Von: Isa Turan / Schweden
Wenn Fetischismus und organisierte Unwissenheit aufeinandertreffen, entsteht nicht nur ein bloßer Irrtum; es entsteht ein Verständnis, das sich in eine gefährliche gesellschaftliche Macht verwandeln kann. Fanatismus ist im Kern der Feind der Vernunft und des Hinterfragens. Wenn er dem Falschen dient, ist er zerstörerisch; selbst wenn er gelegentlich auf der Seite einer gerechten Sache steht, bleibt er dennoch abstoßend, da er nicht auf dem Denken, sondern auf blinder Ergebenheit beruht. Denn das Ziel des Fanatikers ist nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern die Verabsolutierung des eigenen Glaubens. Er denkt nicht; er glaubt. Er hinterfragt nicht; er unterwirft sich.
Das Wesen des Sports besteht aus Disziplin, Anstrengung, technischer Meisterschaft, Solidarität und der Freude am Spiel selbst. Doch wenn der Sport, insbesondere der Fußball, von diesen Grundwerten entfremdet wird, kann er zu einer Art Droge werden. Er verwandelt sich in ein Spektakel, das die Menschen von ihren realen Problemen ablenkt und ihren Zorn, ihre Enttäuschungen und ihre Hilflosigkeit vorübergehend unterdrückt. So werden die Tribünen zu riesigen Schauplätzen, auf denen sich der in der Gesellschaft angestaute Zorn, Schmerz und die Verzweiflung entladen.
Die Zugehörigkeit, die durch fanatische Anhängerschaft entsteht, beruht meist nicht auf gemeinsamen Werten oder echter menschlicher Solidarität. Oft basiert sie auf dem Bedürfnis, einen gemeinsamen Feind zu erschaffen. Das „Wir-Gefühl“ gewinnt an Stärke, je schärfer „die Anderen“ definiert werden. Der Rivale ist dann kein Mensch mehr; er wird zu einem Symbol, das verachtet, gehasst oder vernichtet werden muss. So stellt sich der verbindende Aspekt des Sports in den Dienst der ältesten Stammesinstinkte des Menschen.
Diese Psychologie ist unschwer zu verstehen. Die Masse kann dem Einzelnen ein Gefühl von Bedeutung und Sinn verleihen, das er in seinem eigenen Leben nicht findet. Wer sich allein schwach fühlt, spürt in der Menge Stärke. Wer sich für unbedeutend hält, kann sich durch die Euphorie der Masse für etwas Besonderes halten. Die Siege der Mannschaft werden als persönliche Erfolge erlebt; die Größe des Teams wird mit dem eigenen Selbstwert verwechselt. So hört das Fantum auf, ein bloßes Interesse zu sein, und wird zu einer Ersatzidentität für die individuelle Persönlichkeit.
Das größte Versprechen des Fanatismus ist es, dem Einzelnen ein Gefühl der Überlegenheit zu vermitteln, das er nicht durch eigene Anstrengung erlangt hat. Der Mensch beginnt, sich allein aufgrund der Gruppe, der er angehört, als wertvoller, wichtiger oder überlegener zu sehen. Dieses Gefühl kann an eine Mannschaft, eine Nation, eine Ideologie oder eine andere kollektive Identität geknüpft sein. Die Symbole und Formen mögen sich ändern, doch der grundlegende Mechanismus bleibt derselbe: Anstatt den eigenen Wert durch Charakter und Verhalten aufzubauen, versucht der Mensch, ihn von der Größe der Gruppe zu borgen.
Doch der Wert des freien Menschen entspringt nicht den Parolen der Menge, sondern dem eigenen Charakter und der inneren Integrität. Unabhängig denken zu können, zu hinterfragen und im Bedarfsfall die eigene Gemeinschaft kritisieren zu können, ist das wesentliche Merkmal, das das freie Individuum vom Fanatiker unterscheidet. Nur unter dieser Bedingung kann der Sport seine wahre Bedeutung finden: eine Quelle der Freude, der Entwicklung und der aufrichtigen Solidarität zu sein.
Andernfalls hört Fußball auf, ein Spiel zu sein; er wird zu einer Zeremonie, in der sich Menschen von sich selbst entfremden und nach Sinn suchen, indem sie ihren eigenen Wert über die Abwertung anderer definieren. Die Ästhetik und der Geist des Spiels gehen verloren; was bleibt, ist lediglich der Rausch der Zugehörigkeit.