Von: Cuali Yağmur
In der Türkei wurde eine von der AK-Partei-Regierung unterstützte Operation gegen die Süleymancılar-Gemeinde eingeleitet. Im Rahmen dieser Operation wurden 48 Personen festgenommen, darunter auch das Oberhaupt der Gemeinde, Alihan Kuriş. Die Süleymancılar, eine der einflussreichsten und mitgliederstärksten religiösen Gruppen der Türkei, sind traditionell für ihre guten Beziehungen zu rechten Parteien bekannt.
Politische Beziehungen und Spaltungen
Obwohl das derzeitige Oberhaupt der Gemeinde, Alihan Kuriş, anfangs enge Beziehungen zur AK-Partei pflegte, geriet er im Laufe der Zeit in Konflikt mit der Regierung. Innerhalb der Gemeinde herrscht jedoch eine politische Spaltung. Einige Anführer und Mitglieder stehen der AK-Partei weiterhin nahe; so unterstützt beispielsweise die Gruppe um den ehemaligen Abgeordneten Fatih Süleyman Denizolgun weiterhin die Regierung. Seit Alihan Kuriş eine oppositionelle Linie eingeschlagen hat, steht die Gruppe unter genauer Beobachtung der Regierung. Die Süleymancılar geben ihre Stimmen bei Wahlen nicht nur der AK-Partei, sondern unterstützen auch rechtsgerichtete Oppositionsparteien.
Die regierungsnahe Presse hatte bereits seit längerem Signale für eine bevorstehende Operation gegen diese Struktur gegeben. Nach der erwarteten Operation wurde eine groß angelegte Untersuchung des Vermögens der festgenommenen Personen und der Gemeinde eingeleitet. Die Gruppe, die über ein sehr starkes wirtschaftliches Netzwerk in der Türkei verfügt, gilt als äußerst gut organisiert.
Strukturen in Deutschland und Europa
Ihre größte Organisation außerhalb der Türkei haben die Süleymancılar in Europa, insbesondere in Deutschland, aufgebaut. Man kann sagen, dass sie in Deutschland nach der Diyanet (DİTİB) die zweitgrößte religiöse Gruppe sind. Der 1973 in Köln gegründete Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) ist die Dachorganisation dieser Struktur in Deutschland. Die Gruppe ist in fast jeder deutschen Stadt organisiert und verfügt über mehr als 300 Moscheen sowie über 100.000 Mitglieder.
Diese Gruppe, die eher diskret und im Hintergrund agiert, hat über Jahre hinweg unauffällig Schlüsselpositionen in verschiedenen Bereichen in Deutschland besetzt. Durch gut ausgebildete Vertreter gelingt es ihnen, alle gesellschaftlichen Schichten zu erreichen. Mit den Koran-Unterrichten in ihren Moscheen üben sie einen erheblichen Einfluss auf die junge Generation aus. Im Gegensatz zu einigen anderen religiösen Strukturen (wie etwa Milli Görüş oder die Grauen Wölfe) wurden sie vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bisher nicht als unmittelbare Bedrohung eingestuft und standen nicht unter intensiver Beobachtung. Sie besitzen die Fähigkeit, Kontakte zu allen deutschen politischen Parteien zu knüpfen, und schaffen es, sich politisch unauffällig zu organisieren.
Finanzkraft und Bildungsaktivitäten
Wirtschaftlich ist die Gruppe sehr stark aufgestellt; sie betreibt in verschiedenen Städten Supermärkte, Restaurants und andere Geschäfte. Anstatt sich nur auf Spenden bei Freitagsgebeten zu verlassen, generieren sie durch Stiftungen und kommerzielle Betriebe einen großen Finanzkreislauf. Insbesondere durch Wohnheime und Stipendien für Studenten üben sie großen Einfluss auf junge Menschen aus. In Deutschland setzen sie sich aktiv für den islamischen Religionsunterricht in den Bundesländern ein und betonen, dass der Islam eine friedliche Religion sei. Sie stehen in Kontakt mit Institutionen wie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin sowie mit Universitäten.
Religiöse Auslegung und die Kerbela-Frage
Die religiösen Auslegungen der Süleymancılar unterscheiden sich von vielen anderen islamischen Gruppen. Es wird berichtet, dass sie beispielsweise gegenüber Yazid und Muawiya eine gemäßigtere Haltung einnehmen und keinen tiefen Groll gegen sie hegen. In Bezug auf das Ereignis von Kerbela (680 n. Chr.), bei dem der Enkel des Propheten, Hussein, und 72 seiner Angehörigen getötet wurden – ein Wendepunkt der islamischen Geschichte –, bieten sie im Gegensatz zu Schiiten keine Verfluchungen, sondern eine andere Perspektive an.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Süleymancılar verfolgen eine Strategie des „stillen, aber stetigen Vorgehens“. Sie sind eine Struktur, die keinen Lärm verursacht, aber darauf abzielt, eine höchst disziplinierte und elitäre Anhängerschaft heranzuziehen. Die Gruppe pflegt nach außen hin ein seriöses und reifes Image, vermeidet Polemiken und verfolgt eine eigene Methode bei der Erziehung von Migrantenkindern sowie deren Schutz vor Assimilation.