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EU-Bericht: Italien blockiert Rücknahme von Asylbewerbern

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Information

Schwesig zu Pascha-Aussage von Merz: „Das löst gar keine Probleme“

von Fremdeninfo 22 Januar 2023
von Fremdeninfo

olitik

Schwesig zu Pascha-Aussage von Merz: „Das löst gar keine Probleme“

Von

dtj-online

–

=“Schwesig dankt ehrenamtlichen Ukraine-Helfern“
Archivfoto: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht mit einem Journalisten. Foto: Stefan Sauer/dpa

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat die Pascha-Aussage von CDU-Chef Friedrich Merz deutlich kritisiert.

„Wenn die CDU meint, sie muss jetzt in diese Richtung gehen, Migrantinnen und Migranten pauschal zu beschimpfen, dann hat Herr Merz und die CDU ein Problem“, sagte die SPD-Politikerin am Freitag in Greifswald. Merz betreibe auf dem Rücken von Menschen mit Migrationshintergrund Parteiprofilierung.

Im Kontext der Krawalle in der Silvesternacht hatte Merz am Dienstagabend in der Talkshow „Markus Lanz“ über den Umgang mit Lehrerinnen und Lehrern gesagt: „Und dann wollen sie diese Kinder zur Ordnung rufen und die Folge ist, dass die Väter in den Schulen erscheinen und sich das verbitten. Insbesondere, wenn es sich um Lehrerinnen handelt, dass sie ihre Söhne, die kleinen Paschas, da mal etwas zurechtweisen.“

Regeln für alle, aber keine pauschalen Verurteilungen

Schwesig sagte, die große Mehrheit von Menschen aus anderen Ländern wolle sich in Deutschland auch einbringen: „Wir brauchen Fachkräfte.“ Gleichzeitig sei völlig klar, dass sich alle, egal ob aus dem Ausland oder nicht, an die Regeln zu halten hätten. Es sei wichtig, klare Grenzen zu ziehen, wenn es um Regelverletzungen gehe. Gleichzeitig dürften solche Situationen aber nicht benutzt werden, alle pauschal zu verurteilen. „Das bringt überhaupt gar nichts und das löst schon gar keine Probleme.“

Merz hatte seine Aussage am Freitag verteidigt. Es sei notwendig, darüber zu reden, was hierzulande eigentlich schieflaufe, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin“. Lehrerinnen und Lehrer hätten in den Schulen oftmals das Problem, anerkannt zu werden von den Schülern – wobei es sich oftmals um Schüler aus muslimischen Migrantenfamilien handele.

dpa/dtj

22 Januar 2023 0 Kommentare
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Information

Brisante Erdogan-Wahl: Kann man 2023 in der Türkei überhaupt sicher Urlaub machen?

von Fremdeninfo 21 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

 

Brisante Erdogan-Wahl: Kann man 2023 in der Türkei überhaupt sicher Urlaub machen?

Artikel von Anika Zuschke

 

 

Die Stadt Istanbul und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei. © Christoph Soeder/dpa/imago/Montage

Brisante Erdogan-Wahl: Kann man 2023 in der Türkei überhaupt sicher Urlaub machen?

Die Türkei gilt als eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Doch kann man dort 2023 mit Blick auf die Präsidentschaftswahl sicher Urlaub machen?

Ankara – Nach zwei anstrengenden Corona-Jahren und dem vom Ukraine-Krieg und der Inflation geplagten Jahr 2022 stehen die Sterne für Reiseliebhaber 2023 endlich wieder etwas besser. Als eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen gilt dabei seit Jahren schon die Türkei – denn das Land hat neben historischen Bauwerken und leckerem Essen auch wunderschöne Sandstrände und vergleichsweise günstige Pauschalreisen zu bieten.

Doch ist es in der Türkei insbesondere seit 2015 immer wieder zu terroristischen Anschlägen gekommen. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Sommer dieses Jahres drängt sich deswegen die Frage auf: Ist es sicher, 2023 in der Türkei Urlaub zu machen?

Türkei Wahlen 2023: Sorgt Erdoğan für Unruhen im Land – und wie wirkt sich das auf den Tourismus aus?

Spätestens im Sommer 2023 wird in der Türkei ein neues Parlament und der Präsident gewählt. Eigentlich sollen die Wahlen mitte Juni dieses Jahres abgehalten werden, doch brachte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nun vermehrt den 14. Mai als früheren Präsidentschaftswahltermin ins Spiel. Grund dafür ist laut dem Türkei-Experten Udo Steinbach: „Je später die Wahl stattfindet, umso größer das Risiko für Erdoğan“, so der Islamwissenschaftler und ehemalige Leiter des Deutschen Orient-Instituts im Gespräch mit dem Focus.

Denn für den türkischen Präsidenten steht mit der Wahl 2023 einiges auf dem Spiel. Er möchte zum dritten Mal als Kandidat für das Präsidentenamt antreten, obwohl ein türkischer Staatspräsident laut der Verfassung nur zweimal in Folge gewählt werden kann. Schon aus dem Grund wird eine Wiederwahl für Erdoğan eine Herausforderung – darüber hinaus befindet sich die Türkei in einer tiefen Wirtschaftskrise, 2022 lag die Inflationsrate immer wieder deutlich über 80 Prozent.

Den Wahlen wird in der Türkei demnach mit Anspannung entgegengeblickt – doch wirkt sich das auch auf touristische Besuche aus?

Türkei Urlaub 2023 buchen oder besser nicht: Kann man zurzeit in der Türkei Urlaub machen?

Mit diesem Thema hat sich der Reisefrühwarn- und Informationsspezialist A3M auseinandergesetzt, der alle Länder der Welt nach ihrem Reiserisiko bewertet. In die Einschätzung fließen unter anderem die Faktoren der Ein- und Ausreise, der Infrastruktur, das Infektionsrisiko, Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte in dem entsprechenden Land mit ein. Die Türkei schneidet dabei eher mittelmäßig ab: Laut A3M herrscht in dem Land im Mittleren Osten nämlich ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.

as lässt sich demnach auf eine hohe Kriminalität sowie gewaltsame Proteste und Umweltkatastrophen pinnen, die in der Türkei für eine angespannte Sicherheitslage sorgen würden. Reisende sollten sich A3M zufolge deswegen vorab beim Auswärtigen Amt (AA) über die aktuelle Lage informieren und bei einer etwaigen Reise vor Ort vorsichtig sein.

Türkei News: Reisefrühwarnspezialist gibt mit Blick auf die Wahl 2023 Entwarnung für Urlaub

Auf die Präsidentschaftswahl 2023 bezogen, gibt der Reisefrühwarnspezialist aber Entwarnung. Denn für Touristen, Geschäftsreisende, Veranstalter und Unternehmen wird das Wahlergebnis demnach „unter Umständen keine großen Auswirkungen haben“, heißt es auf der Website von A3M. Politisch gesehen gelte „die Türkei als ein sicheres Reiseland“.

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Tatsächlich gab der Kultur- und Tourismusminister der Türkei, Mehmet Nuri Ersoy, erst vor Kurzem bekannt, dass der Tourismus im Jahr 2023 mit finanziellen Mitteln und zahlreichen Projekten in der Türkei sogar gefördert werden soll. Das gelte auch für den Wintertourismus in Skigebieten wie Kars oder Ardahan im Osten des Landes, der mit Blick auf den Schneemangel in Europa deutlich ausgeweitet werden soll.

Urlaub in der Türkei 2023 – auch vom Auswärtigen Amt keine Reisewarnung

Vom Auswärtigen Amt liegt ebenfalls keine aktuelle Reisewarnung vor – im Gegensatz zu den Behauptungen von A3M zeichne sich die Türkei demnach sogar als „ein Land mit vergleichsweise gering ausgeprägter Gewaltkriminalität aus“. Lediglich vor Taschendieben in Istanbul und anderen Großstädten müsse man sich in Acht nehmen. Opfer von Kleinkriminalität würden demzufolge häufig von bettelnden Kindern abgelenkt.

Doch weist das Auswärtige Amt auch auf die terroristischen Anschläge hin, unter denen die Türkei insbesondere seit Mitte 2015 wiederholt gelitten hat. Erst am 13. November 2022 wurde auf der Istanbuler Einkaufsstraße Istikla erneut ein Sprengstoffanschlag verübt, bei dem Todesopfer zu beklagen waren. Neben dem internationalen Flughafen Istanbul Atatürk waren in der Vergangenheit wiederholt die Innenstädte von Istanbul und Ankara Ziele von Anschlägen mit hohen Opferzahlen.

Was muss man beachten, wenn man 2023 in die Türkei in den Urlaub fliegt?

Die Sicherheitsvorkehrungen befänden sich landesweit aber auf einem hohen Niveau, insbesondere in großen Städten sei eine erhöhte Präsenz von Polizei und Sicherheitsbehörden sichtbar. Trotzdem rät das Auswärtige Amt zu folgenden Vorgehensweisen bei einem Urlaub in der Türkei:

  • Informieren Sie sich über die lokalen Medien
  • Meiden Sie Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig
  • Folgen Sie den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte

Der Grund für die Vorsicht: In allen Teilen der Türkei müsse angesichts von Anschlägen terroristischer Gruppierungen grundsätzlich von einer terroristischen Gefährdung ausgegangen werden. Es könne nämlich auch weiterhin zu Protesten und Demonstrationen kommen, bei denen vereinzelte gewaltsame Auseinandersetzungen und Verkehrsbehinderungen nicht ausgeschlossen werden können. Wenn Ihnen das zu riskant ist, gibt es auch abgesehen von der Türkei viele tolle Reiseziele im Jahr 2023.

21 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

Schwedens NATO-Beitritt: Warum Kurden mehr Abschiebungen fürchten Artikel von Julian Staib

von Fremdeninfo 21 Januar 2023
von Fremdeninfo

Schwedens NATO-Beitritt: Warum Kurden mehr Abschiebungen fürchten

Artikel von Julian Staib FAZ 

 

 

 Foto dpa

 

 

Nach seiner Abschiebung wurde Mahmut Tat am Flughafen in Istanbul festgenommen. Videos zeigen, wie er in Handschellen zu einem weißen Fahrzeug gebracht wird. Von außen klopfen Leute an die verdunkelten Scheiben, rufen etwas. Doch das Auto fährt ab. „Terrorist ins Gefängnis geschickt“, titelte dazu ein türkischer Fernsehsender. Tat hatte in Schweden Asyl beantragt, nachdem in der Türkei nach Terrorvorwürfen ein Verfahren ge­gen ihn eröffnet worden war. Zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wurde er verurteilt. Seiner Darstellung nach hatte er nur an Protesten teilgenommen. Schweden lehnte seinen Asylantrag ab. Zuletzt lebte der Kurde illegal im Land, erkrankte an Krebs. Trotzdem wurde er Anfang De­zember abgeschoben

„Gäbe es die NATO-Bewerbung nicht, wäre Tat nicht abgeschoben worden“, sagt Kurdo Baksi. Die schwedischen Be­hörden hätten wohl gegenüber der Türkei Härte demonstrieren wollen. Baksi lebt seit 42 Jahren in Schweden, ist schwe­discher Staatsbürger, arbeitet als Autor und fungiert als eine Art Sprecher der kurdischen Gemeinde. Bis zu 150.000 Kurden leben in Schweden. Das Land galt lange als Zu­fluchtsort für die Minderheit. Hier pflegte sie ihre Kultur und Tradition, teils sogar gefördert vom Staat. Doch seitdem Schweden die NATO-Mitgliedschaft beantragt hat, leben viele Kurden in Angst. „2022 war das bisher härteste Jahr für Kurden in Schweden“, sagt Baksi.

Der Fall Tat hat die kurdische Gemeinde erschüttert. Aus der Sicht vieler steht er exemplarisch für den derzeitigen Kurs der schwedischen Regierung. Im Mai vergangenen Jahres beantragte Schweden zu­sammen mit Finnland angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine die NATO-Mitgliedschaft. Alle NATO-Staaten bis auf zwei ratifizierten die Erweiterung des Bündnisses: Ungarn stellte eine baldige Unterschrift in Aussicht, die Türkei aber weigert sich. Sie fordert Zugeständnisses Stockholms bei der Terrorbekämpfung. Und in Schweden, einem Land mit langer demokratischer Tradition, gibt es nun die Sorge, dass sich das eigene Land verbiegen, dass es die Einhaltung menschenrechtlicher Prinzipien gegen ei­nen Zugewinn an Si­cherheit eintauschen könnte

 

 

Kurdo Baksi lebt seit 42 Jahren in Schweden und gilt als Sprachrohr der Kurden. © Julian Staib

 

 

Schweden verhalte sich „unterwürfig“, mache Zugeständnis um Zugeständnis. Doch je mehr das Land nachgebe, desto mehr Druck werde Erdogan machen, schrieb die Tageszeitung „Dagens Nyheter“ kürzlich. Sie verglich schwedische Mi­nister mit „Hundewelpen“, die versuchten, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu gefallen. Ministerpräsident Ulf Kristersson wider­sprach dem Vorwurf deutlich: Schweden beuge sich nicht der Türkei, die Zusammenarbeit sei zum Vorteil beider Seiten.

Gemeinsam mit Finnland hat Schweden ein Memorandum mit der Türkei un­terzeichnet, in dem sich die beiden Staaten unter anderem verpflichten, verstärkt gegen die kurdische „Terrororga­nisation“ PKK vorzugehen und Auslieferungs­begehren der Türkei gründlich zu prüfen. Das schwedische Parlament be­schloss eine Verfassungsänderung, die es ermög­lichen soll, strengere Antiterrorgesetze zu verabschieden. Weiterhin wurden Waffenexporte an die Türkei wie­der erlaubt. Schon kurz nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten war Kristersson nach An­kara gereist und hatte gesagt, Schweden werde allen Verpflichtungen nachkommen, die es gegenüber der Türkei eingegangen sei, um der terroristischen Bedrohung entgegenzu­treten.

Erdogan warf Schweden wiederholt vor, Terrororganisationen zu unterstützen, und forderte es auf, „Terroristen“ auszuliefern. Deren Namen veröffentlichten türkische regierungsnahe Zeitungen. Darunter finden sich angebliche PKK-Unterstützer und Mitglieder der Gülen-Bewegung. Die Zahlen variieren, doch rund 40 Namen von Personen in Schweden sind bekannt. Allerdings sind die meisten davon schwedische Staatsbürger oder haben eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Wohl auch deswegen sagte Kristersson jüngst, die Türkei stelle Forderungen, „die wir nicht erfüllen können und wollen“.

Ankara stellt Abschiebungen als Auslieferungen dar

Zuletzt bewegten sich beide Seiten auseinander. Ankara empörte sich über eine Erdogan-Puppe vor dem Stockholmer Rat­­haus. Schwedens Regierung verurteilte das Aufhängen der Puppe scharf, doch kurz darauf nannte der Chef der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, wel­­che die Minderheitsregierung stützen, Erdogan einen Diktator. Nächste Woche will nun Schwedens Verteidigungsminister nach Ankara reisen. Vor allem bei den Auslieferungen gibt es keine Annäherung. So untersagte die schwedische Re­gierung zuletzt die Auslieferung von vier Personen. Grundlage waren Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs, denen die Re­gierung folgen muss. Zuvor war auf diese Weise bereits die Auslieferung des Journalisten Bülent Kenes ge­stoppt worden,

den Erdogan als Terroristen bezeichnet hatte.

 

 

 

Vor dem Stockholmer Rathaus hing am 11. Januar eine Puppe Erdogans. Schwedens Regierung verurteilte dies scharf. © AF

 

Auch die Auslieferung des be­kannten türkischen Verlegers Ragip Zarakolu, dessen Name ebenfalls auf der türkischen Liste steht, hatte der Oberste Gerichtshof untersagt. Der 75 Jahre alte Zarakolu setzt sich seit Jahrzehnten für die Meinungsfreiheit in der Türkei ein. Er hatte einst Bücher über die Kurdenfrage und den Genozid an den Ar­meniern verlegt, mehrmals kam er deswegen ins Gefängnis. Immer noch liefen mehrere Verfahren gegen ihn, sagt Zarakolu. „Erdogan denkt wohl, in Schweden/ laufe es wie in der Türkei: Wenn du in der Regierung bist, kannst du alles tun.“ Er fühle sich in Schweden sicher, sagt Zarakolu, die Ge­richte seien schließlich unabhängig. Doch er sorgt sich, dass die Regierung zu weit auf Ankara zugehen könnte.

Auslieferungen seien nicht das Pro­blem, die Justiz stehe diesen entgegen, sagt der Anwalt Miran Kakaee, der mehrere türkische Staatsbürger vertritt. Seit 2005 habe Schweden niemanden mit Verbindungen zur Gülen-Bewegung oder zur PKK an die Türkei ausgeliefert. Das ei­gentliche Problem seien Abschiebungen von tür­kischen Asylbewerbern. Die gebe es seit Langem, nun aber würden sie ins­trumentalisiert. Die türkischen Behörden wollten sie als Auslieferungen darstellen. Bei Tat habe es etwa geheißen, endlich ha­be Schweden geliefert, sagt Kakaee. Und Schweden habe nur ein geringes In­teresse daran, diesem Bild entgegenzuwirken, um so den Prozess des NATO-Beitritts zu beschleunigen. Zudem habe Schweden in dem Memorandum versprochen, stärker gegen die PKK vorzugehen. „Unter Kurden gibt es deswegen eine große begründete Sorge vor mehr Abschiebungen.“

Schweden gilt als Vorzeigedemokratie. Asylbewerber erhalten von Anfang an ei­nen Anwalt, können negative Entscheidungen vor Gericht anfechten. Grund für eine Ablehnung ist allerdings oftmals eine Einschätzung des schwedischen Inlandsgeheimdienstes (Säpo). Heißt es von diesem, eine Person stelle ein „Sicherheitsrisiko“ dar, wird der Antrag meist negativ beschieden. Die Gründe der Einschätzung sind geheim, auch die Gerichte können sie nicht einsehen. So bleibt diesen meist wenig anderes übrig, als der Begründung zu folgen.

Dass die Einschätzung der Säpo nicht überprüft werden könne, sei in rechtlicher Hinsicht problematisch, sagt Madelaine Seidlitz, leitende Rechtsberaterin bei Am­nesty International in Stockholm. Das Verfahren sei dadurch we­der sicher noch zuverlässig. Ähnlich äußert sich John Stauffer von der schwedischen Menschenrechtsorganisation „Civil Rights Defenders“. Er spricht von einem „schwerwiegenden Mangel an rechtlicher Überprüfbarkeit, der in der ge­genwärtigen Situation noch einmal besorgniserregender“ sei. Stauffer erinnert daran, dass auch Schweden dem Prinzip des Non-Refoulement folgen müsse und nicht Personen in ein Land bringen dürfe, wo diese der Gefahr von Folter oder anderen un­menschlichen Be­dingungen ausgesetzt seien. In der Türkei könne „potentiell jeder aus jedem be­liebigen Grund als Terrorist definiert werden“.

„Wir zahlen den Preis für die NATO-Bewerbung Schwedens“

Die rechtliche Schwachstelle im Asylsystem, so die Sorge der Menschenrechtsaktivisten, könne zu mehr Ab­schiebungen führen. Einerseits um der Türkei zu signalisieren, dass man sich gerade in Bezug auf die PKK bewege. Andererseits aber auch im Kontext des ohnehin härteren Vorgehens gegen Asylbewerber un­ter der neuen Re­gierung. In Schweden regiert seit dem Herbst eine Minderheitsregierung, die von den Schwedendemokraten gestützt wird. Migration sorgt aus ihrer Sicht für Kriminalität und muss möglichst abgestellt werden. Geplant ist etwa, das dau­erhafte Aufenthaltsrecht abzuschaffen, die Rechte von Asylbewerbern zu be­schneiden und die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen. Angesichts der Gesetz­losigkeit in der Türkei dürfe es in Schweden natürlich keine Herabsenkung der Standards geben, sagt Emma Sinclair-Webb dazu, die Direktorin von Human Rights Watch in der Türkei.

Viele der Kurden kamen als Asylbewerber und hangeln sich von einer Aufenthaltsrechtsverlängerung zur nächsten. Auch die kurdische Frau, die ihren Na­men nicht in der Zeitung lesen will, tat das lange. Ihr Mann kam 2002 ins Land, also noch zu den guten Zeiten, und er­hielt ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Sie kam 2016 nach. Zu­sammen haben sie zwei Söhne, sieben und fünf Jahre alt. Irgendwann wurde die Aufenthaltser­laubnis der Frau nicht mehr verlängert, sie klagte erfolglos dagegen. Kürzlich hätten Polizisten an ihre Türe geklopft und sie zur Ausreise aufgefordert, sagt die Frau.

In einem Schreiben der Migrations­behörde, das der F.A.Z. vorliegt, heißt es, die Säpo habe empfohlen, den Antrag der Frau auf eine Aufenthaltserlaubnis ab­zulehnen. Die Begründung: Ihr Mann unterstütze „sicherheitsgefährdende Ak­ti­vitäten“. Die Sicherheitsbehörde gehe davon aus, dass die Frau, „möglicherweise indirekt“ die Aktivitäten der Organisation un­terstütze. Nicht ihr Verhalten sei eine Be­drohung, sondern ihre „An­wesenheit im Land“. Der Mann sagt da­zu, er habe im Internet einst die Aktivitäten der PKK gutgeheißen. Die Frau aber fragt, warum müsse sie dann gehen? Sie hält sich nun illegal im Land auf, lebt in einer anderen Wohnung als ihre Familie. Die Situation sei sehr schwer, sagt sie. Ihre Kinder und ihren Mann sehe sie nur unregelmäßig. „Wir zahlen den Preis für die NATO-Bewerbung Schwedens“, sagt ihr Mann.

Derlei Fälle gebe es nun viele, sagt Kurdo Baksi. Seit der NATO-Bewerbung Schwedens habe der Druck deutlich zu­genommen. Er kenne über 30 Kurden, die nach einer negativen Einschätzung der Säpo von der Migrationsbehörde zur Ausreise aufgefordert worden seien. Baksi sorgt sich, dass Personen wie dieser Frau durch die polizeiliche Einstufung ih­res Mannes in der Türkei Unrecht widerfahren könnten

21 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

AKP-Hassrede in Deutschland: Baerbock bestellt Botschafter ein

von Fremdeninfo 20 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

AKP-Hassrede in Deutschland: Baerbock bestellt Botschafter ein

Hat für diplomatische Verwerfungen zwischen Deutschland und der Türkei gesorgt: Der AKP-Abgeordnete Mustafa Açıkgöz. Foto: Twitter

Wenige Monate vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in der Türkei hat ein Auftritt eines türkischen Politikers in Deutschland für Unmut gesorgt.

Der türkische Botschafter wurde wegen des Vorfalls ins Außenministerium in Berlin eingeladen. „Auftritte wie der eines türkischen Abgeordneten in Neuss dürfen sich nicht wiederholen. Hetze & Hassrede haben in Deutschland nichts verloren“, schrieb das von Annalena Baerbock (Grüne) geführte Auswärtige Amt dazu am Montagabend auf Twitter. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfe derzeit, ob eine Straftat vorliegt, so eine Sprecherin.

Man habe „unmissverständlich“ daran erinnert, dass ausländische Wahlkampfveranstaltungen vorher genehmigt werden müssten. „Wenn sich türkische Vertreter*innen nicht an die Spielregeln halten, müssen wir Konsequenzen prüfen“, hieß es.

Um welchen Auftritt es sich konkret handelte, teilte das Auswärtige Amt nicht mit. Der Abgeordnete der Regierungspartei AKP in der Türkei, Mustafa Açıkgöz, hatte am Freitag ein Video auf Twitter veröffentlicht, in dem er die Anhänger seiner Partei in Deutschland auf die anstehenden Wahlen in der Türkei einschwört. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen finden regulär im Juni statt, sollen aber laut Präsidialamt auf Mai vorgezogen werden.

Gülen-Bewegung will „islamischen Glauben christianisieren“

Der AKP-Abgeordnete forderte in dem Video etwa die „Vernichtung“ von Anhängern der PKK und der Gülen-Bewegung. Wobei erwähnt werden muss, dass viele Oppositionelle in der Türkei mit diesen Gruppierungen in Verbindung gebracht werden, um gegen sie vorgehen zu können, nicht nur rechtlich. Somit ist diese Drohung indirekt an alle Oppositionelle gerichtet. Man werde ihnen, wie schon in der Türkei, auch in Deutschland kein Lebensrecht geben. „Mit Gottes Erlaubnis werden wir sie, egal wo auf der Welt, aus den Löchern ziehen, in die sie sich verkrochen haben, und vernichten“, sagte er. Anhänger der PKK seien „gottlose Feinde“ der Religion, die Gülen-Bewegung wolle den islamischen Glauben verändern und „christianisieren“, so Açıkgöz. Aus dem Publikum sind in dem Video zustimmende Rufe und lautstarker Applaus zu hören.

Die Polizei im nordrhein-westfälischen Rhein-Kreis Neuss teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit, es seien bislang vier Anzeigen alleine bei ihnen zu dem Auftritt des Politikers eingegangen.

Ausländische Wahlkampfauftritte klar geregelt

Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker sind seit 2017 drei Monate vor Wahlen oder Abstimmungen in ihren Ländern verboten. Außerhalb von Wahlkampfzeiten müssen zudem alle politischen Auftritte ausländischer Regierungsmitglieder zehn Tage vorher beantragt und von der Bundesregierung genehmigt werden. Mit der Regelung hatte die damalige Bundesregierung Konsequenzen aus dem Streit um Auftritte türkischer Politiker vor einem Verfassungsreferendum 2017 in der Türkei gezogen.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, İbrahim Kalın, hatte am Samstag vor Journalisten gesagt, dass die Türkei die Regelungen respektiere und sich an sie halte. Wie am Montag bekannt wurde, plane auch der Präsident einen Auftritt in Deutschland, und zwar Ende Januar in Berlin. Offiziell bestätigt ist das allerdings noch nicht.

dpa/dtj

20 Januar 2023 0 Kommentare
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Kultur

Die Türkei staunt über einen neuen „Philosophen

von Fremdeninfo 19 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Die Türkei staunt über einen neuen „Philosophen

Atakan“

Ein Video, das in einer Istanbuler Buchhandlung aufgenommen wurde, geht in der Türkei seit Tagen viral. Ein 10-jähriger Junge behauptet darin, in fünf Monaten etwa 250 Bücher gelesen zu haben. Auch seine weisen Worte machten den Jungen innerhalb kürzester Zeit zu einer Berühmtheit.

Die Türkei hat seit neuestem einen neuen „Philosophen“. Dieser hat es geschafft, die Aufmerksamkeit vieler Türken auf sich zu ziehen. Diskutiert werden aber weniger seine Ideen, sondern sein Alter. Kein Wunder! Denn der neue Philosoph der Türkei ist gerade einmal 10 Jahre alt. Er heißt Atakan Kayalar. In den letzten fünf Monaten hat Atakan nach eigenen Angaben etwa 250 Bücher gelesen. Das ist nicht nur für einen Fünftklässler eine beachtliche Zahl.

Bekannt geworden ist Atakan mit einem Video in den sozialen Medien. Dabei spricht er mit einer für sein Alter erstaunlichen Reife über die Bücher, die er gelesen hat und definiert den Nihilismus. Das Video wurde von einem Mann gefilmt und auf Twitter gepostet, nachdem dieser in einer Buchhndlung eines großen Istanbuler Einkaufszentrum auf den Jungen aufmerksam geworden war.

„Wir brauchen eine Anarchie“

Die Worte des Jungen gingen viral und machten den 10-Jährigen zum „Philosophen Atakan“. Der Bücherwurm hat auch schon konkrete Vorstellungen zu unterschiedlichen Themen. So erwartet Atakan, dass Kinder vor der Schulbildung Lehrstunden zu ethischen Themen erhalten. „Anschließend sollte Philosophie gelehrt werden. Es gibt zudem ein Problem darin, kleinen Kindern Unterricht in Psychologie zu geben“, so Atakan. Und weiter: „Der Mensch sucht immer etwas an sich. Er geht hin und schaut sich an, was Schizophrenie ist und fragt sich, ob er auch unter dieser Krankheit leidet.“ Deshalb müsse man erstmal Philosophie und dann Geschichte lehren.

Auch bezüglich der Staatsformen hat der 10-Jährige, den viele schon für das intelligenteste Kind des Landes und sogar der Welt halten, eine klare Vorstellung. In einem anderen Video ist Atakan zu sehen, wie er über Anarchie spricht, die er für notwendig hält. „Die Staaten dieser Welt müssen vernichtet werden, um dann eine Regierungsform zu entwickeln, die an die Gesellschaft gebunden ist“, so Atakan.

Atakan ein Indigo-Kind?

Doch Atakan ist nicht für jeden das „Wunderkind“. Nach einem Auftritt vor den Kameras der türkischen Nachrichtensendungen wurde er plötzlich kritisiert. Dabei fiel er seiner Mutter, die sehr nervös sprach, ins Wort und bat sie darum, zur Seite zu gehen. Das empfanden viele als Respektlosigkeit.

Doch damit nicht genug. Über Atakan kursieren mittlerweile die kuriosesten Theorien. Eine davon lautet, dass er ein Indigo-Kind sei. So bezeichnen Anhänger esoterischer Ideen eine Gruppe von Kindern, denen sie ganz besondere psychische und spirituelle Eigenschaften und Fähigkeiten zuschreiben.

19 Januar 2023 0 Kommentare
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AKP-Auftritt in Neuss: Jetzt ermittelt auch der Verfassungsschutz

von Fremdeninfo 18 Januar 2023
von Fremdeninfo
 

AKP-Auftritt in Neuss: Jetzt ermittelt auch der Verfassungsschutz

 

dtj-online

–

18.01.2023

Der türkische Ex-Sportminister Akif Çağatay Kılıç (v. l.) und UID-Chef Köksal Kuş hören dem stehenden AKP-Abgeordneten Mustafa Açıkgöz zu. Foto: UID

 Nach der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf und der Polizei in Neuss haben auch Beamte des Verfassungsschutzes Ermittlungen zur Hassrede eines AKP-Politikers aufgenommen. Was den türkischen Abgeordneten nun erwartet.

Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen hat mit „Besorgnis“ auf die Äußerungen eines türkischen Politikers in Neuss reagiert. Wie das Online-Portal „Der Westen“ exklusiv erfahren hat, ermittelt jetzt der NRW-Verfassungsschutz gegen Politiker Mustafa Açıkgöz (52) und den Träger der Yunus-Emre-Moschee in Neuss.

Ein Abgeordneter der regierenden AKP-Partei hatte zuvor ein Video veröffentlicht, in dem er vor Publikum die „Vernichtung“ von Anhängern der PKK und der Gülen-Bewegung verspricht. Vor den Präsidentschaftswahlen in der Türkei versuche die türkische Regierung so, um Stimmen im Ausland zu werben, hieß es aus dem nordrhein-westfälische Verfassungsschutz.

Açıkgöz: „Kein Lebensrecht für PKK- und Fetö-Terroristen“

Wahlkampfauftritte ausländischer Politiker müssen in Deutschland zehn Tage im Voraus beantragt und von der Bundesregierung genehmigt werden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfe derzeit, ob eine Straftat vorliegt, so eine Sprecherin. In der Türkei sollen Regierungsangaben zufolge am 14. Mai vorgezogene Wahlen stattfinden.

Laut NRW-Verfassungsschutz fand die fragliche Rede des Politikers Mustafa Açıkgöz in einer den Grauen Wölfen nahe stehenden Moschee in Neuss statt. Als Graue Wölfe werden die Anhänger der rechtsextremistischen „Ülkücü-Bewegung“ bezeichnet, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

In der Türkei ist die ultranationalistische MHP ihre politische Vertretung und Bündnispartnerin der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die türkische Regierung macht die Gülen-Bewegung für den Putschversuch von 2016 verantwortlich und sieht sie, wie die PKK, als Terrororganisation an. In Deutschland gilt das für die Gülen-Bewegung nicht

18 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

Çavuşoğlu über Schwedens Puppen-Entscheidung: „Völlig absurd“

von Fremdeninfo 18 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Çavuşoğlu über Schwedens Puppen-Entscheidung: „Völlig absurd“

Von

dtj-online

–

18.01.2023

Mevlüt Çavuşoğlu (rechts) während der gestrigen Pressekonferenz mit seinem iranischen Kollegen. Foto: Twitter/MevlutCavusoglu

Die Türkei hat die Entscheidung der Staatsanwaltschaft in Stockholm kritisiert, keine Ermittlungen wegen einer aufgehängten Erdoğan-Puppe aufzunehmen. Es droht weiterer Ungemach.

Das sei „völlig absurd“, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Dienstag in Ankara auf einer Pressekonferenz mit seinem iranischen Kollegen Hussein Amirabdollahian. Es handele sich um ein „Hassverbrechen“ und eine Straftat. Çavuşoğlu nannte die Aktion rassistisch.

Die Türkei blockiert seit Monaten die Aufnahme Schwedens und Finnlands in die NATO. Zu neuem Zwist in der Sache hatte vergangene Woche eine Protestaktion in der Nähe des Stockholmer Rathauses geführt: Dort wurde eine Puppe an den Füßen aufgehängt, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ähnelte.

Erdoğan fordert Auslieferung von Bülent Keneş

Die Türkei macht die terroristische PKK dafür verantwortlich. Der Stockholmer Staatsanwalt Lucas Eriksson hatte am Montag gesagt, er habe entschieden, keine Voruntersuchungen einzuleiten.

Ankara fordert für die Zustimmung zum NATO-Beitritt unter anderem die Auslieferung von Personen, die Ankara als Terroristen betrachtet. Präsident Erdoğan hatte zuletzt von einer Liste mit etwa 130 Menschen gesprochen und besonders einen in den Mittelpunkt gestellt: „Der (schwedische) Premierminister ist kein schlechter Mensch. Während seines Besuchs sagten wir, dass es eine Person namens Bülent Keneş gibt, ein FETÖ-Mitglied. Interessanterweise lehnte ihr Gericht die Abschiebung ab.“

Ankara hält sich bedeckt mit Aussagen zur Situation im Iran

Irans Außenminister Amirabdollahian traf am Dienstag auch Erdoğan und betonte, dass der Iran die Beziehungen zu der Türkei ausweiten wolle. Die Nachbarländer unterhalten gute Wirtschaftsbeziehungen. Erst im Sommer 2022 unterzeichneten sie eine Reihe von Absichtserklärungen. In Bezug auf die Proteste im Iran hat sich die Türkei bislang zurückgehalten. Erdoğans Sprecher hatte am Samstag gesagt, man sei angesichts der Ereignisse „besorgt“.

dpa/dtj

18 Januar 2023 0 Kommentare
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Immer mehr Deutsche dürfen nicht ausreisen – wegen Zusammenarbeit mit Türkei?

von Fremdeninfo 18 Januar 2023
von Fremdeninfo
 Immer mehr Deutsche dürfen nicht ausreisen – wegen Zusammenarbeit mit Türkei?

 

Von: Erkan Pehlivan

Kommentar=“Bundesinnenministerin Nancy Faeser und ihr türkischer Amtskollege Süleyman Soylu.“

Bundesinnenministerin Nancy Faeser und ihr türkischer Amtskollege Süleyman Soylu. © Anne Pollmann/dpa

Die Bundespolizei untersagt einer steigenden Zahl von Staatsbürger:innen die Ausreise aus Deutschland. Dahinter sehen Fachleute vor allem ein Eingeständnis an die Türkei.

Berlin – Immer mehr Deutsche dürfen Deutschland nicht verlassen. Laut einer kleinen Anfrage der Bundestagsabgeordneten Gökay Akbulut und ihrer Fraktion, Die Linke, hat die Bundespolizei zwischen 2018 und 2022 insgesamt 131 deutschen Staatsbürger:innen die Ausreise verweigert.

Waren es im Jahr 2018 nur drei Personen, denen die Ausreise untersagt worden war, stieg ihre Zahl im Jahr 2022 auf einen Höchstwert von 66.

Deutschland verbietet Staatsbürgern die Ausreise – die Statistik von 2018 bis 2022

2018 3
2019 15
2020 33
2021 14
2022 66

Als Grundlage für Verbote von Auslandsreisen durch die Bundespolizei dient laut der Antwort des Bundesinnenministeriums auf die parlamentarische Frage das Abgleichen „personenbezogener Daten mit nationalen, europäischen und internationalen Datenbanken nach Maßgabe der Verordnung (EU) 2016/399 (Schengener Grenzkodex) im Rahmen ihrer grenzpolizeilichen Aufgabenwahrnehmung“. Zu den Daten, die dabei herangezogen werden, gehören demnach „das Informationssystem der Polizei, die zur Grenzfahndung geführte Datei, das Schengener Informationssystem und die Stolen and Lost Travel Documents database von Interpol“. Laut dem Bundesinnenministerium hat die Bundespolizei zudem „nach den Umständen des Einzelfalls und nach Maßgabe des geltenden Rechts Zugriff auf die Antiterrordatei und die Rechtsextremismusdatei.

Länder verweigern auch Auslandsreisen von Deutschen

Auch auf Landesebene wird Deutschen die Ausreise aus dem eigenen Land verweigert – so geschehen im Fall der 18-jährigen Solin G. Die Stadt Oberhausen hat der kurdischstämmigen deutschen Staatsbürgerin ihren Reisepass entzogen. In der sogenannten Ordnungsverfügung hat die Stadt ihr zudem die Ausstellung eines Personalausweises und eines Reisepasses untersagt, auch wenn diese nur als „vorläufige“ Dokumente beantragt würden. In der Begründung heißt es, es gäbe bei der Teenagerin eine Zugehörigkeit zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Recep Tayyip Erdoğan: Das ist der Präsident der Türkei

„Im Jahr 2017 setzte Recep Tayyip Erdogan mithilfe eines Referendums eine Verfassungsänderung durch, bei der es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse ging. Dadurch gewann der türkische Präsident noch mehr Einfluss auf die Justiz. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Auch Untersuchungen von Forschenden legen nahe, dass das Referendum manipuliert wurde.“ width=“1100″ height=“619″>

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„Ihrem persönlichen Recht auf Ausreisefreiheit (…) steht das Interesse der Bundesrepublik Deutschland an seiner inneren und äußeren Sicherheit sowie das internationale Ansehen der Bundesrepublik Deutschland gegenüber“, heißt es weiter in der Begründung zu dem Passentzug und dem Ausreiseverbot für Solin G. Die Stadt Oberhausen gehe von einem hinreichend anzunehmenden Vorhaben aus „sich an Kampfhandlungen der PKK zu beteiligen“

18 Januar 2023 0 Kommentare
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Ahmad Mansour antwortet Behzad K. Khani: „Die Gewalt darf nicht beschönigt werden“

von Fremdeninfo 17 Januar 2023
von Fremdeninfo

Ahmad Mansour antwortet Behzad K. Khani: „Die Gewalt darf nicht beschönigt werden“

Artikel von Ahmad Mansour

 

 

Ahmad Mansour antwortet Behzad K. Khani: „Die Gewalt darf nicht beschönigt werden“ © Bereitgestellt von Berliner Zeitung

 

Das neue Jahr wurde mit einem Feuerwerk begrüßt, wie jedes Mal. Doch diesmal war Silvester wilder als sonst. Viel Spannung lag in der Luft. Corona hatte drei Jahre lang quasi einen Deckel auf die ganze Gesellschaft gedrückt. Darunter brodelte es schon längst. Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine liefert seit fast einem Jahr brutale Bilder und Berichte

An manchen Orten im Land haben sich die Spannungen vehement entladen. Sie sind im Wortsinn explodiert. Jugendliche haben mit Raketen geböllert, als wären sie in einem privaten Kleinkrieg. Mehrfach haben sie ausgerechnet die Menschen attackiert, die helfen und schützen sollen, Sanitäter, Polizeikräfte, Feuerwehrleute. Das passierte in Berlins Stadtteil Neukölln – der inzwischen sinnbildlich für die Silvester-Krawalle steht – und auch in anderen Teilen der Stadt und des Landes, bundesweit. Polizei und Feuerwehr sollen allein in Berlin fast 4000 Mal ausgerückt sein. Als der Lärm vorbei war und der Rauch verzogen, rieben sich viele die Augen und fragten: Wieso, weshalb, warum?!

Bald hatte die Debatte um das Warum hinter Krawall und Randale zwei erbitterte Parteien. Die einen meinen: Das Missachten der staatlichen Einsatzkräfte und Helfer sei typisch für Leute, die sich nicht anerkannt fühlen. Der Mangel an Respekt ruft die Respektlosigkeit als Echo hervor. Daher der hohe Anteil an migrantischen Jungen und jungen Männern unter den Tätern. Sie erfahren im Alltag Rassismus, sie sehen für sich kaum Chancen, da platzte es eben mal in der Nacht der Krachmacherei aus ihnen heraus.

Die anderen – und zu denen gehöre ich – sagen: Damit allein lässt sich der Exzess an Verachtung für den Staat und seine Organe nicht erklären. Im Verhalten vieler der jungen, männlichen Individuen offenbaren sich symptomatisch auch familiäre und kulturell bedingte Probleme. Ich sage: Diese Probleme haben sehr viel zu tun mit dem Klima patriarchaler, traditioneller Milieus. Dabei geht es mir weniger um das jeweilige Verständnis von Religion als um einen Mangel an Verständnis für Demokratie und Rechtsstaat, für Freiheit und Selbstbestimmung

Diese Position wird von „woken“ Milieus stark attackiert. Es gibt Rassismusvorwürfe und Diffamierungen. Unter den Stimmen, die das Geschehen in Neukölln bewertet haben, war unlängst auch ein Essay des Autors Behzad K. Khani in der Berliner Zeitung. Er schreibt gut, empathisch und eloquent über die deutsche Schuld am Holocaust und latenten Rassismus, den es ohne Frage weiterhin gibt. Aber wenn er die Krawalle allein dem Rassismus oder den Diskriminierungen im Alltag zuschreibt, übergeht und übersieht er zentrale, weitere Faktoren. Und das ist schade, denn es ist irreführend und befördert Tabus, die der Analyse nichts Gutes tun.

Am Silvesterabend war ich schon vor Mitternacht in Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg unterwegs. Ich ahnte, dass etwas auf uns zukommen würde, vor allem, weil es schon am Vortag zu Ausschreitungen gekommen war, aber auch, weil schon Tage zuvor auf Instagram Videos von Jugendlichen zu sehen waren, die spüren ließen, dass sie das Feiern auf ihre Weise mit Exzessen kombinieren wollten.

Am Neujahrsmorgen vibrierte mein Handy fast pausenlos. Als ich wach wurde, blinkten auf dem Display schon Dutzende Anrufe von Journalisten, die meine Einschätzung zu den Ereignissen wissen wollten. Vorbei war der Vorsatz, das Jahr ruhig anzufangen.

Gleich konnte ich auch sehen, wie etwa auf Twitter schon hektisch versucht wurde, Kontexte des Problems zu vertuschen, um möglichst nicht über spezifische Aspekte migrantischer Milieus diskutieren zu müssen. Lieber schob man ein mögliches Böllerverbot in den Mittelpunkt der Debatte. Böllerverbot – im Ernst?

Sind die Silvesterraketen das Problem und nicht das Verhalten ihrer Nutzer? Waren im Sommer 2022 die geöffneten Freibäder oder die Hitze das Problem, als dort jugendliche Randalierer Badewärter und Sicherheitskräfte attackierten? War der Fußballsport das Problem, als marokkanische Fans ihre Freude über die großartigen Erfolge der marokkanischen Nationalmannschaft durch Zerstörungen und Ausschreitungen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden ausdrückten? War Halloween das Problem, als sich im vergangenen Jahr in Linz wieder Jugendliche mit Migrationshintergrund über die sozialen Medien organisierten, um Polizisten durch die Straßen zu jagen?

Wohl kaum. Ebenso wenig, wie an Silvester 2016 die Frauen das Problem waren, als in Köln Jugendliche massenhaft Frauen belästigten und ihnen sexualisierte Gewalt antaten. Auch die Satiren der Zeitschrift Charlie Hebdo waren nicht schuld an enthemmten Boykottaufrufen und Gewaltausbrüchen überall in Europa, als das Journal die Mohammed-Karikaturen wiederveröffentlichte, die Jahre zuvor in Dänemark Anstoß erregt hatten.

Es geht darum, genauer, klarer und tabufreier zu analysieren und Daten und Fakten auszuwerten, wo es in demokratischen Rechtsstaaten zu Gewalt gegen Staatsorgane oder zu antisemitischen und antiisraelischen Tatbeständen kommt. Es geht darum, Strukturen von Familien und Gruppen zu benennen, in denen Gewalt gegen Frauen und den Nachwuchs für normal und gerechtfertigt gehalten wird, und in denen männlichen Mitgliedern per se mehr Rechte zugestanden werden.

Für diese Fragen wird eine offene Debatte gebraucht über die Ursachen von Gewalt und Desintegration in Teilen der Gruppen mit Migrationshintergrund. Die demokratische Gesellschaft erreicht diese Menschen nicht durch Beschönigen und Beschweigen, sondern durch das offene Ansprechen von Fehlverhalten, durch Austausch, Dialog, Diskussion und die konstruktive und konsequente Suche nach Lösungen.

Als ich das in den Interviews nach der Silvesternacht sagte, erfuhren meine Argumente teils Zustimmung, teils stießen sie aber auch auf erstaunlich massive Empörung, Ablehnung und Abwehr. Ich wurde unter anderem als „Verräter“ bezeichnet, und Behzad K. Khani schrieb in seinem Essay von „einem Ahmad Mansour, den wir auf der Straße – frei nach Onkel Tom – Onkel Mansour nennen und für den wir nicht viel mehr übrighaben als Spott“. Das ist schade, traurig und kurzsichtig, denn Denunziationen bringen uns im Dialog nicht voran. Abgesehen davon, dass es ein solches konstruiertes „wir“ auf „der Straße“ nicht gibt, denn auch „die Straße“, also die informelle Öffentlichkeit in den Kiezen, ist heterogen, divers und plural.

Ich bin selbst Muslim, Araber, Migrant. Ich habe jahrelang in Neukölln gewohnt und gearbeitet, habe als Psychologe in zahlreichen Projekten tagtäglich mit Angehörigen eben der hier betrachteten Gruppe in Schulen, Berufsschulen, Asylbewerberunterkünften und Haftanstalten gearbeitet. Das mache ich beruflich bis heute. Ich konnte anderthalb Jahrzehnte lang Erfahrungen sammeln und Zusammenhänge immer besser erkennen.

Ich erlebe junge Männer, die sich für wichtiger halten als ihre Schwestern; Gruppen, die glauben, dass ihre internen Gesetze wichtiger sind als die des Staates; Väter und Mütter, die denken, dass Kinder nicht ohne Körperstrafen aufwachsen sollten. Ich weiß, dass es solche Konstellationen auch in

anderen Milieus gibt, etwa in evangelikalen Familien. Der Fokus meiner Arbeit liegt auf den Milieus, von denen ich am meisten verstehe, bei den Gruppen, die aus der Türkei, dem Nahen Osten oder ähnlich geprägten, in der Regel muslimischen Gesellschaften kommen.

Sie sind vielerorts noch durchzogen von toxischen Männlichkeitsbildern und fixiert auf patriarchalische Strukturen, die dafür sorgen, dass Kinder an freier Entfaltung gehindert werden, dass Ängste, Unsicherheiten und Gefühle von Minderwertigkeit entstehen und als Kompensation dagegen Gewalt und Stärke demonstriert werden, wie an Silvester auf den Straßen, wenn das bunte Feiern Regellosigkeit zu signalisieren scheint.

Pubertäre Rebellion ist kaum möglich, wo Eltern, vor allem Väter, als unantastbare Autoritäten gelten, die sich ihrerseits auf höhere Mächte berufen. Wut, Zorn, Angst und Frustration stauen sich auf. So rebellieren Jugendliche gegen andere Autoritäten, um ein Ventil zu finden und sich zu behaupten. Der Rechtsstaat mit seinen reglementierenden Instanzen – Lehrkräfte, Polizei, Feuerwehr – wird zu einer Art Vaterersatz, hier darf die Wut hingelenkt werden, da auch die Familie selbst den Staat nicht völlig akzeptiert oder versteht.

Was die Silvestertäter als Referenzgruppe betrifft, sehe ich sie als Symptome für gescheiterte Integration und fordere bessere Präventionsarbeit, besseren Demokratieunterricht an den Schulen, mehr Mittel, mehr Einsatz, mehr Klarheit und mehr Chancen für die Kinder dieser Gruppe. Und das fordere ich seit Jahren.

Wer mehr Gerechtigkeit will, denke ich, müsste da am selben Strang ziehen. Allein mit dem Klagen über Diskriminierung ist nichts getan. Es macht nicht selbstbewusster, es löst keine Bildungsprobleme, es verbessert nicht den Zugang zur Demokratie in der Gruppe, um die es geht.

Auch die Argumente von Behzad K. Khani treffen den Sachverhalt nur zum Teil und sparen vieles aus. Eindrucksvoll schildert er die deutsche Verstrickung in zwei unendlich destruktive Weltkriege und das Menschheitsverbrechen des Holocaust. In seiner Betrachtung der Gegenwart aber verheddert sich Khani und vereinfacht drastisch komplexe Sachverhalte. Vom Krawall auf der Berliner Sonnenallee zum Nahen Osten und vom Nahen Osten zur Sonnenallee – die gern „Gazastreifen“ genannt wird –, führt bei ihm ein direkter Weg über den Holocaust und die deutschen Schuldgefühle. Diese Schuldgefühle wiederum kommen nicht an gegen den deutschen Rassismus, der Rassismus wiederum ist Ursache der Krawalle. Khanis Ton hört sich etwas raunend an, wenn er ausführt: „Überall trifft man sie an, die Gemeinheit. Und überall flüstert jener Unwille dasselbe. Flüstert von der Exklusivität, der Verschlossenheit und der fehlenden Integrationsbereitschaft in diesem Land.“

Dass 2015 Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien ins Land gelassen wurden, dürfte sich nicht so leicht unter „Rassismus“ verbuchen lassen, vielleicht eher unter „Schuldgefühle“? Mit der Brille der Ideologie ist man der aktuellen Fragestellung der Gesellschaft jedenfalls kaum gewachsen. Rassismus etwa existiert auf allen Kontinenten und in allen Gruppen, sogar innerhalb von Neukölln, wenn Gruppen einander beargwöhnen und mit Klischees bedenken, weil die jeweils „Anderen“ kurdischer, türkischer, russischer oder arabischer Herkunft sind. Im Zweifelsfall sind sie sich einig, wenn es darum geht, „die Juden“ oder „Israel“ als Sündenböcke zu verwenden.

Khani behauptet, die deutsche, schuldbedingte Haltung gegenüber Israel im Nahostkonflikt sei implizit für die Gewaltausbrüche an Silvester mitverantwortlich. Nach dieser Logik müsste man fragen, was in Ländern los ist, die nicht zu den Verursachern des Holocausts zählen – etwa Frankreich, England, Schweden. Wie lässt sich dort die Gewalt von jungen Männern aus patriarchalen Gesellschaften erklären? Oder von Terrororganisationen wie dem IS, Boko Haram und den Taliban – diese Organisationen sind gewiss nicht in Deutschland oder „wegen Israel“ entstanden. Für diese Phänomene und die meiste Gewalt der Welt wird derzeit gern auf die Kolonialgeschichte verwiesen. Doch das bleibt nicht nur eindimensional als Argument. Es hilft auch gar nicht, wenn zum Beispiel der Diskriminierung der Frauen durch die Taliban etwas entgegengesetzt werden soll.

Es wundert mich auch, dass Behzad Khani annimmt, sämtliche Migranten im Land lebten „mit geballter Faust in der Tasche“. Gilt das wirklich für all die Unternehmer, Mediziner, Juristen, Wissenschaftler, Sportler, Schauspieler, für die erfolgreichen Autoren, Politiker, Journalisten, Kulturschaffenden? Gilt das für Cem Özdemir, Serap Güler, Sawsan Chebli, Seyran Ates, Jana Pareigis, Pinar Atalay, Aline Aboud, Nazan Gökdemir, Dunja Hayali, Khue Pham, Özlem Topcu, Alice Bota, Hamed Abdel Samad – um mal nur einige zu erwähnen. In die Reihe gehört übrigens nicht zuletzt Behzad Khani selber, ein Autor mit Ruhm und Ruf. Sie alle sollen immerzu mit der Faust in der Tasche leben? Alle andauernd von Postfaschisten diskriminiert?

So einfach kann es offensichtlich nicht sein. Im Gegenteil. In der Europäischen Union leben Millionen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Konfession und sexuellen Identitäten frei und sicher. Ganz gewiss nicht im Iran, aus dem Behzad Khanis Eltern offenbar aus gutem Grund geflüchtet sind, als die Tyrannei einer Theokratie begonnen hatte. Und ganz gewiss gibt es Freiheiten wie in Europa nicht in Saudi-Arabien, in Kamerun, in Nordkorea, in Syrien, in Russland oder auch in der Türkei. Und, und, und.

Ja, Khani hat völlig recht, dass Zugewanderte sich nicht mit Nazideutschland identifizieren sollen. Ebenso wenig wie Deutsche. Zusammenhalt hat mit ethnischen und „Bluts“-Kategorien nichts zu tun. Den Zusammenhalt stiftet in der deutschen Demokratie der Gegenwart das Grundgesetz. Es verpflichtet uns auf die Würde des Menschen, die Gleichberechtigung der Geschlechter, auf Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit. Das ist weder mit Antisemitismus kompatibel noch mit Islamismus und jeglicher Form patriarchaler Gewalt im privaten Raum.

Wer sich gegen patriarchale Gewaltkultur in Familien und Großgruppen ausspricht, hat keine einzelne Religion oder Ethnie im Sinn, sondern meint alle, die das betrifft – von den russischen Kriegstreibern hin zu den Islamisten, von den Evangelikalen bis zu den Neonazi-Machos. Wer mir Islamphobie vorwirft, bläst ins Horn islamistischer Propaganda. Eines der Fundamente meiner Arbeit ist die Liebe zu meiner Religion, die richtig verstanden und modern ausgelegt keine Gewalt duldet und Diskussion und Kritik begrüßt.

Der literarisch verfasste Rant des Kollegen Khani kann verärgern – aber er kann auch anregen. Lebendige Debattenkultur muss andere Meinungen aushalten, auch seine, auch meine. Für den Austausch von Argumenten stehe ich sehr gerne zu Verfügung, auch dem Kollegen Khani, wenn er möchte. Ich reiche die Hand – jederzeit!

17 Januar 2023 0 Kommentare
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Kalın warnt Schweden: Eine weitere Puppe „verlangsamt“ den NATO-Beitritt

von Fremdeninfo 16 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Kalın warnt Schweden: Eine weitere Puppe „verlangsamt“ den NATO-Beitritt

Von

dtj-online

–

16.01.2023

 
 
 
Archivfoto: Fotos in den sozialen Medien zufolge wurde in Stockholm am Mittwoch eine dem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ähnelnde Puppe an den Füßen aufgehängt. Foto: Twitter/realrojkom

Nach dem großen Ärger um eine aufgehängte Erdoğan-Puppe in Stockholm hat der Sprecher des türkischen Präsidenten vor einer Wiederholung ähnlicher Protestaktionen gewarnt.

Sollte es erneut zu solchen Vorfällen kommen, werde das den Prozess um den NATO-Beitritt Schwedens „verlangsamen“, sagte İbrahim Kalın, Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, am Samstag in Istanbul vor Journalisten. Die Protestaktion schade zudem dem Bild Schwedens in der Öffentlichkeit. Kalın betonte aber auch mit Blick auf den NATO-Beitritt Schwedens: „Wir glauben an diesen Prozess und wollen Fortschritte machen.“

Die Türkei blockiert seit Monaten die Aufnahme Schwedens in die NATO. Vergangene Woche hatte eine übers Ziel hinausschießende Protestaktion in Stockholm für neuen Streit gesorgt: Eine Erdoğan ähnelnde Puppe wurde in Blicknähe des Rathauses an den Füßen aufgehängt, wie Bilder zeigten. Dahinter steckten offenbar Mitglieder einer schwedischen Organisation, die sich selbst als „ein Netzwerk für Solidarität und Austausch mit der revolutionären Bewegung in ganz Kurdistan“ bezeichnet. Die türkische Regierung, die die PKK dafür verantwortlich machte, bestellte daraufhin etwa den schwedischen Botschafter ein. Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson verurteilte die Aktion ebenfalls.

„Sehr klare Botschaft“ an die PKK nötig

Schweden hatte gemeinsam mit Finnland im Mai 2022 Antrag auf eine Aufnahme in die NATO gestellt. Die Türkei weigert sich bislang, mit der Ratifizierung der sogenannten Beitrittsprotokolle den Weg für deren Aufnahme ins Bündnis freizumachen. Ankara wirft besonders Schweden vor, nicht entschieden genug gegen Personen und Gruppierungen vorzugehen, die die Türkei als terroristisch einstuft. Dazu gehört etwa die PKK, die auch in der EU und den USA auf der Terrorliste steht.

Um den Streit beizulegen, hatte Schweden im Juni in einer Vereinbarung unter anderem einen verstärkten Kampf gegen Terrorismus zugesagt. Schweden müsse der PKK eine „sehr klare Botschaft übermitteln. Nicht nur in Worten, sondern auch in Taten“, sagte Kalın. Auf einen Zeitrahmen zur Ratifizierung wollte er sich nicht festlegen.

dpa/dtj

16 Januar 2023 0 Kommentare
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