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Polizeigewalt ist real – und betrifft uns alle

von Fremdeninfo 17 August 2022
von Fremdeninfo 17 August 2022
356

Polizeigewalt ist real – und betrifft uns alle

Von

Stefan Kreitewolf

–

11.08.2022

 
 
 

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Nach dem Polizeieinsatz in Dortmung: Warum wird die Drohung mit einem Messer mit Schüssen aus einer Maschinenpistole erwidert? Foto: Dirk Martens / Unsplash

Elf Polizisten, eine Maschinenpistole, sechs Schüsse – ein toter Junge: Das ist die Bilanz eines fatalen Polizeieinsatzes in Dortmund, durch den vor wenigen Tagen ein 16-jähriger Senegalese starb. Es ist nicht der einzige Fall von Polizeigewalt in dieser Woche.

Am Montag hat die Polizei in Dortmund mehrmals auf einen 16-Jährigen geschossen, nachdem zuvor ein Elektroschockgerät sowie Pfefferspray zum Einsatz kamen. An den Verletzungen starb der offenbar mit einem Messer bewaffnete Senegalese später im Krankenhaus. Das sind die Fakten.

Aber warum musste der Jugendliche sterben? Wieso konnten elf Beamte, die vor Ort gewesen sein sollen, eine solche Eskalation nicht verhindern? Fragen über Fragen – und berechtigte Zweifel. Denn selbst Polizeiexperten kritisieren den Einsatz scharf und sprechen von „Systemfehlern“.

Vierter Todesfall in einer Woche

Hinzu kommt: Es ist bereits der vierte Todesfall nach einem Polizeieinsatz in einer Woche. Dreimal kamen Menschen nach dem Einsatz von Schusswaffen durch Beamte zu Tode. Ein Mann starb nach Fixierung und Einsatz von Pfefferspray im Krankenhaus. In allen Fällen beruft sich die Polizei auf Notwehr. Aber ist es so einfach?

Fakt ist: Auf mit Messern bewaffnete Täter sind Polizist:innen mittlerweile sensibilisiert worden, nachdem Sicherheitsbeamten in den vergangenen Jahren immer häufiger bei Angriffen mit Stichwaffen schwer verletzt oder sogar getötet wurden. Dennoch scheint das Vorgehen der Beamten überzogen.

Nimmt Polizeigewalt in Deutschland zu?

Kein Wunder: Das richtige Training für solche Situationen bekommen längst nicht alle Polizist:innen. Ist die Eskalation in Dortmund jedoch wirklich nur der Unprofessionalität der Polizisten geschuldet? Oder nimmt die Polizeigewalt in Deutschland zu? Den Eindruck haben viele, vor allem Menschen mit Migrationshintergrund.

„Türken jagen“ – Studie legt Rassismus bei der Polizei offen

Für die These der zunehmenden Polizeigewalt gibt es Indizien. Zum Beispiel, dass vielerorts, aber vor allem in Nordrhein-Westfalen, Polizisten in rechten Chatgruppen gegen Migrant:innen hetzen. Dass einige Viertel im Ruhrgebiet und anderswo als No-Go-Areas bezeichnet und stigmatisiert werden. Dass junge Männer mit muslimischem Background häufig mit Messern und Stichwaffen in Verbindung gebracht werden (die „Bild“ schreibt in jenem Zusammenhang gerne von „Messer-Männern“). Und dass institutioneller Rassismus keine Ausnahme, sondern die Regel ist.

Polizisten tragen als eine der ganz wenigen Berufsgruppen in der Öffentlichkeit Waffen. Das ist nur so lange unproblematisch, wie sie nicht bzw. sinnvoll eingesetzt werden. Ruhe bewahren lautet das Credo dieser Tage – auf allen Seiten. Vor allem aber unabhängige , ergebnisoffene Ermittlungen. Nur so kann das Vertrauen in eine der wichtigsten Behörden unseres Landes wiederhergestellt werden.

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Redaktioneller Fokus auf Recht, Politik und Soziales im Kontext von Migration. Wir beobachten Hintergründe und stärken die Position von Einwanderern und Geflüchteten.

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