Migration wurde in vielen Ländern zunächst als ein temporäres Phänomen betrachtet, und dementsprechend wurden politische Strategien entwickelt. Doch im Laufe der Zeit festigte sich die Erkenntnis, dass Migration dauerhaft sein kann, weshalb in vielen Staaten Rückkehrpolitiken gefördert wurden. Solange Migration und der damit verbundene gesellschaftliche Wandel anhalten – ein Prozess, von dem man annimmt, dass er vermutlich niemals vollständig enden wird –, ist davon auszugehen, dass auch die theoretischen Debatten über Migration fortbestehen werden.
In sakralen Erzählungen wird die Migration als eine Bewegung dargestellt, die mit dem Abstieg des Menschen aus dem Paradies auf die Erde begann, und sie wird bis heute als ein andauerndes Abenteuer der Menschheit begriffen. Als eine Realität, die seit Jahrhunderten sowohl historisch als auch soziologisch Bestand hat, ist Migration zugleich eines der am häufigsten anzutreffenden Phänomene im täglichen Leben.
Gemäß der Evolutionstheorie kann Migration als eine der grundlegenden Verhaltensweisen von Individuen und Gruppen bewertet werden. Daher sollte Migration nicht nur als ein Phänomen der Gegenwart, sondern als untrennbarer Bestandteil der menschlichen Kulturgeschichte betrachtet werden. Beispiele hierfür sind Ritter im Mittelalter, die auf der Suche nach Abenteuern auszogen, Massenbewegungen nach den Kreuzzügen sowie Bevölkerungsverschiebungen infolge von Eroberungen und Besatzungen. In der heutigen Zeit hat die Migration, insbesondere durch die sich in den letzten Jahren verschärfende Geflüchtetenkrise, eine neue Dimension erhalten.
Es greift zu kurz, Personen, die migrieren, lediglich als „Migranten“ zu definieren. Die Tragweite des Begriffs Migrant sein gewinnt je nach Ziel der Migration, den überschrittenen Grenzen, der Aufenthaltsdauer und vielen weiteren Faktoren unterschiedliche Bedeutungen. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang auch, ob eine Person freiwillig oder unfreiwillig migriert ist. Daher wird Migration in verschiedene Kategorien wie Wirtschaftsmigranten, qualifizierte Migranten (Fachkräfte), Flüchtlinge und Asylsuchende unterteilt. Zudem ist die Haltung des Aufnahmelandes gegenüber den Migranten ein wesentlicher Faktor, der diese Definition verkompliziert. Dies führt dazu, dass einige Migranten als „Andere“ ausgegrenzt werden, während andere als „erwünschte“ Individuen angesehen werden.
In diesem Kontext bezieht sich der Begriff „Migrant“ meist auf Personen, die freiwillig auswandern, während für Flüchtlinge und Opfer von Menschenhandel unterschiedliche Definitionen verwendet werden. Die Bedeutungserweiterung der Begriffe Migration und Migrant basiert auf sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dynamiken.
Da ein Migrant eine Person ist, die von einem Ort an einen anderen zieht, wird er oft als „Fremder“ definiert. Doch wie lässt sich diese Fremdheit in einer Welt erklären, in der jeder ein Mensch ist? Ein bekanntes Zitat bringt diesen Zustand treffend zum Ausdruck:
„Migration macht den Menschen zum Fremden an dem Ort, den er verlassen hat, und zum Niemand an dem Ort, an dem er angekommen ist.“
In der Migrationsgeschichte der letzten sechzig Jahre ist ein Großteil der politischen Akteure daran gescheitert, dauerhafte und aufrichtige Lösungen für die Probleme von Migranten zu finden. In manchen Fällen wurden Migranten sogar als eine Gruppe dargestellt, die den sozialen Frieden gefährdet. Oft wurde ihnen vorgeworfen, sich „nicht anzupassen“; jedoch wurden konkrete Maßnahmen, die die Integration erleichtern würden, nicht ausreichend umgesetzt. Bürokratische Hürden und gesellschaftliche Vorurteile stellen ernsthafte Barrieren für Migranten dar.
Heute ergeben sich jedoch neue Möglichkeiten, die Kapazität der Migranten zur Eigenlösung ihrer Probleme zu erhöhen. Es ist möglich, in Krisenmomenten gesellschaftliche Akteure in den Prozess einzubeziehen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Hierfür sollten statt kurzfristiger politischer Gewinne Strategien verfolgt werden, die auf langfristigem Vertrauen und Zusammenarbeit basieren.
Erforderlich ist ein Ansatz, der das Vertrauen zwischen den Gesellschaften stärkt, gemeinsame Werte hervorhebt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. An diesem Punkt ist es von großer Bedeutung, sich mit einem Verständnis neu zu organisieren, das Unterschiede nicht ausschließt, sondern sie um gemeinsame Werte herum zusammenführt. Dieser neue gesellschaftliche Boden, der auf gemeinsamen Werten errichtet wird, wird sowohl die Integration erleichtern als auch die Kultur des Zusammenlebens stärken.
In diesem Rahmen sollte die Ausrichtung der Migranten nicht nur auf Träume, sondern auch auf die gegenwärtige Realität gerichtet sein. Denn der Mensch ist nicht nur ein Teil des Ortes, an dem er sich befindet, sondern auch dessen Repräsentant. Der Boden, auf dem man lebt, ist nicht mehr nur ein Ort; er ist der stille Träger von Erinnerungen, Verlusten und der Vergangenheit.
Aus diesem Grund gewinnt unsere Richtung nur dann an Bedeutung, wenn wir diese Realität verstehen. Menschen und Gesellschaften müssen zunächst die Bedingungen, in denen sie sich befinden, richtig analysieren, um ihre Ziele zu erreichen. Ansätze, die von der Realität losgelöst sind und lediglich auf idealen und theoretischen Zielen basieren, scheitern meist.
In diesem Sinne:
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Müssen die bestehenden sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen berücksichtigt werden,
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Müssen Probleme tiefgreifend und korrekt analysiert werden,
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Müssen Ziele realistisch und umsetzbar sein.
Nur so kann eine starke und dauerhafte Verbindung zwischen Träumen und Realität hergestellt werden.
Fazit:
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„Unsere Richtung gewinnt nicht allein durch unsere Träume an Bedeutung, sondern durch die Art und Weise, wie wir die Realität verstehen.“
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„Kein Ziel, das ohne die Konfrontation mit der Realität gesetzt wurde, kann die Zukunft erreichen.“
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„Was Träume in die Realität umsetzt, ist ihre Verankerung auf einem soliden Fundament der Wirklichkeit.“
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„Diejenigen, welche die Realität sehen, träumen nicht nur; sie bauen diese Träume auf.“