Kurde und Jeside: Wer ist Deutschlands Fußballstar Deniz Undav?

von Fremdeninfo

Artikel von Kirsten Ripper

Mit seinen zwei Toren für die DFB-Elf im Match gegen die Elfenbeinküste in Toronto hat Deniz Undav Deutschland bei der WM 2026 den Einzug in die K.O.-Runde gesichert. Bei den beiden vergangenen Weltmeisterschaften war die deutsche Nationalmannschaft jeweils in der Gruppenphase gescheitert.

Zum Erfolg von Team Deutschland schreibt die Journalistin und Filmemacherin Düzen Tekkal in den sozialen Medien: „Das ist ein historisches Momentum. Deniz Undav schreibt als Kurde und Jeside gerade Fußballgeschichte mit seinen Toren für Deutschland. Für viele ist das einfach ein Sieg. Für uns ist es ein Moment, der weit über den Sport hinausgeht. Er zeigt, dass man seine Herkunft nicht hinter sich lassen muss, um Deutschland aus vollem Herzen zu vertreten. Genau das ist das Deutschland, an das wir glauben und für das wir schon so lange kämpfen und einstehen. Ein Deutschland der Vielen.“

Eine kurdisch-jesidische Familie

Der Profi von VfD Stuttgart, Deniz Undav, ist 1996 im norddeutschen Varel im Landkreis Friesland geboren und in Achim bei Bremen aufgewachsen. Er kommt aus einer kurdisch-jesidischen Familie, die Mutter stammt aus Syrien, der Vater aus der Türkei.

Anders als Felix Nmecha spricht Deniz Undav auch in den sozialen Medien kaum über Religion. Doch nach seinem Tor beim WM-Auftakt-Spiel gegen Curaçao in Houston zeigte er auf dem Rasen einige Tanzschritte, wie die Frankfurter Rundschau berichtet, „Teil eines traditionell kurdisch-jesidischen Tanzes, und damit ein Ausdruck tiefer Verbundenheit Undavs mit seinen Wurzeln“. Der ehemalige VfB-Spieler und praktizierende Muslim Antonio Rüdiger schloss sich dem Tänzchen an.

Warum Undavs Tore Kurden und Jesiden so sehr berühren

Aufgrund von Vorurteilen gegen ihre Religion wurden und werden Jesiden und Jesidinnen weltweit immer wieder verfolgt – zuletzt verübte die Terrormiliz des sogenannten „Islamischen Staat“ 2014 einen auch vom Bundestag anerkannten Völkermord an den Jesiden.

Da die meisten Kurden Muslime sind, spricht die Journalistin Düzen Tekkal, die selbst Kurdin und Jesidin ist, von einer „Minderheit in der Minderheit“ und beschreibt ihre Gefühle so: „Für uns als Kurden und Jesiden, als Minderheit in der Minderheit, war und ist das Leben nie selbstverständlich oder einfach. Wir wurden verfolgt, vertrieben und von vielen Seiten angegriffen. Auch das gehört zu unserer Geschichte. Und zu unserer Geschichte gehört auch, dass wir Millionen Kurden weltweit sind und bis heute weder ein eigenes Land, noch eine Nationalmannschaft haben. Vielleicht berühren uns diese Tore deshalb so sehr. Weil sie mehr sind als sportliche Erfolge. Sie schenken Sichtbarkeit, Anerkennung und heilen etwas, das Worte oft nicht erreichen. Die hässlichen rassistischen Kommentare von allen Seiten zeigen leider, wie notwendig solche Momente noch immer sind. Denn jedes Tor von Deniz Undav ist mehr als ein Tor für Deutschland. Es ist auch ein Tor gegen Vorurteile und für all die Kinder mit Zuwanderungsgeschichte die sehen, dass sie mit ihrer Herkunft selbstverständlich Teil dieses Landes sind.“

Nach dem Europaleague-Match von Stuttgart gegen Fehnerbaçe Istanbul gab es rassistische Anfeindungen gegen Deniz Undav – laut Presseberichten vor allem aus der türkischen Community. Auch die als rechtsextrem geltenden „Grauen Wölfe“ beschimpften ihn in den sozialen Medien.

Jesiden und Jesidinnen in Deutschland

Weltweit gibt es schätzungsweise eine Millionen Jesiden – ursprünglich im Irak, in Syrien, in der Türkei und in Iran. Mit etwa 200.000 Vertretern sind die meisten im Ausland lebenden Jesiden in Deutschland. Dazu gehört auch die Friedensnobelpreisträgerin 2018 Nadia Murad, die vor dem Völkermord geflohen war.

Schlagzeilen, das Buch wird jetzt verfilmt. Auf Instagram fragte Tahsim Durgun seinen 7-jährigen Neffen vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste nach seinem Lieblingsspieler – und natürlich ist es Deniz Undav. Und selbstverständlich wünscht sich der Junge, dass Deutschland die WM gewinnt.

„Der afghanischstämmige Nadiem Amiri und Undav waren ein Traum Duo. Sport ist schön, verbindend und politisch“, meint Düzen Tekkal.

Finale am Geburtstag?

Fußball-Deutschland diskutiert darüber, ob Nationaltrainer Julian Nagelsmann den Einwechselspieler nach dessen Torerfolgen bei den nächsten Spielen von Anfang an einsetzen wird. Nach dem letzten Match nannte der Coach Undav einen „brutalen Finisher“.

Am 19. Juli 2026 feiert Deniz Undav, der verheiratet ist und eine 2024 geborene Tochter hat, seinen 30. Geburtstag. An diesem Tag findet das Finale der FIFA Fußball WM im MetLife Stadium in East Rutherford im Norden von New York statt.

Fazit:

Türkische Nationalisten und Rassisten haben Deniz Undav aufgrund seiner kurdischen und jesidischen Identität heftig angefeindet. Sie lehnten es ab, dass er sich in der deutschen Nationalmannschaft offen als Kurde und Jeside präsentierte. Doch als die türkische Nationalmannschaft ausschied, begannen dieselben nationalistischen und rassistischen Kreise ihn zu loben und sagten: „Hätten wir einen Spieler wie Deniz Undav gehabt, hätte er unsere Nationalmannschaft gerettet.“ Dieser heuchlerische Nationalismus und Rassismus nützt niemandem. Nationalismus und Rassismus sind menschenverachtende Ideologien, von denen man sich distanzieren muss.

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