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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

Die in Europa gestellten Asylanträge sind deutlich weniger geworden. In Deutschland wird...

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Allgemein

Türkische Gemeinde in Deutschland wählt neue Doppelspitze: Mehtap Çağlar und Gökay Sofuoğlu übernehmen Führung in politisch herausfordernden Zeiten

von Fremdeninfo 8 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat auf ihrem 14. Bundeskongress Mehtap Çağlar und Gökay Sofuoğlu zu neuen Bundesvorsitzenden gewählt.​ Sie übernehmen das Steuer in einer Zeit, in der die Herausforderungen für Menschen mit Migrationsgeschichte akuter denn je sind. Aslıhan Yeşilkaya-Yurtbay, die den Verband in den letzten drei Jahren zusammen mit Gökay Sofuoğlu leitete, stand für das Amt nicht mehr zur Verfügung.

​„Wir müssen jetzt Haltung zeigen!“, erklärt Mehtap Çağlar, die neu gewählte Bundesvorsitzende. Angesichts des aktuellen politischen Klimas betont sie die immense Bedeutung ihrer ehrenamtlichen Aufgabe:

„Ich bin den Delegierten zutiefst dankbar für ihr Vertrauen. Die TGD ist der größte bundesweite Interessenverband einer der wichtigsten Migranten-Communitys, und ich nehme dieses Ehrenamt mit dem nötigen Ernst an. Wir stehen vor politisch entscheidenden Jahren. Die Herausforderungen für Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind akuter als jemals zuvor. Unsere Mission ist klar: Wir müssen unsere Community widerstandsfähiger machen, kompromisslos für Gleichberechtigung kämpfen und dem wachsenden Druck durch ausgrenzende, antidemokratische Kräfte entschlossen entgegentreten. Ich freue mich darauf, diese überfällige Arbeit gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Partnern anzupacken.“

​Gökay Sofuoğlu, der wiedergewählte Bundesvorsitzende, bekräftigt den unerschütterlichen Platz der TGD in der deutschen Gesellschaft:

​„Seit 30 Jahren ist die TGD Motor für mehr Teilhabe, Gerechtigkeit und Diversität. Wir haben viel erreicht in den letzten drei Jahrzehnten, aber gleichzeitig ist unsere Demokratie im Moment so gefährdet wie schon lange nicht mehr. Die Normalisierung extremistischer Narrative hat die politische Brisanz für unsere Migrationsgesellschaft dramatisch erhöht. Die TGD ist ein unverzichtbarer Teil der deutschen Zivilgesellschaft. Wir werden weiterhin genau hinschauen, laut kritisieren und unser Land als Garant für Vielfalt und Zusammenhalt aktiv mitgestalten.“

 

​Die Wahl fand passend zum 30-jährigen Jubiläum der TGD statt, das am 5. Dezember in der Robert Bosch Stiftung in Berlin gefeiert wurde. Im Rahmen der Festlichkeiten lieferte unter anderem Prof. Dr. Dr. Michel Friedman eine wichtige Keynote darüber, wie Teilhabe der Schlüssel zu einem funktionierenden demokratischen Miteinander ist.

8 Dezember 2025 0 Kommentare
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AllgemeinInformation

Ein Gastarbeiter der ersten Stunde über Ankunft, Arbeit und die letzte Ruhe in Deutschland

von Cumali Yağmur 7 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

Dieses Interview wurde von Cumali Yağmur geführt.

Cumali Yağmur: Herr Bahattin Görgülü, Sie sind einer der ersten Gastarbeiter, die 1961 nach Deutschland kamen. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen? Welche Schwierigkeiten gab es damals?

Bahattin Görgülü: Ich meldete mich beim Arbeitsamt an und sagte: „Ich werde nach Deutschland gehen.“ Drei Tage später schickten sie mir einen Brief und luden mich zur Untersuchung ein. Ich ging zur Untersuchung. Die Ärzte untersuchten mich; ein Zahn war kariös. Ich zahlte 100 TL, ließ den Zahn richten und bekam mein Gesundheitszeugnis. Sie setzten uns in den Zug. Nach drei Tagen Reise kamen wir in München an. Dort wurden wir verteilt und ich kam nach Hannover. Von Hannover aus kamen wir nach Wolfsburg, um bei Volkswagen zu arbeiten. Vor uns waren bereits Italiener gekommen und hatten angefangen, bei Volkswagen zu arbeiten.

Man zeigte uns das „Heim“, in dem wir wohnen sollten; wir sollten zu viert in einem Zimmer bleiben. Sie verteilten uns auf die Wohnheime. Morgens fingen wir an zu arbeiten, der Vorarbeiter kam und verteilte uns an die Maschinen. Dort zeigten sie uns mit den Händen, wie die Maschine funktioniert und worauf wir achten müssen. Wir konnten kein Deutsch und verständigten uns mit Zeichensprache.

Damals schickten sie uns nicht einmal zu Kursen, um Deutsch zu lernen. Da wir draußen kaum Kontakt zur Bevölkerung hatten, lernten wir ein „Tarzan-Deutsch“ – also ein bisschen etwas vom Hörensagen, von Arbeitskollegen oder beim Einkaufen.

Die Arbeitsbedingungen waren ziemlich hart, man musste im Akkord arbeiten. Anfangs hatten wir große Schwierigkeiten. Wir hatten Probleme, bis wir uns an die Arbeitsbedingungen und das Tempo gewöhnt hatten. Man hatte uns erzählt, dass wir in Deutschland leicht Geld verdienen würden. Wir lernten, dass das Geld nicht leicht verdient wird.

Cumali Yağmur: Haben Sie später Ihre Familie nachgeholt?

Bahattin Görgülü: Ich arbeitete ein Jahr, nahm meinen Jahresurlaub und fuhr in die Türkei. Mein Sohn war inzwischen 6 Jahre alt geworden. Er erkannte mich natürlich nicht und ich hatte Schwierigkeiten, Kontakt zu ihm aufzubauen. Ich blieb einen Monat in der Türkei, verließ meine Familie wieder und kam zurück nach Deutschland, nach Wolfsburg. Ein Jahr später holte ich meine Frau und meinen Sohn zu mir nach Deutschland. Ich mietete eine Wohnung, verließ das Wohnheim und zog in die Wohnung.

Als mein Sohn ankam, war er 8 Jahre alt und schulpflichtig. Er konnte kein Deutsch, aber meine Nachbarn haben ihm – Gott sei Dank – geholfen, Deutsch zu lernen. Damals gab es in Deutschland nicht viele Ausländer und unsere Beziehungen liefen anders ab.

C.Y.: Waren Ihre Beziehungen zu Ihren deutschen Nachbarn damals gut?

B.G.: Als ich kam, gab es in Deutschland nur sehr wenige Ausländer; es gab Italiener, Spanier, Portugiesen und uns Türken. Die Beziehungen zu unseren Arbeitskollegen und den Deutschen draußen, soweit wir uns verständigen konnten, waren anders als heute. Da die Nachbarschaftsbeziehungen bei den Deutschen anders sind und wir auch nicht viel Deutsch konnten, vergingen die Jahre.

C.Y.: Waren die Deutschen damals sehr anders?

B.G.: Damals kam Deutschland gerade aus dem Krieg und war nicht so weit entwickelt wie heute. Die Menschen waren auch nicht besonders reich und nicht wie heute. Jetzt hat sich alles geändert, sowohl bei uns als auch bei ihnen. Ich bin alt geworden; ich gehe kaum noch aus dem Haus, vielleicht ein bisschen in den Park und dann wieder nach Hause. Ich liebe meine Enkelkinder, verbringe so meine Tage und warte darauf, in die andere Welt zu gehen.

Die heutigen Bedingungen haben sich sehr verändert. Es kamen viele Arbeiter nach Deutschland und ihre Kinder wurden hier geboren. Sie gingen in Kindergärten und Schulen; sie haben ständigen Kontakt zu Deutschen. Durch diesen Kontakt entstanden Widersprüche und mittlerweile hat ein Wettstreit untereinander begonnen.

Aufgrund von Kriegen, schlechten klimatischen Bedingungen und der politischen Lage in ihren Heimatländern kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland.

C.Y.: Stört Sie deren Ankunft?

B.G.: Nein, ich sage, dass es so etwas [eine Störung] keinesfalls gibt. Jeder isst sein eigenes Brot [Rızık] und es ist das Recht eines jeden, hier zu arbeiten und für den Unterhalt seiner Kinder zu sorgen. Es ist nicht wichtig, unter welchen Umständen jemand hier ist. Wichtig ist, dass sie sensibler miteinander umgehen und das Zusammenleben nicht beschädigen.

Meine Rente wird wegen der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, weder weniger noch mehr. Ich bekomme dieselbe Rente und die anderen sollen auch von jedem Recht profitieren.

C.Y.: Beunruhigt Sie der Aufstieg der AfD in Deutschland nicht?

B.G.: Natürlich stören uns reaktionäre und fremdenfeindliche Parteien wie die AfD. Welchen Ausländer stört es nicht, wenn sie „Ausländer raus“ rufen? Mein Alter ist fortgeschritten, aber die Zukunft der neuen Generationen sieht nicht sehr rosig aus. Sie müssen die Gesellschaft und die Welt, in der sie leben werden, selbst aufbauen und friedlich mit den Deutschen zusammenleben.

C.Y.: Möchten Sie nach Ihrem Tod hier beerdigt werden?

B.G.: Ich denke, dass Erde gleich Erde ist (dass es bei der Erde keinen Unterschied gibt). Hier sind meine Kinder, meine Enkel; in der Türkei ist niemand mehr übrig. Wenn ich sterbe, können meine Kinder und Enkel an mein Grab kommen und beten, und sie werden sich daran erinnern, dass das Grab ihres Vaters und Großvaters hier ist.

Da mir der politische Verlauf in der Türkei nicht zusagt, möchte ich mich nicht einmal dorthin wenden, um zu ruhen.
Wenn ich in der Türkei begraben würde, könnten sie keine Blumen auf meinem Grab pflanzen. Die Friedhöfe hier sind sehr sauber und werden gut gepflegt.

Cumali Yağmur: Herr Bahattin Görgülü, ich danke Ihnen für diese ausführlichen Informationen.

7 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Studie: Deutsche ohne Migrationsgeschichte fürchten Rechtsextremismus am stärksten

von Fremdeninfo 7 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Artikel von Sonja Issel/ Euronews

Eine Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hat die Entwicklung der deutschen Einwanderungsgesellschaft untersucht – darunter auch die Verteilung der Angst von Rechtsextremismus.

Demnach machen sich knapp drei Viertel der Deutschen ohne familiäre Einwanderungsgeschichte Sorgen: Insgesamt 74 Prozent stimmten der Aussage zu, „Der Rechtsextremismus in Deutschland macht mir Angst.“

Überraschend fällt der Vergleich mit Menschen aus, die eine Migrationsgeschichte haben: 66 Prozent von ihnen äußerten Besorgnis – also sechs Prozentpunkte weniger als bei Deutschen ohne Migrationshintergrund.

Unter den in Deutschland lebenden Ausländern liegt der Anteil bei 55 Prozent.

Besonders häufig äußern laut Studie Menschen mit Wurzeln in der Türkei und in Russland Sorge über den Rechtsextremismus. Deutlich geringer ist der Anteil dagegen unter Menschen polnischer Herkunft.

Unterschiede bei antisemitischen Einstellungen

Die Studie weist deutliche Unterschiede im Vertrauen gegenüber jüdischen Menschen aus. Unter den Befragten mit türkischem Hintergrund gaben rund 26 Prozent an, jüdischen Menschen zu misstrauen – 2015 lag dieser Wert noch bei 18 Prozent. Die Studie verweist auf den Gaza-Krieg als möglichen Einflussfaktor, der nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begann.

Auch die polizeiliche Kriminalstatistik spiegelt die angespannte Lage wider: 2024 wurden bundesweit 6.236 Fälle mit mutmaßlich antisemitischer Motivation erfasst. Von insgesamt 7.328 politisch motivierten Straftaten, die den Unterthemen „Israel“ und „Palästina“ zugeordnet wurden, bewertete die Polizei 2.832 als antisemitisch motiviert. Laut Polizei ereignete sich ein großer Teil der 793 politisch motivierten Gewaltdelikte im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt im Umfeld von Demonstrationen und Protestaktionen.

Überdurchschnittlich häufig teilten zudem Spätaussiedler diese Aussage (18 Prozent). Als Spätaussiedler gelten Menschen deutscher Herkunft, die nach dem Zweiten Weltkrieg – insbesondere nach dem Zerfall der Sowjetunion – aus Osteuropa und der früheren UdSSR nach Deutschland eingewandert sind.

Ablehnung von Homosexualität rückläufig

Die Studie „Einwanderungsgesellschaft im Wandel“ beleuchtet auch Einstellungen zu Homosexualität. Unter Deutschen ohne Migrationshintergrund ist die Ablehnung heute selten. Zwar ist die Ablehnung unter Menschen mit Migrationshintergrund sowie unter ausländischen Staatsangehörigen im Vergleich zu vor zehn Jahren zurückgegangen, liegt aber weiterhin bei 18 beziehungsweise 19 Prozent.

In der Vergleichsgruppe ohne Migrationsgeschichte stimmten sieben Prozent der Aussage „Ich will keine homosexuellen Freunde“ zu.

Auffällig sei laut der Studie zudem: Sowohl unter den befragten Muslimen als auch unter orthodoxen Christen liegt der Anteil derjenigen, die keine homosexuellen Freundschaften möchten, bei rund einem Viertel.

Wahrnehmung von Respekt: ein negativer Trend

Beim Thema gesellschaftlicher Respekt zeigt die Befragung einen negativen Trend. 37 Prozent der Deutschen ohne Migrationsgeschichte berichten, dass sie sich „immer“ respektvoll behandelt fühlen. Unter Menschen mit Migrationshintergrund liegt der Anteil bei 39 Prozent. Von den ausländischen Befragten gaben 52 Prozent an, sich in Deutschland „immer“ respektvoll behandelt zu fühlen – ein Wert, der unter anderem auch durch den Vergleich mit Erfahrungen im Herkunftsland beeinflusst sein könnte.

Im Jahr 2015 lag der Anteil derjenigen, die sich stets respektvoll behandelt fühlten, in allen drei Gruppen noch bei 56 Prozent. Die aktuellen Daten zeigen daher einen rückläufigen Trend.

Dennoch: Trotz dieser Entwicklungen bleibt die grundsätzliche Zufriedenheit hoch: Auf die Frage „Leben Sie alles in allem gerne in Deutschland?“ antworteten in allen untersuchten Gruppen mehr als 90 Prozent mit „Ja“. Im Vergleich zur Erhebung von 2015 ist dieser Anteil jedoch in jeder Gruppe leicht zurückgegangen.

Rund 3.000 Personen befragt

Für die repräsentative Studie zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft wurden zwischen Anfang Oktober 2024 und Ende Januar 2025 bundesweit rund 3.000 Personen befragt. Dazu zählten 1.007 Ausländerinnen und Ausländer sowie 1.003 Menschen mit Migrationshintergrund – also Personen, die selbst im Ausland geboren wurden oder bei denen mindestens ein Elternteil im Ausland geboren ist.

7 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

BSW steht künftig nicht mehr für „Bündnis Sahra Wagenknecht

von Fremdeninfo 7 Dezember 2025
von Fremdeninfo

 Von: dts Nachrichtenagentur

 Magdeburg (dts Nachrichtenagentur) – BSW steht künftig nicht mehr für „Bündnis Sahra Wagenknecht“, sondern für „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“. Das entschied der Parteitag am Samstag in Magdeburg mit großer Mehrheit. Formal erfolgt die Umbenennung zum 1. Oktober 2026.

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Für die Namensänderung hatte es zuvor 3.000 Vorschläge gegeben. Man habe einen Namen gesucht, der „auch in 15 Jahren noch funktioniert“, begründete der scheidende Generalsekretär Christian Leye den Vorschlag des Vorstandes.

Vor der Umbenennung präsentierten andere Delegierte auch Kritik: „Das ist ein Wortkettenmonster“, sagte ein Vertreter des Landesverbandes Rheinland-Pfalz und schlug als Alternative „Bürger schaffen Wandel“ vor. Er scheiterte damit ebenso wie der Kreisverband Niederbayern, der BSW für „Bündnis Sozialer Weg“ stehen lassen wollte.

Neben der Umbenennung soll am Nachmittag auch die personelle Emanzipation von Wagenknecht erfolgen – es wird ein neuer Parteivorstand gewählt. Der bisherige Vorstand hat Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali vorgeschlagen. Oliver Ruhnert, bis vor Kurzem Fußballmanager des Bundesligisten Union Berlin, kandidiert als Generalsekretär.

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Sahra Wagenknecht wird stattdessen eine „Grundwertekommission“ des BSW leiten. Auch dafür wurde am Samstag mit großer Mehrheit die Satzung geändert, ebenso wie für eine Änderung der Parteiaufnahmepolitik. Künftig soll jeder automatisch zwei Monate nach Aufnahmeantrag BSW-Mitglied werden können, wenn es nicht besondere Gründe dagegen gibt.

Wagenknecht verabschiedete sich am Samstag vom Parteivorsitz mit einer kämpferischen Rede. Deutschland drohe wirtschaftlich abzusteigen, und große Teile seiner Industrie und seines Wohlstandes zu verlieren, so Wagenknecht. „Die jüngsten Wirtschaftszahlen sind erschreckend, und die öffentliche Diskussion darüber, mit ihrer Schönrednerei und ihrer Schönfärberei, erinnert mich wirklich an die Endzeit der DDR“, so die scheidende Parteichefin

7 Dezember 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Verschärfung Asylrecht Bundestag beschließt Neuregelung zu sicheren Herkunftsstaaten

von Fremdeninfo 7 Dezember 2025
von Fremdeninfo

 

Die schwarz-rote Koalition verschärft das Asylrecht. Künftig soll allein der Bundestag die sicheren Herkunftsstaaten bestimmen. Der Anspruch auf einen Pflichtanwalt für Menschen in Abschiebehaft wird gestrtet.

Der Bundestag hat beschlossen, dass die Bundesregierung Staaten künftig leichter als sichere Herkunftsländer einstufen kann. Dadurch sollen Abschiebungen in diese Länder schneller möglich werden.

Die Regierung kann solche Einstufungen nun per Rechtsverordnung vornehmen, ohne dass der Bundesrat zustimmen muss. Die Neuregelung 

gilt für Verfahren nach der Genfer Flüchtlingskonvention und den subsidiären Schutz, nicht jedoch für Asylgesuche.

Einzelfallprüfung bleibt bestehen

Asylanträge von Menschen aus den als sichere Herkunftsstaaten geltenden Ländern lehnt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in der Regel als »offensichtlich unbegründet« ab. Dies schließt die Anerkennung eines Schutzstatus im Einzelfall nicht aus. Abgelehnte Antragsteller können jedoch leichter und schneller abgeschoben werden.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Fiedler, versicherte: »Jede und jeder, der begründen kann, dass Verfolgung droht, erhält Schutz.« Clara Bünger von der Linken sprach dagegen von »Asylverfahren zweiter Klasse«. Filiz Polat (Grüne) hält das Gesetz für verfassungswidrig. AfD-Abgeordneter Christian Wirth erklärte das EU-Asylrecht für dysfunktional und forderte weitere Verschärfungen.

Kein Anspruch mehr auf Pflichtanwalt

Das Gesetz sieht weitere Änderungen vor. Menschen, denen Abschiebehaft oder Ausreisegewahrsam droht, sollen künftig keinen Anspruch mehr auf einen staatlich finanzierten Pflichtanwalt haben. Diese Regelung hatte erst seit dem vergangenen Jahr gegolten.

Der Deutsche Anwaltverein  und die Bundesrechtsanwaltskammer  kritisieren die Rücknahme. «Noch immer sind über die Hälfte aller Inhaftierungen rechtswidrig. Der Staat muss sich hier eine besonders genaue Prüfung gefallen lassen«, erklärte der Anwaltverein. SPD-Politiker Fiedler sagte, in schwierigen Fällen werde es auch künftig einen Rechtsbeistand geben.

Kein Pass bei Täuschungen im Einbürgerungsverfahren

Wer im Einbürgerungsverfahren täuscht oder bewusst falsche Angaben  

macht, soll zudem zehn Jahre lang keinen deutschen Pass mehr erhalten. Die schwarz-rote Koalition reagiert damit auf Ermittlungen zu gefälschten Sprachzertifikaten in mehreren Bundesländern. »Wer im Einbürgerungsverfahren schon versucht zu täuschen, der hat den deutschen Pass nicht verdient«, sagte der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Alexander Throm (CDU)

Die Sperre soll greifen, wenn eine Behörde den Betrug eindeutig festgestellt oder eine Einbürgerung rechtskräftig zurückgenommen hat. Sie soll auch gelten, wenn Antragsteller vorsätzlich falsche oder unvollständige Angaben zu wichtigen Voraussetzungen machen.

Kritik von Flüchtlingsorganisation Pro Asyl

Mit dem Bundestagsbeschluss »geht der Politikwechsel in der Migrationspolitik weiter«, sagte Throm. Laut ihm wolle man bald Algerien, Indien, Marokko und Tunesien als sichere Herkunftsländer einstufen.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl sieht hingegen »zwei sehr problematische Regelungen verabschiedet«. Mit der Bestimmung sicherer Herkunftsstaaten per Rechtsverordnung »wird ein Gesetzgebungsprozess absichtlich umgangen, obwohl er verfassungsrechtlich vorgeschrieben ist«, kritisierte die rechtspolitische Sprecherin der Organisation, Wiebke Judith.

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Allgemein

NÂR – THE SOUND OF ONE: DIE KONZERTE BEGINNEN – DIE MUSIK URALTER KULTUREN EROBERT DIE BÜHNE

von Fremdeninfo 5 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von: Mehmet Tanlı/  Köln

„NÂR – The Sound of ONE“: Eine musikalische Reise, die die Klänge uralter Geografien in sich trägt, beginnt im Dezember.

NÂR, ein Musik- und Kulturprojekt, das die Spuren verschiedener Kulturen widerspiegelt, wird in Deutschland aufgeführt.

Das jahrtausendealte Klanggedächtnis Anatoliens und Mesopotamiens erhebt sich erneut wie eine Flamme, die durch die Jahrhunderte gefiltert wurde.

„NÂR – The Sound of ONE“ verbindet die Musiktraditionen dieser uralten Geografien, die die gemeinsame Geschichte der Menschheit in sich tragen, mit der Sensibilität der Gegenwart und lädt den Zuhörer sowohl in die Vergangenheit als auch in das Jetzt ein. Dieses besondere Projekt spürt einem 3.500 Jahre alten kulturellen Gedächtnis nach; es lauscht Mythen, Gebeten, Sprachen, Tänzen und vergessenen Märchen. NÂR ist nicht nur ein Konzert; es ist ein Tor in die Tiefen der Zeit, eine Brücke zwischen Wurzeln und Zukunft, eine Hommage an die heilende Kraft des Klangs für das Gedächtnis.

Sieben neue Werke von Mehmet Akbaş: Das Echo einer verschwindenden Sprache

Mehmet Akbaş, der die künstlerische Leitung des Projekts übernimmt, macht mit diesem Projekt die zerbrechlichen, feinen und vom Aussterben bedrohten Klänge des Zazaki, an denen er seit Jahren akribisch arbeitet, wieder sichtbar.

Sieben neue Kompositionen von Akbaş bilden das Herzstück von NÂR. Diese Werke sind mal von der Würde einer Qaside-Tradition, mal vom unschuldigen Rhythmus eines Kindergedichts und mal von den innigen Klängen persönlicher Erinnerungen geprägt. Jedes Stück erwacht auf der Bühne sowohl als individuelle Stimme als auch als Träger des kollektiven Gedächtnisses zum Leben.

Zwischen Tradition und Moderne: Die atmosphärische Welt von Erdem Altınses

Die musikalische Gesamtleitung liegt bei Erdem Altınses.

Altınses ist bekannt für seine episch-filmischen Arrangements. Bei NÂR bringt er traditionelle Instrumente – Saz, Laute (Lavta), Duduk, Def – mit den tragenden Instrumenten der modernen Musik – Cello, Klavier, Gitarre, Flöte und Schlagzeug – zusammen und schafft so ein Klanguniversum, das zugleich vertraut und frisch ist.

Durch seine Berührung lösen sich die Melodien von der Zeit und verwandeln sich in eine Atmosphäre zwischen den Räumen: Mal eine alte Klage, die sich in einem Tal ausbreitet, mal eine zeitgenössische Melodie, die zwischen den Lichtern der Stadt wandert…

Ein gemeinsamer Klang, in dem Kulturen zusammenkommen: Der Geist von NÂR

„NÂR – The Sound of ONE“ speist sich aus den Ländern, in denen viele Völker Nachbarn waren und Zeugen der Geschichten der anderen wurden. Die Musiktraditionen der Zaza, Kurden, Armenier, Assyrer, Juden, Türken, Araber und Pontos-Griechen kommen in diesem Projekt nicht über Gegensätze zusammen, sondern als Klänge, die sich zueinander erstrecken und sich gegenseitig ergänzen.

NÂR webt diese vielschichtige Welt nicht wie ein Mosaik, sondern in einem einzigen Atemzug, einem einzigen Herzschlag, einem einzigen Gefühl der „Einheit“. In diesem Universum, in dem sich Klänge begegnen, werden Unterschiede nicht zur Trennung, sondern zu einem natürlichen Teil des Reichtums und des gemeinsamen Gedächtnisses.

Der Konzertkalender für Dezember 2025 sieht wie folgt aus:

Diese einzigartige musikalische Reise wird im Dezember in drei Städten auf das Publikum treffen:

  • Mittwoch, 10. Dezember 2025 – 19:30 Uhr: Köln, Lutherkirche – Uraufführung (Premiere). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lichter der Kulturen“.

  • Donnerstag, 11. Dezember 2025 – 19:30 Uhr: Duisburg, Kulturkirche Liebfrauen

  • Freitag, 12. Dezember 2025 – 19:30 Uhr: Herford, Lutherhaus

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Allgemein

Schulstreik in Hannover: 1.700 Jugendliche demonstrieren gegen die neue Wehrpflicht

von Fremdeninfo 5 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von: C umali  Yagmur/Hannover

Während sich die Politik in Deutschland auf eine kritische Abstimmung vorbereitet, die die Zukunft der Sicherheitspolitik prägen wird, verließen Schüler an hunderten Schulen im ganzen Land den Unterricht und gingen auf die Straße.

Auch in Hannover gingen Schüler auf die Straße und protestierten gegen die Wehrpflicht.

Das Bündnis „Hannover gegen Wehrpflicht“ rief zu einem „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ auf. Etwa 1.700 Jugendliche folgten diesem Aufruf und demonstrierten in der Innenstadt.

Am Tag, an dem der Bundestag die Modernisierung des Wehrdienstes billigte, versammelten sich rund 1.700 Jugendliche vor dem Hauptbahnhof Hannover – direkt neben dem Weihnachtsdorf – und protestierten gegen das neue Gesetz. Kurz nach 14:00 Uhr setzten sich die Streikenden in Bewegung und zogen etwa eine Stunde lang durch die Hannoveraner Innenstadt. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich.

Die Redner Jonathan und Laurenz hätten eigentlich heute Mittag in der Schule sein müssen. Die beiden 17-Jährigen besuchen die zwölfte Klasse des Gymnasiums Limmer. Doch der Streik war ihnen wichtiger. „Ich bin Jahrgang 2008, das betrifft mich direkt“, sagt Laurenz. „Ich sehe es nicht ein, für Dinge zu sterben, hinter denen ich nicht stehe.“ Der Jugendliche hält einen Flyer zur Beratung für Kriegsdienstverweigerer in der Hand. „Ich werde zum nächsten Termin gehen“, sagt er.

Das Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ hatte an etwa 20 Schulen in Hannover um Unterstützung für den Schulstreik geworben. Hannover ist einer von dutzenden Orten im ganzen Land, an denen „Schulstreiks gegen die Wehrpflicht“ angekündigt wurden. Dennis Schlichting vom Hannoveraner Ableger sagt, der Protest richte sich auch gegen die „geplanten ersten Schritte“ des neuen Gesetzes.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, unten rechts) gibt bei der namentlichen Abstimmung im Bundestag über das neue Wehrdienstgesetz seine Stimmkarte ab.

Die Modernisierung des Wehrdienstes sieht vor allem eine Verstärkung der Bundeswehr durch Freiwillige vor. Der Wehrdienst soll mindestens sechs Monate dauern und mit mindestens 2.600 Euro brutto monatlich vergütet werden. Ab dem 1. Januar ist es für 18-jährige Männer verpflichtend, in einem Fragebogen anzugeben, ob sie den Wehrdienst leisten wollen und ob sie sich dafür geeignet halten. Frauen können den Fragebogen ausfüllen, müssen aber nicht. Zudem wird die Musterung für junge Männer wieder verpflichtend.

Wenn sich auf diesem Weg jedoch nicht genügend Freiwillige finden, kann der Bundestag eine „bedarfsorientierte Wehrpflicht“ beschließen. Schlichting sagt: „Wir gehen davon aus, dass die Freiwilligkeit nicht ausreichen wird und eine Verpflichtung kommen wird.“

Auch Studenten schlossen sich dem Demonstration an, um Solidarität zu zeigen.

Die Protestform in Anlehnung an die Klimabewegung wurde bewusst gewählt. Bündnissprecher Schlichting sagt: „Was ist schon ein Tag Schule gegen ein halbes Jahr Zwangsdienst?“ Auch wenn der Streik in Hannover erst gegen Mittag begann, gingen Jugendliche in anderen Städten teils deutlich früher auf die Straße, in Göttingen beispielsweise schon vor 11 Uhr. Schlichting sagt: „Das war erst der Anfang.“ Für Anfang März sei der nächste bundesweite Streik geplant.

Während des Demonstration wurden Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität“ und Grüße an das palästinensische Volk laut.

Der  Demonstration  verlief sehr ruhig und alle gingen ohne Zwischenfälle nach Hause.

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Allgemein

Schweige nicht zu den Geschehnissen in der AABF, mach dich nicht mitschuldig!

von Fremdeninfo 5 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von: Hüseyin Şenol


Die Erklärungen der weiblichen Führungskräfte, der Vereine und des Disziplinarausschusses in der AABF sind keine Dinge, zu denen man schweigen sollte, sondern Stimmen, die gehört werden müssen. Für institutionelle Gerechtigkeit und gesellschaftliche Gleichheit darf man vor dieser Stimme nicht die Ohren verschließen, sondern muss ihr Kraft verleihen.


In alevitischen Institutionen gibt es seit Jahren einen Kampf, vor allem für Geschlechtergerechtigkeit und Gleichheit im Allgemeinen. Jeder Moment, in dem dieser Kampf sichtbar gemacht wird, ist gleichzeitig von historischer Bedeutung für Demokratisierung und Rechenschaftspflicht. Wenn heute in der Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland (AABF) 9 weibliche Führungskräfte, 57 Vereine und der zentrale Disziplinarausschuss eine Erklärung abgeben, dann ist dies kein Schweigen mehr, sondern eine offene, öffentliche und kollektive Haltung.

Die Geschehnisse können weder als eine „innere Angelegenheit“ abgetan noch als Polemik trivialisiert werden. Es liegt eine sehr klare Realität vor: Der Prozess, der innerhalb der Institution stattfindet, hat selbst Nachrichtenwert. Die geteilten Artikel, Interviews und Nachrichten sind keine Polemik, sondern die Wahrheit selbst.

Man darf es nicht ignorieren, man muss antworten

Wenn es eine abweichende Meinung zu den Erklärungen der Frauen, der Führungskader und der Vereinsvertreter gibt, kann diese natürlich geäußert werden. Aber das kann nicht bedeuten, ihr Schweigen zu fordern oder es mit Stille zu übergehen. Wenn es eine Diskussion gibt, ist Transparenz erforderlich. Gerade wenn diejenigen, die ins Abseits gedrängt wurden, selbst Gegenstand der Nachricht sind, ist die Aussage „diese Angelegenheit sollte nicht öffentlich sein“ eine Flucht vor der Realität.

Leider aktivieren einige linke, sozialistische Institutionen und Individuen bei jeder Kritik ein auswendig gelerntes Klischee: „Solche Vorstöße dienen dem Feind.“ Dabei ist das wahre Dienen am Feind, angesichts von Ungerechtigkeit zu schweigen und bei Unterdrückung still zu bleiben. Eine gesellschaftsorientierte Linie und eine freiheitliche Haltung erfordern dies.

Dieser Ansatz ist weder mit Ethik noch mit sozialistischen Prinzipien vereinbar. Gruppenzwang („Mahalle baskısı“) auszuüben, den Kritiker zum Feind zu erklären und Fehler mit dem Reflex „einer von uns“ zu vertuschen, ist eine Haltung, die der sozialistischen Demokratie offen feindlich gegenübersteht. Erinnern wir uns: Sozialist zu sein ist keine Frage der Zugehörigkeit, sondern der Verantwortung.

Jeder Bereich ist politisch und keine Institution oder Einzelperson ist frei von Kritik. Das schließt sozialistische Institutionen ebenso ein wie Glaubensinstitutionen. Daher lautet mein Aufruf insbesondere an die „sozialistischen“ Freunde: Anstatt Kritik aus Interessenkalkül zu meiden, sollten sie sich dem Alevitentum und den Entwicklungen innerhalb dieser Institution nähern und dabei die Angst vor „Mitgliederverlust“ hinter sich lassen. Sich der Kritik zu entziehen, bedeutet, sich an der Ungerechtigkeit zu beteiligen.

Man muss Gewissen und linken Verstand besitzen.

Der Disziplinarausschuss hat die Justiz eingeschaltet

Der zentrale Disziplinarausschuss der Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland (AABF) hat in seiner öffentlichen Erklärung einen wichtigen Wendepunkt bekannt gegeben. Der Ausschuss erklärte, dass Informationsanfragen bezüglich der Erdbebenhilfen für die Türkei 2023 und der Ausgaben für die Madımak-Dokumentation unbeantwortet blieben und die institutionellen Kontrollprozesse systematisch behindert wurden. Aus diesen Gründen habe man den Prozess vor Gericht gebracht. In der Erklärung wurde zudem betont, dass der AABF-Vorstand seine „Rechenschaftspflicht systematisch verletzt“ habe und dass Strafanzeige gegen die Verantwortlichen erstattet wurde.

Diese Situation ist nun nicht mehr nur ein internes Verwaltungsproblem, sondern ist zu einem juristischen Prozess geworden, der eine öffentliche Verantwortung trägt. Dass die Forderung nach institutioneller Transparenz auch vom Disziplinarausschuss übernommen wurde, hat diese Diskussion von einer persönlichen in eine strukturelle Angelegenheit verwandelt.

Gerechtigkeitsaufruf von weiblichen Führungskräften

Nur wenige Tage nach der Erklärung des Disziplinarausschusses wandten sich diesmal weibliche Führungskräfte, die seit vielen Jahren in der AABF tätig sind, unter dem Titel „Aufruf zur Gerechtigkeit gegen die Gesetzlosigkeit und den Druck in der AABF“ an die Öffentlichkeit. In der Erklärung wurde sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Institution den Interessen einer kleinen Gruppe ausgeliefert sei. Darüber hinaus wurde betont, dass Praktiken wie Beleidigung, Ausgrenzung, Druck und Einschüchterung gegenüber oppositionellen Frauen, die an der Diskussion teilnehmen, zur Normalität geworden seien.

Die Frauen sagten offen: „Ihr habt geglaubt, die AABF sei euer Privateigentum.“ Dieser Satz ist nicht nur eine Reaktion; er offenbart die Tiefe der institutionellen Krise in der AABF und das Ausmaß, das die zentralisierte Willkür erreicht hat.

Eines der markantesten Beispiele dieses Prozesses ereignete sich auf der Generalversammlung in Frankfurt. Die Delegierte Özlem Kılıç Mirwald äußerte in ihrer öffentlichen Erklärung Folgendes:

„Der physische Angriff, den ich auf der Generalversammlung in Frankfurt erlitten habe, und die Verhinderung meines Rederechts sind ein Versuch, Kritik zum Schweigen zu bringen; diese Haltung ist eine offene Verletzung der Meinungsfreiheit und demokratischer Werte.“

Diese Erklärung zeigt, dass sich die Geschehnisse nicht auf Meinungsverschiedenheiten beschränken, sondern sich in Form von direkter physischer Intervention und institutionellem Mobbing manifestieren. Zudem sind diese Eingriffe als individuelles Beispiel für die systematische Ausgrenzung von Frauen in das öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Nach diesen Entwicklungen sollte sorgfältig notiert werden, dass ein Name, der zu den Gründungsmitgliedern der AABF gehört und derzeit das Amt des Ehrenvorsitzenden innehat, offene Kritik an dem Prozess und den öffentlich gewordenen Entwicklungen geübt hat – allerdings in die falsche Richtung. Diese Kritik, die sich insbesondere gegen die Medien richtet, die den Stimmen der weiblichen Führungskräfte, des Disziplinarausschusses und Dutzender Vereine Gehör verschaffen, muss als Versuch gelesen werden, das institutionelle Schweigen wiederherzustellen. Dabei ist der Titel „Ehrenvorsitzender“ nicht dazu da, die Arbeit der Vergangenheit zu heiligen, sondern um angesichts heutiger Ungerechtigkeit mehr Verantwortung zu übernehmen.

Diese Erklärung, kombiniert mit dem Vorstoß des Disziplinarausschusses, deutet darauf hin, dass es sich nicht um individuelle Beschwerden handelt, sondern um eine strukturelle Fäulnis. Zu dieser Stimme nun zu schweigen, ist nicht mehr nur eine Wahl, sondern eine Flucht vor der Verantwortung.

An diesem Punkt muss gefragt werden: Hieß es nicht, die Aussage der Frau sei essenziell?

Warum wird dieses Prinzip, das in alevitischen Institutionen, linken Kreisen und der demokratischen Öffentlichkeit oft geäußert wird, ausgesetzt, sobald es um oppositionelle Frauen geht? Ist es nicht Prinzipienlosigkeit, diese Aussagen zu ignorieren in einer Phase, in der Frauen offen erklären, dass sie Druck, Beleidigung und Ausgrenzung ausgesetzt sind? Ist Solidarität nur auf bestimmte Frauen beschränkt?

Die Stimme der Frauen zu hören, bedeutet nicht, Partei zu ergreifen, sondern gerecht zu sein. Und diese Gerechtigkeit beginnt erst damit, dass man die Aussagen als Grundlage nimmt.

Medien anzugreifen kann nicht über soziale Medien fortgesetzt werden

Den Stimmen der weiblichen Führungskräfte, der Vereinsvertreter und des AABF-Disziplinarausschusses, die heute Erklärungen abgeben, Raum zu geben, ist echte journalistische Arbeit. Diejenigen, die davor die Ohren verschließen und diejenigen angreifen, die mutig gegen Ungerechtigkeit vorgehen sowie die Medienorgane, die diese Stimme furchtlos auf ihren Seiten verbreiten, befinden sich in einem schweren Irrtum.

Zudem bleiben diese Angriffe nicht auf individuelle Reaktionen beschränkt; sie werden auch in den sozialen Medien systematisch fortgesetzt. In einer solchen Situation kann die Aussage „das ist unsere interne Angelegenheit, das soll nicht nach außen getragen werden“ keine Verteidigung mehr sein. Es darf nicht vergessen werden, dass auch soziale Medien ein öffentlicher Raum sind. Menschen äußern hier ihre Ansichten, und die Medien berichten über diese öffentlich zugänglichen Ansichten. Wenn Erklärungen direkt über soziale Medien abgegeben werden, ist der Vorwurf an die Medien „warum habt ihr darüber berichtet“ unangebracht und grundlos.

Dagegen verstoßen Diskurse wie „Die AABF sollte intern diskutieren, die Angelegenheit sollte nicht von außen angeheizt werden“ oder „solche Kritik spaltet die alevitische demokratische Bewegung“, die uns selbst in einigen Kreisen oft begegnen, gegen das grundlegendste Prinzip demokratischer Legitimität: die öffentliche Kontrolle. Auch wenn sie auf den ersten Blick gut gemeint erscheinen mögen. Denn Probleme in einer Institution, die öffentlich arbeitet und Tausende von Menschen vertritt, sind nicht nur eine „interne Angelegenheit“, sondern Themen, die die gesamte Gesellschaft betreffen und Verantwortung erfordern. Linker Verstand erfordert nicht Schweigen, sondern verantwortungsvolles und mutiges Sprechen. Solche Diskurse sind oft die politische Tarnung für Sorge und Feigheit…

Zudem sollte man nicht über die Kritiker sprechen, sondern über die Gründe der Kritik. Der Versuch, berechtigte Kritik mit Verallgemeinerungen wie „auf das Spiel der AKP hereinfallen“ zum Schweigen zu bringen, ist nicht das Produkt einer freiheitlichen und fortschrittlichen Linie, sondern von Reflexen, die in Krisenzeiten Schweigen erzwingen.

Es gibt auch unglückliche Erklärungen gegen die Berichterstattung in Zeitungen und sozialen Medien wie: „Die AABF sollte ihre internen Probleme durch interne Diskussionen lösen. Einmischungen von außen sind nicht objektiv.“ Was diese Freunde vergessen, oder besser gesagt nicht sehen wollen, ist die Situation: Es ist keine „Einmischung von außen“, sondern der Schrei von Hunderten, ja Tausenden von innen. Solche Diskurse dienen, besonders wenn sie dazu benutzt werden, das Schweigen gegenüber offenen Erklärungen und öffentlich gewordenen Entwicklungen zu legitimieren, im Wesentlichen dazu, die Meinungsfreiheit und die demokratische Rechenschaftspflicht zu unterdrücken.

Wir geben den Pluralismus nicht auf

Natürlich gab es Reaktionen darauf, dass wir diesen Entwicklungen auf unseren Seiten Platz eingeräumt haben. Das ist natürlich. Aber die Zahl derer, die uns mit ihren Artikeln, Kommentaren, Direktnachrichten und Erklärungen unterstützen, ist nicht zu unterschätzen. Um es offen zu sagen: Wir können ruhigen Gewissens sagen, dass die Zahl dieser Unterstützungsbekundungen die Reaktionen gegen unser ethisches Presseverständnis um ein Vielfaches übersteigt.

Insbesondere das Schweigen der „alevitischen Medien“ und der „sozialistischen Medien und des Umfelds“ setzt sich auch bei dieser Entwicklung fort. Die Zeitung Avrupa Demokrat, bei der ich einer der Autoren bin, ist eines der wenigen, vielleicht nur drei oder vier Medienorgane, die diesen Prozess mutig verfolgen. Avrupa Demokrat, das auch den Erklärungen des AABF-Vorstands und der Mitgliedsvereine Platz einräumt, wird auch weiterhin die Stimme der Oppositionellen hörbar machen. Denn das erfordert die Presseethik. Pluralismus und Kritik sind die Grundlage unserer öffentlichen Verantwortung.

Selbst dieses Bild ist an sich schon ein Indikator. Die Menschen stellen sich auf die Seite des Gerechten, des Offenen, der Wahrheit. Dieses Eintreten muss als eine gemeinsame Stimme gegen diejenigen verstanden werden, die das Wort der Oppositionellen, insbesondere der Frauen, unterdrücken wollen.

Das ist keine persönliche Angelegenheit. Das ist eine historische und gesellschaftliche Prüfung. Und bei dieser Prüfung gilt es nicht zu schweigen, sondern zu sprechen.


Hüseyin Şenol – 05.12.2025
Tags: AABF (Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland), Alevitentum, AABK (Konföderation der Alevitischen Gemeinden in Europa), Avrupa Demokrat, Religion, Hüseyin Şenol, Medien, Polemik, sozialistische Demokratie, Diskussion

5 Dezember 2025 0 Kommentare
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Politik

Das Urteil im Fall Fatih Altaylı: Der Bankrott des Schweigens

von Can Taylan Tapar 4 Dezember 2025
von Can Taylan Tapar

Die Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten gegen Fatih Altaylı ist weit mehr als nur ein weiterer Beleg für die Politisierung der Justiz. Sie ist ein „Laborfall“, der das neue „Vollstreckungs-Engineering“ des Regimes offenbart. Wir haben es hier nicht mit einem impulsiven, im Zorn gefällten Urteil zu tun, sondern mit einer millimetergenau kalkulierten, bürokratischen Operation. Ihr Ziel: den Weg zum Obersten Gerichtshof (Yargıtay) zu versperren und den Berufungsprozess faktisch in eine unbefristete Haft umzuwandeln.

Dieses Urteil zeigt unmissverständlich, dass sich die Regierung nicht mehr damit begnügt, oppositionelle Stimmen einfach nur zum Schweigen zu bringen. Vielmehr werden sie in technischen Details ertränkt und das juristische Verfahren selbst wird zu einem Folterinstrument umfunktioniert. Vor uns liegt kein Rechtsfall, sondern eine vom Regime entworfene Konstruktionsakte.

Ein Erfolg des juristischen „Engineerings“: Die Falle der Fünf-Jahres-Grenze

Während die Öffentlichkeit noch über die Höhe der Strafe diskutiert, verstehen wir die technische Perfidie hinter dem Urteil erst durch die Enthüllungen des Rechtsanwalts Akın Atalay. Es geht nicht darum, wie lange Altaylı tatsächlich einsitzen muss, sondern darum, wie verhindert wurde, den Fall vor die höchste Instanz zu bringen.

Akın Atalay dechiffriert diese „juristische Feinarbeit“ wie folgt:

„Was dem Journalisten Fatih Altaylı (und stellvertretend durch ihn allen Journalisten) mit dem heutigen Urteil des 26. Istanbuler Schwurgerichts gesagt wird, bedeutet im Klartext: Es wurde eine Haftstrafe von 4 Jahren und 2 Monaten sowie die Fortdauer der Untersuchungshaft beschlossen. Das Ziel dabei ist, dass bis zu einer möglichen Entscheidung des Berufungsgerichts (İstinaf) die Strafe bereits verbüßt ist – und zwar so, dass kein Recht auf Revision beim Obersten Gerichtshof (Yargıtay) besteht. (…)

Ein Ratschlag an alle Angeklagten, die wegen solcher Delikte vor Gericht stehen: Tun Sie alles, um eine Strafe von mehr als fünf Jahren zu erhalten, anstatt weniger! Nur so haben Sie die Chance, Ihren Fall vor den Obersten Gerichtshof zu bringen, und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, am Ende ein gesetzes- und rechtskonformes Ergebnis zu erzielen.“

Diese Analyse ist der Beweis dafür, dass die Justiz ihre Funktion als Kontrollmechanismus verloren hat und zu einem „Lieferservice“ für Bestrafungen im Sinne der Regierung verkommen ist. Die „Unter-fünf-Jahre“-Grenze ist eine Falle, die dem Angeklagten das Recht auf eine umfassende juristische Verteidigung entzieht und die Ungewissheit des Berufungsprozesses in einen direkten Strafvollzug verwandelt. Das Recht nutzt seine eigenen Lücken als Waffe.

Das Ende der Konsensproduktion, der Beginn des „Spielzeug-Friedens“

Diese technische Belagerung innerhalb der Justiz zeigt zudem, auf welch morschem Fundament die politischen Debatten über „Normalisierung“ oder einen „neuen Prozess“ stehen. Das Theater der „Entspannung“, das inszeniert wird, um den Zusammenbruch der wirtschaftlichen Infrastruktur zu verschleiern, steht nicht im Widerspruch zum härter werdenden Knüppel der Justiz; im Gegenteil, sie ergänzen einander.

Der Journalist Ozan Gündoğdu fasst diese Situation treffend zusammen, indem er auf die Entleerung des Begriffs „Frieden“ hinweist. Er erinnert daran, dass dort, wo kein Recht herrscht, der von der Macht angebotene „Frieden“ kein Gesellschaftsvertrag, sondern ein Gnadenakt ist:

„Frieden ist ein Vertrag. Die Grundlage dieses Vertrags ist das Recht. Wenn man das Recht zerstört, bleibt auch für den Friedensvertrag keine Grundlage mehr. (…)

Frieden kann fortan nur noch ein Spielzeug sein, das die Macht uns gnädigerweise überlässt. Ein Spielzeug, das sie uns jederzeit wegnehmen und jederzeit wiedergeben kann! Denn wir haben keine rechtliche Garantie. Ohne diese Garantie herrscht Willkür – und genau das ist der Fall. Zu hoffen, dass dieser Frieden durch Demokratie gekrönt wird, gleicht den Träumen eines Kindes, das vertieft mit seinem Spielzeug spielt.“

Gündoğdus Feststellung legt die Funktion der Überbau-Institutionen (Justiz und Politik) offen: Ein Regime der Unsicherheit. In einer Ordnung, in der das Kapitalakkumulationsmodell stockt und die Ressourcenverteilung willkürlich erfolgt, werden auch die Bürgerrechte der Willkür unterworfen. Ohne rechtliche Absicherung ist selbst die Freiheit des populärsten Journalisten nur ein „Spielzeug“, das je nach politischem Bedarf des Augenblicks zurückgefordert werden kann.

Wolf und Lamm: Der Bankrott der Schweige-Strategie

Ist es also möglich, diesem Würgegriff durch „Schweigen“ oder „Unauffälligkeit“ zu entkommen? Der Fall Fatih Altaylı markiert auch das Ende jener Strategie, die von der weißen Mittelschicht und der säkularen Opposition oft angewandt wird: „Kopf einziehen, bis der Sturm vorüber ist“.

Rechtsanwalt Osman Ertürk Özel weist auf die psychologische und taktische Dimension des Prozesses hin und betont die „Unersättlichkeit“ des Regimes:

„Ich hatte Herrn Fatih Altaylı wenige Tage vor seiner ersten Verhandlung besucht. (…) Letztlich wurde in der ersten Sitzung keine Haftentlassung beschlossen, und direkt danach unterbrach Herr Altaylı seine Sendungen – eine nur allzu menschliche Reaktion. (…)

Doch wir haben gesehen, dass selbst das Schweigen von Herrn Altaylı diesen Leuten nicht mehr genügt. Wenn der Wolf sich in den Kopf gesetzt hat, das Lamm zu fressen, dann frisst er es. Ich betrachte dieses rechtswidrige Urteil als einen Wendepunkt. Selbst wenn man schweigt: In diesen Leuten brennt ein Groll, der nicht mehr abkühlt. Das war früher nicht so; wer ‚seine Lektion gelernt‘ hatte, konnte gehen. Jetzt ist klar: Man wird nicht mehr gehen können.“

Özels Metapher des „nicht abkühlenden Grolls“ zeigt, dass die Angelegenheit längst keine rationale Verwaltungsstrategie mehr ist, sondern zu einer revanchistischen Vernichtungspolitik mutiert ist. Altaylı schwieg, zog sich zurück, signalisierte, dass er „seine Lektion gelernt“ habe – doch es reichte nicht. Denn das System verlangt nicht mehr nur Gehorsam, sondern absolute Unterwerfung und symbolische Opfer.

Anstatt eines Fazits

Das Urteil gegen Fatih Altaylı ist ein Meilenstein, der zeigt, dass das Recht in der Türkei nur noch aus einer technischen Prozedur besteht, die jedoch selbst in ihren Details zugunsten der Macht manipuliert wird. Die technische Falle, auf die Akın Atalay hinweist, die von Ozan Gündoğdu betonte Unsicherheit und die von Osman Ertürk Özel unterstrichene Nutzlosigkeit des Schweigens deuten auf eine einzige Wahrheit hin:

Solange das bestehende Regime seine Krise nicht überwinden kann, wird es die Justiz weiterhin als Knüppel, den Frieden als Spielzeug und das Schweigen als Schwäche betrachten. Diese Erschütterungen im Überbau sind das Geräusch des tiefen Risses im Fundament. Und wie es scheint, spielt es keine Rolle mehr, wie still das Lamm hält, wenn der Wolf erst einmal beschlossen hat, es zu fressen.

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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FrauenPolitik

Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche

von Fremdeninfo 4 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Angesichts anhaltender Vorwürfe über Repressionen, antidemokratische Praktiken und Gewalt gegen Frauen innerhalb der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) haben sich langjährige Funktionärinnen mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort gemeldet. In dem Statement wird betont, dass die Unterzeichnerinnen die jüngsten Entwicklungen aus nächster Nähe beobachtet hätten. Die Institution sei den Interessen einer kleinen Gruppe ausgeliefert worden, während Belästigung, Beleidigung und Einschüchterung von Frauen systematische Züge angenommen hätten. Nachfolgend der volle Wortlaut der Erklärung:

Aufruf zur Gerechtigkeit gegen Gesetzlosigkeit und Unterdrückung in der AABF

Wir sind Mitglieder (Canlar), die seit Jahren in den Institutionen der AABF dienen und sich für den alevitischen Weg (Yol) einsetzen.

Wir befanden uns inmitten der negativen Entwicklungen in der AABF und wurden direkte Zeugen, wie schlecht dieser Prozess gesteuert wurde.

Mit Sorge haben wir beobachtet, wie unsere Institution den Interessen einer kleinen Profitgruppe ausgeliefert wurde und wie die Struktur, für die wir uns jahrelang engagiert haben, zu einem Machtinstrument in den Händen weniger Einzelpersonen verkommen ist.

Ihr habt Angst und Gewalt so sehr verinnerlicht, dass wir dies während der Generalversammlung am 18.10.2025 [Anm. d. Red.: Datum gemäß Originaltext] am eigenen Leib erfahren mussten.

Ego, Gier und die Sucht nach Posten haben ein solches Ausmaß angenommen, dass ihr Beleidigungen, Belästigungen, Einschüchterungen und die Unterdrückung von uns Frauen als Normalität betrachtet habt.

Ihr habt euch jedes antidemokratische und unrechtmäßige Mittel als Recht herausgenommen.

Es ist ein schmerzhafter Widerspruch, dass der Vorsitzende Hüseyin Mat, der einst rief „Aleviten gehen nicht vor Gericht“, gemeinsam mit Generalsekretär Ufuk Çakır und der Vorsitzenden des Beirats, der Juristin Esma Çakır, einen Anwalt engagiert hat, um einen 75-jährigen alevitischen Ältesten (Mahmut Erdoğan), der diese Missstände kritisierte, vor den Kadi zu zerren.

Derselbe ältere Herr hatte gefragt, warum 54.000 Euro an Erdbebenhilfen an eine private Bäckerei überwiesen wurden. Diese Frage wurde auch in Zeitungen wie Aydınlık, Odatv und Akit thematisiert. Doch gegen diese Medien habt ihr euch nicht getraut, rechtliche Schritte einzuleiten.

Obwohl Özlem Akgül offiziell immer noch die Vorsitzende des Bundes der Alevitischen Frauen in Deutschland (AAKB) ist, habt ihr verfahrenswidrig zunächst Özlem Kara und anschließend Özgür Demir als Vorsitzende eingesetzt. Obwohl die AAKB eine autonome Institution mit eigener Satzung ist und ihr wusstet, dass dies weder mit den Abläufen noch mit dem Recht vereinbar ist, habt ihr diese Praxis durchgesetzt, weil es euch opportun erschien. Damit habt ihr die unrechtmäßige Nutzung von Delegiertenrechten ermöglicht und den Boden dafür bereitet, dass die entsprechenden Personen weiterhin für Ämter kandidieren können.

Der Vorsitzende des AABF-Glaubensrates, Hasan Ali İçlek Dede, erklärte vor einiger Zeit noch: „Der Semah ist kein Schauspiel.“ Doch erst am vergangenen Wochenende teilte er Aufnahmen des von ihm geleiteten Cem-Gottesdienstes auf Facebook.

Anderen erlegt ihr Verbote auf, doch wenn es um euch selbst geht, haltet ihr dasselbe Verhalten für legitim; mehr noch, ihr betrachtet dies als Führungskompetenz. Doch das ist keine Führung – das ist der Missbrauch eines Amtes für persönliche Interessen.

Ihr habt diejenigen angegriffen, die Fragen stellten und Rechenschaft forderten. Ihr habt uns herabgewürdigt und beleidigt. Ihr dachtet, die AABF sei euer Privateigentum.

Wir jedoch werden angesichts dieser Ungerechtigkeit nicht schweigen.

Wir halten es für richtig und unterstützen es ausdrücklich, dass gegen die wenigen Personen, die für diese unserer Institution schadenden Praktiken verantwortlich sind, Strafanzeige bei der deutschen Justiz erstattet wird.

Denn wir glauben daran, dass die Läuterung in alevitischen Institutionen aus den alevitischen Institutionen selbst heraus beginnen muss.

Aus diesem Grund teilen wir der Öffentlichkeit respektvoll mit, dass wir die Einleitung des Verfahrens durch den Disziplinarrat der AABF als einen segensreichen und historischen Wendepunkt für die alevitische Bewegung betrachten.

Unser heute begonnener Kampf um Recht wird unsere Zukunft auf ein solideres Fundament stellen. Wir sind weiterhin die Sprache und der Atem derer, die nicht gehört werden. Und das werden wir auch bleiben.

Die Unterzeichnerinnen:

  • Özlem Mirwald – 2. Vorsitzende des Aufsichtsrats der AABF (15. Amtsperiode)

  • Yeter Eroğlu – Schriftführerin des Glaubensrats der AABF Rheinland-Pfalz und Mitglied des Glaubensrats im Cemhaus Mainz

  • Dilek Şirin – 2. Vorsitzende des Disziplinarrats der AABF

  • Semiha Turan – Vorsitzende des Alevitischen Kulturzentrums Bremen

  • Nurten Yalnız – Ehemalige 2. Vorsitzende der Landesvertretung NRW und alevitische Kızılbaş-Geistliche (Yol Önderi)

  • Filiz Eser – Vorstandsmitglied des Landesverbands NRW und Mitglied des Kultur- und Kunstausschusses im Cemhaus Neuss (Kaarster Str.)

  • Elif Duman – Ana, 2. Vorsitzende des Regionalvorstands Nord der AABF

  • Güllü Temiz – Vorstandsmitglied des Regionalverbands Nord

  • Nurşen Yılmaz – Ko-Vorsitzende des Kultur- und Solidaritätsvereins der Dörfer Becekli und Göktepe

4 Dezember 2025 0 Kommentare
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