Von Mehmet TANLI
Seit vielen Jahren leben wir in Deutschland, und die Syrien- und Israel-Politik der derzeitigen sowie der vorherigen Bundesregierung ist schlichtweg haarsträubend. Sie entbehrt jeglicher Empathie, Demokratie und demokratischen Gesinnung. Es ist eine Politik, die Menschenrechte beiseite schiebt und rein interessengesteuert ist – ein krasser Gegensatz zu den Werten, die sie vorzugeben verteidigen.
Die deutschen Verantwortlichen wissen besser als wir, wer Jolani ist und welche massiven Massaker er zu verantworten hat; das muss man nicht erst erklären. Jolani ist ein islamistischer Diktator, der Aleviten und Christen in Syrien ermordet, den Kurden das Leben zur Hölle gemacht und insbesondere an den Aleviten einen Völkermord begangen hat.
Warum lieben sie diesen Mann so sehr? Warum wird er so hofiert? Warum wurden 600 Millionen Euro an Hilfe geleistet? Warum suchte man ihn auf und lädt ihn nun sogar hierher ein?
Der Umgang des Westens mit Abu Mohammad al-Jolani, dem Anführer der dschihadistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS), der beim Sturz des Assad-Regimes (etwa Ende 2024/Anfang 2025) eine zentrale Rolle spielt, ist weniger von echter Begeisterung als vielmehr von geopolitischem Pragmatismus geprägt.
Die Hauptgründe für diese doppelmoralische Haltung des Westens sind:
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Sturz Assads und Schwächung des Irans: Der Westen, insbesondere die USA, sahen in Jolani eine Schlüsselfigur, um das langjährige Regime von Baschar al-Assad zu beenden, das eng mit dem Iran und Russland verbündet ist.
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Strategische Notwendigkeit („Der Feind meines Feindes“): Trotz Jolanis Terrorvergangenheit (frühere Al-Qaida-Verbindungen) und der Einstufung seiner Gruppe als terroristisch, wurde er als das „kleinere Übel“ oder als notwendiger Partner angesehen, um ein Machtvakuum zu verhindern.
Diese Sichtweise und Politik wird auf lange Sicht sowohl ihnen selbst als auch ihrem NATO-Verbündeten, unserem Herkunftsland Türkei, großen Schaden zufügen.
Der Westen, und insbesondere dieses Land, Deutschland, hätte zum Massaker an den Aleviten in syrischen Städten wie Hama, Latakia und Tartus nicht schweigen dürfen. Man hätte die AKP-Regierung unter Druck setzen müssen, humanitäre Korridore zu öffnen und alevitische Familien in ihren Städten aufzunehmen, um ihnen zu helfen. Doch nichts dergleichen geschah. Während die Türkei mindestens 5 Millionen Syrer aufnahm, verschloss sie die Augen vor dem Leid der verfolgten Aleviten in jenen Regionen. Alevitische Jugendliche, Mädchen und Frauen wurden aus ihren Häusern oder von ihren Arbeitsplätzen entführt, vergewaltigt, in die Berge verschleppt und ohne Gerichtsverfahren hingerichtet.
Jolani kann darüber nicht unwissend sein. Wie können Sie diesen Mann so hofieren und ihn hier mit dem roten Teppich empfangen, o ihr westlichen Machthaber?
Wir wissen: Sie wollen Aufträge beim Wiederaufbau Syriens ergattern, ihnen erneut Waffen verkaufen und vielleicht die später hierhergekommenen Syrer aus Eigeninteresse zurückschicken. Aber Sie dürfen dieses Drama und diese Tyrannei nicht ignorieren.
Es hieß: „Assad ist weg, die HTS ist da, Syrien ist befreit.“ Doch in Wahrheit ist alles viel schlimmer geworden. Der IS-Überbleibsel Jolani, der sich nun Ahmed al-Sharaa nennt, hat nach seiner Machtübernahme mit Methoden, die schlimmer als die der Nazis sind, einen Völkermord an den Nusairiern/Aleviten begonnen. Das dschihadistisch-faschistische Regime setzt das Massaker an den Aleviten in Syrien fort. Frauen werden entführt und versklavt. Menschen werden aus purer Lust getötet. Leider gibt es unter dieser Grausamkeit auch zahlreiche kindliche Opfer.
Diese Mörder haben im letzten Jahr Tausende unbewaffnete, wehrlose und unschuldige alevitische Menschen massakriert. Diesem Unrecht Einhalt zu gebieten, ist die Pflicht eines jeden Menschen mit Gewissen, ungeachtet seiner Herkunft, Religion oder Konfession. Angesichts dieser drohenden Gefahr haben die Aleviten und ihre demokratischen Freunde keine andere Wahl, als sich zu vereinen.
Daher rufen wir alle demokratischen Institutionen, Politiker, die Zivilgesellschaft und die demokratischen Kreise in Deutschland und der Türkei dazu auf, sensibler und entschlossener zu sein. Verschließen wir nicht die Augen vor denen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen; lassen Sie uns überall reagieren.
Das größte Problem der Menschheit ist das Böse, die Gemeinheit und die Unwissenheit. Unsere Welt hat sich in einen abscheulichen Planeten verwandelt, weil die Bösen regieren. Es ist möglich, uns vom Bösen zu befreien – vorausgesetzt, wir schauen nicht tatenlos zu. Lasst uns gemeinsam kämpfen.