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4 Februar 2026 0 Kommentare
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Salman Rushdie wird beatmet – Auge wohl nicht mehr zu retten

von Fremdeninfo 13 August 2022
von Fremdeninfo

 

 

Salman Rushdie wird beatmet – Auge wohl nicht mehr zu retten

 

Der bei einem Angriff schwer verletzte Autor Salman Rushdie wird nach Angaben seines Agenten künstlich beatmet und könnte ein Auge verlieren. „Die Nachrichten sind nicht gut“, erklärte Agent Andrew Wylie am Freitag nach Angaben der New York Times. „Salman wird vermutlich ein Auge verlieren; die Nerven seines Arms wurden durchtrennt; und seine Leber wurde durch einen Stich getroffen und beschädigt.“ Demnach wurde der britisch-indische Schriftsteller an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

Der seit Jahrzehnten mit dem Tode bedrohte Schriftsteller war am Freitag bei einem Angriff während einer Literaturveranstaltung im US-Bundesstaat New York durch Stiche schwer verletzt worden. Ein Angreifer stürzte sich auf der Bühne eines Kulturzentrums der Kleinstadt Chautauqua auf den britisch-indischen Autor und stach ihm mehrfach in Hals und Bauch, wie die Polizei mitteilte. Rushdie wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen und notoperiert.

Der Angreifer wurde von Zuschauern überwältigt und von einem anwesenden Polizisten festgenommen. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 24-Jährigen namens Hadi Matar aus Fairfield im nahe New York gelegenen Bundesstaat New Jersey. Das Motiv des Angreifers war zunächst unklar.

Neben dem 75-jährigen Verfasser der „Satanischen Verse“ wurde bei der Attacke auch der 73-jährige Mann verletzt, der den Schriftsteller interviewen sollte. Er erlitt eine Gesichtsverletzung, konnte das Krankenhaus aber wieder verlassen.

Die Attacke trug sich in der Chautauqua Institution zu, die bekannt für literarische Veranstaltungen ist. Der anwesende Politikprofessor Carl LeVan sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Angreifer sei auf die Bühne gerannt und habe offenbar in Tötungsabsicht „wiederholt und brutal“ auf Rushdie eingestochen. „Er hat versucht, so oft wie möglich auf ihn einzustechen, bevor er überwältigt wurde.“ Das Publikum habe mit „Entsetzen und Panik“ reagiert. Auf Videobildern war zu sehen, wie Menschen dem Autor nach dem Angriff zu Hilfe eilten. Ein anwesender Arzt leistete erste Hilfe.

Der britische Premierminister Boris Johnson äußerte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter „entsetzt“ über den Angriff auf Rushdie. „Wir hoffen alle, dass es ihm gut geht.“

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verurteilte den Angriff. „Der Hass und die Barbarei haben feige zugeschlagen.“ Rushdie verkörpere seit 33 Jahren die Freiheit und den „Kampf gegen den Obskurantismus“, erklärte Macron. „Sein Kampf ist unser Kampf.“ UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „entsetzt“ über die Attacke und erklärte, Gewalt könne „keine Antwort auf Worte“ sein.

Der 1947 im indischen Mumbai geborene Rushdie wird seit Jahrzehnten mit dem Tode bedroht. Ayatollah Khomeini hatte 1989 alle Muslime in einer Fatwa – einer religiösen Anweisung – zur Tötung des Schriftstellers aufgerufen hatte. Grund war die angebliche Beleidigung des Propheten Mohammed in Rushdies im Jahr zuvor erschienenen Roman „Die Satanischen Verse“.

Seitdem lebte Rushdie in ständiger Todesgefahr an wechselnden Orten. Die Lage entspannte sich erst in den späten 1990er Jahren, nachdem die Regierung des Iran 1998 erklärt hatte, seine Ermordung nicht zu unterstützen.

Bis heute ist jedoch ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Auch der Tötungsaufruf gegen Rushdie wurde nie aufgehoben. Mehrere Übersetzer seiner Werke wurden bei Angriffen verletzt oder sogar getötet, wie der 1991 bei einem Messerangriff ermordete Japaner Hitoshi Igarashi. Drohungen und Boykotte gegen literarische Veranstaltungen, an denen Rushdie teilnahm, gab es auch weiter.

Rushdie wurde als Kind nicht praktizierender Muslime in Indien geboren und sieht sich selbst als Atheisten. Er setzt sich seit Jahren nachdrücklich für Meinungsfreiheit ein und lebte zuletzt in New York.


13 August 2022 0 Kommentare
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Nachbarn töteten Nachbarn: Als Indien und Pakistan unabhängig wurden

von Fremdeninfo 12 August 2022
von Fremdeninfo

Nachbarn töteten Nachbarn: Als Indien und Pakistan unabhängig wurden

Von

dtj-online

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12.08.2022

 
 
 

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„Unabhängigkeit Indiens und Pakistans vor 75 Jahren“ width
Pritam Khan in seinem Haus im Dorf Powt im indischen Bundesstaat Punjab. Als die Briten im Jahr 1947 die Teilung ihres ehemaligen Kolonialreichs British India in Indien und Pakistan verkündeten, war er neun Jahre alt. Foto: Himanshu Mahajan/dpa

Am 14. und 15. August hissen Indien und Pakistan ihre Flaggen zum Unabhängigkeitstag – dieses Jahr zum 75. Mal. Was offiziell ein Grund zum Feiern ist, reißt alte Wunden auf.

75 Jahre ist es her, seit Pritam Khan seine Familie verloren hat. Er war ein Kind, als die Briten die Teilung ihres ehemaligen Kolonialreichs British India in zwei Länder verkündeten – und religiös motivierte Massaker und eine der größten Migrationswellen der Geschichte auslösten.

Die Kolonialmacht teilte 1947 das multireligiöse, mehrheitlich hinduistische British India in Indien und den neuen Staat Pakistan für Muslime auf. Zwischen den Religionsgruppen flammte Hass auf. Nachbarn brachten Nachbarn um. Pritam Khan, ein Muslim, überlebte nur knapp, als Anhänger der Sikh-Glaubensgemeinschaft sein Dorf überfielen.

„Ein randalierender Mob“

„Ich spielte damals in der Nähe des Hauses, als ein randalierender Mob kam“, sagt der heute 86-Jährige im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Sein Vater und seine drei älteren Brüder seien weggerannt. Er habe sich in Feldern versteckt, seine Mutter in einem Brunnen. Als er zu ihr ging, sei sie nicht mehr herausgekommen.

Wie Pritam Khans Mutter Rehmi starben 1947 mindestens eine Million Menschen bei den Unruhen. Bis zu 15 Millionen Menschen wurden vertrieben oder mussten flüchten. Muslime wie Khans Vater und seine Brüder zogen in das für sie gegründete Pakistan, Hindus und Sikhs von dort in das hinduistisch geprägte Indien.

Vier Kriege seit der Teilung der Staaten

Menschen erlitten unterwegs furchtbare Grausamkeiten, viele kamen nie an. Viele Familien verloren durch die Umsiedlung ihren Besitz, was die Unruhen weiter aufpeitschte. Die traumatischen Erlebnisse sind bis heute im kollektiven Gedächtnis, beeinflussen die Politik und nähren eine erbitterte Rivalität der beiden Atommächte.

Vier Kriege sind seit der Teilung zwischen Indien und Pakistan ausgebrochen. Aus dem dritten entstand 1971 aus dem ehemaligen Ostpakistan das heutige Bangladesch. Die Region Kaschmir bei der gemeinsamen Grenze im Himalaya ist bis heute umstritten.

Allein – ohne Mutter

Pritam Khan weiß nicht genau, was nach dem Tod seiner Mutter passierte. Er sei herumgeirrt, dann bei Dorfbewohnern untergekommen, bis die Gewalt aufhörte. Er wuchs in einem Ort in der Nähe seines Heimatdorfs auf und arbeitete bei einem Bauern. Zur Schule sei er nie gegangen.

Nun jährt sich der Tag von Khans Tragödie zum 75. Mal. Und beide Länder feiern ihre Unabhängigkeit als Triumph – Pakistan am 14. August, Indien einen Tag danach. Aber Khan wird nicht feiern und wohl auf seinem Charpai, einem in der Region traditionellen Bettgestell, draußen vor seinem Zimmer sitzen und an seine verlorene Familie denken.

Heute mehr als 1,6 Milliarden Menschen

Die Teilung hat die Region – mit fast 1,4 Milliarden Menschen in Indien und rund 220 Millionen Menschen in Pakistan eine der am dichtesten bevölkerten der Erde – ungleich zurückgelassen. Indien ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Staat, der sich aus dem Status eines Entwicklungslandes herausgekämpft hat.

Pakistan gilt als Staat mit maroder Wirtschaft, schwachen demokratischen Strukturen und einem Sicherheitsproblem aufgrund vieler extremistischer Gruppen. Trotzdem will Pritam Khan genau dorthin, nach Pakistan, wo die Nachkommen seiner verstorbenen Brüder leben. Aber er kann nicht.

Wegen der angespannten Beziehungen der Nachbarn erhält er kein Visum, wie er sagt. Dass Khan überhaupt noch lebt, erfuhr seine Familie erst sieben Jahre nach der Trennung von einem entfernten Verwandten.

Neffe meldet sich mit einem Brief

Vor knapp 40 Jahren hörte Khan dann erstmals von einem Sohn eines seiner Brüder in Pakistan – Neffe Shahbaz meldete sich per Brief. Seitdem sind die beiden regelmäßig in Kontakt, mittlerweile per Videochat. Einmal habe sich die getrennte Familie direkt sehen können – bei einer Sikh-Gedenkstätte in Pakistan, die ein Hoffnungsschimmer für viele getrennte Familien ist, weil indische Angehörige ohne Visum dorthin kommen. Neffe Shahbaz sagt: „Ich wünschte, wir hätten ihn bei seinem Besuch nicht nach Indien zurückkehren lassen.“

Auch Khans indische Nachbarn hoffen, dass er zu seiner Familie ziehen kann. Für Videoanrufe nach Pakistan leihen sie ihm ein Handy aus. Sie kochen für ihn und bringen Medikamente, trotzdem sei er einsam. Der 86-Jährige wünscht sich Freundschaft zwischen den Nachbarländern. „So könnten die Menschen friedlich leben und florieren.“ Sein 54-jähriger Neffe betont, dass Indien und Pakistan eine ähnliche Kultur und Sprache hätten.

Ein Youtuber bringt Familien zusammen

Derzeit hofft Khan auch auf einen YouTuber. Der Pakistaner Nasir Ali Dhillon kontaktiert getrennte Familien via Social Media, hilft ihnen, sich wieder zu sehen – meist bei dem Schrein in Pakistan – und erzählt ihre Geschichten auf der Video-Plattform. Geschichten über Liebe und Freundschaft, über Vergangenheit und Hass.

Die Erinnerungen seines Großvaters, der aus dem gleichen indischen Bundesstaat wie Khan kommt, hätten seine Perspektive auf die Beziehung zwischen Indien und Pakistan geändert. „In den Medien wird uns erzählt, dass die Inder Feinde sind. Doch was unsere Alten erzählen, klingt ganz anders“, sagt er.

Mehr als 300 Familien half er in den vergangenen sechs Jahren, sich zu treffen. Sein YouTube-Kanal hat in beiden Ländern Abonnenten. Gut finden das nicht alle. Bei den Reisen zum Schrein wurde er schon von Behörden verhört, sogar Todesdrohungen gegen ihn soll es geben. Trotzdem will er weitermachen und auch Pritam Khan helfen, ein Visum zu bekommen. „75 Jahre Krieg haben uns nichts gebracht“, sagt Dhillon. „Wenn wir weiter kommen wollen, sollten wir etwas ändern.“

dpa/dtj

12 August 2022 0 Kommentare
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Information

Türkei-Urlauber bekommt Recht: Arbeitgeber muss Gehalt nachzahlen

von Fremdeninfo 11 August 2022
von Fremdeninfo

Türkei-Urlauber bekommt Recht: Arbeitgeber muss Gehalt nachzahlen

Von

dtj-online

–

11.08.2022

 
 
 
 
Symbolfoto: Ordner mit der Aufschrift „Quarantäneende“ stehen im Gesundheitsamt. Foto: Marijan Murat/dpa

Keine Arbeit und kein Geld nach dem Urlaub im Corona-Risikogebiet? Das Bundesarbeitsgericht verhandelte einen Fall, bei dem der Arbeitgeber eigene, harte Quarantäneregeln aufgestellt hat. Das kostet ihn jetzt Geld.

Arbeitgeber, die für Urlaubsrückkehrer aus Corona-Risikogebieten härtere Quarantäne-Regeln verhängen als von den Behörden vorgesehen, dürfen Beschäftigte grundsätzlich nicht ohne Bezahlung aussperren. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in einem Grundsatzurteil (5 AZR 154/22) in Erfurt. Der Kläger, ein Urlaubsrückkehrer aus der Türkei, hatte ein vierzehntägiges Betretungsverbot für seinen Betrieb trotz negativen Corona-Tests erhalten. Den Präzedenzfall für ein weiteres Corona-Urteil des höchsten deutschen Arbeitsgerichts lieferte ein Lebensmittelhersteller aus Berlin.

Der Fall

Der Berliner hatte nach seinem Urlaub im Sommer 2020 in der Türkei, die damals vom Robert Koch-Institut (RKI) als Corona-Risikogebiet eingestuft worden war, viel unternommen: ein PCR-Test nach Abreise, einen bei Ankunft in Deutschland und noch ein Attest vom Hausarzt. Er sei Covid-19- und beschwerdefrei, wurde ihm bescheinigt.

Trotzdem ließ ihn sein Arbeitgeber nach dem Urlaub nicht in den Betrieb, verlangte zwei Wochen Quarantäne und wollte den Leiter der Nachtreinigung in dieser Zeit nicht bezahlen. Dagegen klagte der Mann – und gewann auch in der höchsten Instanz. Sein Arbeitgeber muss ihm Gehalt nachzahlen: exakt 1512,47 Euro.

Das Urteil

Der Fünfte Senat mit dem Vorsitzenden Richter Rüdiger Linck entschied, dass Unternehmen mit einem Corona-Hygienekonzept, das strengere Regeln als die behördliche Quarantänepflicht vorsieht, Mitarbeiter bei einem Betretungsverbot trotz negativem Corona-Test weiter bezahlen müssen.

Der Arbeitgeber schulde „grundsätzlich Vergütung wegen Annahmeverzugs“, heißt es in der Entscheidung. „Die Ursache der Nichterbringung der Arbeitsleistung“ habe der Arbeitgeber schließlich „selbst gesetzt“. Zudem sei dem Kläger nicht die Möglichkeit gegeben worden, durch einen weiteren PCR-Test eine Infektion weitgehend auszuschließen.

Die Regeln des Arbeitgebers

Ein von der Konzernzentrale des auf Tiefkühlprodukte spezialisierten Unternehmens erarbeitetes Hygienekonzept sah vor, dass Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet 14 Tage zu Hause bleiben müssen. Ein einmaliger PCR-Test nach der Rückkehr würde nicht akzeptiert. Der Arbeitgeber informierte die Beschäftigten über Länder, die vom RKI als Risikogebiet eingestuft worden seien, auch die Türkei. Bei einer Quarantäne würden Mitarbeiter ihren Anspruch auf Lohn verlieren.

In dem Arbeitsgerichtsverfahren argumentierte der Arbeitgeber, er habe die betriebliche Quarantäne-Anordnung wegen eines „vergleichsweise hohen Risikos eines falschen negativen Testergebnisses“ getroffen.

Was die Behörden sagten

Das zuständige Gesundheitsamt hatte dem Kläger auf seine Anfrage hin mitgeteilt, dass Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten dann von der Pflicht zur Quarantäne ausgenommen seien, wenn sie einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen könnten. Es berief sich auf die Verordnung des Landes Berlin von Juni 2020. Vorzulegen sei ein ärztliches Attest nebst aktuellem Laborbefund.

Juristisch ging es darum, ob der Kläger ordnungsgemäß seine Arbeitskraft angeboten hat, diese aber vom Arbeitgeber zu Unrecht nicht angenommen wurde. Daraus ergeben sich Verpflichtungen zur Lohnzahlung oder nicht. Juristen sprechen von „Annahmeverzug“.

Nach Angaben des RKI gibt es seit Anfang Juni 2022 nach Änderung der Coronavirus-Einreiseverordnung nur noch die Kategorie der Virusvariantengebiete. Die Kategorie der Hochrisikogebiete sei entfallen. Rückkehrer brauchten grundsätzlich keinen Nachweis mehr, „dass sie geimpft, genesen oder getestet sind, sofern die Einreise nicht aus einem Virusvariantengebiet erfolgt“.

dpa/dtj

11 August 2022 0 Kommentare
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Literatur-Preisträgerin Özdamar will „die Toten ins Gedächtnis rufen“

von Fremdeninfo 10 August 2022
von Fremdeninfo

Literatur-Preisträgerin Özdamar will „die Toten ins Gedächtnis rufen“

Von

dtj-online

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10.08.2022

 
 
 
 
=““ title=“Georg-Büchner-Preis 2022 an Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar“
Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis 2022. Foto: Heike Steinweg/SV/Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/dpa

Die deutsche Literatur verdankt ihr „einen hochpoetischen Sound“ – so beschreibt es die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Emine Sevgi Özdamar ist Büchner-Preisträgerin 2022.

Vergangenes und Geliebtes bewahren ist ein Antrieb für die künstlerische Arbeit von Emine Sevgi Özdamar. „Ich hatte früher immer gesagt, ich möchte die Toten ins Gedächtnis rufen“, sagt die Schriftstellerin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt bekanntgegeben, dass Özdamar mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis 2022 ausgezeichnet wird. Die Akademie ehrt damit eine Autorin, die das Erinnern zu einem zentralen Motiv in ihren Romanen erhoben hat.

„Ein von Schatten begrenzter Raum“ erschien 2022

„Beim Schreiben findet man auch Menschen, die man geliebt hat, die aber nicht mehr leben“, sagt sie. Literatur als Gedächtnis – so könnte man ihr Werk vielleicht zusammenfassen. Özdamars Texte, die wegen ihrer poetischen Sprache viel gelobt wurden, sind häufig autobiografisch gefärbt und mit Verweisen auf literarische Werke, Filme oder befreundete Künstlerinnen und Künstler ausgestattet.

Sie gewann bereits 1991 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2022 wurde ihr neuester Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuvor hatte man einige Jahre nichts von ihr gehört. Zu ihren bekanntesten Büchern gehört der Roman „Das Leben ist eine Karawanserei: hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus“ (1992).

Nach Militärputsch kehrte sie der Türkei den Rücken

Das Buch ist ebenso wie die Nachfolge-Werke „Die Brücke vom Goldenen Horn“ (1998) und „Seltsame Sterne starren zur Erde“ (2003) sowie ihr jüngster Roman von ihrem Leben inspiriert. Özdamar wurde in Malatya in der Türkei geboren und wuchs in Istanbul und Bursa auf. 1965 kam sie erstmals nach West-Berlin.

Nach dem Militärputsch in der Türkei 1971 mit Massenverhaftungen und Zensur kehrte sie nach Berlin zurück. Sie arbeitete an verschiedenen Theatern, unter anderem mit dem Brechtschüler Benno Besson und mit Claus Peymann. In den 80er Jahren begann sie in Deutschland zu schreiben.

Düsseldorf inspirierte Özdamar zum Schreiben

Türkei, Berlin, München, Bochum, Düsseldorf: „Ich habe überall gelebt“, sagte die Künstlerin. „Ich habe meine ersten Wörter für meine Bücher in Düsseldorf gefunden. Das war eine friedliche Stadt und da habe ich angefangen zu schreiben.“ In die Türkei konnte sie damals nur selten.

„Früher konnten wir sehr wenig kommen, weil ich am Theater arbeitete und mein Mann auch.“ Inzwischen lebt sie abwechselnd in der Türkei und in Berlin. Die am 10. August 1946 geborene Schriftstellerin bereichere seit über drei Jahrzehnten die deutschsprachige Literaturszene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, teilte die Jury am Dienstag mit.

„Hochpoetischer Sound“

„Mit Emine Sevgi Özdamar zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt.“

Ungewohnte literarische Stilmittel und aus dem Türkischen inspirierte Sprechweisen prägten ihre Texte, hieß es weiter von der Jury. Diese würden neben intimen persönlichen Erfahrungen ein breites Panorama deutsch-türkischer Geschichte entfalten, vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart.

Kein Druck für ihre Arbeit

Poetisch, experimentell, ausufernd – so haben andere ihre Arbeit beschrieben. Und sie selbst? „Menschliche Körper sind wie alte Zivilisationen. Schichtweise lagern wir mehrere Gefühle, das sind die Stoffe“, sagt Özdamar über ihre Intention. Unter Druck setzen möchte sie sich bei ihrer Arbeit nicht.

„Ganz am Anfang wusste ich, dass ich drei Romane hintereinander schreiben möchte – Kindheit, junges Mädchen, junge Frau.“ Sie möge es aber nicht, wenn sie mit einem Buch fertig sei, sofort mit einem neuen Buch zu beginnen. Das müsse, wie bei einer Schwangerschaft ein Kind, reifen.

Pünktlich zum Geburtstag

Die Auszeichnung mit einem der wichtigsten literarischen Preise für deutschsprachige Literatur kam für sie unerwartet. „Man ist immer überrascht, auch mit den anderen Preisen. Plötzlich kommt der Anruf.“ Als frühzeitiges Geburtsgeschenk sieht Özdamar, die derzeit an der ägäischen Küste in der Türkei ist, den Preis nicht. „Daran habe ich gar nicht gedacht.“

Sie wird an diesem Mittwoch 76 Jahre alt und ist erst die zwölfte Frau, die den Georg-Büchner-Preis bekommt. Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Özdamar soll die Auszeichnung, die mit 50.000 Euro dotiert ist, am 5. November im Staatstheater in Darmstadt feierlich verliehen werden.

dpa/dtj

10 August 2022 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Kriminalität: 424 Angriffe auf Asylbewerber in der ersten Jahreshälfte

von Fremdeninfo 9 August 2022
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Kriminalität: 424 Angriffe auf Asylbewerber in der ersten Jahreshälfte

Die Anzahl der Angriffe ist in Deutschland zwar zurückgegangen, dafür sind diese aber gewalttätiger geworden.

Die Zahl der Verletzten stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

 

 

 

 

424 Angriffe auf Asylbewerber in der ersten Jahreshälfte

In Deutschland werden statistisch gesehen pro Tag zwei Asylbewerber angegriffen. Im ersten Halbjahr 2022 verzeichneten die Behörden 424 solcher überwiegend rechtsmotivierten Straftaten

, etwa ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. In der ersten Hälfte des Jahres 2021 waren es 576 derartige Delikte, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage

der Linksfraktion hervorgeht, über die die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet.

Allerdings setzten die zumeist rechtsradikalen Täter dem Medienbericht zufolge mehr Gewalt ein. 86 Opfer seien bei den Attacken außerhalb von Asylbewerberunterkünften verletzt worden.

Das sei ein klarer Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 62 Verletzten. In einem knappen Viertel der Fälle habe es sich um Gewalttaten wie Brandstiftung, Körperverletzung und den

Einsatz von Sprengstoff und Waffen gehandelt.

Hinzu gekommen seien in der ersten Jahreshälfte 43 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, zumeist Sachbeschädigung, Schmierereien und Propaganda, sowie 12 Angriffe gegen Hilfsorganisationen und

freiwillige Helfer im Bereich Flucht und Asyl.

„Das zeigt einmal mehr: Rassistische Gewalt gehört zum Alltag in Deutschland“, erklärt Clara Bünger, die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Jeder rassistische Übergriff sei einer zu viel.

Sie forderte geeignete Schutzkonzepte für Asylbewerber: „Dringend notwendig wäre zudem ein Bleiberecht für Opfer rechter und rassistischer Gewalt.„

9 August 2022 0 Kommentare
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Özdemir ermöglicht mehr Getreideanbau: Bauern und Länder erleichtert

von Fremdeninfo 8 August 2022
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Özdemir ermöglicht mehr Getreideanbau: Bauern und Länder erleichtert

Von

dtj-online

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07.08.2022

 
 
 
 
„Bundesagrarminister Özdemir und Bauernpräsident
Archivfoto: Bundesagrarminister Cem Özdemir unterhält sich bei einem Besuch mit Joachim Rukwied, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbands, auf einem Getreidefeld. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Landwirte in Deutschland rüsten sich bereits für den weiteren Getreideanbau. Kurz vor der Aussaat gibt es für sie nun Klarheit: Angesichts der Engpässe auf den Agrarmärkten können Bäuerinnen und Bauern hierzulande nun begrenzt zusätzliches Getreide anbauen.

Landwirte in Deutschland können angesichts angespannter internationaler Agrarmärkte infolge des Ukraine-Krieges mehr Flächen zum Getreideanbau nutzen. Dazu sollen die EU-Neuregelungen zu Flächenstilllegung und Fruchtwechsel im kommenden Jahr einmalig ausgesetzt werden. Ziel ist es, die Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern. Das sieht ein Kompromissvorschlag von Agrarminister Cem Özdemir vor. Der Bauernverband begrüßte den Schritt und betonte am Samstag, der Vorschlag des Grünen-Politikers komme in letzter Minute. Zustimmung kam auch aus Bundesländern sowie vom Koalitionspartner FDP. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf Özdemir vor, dem Druck der Agrarlobby nachgegeben zu haben. Die Deutsche Umwelthilfe sieht eine „Torpedierung des Artenschutzes“.

Özdemir will Bauern und Bäuerinnen ermöglichen, Agrarflächen für den Anbau bestimmter Pflanzen zur Nahrungsmittelproduktion länger zu nutzen. So sollen die eigentlich geplanten zusätzlichen Artenschutzflächen erst 2024 eingeführt werden. Bauern könnten dann im kommenden Jahr auf diesen Flächen weiter Nahrungsmittel anbauen.

EU will Artenschutz vorantreiben

Hintergrund sind ab 2023 greifende EU-Vorgaben, wonach ein Teil der Landwirtschaftsflächen dem Artenschutz dienen und zudem der Anbau derselben Ackerpflanze zwei Jahre in Folge auf derselben Fläche zum Bodenschutz grundsätzlich nicht mehr möglich sein soll. Die Umsetzung der Vorgaben hatte Brüssel aber den jeweiligen EU-Staaten überlassen. Özdemir hat nun den Bundesländern seinen Vorschlag zur Umsetzung der Kommissionsentscheidung unterbreitet, der ein Aussetzen von Fruchtwechsel und Flächenstilllegung vorsieht. Er braucht den Angaben zufolge die Zustimmung der Länder.

Nach Ministeriumsangaben soll die erstmalige verpflichtende Flächenstilllegung im kommenden Jahr einmalig ausgesetzt werden. Stattdessen solle weiter ein landwirtschaftlicher Anbau möglich sein, „allerdings im Sinne der Ziele des Kommissionsvorschlags eingeschränkt auf die Produktion von Nahrungsmitteln, daher auf die Kulturen Getreide (ohne Mais), Sonnenblumen und Hülsenfrüchte (ohne Soja)“, hieß es. Das gelte nur für die Flächen, die nicht bereits 2021 und 2022 als brachliegendes Ackerland ausgewiesen gewesen seien: „Die bestehenden Artenvielfaltsflächen werden dadurch weiterhin geschützt und können ihre Leistung für Natur- und Artenschutz sowie eine nachhaltige Landwirtschaft erbringen.“

EU-Regelung wird einmalig ausgesetzt

Zudem ist die EU den Angaben zufolge Özdemirs Vorschlag gefolgt und lässt eine Ausnahme beim Fruchtfolgenwechsel zu. Die entsprechende Regelung werde 2023 einmalig ausgesetzt. Damit könnten Landwirte in Deutschland auf etwa 380.000 Hektar ausnahmsweise Weizen nach Weizen anbauen. Nach wissenschaftlichen Berechnungen könnten damit bis zu 3,4 Millionen Tonnen Weizen angebaut werden. So gelinge es am besten, „die Getreideerträge in Deutschland stabil zu halten und damit zur Stabilität der Weltmärkte beizutragen“, hieß es.

Özdemir sagte, Russlands Präsident Wladimir Putin spiele mit dem Hunger, und er tue dies auf Kosten der Ärmsten in der Welt. Zugleich sei der Hunger bereits dort am größten, wo die Klimakrise schon schwere Folgen habe. „Für mich gilt daher, dass jede Maßnahme zur Lösung einer Krise darauf hin überprüft werden muss, dass sie eine andere nicht verschärft“, sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf den Artenschutz. Die Landwirtschaft habe ein Angebot gemacht, durch Beibehalten der Produktion die Getreidemärkte zu beruhigen. Agrarbetriebe wüssten nun, was sie in wenigen Wochen aussäen dürften.

Last-Minute-Entscheidung

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, nannte die Entscheidung überfällig, die in letzter Minute komme. Die Bauern hätten bereits mit der Anbauplanung für das kommende Jahr begonnen und bräuchten Planungssicherheit. Eine Aussetzung für ein Jahr ist aus Sicht Rukwieds nicht ausreichend. Um weiter eine sichere Lebensmittelversorgung gewährleisten und in Krisenzeiten reagieren zu können, müssten alle Flächen genutzt werden können, auf denen es landwirtschaftlich sinnvoll sei.

Özdemir habe endlich eingelenkt, sagte Baden-Württembergs Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU), der auch Sprecher der unionsgeführten Agrarressorts der Länder ist. Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) nannte es „überfällig, jetzt die Spielräume, die die EU-Kommission eröffnet hat, zu nutzen und so Verantwortung für die Ernährungssicherung zu übernehmen“.

dpa/dtj

8 August 2022 0 Kommentare
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Bildung

Großer Streit um „Sprach-Kitas“ bahnt sich an

von Fremdeninfo 4 August 2022
von Fremdeninfo

Großer Streit um „Sprach-Kitas“ bahnt sich an

Von

dtj-online

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03.08.2022

 
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„Union fordert Fortführen des Bundesprogramms «Sprach-Kitas»“
Archivfoto: Eine Logopädin zeigt mit dem Mund und der Zunge, wie der Laut „L“ geformt wird. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa

Eigentlich sind Kitas und die Sprachförderung dort Ländersache. Doch seit sechs Jahren gibt es das Förderprogramm „Sprach-Kitas“, das der Bund finanziert. Jetzt will er es zum Jahresende auslaufen lassen. Das hat vor kurzem schon die Länder erzürnt – und nun auch die Union.

CDU und CSU laufen Sturm gegen die vom Bund geplante Beendigung seines Förderprogramms zur Sprachentwicklung an Kitas. Wieder einmal halte die Ampel ihre Versprechen nicht ein, sagte die Vizevorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Dorothee Bär, der Deutschen Presse-Agentur. „Entgegen vollmundiger Ankündigungen im Koalitionsvertrag, wonach die Sprach-Kitas „weiterentwickelt und verstetigt“ werden sollen, folgt nur sieben Monate später der Förderstopp zum Jahresende.“

„Wer eine solche Politik der Rückabwicklung für gut heißt, kann es mit der Integration und Teilhabe für die Jüngsten und Schwächsten unserer Gesellschaft nicht ernst meinen“, kritisierte Bär weiter. CDU-Generalsekretär Mario Czaja wies darauf hin, dass frühkindliche Bildung entscheidend für Bildungsgerechtigkeit sei – insbesondere bei Kindern mit sprachlichem Unterstützungsbedarf. Später lasse sich das nur ungleich schwerer und mühsamer sowie zu deutlich höheren Kosten für den Staat aufholen. „Es ist daher kurzsichtig, unverantwortlich und vor allem sozial ungerecht, wenn die Ampel das Programm „Sprach-Kitas“ ohne Übergangslösung auslaufen lässt.“

Regierung will das Problem anders lösen

Das Bundesfamilienministerium wies jedoch darauf hin, dass das zuletzt mit rund 200 Millionen Euro jährlich ausgestattete Programm von Anfang an als zeitlich befristetes Modell angelegt gewesen sei. „Der Bund hat es auf den Weg gebracht, um bundesweit die Aufmerksamkeit stärker auf die Bedeutung der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung zu lenken“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. „Es ist wichtig, dass alle Länder die Bedeutung der sprachlichen Bildung in den Kitas erkennen, sie in ihren Landesgesetzen verankern und eigene Landesprogramme auflegen.“ Einige hätten das schon getan.

Die Sprecherin wies zugleich den Vorwurf zurück, dass der Bund vom kommenden Jahr an kein Geld mehr für die sprachliche Förderung von Kindern bereitstellen werde. „Wir werden die sprachliche Bildung zum prioritären Handlungsfeld im Gute-Kita-Gesetz machen, wofür wir 2023 und 2024 jeweils zwei Milliarden Euro im Bundeshaushalt bereitstellen.“ Das Gesetz werde zu einem „Kita-Qualitätsgesetz“ weiterentwickelt. „So stärken wir die Sprachförderung weiter, indem wir sie gesetzlich verankern und finanziell weiter stärken.“

8000 Jobs betroffen

Mit dem Programm „Sprach-Kitas“ fördert der Bund seit 2016 die sprachliche Bildung in der Kindertagesbetreuung. Es richtet sich vor allem an Kitas mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit sprachlichem Förderbedarf. Etwa jede achte der bundesweit rund 58.500 Einrichtungen ist eine Sprach-Kita. Nach Angaben der Bundesregierung werden mit dem Geld derzeit etwa 8000 halbe Stellen für Sprachbildung und Beratung gefördert. Im laufenden Jahr sind dafür Kosten von 248 Millionen Euro veranschlagt. Anfang Juli hatte das Familienministerium den Ländern schriftlich mitgeteilt, dass die Bundesfinanzierung zum Jahresende eingestellt wird. Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2023 sieht für das Programm keine Mittel mehr vor.

Czaja warnte mit Blick auf die derzeit finanzierten 8000 Fachkräfte: „Wenn sie jetzt keine Perspektive haben, suchen sie sich einen neuen Job.“ Schon jetzt steuerten Kitas und Schulen auf einen beispiellosen Personalengpass zu. Bär kündigte an, dass sich die CDU/CSU-Fraktion bei den bevorstehenden Haushaltsberatungen mit aller Kraft dafür einsetzen werde, das Streichen der Mittel rückgängig zu machen.

dpa/dtj

4 August 2022 0 Kommentare
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Baerbock und Çavuşoğlu: Türkische Gemeinde kritisiert beide Seiten

von Fremdeninfo 4 August 2022
von Fremdeninfo

 

Baerbock und Çavuşoğlu: Türkische Gemeinde kritisiert beide Seiten

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dtj-online

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31.07.2022

=“Außenministerin Annalena Baerbock in der Türkei“
Ankara: Annalena Baerbock (2.v.r., Bündnis 90/Die Grünen), deutsche Außenministerin, nutzte ihren Aufenthalt in der Türkei nicht nur für Gespräche mit der Regierung und der Opposition, sondern besuchte auch Frauen und Kinder in einem Gemeindezentrum für syrische und irakische Geflüchtete. Foto: Annette Riedl/dpa

Nach dem offenen Streit zwischen Außenministerin Annalena Baerbock und ihrem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu in Istanbul hat die Türkische Gemeinde in Deutschland den Umgang der beiden miteinander kritisiert.

„Ich hätte mir gewünscht, dass bestimmte Themen diplomatisch hinter verschlossenen Türen besprochen worden wären“, sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoğlu dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Sonntag). „Man sollte jedenfalls andere Methoden finden, um miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Die beiden hätten „die Sprache der Diplomatie verlassen“ und „jeweils Botschaften für die Innenpolitik“ formuliert. „Wir erwarten, dass die türkisch-stämmige Bevölkerung unter diesen Verhältnissen nicht leidet.“ Das sei in der Vergangenheit bei ähnlichen Konfrontationen leider passiert.

Lob für Besuch der Opposition

Er lobte den Antrittsbesuch der Grünen-Politikerin in der Türkei aber auch: „Ich sehe bei Frau Baerbock einen gewissen Paradigmenwechsel.“ Er fügte hinzu: „Sie hat erstmals die Opposition besucht. Ich finde das gut. Denn die Opposition kann immer auch die nächste Regierung bilden. Deshalb sollte man die Beziehungen pflegen.“

Baerbock hatte am Freitag ihr einziges Treffen mit einem türkischen Regierungsvertreter in der Bosporus-Metropole Istanbul. Dort wurde die gemeinsame Pressekonferenz mit Çavuşoğlu zur offenen Konfrontation über die erwartete türkische Offensive in Nordsyrien, die Inhaftierung des Oppositionellen Osman Kavala in der Türkei und vor allem über den Insel-Streit zwischen Griechenland und der Türkei. Am zweiten Tag ihres Besuchs traf Baerbock Vertreter der Opposition in der Hauptstadt Ankara.

dpa/dtj

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Flüchtlinge

Berlin schlägt Alarm: Kaum noch Kapazitäten für Flüchtlinge

von Fremdeninfo 4 August 2022
von Fremdeninfo

 

Berlin schlägt Alarm: Kaum noch Kapazitäten für Flüchtlinge

Von

dtj-online

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01.08.2022

 
 
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„Ankunft Geflüchteter aus Ukraine“ width=“696″ height=“464″>
Erfurt: Geflüchtete aus der Ukraine sitzen nach der Ankunft eines Flugzeuges aus Chisinau/Moldau im Flughafen Erfurt-Weimar und werden von Helfern betreut. Foto: Michael Reichel/dpa

In Berlins Flüchtlingsunterkünften wird es so eng, dass die zuständige Senatorin Alarm schlägt. Die Stadt hat besonders viele Ukraine-Flüchtlinge aufgenommen, darüber hinaus kommen jeden Tag weitere Asylbewerber aus anderen Ländern.

Die zuletzt ohnehin angespannte Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin hat sich dramatisch zugespitzt. Weil nur noch wenige Plätze zu Verfügung stehen, setzte Integrationssenatorin Katja Kipping (Linke) Stufe 1 eines Notfallplans in Kraft. Geplant sei nun, ein großes Zelt mit rund 900 Schlafplätzen zu öffnen, das bislang als Reserve auf dem Gelände des Ukraine-Ankunftszentrums in Tegel steht.

Als möglichen nächsten Schritt für den Fall, dass sich die Situation nicht bessert, stellte Kipping als Stufe 2 die Feststellung einer „Gefahrenlage“ in Aussicht. Dann könne die Akquise bezugsfertiger Unterkünfte schneller gehen, auch werde dann die Anmietung von Hostels oder Hotels geprüft.

Berlin springt für andere Bundesländer ein

Zur Begründung für die Entwicklung führte Kipping an, dass die meisten Bundesländer zuletzt keine neuen Asylbewerber mehr aufgenommen hätten. „Dort gibt es faktisch einen Aufnahmestopp für Menschen, die Erstanträge auf Asyl stellen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings kämen weiter permanent neue Asylbewerber in Deutschland an, viele davon in der Hauptstadt. „Berlin muss das nun abfedern. Das verschärft hier die Situation.“

Üblicherweise werden Asylbewerber unter den Ländern auf Basis ihrer Einwohnerzahl nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel aufgeteilt. Berlins Anteil liegt bei gut fünf Prozent. Das elektronische Verteilsystem heißt „Easy“. Kipping zufolge meldeten sich „in den letzten Tagen“ die meisten Bundesländer von „Easy“ ab. Sie hätten dies damit begründet, dass sie durch die Aufnahme ukrainischer Geflüchteter, die keinen Asylantrag stellen müssen, belastet seien.

Keine gleichmäßige Verteilung

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Mittwoch in Berlin, grundsätzlich sei die Verteilung nach dem Königsteiner Schlüssel nicht ausgesetzt. Er sprach allerdings von „Sonderlagen“ in einigen Bundesländern und nannte Kapazitätsengpässe, IT-Ausfälle und Quarantänemaßnahmen. „Das bedeutet, es gibt momentan keine gleichmäßige Verteilung in alle Länder, auf Wunsch einzelner Länder ist das unterbrochen.“

Kipping forderte alle Bundesländer dazu auf, bei der Aufnahme geflüchteter Menschen an einem Strang zu ziehen. „Meine ausdrückliche Bitte an alle Bundesländer ist, zurückzukehren zum Solidarprinzip und sich an der Erstaufnahme von Asylantragstellenden zu beteiligen.“ Bayern und Hamburg hätten sich Stand Mittwoch wieder angemeldet, auch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz machten beim Verteilsystem aktuell mit.

Wieder mehr Neuankömmlinge

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), das für das Verteilungssystem verantwortlich zeichnet, ist „Easy“ nicht ausgesetzt. „Vielmehr wurde die landesübergreifende Verteilung in einige Bundesländer aufgrund von Sonderlagen mit temporären Sperrungen eingeschränkt“, erklärte ein Sprecher auf dpa-Anfrage. Solche „Sonderlagen“ könnten zum Beispiel Quarantänemaßnahmen und damit verbundene Kapazitätsengpässe oder IT-Ausfälle sein. In der Regel dauerten die Sperrungen auf Veranlassung der jeweiligen Bundesländer wenige Stunden bis wenige Tage oder Wochen.

Bedacht werden müsse in dem Zusammenhang auch die aktuelle Sondersituation mit den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, so der Bamf-Sprecher. Sie stelle alle Bundesländer vor Herausforderungen bei der Aufnahme. „Resultierende Abweichungen von der Aufnahmequote gleichen sich erfahrungsgemäß mittelfristig wieder aus.“

Nach früheren Angaben der Behörden wurden neben ukrainischen Kriegsflüchtlingen zuletzt monatlich um die 1000 Asylbewerber aus zahlreichen anderen Staaten in Berlin registriert. Im Juli sei wegen des Aufnahmestopps in anderen Bundesländern mit etwa 450 mehr zu rechnen, sagte Kipping. Hinzu komme, dass die Tendenz bei den Zuzügen geflüchteter Menschen ohnehin wieder steigend sei.

dpa/dt

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Flüchtlinge

Auch Christus war ein Flüchtling“: Priester in Russland hilft Ukrainern

von Fremdeninfo 4 August 2022
von Fremdeninfo

Auch Christus war ein Flüchtling“: Priester in Russland hilft Ukrainern

Von

dtj-online

–

03.08.2022

 
 
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„Priester in Russland hilft Ukrainern“
St. Petersburg: Der orthodoxe Priester Grigori Michnow-Wajtenko sitzt in einem Café. Foto: Hannah Wagner/dpa

Bei ihrer Flucht aus besetzten Gebieten landen viele Ukrainer ausgerechnet in dem Land, das sie angegriffen hat. Im russischen Petersburg hilft ihnen ein orthodoxer Priester bei der Weiterreise in den Westen. Er bringt sich dabei selbst in große Gefahr.

Vater Grigori ist kein typischer Priester im Russland dieser Tage. Während der russisch-orthodoxen Kirche Kremlnähe und Kriegstreiberei vorgeworfen werden, verurteilt Grigori Michnow-Wajtenko beides: die politische Führung Russlands im Allgemeinen und den Angriff auf das Nachbarland Ukraine im Speziellen. Und er hilft denen, die unter den seit mehr als fünf Monaten andauernden Kämpfen besonders leiden: ukrainischen Geflüchteten, die gegen ihren Willen in Russland gelandet sind.

Als Kremlchef Wladimir Putin Ende Februar den Einmarsch in die Ukraine befahl, sei ihm klar gewesen, dass in Russland lebende Ukrainer Probleme bekommen könnten, sagt Vater Grigori. Da habe er beschlossen zu helfen. Der 55-Jährige sitzt im Außenbereich eines Cafés in der Ostsee-Metropole St. Petersburg, es ist Sonntagmittag, er kommt gerade aus dem Gottesdienst. Seine langen, etwas ergrauten Haare hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, immer wieder schaut er skeptisch gen Himmel, es sieht nach Regen aus.

Hunderttausende Geflüchtete landen in Russland

Grigori stellte nach Kriegsbeginn ein Team von Freiwilligen zusammen. Damals meldeten sich vor allem Ukrainer, die schon länger in Russland leben, erinnert sich der Geistliche. Viele von ihnen haben rechtliche Fragen; wie sie ihre Dokumente verlängert bekommen, zum Beispiel. Mitte März dann kontaktierten ihn die ersten Flüchtlinge.

Das UN-Büro für Migration zählt Ende Juni gut 5,2 Millionen Ukrainer, die sich im Ausland aufhalten, und weitere 6,2 Millionen, die innerhalb ihres Landes vertrieben wurden. Viele wollen Richtung Westen – doch oft ist das nicht möglich. Immer wieder beklagt Kiew, dass eigene Hilfskonvois nicht in besetzte Gebiete durchgelassen würden und Zivilisten stattdessen nach Russland brächten – ausgerechnet in das Land, das sie angegriffen hat.

Hilfe in St. Petersburg

Mitte Juli nennt der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak 1,6 Millionen Ukrainer, die gegen ihren Willen nach Russland gebracht worden seien, darunter 260.000 Kinder. Kiew spricht von „Deportationen“. Russland beziffert die Zahl der eingereisten Ukrainer mit 2,7 Millionen, sie sollen alle freiwillig gekommen sein. Immer wieder behauptet der Kreml, die Menschen im Nachbarland von angeblichen Faschisten zu „befreien“.

Die Geflüchteten, die seit März bei Vater Grigori in Petersburg eintreffen, haben existenzielle Probleme: Ihre ukrainischen Bankkarten funktionieren in Russland nicht, ihre Landeswährung Hrywnja bekommen sie nicht in russische Rubel umgetauscht. Viele wurden im Krieg verwundet. Grigori will allen helfen. Sein Freiwilligenteam wächst immer weiter. Es werden Spenden gesammelt, Schlafplätze und Begleitungen zu Behördengängen und Arztbesuchen organisiert. Außerdem kaufen er und sein Team den Menschen, die Russland verlassen wollen, Tickets für die Reise nach Europa.

Kritik an Kreml und Kirche

Es fängt jetzt wirklich an zu regnen. Das treffe sich gut, sagt Vater Grigori, er müsse nun ohnehin los, einen seiner Söhne vom Busbahnhof abholen. Er hat insgesamt sieben Kinder, sechs Jungen und ein Mädchen. Die Älteren hätten manchmal Angst um ihn, erzählt er während der Fahrt zum Bahnhof. Denn der Priester hält auch mit seiner politischen Einstellung nicht hinter dem Berg.

„Faktisch existiert in Russland mittlerweile ein komplett totalitäres Regime“, sagt Grigori. Der Geistliche spielt auf die staatlichen Repressionen an, die in Russland seit Kriegsbeginn massiv zugenommen haben. Wer etwa angebliche Falschnachrichten über Russlands Streitkräfte verbreitet, dem drohen viele Jahre Straflager.

Grigori ist auch enttäuscht von der russisch-orthodoxen Kirche und deren Vorsteher, Patriarch Kirill. „Anstatt der Staatsmacht zu sagen, was sie falsch macht, nicken sie einfach und sagen: „Ja, das ist alles richtig so, hurra, Ruhm den russischen Waffen““, kritisiert er. Bereits 2014 trat er aus der russisch-orthodoxen Kirche aus und in die apostolisch-orthodoxe ein.

Flucht aus Mariupol

In einem St. Petersburger Hostel, das die Freiwilligen angemietet haben, sitzen zwei Frauen, denen Grigori hilft. Sie haben fast alles verloren. Die 42 Jahre alte Maria und ihre 16-jährige Tochter Katja kommen aus der südukrainischen Hafenstadt Mariupol. Beide heißen in Wirklichkeit anders, doch ihre echten Namen zu nennen, trauen sie sich nicht.

Maria und Katja sind seit knapp einer Woche in St. Petersburg. Gerade waren beide beim Frisör – ein Geschenk der Freiwilligen. Marias kurze Haare sind blondiert, Katjas schulterlange Frisur an den Spitzen nach außen geföhnt. Der Mutter sind die Grauen der vergangenen Monate anzumerken, sie wirkt in sich gekehrt, antwortet freundlich, aber einsilbig. Katja hingegen ist die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben. „Endlich wieder Zivilisation“, sagt sie über St. Petersburg mit seinen vielen Cafés und Touristenattraktionen.

Finnland ist das Ziel

In der Zeit der schlimmsten Kämpfe in Mariupol trauen sich Mutter und Tochter wegen der vielen Scharfschützen fast gar nicht aus ihrer Wohnung. Ein Verwandter sei mitten auf der Straße erschossen worden, erzählt Maria. „Er wollte Insulin für seine Mutter besorgen.“

Dann, Mitte Mai, wird Mariupol von Russlands Truppen erobert. Nun sind zwar die Straßenkämpfe weitgehend vorbei – aber auch die Möglichkeit, in Richtung Westen zu fliehen. Maria, Katja und Katjas Opa steigen in einen russischen Evakuierungsbus, werden zuerst ins grenznahe Taganrog gebracht, dann nach Rostow am Don. Dort haben sie Glück: Freiwillige werden auf die Familie aufmerksam, kaufen ihr Zugtickets nach St. Petersburg und kontaktieren Grigoris Hostel.

Nun wollen Mutter und Tochter weiter nach Finnland, Maria hat dort eine Freundin. „Ohne die Hilfe der Freiwilligen hätten wir das alles nicht geschafft“, sagt sie. Dabei schaut sie zu einer Frau mit kurzen Haaren, die auf dem Bett links von ihr sitzt: Swetlana Kwaschina.

Kritik könnte den Job kosten

Kwaschina ist pensionierte Ingenieurin, sitzt für die Oppositionspartei Jabloko in einem St. Petersburger Stadtbezirksparlament und seit einigen Monaten koordiniert sie das Hostel. Ihr Mann Sergej Swetunkow ist Hochschulprofessor und unterstützt die Flüchtlingshilfe in seiner Freizeit. Sergej bezeichnet sich scherzhaft als Swetlanas „Gehilfen“, weil sie den Laden schmeißt und er ihre Aufträge annimmt, für die Ukrainer einkaufen geht oder sie zu Behörden fährt.

Im Internet betreibt Sergej einen Blog, auf dem er über sein Ehrenamt berichtet. Dort schreibt er Sätze wie: „Seit dem 24. Februar dieses Jahres sind friedliche Einwohner der Ukraine gegen ihren Willen in Russland gelandet.“ Er wisse, dass seine kritische Einstellung ihn den Job kosten könne, wenn er Pech habe, sagt Sergej.

Beide müssen los, rund sechs Kilometer entfernt wartet ein weiterer geflüchteter Mann auf sie, dem sie über Bekannte eine Wohnung organisiert haben. Swetlana steuert das Auto, Sergej sitzt auf der Rückbank. Er freue sich, dass deutschsprachige Zeitungsleser nun von ihm und seiner Frau erführen, sagt er. „Sie sollen wissen, dass es auch Russen wie uns gibt.“

Sascha flieht, als er die ersten Schüsse hört

Alexander Bereschnoi, genannt Sascha, kommt aus der Stadt Woltschansk im ostukrainischen Gebiet Charkiw. Sascha hat es dank seinem Behindertenausweis aus dem Land geschafft, normalerweise dürfen Männer wegen des Kriegsrechts die Ukraine derzeit nicht verlassen. Der 38-Jährige floh gemeinsam mit seinem körperlich schwer beeinträchtigen Freund Dima. Beide haben in Woltschansk im selben Heim gelebt, nun pflegt Sascha Dima.

Saschas Heimatstadt Woltschansk wird direkt am ersten Kriegstag von den Russen eingenommen, doch in der Nähe gehen die Kämpfe weiter. Als er vom Gelände seines Heims aus die ersten Schüsse hört, beschließt er, mit Dima zu fliehen. „An dem Tag hat es geregnet, ich erinnere mich ganz genau.“ Es sei mühsam gewesen, Dima im Rollstuhl bis ins Stadtzentrum zu schieben, sagt Sascha.

„Christus war auch ein Flüchtling“

Das wenige Ersparte der beiden Männer geht für ein Taxi zur nahe gelegenen russischen Grenze drauf. Von dort werden sie nach Belgorod gebracht, dann gelangen auch sie mithilfe von Freiwilligen nach Petersburg. Ob er nun hier bleiben wolle? „Weißt du, ehrlich gesagt, das ist mir egal“, antwortet Sascha. „Hauptsache, ich lasse Dima nicht allein.“

Der Mann, der Sascha, Maria, Katja und vielen anderen Ukrainern geholfen hat, weiß, dass er sich mit seinem Handeln und seinen Äußerungen zur Zielscheibe der russischen Behörden machen könnte. „Doch für mich wäre es viel schlimmer zu schweigen und so zu tun, als ob nichts wäre“, sagt Vater Grigori. Auf die Frage, was ihn antreibt, hat der Priester direkt eine Antwort parat: „Ich bin kategorisch nicht einverstanden mit den Handlungen der russischen Regierung“, sagt er. „Und zweitens: Christus war auch ein Flüchtling.“

dpa

4 August 2022 0 Kommentare
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