokratie“, die von der Mehrheit der Parteien zur Lösung der Kurdenfrage in der Türkei gegründet wurde. Wir veröffentlichen hier eine kurze Analyse [oder: Aussage] von ihm.

Eine Tour d’Horizon mit Selim Çürükkaya aus dem Interview mit Pf.Dr.Akcam  

Eine Tour d’Horizon mit Selim Çürükkaya… Die Trump-Putin-Gespräche, die jüngsten Entwicklungen in Syrien und die kurdische Öffnung in der Türkei… meine Hauptthese ist immer dieselbe: Die türkische Sicherheitsbürokratie meint es mit der kurdischen Öffnung sehr ernst und ist fest entschlossen, das Problem endgültig zu lösen… Sie betrachtet dies aus Sicht der „nationalen Sicherheit“ als unvermeidlich. Die Lösung ist ein neues Staatsbürgerschaftsverständnis, das auf der Gleichheit von Türken und Kurden basiert, anstelle der Republik von 1923, die Staatsbürgerschaft mit dem Türkentum gleichsetzt… Sie zielen also darauf ab, eine neue Republik zu gründen.

Sie meinen es in dieser Sache ernst, aber ernst zu sein, reicht nicht aus, um das Problem zu lösen. Meiner Meinung nach stehen dem Prozess zwei große Hindernisse im Weg:

1- Tayyip Erdoğan [ich weiß nicht, wie sie dieses Problem lösen werden, es stellt eine ernste Angelegenheit für MHP, CHP und DEM dar!]

2- Die verwöhnte türkische Mehrheit, die sagt: „Wir werden nicht zulassen, dass die Grundwerte der Republik angetastet werden!“

Diese zweite Gruppe ist sehr, sehr unwissend! Denn sie haben kaum eine Ahnung, was es ist, das sie nicht antasten lassen wollen. Zum Beispiel wollen sie angeblich LAUSANNE nicht antasten lassen!

Ich frage mich, was genau an LAUSANNE sie nicht antasten lassen wollen? Worüber sprechen wir: über die TÜRKISCH-KURDISCHE Gleichheit. Aber in DIESEM PUNKT gibt es doch KEINEN UNTERSCHIED zwischen LAUSANNE und SEVRES!!!! Bürgerrechte, Schutz von Minderheiten…

In diesen Punkten haben sie einfach kopiert, was in Sèvres stand, und es in den Vertrag von Lausanne übernommen.
Nicht einmal das wissen sie. Ein vernünftiger Verstand würde sagen: Wir werden die Umsetzung der Bestimmungen von SEVRES und LAUSANNE zu Bürgerrechten und Minderheitenschutz bis zum Ende verteidigen. So sollte es sein. Aber stattdessen haben wir es mit einer Herde ahnungsloser Ignoranten zu tun…

Was ist die zweite Dimension des „Wir lassen Lausanne nicht antasten“? Die These, sich gegen eine Politik der Grenzerweiterung zu stellen. Auch in diesem Punkt sind sie sehr unwissend, aber ich will nicht weiter darauf eingehen, lassen wir es als spannenden Punkt im Raum stehen.

23 August 2025 0 Kommentare
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Banaszak: Grüne sollten offener über Integrationsprobleme sprechen

von Fremdeninfo 22 August 2025
von Fremdeninfo

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Grünen-Chef Felix Banaszak ruft seine Partei dazu auf, offener über Probleme bei der Integration von Migranten zu sprechen. „Damit ich zu rationalen Lösungen in der Migrationsdebatte komme, muss ich auch benennen, dass es Herausforderungen gibt“, sagte er der Wochentaz. „Und ja, mit Migration und Vielfalt gehen neue Konflikte einher. Einwanderungsgesellschaft heißt Arbeit, aber die lohnt sich.“

Als Beispiel nannte er Berichte über einen Lehrer, der von Schülern an einer Grundschule in Berlin-Moabit wegen seiner Homosexualität gemobbt worden sein soll. „Mit so etwas müssen sich progressive Kräfte auseinandersetzen. Es muss möglich sein, angstfrei und offen schwul zu leben, ohne von Rechtsextremen oder Islamisten bedroht zu werden“, sagte Banaszak.

Einigen falle es schwer, solche Probleme auszusprechen. „Aber wenn progressive Kräfte keine überzeugenden Antworten geben, füllen andere das Vakuum“, sagte Banaszak weiter. „Und so zwingt Deutschland jetzt wieder Frauen und Kinder auf Schleuserboote, weil Union und SPD glauben, den Familiennachzug einschränken zu müssen. Das ist populistischer Unsinn.“

Strategisch hält der 35-Jährige für seine Partei am Ziel fest, „die Grünen zur führenden Kraft der linken Mitte zu machen“. Wähler in der politischen Mitte seien für die Grünen im Bundestagswahlkampf zwar nicht mehr zu erreichen gewesen. Laut Banaszak wäre es „aber ambitionslos, sich damit abzufinden.“

Es ist eine Frage der Reihenfolge: Ich muss erst das Fundament festigen – Menschen zurückholen, die uns nahestehen, aber enttäuscht sind – und dann in die Höhe bauen“, so der Grünen-Politiker. Inhaltlich will er dafür auch verstärkt Verteilungsfragen thematisieren. „Bis zu 80 Prozent sind der Auffassung, dass die Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen zu groß geworden ist“, sagte Banaszak. „Das Bemühen um mehr Gleichheit und Gerechtigkeit ist ein Anliegen der Mitte. Und wir sind eine Partei der linken Mitte, nicht der linken Hälfte des Golfplatzes.“

Von:DTS Nachrichtenagentur

22 August 2025 0 Kommentare
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Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

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