• Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Fremdeninfo
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Fremdeninfo
Fremden Info
Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Flüchtlinge

Die in Europa gestellten Asylanträge sind deutlich weniger geworden. In Deutschland wird...

3 März 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Migrationswende mit GEAS: Das ändert sich jetzt für Asylbewerber

27 Februar 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Ausreisepflichtige: Poseck verteidigt Handyortung: „Vereinbar mit EU-Recht“

26 Februar 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Migrantenboot kollidiert mit Küstenwache vor griechischer Insel – Polizei spricht von 14...

4 Februar 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Asylbewerber nach Angriff auf Sozialarbeiter abgeschoben

28 Januar 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Neue Wohnsitzauflage für Migranten sorgt für Kritik

20 Januar 2026 0 Kommentare
ölokiz.png
Flüchtlinge

Dobrindts Migrationspolitik: Das will die Regierung diese Woche erreichen

von Fremdeninfo 7 Juli 2025
von Fremdeninfo

Dobrindts Migrationspolitik: Das will die Regierung diese Woche erreichen

                        Artikel von Julia Naue / T-Online

Sichere Herkunftsstaaten

Das ist der Stand bei Dobrindts Migrationswende

        

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU): Er ist für die Migrationspolitik zuständig. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Die schwarz-rote Bundesregierung drückt bei der Migrationspolitik aufs Tempo. Diese Woche werden in Berlin wichtige Weichen gestellt. Die Linke wirft der Regierung bei einem zentralen Vorhaben „autoritäre Migrationspolitik durch die Hintertür“ vor.

Nichts Geringeres als eine Wende in der Migrationspolitik hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) versprochen. Und schon in den ersten Wochen nach Amtsantritt verlor der neue Minister keine Zeit, seine Vorhaben voranzutreiben. Ende dieser Woche geht der Bundestag in die Sommerpause, doch zuvor steht noch der erste Schritt im Parlament für einen umstrittenen Plan der schwarz-roten Regierung im Parlament an. Die Opposition übt scharfe Kritik.

Sichere Herkunftsstaaten

Die Bundesregierung will, dass es künftig leichter wird, Länder als sichere Herkunftsstaaten einzustufen. Sie möchte so Abschiebungen in Staaten, die sie als sicher bewertet, vereinfachen und beschleunigen, wie sie sagt. Wenn die Regierung bislang ein Land als sicher einstufen will, müssen eigentlich Bundestag und Bundesrat zustimmen.

Künftig soll dies allerdings per sogenannter Rechtsverordnung möglich sein. Was sperrig klingt, bedeutet konkret: Der Bundesrat muss nicht mehr zustimmen. In der Vergangenheit haben Bundesländer mit Regierungsbeteiligung von Grünen und Linken derartige Vorhaben blockiert. Das Kabinett hatte den Gesetzesentwurf Anfang Juni beschlossen, nun soll sich ab Donnerstag der Bundestag damit befassen.

Die Flüchtlingsrechteorganisation Pro Asyl wertete das Vorgehen der Regierung als „verfassungsrechtlich höchst problematisch“. Die Bundesregierung argumentiert, dass die Zustimmung des Bundesrats nicht nötig sei, weil ihr Vorgehen sich nicht auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf Asyl für politisch Verfolgte beziehe, sondern auf eine Form des internationalen Schutzes: den sogenannten subsidiären Schutz. Der von der Koalition beschlossene Gesetzesentwurf soll außerdem die verpflichtende Bestellung eines Rechtsbeistands bei Abschiebungshaft und Ausreisegewahrsam abschaffen.

Um welche Länder es bei den neuen sicheren Herkunftsstaaten nun konkret gehen soll, steht auch schon fest: Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart: „Wir beginnen mit der Einstufung von Algerien, Indien, Marokko und Tunesien.“ Das wäre dann aber erst der nächste Schritt, darum geht es diese Woche erst einmal nicht.

Auch aus der Opposition gibt es deutliche Kritik an den Plänen der Regierung. „Die Bundesregierung schlägt einen Kurs ein, den wir aus anderen Teilen der Welt mit Sorge beobachten: Wenn Verfahren ausgehöhlt, das Grundgesetz umgangen und Anwälte für Schutzsuchende gestrichen werden, sind das keine Einzelfälle, sondern Muster“, teilte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Marcel Emmerich, t-online mit. Die Bundesregierung umgehe das Grundgesetz, Emmerich wirft ihr „populistische Symbolpolitik auf Kosten der Menschenwürde“ vor.

                            kijuhzt.png

                                Grünen-Politiker Marcel Emmerich: Er kritisiert die Bundesregierung scharf (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Ähnlich äußerte sich die Linke. „Der Gesetzentwurf ist ein Frontalangriff auf den Rechtsstaat“, teilte Clara Bünger, innen- und fluchtpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, t-online mit. „Das Konzept der angeblich sicheren Herkunftsstaaten lehnen wir grundsätzlich ab, denn es stigmatisiert Asylsuchende aus den betroffenen Ländern.“ Das aktuelle Vorhaben der Bundesregierung sei „autoritäre Migrationspolitik durch die Hintertür“, so Bünger.

                                       okijuz.png

                                              Clara Bünger: Sie ist fluchpolitische Sprecherin der Linken. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Familiennachzug

Bei weiteren migrationspolitischen Vorhaben ist diese Woche der Bundesrat am Zug. Ende Juni hat der Bundestag die zweijährige Aussetzung des Familiennachzugs für Geflüchtete mit eingeschränktem Schutzstatus beschlossen. Dabei geht es um sogenannte subsidiär Schutzberechtigte – sie können sich nicht auf das Grundrecht auf Asyl berufen, ihnen könnte aber im Herkunftsland ein ernsthafter Schaden drohen. Deshalb dürfen sie auch ohne vollen Asylstatus vorerst Deutschland bleiben. Am Freitag befasst sich der Bundesrat mit dem Entwurf. Das Gesetz bedarf zwar nicht der Zustimmung des Bundesrats, aber dieser könnte einen Vermittlungsausschuss anrufen.

Der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte ist aktuell schon limitiert. Ehepartner, minderjährige Kinder und Eltern konnten bisher aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Die Zahl der entsprechenden Visa ist aber auf 1.000 pro Monat beschränkt. Nun soll es nur noch Ausnahmen für Härtefälle geben. Diese Aussetzung des Familiennachzugs betrifft vor allem Menschen aus Syrien.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) begründete das Vorhaben damit, dass die Betroffenen ohnehin keine Aussichten auf langfristige Bleibeperspektive hätten. Das neue Gesetz stelle sicher, dass „jedes Jahr 12.000 Personen weniger nach Deutschland kommen können“. Während sich auch der Koalitionspartner SPD mit den Plänen schwertat, gab es scharfe Kritik von Linken und Grünen an dem Vorhaben. Auch die Kirchen in Deutschland äußerten sich ablehnend. Der AfD hingehend sind die Maßnahmen der Bundesregierung nicht weitreichend genug.

Staatsangehörigkeit

Vor einem Jahr hatte die Ampel beschlossen, dass besonders gut integrierte Ausländer bereits nach drei Jahren deutsche Staatsbürger werden können. Die Union kritisierte dies damals wie heute als sogenannte Turbo-Einbürgerung – und will diesen Teil der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts jetzt wieder rückgängig machen. Die Bundesregierung plant, die Wartezeit wieder auf fünf Jahre hochzusetzen. Der Bundestag hatte Ende Juni darüber beraten, nun steht das Vorhaben diese Woche auf der Tagesordnung des Bundesrats. Auch hier muss der Bundesrat nicht zustimmen, damit es in Kraft treten kann – er kann aber Einspruch einlegen.

Dobrindt hatte die schnellere Einbürgerung als „Irrweg“ bezeichnet. Im Koalitionsvertrag hieß es bereits: „Wir schaffen die ‚Turbo-Einbürgerung‘ nach drei Jahren ab.“ Gleichzeitig wurde aber betont: „Darüber hinaus halten wir an der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts fest.“ Das heißt, auch weiterhin dürfen Menschen, welche die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, grundsätzlich ihre bisherige behalten. Zuvor war es so, dass viele Menschen ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben mussten, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Ausnahmen mussten detailliert begründet werden.

Verwendete Quellen:

  • Eigene Recherchen
  • Stellungnahme Pro Asyl
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
7 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
lokiju.png
Flüchtlinge

Migrationswende? Deutlich weniger Asylanträge als im Vorjahr

von Fremdeninfo 6 Juli 2025
von Fremdeninfo

Migrationswende? Deutlich weniger Asylanträge als im Vorjahr

                Artikel von AFP/maw Berliner Zeitung 

                     

                            Die Zahl der Erstanträge auf Asyl fiel im Juni um 59 Prozent im Vergleich zu dem Vorjahreswert. © Boris Roessler/dpa

Die Zahl der Erstanträge auf Asyl in Deutschland ist im Juni auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gesunken. Wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte, lag die Zahl mit weniger als 7000 Anträgen um 59 Prozent unter der des gleichen Monats des Vorjahres. Im Vergleich zum Juni 2023 betrug der Rückgang demnach sogar rund 70 Prozent.

In der Bild-Zeitung hieß es zudem unter Berufung auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Zahl der Erstanträge auf Asyl in Deutschland habe im ersten Halbjahr 2025 bei 61.300 gelegen. Der Monatsstand im Juni war demnach der niedrigste seit März 2013.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht durch die neuen Zahlen seinen Kurs in der Migrationspolitik bestätigt. „Das sind deutliche Erfolge der Migrationswende. Wir gehen den Weg, die Migration wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen, konsequent weiter“, sagte er dem Blatt. Den Bamf-Statistiken zufolge setzte der Rückgang allerdings bereits vor dem Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung ein.

Die Welt am Sonntag berichtete indes unter Berufung auf eine andere Statistik der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA), wonach in Deutschland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt 65.495 Asylanträge gestellt wurden. Dies ist ein Rückgang von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Damit war Deutschland erstmals seit Jahren bei den Asylanträgen in den ersten sechs Monaten eines Kalenderjahres nicht mehr Spitzenreiter in Europa: In Spanien beantragten in dem Zeitraum laut dem Bericht 76.020 Menschen Schutz, in Frankreich waren es 75.428. Deutschland liegt an dritter Stelle, gefolgt von Italien mit 62.534, Griechenland mit 27.718 und Belgien mit 17.285 Asylanträgen. Die Schlusslichter sind Ungarn mit 47 Asylanträgen, die Slowakei mit 84 und Litauen mit 152.

Die meisten Asylantragsstellerinnen und Antragsteller in Deutschland kamen den Angaben zufolge aus Afghanistan (22 Prozent), Syrien (20 Prozent) und der Türkei (elf Prozent). 3,1 Prozent der Antragsstellerinnen und Antragsteller – und damit die fünftgrößte Gruppe in Deutschland – kamen aus Russland.

Laut dem EU-Bericht stellten zwischen Anfang Januar und Ende Juni insgesamt 388.299 Menschen in den Ländern der Europäischen Union plus Norwegen und der Schweiz einen Asylantrag. Das entspricht einem Rückgang um 23 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024. Die meisten Schutzsuchenden in der EU kamen aus Venezuela (48.413), Afghanistan (41.127) und Syrien (23.307).

Die AfD beschloss auf ihrer Fraktionsklausur ein Positionspapier, in dem ein genereller Stopp „unberechtigter Einreisen“ von Asylsuchenden verlangt wird. Auch Ansprüche auf Einbürgerung für Migrantinnen und Migranten will die AfD demnach abschaffen.

Die CDU-Europaabgeordnete Lena Düpont führte den Rückgang der Zahl der Asylanträge weniger auf die seit 2024 deutlich verschärften Grenzkontrollen als auf andere Faktoren zurück. „Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Zahlen sind – neben saisonalen Effekten und einer verstärkten Kooperation zwischen Drittstaaten und der EU-Grenzschutzbehörde Frontex – die Partnerschaftsabkommen mit wichtigen nordafrikanischen Ländern“, sagte sie der WamS

6 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Der Nahost-Konflikt in deutschen Schulen: Woran denkst du, wenn du „Gaza“ hörst?

von Cumali Yağmur 6 Juli 2025
von Cumali Yağmur

Der Nahost-Konflikt in deutschen Schulen: Woran denkst du, wenn du „Gaza“ hörst?

             Von: Dtj

Wie lässt sich der Nahost-Konflikt in Schulen sachlich, empathisch, ohne Polarisierung und Schuldzuweisungen behandeln? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der neulich Berlin-Mitte-Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger eingeladen hatte. Daran nahmen rund 50 überwiegend pädagogische Fachkräfte teil.

Im Fokus des Abends in Wedding stand das Buch „Trialog – Wie wir über Israel und Palästina sprechen“, geschrieben von Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann. Hassoun ist Deutsch-Palästinenserin und als kleines Kind mit ihrer Familie aus dem Libanon nach Deutschland geflohen. Sie arbeitet seit über 15 Jahren als politische Bildnerin. Shai Hoffmann, ein deutscher Jude mit israelischen Wurzeln, ist Sozialunternehmer und Aktivist. In einer Zeit, in der der Krieg im Nahen Osten teils verschwiegen wird und stark polarisiert, haben die beiden Autoren gemeinsam das Buch verfasst und stehen für Toleranz sowie einen offenen Umgang mit dem Thema.

„Brave Space“: Raum für Ambiguität und Empathie schaffen

Hassoun und Hoffmann sind selbst von dem Konflikt betroffen und arbeiten nach dem von ihnen entwickelten Konzept „Trialog“. Es zielt darauf ab, Schülerinnen und Schülern aus geschlossenen Wahrnehmungsräumen herauszuholen und ihnen zu ermöglichen, verschiedene Perspektiven auszusprechen sowie auszuhalten. Die beiden setzen auf Biographiearbeit, emotionale Reflexion und Vertrauen: Die Veranstaltungen beginnen stets mit einer Vorstellungsrunde und der Vereinbarung, einen „Brave Space“ zu schaffen – einen geschützten Raum, in dem alle Perspektiven willkommen sind. „Wenn wir dieses Thema nicht in der Schule behandeln, holen sich die Jugendlichen ihre Informationen aus den sozialen Medien, etwa von TikTok“, warnt Hassoun. Dort dominierten häufig vereinfachte, einseitige oder gar radikale Narrative. Sie spricht von einer zunehmenden emotionalen Betroffenheit und Radikalisierung, die sich auch in Klassenzimmern zeige. „Uns geht es darum, Räume zu schaffen, in denen auf Augenhöhe debattiert und unterschiedliche Sichtweisen gleichberechtigt gehört werden“, sagt sie.

Zuhören, einordnen, Emotionen zulassen

Hoffmann betont die Notwendigkeit, Ambiguitätstoleranz und Empathie zu fördern. „Was für Juden die Erlösung ist, ist für Palästinenser die Katastrophe – und umgekehrt“, so Hoffmann. Als Beispiel nennt er den Zionismus. Aus Sicht von vielen Juden ist diese Ideologie eine Erlösung, weil sie nach der Shoa die Gründung eines eigenen Staates ermöglicht hat. Aus Sicht von Palästinensern ist sie hingegen eine Katastrophe, da sie Vertreibung, Heimatverlust und Leid zur Folge hat: „Diese Gleichzeitigkeit und Parallelität von Erfahrungen und Deutungen muss ausgehalten werden.“

 

Totschweigen ist keine Lösung

Hoffmann kritisiert, dass das Thema fast an allen deutschen Schulen „totgeschwiegen“ werde – obwohl es viele Lernende direkt betreffe. Und das nicht nur jene mit arabischen Wurzeln: Die Antwort von Hassoun und Hoffman: „Das ist der falsche Weg. Wir müssen zuhören, eigene Erfahrungen teilen und so Wege für gegenseitiges Verständnis öffnen.“

Beide Autoren lasen an jenem Abend Auszüge aus ihrem Buch und traten mit den Teilnehmenden in den Dialog. Obwohl auch die muslimischen Gemeinden zu der Veranstaltung eingeladen waren, waren sie kaum vertreten. Dabei ging es neben Zionismus und Nahda um Menschenrechte, Doppelmoral und auch um die Rolle Deutschlands als Waffenlieferant Israels. Deutschland mache sich mitschuldig, sagt Hassoun. Hoffman ergänzt: „Deutschland ist in der Lage den Krieg zu beenden.“ Vor allem ging es aber um die Frage, wie politisch-pädagogische Arbeit zu diesem Thema gelingen kann, ohne Vorurteile zu verstärken oder einzelne Gruppen zu stigmatisieren.

Eine Frage der Haltung

Hassoun kritisiert, dass es fast allen Entscheidungsträgern an Haltung fehle. „Die Art, wie dieses Thema in der Öffentlichkeit behandelt wird, entfremdet viele Migrant:innen sowohl von demokratischen Werten, insbesondere aber von der vierten Gewalt“, so Hassoun und meint damit die Medien. Neben einer authentischen Haltung fehle es an einer klaren Position im Sinne der Menschenrechte und des Völkerrechts – ohne doppelte Standards. Auch auf Seiten der Politik sei zu beobachten, dass echte und ehrliche Auseinandersetzung oft ausbleibe.

Die Lesung und Diskussion in Berlin-Wedding machte deutlich: Schülerinnen und Schüler brauchen Räume, in denen sie ihre Perspektiven einbringen dürfen – aber auch lernen, andere Perspektiven auszuhalten. Genau diesen Raum bietet der Trialog. Ein Modell, das Schule machen sollte. Wer sich für das Projekt der beiden Autorinnen interessiert, erfährt hier mehr.

6 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Flüchtlinge

Migrationspolitik: Deutschland nicht mehr Hauptziel für Asylsuchende

von Cumali Yağmur 6 Juli 2025
von Cumali Yağmur

Migrationspolitik: Deutschland nicht mehr Hauptziel für Asylsuchende

                      Artikel von Nela Heidner

Einem Bericht zufolge ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich gesunken. Zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni wurden laut „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf bislang unveröffentlichte Daten der EU-Asylagentur (EUAA) insgesamt 65.495 Anträge gestellt – ein Rückgang von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Nach Angaben der BILD-Zeitung wurden im ersten Halbjahr 2025 in Deutschland lediglich 61.300 Erstanträge auf Asyl gestellt. Im Juni lag die Zahl der neuen Anträge bei unter 7.000 – ein Rückgang von 60 Prozent gegenüber dem Juni 2024 und 70 Prozent im Vergleich zum Juni 2023. Damit wurde der niedrigste Monatswert seit März 2013 erreicht. Auch wenn die Zahlen der beiden Publikationen leicht voneinander abweichen – der rückläufige Trend ist nicht zu übersehen.

Erstmals seit Jahren verzeichnet Deutschland somit nicht die höchste Zahl an Asylanträgen innerhalb Europas.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wertet die Zahlen als Bestätigung seines migrationspolitischen Kurses. Gegenüber der BILD sprach er von „deutlichen Erfolgen der Migrationswende“ und betonte, man verfolge konsequent das Ziel, die Migration „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen.

Auch die CDU-Europaabgeordnete und Migrationsexpertin Lena Düpont sieht in den Rückgängen einen Erfolg gezielter Maßnahmen. In der Welt am Sonntag verwies sie neben saisonalen Effekten und der intensiveren Zusammenarbeit zwischen Drittstaaten und der EU-Grenzschutzagentur Frontex insbesondere auf die Partnerschaftsabkommen mit zentralen nordafrikanischen Staaten als wesentlichen Faktor.

Europaweite Zahlen

Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Spanien 76.020 Schutzgesuche registriert, in Frankreich 75.428. Deutschland folgt mit 65.495 Anträgen auf Platz drei, gefolgt von Italien (62.534), Griechenland (27.718) und Belgien (17.285). Schlusslichter sind Ungarn (47), die Slowakei (84) und Litauen (152).

Herkunftsländer der Asylsuchenden in Deutschland und Europa

In Deutschland stammte der Großteil der Asylantragsteller laut dem Bericht aus Afghanistan (22 Prozent), Syrien (20 Prozent) und der Türkei (11 Prozent). Die fünftgrößte Gruppe bildeten Antragsteller aus Russland mit einem Anteil von 3,1 Prozent.

Insgesamt beantragten zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2025 rund 388.299 Menschen in den EU-Staaten sowie in Norwegen und der Schweiz Asyl. Das ist ein Rückgang von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Europavergleich kamen die meisten Asylsuchenden aus Venezuela (48.413), Afghanistan (41.127) und Syrien (23.307).

6 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
mkjihzt.png
Flüchtlinge

Verschärfte Asylpolitik: Nur wenige Klagen gegen Zurückweisungen an deutscher Grenze

von Fremdeninfo 6 Juli 2025
von Fremdeninfo

Verschärfte Asylpolitik: Nur wenige Klagen gegen Zurückweisungen an deutscher Grenze

                                   Artikel von AFP

                              

                         

In den ersten zwei Monaten der von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) eingeführten verschärften Grenzkontrollen hat es nur wenige Klagen von Asylsuchenden gegeben. Insgesamt gibt es erst sechs Klagen. © Michaela STACH

In den ersten zwei Monaten der von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) eingeführten verschärften Grenzkontrollen hat es nur wenige Klagen von Asylsuchenden gegeben. Insgesamt gibt es erst sechs Klagen, wie der „Stern“ am Sonntag unter Berufung auf eine von dem Magazin gestellte Anfrage ans Innenministerium berichtete

Im Mai hatten drei Somalier mit Hilfe der Organisation Pro Asyl erfolgreich gegen ihre Zurückweisung an der deutschen Grenze vor dem Verwaltungsgericht Berlin geklagt. Dazu sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dem „Stern“: „Es sind zum jetzigen Zeitpunkt drei weitere gerichtliche Verfahren im Zusammenhang mit der Zurückweisung von Asylsuchenden anhängig.“

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte damals unter anderem eine zu schlechte Begründung der Zurückweisungen angemahnt. Dobrindt hatte danach Nachbesserungen versprochen. Diese will das Ministerium aber erst vor Gericht liefern, wie ein Sprecher dem „Stern“ weiter sagte. 

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm, sagte dem Magazin: „In unserem Rechtsstaat ist es selbstverständlich, dass Gerichte angerufen werden können.“ Dies sei bei den Zurückweisungen zu erwarten gewesen. „Es handelt sich aber um eine grundsätzliche europarechtliche Frage, die dann auch nur vom Europäischen Gerichtshof geklärt werden kann“, sagte Throm.

Pro-Asyl-Geschäftsführer Karl Kopp hatte am Freitag im Berliner „Tagesspiegel“ gesagt, ob der Fall der Somalier weiter an den Europäischen Gerichtshof gehe, hänge allein von der Betroffenen ab. Parallel habe Pro Asyl jedoch einen Appell an die EU-Kommission gerichtet, damit ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wird.

Konstantin von Notz, Vize-Fraktionschef der Grünen, kritisierte das Innenministerium im „Stern“: „Bis heute kann das federführende Haus maßgebliche Fragen nicht beantworten.“ Dessen Rechtsauffassung sei „abwegig“, sagte von Notz. „Mit Nachdruck fordern wir Innenminister Dobrindt noch einmal dazu auf, von den Zurückweisungen Abstand zu nehmen und die versprochenen, längst überfälligen Begründungen der Maßnahmen nachzuliefern“, fügte er hinzu.  

Pro-Asyl-Geschäftsführer Karl Kopp hatte am Freitag im Berliner „Tagesspiegel“ gesagt, ob der Fall der Somalier weiter an den Europäischen Gerichtshof gehe, hänge allein von der Betroffenen ab. Parallel habe Pro Asyl jedoch einen Appell an die EU-Kommission gerichtet, damit ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wird.

Konstantin von Notz, Vize-Fraktionschef der Grünen, kritisierte das Innenministerium im „Stern“: „Bis heute kann das federführende Haus maßgebliche Fragen nicht beantworten.“ Dessen Rechtsauffassung sei „abwegig“, sagte von Notz. „Mit Nachdruck fordern wir Innenminister Dobrindt noch einmal dazu auf, von den Zurückweisungen Abstand zu nehmen und die versprochenen, längst überfälligen Begründungen der Maßnahmen nachzuliefern“, fügte er hinzu

6 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Ich kenne ihn seit Jahren – und bin überzeugt: Er gehört zu den besten Journalisten, die die Türkei je hervorgebracht hat

von Cumali Yağmur 6 Juli 2025
von Cumali Yağmur

 

Ich kenne ihn seit Jahren – und bin überzeugt: Er gehört zu den besten Journalisten, die die Türkei je hervorgebracht hat

                              Von Kemil Taylan  (Journalist in Frankfurt Main)

 

 

                                      

 

 

Kamil Taylan ( Journalist in Frankfurt Main )

 ·

Ich kenne ihn seit Jahren – und bin überzeugt: Er gehört zu den besten Journalisten, die die Türkei je hervorgebracht hat. Heute aber wurde er verhaftet. In einem Café, mitten in Istanbul. Nicht still und heimlich, sondern auf Geheiß des „Kettenhundes“ von Erdoğan – so wird der Generalstaatsanwalt von Istanbul mittlerweile genannt.

Der Journalist heißt Timur Soykan. Ein Mann, der nie schwieg, wenn andere sich duckten. Auf seinem Account, der den Namen „X“ trägt, schrieb er kurz zuvor:

„Das Regime sagt dem Volk: Es ist nicht mehr wichtig, ob ihr an unsere Märchen glaubt. Ihr habt keine Wahl. Ihr seid unsere Gefangenen. Entweder ihr werdet zu Sklaven – oder ihr erhebt euch und verteidigt eure Rechte, eure Freiheit, euer Land.“

Und weiter:

„Der Putsch geht weiter. Der Wille des Volkes wird unterdrückt. Wahlen haben keine Bedeutung mehr.“

Diese Worte reichten aus, um ihn zur Zielscheibe zu machen. Nach Behördenangaben steht nun fest: Die Beiträge stammen tatsächlich von Soykan. Die Konsequenz? Ein Ermittlungsverfahren wegen „öffentlicher Verbreitung irreführender Informationen“ gemäß Artikel 217/A des türkischen Strafgesetzbuches – ein Gummiparagraf, mit dem das Regime seine Kritiker zum Schweigen bringt.

Am 5. Juli 2025, um 18:00 Uhr, wurde Timur Soykan in der Cumhuriyet Caddesi im Istanbuler Bezirk Beyoğlu festgenommen.

6 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Zwischenruf zur Berliner Debatte: Warum dürfen Muslime nicht einfach auch Schutz verdienen?

von Cumali Yağmur 5 Juli 2025
von Cumali Yağmur

Zwischenruf zur Berliner Debatte: Warum dürfen Muslime nicht einfach auch Schutz verdienen?

Von Dtj

 

Die Kritik an der Berliner Sozialsenatorin Cansel Kızıltepe zeigt einmal mehr, wie schwer sich deutsche Politik und Medienöffentlichkeit mit dem Thema antimuslimischer Rassismus tun. Anstatt die Ankündigung einer Ansprechperson für dieses Thema am internationalen Tag gegen antimuslimischen Rassismus zum Anlass zu nehmen, endlich strukturell etwas gegen die dokumentierte Benachteiligung und Feindlichkeit gegenüber Musliminnen und Muslimen zu tun, konzentriert sich die Diskussion auf politische Formalien, Parteitaktik und interne Abstimmungsprozesse.

Der Tonfall des WELT-Artikels, der den Vorstoß als „einsame Entscheidung“ und „Affront“ gegenüber der Koalition darstellt, lenkt von der eigentlichen Frage ab: Ist die Benennung einer Ansprechperson zur Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit in Berlin notwendig? Die Antwort kann – angesichts der Realität von Hanau, Halle, Solingen, Mölln oder der Ermordung von Marwa El-Sherbini – nur ein klares Ja sein. Und diese Notwendigkeit verdient mehr als politisches Klein-Klein.

Schon der Ton des Artikels von Thomas Schmoll lässt aufhorchen: Wenn davon die Rede ist, der Regierende Bürgermeister habe die Senatorin „zurückgepfiffen“, klingt das weniger nach sachlicher Analyse als nach inszenierter Bloßstellung. Eine Formulierung, die eine klare Visualisierung im Kopf der Leser:innen erzeugt – und vielleicht auch erzeugen soll.

Woher kommt diese intrinsische Motivation, Muslime gegen Juden auszuspielen?

Was besonders irritiert: die fast reflexhafte Relativierung. CDU-Vertreter argumentieren, Judenhass sei ein „drängenderes“ Problem. Doch warum dieses Bedürfnis, Minderheiten gegeneinander aufzuwiegen? Warum dieses politische Bedürfnis, zu vergleichen, wer mehr gelitten hat? Es ist eine gefährliche Dynamik, wenn Betroffene von Rassismus gegeneinander in Stellung gebracht werden.

Muslime in Deutschland erleben Diskriminierung im Bildungssystem, auf dem Wohnungsmarkt, im Arbeitsleben, in Behörden – und nicht selten auf der Straße. Dies anzuerkennen, bedeutet nicht, den Antisemitismus kleinzureden. Es bedeutet lediglich, das zu tun, was in einer vielfältigen Demokratie selbstverständlich sein sollte: Mehrere Formen von Diskriminierung gleichzeitig ernst zu nehmen.

Großer politischer Einsatz, um ein wichtiges Vorhaben „zurückzupfeiffen“

Der Vorwurf, der Posten sei im Alleingang und „hinter dem Rücken“ des Senats eingeführt worden, mag formal korrekt sein. Doch wer die Diskussion rein auf Verfahren verengt, ignoriert bewusst den eigentlichen Kern: Die politische und gesellschaftliche Relevanz des Vorhabens. Wenn Betroffene von antimuslimischem Rassismus endlich eine Ansprechperson erhalten sollen – eine, die über wissenschaftliche Qualifikation und Erfahrung verfügt –, dann verdient das Unterstützung, nicht Misstrauen.

Und ja, Demokratien leben vom Diskurs. Aber es ist einer Demokratie unwürdig, wenn Politikerinnen, die sich für Minderheiten einsetzen, sofort „zurückgepfiffen“, isoliert und öffentlich vorgeführt werden.

Muslime fühlen sich wieder und wieder vor den Kopf gestoßen

Der Berliner Senat, die CDU und auch Teile der SPD hätten die Chance nutzen können, ein Zeichen zu setzen. Stattdessen wurde eine wichtige Initiative öffentlich diskreditiert. Ein weiteres Signal an die muslimische Community, dass ihr Anliegen in der Prioritätenliste oft ganz unten steht.

Gleichzeitigkeit ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Reife. Wer Rassismus bekämpfen will, sollte das überall tun – nicht nur dort, wo es politisch bequem ist.

5 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
-ö.png
Flüchtlinge

Pro-Asyl-Geschäftsführer über die Folgen des Gerichtserfolgs gegen Dobrindts Grenzpolitik: „Der Grad an Härte und Hetze hat mich überrascht“

von Fremdeninfo 5 Juli 2025
von Fremdeninfo

Pro-Asyl-Geschäftsführer über die Folgen des Gerichtserfolgs gegen Dobrindts Grenzpolitik: „Der Grad an Härte und Hetze hat mich überrascht“

                          Artikel von Stefanie Witte/ T-Spiegel 

Unterstützt von Pro Asyl klagten drei Somalier erfolgreich gegen ihre Zurückweisung an der deutschen Grenze. In der Folge wurde der Organisation vieles vorgeworfen, etwa Hilfe beim illegalen Grenzübertritt. Geschäftsführer Karl Kopp wehrt sich.

                                        

Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) lässt an der Grenze zu Polen Einreisende weiter kontrollieren – und Asylsuchende zurückweisen. © Foto: IMAGO/Andy Bünning/IMAGO/Andy Buenning

Herr Kopp, drei Somalier haben vor einem Berliner Verwaltungsgericht Recht bekommen: Deutschland darf sie nicht direkt nach Polen zurückschicken, sondern muss ihre Asylgesuche prüfen. Pro Asyl hat die drei unterstützt. Wie kam der Kontakt zu ihrer Organisation zustande?

Zwei Mitarbeitende von Pro Asyl waren am 7. Mai Teil einer deutschen Delegation, an der auch Parlamentarierinnen teilgenommen haben. Dabei haben wir die jungen Flüchtlinge kennengelernt – unter ihnen die 16-Jährige, die aufgrund ihrer Verletzungen kaum noch laufen konnte. Sie wurden zuvor zweimal rechtswidrig zurückgewiesen. Gemeinsam mit polnischen Partnerorganisationen unterstützte Pro Asyl ihre medizinische Versorgung, Unterbringung und die rechtliche Vertretung in Polen und Deutschland.

Eine kleine polnische NGO hat die gravierenden Verletzungen der Minderjährigen behandeln lassen – die Folgen von Erfrierungen – und hat sie in einem Hotel untergebracht – mit Meldeauflagen der polnischen Grenzbehörden. Gleichzeitig wurde von unserer Partnerorganisation, Helsinki Foundation for Human Rights, geprüft, ob sie überhaupt einen Zugang zu einem Asylverfahren in Polen haben.

Polen gilt als Rechtsstaat – warum hat die polnische NGO nicht dafür gesorgt, dass das Verfahren in Polen ordnungsgemäß läuft?

Es drohte Abschiebungshaft oder gar die Abschiebung. Die drei Schutzsuchenden haben außerdem exzessive Gewalt an der polnisch-belarussischen Grenze erfahren. Deshalb war die Expertise unserer Partnerorganisation essenziell, um die traumatisierten Zurückgewiesenen zu schützen.

Wie kam dann der Kontakt zur deutschen Anwältin zustande?

Die renommierte Asylanwältin gehört zu dem Pool von Anwältinnen, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten. Sie hat die Vollmacht bei der Befragung der drei am 9. Mai durch die Bundespolizei bekommen und dann einen Asylantrag gestellt.

Wie kam es dann zum dritten Einreiseversuch? Der innenpolitische Sprecher der Union, Alexander Throm, hat Pro Asyl vorgeworfen, beim illegalen Grenzübertritt unterstützt zu haben. Haben Sie das getan?

Nein, das ist eine Falschbehauptung. Wir haben das glatte Gegenteil gemacht: Wir haben mit unserem menschenrechtlichen Ansatz der rechtlichen und humanitären Unterstützung in Polen und Deutschland – an der Seite der Betroffenen – wochenlang darum gekämpft, dass sie legal den deutschen Grenzübergang überqueren durften. Das Verwaltungsgericht Berlin hat in sehr grundsätzlichen Beschlüssen klipp und klar festgestellt, dass die Zurückweisung beim dritten Einreiseversuch europarechtswidrig war – eine krachende Niederlage für die Bundespolizei und das Bundesinnenministerium.

Als große und sehr erfahrene Organisation operieren wir ausschließlich legal und transparent. Wir haben mehr als 25.000 Mitglieder und eine noch höhere Zahl an regelmäßigen Spenderinnen. Wir schulden ihnen und unseren Mitarbeitenden, uns gegen Verleumdungen rechtlich zu wehren.

Die drei Somalier konnten aber damit rechnen, durch Sie, durch die Berliner Anwältin auf deutscher Seite Hilfe zu erwarten?

Ganz klar: Wir helfen Flüchtlingen, ihre Rechte durchzusetzen – wenn deutsche Behörden sehenden Auges Recht brechen! Die drei Somalier allein haben entschieden, die Einreise nach Deutschland ein drittes Mal zu wagen. Es findet kein Puppenspiel statt, wo Schutzsuchende nach der Pfeife von Organisationen tanzen.

Der Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, hat impliziert, dass Pro Asyl der betroffenen Somalierin nahegelegt habe, ihr wahres Alter zu verschleiern. Haben Sie das getan?

Nein, das ist eine hanebüchene Falschbehauptung: In den Unterlagen der Bundespolizei wurde sie bereits bei der zweiten Zurückweisung als Minderjährige geführt – zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht einmal von der Existenz der drei.

Welchen Kontakt hat Pro Asyl jetzt zu den drei Somaliern?

Sie werden von einem starken Asyl-Netzwerk bei behördlichen, medizinischen und therapeutischen Terminen unterstützt. Wir sind sehr dankbar für die wundervolle Solidarität. Die drei Asylsuchenden müssen aber auch vor einer Gruppe Journalisten geschützt werden, die ihnen auflauern und permanent mit vertraulichen Informationen aus dem Behördenapparat versorgt werden. Die drei erahnen mittlerweile, dass an ihrem Beispiel ein Grundsatzkonflikt über die sogenannte Asylwende geführt wird. Sie werden mit ihren Porträts an den Pranger gestellt. Das führt zu massiven Ängsten und Panikattacken. Und es kann auch Familienangehörige im Herkunftsland gefährden.

Dieser Fall ist der Beispielfall, auf den angesichts der Zurückweisungen, die der Bundesinnenminister angeordnet hat, viele gewartet haben. Sie hatten mit diesen Dreien schon in Polen Kontakt. Haben Sie sie nicht gewarnt vor dem, was in Deutschland passieren könnte?

Zunächst geht es hier um Einzelfallunterstützung und um einen Ansatz, der rechtliche und humanitäre Unterstützung gewährt. Das ist ein normaler Vorgang in einem Rechtsstaat. Es ist kein normaler Vorgang, dass die Richterinnen bedroht und die Anwältin attackiert werden. Dass mit persönlichen Daten Schutzsuchender so umgegangen wird, dass jeder Termin bis hin zum Arzt-Termin durchgestochen wird.

Das hat auch Sie überrascht?

Ja, der Grad an Härte und Hetze hat mich überrascht – ebenso wie Verleumdungen von zwei Politikern aus der demokratischen Mitte. Es sollte Konsens sein: hart über Inhalte streiten, aber ohne Verleumdungen. Aber wenn man die Betroffenen darauf vorbereiten muss, dass sie gejagt werden, wenn sie ihre Rechte durchsetzen, dann denke ich an den Satz der Altkanzlerin Angela Merkel: ‚Dann ist das nicht mehr mein Land.‘ Wir verteidigen mit unserer Arbeit auch demokratische, rechtsstaatliche Grundsätze.

Stand jetzt haben wir keinen neuen Fall in der Rechtshilfe Karl Kopp, Geschäftsführer von Pro Asyl

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat angekündigt, ein mögliches Veto des Europäischen Gerichtshofs zu seinem Vorgehen zu respektieren. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Was planen Sie, falls das Verfahren der Somalierin scheitert

Die Jugendliche hat bereits vor Gericht gewonnen. Damit der Fall zum EuGH kommt, muss in Deutschland ein Hauptsacheverfahren stattfinden. Ob es dazu kommt, ist allein Sache der Betroffenen und ihrer Anwältin. Wir haben kürzlich mit Menschenrechtsorganisationen aus sieben Nachbarstaaten einen Appell an die EU-Kommission gerichtet, damit ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wird.

Haben Sie weitere Fälle dieser Art in Vorbereitung?

Stand jetzt haben wir keinen neuen Fall in der Rechtshilfe. Wir hoffen, dass auch andere Organisationen Opfer der Zurückweisungspraxis vor Gericht unterstützen.

Sie sagen, dass Sie Asylbewerbern helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Es kann nun sein, dass die drei Somalier im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Polen oder Litauen überstellt werden. Würden Sie das akzeptieren?

Wichtig ist, dass jetzt überhaupt ein rechtsstaatliches Verfahren stattfindet. Wir wissen noch nicht, wie die Dublin-Verfahren ausgehen. Es kann sein, dass man zu dem Schluss kommt, dass Deutschland das reguläre Asylverfahren durchführen muss. Dafür sprechen gewichtige Gründe.

5 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
lkiju.png
Archive

AfD-Chef Chrupalla berichtet von Gesprächen mit BSW – deutliche Kritik von Reichinnek

von Fremdeninfo 4 Juli 2025
von Fremdeninfo

 

AfD-Chef Chrupalla berichtet von Gesprächen mit BSW – deutliche Kritik von Reichinnek

Von: Welt

AfD-Chef Tino Chrupalla,bestätigt Gespräche zwischen seiner Partei und dem BSW – und begrüßt diese auch auf Bundesebene. Deutliche Kritik kommt von Linken-Fraktionschefin Reichinnek. Es habe schon einen Grund, warum Wagenknecht nicht mehr in der Partei sei.

 

                       

                             AfD-Chef Chrupalla berichtet von Gesprächen mit BSW – deutliche Kritik von Reichinnek © WELT TV

 Nach dem umstrittenen Treffen der Fraktionschefs von AfD und BSW in Thüringen befürwortet der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla solche Kontakte auch auf Bundesebene. Auf die Frage, ob er und die Co-Vorsitzende Alice Weidel für Gespräche mit Sahra Wagenknecht zur Verfügung stünden, sagte er WELT TV: „Ja, also immer.“

Nach seinen Worten gibt es sogar schon Gespräche mit dem BSW. Zum Inhalt sagte Chrupalla: „Über das, was Deutschland bewegt, und wie man Mehrheiten verändern kann.“

Zum Treffen des Thüringer BSW-Landtagsfraktionschefs Frank Augsten mit dem dortigen AfD-Fraktionschef Björn Höcke sagte Chrupalla: „Das ist absolut richtig und vor allen Dingen auch im Bürgerinteresse. Das haben hier die Bürger gewählt.“ Die AfD sei in Thüringen mit Abstand stärkste Kraft und werde von den anderen Parteien ausgeschlossen

4 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
kjiu.png
Bildung

Lehrerverband: Migranten-Obergrenze in Schulklassen problematisch

von Fremdeninfo 4 Juli 2025
von Fremdeninfo

               Lehrerverband: Migranten-Obergrenze in Schulklassen problematisch

                        Von H N A

                         

                                Soll es in Schulen eine Obergrenze für Schüler mit Migranten geben? © Harald Oppitz/KNA

Schulklassen mit 90 Prozent Migrantenanteil gibt es, etwa in Berlin. Der Lehrerverband findet: Eine Migranten-Obergrenze sei eine „Ideal-Idee“.

Berlin (KNA) Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, sieht die Umsetzung einer Migranten-Obergrenze in Schulklassen kritisch. „Das ist eine Ideal-Idee, die an sich einleuchtet. Aber die Umsetzung bringt verschiedene Probleme mit sich“, sagte Düll am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.

Wenn in einer Klasse die Zahl der Kinder, die kein Deutsch als Muttersprache haben oder die Deutsch nur sehr unvollkommen beherrschen, 90 Prozent beträgt, dann fehlt das Lernen am Modell“, erklärte der Schulleiter. „Dann wird es schwer, dass die Kinder Deutsch außerhalb des Unterrichts überhaupt benutzen, die sprechen auf dem Schulhof trotzdem in ihrer Muttersprache.“ Eine bessere Durchmischung der Klassen mit deutlich niedrigerem Migranten-Anteil biete also große Vorteile.

Dies sei aber nicht einfach zu bewerkstelligen. In seiner Heimatstadt Augsburg etwa habe knapp die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. „Wo sollen denn die Kinder herkommen, die für die Durchmischung sorgen?“, so Düll. Zudem sei es auch aus pädagogischer Sicht ratsam, wenn Kinder in ihrem Bezirk eingeschult würden und den Schulweg zusammen machen könnten.

Bildungsministerin: Deutschkenntnisse von Geflüchteten entscheidend

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte mit Blick auf Dänemark in einem Interview mit dem Sender „Welt TV“ erklärt, eine Obergrenze für Migranten in Schulklassen sei für sie auch in Deutschland ein denkbares Modell. Es gebe aber auch andere gut funktionierende Modelle. Entscheidend sei, dass die Kinder Deutsch könnten, wenn sie in die Schule kämen. Prien hatte sich zudem unlängst für verpflichtende Sprachtests für Vierjährige ausgesprochen.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Auch Düll erklärte, man müsse mit der Sprachförderung bereits im Kita-Alter ansetzen. „Im Idealfall bringen die Kinder schon gute Deutschkenntnisse aus dem Kindergarten mit, wenn sie in die Schule kommen. Oder sie machen ein extra Jahr an der Grundschule, um dort Deutsch zu lernen“, sagte er. Der Deutsche Lehrerverband fordere seit langem verpflichtende Sprachtests vor der Einschulung. Düll verwies auf Hamburg, wo dies bereits umgesetzt werde. „Die Ressourcen und das Personal mögen knapp sein. Aber Hauptsache, wir fangen jetzt endlich damit an“, sagte er.

Wörter wie „Gebüsch“ und „Hecke“ unbekannt

Momentan mangele es selbst an den weiterführenden Schulen am Grundwortschatz. Wörter wie „Gebüsch“ oder „Hecke“ seien teilweise unbekannt. „Es reicht nicht, ein bisschen Deutsch zu können, sondern man muss Deutsch auf bildungssprachlichem Niveau lernen“, mahnte der Gymnasiallehrer. Zudem seien sehr gute Sprachkenntnisse auch für die Vermittlung von Werten unerlässlich.

Schulbildung und Kitas sind in Deutschland Sache der Bundesländer; der Bund kann keine einheitlichen Regeln für Migrationsobergrenzen in Schulklassen oder für verbindliche Sprachtests vorschreiben. Umgesetzt werden kann das

4 Juli 2025 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Neuere Beiträge
Ältere Beiträge

Beliebte Artikel

  • Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025

    22 Juli 2025
  • Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche

    4 Dezember 2025
  • Journalist und Aktivist Hakan Tosun stirbt nach brutalem Angriff

    14 Oktober 2025
  • Der Löwenanteil -Para _Şêr

    19 August 2025
  • Begegnungen am Radweg: Eine Geschichte von Mensch, Natur und einem besonderen Rabenfreund

    23 August 2025

Unser Team

Cumali Yağmur

Verantwortliche Redaktor

Ayşe Eker

Ayşe Eker

Redaktorin

Erdoğan Sedef

Erdoğan Sedef

Redaktor

Rojin Erten

Rojin Erten

Redaktor

Can Taylan Tapar

Can Taylan Tapar

Redaktor

Halit Yaşar Demirbağ

Halit Yaşar Demirbağ

Redaktor

Kategorien

  • Allgemein
  • Archive
  • Impressum
  • Politik
  • Religion
  • Flüchtlinge
  • Kultur
  • Frauen
  • Jugend
  • Salafismus
  • Veranstaltungen
  • Information
  • Rassismus
  • Antisemitismus
  • Fremdenfeindlichkeiten
  • Bildung
  • Featured

Neueste Artikel

  • Fatoş Güneys Buch „Camları Kırın Kuşlar Kurtulsun“ (Brecht die Fenster ein, damit die Vögel frei werden

    7 April 2026
  • Migrantenvereine schließen ihre historischen Prozesse ab

    6 April 2026
  • Tragödie in Berlin-Tempelhof: Mehrere Tote in Flüchtlingsunterkunft

    5 April 2026
  • Es ist sehr schwer, das alles zu ertragen

    5 April 2026
  • Insolventer Integrationsverein hat auch 350.000 Euro vom Land bekommen: Entsetzen in der Ratspolitik

    5 April 2026

Über uns

Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

Monika Ertl: Die Frau, die Che Guevara rächte“

16 Februar 2026

Neueste Artikel

Club vor dem Aus: Frankfurt soll Millionen für Kauf ausgeben – CDU reagiert fassungslos
24 Januar 2026
Die Union hat die AfD lange verharmlost“ – Künast wirft CDU/CSU Selbstzerstörung vor
24 Januar 2026
Syrien: Armee übernimmt weiteres Gefängnis mit IS-Kämpfern von Kurdenmiliz
24 Januar 2026

Hervorgehoben

Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025
22 Juli 2025
Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche
4 Dezember 2025
Journalist und Aktivist Hakan Tosun stirbt nach brutalem Angriff
14 Oktober 2025
  • Startseite
  • Anmelden
  • Über uns
  • Kontakt
  • Datenschutzerklärung
  • Newsletter
  • Impressum
Fremdeninfo
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung