Von: Spiegel
In Berlin und Frankfurt am Main sind Tausende gegen das Regime in Iran auf die Straße gegangen. Auch US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen meldeten sich zu Wort.
Die Massenproteste in Iran haben auch Menschen in Berlin auf die Straße gebracht. Rund 1400 Menschen haben sich nach Polizeiangaben an einer Demonstration vom Kurfürstendamm zum Adenauerplatz beteiligt. Am Wittenbergplatz hätten sich rund 300 Menschen versammelt. Auch in Frankfurt am Main gingen nach Angaben der Polizei rund 1300 Menschen auf die Straße.
Mit Flaggen und Plakaten solidarisierten sich Demonstranten in Berlin mit den Protesten in Iran, wo es seit etwa zwei Wochen in mehreren Städten zu Aufmärschen gegen die Regierung kommt. Am Kurfürstendamm hielten mehrere das Bild von Reza Pahlavi hoch, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Auf Plakaten stand zum Beispiel »Democracy just with Pahlavi«. Aus seinem Exil in den USA heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der Opposition.
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Pahlavi rief auf der Plattform X zu landesweiten Streiks in Iran auf: Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen. Ziel sei es, die finanziellen Lebensadern zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die Knie zu zwingen. Zudem bat er US-Präsident Donald Trump um Unterstützung der Proteste.
Trump selbst äußerte sich auf seiner Plattform Truth Social: »Iran schaut auf die Freiheit, vielleicht wie nie zuvor. Die USA stehen bereit zu helfen!«, schrieb der US-Präsident. Konkrete Maßnahmen nannte er nicht.
Ein hochrangiger US-Geheimdienstmitarbeiter beschrieb die Lage in Iran als Ausdauerkampf. Die Opposition versuche, den Druck aufrechtzuerhalten, bis wichtige Regierungsvertreter entweder fliehen oder die Seiten wechseln. Die Behörden hingegen versuchten, genug Angst zu verbreiten, um die Straßen zu räumen, ohne den USA einen Grund zum Eingreifen zu geben, sagte der Beamte.
Internet bleibt den dritten Tag in Folge gesperrt
Auch die EU steht nach den Worten von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen »voll« hinter den Demonstranten in Iran. »Wir verurteilen klar die gewaltsame Unterdrückung dieser rechtmäßigen Demonstrationen«, erklärte von der Leyen auf X. In Iran haben sich die seit rund zwei Wochen andauernden Demonstrationen zu landesweiten Massenprotesten gegen die Führung in Teheran ausgeweitet.
Die Straßen von Teheran und Städten weltweit hallen von den Schritten der iranischen Frauen und Männer wider, die Freiheit verlangen«, erklärte von der Leyen. »Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit und vor allem die Freiheit, frei zu leben. Europa steht voll hinter ihnen«, so die EU-Kommissionschefin.
Mittlerweile blockiert die iranische Führung das Internet den dritten Tag in Folge. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtete auf X, dass die Internetsperre inzwischen länger als 48 Stunden andauere. Während die Machthaber weiterhin ihre Version der Ereignisse online verbreiteten, würden die Stimmen von 90 Millionen Menschen zum Schweigen gebracht, hieß es weiter.