Artikel von Robert Tannenberg,Marcel Leubecher /welt
Deutschlands Nettozuwanderung ist 2025 stark gesunken: Statt 430.000 kamen nur noch 235.000 Menschen hinzu. Vor allem aus Syrien, der Türkei, Afghanistan und der Ukraine gingen die Zahlen zurück – zugleich wanderten mehr Deutsche ins Ausland ab.
Während die Bevölkerung der Bundesrepublik wegen der starken Zuwanderung seit dem letzten Jahrzehnt auf mehr als 83 Millionen gestiegen ist, verlassen seit Langem jährlich viele Deutsche das Land.
Laut der am Montag veröffentlichten Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamtes wanderten im Jahr 2025 so viele Deutsche aus wie noch nie: 288.579 Bundesbürger zogen ins Ausland. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2016 (281.000) noch übertroffen.
Allerdings sind darunter längst nicht nur Deutsche, die ihre Zelte in ihrer Heimat endgültig abbrechen, sondern auch viele Akademiker, die sich für einige Semester an einer Universität im EU-Ausland einschreiben oder dort promovieren. Aber auch Handwerker, die wegen besserer Löhne für einige Zeit in der Schweiz oder Skandinavien arbeiten, oder sogenannte Expats, also ambitionierte Mitarbeiter internationaler Konzerne, die ein paar Jahre an einem ausländischen Standort eingesetzt werden
Und so verlegten im Jahr 2025 auch wieder 191.890 abgewanderte Bundesbürger ihren Wohnsitz nach Deutschland. Damit ergab sich im vergangenen Jahr ein Wanderungsverlust von 96.689 Bundesbürgern. Unterm Strich verlor das Land damit noch einmal deutlich mehr Deutsche als im Jahr zuvor (80.879). Nur in einem Jahr seit Bestehen der Wanderungsstatistik wurde eine höhere Nettoauswanderung von Deutschen verzeichnet, nämlich 2016 (135.364).
Schweiz als beliebtestes Auswandererland – Österreich und Spanien dahinter
Der in der Zeitreihe der Wanderungsstatistik extreme Auswanderungsanstieg 2016 lag vor allem an einer methodischen Änderung. Bis zum Jahr 2015 wurden nur jene Deutschen als Abwanderer gezählt, die sich von einer neuen Adresse im Ausland hierzulande abmeldeten. Das änderte sich ein Jahr später: Seitdem gehen Statistiker davon aus, dass Personen, die sich hier ab-, aber nirgends sonst in Deutschland wieder anmeldeten, ins Ausland verzogen sind.
Insgesamt ist aber unabhängig von der Erhebungsweise bei Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit seit 2005 eine Nettoabwanderung festzustellen. Seitdem wandern also mehr Bundesbürger ab als ins Land ziehen. In den Jahren von 1990 bis 2004 wies die Bevölkerungsstatistik zwar immer mehr zuziehende als fortziehende Deutsche aus – allerdings vor allem wegen der statistischen Besonderheit, dass die Millionen Spätaussiedler und ihre Angehörigen mit den Bürgern aus dem Bundesgebiet in der Wanderungsstatistik zusammen erfasst wurden und werden.
Laut den am Montag veröffentlichten Destatis-Zahlen waren auch 2015 die beliebtesten Auswanderungsländer von Deutschen die Schweiz (23.000) und Österreich (14.000), gefolgt von Spanien mit 10.000 Fortzügen.
Zuwanderung aus Syrien und Afghanistan bricht ein
Insgesamt wandern aber jährlich trotz der starken Abwanderung von Deutschen viel mehr Menschen in die Bundesrepublik ein als aus. Im Jahr 2025 sind rund 235.000 Personen mehr nach Deutschland zugezogen als aus Deutschland fortgezogen. Damit ist die Nettozuwanderung gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent deutlich gesunken (2024: 430.000 Personen).
Wie das Statistische Bundesamt nach endgültigen Ergebnissen der Wanderungsstatistik weiter mitteilte, waren 2025 rund 1,48 Millionen Zuzüge und 1,25 Millionen Fortzüge über die Grenzen Deutschlands zu verzeichnen. Im Vorjahr wurden noch rund 1,69 Millionen Zuzüge und 1,26 Millionen Fortzüge registriert. Damit sind im Jahr 2025 rund 13 Prozent weniger Personen zugezogen als 2024. Die Zahl der Fortzüge hat sich gegenüber dem Vorjahr um knapp zwei Prozent verringert.
Eine Ursache für die im Jahr 2025 gegenüber 2024 geringere Zuwanderung ist eine geringere Nettozuwanderung aus den Hauptherkunftsländern von Asylsuchenden. Im Vergleich zum Vorjahr registrierte die Wanderungsstatistik deutliche Rückgänge der Nettozuwanderung aus Syrien (minus 67 Prozent, von 75.000 auf 25.000), der Türkei (minus 41 Prozent, von 41.000 auf 24.000) und aus Afghanistan (minus 41 Prozent, von 33.000 auf 19.000). Laut der Asylstatistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gab es 2025 erheblich weniger Asylanträge von Staatsangehörigen dieser Länder.
Auch aus der Ukraine war die Nettozuwanderung gegenüber dem Vorjahr erneut rückläufig (minus 21 Prozent, von 121.000 auf 96.000). Geflüchtete Menschen aus der Ukraine müssen keinen Asylantrag stellen, sondern erhalten eine Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz.Eine weitere Ursache für die sinkende Nettozuwanderung ist die weiterhin rückläufige Zuwanderung aus den Staaten der Europäischen Union. Im Jahr 2025 betrug der Wanderungssaldo Deutschlands mit der EU minus 54.000 Personen. Die größten Rückgänge des Wanderungssaldos im Vergleich zum Vorjahr waren bei Polen (minus 6000 Personen), Bulgarien (minus 3000 Personen) sowie Spanien, Kroatien, Griechenland und Italien (jeweils minus 2000 Personen) zu beobachten.
Polen und Bulgarien sind gleichzeitig auch die EU-Staaten mit den größten Wanderungsdefiziten gegenüber Deutschland im Jahr 2025 (minus 17.000 beziehungsweise minus 14.000 Personen). Eine Zunahme des Wanderungssaldos im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten hingegen die Niederlande und Rumänien (jeweils plus 1000 Personen). Den höchsten Wanderungssaldo innerhalb der EU gab es mit Italien (plus 4000 Personen). Insgesamt trugen zugewanderte Personen aus Asien am meisten zur Nettozuwanderung bei (plus 158.000 Personen), gefolgt von Menschen aus Europa (plus 85.000 Personen) und aus Afrika (plus 54.000 Personen).
Bei Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ist seit 2005 eine Nettoabwanderung festzustellen. 2025 war der Wanderungsverlust deutscher Staatsbürger gegenüber dem Ausland höher als im Vorjahr (2025: minus 97.000 Personen; 2024: minus 81.000 Personen). Hauptzielländer waren die Schweiz mit 23.000, Österreich mit 14.000 und Spanien mit 10.000 Fortzügen.
Innerhalb Deutschlands wurden 2025 insgesamt 996.000 Wanderungen über die Bundeslandgrenzen registriert. Dies waren 8000 beziehungsweise ein Prozent weniger als im Vorjahr. Brandenburg verzeichnete mit einem positiven Saldo von 9000 Personen den größten Wanderungsüberschuss, gefolgt von Bayern und Schleswig-Holstein (jeweils plus 8000 Personen). Berlin (minus 12.000 Personen) sowie Thüringen (minus 6000 Personen) und Nordrhein-Westfalen (minus 5000 Personen) hatten die größten Wanderungsverluste