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Nach Clankontakten: Wie die Linkspartei über Ferat Koçak debattiert

von Fremdeninfo 24 September 2026
von Fremdeninfo 24 September 2026
Der Abgeordnete Ferat Kocak (Die Linke) im Oktober vergangenen Jahres im Bundestag © dpa
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Artikel von Stephan Klenner, Berlin/ Faz

Der Abgeordnete Ferat Kocak (Die Linke) im Oktober vergangenen Jahres im Bundestag © dpa

In der Linkspartei gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Zukunft von Ferat Koçak aussehen soll: Die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss veröffentlichte in dieser Woche ein Instagram-Video, in dem sie den Berliner Bundestagsabgeordneten dazu auffordert, „sein Bundestagsmandat niederzulegen“. Die Linken-Bundestagsfraktion solle ihm sein Amt als Sprecher für Antifaschismus „entziehen“. Die Linken-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, teilte das Video.

Die Linksjugend solid veröffentlichte hingegen einen Solidaritätsaufruf für Koçak: Durch eine „Täter-Opfer-Umkehr“ solle ein „konsequenter antirassistischer und linker Mandatsträger mundtot gemacht werden“. Zuvor hatte bereits die Parteiarbeitsgemeinschaft „Migrantische Linke / Links*Kanax“ einen ähnlichen Aufruf veröffentlicht.

Ferat Koçaks Rückzug gibt Rätsel auf

Anlass für die Debatte sind Chats, die Firas Remmo am späten Sonntagabend veröffentlicht hatte. Darin bat Koçak den Sohn von Clanchef Issa Remmo, ein Video mit einer Rede von ihm zur Clankriminalität zu verbreiten. Den Clanchef grüßte er „mit Respekt“. Grüne und SPD zeigten sich irritiert. Beide Parteien versucht die Linkspartei nach ihrem Wahlsieg bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl davon zu überzeugen, Elif Eralp zur Regierenden Bürgermeisterin zu wählen.

Am Dienstag erklärte Sören Pellmann, Vorsitzender der Linken-Bundestagsfraktion, Koçak werde sich aus der Öffentlichkeit und dem Bundestagsinnenausschuss zurückziehen, „bis volle Transparenz hergestellt ist“. Seitdem rätseln viele in der Partei, was das bedeuten soll – und formulieren gegensätzliche Erwartungen.

Junge Aktivisten mögen Koçak – altgedienten Linken ist er unheimlich

Schon vor dem aktuellen Streit polarisierte Koçak in der Berliner Linkspartei. Dem Neuköllner gelang es bei der vergangenen Bundestagswahl, das erste Direktmandat der Linken in Westberlin zu holen. Zuvor hatte Koçak vier Jahre dem Abgeordnetenhaus angehört. Auch dort interessierte er sich für Clankriminalität: So wollte er etwa 2023 in einer parlamentarischen Anfrage detailliert wissen, wie die Berliner Polizei dagegen vorgeht.

Sein Habitus ist dem mancher Clangrößen nicht unähnlich: Auch in politischen Reden verwendet Koçak gerne den Neuköllner Slang. Er spricht Parteifreunde ebenso wie den Remmo-Sohn als „Bruder“ an. Für etliche junge Neumitglieder der Berliner Linken ist er eine Galionsfigur. Sie finden gut, dass er anders auftritt als das Parteiestablishment.

Auf manche altgediente Linke wirkt Koçak hingegen unheimlich. Sie fürchten, seine Clankontakte könnten enger sein als bisher bekannt. Auch sein Talent, junge Linke mit „Alerta, Alerta“-Schlachtrufen in Stimmung zu bringen, sehen sie nicht als Bereicherung, sondern als Gefahr für geordnete Landesparteitage.

Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, Mitglied der Berliner Linken, schrieb auf der Plattform X, sie könne bei Koçak „nicht mehr an Naivität glauben“. Damit dürfte sie darauf anspielen, dass Koçak behauptete, er habe nicht genau gewusst, wen er „mit Respekt“ grüßte. Der Kreuzberger Linken-Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser teilte am Dienstagabend auf X den Anti-Mafia-Appell eines italienischen Kommunisten. Er gelte „auch heute & hier, nicht nur für Linke“.

Wie geht es weiter?

Wie die Parteiführung den Streit um Koçak entschärfen will, ist offiziell derzeit nicht zu erfahren. Die Linke versucht, durch Angriffe auf den politischen Gegner die Reihen zu schließen: So sagte der Berliner Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi am Mittwochnachmittag im Bundestag, die CDU lege an Koçak andere Maßstäbe als an ihre eigenen Abgeordneten an. „In Wirklichkeit“ gehe es den Christdemokraten darum, weiter den Regierenden Bürgermeister in der Hauptstadt zu stellen.

Hinter den Kulissen werden mit Koçak Gespräche geführt. Die Bundespartei dürfte bestrebt sein, dass der Neuköllner selbst zeitnah Konsequenzen zieht – etwa als Sprecher für Antifaschismus zurücktritt, vielleicht auch sein Mandat aufgibt. Unwahrscheinlich ist, dass höhere Parteigremien Koçak formal dazu auffordern.

Dies würde ihn für seine Fans zum Märtyrer machen. Das könnte dazu führen, dass junge Aktivisten Sondierungsgespräche der Berliner Linken mit Grünen und SPD öffentlichkeitswirksam stören. Als die Linkspartei den Palästinaaktivisten Ramsis Kilani im vergangenen Jahr aus der Partei ausschloss, besetzten seine Unterstützer kurzzeitig deren Bundesgeschäftsstelle

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