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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

EU-Bericht: Italien blockiert Rücknahme von Asylbewerbern

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Salafismus

Salafistische Frauennetzwerke eine Gefahr

von Fremdeninfo 27 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Verfassungsschutz des Landes NRW

Salafistische Frauennetzwerke eine Gefahr

  • dtj-online
  • Gesellschaft
  • 27. Dezember 2017 11:37

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz sieht die Gefahr der Entstehung von salafistische Parallelgesellschaften in Deutschland. Der Grund dafür sei, dass der Salafismus immer weiblicher werde, sagte Burkhard Freier, der Leiter des NRW–Verfassungsschutzes, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). Weil viele charismatische Führungspersonen der salafistischen Szene im Zuge des konsequenten strafrechtlichen Vorgehens in Haft säßen, füllten Frauen die Lücken. „Wir haben in Nordrhein-Westfalen ein sogenanntes Schwesternetzwerk mit 40 Frauen im Blick.“ Diese weiblichen Führungspersonen, von denen manche mehrere hundert Facebook-Follower habe, seien in der Szene mittlerweile akzeptiert, sagte Freier. „Die Männer haben gemerkt, dass Frauen viel besser netzwerken können und deshalb viel stärker in der Lage sind, die Szene zu binden und am Leben zu halten.“

Die 40 „Schwestern“ hätten ein komplettes salafistisches Programm im Angebot – von der Kindererziehung über das Kochen und die Interpretation von Religionsvorschriften bis zur Hetze gegen „Nichtgläubige“. Das Salafistinnen-Netzwerk werbe und missioniere aggressiv im Netz. „Die Frauen sind mittlerweile Ideologieproduzentinnen“, sagte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes. Hinzu komme, dass die Frauen ihre eigenen Kinder von früh an indoktrinieren. „Dadurch wird der Salafismus zu einer Familienangelegenheit, es beginnt etwas zu entstehen, was sehr viel schwerer aufzulösen ist, nämlich salafistische Gesellschaftsteile.“ Zwar sei nicht jeder Salafist ein Terrorist, sagte Freier. „Aber jeder dschihadistische Terrorist, den wir in den vergangenen Jahren in Europa erlebt haben, kam aus der salafistischen Szene.“

Die deutschen Sicherheitsbehörden seien in den vergangenen Jahren mit repressiven Maßnahmen wie etwa dem Verbot der Koran-Verteilaktion „Lies!“ sehr erfolgreich gegen die Szene vorgegangen, führt Freier weiter aus. Doch eben dadurch finde nun immer mehr in Hinterhöfen oder Wohnzimmern statt. Zugleich radikalisiere sich die Szene weiter. „Es gibt eine immer größere Zahl von minderjährigen Salafisten, die über Gewalt fantasieren“, sagte Freier. Durch die militärische Niederlage der Terrormiliz „Islamischen Staates“ (IS) habe sich der Salafismus zum Inlandsextremismus entwickelt.

27 Dezember 2017 0 Kommentare
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Religion

Vorstandswahlen bei der DITIB: Vorsitzender Aşıkoğlu wird im Amt bestätigt

von Fremdeninfo 26 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Im Beisein des türkischen Diyanet-Chefs

Vorstandswahlen bei der DITIB: Vorsitzender Aşıkoğlu wird im Amt bestätigt

  • dtj-online
  • NewstickerPolitik
  • 25. Dezember 2017 12:13

 

Der Theologe Nevzat Yaşar Aşıkoğlu bleibt Vorstandsvorsitzender des deutsch-türkischen Moscheeverbandes Ditib. Die Mitgliederversammlung des größten islamischen Verbands in Deutschland bestätigte den Religionspädagogen am Sonntag in seinem Amt. Der 1984 in Köln gegründete bundesweite Verband hat nach eigener Darstellung 960 Vereine als Mitglieder.

Dem Vorstand gehören außerdem die Psychologin Emine Seçmez, der Mufti und stellvertretende Vorsitzende des Obersten Religionsrates der Ditib, Ahmet Dilek, der Theologe Abdurrahman Atasoy, der Vorsitzende des Landesverbandes NRW-Köln, Irfan Saral, der Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Yılmaz Yıldız, und Gründungsmitglied Nihat Özkan an.

Die Ditib steht seit längerem wegen ihrer engen Verbindungen zur türkischen Regierung in der Kritik. Kritiker bezeichnen sie als verlängerten Arm der Regierung Erdogan in Deutschland.

Türkischer Diyanet-Chef nimmt an Vorstandswahlen teil 

An der Veranstaltung nahm laut Pressemitteilung auch der Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbaş, teil. Er versicherte den Angaben zufolge, dass die von Diyanet entsandten Imame „ausschließlich religiöse Aufgaben haben. Sie lehren Toleranz, Respekt, Geschwisterlichkeit, Wahrung der Menschenwürde und Verbot der Diskriminierung.“ Zugleich unterstrich er, dass die theologische Begleitung der Ditib durch die türkische Diyanet eine hohe Bedeutung habe.

Wahl der DITIB war lange hinausgezögert worden

Laut „Spiegel“ war die Wahl lange hinausgezögert worden, weil die Organisation massiv in der Kritik stand: Imame sollen vermeintliche Anhänger der umstrittenen Gülen-Bewegung bespitzelt haben. Experten wie der Grünenpolitiker Volker Beck fordern, dass sich die Ditib unabhängig vom türkischen Staat machen müsse.

 

26 Dezember 2017 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Kramp-Karrenbauer will härteren Umgang mit Asylbewerbern

von Fremdeninfo 25 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Kramp-Karrenbauer will härteren Umgang mit Asylbewerbern

 

DIE WELT

Bild von „Fremden“Info

Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer verlangt eine obligatorische Altersprüfung bei jungen Flüchtlingen. Das CDU-Präsidiumsmitglied plädiert grundsätzlich für einen härteren Umgang mit Asylbewerbern, die Behörden täuschen.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich für eine verbindliche Altersfeststellung im Fall minderjähriger Flüchtlinge ausgesprochen. „Bei unbegleiteten Minderjährigen sollte eine verbindliche Altersprüfung eingeführt werden“, sagte die CDU-Politikerin im Interview mit der WELT. Flüchtlinge geben häufig ein falsches Alter an, um nicht nach dem Asylrecht, sondern nach dem Jugendhilfegesetz behandelt zu werden.

Kramp-Karrenbauer plädiert zudem für einen wesentlich härteren Umgang mit jenen Asylbewerbern, die die Behörden über ihre Identität offensichtlich täuschen. „Jemand, der seine Identität verschleiert oder Papiere vernichtet hat, muss mit harten Konsequenzen rechnen“, sagte sie. Der Staat müsse allerechtlich gebotenen Möglichkeiten ausschöpfen, um herauszufinden, wer jemand sei. „Notfalls muss er dabei auch auf andere Datenquellen zurückgreifen können, zum Beispiel auf Handys.“

Der Rückgriff auf Handys erfolgt derzeit nur in Ausnahmefällen. Zuletzt hatte die neue österreichische Regierung aus ÖVP und FPÖ mit dem Vorhaben Aufsehen erregt, Asylbewerbern generell Bargeld und Handys abzunehmen. Dies sollte auch zur Identitätsfeststellung dienen. Die Daten auf den Handys sollten genutzt werden, um herauszufinden, welche Routen jemand genommen hat, welche Kontakte er hatte.

In der Zuwanderungspolitik appelliert Kramp-Karrenbauer an die Sozialdemokraten, den Asylkompromiss von CDU und CSU zu akzeptieren. Mit Blick auf die anstehenden Sondierungsgespräche über eine Neuauflage der großen Koalition sagte sie: „Das Regelwerk der Zuwanderung, das CDU und CSU gefunden haben, müssen wir verteidigen und in den Koalitionsgesprächen mit der SPD möglichst durchsetzen.“ Es gehe bei der Zuwanderung und bei der Integration vor allen Dingen um konsequentes staatliches Handeln, etwa wenn es um Abschiebungen gehe.

Als Maßnahme schwebt der CDU-Politikerin vor, bei der Abschiebung nicht mehr auf Linienmaschinen zurückzugreifen. „Schließlich müssen wir bei Rückführungen notfalls auf eigene Flugzeuge zurückgreifen, wenn es bei den zivilen Flügen zu große Probleme gibt.“ Piloten und Bordpersonal normaler Linienflüge hatten sich in mehreren Fällen geweigert, an Abschiebungen mitzuwirken. Das hat dann dazu geführt, dass die Flüge nicht starten konnten und die Abschiebung unterblieb.

25 Dezember 2017 0 Kommentare
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Antisemitismus

Laschet: Antisemitismus kein Import durch Zuwanderer

von Fremdeninfo 22 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Antisemitismus in Deutschland

Laschet: Antisemitismus kein Import durch Zuwanderer

  • dtj-online
  • GesellschaftPolitikTop Thema
  • 21. Dezember 2017 15:46

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) (l) unterhält sich am 20.12.2017 im Landtag in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) mit NRW Innenminister Herbert Reul (CDU). Thema ist unter anderem der nordrhein-westfälische Haushaltsplan. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Angesichts der jüngsten judenfeindlichen Ausschreitungen in Deutschland hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) davor gewarnt, die Ursachen einseitig bei Zuwanderern zu suchen. „Antisemitismus in Deutschland ist nicht importiert“, sagte Laschet am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtags. Zwar gebe es auch Judenhass bei manchen Migranten. Aber wer jetzt so tue, als sei die aktuelle Judenfeindlichkeit durch Zuwanderung ausgelöst worden, vergesse, dass es noch viele Antisemiten unter Deutschen gebe. Antisemitismus sei „immer schon hier gewesen“, so Laschet.

Die Debatte über einen importierten Antisemitismus sei auch der Versuch, von der latent vorhandenen Judenfeindlichkeit in Deutschland abzulenken, erklärte der Ministerpräsident. Das löste empörte Zwischenrufe der AfD-Fraktion aus. Laschet entgegnete, auch in der AfD gebe es prominente Politiker, die offen Judenhass schürten und Geschichtsklitterung betrieben. „Wir sollten über deutschen Antisemitismus sprechen, über muslimischen Antisemitismus, über christlichen Antisemitismus, über katholischen Antisemitismus in ihrer Geschichte“, rief Laschet. Alles müsse gleichermaßen erwähnt werden.

Zuwanderer-Kinder sollen Holocaust als Teil ihrer Geschichte anerkennen

Hier aufgewachsene Zuwanderer-Kindern sollten den Holocaust auch als Teil ihrer eigenen Geschichte anerkennen, forderte Laschet. Das treffe oftmals auf Unverständnis, weil Migranten ihre Verantwortung für die Judenverfolgung im Nazi-Deutschland nicht erkennen könnten. „Unsere Antwort muss sein: weil ihr Deutsche seid, weil ihr hier geboren seid“, so Laschet. Deshalb müssten über öffentlich geförderten Jugendaustausch vermehrt persönliche Begegnungen zwischen jungen Migranten und ihren Altersgenossen in Israel organisiert werden. „Wir brauchen mehr Empathie für Israel“, sagte der Regierungschef.

Zuvor hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) bereits ein konsequentes Einschreiten der Polizei bei judenfeindlichen Aktionen angekündigt. Der Schutz von Synagogen und anderer jüdischer Einrichtungen habe oberste Priorität. Wenn sich jüdische Mitbürger nicht mehr sicher fühlten und öffentliche Veranstaltungen etwa zum Lichterfest Chanukka absagen müssten, sei dies nicht akzeptabel.

22 Dezember 2017 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Fremdenfeindlichkeit 264 Angriffe auf Flüchtlingsheime, davon 251 von rechten Tätern

von Fremdeninfo 22 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Deutschland

Die Welt

Fremdenfeindlichkeit 264 Angriffe auf Flüchtlingsheime, davon 251 von rechten Tätern

 

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte ist in diesem Jahr deutlich zurückgegangen.

  • 2017 wurden dem BKA zufolge 995 als politisch motiviert eingestufte Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert.
  • Es waren vor allem Propagandastraftaten, Sachbeschädigungen und Gewaltdelikte.

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte bleiben laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ in Deutschland weiter ein Problem. Die Zahl solcher Straftaten sei aber im Vergleich zu den beiden Vorjahren deutlich zurückgegangen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Bundeskriminalamt (BKA).

Demnach zählte das BKA in diesem Jahr bis Mitte Dezember 264 solcher Straftaten, wie eine Sprecherin mitteilte. In 251 Fällen macht das BKA demnach rechtsextreme Täter verantwortlich. In 13 Fällen könne eine politische Motivation noch nicht ausgeschlossen werden.

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Hassfigur für Neonazis und Islamisten

Bei den erfassten Fällen geht es laut Bericht vor allem um Propagandastraftaten (84), Sachbeschädigungen (65) und Gewaltdelikte (39), darunter 16 Brandstiftungen und zwei Sprengstoffanschläge. Die Zahlen zum Stichtag 18. Dezember seien vorläufig.

Zahlen rückläufig, aber weiter deutlich über dem Niveau von 2013

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Nach Angaben der Zeitung sind derartige Angriffe im Vergleich zu den beiden Vorjahren zurückgegangen, aber weiter deutlich über dem Niveau von 2013. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 995 als politisch motiviert eingestufte Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert, davon 169 Gewalttaten, wie die Zeitung unter Berufung auf das BKA berichtet. Im Jahr 2015, dem Jahr der Beginn der Flüchtlingskrise, seien es 1031 Angriffe gewesen, 2014 seien 199 gemeldet worden, 2013 insgesamt 69. Die große Mehrheit dieser Taten stuft das BKA demnach als rechtsmotiviert ein.

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Gewalt in Deutschland

„Die Täter sind keineswegs nur Rechtsextreme“

Tatverdächtige seien laut BKA in diesem Jahr zu bislang 54 Delikten ermittelt worden. Dabei handle es sich um 84 Personen. Viele Verfahren seien aber noch nicht abgeschlossen. 2016 seien zu 218 Taten insgesamt 459 Verdächtige ermittelt worden. 2015 waren es demnach 608 Tatverdächtig zu 272 Delikten.

22 Dezember 2017 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Dissens über EU-Flüchtlingsquote“Tusk rammt der Kommission das Messer in den Rücken“

von Fremdeninfo 14 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Dissens über EU-Flüchtlingsquote“Tusk rammt der Kommission das Messer in den Rücken“

Ratspräsident Donald Tusk hatte in der Einladung zum EU-Gipfel die verpflichtenden Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen als „unwirksam“ bezeichnet. Das sei ein grobes Foul gewesen, sagte Ska Keller, Grünen-Politikerin im EU-Parlament, dem Dlf. Tusk sei Präsident nicht nur von drei Mitgliedsstaaten, sondern von allen.

Ska Keller im Gespräch mit Jasper Barenberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Ska Keller. (imago / Rüdiger Wölk )

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Jasper Barenberg: London zahlt auch nach dem Austritt aus der EU im nächsten Jahr weiter Milliarden nach Brüssel. London gewährt EU-Bürgern im Land umfassende Rechte. London garantiert schließlich, dass es keine feste Grenze in Irland geben wird. – Mit diesen Zusagen schien der Weg frei für die wichtige zweite Verhandlungsrunde zum Brexit, die nämlich über die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union vor allem in Handelsfragen. Bis Mitglieder der Regierung Teile der Einigung wieder in Frage gestellt haben. Die Staats- und Regierungschefs wollen trotzdem heute grünes Licht für Phase zwei geben. Auch das EU-Parlament hat sich dafür ausgesprochen.

Mitgehört hat Ska Keller, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament. Schönen guten Morgen.

Ska Keller: Guten Morgen.

„Wie kommt man wieder zusammen“

Barenberg: Frau Keller, wir haben es alle miterlebt. In Brüssel treffen Unterhändler auch aus London eine Abmachung. Zurück zuhause gilt sie dann nicht mehr. Vertrauen Sie nach diesen ganzen Turbulenzen, dem Hin und Her noch auf die Zusagen der britischen Premierministerin?

Keller: Sicherlich nicht mehr uneingeschränkt, und das heißt natürlich auch nichts Gutes für die Verhandlungen für die zukünftigen Formen der Zusammenarbeit. Der jetzige Prozess ist ja eigentlich die einfachere Übung, wie geht man auseinander. Viel schwieriger wird es ja dann werden bei der Frage, wie kommt man wieder zusammen, was ist die zukünftige Zusammenarbeit. Und wenn dann die Regierung so völlig unzuverlässig ist, dann heißt das wirklich nichts Gutes für die zukünftigen Verhandlungen, übrigens aber auch nicht für das, was die britische Regierung offiziell anstrebt, nämlich ein globales Britain. Sie machen jetzt Verträge mit der ganzen Welt. Aber was soll der Rest der Welt sich denn denken, wenn die britische Regierung noch nicht mal ihre Zusagen zu ihrem engsten Partner einhalten will. Das schafft wirklich nicht Vertrauen.

„Das stellt natürlich kein komplettes Agreement dar“

Barenberg: Aber wenn das so ist, Frau Keller, und die Briten derart unzuverlässig agieren, wie kommt es dann, dass das Europäische Parlament zustimmt, jetzt die Phase eins für erfolgreich beendet zu erklären und Phase zwei einzuläuten?

Keller: Zum einen machen wir auch klar, dass es einen rechtsverbindlichen Vertrag geben muss, der so schnell wie möglich dann fertig gemacht und abgestimmt werden muss, wo es dann auch ganz glasklar steht. Zumal: Es gibt ja auch eine durchaus schriftliche Vereinbarung. In der steht „commit“, also verpflichtet. Und es ist aber auch wichtig, dass wir vorangehen, denn es bleibt ja nicht mehr viel Zeit, über alle weiteren Fragen zu reden. Das was an sich erreicht worden ist, das stellt natürlich kein komplettes Agreement dar, aber doch substanziellen Fortschritt, sodass wir jetzt gerade mal Gnade vor Recht ergehen lassen.

„Da muss dann auch die britische Regierung Farbe bekennen“

Barenberg: Gnade vor Recht ergehen lassen. – Das heißt, London sagt, ist alles nicht rechtsverbindlich, da gibt es noch Spielraum, ist mehr so ein Gentleman’s Agreement, und Sie sagen, der Zeitdruck ist so groß, da sehen wir jetzt drüber hinweg.

Keller: Na ja, nicht wirklich. Wir machen das schon rechtsverbindlich. Ganz klar! Da kommt auch niemand mehr drum herum.

Barenberg: Und wann wird das geschehen?

Keller: Das wird jetzt so schnell wie möglich passieren. Das ist dieses withdraw Agreement, von dem Barnier auch geredet hat, und das ist dann ein rechtsverbindliches Agreement, ein rechtsverbindliches Übereinkommen, und da muss dann auch die britische Regierung Farbe bekennen.

„Es kann nicht heißen, dass es zwei verschiedene Abkommen gibt“

Barenberg: Die Situation ist ja offenbar noch komplizierter geworden, seit das Parlament gestern Abend, vor allem die Opposition, aber auch Tory-Abgeordnete, ein Vetorecht des britischen Parlaments zum endgültigen Abkommen erzwungen haben. Heißt das, es wird in Zukunft noch mehr als jetzt schon ohnehin immer zwei Fassungen geben, eine für die Insel, für zuhause, und eine für Brüssel?

Keller: Das kann nicht gehen. Da muss May sich dann auch hinstellen in London und ihre Abkommen hier verteidigen. Das ist ganz klar. Es ist gut, wenn das transparent ist. Es ist gut, wenn das Parlament auf beiden Seiten mitreden kann. Auf jeden Fall! Das muss auch so sein. Aber das kann halt nicht heißen, dass es zwei verschiedene Abkommen gibt. So kann das nicht funktionieren.

„Wie das funktionieren soll, ist schleierhaft“

Barenberg: Nehmen wir als Beispiel die Grenze Irland-Nordirland, über die ja so viel gestritten wurde. Da liegt auf dem Tisch die Zusage aus London, es wird keine Grenze geben. Aber wie das Ganze umzusetzen ist, wenn Großbritannien tatsächlich nicht mehr Teil der Wirtschaftsunion ist, auch der Zollunion, das steht ja noch völlig in den Sternen. Können Sie sich damit zufriedengeben, das wird London schon irgendwie regeln?

Keller: Ich kann mir gerade nicht vorstellen, wie London das regeln will. Sie haben ja bis jetzt auch keinen Vorschlag vorgelegt. Das Ziel ist natürlich sehr, sehr wichtig. Es geht bei der Nordirland-Frage ja wirklich um das friedliche Zusammenleben. Es geht ja wirklich um viel, es geht um das Karfreitagsabkommen. Deswegen ist es extrem wichtig, dass dieses Ziel auch wirklich umgesetzt wird. Es heißt ja jetzt, Nordirland soll letztendlich auf EU-Standards bleiben. Aber wie das funktionieren soll, wenn der Rest Großbritanniens sich von europäischen Standards entfernt, das ist schleierhaft. Das geht ja nur, wenn es de facto eine Grenze zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens gibt, und das will in London niemand oder kaum jemand. Wie diese große Frage gelöst wird, das hat May bis jetzt offengelassen.

Barenberg: Spüren Sie, dass Theresa May diese Quadratur des Kreises irgendwie schaffen kann?

Keller: Bis jetzt ist da nichts zu sehen und die Brexit-Entscheidung ist ja nicht erst gestern gefallen. Das Problem ist auch nicht erst seit gestern bekannt. Deswegen habe ich in der Tat da einige Skepsis. Aber das ist eines der großen Probleme, das gelöst werden muss, und da geht es wirklich um viel.

„Das ist ein grobes Faul direkt vor dem Gipfel“

Barenberg: Um viel geht es ja offenbar auch bei diesem Gipfel, wenn das Thema Flüchtlingspolitik aufgerufen ist. Wir haben in dem Bericht gehört, dass da ein Papier des Ratspräsidenten für einige Debatten gesorgt hat. Welche Folgen fürchten Sie für die Flüchtlingspolitik in Zukunft?

Keller: Dieses Papier hat auch im Europäischen Parlament für heftige Debatten gesorgt. Es geht natürlich einfach nicht, dass Tusk hier so Partei ergreift für Staaten, die europäisches Recht hintergehen, die Solidarität nicht anerkennen, aber die auch Humanität einfach nicht anerkennen wollen. Das ist ein grobes Faul direkt vor dem Gipfel und das können wir einfach nicht so stehen lassen. Wir haben ja auch im Europäischen Parlament für diese Frage der Verteilung und der Frage, wo muss jemand eigentlich Asyl beantragen, welches Land ist zuständig, wir haben im Europäischen Parlament dafür einen Vorschlag gemacht mit Mehrheit im Europäischen Parlament. Bei uns im Europäischen Parlament sitzen dieselben Parteien, die in den Mitgliedsstaaten die Regierungen bilden. Ich frage mich schon, warum wir das schaffen – das war sicherlich nicht einfach, aber wir haben das geschafft – und die Mitgliedsstaaten kriegen das nicht hin.

„Italien, Malta, Spanien, Griechenland nicht alleine lassen“

Barenberg: Nun hat unser Korrespondent ja auch erwähnt, dass die Flüchtlingspolitik in der Tat die Europäische Union tief gespalten hat in dieser Frage. Ist es nicht oder wäre es nicht auf der anderen Seite eine gute Idee anzuerkennen, dass es da keinen Konsens gibt und man darauf verzichtet, in Zukunft solche Entscheidungen per Mehrheitsbeschluss durchzudrücken?

Keller: Nein, weil die Mehrheitsentscheidung ist ein wichtiges demokratisches Instrument. Und die Frage ist ja auch: Man kann diese Frage nicht einfach ignorieren. Man kann ja nicht sagen, wir machen einfach weiter wie bisher, wo wir Staaten wie Italien, Malta, Spanien, Griechenland alleine lassen. Das kann ja übrigens auch Polen sein. Auch Polen liegt an der Außengrenze. Und wenn die Ukraine-Krise weiter eskaliert, dann kann es auch gut sein, dass viele Flüchtlinge auf einmal nach Polen kommen. Es kann ja nicht sein, dass wir diese Situation einfach hinnehmen und dann manche Staaten die gesamte Verantwortung haben und andere Staaten sich da komplett raushalten. Das widerspricht der europäischen Verantwortung, der europäischen Solidarität, und das widerspricht auch der Humanität.

„Tusk stellt sich da auf die komplett andere Seite“

Barenberg: Wollen Sie Polen, Ungarn, Tschechien und die anderen skeptischen bis ablehnenden Staaten auch weiter zwingen?

Keller: Genau. Und es ist ja auch sehr bezeichnend, dass die Kommission gerade zum Europäischen Gerichtshof gegangen ist, um das Vertragsverletzungsverfahren gegen die drei Staaten fortzuführen, die absolut keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Gleichzeitig kommt dann Tusk und rammt der Kommission sozusagen das Messer in den Rücken in dieser Frage und stellt sich da auf die komplett andere Seite. Aber Tusk ist der Präsident nicht nur von drei Mitgliedsstaaten, sondern von allen.

Barenberg: Was erwarten Sie jetzt von ihm?

Keller: Ich bin gespannt, wie er sich da erklären will, und erwarte von ihm, dass er nach Kompromissen sucht, statt zu spalten.

Barenberg: … sagt die grüne Fraktionsvorsitzende im Europäischen Parlament, Ska Keller. Danke für das Gespräch heute Morgen.

Keller: Ich danke Ihnen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

14 Dezember 2017 0 Kommentare
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TÜDAY fordert: Stoppt die Auslieferung von Adil Yiğit!

von Fremdeninfo 12 Dezember 2017
von Fremdeninfo

TÜDAY fordert: Stoppt die Auslieferung von Adil Yiğit!

Der Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V  in Köln richtet sich in folgendem Brief direkt an die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft:

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Sehr geehrte Mitglieder des Landtages,

wir wenden uns an Sie, weil wir über die Vorgänge um den türkischen Journalisten Adil Yiğit irritiert und um seine Sicherheit besorgt sind. Adil Yiğit lebt seit 35 Jahren in Hamburg, ist Chefredakteur des Online Mediums „Avrupa Postasi“, hat aber auch Artikel für „die Zeit“ und „die Tageszeitung“ geschrieben. Er ist nicht nur bekannt als Erdoğan-Kritiker, sondern berichtet auch kritisch über den NSU-Komplex, den Jahrestag des Brandanschlags in Mölln oder die Rekrutierung von Jugendlichen für den IS.

Adil Yiğit gehört zu den 32 Journalist*innen, denen im Rahmen des G20-Gipfels die Akkreditierung entzogen wurde. Dieses Vorgehen wurde vielfach kritisiert. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es sich in seinem und in mindestens zwei weiteren Fällen um ein Zugeständnis an den türkischen Präsidenten RecepTayyip Erdoğan gehandelt hat. Adil Yiğit verlangte neben vielen weiteren Journalist*innen eine Aufklärung über den Vorgang, die bis heute nicht erfolgt ist. Stattdessen wurde Adil Yiğit am 21. November vom Bezirksamt Hamburg-Mitte mitgeteilt, dass seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert werden sollte. Eine Abschiebung in die Türkei käme einer Auslieferung an die türkische Regierung gleich.

Wir sind irritiert darüber, dass trotz der weltweiten Kritik an der Inhaftierung von Jounalist*innen in der Türkei, das Bezirksamt Hamburg-Mitte die De-facto-Auslieferung eines weiteren kritischen Journalisten in die Türkei betreibt. Wir weisen darauf hin, dass zur Zeit über hundert Journalist*innen in der Türkei inhaftiert sind, mehr als in jedem anderen Land der Welt und dass für Inhaftierte weder eine menschenwürdige Behandlung, noch ein fairer Prozess zu erwarten ist. Wir bitten um Aufklärung, weshalb das Bezirksamt Hamburg-Mitte, dem die Situation sicherlich ebenfalls bekannt ist, diese Entscheidung über den Aufenthalt von Adil Yiğit getroffen hat.

Wir fordern den Landtag auf, die De-facto-Auslieferung von Adil Yiğit zu stoppen.

Angesichts der aktuellen Entwicklung ist außerdem eine Aufklärung darüber, auf wessen Betreiben Adil Yiğit und anderen Journalist*innen die Akkreditierung während des G20-Gipfels entzogen worden ist, dringend geboten.

TÜDAY

Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland e.V 
Türkiye Almanya İnsan Hakları Derneği 
Human Rights Association Turkey/Germany 
Komeleya Mafên Mirovan Tirkiye/Almanya

12 Dezember 2017 0 Kommentare
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von türkischer Tanzgruppe setzen sich in EU ab

von Fremdeninfo 9 Dezember 2017
von Fremdeninfo

von türkischer Tanzgruppe setzen sich in EU ab

  • dtj-online
  • GesellschaftPanoramaPolitik
  • 6. Dezember 2017 15:18

Foto: Fremdeninfo andre Foto

Zahlreiche Mitglieder einer türkischen Folklore-Tanzgruppe haben sich einem Medienbericht zufolge in die EU abgesetzt. 11 der 16 Tänzer seien von der Reise nach Budapest nicht zurückgekehrt, meldete die türkische Nachrichtenagentur DHA am Dienstag. Das ungarische Einwanderungsamt dementierte auf Anfrage der dpa, dass Mitglieder der Gruppe – wie von DHA berichtet – einen Asylantrag in Ungarn gestellt hätten. Nicht auszuschließen ist, dass die Betroffenen über die Grenze in ein anderes EU-Land gereist sind.

Nach der Meldung von DHA war die Tanzgruppe aus Ankara im vergangenen Monat nach Ungarn gereist, um an einer Veranstaltung teilzunehmen. Die Gruppe war offenbar im offiziellen Auftrag unterwegs: DHA berichtete, die Tänzer seien mit Dienstpässen ausgestattet worden. Diese grauen Pässe bekommen normalerweise türkische Beamte, mit ihnen ist eine visafreie Einreise in die EU möglich.

Seit dem Putschversuch in der Türkei und der Verhängung des Ausnahmezustands im Juli 2016 gehen die Behörden mit großer Härte gegen angebliche Regierungsgegner vor. Zahlreiche Türken haben sich ins Ausland abgesetzt, genaue Zahlen liegen nicht vor. Am Montag war bekannt geworden, dass in Deutschland seit der Niederschlagung des Putschversuches 260 Türken mit Diplomatenpässen und 508 weitere mit Dienstpässen Asyl beantragt haben.

9 Dezember 2017 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Innenministerkonferenz Polat: Abschiebungen in Kriegsgebiete stoppen

von Fremdeninfo 6 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Filiz Polat

Bundestag Abgeordneten von Bündes 90 Grünen

Pressemeldung Nr. 006 vom 06.12.2017

Innenministerkonferenz Polat: Abschiebungen in Kriegsgebiete stoppen

Am 7. und 8. Dezember findet in Leipzig die 2007. Sitzung der Innenministerkonferenz statt. Thema wird u.a. die Sicherheitslage in Syrien und Afghanistan sein. Dazu erklärt Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen aus Bramsche:

„Ich bin ehrlich gesagt sprachlos, über den Vorstoß der Bundesländer Bayern und Sachsen, Menschen nach Syrien abschieben zu wollen. Die perfide Strategie über die Sicherheitslage zu sprechen, kennen wir bereits aus der Debatte um Abschiebungen nach Afghanistan. Wie so etwas endet, konnten wir am Nikolaustag erleben. Zum Auftakt der Innenministerkonferenz wurde erneut eine Sammelabschiebung nach Afghanistan angesetzt.“

Die Abgeordnete verwies in diesem Zusammenhang auf den Antrag der AfD zu Abschiebungen syrischer Geflüchteter, der vor zwei Wochen in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde.

„Die demokratischen Parteien im Bundestag haben sich im Schulterschluss gegen die Initiative positioniert. Das war nicht nur aus inhaltlichen Gründen richtig, sondern auch ein wichtiges Zeichen gegen Rechtspopulismus und für Humanität. Dass die Union diesen gemeinsamen Pfad verlässt, ist sehr bedenklich“, so die Abgeordnete.

Die Krone setze die Union dem Ganzen mit der Kritik am Kirchenasyl ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit auf, so die Migrationsexpertin.

Die Abgeordnete begrüßte indes, dass ihr Bundesland sich nach wie vor nicht an Abschiebungen nach Afghanistan beteilige und ebenfalls die Diskussion über Abschiebungen nach Syrien zurückgewiesen habe. Gleichzeitig würde mit einem eigenen Antrag aus Niedersachsen auf der Innenministerkonferenz ein Kompromissvorschlag eingebracht, der eine Verkürzung eines gesetzlichen Abschiebestopps für Syrerinnen und Syrer ablehne.

6 Dezember 2017 0 Kommentare
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Deniz Yücel nicht mehr in Isolationshaft

von Fremdeninfo 5 Dezember 2017
von Fremdeninfo

Deniz Yücel nicht mehr in Isolationshaft

  • dtj-online
  • NewstickerPolitik
  • 4. Dezember 2017 11:02

 

Für Deniz Yücel war es eine schwierige Zeit. Viele Monate war er im türkischen Hochsicherheitsgefängnis völlig isoliert. Zumindest das ist nun vorbei. 

Der in der Türkei inhaftierte «Welt»-Journalist Deniz Yücel ist nicht mehr in Einzelhaft. Der deutsche Reporter sitze zwar immer noch in einer Einzelzelle, habe aber inzwischen Zugang zu einem Gefängnishof, den er sich mit einem ebenfalls inhaftierten türkischen Journalisten teile, sagte Yücels Anwalt Veysel Ok der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend.

Zunächst hatte Yücels Arbeitgeber, die Tageszeitung «Die Welt», darüber berichtet. Bisher war dem 44-Jährigen jeder Kontakt zu Mitgefangenen unmöglich. Der Zugang der Zellen zu dem gemeinsamen Innenhof sei nun tagsüber geöffnet, schrieb die «Welt» auf ihrer Internetseite. Zu anderen Mitgefangenen habe er aber offenbar weiterhin keinen Kontakt.

Yücel sitzt seit dem 27. Februar in der Haftanstalt Silivri westlich von Istanbul in Untersuchungshaft. Die Türkei wirft ihm Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor. Sie hält die Untersuchungshaft für gerechtfertigt. Das geht aus einer türkischen Stellungnahme beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Maßnahmen gegen den Journalisten seien «notwendig und angemessen», heißt es darin.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich erfreut über die Hafterleichterung für Yücel. «Welch‘ eine großartige Nachricht! Endlich bewegt sich was!», sagte Maas der «Welt». «Wir werden weiter alles dafür tun, dass er wieder nach Hause kommt. Schritt für Schritt, wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen.»

Türkische Regierung hatte EGMR aufgefordert, Beschwerde Yücels abzulehnen

Die türkische Regierung hatte den EGMR aufgefordert, die Beschwerde Yücels gegen seine Untersuchungshaft abzulehnen. Yücel habe im März Beschwerde beim türkischen Verfassungsgericht eingereicht und müsse den nationalen Rechtsweg zunächst ausschöpfen, hieß es unter anderem zur Begründung. Dass das Verfassungsgericht noch keine Entscheidung getroffen habe, sei angesichts des Ausnahmezustands in der Türkei und der hohen Belastung der Gerichte «äußerst vertretbar».

Die Türkei hatte die Stellungnahme vergangenen Dienstag, kurz vor Ablauf der vom Gericht gesetzten Frist, in Straßburg eingereicht. Eine Anklageschrift für ihn liegt noch nicht vor. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Journalisten mehrfach als «Spion» bezeichnet. In der Stellungnahme der türkischen Regierung kommt der Vorwurf der Spionage jedoch nicht vor.

Die türkische Regierung ist der Ansicht, dass die Ermittlungen gegen Yücel nichts mit seiner Tätigkeit als Journalist zu tun haben, wie aus der Stellungnahme deutlich wurde. Vielmehr bestehe der dringende Verdacht, dass Yücel in Einklang mit den Zielen von Terrororganisationen gehandelt und «Propaganda zugunsten der Terrororganisation verbreitet und Handlungen ausgeführt habe, um einen Konflikt zwischen türkischen und kurdischen Gesellschaftsgruppen anzuzetteln»

5 Dezember 2017 0 Kommentare
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