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Ahmad Mansour: Nicht die Islamisten wurden zum Problem erklärt, sondern wir

von Fremdeninfo 20 Februar 2025
von Fremdeninfo 20 Februar 2025
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Ahmad Mansour: Nicht die Islamisten wurden zum Problem erklärt, sondern wir

                                                                          Artikel von Ahmad Mansour

                                                              

Ahmad Mansour: „Wie begeistert hat der Westen vor wenigen Jahren auf den Arabischen Frühling reagiert! Daraus wurde ein islamistischer Winter, und rückblickend erkennen wir die Naivität“. © Mansour/imago

Wir haben uns den Mund fusselig geredet, Hintergründe erklärt, Analysen geliefert, wieder und wieder vor dem Islamismus gewarnt. Doch was ist passiert? Nicht die Radikalen wurden zum Problem erklärt, sondern wir – die Warner. 

Wer wir sind? Ganz einfach: Wir sind die Muslime, die demokratisch denken und fühlen, die am demokratischen Rechtsstaat die Freiheit schätzen und wahren wollen. 

Wir sind die Muslime, die – ob geflüchtet oder nicht, akademisch oder nicht, in der ersten Generation im Land oder in der dritten – ganz genau wissen, wovor sie warnen, wenn wir über islamistische und antidemokratische Strukturen sprechen. 

Wir Muslime sind viele und wir wissen Bescheid

Mit anderen Worten: Wir sind die idealen Aufklärer, die besten Zeugen, diejenigen mit Kenntnis aus erster Hand, sprachlich, inhaltlich, ideologisch. Wir sind viele, und wir wissen Bescheid. Wieder und wieder haben wir Regierungen, Ämtern, Behörden gesagt: Hört hin, schaut hin. 

Der Staat muss wissen, wo in Moscheen und in den sozialen Medien gegen die Demokratie gehetzt wird, gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau, gegen Juden und Israel, für Autokratien und Gewalt gegen „Ungläubige“. 

Der Staat muss verstehen, was in autoritären, patriarchalen Familien vorgeht, in Jugendgruppen und in Schulen! Das, was wir sehen, macht uns Sorgen und der Staat muss die Augen endlich öffnen und die Realität so sehen, wie sie ist! 

Die Probleme sind gewachsen

All das und noch viel mehr erklären wir, die demokratischen und säkularen Muslime und ihre Mitstreiter, seit Jahren, teils seit Jahrzehnten. Die Resonanz war oft erschütternd: Man hat uns „Islamophobie“ vorgeworfen, wir seien Unruhestifter, Querulanten, würden übertreiben. Mit Leugnen und Verdrängen wurden wir diffamiert, und es hieß, Leute wie wir seien das Problem.  

Und jetzt? Inzwischen sind die vielfachen Probleme noch gewachsen – und einfach nicht mehr zu leugnen. Sie sind für jeden sichtbar. Und klar ist auch: Es geht um unsere Sicherheit und um die Stabilität der Demokratie, die sich feindselige Parallelgesellschaften nicht bieten lassen darf. 

Doch nur mühsam rücken Politik und Medien von ihrer gewohnten Haltung ab. Teils wurde sogar in seriösen Medien subtil oder offen über eine mögliche, verschwörerische Steuerung der jüngsten Anschläge aus dem Ausland spekuliert. Die bittere Wahrheit ist: Es braucht keine solche Anstiftung von außen. Die Radikalen sind überall, auch hier. 

Clever und manipulativ werden Jugendliche angesprochen

Seit dem 7. Oktober 2023 kam es weltweit zu einer massiven Welle antisemitischer und islamistischer Propaganda, vor allem in den sozialen Medien. Sie sind mittlerweile der Brennpunkt islamistischer Aktivitäten, und das mit beunruhigendem Erfolg. 

Clever und manipulativ werden Jugendliche angesprochen mit drastischen Szenen und emotionalen Themen, die von der dämonisierten Mehrheitsgesellschaft entfremden. Auch hier wird noch immer viel zu wenig hingesehen! 

Die emotionale, wutgeladene und in dichotome Rhetorik verpackte Propaganda auf Plattformen wie TikTok zeigt enorme Wirkung. Auf dem kleinen Bildschirm in der Hand von Kindern und Jugendlichen rekrutieren Islamisten inzwischen nahezu ungehindert und ohne nennenswerten Widerstand. 

Eine neue Bundesregierung muss die Defizite sofort angehen

Spätestens als Islamisten auf offener Straße zur Errichtung eines Kalifats aufriefen oder zur Ermordung von Juden hetzten, hätten alle Alarmsignale laut anspringen müssen. 

Es wurde zwar endlich die Blaue Moschee in Hamburg geschlossen und der dort ansässige Verein „Islamisches Zentrum Hamburg e.V.“ (IZH) wegen verfassungsfeindlicher Ziele verboten, doch Essentielles hat sich in der Breite nicht bewegt. 

Die unbeachtete Radikalisierung von jungen Menschen geht einher mit Migrations- und Integrationsprozessen, denen es misslingt, Menschen für die Demokratie zu gewinnen. Zusammen wirkt das wie ein Brandbeschleuniger. 

Klar ist: Eine neue Bundesregierung wird sich sofort daran machen müssen, die Defizite anzugehen, und effektive, bundesweite Kampagnen und Regelungen gegen die gefährlichen Trends zu mobilisieren. 

Soll so dem politischen Islam begegnet werden? 

Es wird Zeit, wirklich aufmerksam hinzuhören und zu handeln. 

Wer in den vergangenen Monaten mit Lehrern, Sozialarbeitern oder Jugendlichen gesprochen hat – insbesondere in Schulen oder im Umfeld von Geflüchteten – kennt den Ernst der Lage. Wer in den sozialen Medien der islamistischer Propaganda folgt, kann ihre Stärke und ihren Erfolg nicht übersehen.

Gern wird jetzt im Kontext mit Migration und Islamismus auf psychische Erkrankungen hingewiesen, auf den Mangel an Psychologen oder Therapieplätzen. Soll damit dem politischen Islam begegnet werden? Im Ernst? 

Ohne Frage gibt es paranoide, psychotische Menschen unter den gewaltaffinen Tätern oder Gefährdern. Aber die Fantasie, man könnte mit einigen Therapeuten, die außerdem noch Farsi, Dari, Paschtu, Türkisch, Arabisch usw. sprechen, das Problem lösen, ist grotesk.

Der Staat muss ein wichtiges Signal senden  

Selbst wenn psychische Erkrankungen vorliegen, rechtfertigt das nie und nirgends Gewalt. Wichtig ist vielmehr zu erkennen: Die Inhalte islamistischer Hetze, Identitätsverlustängste, Disintegration und der Druck der patriarchalischen Strukturen und der mitgebrachten Traumata können pathogene Wirkung haben, sie können krank machen. 

Kein Zweifel, die Zwänge streng religiöser Gruppen können zu Angststörungen und Realitätsverlust führen, ebenso Erziehungsmethoden mit Gewalt und Einschüchterung. Aber auch Hundertschaften von Therapeuten würden diese Folgen kaum reparieren.

Es kommt jetzt darauf an, Migration und Integration neu zu denken, realistisch, klar strukturiert, mit Maß und Sinn für das Machbare. Vor allem muss der Staat das Signal senden, dass er kein Auge mehr zudrücken wird bei radikalem Islam und Antisemitismus, ganz gleich ob im Internet, in den Medien, in Communities, in Moscheen, in Koranschulen, auf Schulhöfen. Es muss darum gehen, beide Augen aufzumachen, rechts und links. Und das überall im Land

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