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Startseite Rassismus

Antonio Rüdiger: „Für einige Deutsche werde ich nie Deutscher sein

von Fremdeninfo 28 Mai 2021
von Fremdeninfo 28 Mai 2021
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  1. Antonio Rüdiger: „Für einige Deutsche werde ich nie Deutscher sein

 
Fußball Nationalspieler Rüdiger

„Für einige Deutsche werde ich nie ein Deutscher sein“


Nur noch wenige Tage und die deutsche Nationalmannschaft beginnt ihr EM-Trainingslager. In Seefeld in Österreich will Bundestrainer Joachim Löw seine 26 Nominierten in Turnierform bringen. Reporter Dirk Schommertz hat sich schonmal vor Ort umgeschaut.

 

Antonio Rüdiger hat in einem bemerkenswerten Beitrag das Rassismusproblem im Fußball illustriert. Der deutsche Nationalspieler glaubt, dass es nicht wirklich ernst genommen wird. Er sagt, das seien „nicht nur paar Idioten“ auf der Tribüne. Das Problem gehe tiefer.

Kurz vor dem Champions-League-Finale mit dem FC Chelsea am Samstag (21 Uhr, im Sport-Ticker von WELT) und der EM-Vorbereitung mit der Nationalmannschaft hat Antonio Rüdiger fortwährenden Rassismus im Fußball beklagt. In einem sehr persönlichen Beitrag für „The Players’ Tribune“ berichtete der Verteidiger von seiner Kindheit im Berliner Bezirk Neukölln und prangerte eine aus seiner Sicht scheinheilige Kultur im Profigeschäft an.

„Hin und wieder haben wir eine große Social-Media-Kampagne, und jeder fühlt sich gut mit sich selbst, und dann kehren wir zur Normalität zurück. Nichts ändert sich jemals wirklich“, schrieb Rüdiger, der am Samstag in Porto mit Chelsea gegen Manchester City um den Königsklassentitel spielt.

Um die Super League innerhalb von 48 Stunden zu verhindern, hätten Presse, Fans und Spieler zusammengestanden, „aber wenn es in einem Fußballstadion oder online offensichtlichen rassistischen Missbrauch gibt, ist das immer kompliziert?“, fragte der 28-Jährige rhetorisch. Seine Antwort: „Vielleicht, weil es nicht nur ein paar Idioten auf der Tribüne sind. Vielleicht, weil es viel tiefer geht“, bleibe Rassismus ein gesellschaftliches Dauerproblem.

Unter Profi-Kollegen ist Thema Rassismus eine Randnotiz

Schon als Kind habe er Ausgrenzung erfahren und verinnerlicht. „Ich wurde hier geboren, aber für einige Deutsche werden ich nie ein Deutscher sein“, sei damals eine Lektion gewesen, schrieb Rüdiger, dessen Eltern vor dem Bürgerkrieg in Sierra Leone nach Deutschland geflüchtet waren. „Es ist bittersüß, weil Deutschland meiner Familie alles gegeben hat“, sagte der 40-malige Nationalspieler.Auch unter Profi-Kollegen sei das Thema Rassismus eine Randnotiz. „Es gibt immer PlayStation, Instagram, Autos, das nächste Spiel – es gibt immer etwas, das uns von harten Gesprächen ablenkt“, sagte Rüdiger. „Posten, Posten, Posten. Das Gefühl, wir haben etwas getan. Und doch haben wir nichts getan. Nichts verändert sich“, beklagte der Berliner, der von rassistischen Beleidigungen in Italien und persönlichen Anfeindungen in England erzählte.

 

Auch sein Text werde keine schnelle Änderung bringen, schrieb Rüdiger. „Wir werden dieses Problem nicht mit einer Social-Media-Kampagne oder mit diesem Artikel lösen. Ich habe zu viel gelebt, um die Hoffnung eines Kindes zu haben. Aber ich bin nicht hoffnungslos. Ich werde weiter kämpfen – für immer. Weil ich weiß, dass es Leute gibt, die sich darum kümmern. Ich weiß, dass es Leute gibt, die mich wirklich hören“, sagte der Profi. Für diese Menschen wolle er das Champions-League-Finale gewinnen – als Junge aus Neukölln.

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Redaktioneller Fokus auf Recht, Politik und Soziales im Kontext von Migration. Wir beobachten Hintergründe und stärken die Position von Einwanderern und Geflüchteten.

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