Von: Dtj-online
Bei Razzien gegen LGBT-Vereine in der Türkei wurden zahlreiche Menschen festgenommen. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Aktion zum Schutz der Familie. Nach weiteren Personen werde gefahndet.
In der Türkei sind am Sonntag bei landesweiten Razzien gegen mehrere LGBT-Aktivistenvereine zahlreiche Menschen festgenommen worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, seien zuvor Ermittlungen wegen „Vereinsgründung zum Begehen einer Straftat, Prostitution, Obszönität“ sowie Drogenbesitz eingeleitet worden. Die Gruppe Kaos GL, die sich für die Rechte von Homo- und Bisexuellen, Transmenschen und queeren Personen (LGBTQ) einsetzt, erklärte auf der Plattform X, die Polizei sei in ihre Vereinsräumlichkeiten eingedrungen und habe Mitglieder des Vorstands festgenommen.
Razzien in mehreren Städten
Die Staatsanwaltschaft betitelte die Razzien als „Meine Familie ist in Sicherheit“-Operation („Ailem güvende“). Justizminister Akın Gürlek erklärte laut Anadolu, eine Untersuchung der Finanzberichte der Vereine habe ergeben, dass hohe Geldbeträge von öffentlichen Einrichtungen im Ausland überwiesen wurden. Die Herkunft dieser Geldflüsse werde derzeit untersucht. Gürlek sagte, gegen 162 Personen seien strafrechtliche Maßnahmen durchgeführt worden.
In der Erklärung der Staatsanwaltschaft hieß es laut Anadolu, es seien Beweise gefunden worden, wonach durch die Aktivitäten der Vereine Minderjährige in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung und ihre Geschlechtsidentität beeinflusst würden. Die Operationen hätten das Ziel, zu verhindern, dass diese Aktivitäten in der Gesellschaft „als normal angesehen werden – zum Wohle der Kinder sowie zum Schutz der Institution der Familie und der gemeinsamen moralischen Werte.“
Neuer Justizminister geht mit harter Hand vor
Die Razzien fanden an 38 Adressen statt, darunter Wohnhäuser, Arbeitsstätten und Vereine. Betroffen waren neben Istanbul unter anderem die Städte Ankara, İzmir und Antalya. Es werde nach weiteren Menschen gefahndet.
Am Samstag wurden außerdem zahlreiche Social-Media-Accounts der Vereine gesperrt, berichtete der Verein für Meinungsfreiheit IFÖD mit Sitz in Istanbul.
Seit Gürlek im Amt ist, geht er rigoros vor. Während viele ihre Unterstützung für dieses Vorgehen äußern, äußern sich andere skeptisch und werfen ihm vor, die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei noch weiter abzubauen, was vor allem Minderheiten zu schaffen mache