Der Raschplatz: Hannovers ewiges Sorgenkind

von Cumali Yağmur

             Von:  Cumali Yagmur

Der Raschplatz ist seit Jahren ein Problem für Hannover. Ich lebe seit elf Jahren in Hannover und sah schon an meinem ersten Tag eine Anzeige mit der Aufschrift: „Versammlung am Raschplatz“. Aus Neugier ging ich an jenem Abend hin. Damals wurde gemeinsam mit dem Kulturamt und Belgin Zaman – deren Namen ich dort zum ersten Mal hörte – über kulturelle Veranstaltungen für den Raschplatz diskutiert. Man fragte sich: „Wen können wir wie einladen, damit eine Woche lang kulturelle Unterhaltung auf dem Raschplatz herrscht und wir so die Trinker von hier vertreiben?“ Ich hatte mir damals Notizen gemacht und mich insgeheim gefragt, ob die Trinker wirklich an andere Orte abwandern würden.

Ich habe mir die Situation angesehen, als Musikgruppen auftraten. Die Alkoholabhängigen hatten sich nicht in der Mitte des Platzes versammelt, sondern standen am Rand und nippten an ihren Getränken. In den letzten elf Jahren gab es verschiedene Aktivitäten auf dem Raschplatz. Während dieser Zeiten warteten die Abhängigen am Rand, während Jugendliche in der Mitte des Platzes Volleyball oder Basketball spielten. Zu internationalen Turnieren wurden Leinwände aufgestellt und Spiele gemeinsam verfolgt.

Jetzt hat man den Platz in Regenbogenfarben bemalt; die Fläche ist leer, und die Trinker stehen wieder am Rand und trinken. Auf dem Platz selbst halten sich „normale“ Gruppen auf. In der HAZ habe ich gelesen und auf Fotos gesehen, dass Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay bei der Eröffnung am Freitag getanzt hat. Auch während dieser Aktion hatten sich die Abhängigen an den Rand zurückgezogen. Solange die Aktivitäten im Zentrum andauern, werden sie am Rand weitertrinken.

Wir erleben eine Zeit, in der die Stadt gezwungen ist, einen Kassenkredit von 700 Millionen Euro aufzunehmen und dafür 2 % Zinsen zu zahlen. Wäre es nicht besser, den Raschplatz zu überdachen und ihn mit Bäumen in eine Grünanlage zu verwandeln? Dann würden sich die Abhängigen diesmal nicht am Rand aufhalten, sondern sich einen anderen Ort suchen und dort sammeln. Könnte das eine Lösung für den Raschplatz sein? Die Mehrheit der Menschen dort stammte aus osteuropäischen Staaten. Haben sie bei ihrer Ankunft vielleicht geglaubt, in Deutschland Sozialhilfe zu erhalten und ein gutes Leben führen zu können? Gab es unter ihnen Menschen, die aus Enttäuschung über die fehlende Sozialhilfe zum Alkohol gegriffen haben?

Könnte man durch Sozialberater die Hintergründe und Probleme dieser Menschen erforschen? Wenn man in leerstehenden Galerien Einzelunterkünfte für Obdachlose schaffen und sie dort unterbringen würde – und ihnen, da sie nun einen festen Wohnsitz hätten, Sozialhilfe gewährte –, könnten dann einige von ihnen von ihrer Alkoholsucht weggebracht werden? Könnten einige durch Therapieangebote gerettet werden?

Die Stadt Hannover ist in der Pflicht, dieses Problem auf die eine oder andere Weise zu lösen. Könnte ein neues Konzept erstellt werden, das diesen Ort nicht nur als reine „Vergnügungsmeile“ betrachtet, sondern einen neuen Lebensstil etabliert? In deutschen Großstädten ist dieses Problem massiv und wartet seit Jahren auf eine Lösung. Hannovers Position hat sich in den letzten Jahren verändert, und um dies zu bewältigen, müssen alle gemeinsam die Ärmel hochkrempeln. Die im Rat vertretenen demokratischen Parteien und der Oberbürgermeister müssen über neue Konzepte nachdenken und an Lösungen arbeiten. Dieses Problem muss früher oder später gelöst werden.

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