Streit um DFB-Elf und Nationalismus: WM-Spiel sorgt auf Linken-Parteitag für Debatte

von Fremdeninfo

Artikel von Fabian Hartmann

Von: F.R.

Toronto/Potsdam – Nationalismus und Liebe zu Deutschland sind in politisch links geprägten Lagern bekanntermaßen ein heikles Thema. Und davon ist auch die deutsche Fußballnationalmannschaft keineswegs ausgenommen. Am späten Samstagabend (20. Juni) drehte die DFB-Elf ihr zweites Gruppenspiel bei der WM 2026 gegen die Elfenbeinküste durch einen Doppelpack von Deniz Undav und zog so erstmals seit zwölf Jahren in die K.-o.-Runde einer FIFA-WM ein. In Linken-Parteikreisen sorgte die Partie in Toronto jedoch für Diskussionen.

otomontage aus jubelndem Deniz Undav nebst Odilon Kossounou (l.) und Linken-Parteivorsitzendem Luigi Pantisano

Am Wochenende kamen Politikerinnen und Politiker der Partei Die Linke in Potsdam zum Parteitag (19. – 21. Juni) zusammen. Bei der dreitägigen Veranstaltung wurde Ines Schwerdtner mit großer Zustimmung (85,7 Prozent) in ihrem Amt als Bundesvorsitzende bestätigt. Der neu gewählte Linken-Parteivorsitzende Luigi Pantisano holte sein Amt dagegen nur denkbar knapp (53,3 Prozent) ein. Daneben ging es in Potsdam um den parteiintern umstrittenen Gehaltsdeckel sowie um eine Reihe weiterer Themen – und eben auch um das Spiel der DFB-Elf gegen die Elfenbeinküste.

„Ich hasse die FIFA und Infantino“ – Linken-Delegierter bringt Antrag ein, das Spiel der Nationalelf beim Parteitag nicht zu übertragen

Das zweite WM-Gruppenspiel der Nationalmannschaft wurde nämlich im Zuge eines parteiinternen Public-Viewings bei einer Aftershow-Party im Nachgang des Linken-Parteitags in Potsdam übertragen. Unruhe entstand dabei im Zuge der Frage, ob man als Linken-Politikerin oder -Politiker grundsätzlich Spiele der deutschen Nationalmannschaft verfolgen dürfe oder nicht. Dem Focus zufolge versuchte ein Linken-Delegierter per Dringlichkeitsantrag herbeizuführen, dass die für den Parteitag bereits feststehende Übertragung der Begegnung gegen die Elfenbeinküste immerhin kritisch eingeordnet wird. Auch die Junge Freiheit, Sprachrohr der Neuen Rechten, berichtete entsprechend.

„Ich hasse die FIFA und Infantino (FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anm. d. Redaktion) ist ein Faschist“, begründete der Linken-Politiker, auf dessen Namensnennung nach außen die Linke verzichtete, seinen Antrag demnach. Die Linken-Führungsriege zeigte sich von jenem Vorstoß nicht angetan und lehnte ihn geschlossen ab. Linken-Bundesgeschäftsführer Jannis Ehling hielt eine Gegenrede zum Antrag und bezeichnete die Avance als „Kleinkram“.

Linken Bundesparteichefin Schwerdtner fällt differenziertes Urteil zur WM – „Die FIFA ist ein Drecksverein, aber Fußball ist natürlich toll

Weil Angehörige der Partei die Übertragung der Partie schon im Voraus als heikel antizipierten, wurde auf einem Flyer zum Potsdamer Parteitag gleich mal eine Zusatzinfo zur Übertragung des Spiels gegen die Elfenbeinküste positioniert: „Keine Fahnen, kein Nationalismus, kein Stress!“, hießen demnach die Verhaltensregeln für das Spiel.

Bereits unmittelbar vor dem Linken-Parteitag in Potsdam hatte sich die später als Bundesparteichefin bestätigte Schwerdtner auf einer Pressekonferenz zum Thema der Nationalelf bei der WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA geäußert. „Die FIFA ist ein Drecksverein, aber Fußball ist natürlich toll“, bilanzierte sie dabei. Ein Linken-Parteisprecher erklärte auf Focus-Anfrage, im Parteivorstand sei davon ausgegangen worden, dass es Delegierte geben werde, die das Spiel gerne schauen würden

Neuer Linken-Parteivorsitzender Pantisano trübt sein Vertrauen in der Partei durch schärfste und populistisch anmutende Merz-Kritik

Neben dem WM-Trubel ging es beim Linken-Parteitag in der brandenburgischen Landeshauptstadt jedoch auch noch um reichlich rein politische Themen abseits jeglichen Sportgeschehens. Auf sein knappes Wahlergebnis reagierte Neu-Parteivorsitzender Pantisano auf Nachfrage der ARD-Tagesthemen mit den folgenden Worten: „Ab Montag werde ich daran arbeiten, mir das Vertrauen aller Mitglieder zu erarbeiten.“ Offensiv ausgerichtete Rhetorik brachte Pantisano jedoch schon zu Beginn des Parteitags an, als er als Kandidat bei Bild TV Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf angriff und dessen christdemokratische Partei in ideelle Nähe zum Faschismus rückte.

Er selbst kandidiere als neuer Vorsitzender seiner Partei, „damit Friedrich Merz Angst hat vor uns Linken“, so Pantisano dabei. Weiter nannte er den Bundeskanzler einen „Versager“. Ferner entglitt Pantisano jedoch noch ein weiterer Satz – mit verheerender Aussagekraft. Und zwar auch für einige seiner Parteigenossinnen und -genossen, wie sich bei der späteren Wahl auf dem Potsdamer Parteitag zeigen sollte.

„Letztlich gibt es kaum einen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, und den Faschisten selbst“, urteilte Pantisano dabei. Das Resultat war, wie bei der Wahl am Samstag unschwer erkennbar, ein getrübtes Vertrauen vieler Parteimitglieder, die sich offenbar an Pantisanos scharfer und zugleich populistisch anmutender Rhetorik störten. Denn mit einer solch geringen Zustimmung wie für Pantisano war zuvor noch nie eine Linken-Politikerin, geschweige denn -Politiker ins Amt des Parteivorsitzenden gewählt worden. (Quellen: Focus, Bild-TV, Junge Freiheit) (fh)

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