Von: Cumali Yağmur
Meryem Yılmaz, Studentin im dritten Jahr am Fachbereich Psychologie der İzmir-Demokrasi-Universität, leidet an fortgeschrittener Skoliose. Yılmaz, die sich einer äußerst riskanten Operation unterzog, bei der 22 Schrauben und Platinplatten in ihre Wirbelsäule eingesetzt wurden, leidet seit dem Tag ihrer Festnahme an schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie Ohnmachtsanfällen, Schwindel und Sehverlust. Obwohl der Gefängnisarzt eine Überweisung ins Krankenhaus angeordnet hat, wurde sie bisher immer noch nicht dorthin verlegt.
Die verhaftete und ins Gefängnis eingelieferte Meryem Yılmaz kämpft dort mit schweren Krankheiten. Nachdem ihre Familie von der Situation erfahren hatte, reichte sie bei der Gefängnisleitung einen Antrag ein und forderte ihre sofortige Einlieferung ins Krankenhaus. Da Meryem Yılmaz jedoch nicht überwiesen wird, ringt sie im Gefängnis unter großen Entbehrungen förmlich mit dem Tod.
Aus humanitärer und rechtlicher Sicht muss ein Häftling, der im Gefängnis schwer erkrankt, unverzüglich in ein voll ausgestattetes Krankenhaus überwiesen und ärztlich untersucht werden. Doch Meryem Yılmaz wird trotz all ihrer Leiden das Recht auf Behandlung verwehrt. Hier wird eine Gewissenlosigkeit an den Tag gelegt, die selbst in der Finsternis des Mittelalters ihresgleichen suchen würde. Während in der Geschichte der Türkei selbst während der Militärjunta-Zeiten von 1960, 1971 und 1980 kranke Gefangene zur Behandlung ins Krankenhaus geschickt wurden, haben kranke Häftlinge heute, unter der AKP-MHP-Regierung, keinen Zugang zu ihrem grundlegendsten Recht: der Gesundheitsversorgung.
Diese Ära der repressiven Regierung geht als ein Prozess in die Geschichte ein, der der Jugend und den Menschenrechten feindlich gesinnt ist. Jeden Tag werden die Gefängnisse durch neue Verhaftungen gefüllt, und selbst die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) gegen die Türkei werden nicht umgesetzt. Die über 22-jährige Herrschaft der AKP-MHP setzt Arbeitnehmerrechte, Demokratie und Menschenrechte außer Kraft und zeichnet sich durch repressive Praktiken aus.
Meryem Yılmaz muss ohne einen einzigen Tag Verzögerung ins Krankenhaus gebracht werden. Dieser Zustand ist unerträglich geworden. Alle progressiven, demokratischen, sozialdemokratischen und revolutionären Kreise, Gewerkschaften und Menschenrechtsverteidiger müssen ihre Stimme gegen diese Unterdrückung erheben und aktiv werden, damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
Wie lange soll man noch warten? Um unsere Pflicht gegenüber künftigen Generationen zu erfüllen, müssen wir die Fahne des Kampfes gegen das Ein-Mann-Regime und die AKP-MHP-Regierung hissen.