Von: Avrupa Demokrat
Der Co-Vorsitzende der DEM Parti, Tuncer Bakırhan, der zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern alevitischer Organisationen zusammenkam, betonte, dass sie keinen Prozess unterstützen werden, an dem die Aleviten nicht beteiligt sind: „Das ultimative Ziel ist einzig und allein Frieden, gleichberechtigte Staatsbürgerschaft und Gerechtigkeit.“
Die Co-Vorsitzenden der DEM Parti, Tülay Hatimoğulları und Tuncer Bakırhan, trafen im Raymar Hotel mit Vertretern alevitischer Organisationen zusammen. Vor dem nicht-öffentlichen Gespräch gaben Bakırhan und Mustafa Aslan, der Vorsitzende der Alevitisch-Bektaschitischen Föderation (ABF), eine Presseerklärung ab.
Bakırhan erklärte: „Unsere Zustimmung geben wir nur bei einer rechtlichen Anerkennung. Ich möchte vor der Presse noch einmal bekräftigen, dass die DEM Parti keinen Prozess gutheißen wird, in dem die Aleviten nicht vertreten sind. Das ultimative Ziel ist einzig und allein Frieden, Demokratie. Das ultimative Ziel ist eine gleichberechtigte Staatsbürgerschaft. Das ultimative Ziel sind Recht, Gesetz und Gerechtigkeit.“
Mustafa Aslan, Vorsitzender der Alevitisch-Bektaschitischen Föderation, betonte seinerseits, dass die Gespräche nicht auf die DEM Parti beschränkt bleiben würden, und kündigte an, dass man sich mit Vertretern aller im Türkischen Parlament (TBMM) vertretenen politischen Parteien treffen werde.
„Der Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft ist nicht nur für Kurden“
Bakırhan wies darauf hin, dass das Treffen nicht nur im Rahmen eines gewöhnlichen Programms stattfinde. Man sei zusammengekommen, um die Kritik, Vorschläge und Sorgen der Alevi-Organisationen bezüglich der jüngsten Entwicklungen anzuhören. Bakırhan betonte, dass das Erreichen der Ziele des „Prozesses für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ nicht nur für die Kurden, sondern auch für die Aleviten und alle 86 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der Türkei von großer Bedeutung sei, und sagte:
„Dies ist unser aller Prozess. Am Verhandlungstisch sitzen nicht nur Kurden. Wie ich eben erwähnt habe, sitzen wir eigentlich alle um diesen Tisch herum – allen voran unsere alevitischen Geschwister (canlar). Dieser Prozess gehört den Aleviten ebenso wie den Kurden und allen Unterdrückten; er gehört den 86 Millionen, er gehört der Türkei. Ja, das ultimative Ziel ist einzig und allein Frieden und Demokratie. Das ultimative Ziel ist eine gleichberechtigte Staatsbürgerschaft. Das ultimative Ziel sind Recht, Gesetz und Gerechtigkeit. Das ultimative Ziel ist die Schaffung einer gerechten und gleichberechtigten Ordnung, worüber sich unsere alevitischen Geschwister keinerlei Sorgen machen müssen.“
Bakırhan erklärte weiter, eine der wichtigsten Erwartungen an den Prozess sei der Aufbau einer gemeinsamen Zukunft auf der Grundlage von gegenseitigem Einvernehmen (rızalık) und unter gleichen Bedingungen, in der Identitäten nicht geleugnet werden.
Betonung von gleichberechtigter Staatsbürgerschaft und legalem Status für Cemevis
„Wir versuchen, Kurden, Aleviten und alle Identitäten sowie Glaubensrichtungen zu Rechtssubjekten zu machen“, sagte Bakırhan und betonte, dass die Zustimmung der Aleviten auf der Grundlage rechtlicher Anerkennung und einer demokratischen Gesellschaft beruhen müsse:
„Wir geben unsere Zustimmung nur für eine rechtliche Anerkennung. Wir geben unsere Zustimmung für eine demokratische Gesellschaft. Wir geben unsere Zustimmung für einen Prozess, in dem sich Aleviten als gleichberechtigte Bürger fühlen. Ich möchte vor der Presse noch einmal wiederholen, dass weder die DEM Parti noch dieser laufende Prozess ihre Zustimmung zu einem Prozess geben werden, in dem die Aleviten fehlen.“
Zu den Bedingungen für einen echten Frieden äußerte sich Bakırhan wie folgt: „Wenn Aleviten gleichberechtigte Bürger sind, wenn Cemevis einen legalen Status erlangen, wenn Diskriminierung beendet wird und alle Identitäten und Glaubensrichtungen frei sind, erst dann werden wir sagen können, dass wir uns auf dem Boden eines echten Friedens befinden.“
„Man versucht, Aleviten und Kurden voneinander zu trennen“
Bakırhan ging auch auf die Debatten über demokratische Integration ein: „Demokratische Integration bedeutet nicht, dass Kurden zu Türken und Aleviten zu Sunniten werden. Im Gegenteil, sie bedeutet eine freie Beziehung zwischen gleichberechtigten Subjekten. Genau so verstehen wir das und so vermitteln wir es auch. Wir kämpfen dafür, dass es so ist. Das heißt, wir wollen über eine Grundlage sprechen, auf der der Alevit Alevit und der Kurde Kurde ist.“
Bakırhan argumentierte, dass versucht werde, Aleviten und Kurden voneinander zu trennen, und dass diese Spaltungen den gesellschaftlichen Kampf schwächen: „Bis heute haben wir vom würdevollen Kampf der Aleviten gelernt und Inspiration geschöpft. Trotz all dieser Stimmungsmache werden wir nicht von unserem Weg abweichen; wir werden unseren Weg fortsetzen, indem wir uns weiterhin von Ihrem würdevollen, demokratischen Kampf inspirieren lassen.“
„Das Schicksal unserer Zukunft darf nicht dem Gedächtnis vergangener Leiden geopfert werden“
Bakırhan erklärte, dass das in der Vergangenheit erlittene Leid nicht vergessen werden könne: „Die Leiden der Vergangenheit sind in unser aller Gedächtnis eingebrannt. Das ist kein Gedächtnis, das man einfach von heute auf morgen auslöschen und beiseite schieben kann. Aber das Schicksal unserer Zukunft darf nicht dem Gedächtnis dieser vergangenen Leiden geopfert werden.“
Bakırhan verwies auf die alevitische Lehre „Jeder soll sein Wort sprechen“ und sagte: „Eine Türkei, in der Aleviten, Kurden, Frauen und Unterdrückte ein Mitspracherecht und Entscheidungsbefugnis haben, kann nur eine starke Türkei sein. Eine solche Türkei, in der die genannten Völker und Glaubensgemeinschaften mitreden können, wird demokratisch, stark, wohlhabend und gerecht sein; die Menschen werden darin menschenwürdig, brüderlich und ohne einander zu auszugrenzen zusammenleben können.“
Bakırhan betonte, dass die DEM Parti offen für Kritik und Vorschläge sei und in der kommenden Periode gemeinsam mit den Alevi-Organisationen Seite an Seite kämpfen wolle.
ABF-Vorsitzender Aslan: Jeder muss für sich selbst sprechen
Der ABF-Vorsitzende Mustafa Aslan gab an, dass er bei dem Treffen im Namen der Alevitisch-Bektaschitischen Föderation, der Konföderation der Aleviten-Gemeinden in Europa, der Türkischen Alevi-Föderation, der Hacı Bektaş Veli Anatolischen Kulturstiftung, der Alevitischen Kulturvereine, der Pir Sultan Abdal Kulturvereine und des Demokratischen Alevi-Vereins spreche.
Aslan erklärte, dass bei dem Treffen insbesondere die Sorgen und Bedenken der alevitischen Gemeinschaft bezüglich des in der Öffentlichkeit diskutierten jüngsten Prozesses erörtert würden. Nach seinen Worten wurde die erste Phase des Prozesses mit einem Rahmengesetz abgeschlossen; in der zweiten Phase benötige die Türkei Demokratisierung und rechtliche Regelungen. Die Alevi-Organisationen würden den weiteren Prozess nun mit der DEM Parti besprechen.
Aslan führte weiter aus: „Wir werden heute unsere Ansichten darüber austauschen, dass jeder Bürger mit seiner eigenen Identität und Sprache eine aktive Rolle im Demokratisierungsprozess der Türkei einnehmen sollte. Wir werden diese Forderung aus der Türkei übermitteln. Wir möchten hier noch einmal betonen, dass niemand stellvertretend für die Aleviten, die Kurden oder andere Völker und Glaubensgruppen in diesem Land sprechen sollte, sondern dass jeder für sich selbst sprechen muss.“
Aslan stellte klar, dass die Treffen nicht auf die DEM Parti beschränkt bleiben: „Im Oktober nimmt das Parlament seine Arbeit wieder auf. Um sowohl die Forderungen der Aleviten als auch die Demokratisierung dieses Landes und die bestehenden Probleme anzusprechen, werden wir uns mit anderen Parteien treffen, um unsere Anliegen im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht vorzubringen.“